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  • Ausstellung „Giganten der Meere“ ab heute in Rosenheim

    Ab heute (26.09.2019) zeigt der Rosenheimer Lokschuppen 22 lebensechte Meeressaurier als Modelle.

    Neben 200 Fossilien, Skeletten und einem „3D-Aquarium“ sind die in Originalgröße gehaltenen Modelle der Höhepunkt der Ausstellung. Die Ausstellungsmacher haben die Modelle nach dem neuesten Forschungsstand entwickelt. „Am wichtigsten ist die Diskussion am Anfang, wie das Modell aussehen muss. Die Haltung, die Haut, die Augen, die Größenverhältnisse – alles muss stimmen“, sagt der Kurator der Ausstellung Dr. Bernd Herkner.

    Modelle aus Italien – und aus Kunstharz

    Die Firma Prehistoric Minds aus Norditalien produziert schließlich die Modelle zusammen mit Wissenschaftlern, Kunsthandwerkern und Künstlern. Paläontologe Dr. Simone Maganuco und Zeichner Davide Bonnadonna gelten als kongeniales Team beim Sauriermodellbau, sie kombinieren neueste wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Überlegungen, wie weit sich ein Tier innerhalb seiner Möglichkeiten bewegen wird.

    Zweibeinig laufender Saurier
    Dieses Baryonyx-Modell steht in einer anderen Wanderausstellung

    Aus Bonnadonnas Zeichnungen wird schließlich ein digitales 3D-Modell. Computergesteuerte Spezialwerkzeuge fräsen dann dieses Modell aus einem soliden Styroporblock. Anschließend wird es mit Kunstharz und Polyester überzogen. Die Hautschuppen fertigt er klassisch aus Ton. „Stets achten wir aber darauf, dass wir streng nach den wissenschaftlichen Vorlagen arbeiten“, erläutert Simone Maganuco diese Detailarbeit.
    Über den feuchten Ton ziehen die Mitarbeiter von Prehistoric Minds eine Hülle aus Kunstharz. Die Tonhaut drückte sich auf der Innenseite der Hülle mit allen Details ein. Die Hülle wurde danach abmontiert – so entstand eine Gussform für die einzelnen Abschnitte eines Saurierkörpers. Mit diesen Gussformen wurden dann die endgültigen Modelle gegossen. Die Produktion eines der großen Modelle dauert so bis zu 600 Stunden.

    Bis zu 12 m lang

    Mit einem Sattelschlepper kommen dann die Einzelteile der Meeressaurier nach Rosenheim. Vor Ort werden sie zu einem ganzen Tier zusammengesetzt – keine leichte Sache, bei einem Gewicht von bis zu 250 Kilogramm und einer Länge von bis zu 12 Metern.
    Die Modelle müssen aber auch noch in Szene gesetzt werden. Den Entwurf und die Planung der Ausstellungsarchitektur übernahm das Münchner „Atelier Hammerl und Dannenberg“. „Die großen Modelle im Lokschuppen zu platzieren und um diese Inszenierungen die originalen Exponate in den Vitrinen zu arrangieren – das war eine spannende Aufgabe für uns“, erklärt die Gestalterin Tanja Hammerl.

    Das Who-is-Who der mesozoischen Ozeane

    schlankes, schwimmendes Reptil mit Beinen und abenteuerlichen Zähnen
    Mosasaurus aus der Ausstellung im Löwentormuseum, Stuttgart

    Unter den dargestellten Tieren findet sich ein gewaltiger Tylosaurus, der zu den größten Mosasauriern gehört. Neben dem fast obligatorischen Liopleurodon und einem Spinosaurus sind aber auch verschiedene Ichthyosaurier, ein Pliosaurier und ein Plesiosaurier zu sehen. Bemerkenswert ist, dass die Ausstellungsmacher einen Nothosaurus zeigen, ein eher unspektakuläres Tier, mittelgroß, aber seine Überreste findet man an vielen Stellen in Deutschland.
    Prominent ist auch der Archelon, die größte bisher bekannte Schildkröte aller Zeiten.

    Auch Originale sind zu sehen

    Neben den Modellen sind auch Originalfossilien zu sehen. Mehr als 200 Ausstellungsstücke konnten die Aussteller nach Rosenheim holen und in Spezialvitrinen ausstellen. Sie stammen aus der Senckenberg-Sammlung und anderen renommierten Museen Europas. Teilweise werden sie das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

    Viel Mühe hat man sich auch mit dem 3D-Aquarium gegeben. Hier werden Szenen aus den mesozoischen Meeren dargestellt, nicht als Film, sondern in zufälliger Sequenz, so dass immer wieder mit Überraschungen gerechnet werden kann.

    Wohin die Ausstellung nach der Premiere in Rosenheim wandert, war zum Redaktionszeitpunkt noch nicht klar.
    Wir nutzen Bilder aus anderen Ausstellungen, da die Betreiber des Lokschuppens uns mit Strafe bedrohen, wenn wir ihre Pressefotos mit Ende der Ausstellung nicht von der Website entfernen. Das Risiko möchten wir nicht eingehen.

    Allgemeine Infos

    Die Ausstellung ist von heute an bis zum bis zum 13. Dezember 2020 im Lokschuppen Rosenheim täglich, auch Montags zu sehen. Nur am 24. und 31.12.19 ist der Lokschuppen geschlossen.

    Der Eintritt kostet für Erwachsene € 15,-, Kinder zahlen € 5,-. Es gibt zahlreiche Rabatte für Familien, Gruppen und an bestimmten Tagen. Tickets gibt es unter lokschuppen.de, bei den bekannten Vorverkaufsstellen und natürlich vor Ort.

    Der Lokschuppen ist für Rollstuhlfahrer geeignet, die zweite Ebene kann über einen Lift erreicht werden, der Boden ist gut befahrbar. Für Blinde und Sehbehinderte gibt es kontrastreiche Gestaltung und Audioguides, Blindenhunde sind in der Ausstellung zugelassen. Hörbehinderte profitieren von ausführlichen Ausstellungstexten, Audioguides mit Induktionsschleife für Hörgeräte sind an der Kasse erhältlich.


    Kommentar

    von Tobias Möser

    Soweit die allgemeinen Infos zur Ausstellung.Ausstellungen mit Sauriermodellen gibt es mittlerweile zahlreiche. Meist werden bekannte und spektakuläre Dinosaurier präsentiert, die mehr oder weniger gut ihren Vorbildern entsprechen. Teilweise sind sie animiert, oft brüllen sie, ich habe sie auch schon mit Nebelmaschinen gesehen. Viele der Modelle entsprechen den Tieren, die in der BBC-Serie „Walking with Dinosaurs“ und ihren Derivaten dargestellt werden. Ob es damit zu tun hat, dass diese Tiere dem breiten Publikum bekannt sind, oder dass hier 3D-Modelle vorliegen, weiß ich nicht.

    Ich habe die Ausstellung noch nicht gesehen (wie denn auch?). Auch hier rennen wieder vor allem die Tiere die aus den BBC-Serien herum.

    Das, was man von der Animation „3D-Aquarium“ sieht, erscheint nicht befriedigend. Die Tiere bewegen sich mit den selben „Fehlern“, wie man sie aus der Nigel Marven-Serie „Monster der Tiefe“ kennt. Gerade bei den Feinheiten ist die Animationstechnik nicht weiter gekommen.

    Die Ausschnitte, die ich gesehen habe, beziehen sich auch hauptsächlich auf möglichst spektakuläres Jagen und Fressen. Ob das nur für den Presse-Release so ist, oder ob sich die ganze Animation so darstellt, ist von hier aus nicht zu ermitteln. Einen Vorteil haben die Meeressaurier gegenüber den Land-Dinos: Unter Wasser ist das nervige Brüllen vieler Animationen nicht möglich.


  • Presseschau Kalenderwoche 35/2019

    Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hat die Schule wieder begonnen. Grund genug für die Redaktion, ihre „Ferien“ zu beenden und jede Woche neben der Presseschau und den Freitagnacht-Kryptos wieder zwei Fachartikel zu bringen. Ab diese Woche wird jeweils Dienstags und Donnerstags ein solcher Fachartikel erscheinen, der nicht unbedingt mit aktuellen Themen zu tun hat.

    Diesen Donnerstag erwarten wir die letzte Woche angekündigte Pressekonferenz von Prof. Neil Gemmell, der mit seinem möglichen genetischen Beweis Nessie nachgewiesen haben will. Sobald wir die Ergebnisse erfahren haben, informieren wir euch. Der Donnerstags-Artikel wird also diese Woche nicht früh um 7 Uhr erscheinen, sondern erst am frühen Nachmittag.

    In der vergangenen Woche war ja richtig was los. Auch wenn vieles „Neue“ alt war, im Falle vom Doppelgänger Scrats, des Säbelzahn-Eichhörnchens sogar 230 Millionen Jahre alt. Eine Schlange hielt Herne (und New York) in Atem und passend zum Redaktionsschluß kam die Erstbeschreibung einer rezenten Wal-Art auf den Tisch der Redaktion. Also gabs Freitagabend Überstunden, damit ihr heute und vor allem morgen über Berardius minimus lesen könnt. Da fallen Einzelmeldungen fast unter den Tisch – aber nur fast. Ach ja: was es mit Schnabeltier im Schnee auf sich hat… lest selbst!.

    Viel Spaß beim Lesen.


    Viele Fehlinformationen über die Feuer in Amazonien und den afrikanischen Regenwäldern

    „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“, dieser Satz wird dem amerikanischen Senator Hiram Johnson (1866-1945) zugeschrieben. Und Krieg tobt, schon längst nicht mehr „nur“ in Afghanistan, Syrien, Kaschmir oder Myanmar, sondern vor allem um unsere Köpfe. Ein Krieg der Informationen, der Fehlinformationen, der Deutungshoheiten. Ein Krieg, der über den Stammtischen, in den sozialen Medien und überall dort geführt wird, wo Meinungen entstehen.

    Neulich ging eine Karte vom Amazonasraum durch die sozialen Medien, auf der die Feuer angezeigt wurden. Kurze Zeit später folgte eine Karte, in der alle thermischen Anomalien angezeigt wurden, mit der Interpretation, das seien auch alles Feuer. Dann gab es wieder die Meldung, es würde nicht mehr brennen, als im Durchschnitt der letzten Jahre. Was soll man glauben? Wie viele der „Anomalien“ oder „Feuer“ oder was auch immer sind überhaupt in Regenwaldgebieten? In Savannengebieten sind Feuer durchaus etwas positives, das Ökosystem ist auf sie eingestellt. Wird da ein Strohfeuer im vertrockneten Grasland in der Massai Mara zu einem Regenwaldbrand, nur weils auch in Afrika liegt?

    Vor einigen Tagen kam die Meldung rum, dass alleine das Amazonasgebiet für 20% des Luftsauerstoffes verantwortlich sei und man sich Sorgen um die Atemluft machen solle. Dies wurde schnell „korrigiert“, es seien „nur“ 6% des globalen Sauerstoffes. Ich (TM) habe mal gelernt, ein intakter, stabiler Regenwald würde netto den produzierten Sauerstoff selbst verbrauchen, habe also keinen Einfluss auf den Sauerstoffgehalt der globalen Luft. Was soll man glauben?

    Meinung oder Systembetrachtung?

    Sketch eines Jungen, der nachdenktIch (TM) glaube, dass die Brände nicht nur auf die Sauerstoffproduktion reduziert werden dürfen. Die Auswirkungen auf das System sind wesentlich komplexer, als man das in den sozialen Medien oder einem Stammtisch klar machen kann. Leider verliert man dann Otto Normalverbraucher. Der hat schon Schwierigkeiten hat, zwischen Umwelt- und Klimaschutz zu unterscheiden und verzichtet dankenswerterweise auf seine Strohhalme – fürs Klima.

    Ich denke, der Lebensraumverlust ist in erster Linie das Problem. Hier stirbt gerade eine ungeheure Zahl von Arten aus, viele, von denen wir gar nichts wissen. Kleinräumige Brandflächen besiedelt ein Regenwald wieder, größere auch, man muss ihn nur lassen – und es dauert nach menschlichen Maßstäben ewig, mehrere hundert Jahre. Die Flächen sind also nicht verloren, erst wenn sie eine permanente Landwirtschaft übernimmt.

    Global kommen noch andere Aspekte hinzu. Feuer verursachen Thermik. Niemand weiß, wie sich die großflächig verstärkte Thermik auf die tropischen Windsysteme auswirkt. Welche Auswirkungen hat die Flugasche?

    Die fehlenden Wälder können den Boden in Amazonien nicht halten. Wie wirkt sich das auf die Flußläufe aus? Wie wirken sich Schwebstoffe auf die Flüsse selber aus? Was passiert, wenn sich die Trübungszonen an den Mündungen von Amazonas und Kongo vergrößern? Was passiert, wenn das in der Vegetation gebundene Süßwasser dort keinen Raum mehr findet? Gibt es „nur“ großflächige Überschwemmungen? Fließt es ins Meer ab?

    Die allerwichtigste Frage bleibt dann bisher ungestellt: Wie viele Feuer gibt es dieses Jahr? Wie groß ist die verbrannte Waldfläche? Wie groß ist die verbrannte Waldfläche im Vergleich zu anderen (feuchten oder trockenen) Jahren? Ist 2019 ein trockenes Jahr?

    Aufruf

    Glaubt nicht, was ihr am Stammtisch hört! Glaubt nicht, was ihr in den sozialen Medien lest! Besorgt euch unabhängige Informationen! Hinterfragt, was ihr lest! Schaut euch das Netzwerk und die Zusammenhänge an, in denen die Information stehen! Bewertet sie selbst! Lasst niemanden für euch denken!


    Neue Bäume braucht das Land!

    Hier über die ökologischen Qualitäten von Bäumen zu reden, hieße Eulen nach Athen tragen (siehe oben). Daher halte ich mich gar nicht damit auf. In gut einem Monat haben wir Deutschen unseren Nationalfeiertag. Ein Feiertag, den Politiker vor etwa 30 Jahren willkürlich gewählt haben. Er ist noch ohne gewachsene Tradition, wie das in vielen anderen Ländern der Fall ist.

    Einige Leute haben nun dazu aufgerufen, an diesem Tag einen Baum zu pflanzen. Es dürfen auch mehrere sein. Wir, die Redaktion, möchte uns dieser Idee anschließen, aus mehreren Gründen:

    • Für den Umweltschutz: jeder Baum ist ein Gewinn, vor allem, wenn es Bäume sind, die alt werden können und dürfen.
    • Man kann diese Aktion gemeinsam zelebrieren, sie findet nahezu zwingend draußen statt und beinhaltet wenigstens etwas körperliche Aktivität
    • Es ist eine schöne Idee, den Baum in den folgenden Jahren zu besuchen und zu überlegen, was in der Zeit alles (Gutes und Schlechtes) passiert ist
    • Es gibt kaum ein besseres Symbol für den Aufbau, als einen Baum zu pflanzen. Und aufzubauen haben wir genug.
    • Der „deutsche Wald“ und die „deutsche Eiche“ sind Nationalsymbole erster Güte, mit dem Vorteil, dass die Sauerstoffproduktion und CO2-Bindung allen Menschen zu Gute kommen.

    Wer keinen Garten oder sonst ein Grundstück hat, um einen Baum zu pflanzen, kann sich an Aktionen beteiligen, bei denen anderswo Bäume gepflanzt werden:

    https://www.betterplace.org/de/projects/71369-einheitsbuddeln-die-grosse-baumpflanzaktion-zum-tag-der-deutschen-einheit

    https://einheitsbuddeln.de/home


    Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat hat einen Doppelgänger

    ein Pseudotherium auf einem Baumstumpf, im Hintergrund ein großes Reptil
    Künstlerische Darstellung von Pseudotherium. Image credit: Agencia CTyS-UNLaM.

     

    Das Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat aus den Eröffnungs-Sequenzen der IceAge-Filme wurde unvermutet zum Publikumsliebling. Die wenigsten wissen, dass die chronisch erfolglos agierende Figur bereits eine reale Entsprechung hat: Cronopio dentiacutus, ein Vertreter der Dryolestoiden, einer bereits ausgestorbenen Tiergruppe, von der die heutigen Beutelsäuger und die Höheren Säugetiere abstammen. Es war etwa mausgroß und lebte vor etwa 100 Millionen Jahren in Südamerika.

    Doch nun wurde ein weiterer, noch wesentlich älterer Doppelgänger entdeckt. Pseudotherium argentinus stammt, wie der Name sagt, ebenfalls aus Argentinien. Es gehörte zu den Cynodontiern, einer Gruppe säugetierähnlicher Reptilien, aus denen als einzige überlebende Gruppe die Säugetiere hervorgegangen sind. Pseudotherium ist 230 Millionen Jahre alt, lebte also in der frühen Obertrias. Es maß etwa 25 cm und teilte seinen Lebensraum möglicherweise mit Dinosauriern wie Coelophysis und Plateosaurus.

    Der Schädel des Tiers wurde bereits 2006 entdeckt und bis jetzt an der Universität von Texas analysiert. Die Ergebnisse hat die Arbeitsgruppe im Fachmagazin „Plos One“ veröffentlicht.


    Frühester bekannter Stegosaurier gefunden

    Grünlicher Dinosaurier, der auf vier Beinen läuft, zahlreiche Knochenplatten auf dem Rücken und vier Dornen auf der Schwanzspitze hat
    Adratiklit boulahfa ist nahe mit den europäischen Stegosauriden verwandt, wie dem hier gezeigten Miragaia. (Bild: Nobu Tamura, spinops.blogspot.com, CC by 3.0)

    Stegosaurier gehören zu den populärsten Dinosauriern. Der hohe, gekrümmte Rücken mit den viereckigen Knochenplatten und zwei mächtige Dornenpaare auf dem hoch erhobenen Schwanz lassen sie zu einer Ikone der Dinoliebhaber werden. Obwohl Stegosaurier weit verbreitet und auffällige Tiere waren, sind sie nur schlecht fossil belegt.

    Mit Adratiklit boulahfa haben Paläontologen nun die älteste bisher bekannte Art ausgegraben, die eindeutig der Familie Stegosaurier zugeordnet wird. Sie ist 168 Millionen Jahre alt und stammt aus dem mittleren Jura im Atlasgebirge in Marokko. Von Adratiklit wurden ein paar Wirbelknochen und ein Oberarm gefunden.

    Bei Andratiklit handelt es sich um den ersten Stegosaurier, der in Nordafrika gefunden wurde. Da es die früheste bekannte Art und Gattung ist, ermöglicht sie besondere Einblicke in die Evolution dieser immernoch sehr rätselhaften Tiere.

    Die Originalarbeit ist hier zu finden: https://doi.org/10.1016/j.gr.2019.07.007


    Ein schwarzer Mantarochen schwimmt mit offenem Maul über ein Riff
    Manta-Rochen bei Hawaii

    Manta-Rochen pflegen Freundschaften

    Obwohl viele Haie als Einzelgänger gelten, sind ihre Manta-Verwandten überraschend sozial: Sie kopieren die Bewegungen anderer Mantas in ihrer Umgebung. Sie spielen zusammen und nähern sich sogar neugierig den Menschen in der Nähe. Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass sie mit ihren Kollegen auch „Freundschaften“ schließen – lose Assoziationen, die Wochen oder Monate dauern können.

    Über die Arbeit hat das Fachmagazin Science unter dem Titel „These manta rays form ‘friendships’ that last longer than a summer fling“ berichtet.


    Schlangen über Schlangen

    Passend zum Ende der Schulferien in NRW kommen nun doch noch die „Saure-Gurken-Zeit“-Themen. In Herne im nördlichen Ruhrgebiet sorgt eine Monokel-Kobra Naja kaouthia* für Aufregung. Doch der Reihe nach:

    Eine Kobra erhebt sich aus dem Korb eines Schlangenbeschwöreres und spreizt den Nacken
    Die Monokelkobra ist gut im Terrarium haltbar, aber sehr giftig.

    Sonntag, den 25. August 2019

    Eine Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses in Herne-Holthausen beobachtet im Hausflur eine etwa 1,40 m lange Schlange. Sie sei zwischen zwei Wohnungstüren unterwegs gewesen und habe die ganze Zeit gezischt. Sie wählt den Notruf. Ihr Freund habe später ein Foto gemacht, so kann die Schlange ggf. identifiziert werden. Das Foto zeigt eine helle Schlange ohne jede Zeichnung. Der Kopf ist nicht sichtbar.
    Als die Einsatzkräfte vor Ort sind, ist die Schlange verschwunden. Die Feuerwehr lässt sich von -in der Presse nicht näher definierten- Reptilienexperten beraten. In der Folge wird doppelseitiges Klebeband als Falle ausgebracht und Mehl ausgestreut, in der Hoffnung, die Schlange hinterlässt dort Spuren, die auf ihren Aufenthaltsort hindeuten.

    Vermutlich ist die Kobra aus dem Terrarium eines anderen Hausbewohners entkommen. Dieser Mann soll dort mehrere Schlangen halten, er hat sie auch der Stadt ordnungsgemäß gemeldet. Diese hatte in der Vergangenheit die Haltung überprüft und nichts Negatives festgestellt.

    Da das Haus mit drei anderen Häusern verbunden ist, müssen sie alle geräumt werden. Die meisten Bewohner kommen bei Verwandten und Freunden unter, nur wenige müssen in eine Notunterkunft ausweichen.

    Montag, den 26. August

    Am Vormittag finden Behördenmitarbeiter im  Keller des Hauses die Häutungsreste einer Schlange. In einem der Terrarien lebt eine frisch gehäutete Schlange. Die Beamten vermuten, dass die Schlange aus dem Terrarium ausgebrochen ist, sich im Keller gehäutet hat und dann von selbst in den Behälter zurückkehrte. Bestätigt, z.B. durch eine genetische Untersuchung, ist das noch nicht.

    Der Schlangenhalter bestreitet, dass die im Flur beobachtete Schlange von ihm stammt. Alle in der Wohnung befindlichen Schlangen werden dennoch sichergestellt.

    Dienstag, 27. August 2019

    Die Behörden gehen immernoch davon aus, dass die Kobra in einem der Häuser unterwegs ist. Vermutlich ist das Tier nicht unter den sichergestellten Reptilien. Bisher konnten die Experten die Schlangenhaut konnte keinem der Tiere definitiv zuordnen. Die Behörden gehen weiter davon aus, dass sich die Schlange noch in dem Komplex versteckt hält. Hausbewohner dürfen nur gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes kurz in ihre Wohnungen, um sich Gegenstände zu holen. Bisher gibt es keine Spuren im Mehl oder auf den Klebestreifen.

    Mittwoch, 28. August 2019

    Seit dem Vormittag suchen Reptilien-Spezialisten der Feuerwehr Düsseldorf die Kellerräume der insgesamt vier miteinander verbundenen Häuser ab. „Die Suche wird ein paar Tage dauern“, sagte Marco Diesing von der Feuerwehr Herne. Mindestens so lange dürfen die 30 Bewohner aus Sicherheitsgründen weiterhin nicht in ihre Wohnungen zurück.

    Ungewöhnlich spät meldete sich die Politik zu Wort. Die Phrasen waren dennoch vorhersehbar. „Was uns auch beschäftigt, ist die Frage, wie das eigentlich in Nordrhein-Westfalen sein kann, dass es schwieriger ist, einen Hund anzumelden als eine giftige Schlange in seinem Haus zu halten. (…) Das kann ja wohl nicht unser Ernst sein.“ kommentiert der Herner Oberbürgermeister Frank Dudda das in NRW fehlende Gefahrtiergesetz. Grüne und SPD hatten bereits 2014 als Regierungskoalition ein solches Gesetz angestrebt, es scheiterte – am Widerstand der Kommunen.

    Donnerstag, 29. August 2019

    Die nächste Unstimmigkeit: Der Schlangenhalter hatte behauptet, die fotografierte Schlange sei nicht von ihm. Er hatte 22 Schlangen angemeldet, davon fünf Monokelkobras. Die externen Schlangenexperten haben drei Monokelkobras in den Terrarien identifiziert. Der Schlangenhalter gibt an, eine der Monokelkobras verkauft zu haben, kann das aber nicht belegen. Die im Keller gefundene Häutung ist bisher keinem konkreten Tier zugeordnet worden.

    Die „Schlangenhäuser“ in Herne entwickeln sich zu einer kleinen Attraktion. Zahlreiche Besucher kommen „eben mal vorbei“, stehen vor den Absperrbändern der Polizei, machen Handyfotos, gucken. „Wir waren gerade in der Nähe und haben uns dann gesagt, wir gucken mal, was hier so los ist“, sagt Detlef Klemen, der hier eigentlich mit Polizei und Feuerwehr gerechnet hätte. Zahlreiche Anwohner sind bereits genervt.

    Herne indess mausert sich zu einer kleinen Berühmtheit: Sogar die New York Times hatte Platz genug, kurz über die Schlange zu berichten.

    Freitag, 30. August 2019

    Bei einem Ortstermin des Oberbürgermeisters bemerkt ein Anwohner, dass die Schlange sich im hohen Gras hinter dem Haus hervorragend verstecken könne. Die Stadt schickt einen Mähroboter, dessen Lärm die Schlange aufschreckt. Sie flüchtet in einen Kellereingang, wo sie ein Mitarbeiter entdeckt. Nur Minuten später kann man sie einfangen. Niemand wurde verletzt und die Schlange wanderte erst einmal in eine Kunststoffbox.

    Die Anwohner können in ihre Wohnungen zurück. Vermutlich werden sie als erstes staubsaugen – schließlich haben die Schlangenjäger ja Mehl ausgebracht, um Spuren zu sichern.

    „Die Schlange ist wohlauf“, sagte eine Sprecherin der Stadt am Samstag (31.08.2019). „Sie hat wahrscheinlich den stressigsten Tag ihres Lebens gehabt.“

     

    Düren

    Während in Herne die Kobra (nicht) Amok lief, hatte es die Stadtverwaltung Düren mit einem wesentlich ungefährlicheren Besucher zu tun. Aufmerksame Bürger hatten am Dienstagvormittag im Kreishaus eine rote Schlange gesehen und die Feuerwehr alarmiert. Als sie eintraf, hatten die Angestellten des Kreishauses die Schlange bereits in einem Eimer gefangen. Die Feuerwehr übernahm die nur 30 cm lange Schlange und identifizierte sie als Kornnatter – dann setzten die Mitarbeiter das Reptil an der nahe gelegenen Rur aus.

    Darüber sind die Mitarbeiter der Reptilien-Auffangstation in Stolberg empört. Nicht einmal heimische Tiere wie etwa Ringelnattern dürfen ohne Rücksprache mit der zuständigen Umwelt-Behörde ausgesetzt werden. Die Kornnatter stammt aus den wärmeren Gebieten Nordamerikas. Sie hat keine Chance, den Winter in der Nordeifel zu überleben.
    Die Feuerwehr Düren räumte später gegenüber dem WDR ein, das nicht abgesprochene Aussetzen der Schlange sei ein Fehler gewesen.

     

    Flensburg

    Der Vollständigkeit halber: Einsatzkräfte der Flensburger Feuerwehr haben am Samstag, 30.8.2019 an der Bushaltestelle „Am Stadtpark“ einen etwa 1 m langen Königspython eingefangen und ins Tierheim gebracht. Vermutlich hatte die Schlange keine Fahrkarte.


    CITES-Treffen in Genf

    Auf dem Treffen der Unterzeichnerstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens in Genf hat es einige Beschlüsse gegeben, die dem Tierschutz dienen. Andere, wenige sind nicht so positiv zu bewerten, aber in der Summe hat sich der Artenschutz gegen kurzfristige Interessen durchgesetzt:

    • Insgesamt 142 Arten bekommen einen höheren Schutzstatus.
    • 18 weitere Hai- und Rochenarten, u.a. die Mako-Arten und Gitarrenrochen stehen jetzt auf Anhang II
    • Europäische Aale, Seegurken und Seepferdchen werden ebenfalls herauf gestuft
    • Giraffen fallen jetzt ebenfalls unter Anhang II
    • Der Elfenbeinhandel bleib quasi unverändert. International verboten, bleibt der Binnenhandel erlaubt. Insbesondere die EU und Japan haben sich gegen die vollständige Schließung der Märkte stark gemacht.
    • Südafrikanischen Staaten wird es nicht erlaubt, die Elfenbeinlager zu öffnen. Bei der letzten Öffnung 2008 eskalierte die Elefantenwilderei.
    • Elefanten dürfen aus Simbabwe, Botsuana, Namibia und Südafrika nicht mehr für die Zoohaltung exportiert werden.
    • einige als Haustiere gehandelte Reptilienarten stehen jetzt ebenfalls unter Anhang II
    • Über 100 Glasfroscharten, die gerade bei Terrarienliebhabern in aller Welt „in“ sind, werden nicht gelistet
    • Eine CITES Big Cat Task Force wurde gegründet. Sie soll den illegalen Handel mit Tigern, Löwen, Geparden, Jaguaren und Leoparden bekämpfen
    • Der erfolgreiche Schutz der wilden Vikunjas in den Andenstaaten erlaubt es, eine regionale Vikunjapopulation in Argentinien von Anhang I auf Anhang II zu setzen.
    • Ob, wie in der letzten Woche gemeldet, der Antrag Israels auf Aufnahme der Mammuts angenommen wurde, steht nicht im Presse-Release
    • Zahlreiche tropische Baumarten mit Edelhölzern werden in Anhang II aufgenommen. Ausnahmen gibt es nur für bestimmte Objekte, beispielsweise Musikinstrumente, die bereits in Betrieb sind. Zahlreiche Holzblasinstrumente werden aus tropischen Hölzern hergestellt, sind aber viele Jahre in Betrieb. Bisher musste beispielsweise ein Klarinettist bei einem Engagement im Ausland eine CITES-Genehmigung für sein Instrument einholen. Das entfällt nun.

    „Die Menschheit muss auf die wachsende Aussterbekrise reagieren, indem sie die Art und Weise verändert, wie wir mit den wilden Tieren und Pflanzen der Welt umgehen. Business as usual ist keine Option mehr!“, sagte CITES-Generalsekretärin Ivonne Higuero im Rahmen der Konferenz.


    3,8 Millionen Jahre alter Vormenschen-Schädel entdeckt

    Prähominider Schädel im linken Teilprofil vor schwarzem Hintergrund
    Schädel von MRD-VP-1/1, C: Dale Omori, Cleveland Museum of Natural History

    Wissenschaftler haben in Äthiopien einen 3,8 Millionen Jahre alten Homininen-Schädel entdeckt (Bild). Er könnte dazu beitragen, die Ursprünge von Lucy, unserer berühmten Vorläuferin, aufzuklären.

    Das Exemplar, MRD-VP-1/1, legt nahe, dass Lucys Spezies (Australopithecus afarensis) mit der älteren Australopithecus-Art A. anamensis in der alten äthiopischen Landschaft zusammenlebte. Die meisten Forscher glauben, dass sich Australopithecus afarensis in derselben Evolutionslinie befindet, wie  Australopithecus anamensis. Die Vorstellung war, dass sich A. anamensis allmählich in A. afarensis verwandelt hat. Das impliziert jedoch, dass die beiden Arten nie koexistierten.

    Der Schädel, der diese Woche in Nature beschrieben wurde, widerspricht dem. Die Gesichtszüge des Fossils wirken sehr A. anamensis-ähnlich, zu einem Zeitpunkt, als sich diese Art längst zu A. afarensis entwickelt haben sollte. Streicht man die Annahme, wie es nach dem Fund jetzt notwendig ist, kommt ein anderes Fundstück in neues Licht: Ein 3,9 Millionen Jahre altes Gesichtsfragment, das bereits in den 1980ern fefunden wurde. Bisher wurde es wegen seines Alter A. anamensis zugeordnet, obwohl es A. afarensis wesentlich mehr ähnelt. Es kann nun widerspruchsfrei A. afarensis zugeordnet werden.

    Der neue Schädel belegt, dass die beiden Arten zeitlich zumindest teilweise koexistierten. A. afarensis hat sich möglicherweise aus einer kleinen Gruppe von A. anamensis entwickelt. Später hat dann eine größere afarensis-Population die Australopithecus anamensis verdrängt, so die neue Hypothese.

    Insgesamt zeigt die Einordnung des Fundes, dass die Abstammung des Menschen wesentlich komplexer ist, als lange Zeit vermutet wurde. Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass in den pliozänen Savannen Ostafrikas regelmäßig mehrere Vor- und Frühmenschenarten nebeneinander lebten.


    Riesenhai in der Nordsee

    Arbeiter der dänischen Ölplattform Syd Arne, ungefähr 240 km vor Esbjerg, haben einen Riesenhai Cetorhinus maximus gefilmt. Das angeblich etwa 8 m lange Tier zog ruhig im blauen Wasser der Nordsee seine Kreise.

    Der dänische Fernsehsender TV2 veröffentlichte das 28 sec. lange Video auf seiner Internetseite. Riesenhaie wandern im Sommer regelmäßig in die Nordsee ein.


    „Neue“ Walart beschrieben – kryptozoologisch schon lange bekannt

    Die neu beschriebene Walart ist ein Schnabelwal, wie könnte es anders sein. Er gehört zur Gattung der Schwarzwale und lebt im Nordpazifik. Sie war so bekannt, dass ihr sogar die deutschsprachige Wikipedia zwei Sätze widmete: „Vom Baird-Wal sind zwei Formen bekannt, eine schiefergraue und eine kleinere, schwarz gefärbte. Vergleiche der mitochondrialen DNA sprechen dafür, dass es sich bei der schwarzen Form um eine weitere Schwarzwalart handeln könnte.“

    Das muss demnächst geändert werden, denn Freitag, 30.08.2019, kurz nach Redaktionsschluß erschien in der Nature die Erstbeschreibung. Die Art heißt nun Beradius minimus.

    Die Redaktion hat deswegen eine Sonderschicht geschoben. Wir berichten am morgigen Dienstag ausführlich (mit Bildern) über die neu beschriebene Art.


    Chinesische Versicherungen übernehmen keine Schuppentier-Schuppen mehr

    Bisher haben viele chinesische Krankenversicherungen auch die „traditonelle“ chinesische Medizin übernommen, darunter auch umstrittene Heilmittel aus Tieren. Besonders gefährdet war und ist das Schuppentier (englisch Pangolin), dessen Schuppen so begehrt sind, dass es das am meisten gehandelte Wild-Säugetier auf diesem Planeten darstellt. Alle acht Arten sind stark bedroht.

    Die Regierung in Peking hat nun angekündigt, dass die staatlichen Krankenversicherungen keine Produkte mehr zahlen, die Pangolin-Schuppen enthalten.


    Feld-Ornithologisches

    Auch diese Woche gibt es nur im Detail Neues, aber viel Altes:

    • In Karlsruhe und im benachbarten Ettlingen wird ein Gänsegeier beobachtet.
    • Der Meldorfer Rosapelikan ist tagsüber in Cuxhaven unterwegs. Hier ist er eng mit sechs Weißstörchen vergesellschaftet und jagt mit ihnen auf einer Wiese Mäuse. Abends fliegt er zu seinem Schlapflatz am Meldorfer Speicherkoog zurück, hat jedoch auch schon mit den Störchen gemeinsam auf Hausdächern oder Hochspannungsleitungen gesessen.
    • Eine unbestätigte Sichtung aus Türkheim im Allgäu: ein Rosakakadu
    • Der Kaiseradler aus dem Randowbruch geht immer wieder adulte Seeadler an. Das muss ein Schauspiel sein!
    • Die Limikolen beginnen zu ziehen, mit ihnen kommen seltene Watvögel: Ein Graubrust-Strandläufer Calidris melanotos bei Staßfurt (Salzlandkreis), ein Grasläufer bei Rodenäs (SH), in Angermünde eine Doppelschnepfe Gallinago media,
      Auf der Greifswalder Oie wurde ein Rosenstar zwischen Staren beobachtet.
    • An der Ostseeküste kommt es zu einem kleinen Einfall von Rotfußfalken. Sie wurden unter anderem auf Fehmarn, bei Prerow, bei Greifswald und Zingst beobachtet

    Zu guter Letzt: Ein Schnabeltier im Schnee

    Während Teile von Deutschland in der vergangenen Woche unter der zweiten Hitzewelle des Sommers litten, ist auf der Südhalbkugel gerade Winter. So ist es kein Wunder, dass in Tasmanien so viel Schnee fällt, dass man am Mount Fields sogar Ski laufen kann. Jiemba Sands hat einen „Ureinwohner“ dabei beobachtet, wie er (bzw. sie) sich den Weg durch den Schnee bahnt:


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


    Presseschau der vergangenen Woche


  • Freitagnacht-Kryptos: Rätselhafte Dendrogramma

    Im Archiv kramte: Tobias Möser

     

    Kryptozoologie, wie sie im Internet meist verstanden wird, befasst sich mit großen und noch unentdeckten Tieren. Optimal ist noch, wenn sie furchteinflössend, legendär und ein wenig gefährlich sind. Yeti, Bigfoot, Nessie und wenns sein muss auch noch ein Kongamato, drunter ist es uninteressant. Dabei ist gerade bei den kleineren Tieren eine Menge zu finden. Es gibt Kryptide, die nahezu jedermann entdecken kann, ohne unglaubliches Glück zu haben. Hier gibt es Rätsel, die man sich bei den Großen nicht vorstellen kann.

    Die Dendrogramma sind so etwas. Doch was sind Dendrogramma?

    Hier folgt der Originalartikel vom 6.9.2014 aus dem Kryptozoologie-Online-Forum:

    Stämme sind die eine der höchsten systematischen Ordnungen im Tierreich. Derzeit werden bei den mehrzelligen Tieren etwa 30 Stämme unterschieden, z.B. die Arthropoden, Mollusken oder Chordatiere.

    Die meisten Stämme sind sehr artenreich und mannigfaltig, aber es gibt auch einige wenige kleinere. Dem entsprechend selten werden Organismen entdeckt, die keinem der bekannten Stämme zugeordnet werden können. Doch möglicherweise ist genau das vor kurzem wieder passiert.

    Rätselhafte Dendrogramma

    Dendrogramma ein Holotyp vor schwarzem Hintergrund
    Dendrogramma enigmatica, seitliche Sicht (oben), nach Schrumpfung durch Konservierung. Foto: Just J, Kristensen R, Olesen J, CC 4.0

    Bereits 1986 sammelten Forscher mit Hilfe eines Epibenthosschlittens zwei Tierarten auf dem Meeresboden vor Australien. Diese Geräte, eigentlich eine Art Korb, der über den Meeresboden gezogen wird, schneiden die oberste Schicht des Meeresbodens aus und nehmen alles mit, was darauf und darin lebt. Das wird in der Regel konserviert, archiviert und erst mal in einer Museumssammlung eingelagert. Dann muss man später „nur noch“ die Proben durchsuchen und bestimmen, was man denn da gefangen hat.

    Tatsächlich fand man dort auch unbekannte Tiere. Sie waren pilzförmig, 8 bis 11 mm hoch und hatten einen Durchmesser von bis zu 17 mm. Sie verfügen über einen kompletten Verdauungsapparat und möglicherweise sogar eine Art Schwimmboje.

    In 400 bzw. 1000 m Tiefe fanden die Forscher diese Organismen, die sie mit Dengrogramma enigmatica und D. discoides benannten. Nach 28 Jahren wurden sie von Dorte Janussen vom Senckenberg Forschungsinstitut in den Sammlungsproben entdeckt, und als etwas Besonderes erkannt, weil sie keinem der bekannten Stämme zugeordnet werden können.

    In Formaldehyd konserviert

    Zahlreiche Dendrogramma-Funde vor schwarzem Hintergrund mit Erklärungen
    Weitere Dendrogramma-Exemplare, ebenfalls nach Konservierung. Foto: Just J, Kristensen R, Olesen J, CC 4.0

    Leider erschwert die Konservierung auch die Bestimmung. Um die fragilen Körper zu schützen, haben die Forscher damals mit Formaldehyd fixiert. Hierdurch ist eine DNA-Analyse unmöglich. „Aufgrund seiner Formolfixierung eignet sich Dendrogramma leider nicht für molekularbiologische Untersuchungen, die seine Abstammung besser klären könnte“, erklärt Janussen.

    Dendrogramma teilt die Merkmale von Rippenquallen (Ctenophora) und Korallentierchen (Cnidaria), lässt sich aber gerade deswegen keinem der beiden Tierstämme zuordnen. Die Erstbeschreiber um Jean Just fanden bei den Tieren weder Nesselzellen noch Tentakeln – dann könnte man sie den Cnidariern zuordnen. Auch das typische Sinnesorgan der Ctenophora, das Apikalorgan, konnten sie nicht ausmachen.

    Janussen ist da anderer Meinung: sie findet Verbindungen zur heute noch rätselhaften Ediacara-Fauna, will aber Dendrogramma nicht einordnen. „Die Ähnlichkeit mit Ediacara-Fossilien ist zwar vorhanden, aber nicht aussagekräftig“, sagt die Meeresbiologin. „Schon die Zuordnung dieser Fossilien ist umstritten.“

    Um das Rätsel um die kleinen, pilzförmigen Tiere zu lösen, muss vor allem eins her: Mehr und besser konserviertes, im Idealfall auch lebendes Material.

    Die Wissenschaft hat festgestellt…

    Das war der Stand von 2014, als diese Meldung das erste Mal im damals schon im Niedergang begriffenen Forum von Kryptozoologie-online erschien. Zwischenzeitlich ist die Wissenschaft an frisches Material gekommen. Forscher haben genetische Analysen durchgeführt, lebende Tiere untersuchen können und sind schließlich zu einer Einordnung gekommen.

    Zunächst einmal die „schlechten Nachrichten“: zu einem der Stämme, aus denen sich die Ediacara-Fauna zusammensetzt, konnten die Dendrogramma nicht zugeordnet werden. Das wäre auch seltsam, da es bisher kaum wirkliche Aussagen über die Einordnung der Ediacara-Fauna gibt.

    Die Ediacara-Fauna

    Künstlerische Darstellung eines Biotops mit Ediacara-Lebewesen
    So stellt sich Künstler John Sibbick einen Biotop mit zahlreichen unterschiedlichen Ediacara-Lebewesen vor.

    Die Ediacara-Fauna ist nach den Ediacara-Hills im Outback von Australien, etwa 350 km nördlich von Adelaide benannt. Sie besteht aus präkambrischen Lebewesen, von denen Weichkörper fossil erhalten sind. Hartteile hat das Leben zu dieser Zeit noch nicht entwickelt. Die relativ artenarme Fossilgemeinschaft besteht aus etwa 280 Taxa, von denen etwa die Hälfte Spuren darstellt. Die Zuordnung der Organismen zu später lebenden Formen ist unklar und bestenfalls umstritten.

    Bisher ist nicht einmal klar, ob es sich um Einzeller, Pilze, Pflanzen oder Tiere handelt oder ob sie möglicherweise ein siebtes Reich (nach Bakterien und Archaeen) bilden. Um nicht namenlos zu bleiben, haben die Wissenschaftler den provisorischen Namen Vendobionten nach dem Zeitalter des Vendiums vergeben.

    Die meisten der Organismen leben auf dem Boden, einige Arten scheinen mobil gewesen zu sein. Nur wenige Arten zeigten Ansätze von Skelettstrukturen, viele Arten waren bilateralsymmetrisch und sehr dünn.

    Erste Formen der Ediacara-Fossilien traten nach derzeitigen Erkenntnissen vor etwa 610 Millionen Jahren auf. Die letzten Ediacara-Gemeinschaften fand man in Gesteinen, die etwa 542 Millionen Jahre alt waren. Damit starben sie an der Grenze zum Kambrium aus.

    Nicht nur in Ediacara

    Fossil einer großen Dickinsonia
    Fossil einer großen Dickinsonia

    Ediacara-Fossilien hat man nicht nur in den Ediacara-Hills gefunden, sondern an etwas mehr als vierzig Fundorten auf allen Kontinenten. Wichtige Fundorte sind neben den Ediacara-Hills der Südosten Neufundlands, die Küstenregion des Weißen Meeres in Russland und der Kalahari-Kraton in Namibia.

    Neuere Untersuchungen aus dem letzten Jahr zeigten eine für Tiere typischen Biomarker bei einem typischen Ediacara-Vertreter: Dickinsonia. Dieser ähnelt dem Cholesterin und entsteht, wenn tierische Fette zerfallen. Eine geringe Menge von Biomarkern deutet auf pilztypische Verbindungen hin, die für Einzeller charakteristischen Moleküle fehlten weitgehend. Ob man daraus schlussfolgern kann, dass es sich bei Dickinsonia um ein Tier handelt, muss jeder selbst entscheiden. Ein Schluss auf andere Ediacara-Fossilien, die nicht näher mit Dickinsonia verwandt waren, erscheint mir gewagt.

    Doch was sind die Dendrogramma nun?

    Durch die genetische Untersuchung konnte man die Dendrogramma tatsächlich einordnen. Sie stehen in einer bereits bekannten Familie, den Rhodalijdae in der Ordnung der Staatsquallen oder Siphonophorae, gehören also zum Stamm Nesseltiere.

    Sie stehen dort ziemlich am Rand, weitere Erkenntnisse könnten durchaus eine neue Einstufung ergeben. Andererseits: Die Staatsquallen gehören zu den ungewöhnlichsten Tieren überhaupt. Da passt so etwas ungewöhnliches wie die Dendrogramma ganz gut rein.

     


    Dieser Beitrag ist in der Reihe „Freitagnacht-Kryptos“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

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  • Riesiger Laufvogel auf der Krim entdeckt

    von André Kramer:

    Russischen Wissenschaftlern gelang der Fund einer paläontologischen Sensation. Hinter dem wissenschaftlichen Namen Pachystruthio dmanizensis verbirgt sich der aktuelle Fund des ersten Riesenvogels Europas bzw. der nördlichen Hemisphäre generell. Der Fund der ca. 1,8 Millionen Jahre alten Fossilien des 450 Kilogramm schweren Tieres wurde in der erst kürzlich entdeckten Taurida-Höhle auf der Krim-Halbinsel am Schwarzen Meer gemacht.

    Zwei Wisente auf einer abschüssigen Wiese mit einem entrindeten Baumstamm
    Wisente der Gattung Bison gehörten zu den Vertretern einer pleistozänen Fauna, genauso wie…

    Eine Gruppe fahler Pferde auf einer Weide vor Bruchvegetation
    … Wildpferde, hier vertreten durch Dülmener Pferde, halbwild im Merfelder Bruch.

    Gemeinsam mit ihm fand man die Reste von Vertretern der pleistozänen Riesen-Säugetier-Fauna, wie unter anderem Südelefanten (Archidiskodon), Nashörnern (Elasmotherien), Pferden (Equus), ausgestorbenen Rindern (Leptobos) und Bisons, aber auch Raubtieren. Zu diesen gehören riesige, heute ausgestorbenen Hyänen (Pachycrocuta) und Wölfen (Canis).

    Der erste große Laufvogel auf der Nordhalbkugel

    Pachystruthio dmanizensis in einer pleistozänen Landschaft
    Pachystruthio dmanizensis ist (bisher?) der einzige bekannte Laufvogel Europas (Bild dpa)

    Die Sensation hinter diesem Fund liegt vor allem darin, dass ausgestorbene flugunfähige Vögel dieser Größenordnung bislang nur von der Südhalbkugel bekannt waren. Hier sind vor allem die Elefantenvögel (Aepyornithidae) Madagaskars zu nennen, die bis zu 700 Kilogramm schwer wurden und gemeinsam mit dem bis zu 270 Kilogramm schweren Moas Neuseelands erst in historischen Zeiten durch den Menschen ausgerottet worden sind.

    Ein ebenfalls quartärer Riesenvogel, dessen Überreste in Nordamerika (Titanis walleri) gefunden wurden, kam indes lediglich auf ein geschätztes Gewicht von 150 Kilogramm. Das entspricht in etwa dem Gewicht des rezenten Vogelstrauß.

    Pachystruthio dmanizensis ist damit einer der größten flugunfähigen Vögel überhaupt.

    Zusammen mit den ersten Menschen eingewandert?

    Die Forscher der russischen Akademie der Wissenschaften vermuten, dass der Riesenvogel gemeinsam mit der Riesen-Säugetier-Fauna und den frühen Vertretern der Gattung Homo über den südlichen Kaukasus und Anatolien die Schwarzmeerregion erreichten. Für sie reiht sich der europäische Riesenvogel gut in die Fauna seiner Zeit ein.

    Moa-Skelett aus dem Naturkundemuseum Braunschweig

    Moderne Laufvögel, wie die Nandus, gibt es in Europa nicht.

    Die gut erhaltenen Oberschenkelknochen verweisen auf einen guten Läufer, was ihn von den insularen Moas und Elefantenvögeln unterscheidet. Während jene bis zum Erreichen des Menschen auf den Inseln ohne natürliche Feinde lebten und eine schnelle Flucht entsprechend evolutionär nicht vonnöten war, gilt dies nicht für Pachystruthio dmanizensis. Die Pleistozäne Megafauna war voll von möglichen Fressfeinden, sodass eine schnelle Flucht hier überlebenswichtig war.

    Die taxonomische Einordnung gestaltet sich indes schwierig. Eine Zuordnung zur Gattung Struthio, den Straußen, muss noch bestätigt werden.


    Quellen:

    Nikita V. Zelenkov, Alexander V. Lavrov, Dmitry B. Startsev, Innessa A. Vislobokova & Alexey V. Lopatin (2019): A giant early Pleistocene bird from eastern Europe: unexpected component of terrestrial faunas at the time of early Homo arrival, Journal of Vertebrate Paleontology,
    DOI: 10.1080/02724634.2019.1605521


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  • Blau, blau, blau sind alle meine Kleider… auch vor 48 Millionen Jahren war blau schon schick!

    Über die Farben fossiler Tiere wurde in der Vergangenheit viel diskutiert. Man versuchte, die Färbung aller möglichen Tiere analog zu rezenten Tieren zu rekonstruieren. Mit dieser „Aktualismus“ genannten Methode kann man logisch auf Farben und Farbmuster schließen (und auf alles mögliche andere im Leben eines fossilen Tieres). Sie gilt als recht erfolgreich, auch wenn es bisher fast unmöglich ist, die Ergebnisse zu beweisen. So wird auch ein historisches Freiwassertier einen dunklen Rücken und hellen Bauch getragen haben, Ornamente wie Federn, Haarbüschel oder Hornstrukturen waren nicht nur auffällige Formen, sondern sicher auch bunt gefärbt. Alleine es fehlt: Der Beweis.

    Bunte Federn aus der Vergangenheit

    Kleiner, braun gestreifeter Dino am Bodem
    Sinosaropteryx prima, C: Nobu Tamura

    2010 veröffentlichten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature, dass beim gefiederten Dinosaurier Sinosauropteryx prima* Protofedern gefunden wurden. Doch nicht nur das, die Wissenschaftler um den britischen Wirbeltierpaläontologen Michael Benton und Fucheng Zhang fanden auch Melanosomen. Diese Körperchen geben den Federn heutiger Vögel Farben. Sie konnten sogar die unterschiedliche Verteilung von Melanosomen eine Bänderung des Schwanzes nachweisen. Sinosauropteryx hatte offenbar eine rotbraune Grundfarbe, sein Schwanz war heller und dunkler gebändert. Sein Körper war am Rücken heller als am Bauch und er trug eine dunkle Gesichtsmaske.

    Bei Archaeopteryx lithographica hat man nach diesem Fund ziemlich bald nachgeforscht und zahlreiche Melanosomen, also dunkle Federn festgestellt. Möglicherweise war der Urvogel nicht nur so groß wie eine Krähe, sondern zumindest teilweise so gefärbt. Der bekannte Gleitflieger Microraptor gui trug schwarze Federn mit bläulichem Schimmer an.

    Völlig anders hingegen bei… nein, man versetze sich einfach 48 Millionen Jahre zurück in die Vergangenheit:

    Somewhere over the rainbow

    Auch vor 48 Millionen Jahren erzeugte die Sonne einen Regenbogen, als ihre Strahlen an diesem Abend durch den Sprühnebel eines vergangen Gewitters fielen. Es ist unklar, ob der kleine, blaue Vogel ihn als Symbol für besseres Wetter interpretierte und ob er ihn überhaupt wahrnahm. Vom Gewitter überrascht hatte er im dichten Wald Zuflucht gesucht. Der Regen hatte ihn beinahe verschont, die paar Spritzer, die er im Geäst des großblättigen Baumes abbekommen hatte, waren von seinem Gefieder abgeperlt, wie nichts. Den Insekten hingegen hatten die Tropfen übel mitgespielt. Viele von ihnen hatte das Wetter zu Boden gerissen, nicht wenige waren verletzt. Eine einfache Mahlzeit für so einen cleveren Vogel wie Eocoracias brachyptera. Mit ein paar Flügelschlägen landete er am Boden und fing an, in der Streuschicht nach verletzten oder desorientierten Insekten zu stöbern. Lange musste er nicht suchen, und schon bald war er satt. Doch irgendwas fühlte sich anders an, ihm wurde immer wieder schwindelig. Doch kaum hatte er sich in die Luft erhoben und war einige Meter über den Waldsee geflogen, stieg unter ihm eine Blase auf, dem kleinen blauen Vogel wurde wieder schummerig, er stürzte in den See …

    Blau ist und bleibt selten!

    … und kam erst 48 Millionen Jahre später wieder ans Tageslicht, denn zum Glück war Eocoracias brachyptera fossiliert. Der Vogel gilt als Verwandter der modernen Racken. Mit ihm konservierte der berühmteste fossile See der Weltgeschichte auch den ältesten Beweis für blaue Federn. Der Messelsee war vor 48 Millionen Jahren eine Art vulkanischer See ohne Ablauf, vergleichbar den Eifelmaaren. Wie bei ihnen trat aus dem Untergrund vulkanisches Kohlendioxid an die Oberfläche. Anders als bei den Maaren geschah das in Messen nicht kontinuierlich, sondern in unterschiedlichen Abständen, dann aber mit sehr großen Mengen. Ein Gewitter könnte also eine solche Gasblase im Untergrund des Sees gelöst haben, die dann den Vogel aus dem Himmel holte.

    Blauracke auf einer Singwarte
    Hier sitzt eine Blauracke auf einem Busch. Blaue Vögel sind selten und daher bei Birdwatchern begehrt.

    Die Forscher konnten auf die blaue Farbe von E. brachyptera nur schließen, weil sie das Fossil mit seinen modernen Verwandten, den Raken, vergleichen konnten. Winzige Strukturen, die in den versteinerten Federn erhalten sind, ähneln jenen, die modernen Vögeln je nach ihrer Anordnung entweder blaue oder graue Farbtöne verleihen. Blaue Federn sind generell ungewöhnlich: Von den 61 Linien lebender Vögel haben nur 10 Linien blaue Federn entwickelt.

    Da moderne Rackenvögel jedoch blaue und keine graue Federn aufweisen, folgern die Forscher, dass der alte Vogel tiefblau war. Es ist das erste Mal, dass Wissenschaftler eine solche Federfarbe aus dem Fossilienbestand rekonstruieren konnten.
    Die modernen Rackenvögel (Coraciiformes) umschließen einige der buntesten Familien der Vögel überhaupt, darunter die Eisvögel und die Bienenfresser. Die eigentlichen Racken sind heute von Südeuropa bis Australien in warmen und tropischen Gebieten verbreitet. Die Blauracke war in Deutschland in der Mini-Warmzeit zwischen 1774–1824 weit verbreitet und ein regelmäßiger Brutvogel. Danach nahmen die Bestände sukzessive ab, 1990 erlosch das letzte Brutvorkommen in der Lausitz, 1994 gab es die letzte erfolgreiche Brut in Baden-Württemberg. Seit dem gilt sie nicht mehr als Brutvogel in Deutschland.

    Neue Antworten – neue Fragen

    Aufgrund der Unsicherheit im Bezug auf blaue und graue Farbe, sinkt die Genauigkeit der Vorhersagemodelle für fossile Farben von 82% auf 61,9%. Bisher war man davon ausgegangen, dass die bekannten Strukturen für blau und grau nur grau hervorgebracht haben. Jetzt muss man davon ausgehen, dass sie grau oder blau hervorgebracht haben könnten. Die sinkende Genauigkeit klingt wie ein Rückschritt, ist aber für das Verständnis der Tiere ein Fortschritt.

    „Ich sehe das Paper so, dass ich eine sehr kleine, direkte Anwendung bemerke, wohl aber eine breite indirekte Anwendung.“, sagt Ryan Carney, ein Paläontologe der Universität von Südflorida, der den gefiederten Dinosaurier Archaeopteryx einschließlich seiner Färbung untersucht.

    Mal wieder: eine bunte Revolution

    Nicht nur die oben bereits erwähnten Melanosomen sind für die bunten Farben verantwortlich, sondern auch Strukturfarben. Auch das Strukturpotein Keratin kann das Licht so streuen, dass nur bestimmte Farben zurückgeworfen werden. So kommen die herrlichen Glanzfarben auf dem Gefieder eines Pfaues, aber auch eines Stares und eines Aras zustande.

    Im tropischen Dschungel um den Messel-See war Blau wohl ebenfalls zu sehen.

    Quelle: Nationalgeographic mit einem wunderschönen Bild


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