Presseschau Kalenderwoche 35/2019

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hat die Schule wieder begonnen. Grund genug für die Redaktion, ihre „Ferien“ zu beenden und jede Woche neben der Presseschau und den Freitagnacht-Kryptos wieder zwei Fachartikel zu bringen. Ab diese Woche wird jeweils Dienstags und Donnerstags ein solcher Fachartikel erscheinen, der nicht unbedingt mit aktuellen Themen zu tun hat.

Diesen Donnerstag erwarten wir die letzte Woche angekündigte Pressekonferenz von Prof. Neil Gemmell, der mit seinem möglichen genetischen Beweis Nessie nachgewiesen haben will. Sobald wir die Ergebnisse erfahren haben, informieren wir euch. Der Donnerstags-Artikel wird also diese Woche nicht früh um 7 Uhr erscheinen, sondern erst am frühen Nachmittag.

In der vergangenen Woche war ja richtig was los. Auch wenn vieles „Neue“ alt war, im Falle vom Doppelgänger Scrats, des Säbelzahn-Eichhörnchens sogar 230 Millionen Jahre alt. Eine Schlange hielt Herne (und New York) in Atem und passend zum Redaktionsschluß kam die Erstbeschreibung einer rezenten Wal-Art auf den Tisch der Redaktion. Also gabs Freitagabend Überstunden, damit ihr heute und vor allem morgen über Berardius minimus lesen könnt. Da fallen Einzelmeldungen fast unter den Tisch – aber nur fast. Ach ja: was es mit Schnabeltier im Schnee auf sich hat… lest selbst!.

Viel Spaß beim Lesen.


Viele Fehlinformationen über die Feuer in Amazonien und den afrikanischen Regenwäldern

„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“, dieser Satz wird dem amerikanischen Senator Hiram Johnson (1866-1945) zugeschrieben. Und Krieg tobt, schon längst nicht mehr „nur“ in Afghanistan, Syrien, Kaschmir oder Myanmar, sondern vor allem um unsere Köpfe. Ein Krieg der Informationen, der Fehlinformationen, der Deutungshoheiten. Ein Krieg, der über den Stammtischen, in den sozialen Medien und überall dort geführt wird, wo Meinungen entstehen.

Neulich ging eine Karte vom Amazonasraum durch die sozialen Medien, auf der die Feuer angezeigt wurden. Kurze Zeit später folgte eine Karte, in der alle thermischen Anomalien angezeigt wurden, mit der Interpretation, das seien auch alles Feuer. Dann gab es wieder die Meldung, es würde nicht mehr brennen, als im Durchschnitt der letzten Jahre. Was soll man glauben? Wie viele der „Anomalien“ oder „Feuer“ oder was auch immer sind überhaupt in Regenwaldgebieten? In Savannengebieten sind Feuer durchaus etwas positives, das Ökosystem ist auf sie eingestellt. Wird da ein Strohfeuer im vertrockneten Grasland in der Massai Mara zu einem Regenwaldbrand, nur weils auch in Afrika liegt?

Vor einigen Tagen kam die Meldung rum, dass alleine das Amazonasgebiet für 20% des Luftsauerstoffes verantwortlich sei und man sich Sorgen um die Atemluft machen solle. Dies wurde schnell „korrigiert“, es seien „nur“ 6% des globalen Sauerstoffes. Ich (TM) habe mal gelernt, ein intakter, stabiler Regenwald würde netto den produzierten Sauerstoff selbst verbrauchen, habe also keinen Einfluss auf den Sauerstoffgehalt der globalen Luft. Was soll man glauben?

Meinung oder Systembetrachtung?

Sketch eines Jungen, der nachdenktIch (TM) glaube, dass die Brände nicht nur auf die Sauerstoffproduktion reduziert werden dürfen. Die Auswirkungen auf das System sind wesentlich komplexer, als man das in den sozialen Medien oder einem Stammtisch klar machen kann. Leider verliert man dann Otto Normalverbraucher. Der hat schon Schwierigkeiten hat, zwischen Umwelt- und Klimaschutz zu unterscheiden und verzichtet dankenswerterweise auf seine Strohhalme – fürs Klima.

Ich denke, der Lebensraumverlust ist in erster Linie das Problem. Hier stirbt gerade eine ungeheure Zahl von Arten aus, viele, von denen wir gar nichts wissen. Kleinräumige Brandflächen besiedelt ein Regenwald wieder, größere auch, man muss ihn nur lassen – und es dauert nach menschlichen Maßstäben ewig, mehrere hundert Jahre. Die Flächen sind also nicht verloren, erst wenn sie eine permanente Landwirtschaft übernimmt.

Global kommen noch andere Aspekte hinzu. Feuer verursachen Thermik. Niemand weiß, wie sich die großflächig verstärkte Thermik auf die tropischen Windsysteme auswirkt. Welche Auswirkungen hat die Flugasche?

Die fehlenden Wälder können den Boden in Amazonien nicht halten. Wie wirkt sich das auf die Flußläufe aus? Wie wirken sich Schwebstoffe auf die Flüsse selber aus? Was passiert, wenn sich die Trübungszonen an den Mündungen von Amazonas und Kongo vergrößern? Was passiert, wenn das in der Vegetation gebundene Süßwasser dort keinen Raum mehr findet? Gibt es „nur“ großflächige Überschwemmungen? Fließt es ins Meer ab?

Die allerwichtigste Frage bleibt dann bisher ungestellt: Wie viele Feuer gibt es dieses Jahr? Wie groß ist die verbrannte Waldfläche? Wie groß ist die verbrannte Waldfläche im Vergleich zu anderen (feuchten oder trockenen) Jahren? Ist 2019 ein trockenes Jahr?

Aufruf

Glaubt nicht, was ihr am Stammtisch hört! Glaubt nicht, was ihr in den sozialen Medien lest! Besorgt euch unabhängige Informationen! Hinterfragt, was ihr lest! Schaut euch das Netzwerk und die Zusammenhänge an, in denen die Information stehen! Bewertet sie selbst! Lasst niemanden für euch denken!


Neue Bäume braucht das Land!

Hier über die ökologischen Qualitäten von Bäumen zu reden, hieße Eulen nach Athen tragen (siehe oben). Daher halte ich mich gar nicht damit auf. In gut einem Monat haben wir Deutschen unseren Nationalfeiertag. Ein Feiertag, den Politiker vor etwa 30 Jahren willkürlich gewählt haben. Er ist noch ohne gewachsene Tradition, wie das in vielen anderen Ländern der Fall ist.

Einige Leute haben nun dazu aufgerufen, an diesem Tag einen Baum zu pflanzen. Es dürfen auch mehrere sein. Wir, die Redaktion, möchte uns dieser Idee anschließen, aus mehreren Gründen:

  • Für den Umweltschutz: jeder Baum ist ein Gewinn, vor allem, wenn es Bäume sind, die alt werden können und dürfen.
  • Man kann diese Aktion gemeinsam zelebrieren, sie findet nahezu zwingend draußen statt und beinhaltet wenigstens etwas körperliche Aktivität
  • Es ist eine schöne Idee, den Baum in den folgenden Jahren zu besuchen und zu überlegen, was in der Zeit alles (Gutes und Schlechtes) passiert ist
  • Es gibt kaum ein besseres Symbol für den Aufbau, als einen Baum zu pflanzen. Und aufzubauen haben wir genug.
  • Der „deutsche Wald“ und die „deutsche Eiche“ sind Nationalsymbole erster Güte, mit dem Vorteil, dass die Sauerstoffproduktion und CO2-Bindung allen Menschen zu Gute kommen.

Wer keinen Garten oder sonst ein Grundstück hat, um einen Baum zu pflanzen, kann sich an Aktionen beteiligen, bei denen anderswo Bäume gepflanzt werden:

https://www.betterplace.org/de/projects/71369-einheitsbuddeln-die-grosse-baumpflanzaktion-zum-tag-der-deutschen-einheit

https://einheitsbuddeln.de/home


Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat hat einen Doppelgänger

ein Pseudotherium auf einem Baumstumpf, im Hintergrund ein großes Reptil
Künstlerische Darstellung von Pseudotherium. Image credit: Agencia CTyS-UNLaM.

 

Das Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat aus den Eröffnungs-Sequenzen der IceAge-Filme wurde unvermutet zum Publikumsliebling. Die wenigsten wissen, dass die chronisch erfolglos agierende Figur bereits eine reale Entsprechung hat: Cronopio dentiacutus, ein Vertreter der Dryolestoiden, einer bereits ausgestorbenen Tiergruppe, von der die heutigen Beutelsäuger und die Höheren Säugetiere abstammen. Es war etwa mausgroß und lebte vor etwa 100 Millionen Jahren in Südamerika.

Doch nun wurde ein weiterer, noch wesentlich älterer Doppelgänger entdeckt. Pseudotherium argentinus stammt, wie der Name sagt, ebenfalls aus Argentinien. Es gehörte zu den Cynodontiern, einer Gruppe säugetierähnlicher Reptilien, aus denen als einzige überlebende Gruppe die Säugetiere hervorgegangen sind. Pseudotherium ist 230 Millionen Jahre alt, lebte also in der frühen Obertrias. Es maß etwa 25 cm und teilte seinen Lebensraum möglicherweise mit Dinosauriern wie Coelophysis und Plateosaurus.

Der Schädel des Tiers wurde bereits 2006 entdeckt und bis jetzt an der Universität von Texas analysiert. Die Ergebnisse hat die Arbeitsgruppe im Fachmagazin „Plos One“ veröffentlicht.


Frühester bekannter Stegosaurier gefunden

Grünlicher Dinosaurier, der auf vier Beinen läuft, zahlreiche Knochenplatten auf dem Rücken und vier Dornen auf der Schwanzspitze hat
Adratiklit boulahfa ist nahe mit den europäischen Stegosauriden verwandt, wie dem hier gezeigten Miragaia. (Bild: Nobu Tamura, spinops.blogspot.com, CC by 3.0)

Stegosaurier gehören zu den populärsten Dinosauriern. Der hohe, gekrümmte Rücken mit den viereckigen Knochenplatten und zwei mächtige Dornenpaare auf dem hoch erhobenen Schwanz lassen sie zu einer Ikone der Dinoliebhaber werden. Obwohl Stegosaurier weit verbreitet und auffällige Tiere waren, sind sie nur schlecht fossil belegt.

Mit Adratiklit boulahfa haben Paläontologen nun die älteste bisher bekannte Art ausgegraben, die eindeutig der Familie Stegosaurier zugeordnet wird. Sie ist 168 Millionen Jahre alt und stammt aus dem mittleren Jura im Atlasgebirge in Marokko. Von Adratiklit wurden ein paar Wirbelknochen und ein Oberarm gefunden.

Bei Andratiklit handelt es sich um den ersten Stegosaurier, der in Nordafrika gefunden wurde. Da es die früheste bekannte Art und Gattung ist, ermöglicht sie besondere Einblicke in die Evolution dieser immernoch sehr rätselhaften Tiere.

Die Originalarbeit ist hier zu finden: https://doi.org/10.1016/j.gr.2019.07.007


Ein schwarzer Mantarochen schwimmt mit offenem Maul über ein Riff
Manta-Rochen bei Hawaii

Manta-Rochen pflegen Freundschaften

Obwohl viele Haie als Einzelgänger gelten, sind ihre Manta-Verwandten überraschend sozial: Sie kopieren die Bewegungen anderer Mantas in ihrer Umgebung. Sie spielen zusammen und nähern sich sogar neugierig den Menschen in der Nähe. Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass sie mit ihren Kollegen auch „Freundschaften“ schließen – lose Assoziationen, die Wochen oder Monate dauern können.

Über die Arbeit hat das Fachmagazin Science unter dem Titel „These manta rays form ‘friendships’ that last longer than a summer fling“ berichtet.


Schlangen über Schlangen

Passend zum Ende der Schulferien in NRW kommen nun doch noch die „Saure-Gurken-Zeit“-Themen. In Herne im nördlichen Ruhrgebiet sorgt eine Monokel-Kobra Naja kaouthia* für Aufregung. Doch der Reihe nach:

Eine Kobra erhebt sich aus dem Korb eines Schlangenbeschwöreres und spreizt den Nacken
Die Monokelkobra ist gut im Terrarium haltbar, aber sehr giftig.

Sonntag, den 25. August 2019

Eine Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses in Herne-Holthausen beobachtet im Hausflur eine etwa 1,40 m lange Schlange. Sie sei zwischen zwei Wohnungstüren unterwegs gewesen und habe die ganze Zeit gezischt. Sie wählt den Notruf. Ihr Freund habe später ein Foto gemacht, so kann die Schlange ggf. identifiziert werden. Das Foto zeigt eine helle Schlange ohne jede Zeichnung. Der Kopf ist nicht sichtbar.
Als die Einsatzkräfte vor Ort sind, ist die Schlange verschwunden. Die Feuerwehr lässt sich von -in der Presse nicht näher definierten- Reptilienexperten beraten. In der Folge wird doppelseitiges Klebeband als Falle ausgebracht und Mehl ausgestreut, in der Hoffnung, die Schlange hinterlässt dort Spuren, die auf ihren Aufenthaltsort hindeuten.

Vermutlich ist die Kobra aus dem Terrarium eines anderen Hausbewohners entkommen. Dieser Mann soll dort mehrere Schlangen halten, er hat sie auch der Stadt ordnungsgemäß gemeldet. Diese hatte in der Vergangenheit die Haltung überprüft und nichts Negatives festgestellt.

Da das Haus mit drei anderen Häusern verbunden ist, müssen sie alle geräumt werden. Die meisten Bewohner kommen bei Verwandten und Freunden unter, nur wenige müssen in eine Notunterkunft ausweichen.

Montag, den 26. August

Am Vormittag finden Behördenmitarbeiter im  Keller des Hauses die Häutungsreste einer Schlange. In einem der Terrarien lebt eine frisch gehäutete Schlange. Die Beamten vermuten, dass die Schlange aus dem Terrarium ausgebrochen ist, sich im Keller gehäutet hat und dann von selbst in den Behälter zurückkehrte. Bestätigt, z.B. durch eine genetische Untersuchung, ist das noch nicht.

Der Schlangenhalter bestreitet, dass die im Flur beobachtete Schlange von ihm stammt. Alle in der Wohnung befindlichen Schlangen werden dennoch sichergestellt.

Dienstag, 27. August 2019

Die Behörden gehen immernoch davon aus, dass die Kobra in einem der Häuser unterwegs ist. Vermutlich ist das Tier nicht unter den sichergestellten Reptilien. Bisher konnten die Experten die Schlangenhaut konnte keinem der Tiere definitiv zuordnen. Die Behörden gehen weiter davon aus, dass sich die Schlange noch in dem Komplex versteckt hält. Hausbewohner dürfen nur gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes kurz in ihre Wohnungen, um sich Gegenstände zu holen. Bisher gibt es keine Spuren im Mehl oder auf den Klebestreifen.

Mittwoch, 28. August 2019

Seit dem Vormittag suchen Reptilien-Spezialisten der Feuerwehr Düsseldorf die Kellerräume der insgesamt vier miteinander verbundenen Häuser ab. „Die Suche wird ein paar Tage dauern“, sagte Marco Diesing von der Feuerwehr Herne. Mindestens so lange dürfen die 30 Bewohner aus Sicherheitsgründen weiterhin nicht in ihre Wohnungen zurück.

Ungewöhnlich spät meldete sich die Politik zu Wort. Die Phrasen waren dennoch vorhersehbar. „Was uns auch beschäftigt, ist die Frage, wie das eigentlich in Nordrhein-Westfalen sein kann, dass es schwieriger ist, einen Hund anzumelden als eine giftige Schlange in seinem Haus zu halten. (…) Das kann ja wohl nicht unser Ernst sein.“ kommentiert der Herner Oberbürgermeister Frank Dudda das in NRW fehlende Gefahrtiergesetz. Grüne und SPD hatten bereits 2014 als Regierungskoalition ein solches Gesetz angestrebt, es scheiterte – am Widerstand der Kommunen.

Donnerstag, 29. August 2019

Die nächste Unstimmigkeit: Der Schlangenhalter hatte behauptet, die fotografierte Schlange sei nicht von ihm. Er hatte 22 Schlangen angemeldet, davon fünf Monokelkobras. Die externen Schlangenexperten haben drei Monokelkobras in den Terrarien identifiziert. Der Schlangenhalter gibt an, eine der Monokelkobras verkauft zu haben, kann das aber nicht belegen. Die im Keller gefundene Häutung ist bisher keinem konkreten Tier zugeordnet worden.

Die „Schlangenhäuser“ in Herne entwickeln sich zu einer kleinen Attraktion. Zahlreiche Besucher kommen „eben mal vorbei“, stehen vor den Absperrbändern der Polizei, machen Handyfotos, gucken. „Wir waren gerade in der Nähe und haben uns dann gesagt, wir gucken mal, was hier so los ist“, sagt Detlef Klemen, der hier eigentlich mit Polizei und Feuerwehr gerechnet hätte. Zahlreiche Anwohner sind bereits genervt.

Herne indess mausert sich zu einer kleinen Berühmtheit: Sogar die New York Times hatte Platz genug, kurz über die Schlange zu berichten.

Freitag, 30. August 2019

Bei einem Ortstermin des Oberbürgermeisters bemerkt ein Anwohner, dass die Schlange sich im hohen Gras hinter dem Haus hervorragend verstecken könne. Die Stadt schickt einen Mähroboter, dessen Lärm die Schlange aufschreckt. Sie flüchtet in einen Kellereingang, wo sie ein Mitarbeiter entdeckt. Nur Minuten später kann man sie einfangen. Niemand wurde verletzt und die Schlange wanderte erst einmal in eine Kunststoffbox.

Die Anwohner können in ihre Wohnungen zurück. Vermutlich werden sie als erstes staubsaugen – schließlich haben die Schlangenjäger ja Mehl ausgebracht, um Spuren zu sichern.

„Die Schlange ist wohlauf“, sagte eine Sprecherin der Stadt am Samstag (31.08.2019). „Sie hat wahrscheinlich den stressigsten Tag ihres Lebens gehabt.“

 

Düren

Während in Herne die Kobra (nicht) Amok lief, hatte es die Stadtverwaltung Düren mit einem wesentlich ungefährlicheren Besucher zu tun. Aufmerksame Bürger hatten am Dienstagvormittag im Kreishaus eine rote Schlange gesehen und die Feuerwehr alarmiert. Als sie eintraf, hatten die Angestellten des Kreishauses die Schlange bereits in einem Eimer gefangen. Die Feuerwehr übernahm die nur 30 cm lange Schlange und identifizierte sie als Kornnatter – dann setzten die Mitarbeiter das Reptil an der nahe gelegenen Rur aus.

Darüber sind die Mitarbeiter der Reptilien-Auffangstation in Stolberg empört. Nicht einmal heimische Tiere wie etwa Ringelnattern dürfen ohne Rücksprache mit der zuständigen Umwelt-Behörde ausgesetzt werden. Die Kornnatter stammt aus den wärmeren Gebieten Nordamerikas. Sie hat keine Chance, den Winter in der Nordeifel zu überleben.
Die Feuerwehr Düren räumte später gegenüber dem WDR ein, das nicht abgesprochene Aussetzen der Schlange sei ein Fehler gewesen.

 

Flensburg

Der Vollständigkeit halber: Einsatzkräfte der Flensburger Feuerwehr haben am Samstag, 30.8.2019 an der Bushaltestelle „Am Stadtpark“ einen etwa 1 m langen Königspython eingefangen und ins Tierheim gebracht. Vermutlich hatte die Schlange keine Fahrkarte.


CITES-Treffen in Genf

Auf dem Treffen der Unterzeichnerstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens in Genf hat es einige Beschlüsse gegeben, die dem Tierschutz dienen. Andere, wenige sind nicht so positiv zu bewerten, aber in der Summe hat sich der Artenschutz gegen kurzfristige Interessen durchgesetzt:

  • Insgesamt 142 Arten bekommen einen höheren Schutzstatus.
  • 18 weitere Hai- und Rochenarten, u.a. die Mako-Arten und Gitarrenrochen stehen jetzt auf Anhang II
  • Europäische Aale, Seegurken und Seepferdchen werden ebenfalls herauf gestuft
  • Giraffen fallen jetzt ebenfalls unter Anhang II
  • Der Elfenbeinhandel bleib quasi unverändert. International verboten, bleibt der Binnenhandel erlaubt. Insbesondere die EU und Japan haben sich gegen die vollständige Schließung der Märkte stark gemacht.
  • Südafrikanischen Staaten wird es nicht erlaubt, die Elfenbeinlager zu öffnen. Bei der letzten Öffnung 2008 eskalierte die Elefantenwilderei.
  • Elefanten dürfen aus Simbabwe, Botsuana, Namibia und Südafrika nicht mehr für die Zoohaltung exportiert werden.
  • einige als Haustiere gehandelte Reptilienarten stehen jetzt ebenfalls unter Anhang II
  • Über 100 Glasfroscharten, die gerade bei Terrarienliebhabern in aller Welt „in“ sind, werden nicht gelistet
  • Eine CITES Big Cat Task Force wurde gegründet. Sie soll den illegalen Handel mit Tigern, Löwen, Geparden, Jaguaren und Leoparden bekämpfen
  • Der erfolgreiche Schutz der wilden Vikunjas in den Andenstaaten erlaubt es, eine regionale Vikunjapopulation in Argentinien von Anhang I auf Anhang II zu setzen.
  • Ob, wie in der letzten Woche gemeldet, der Antrag Israels auf Aufnahme der Mammuts angenommen wurde, steht nicht im Presse-Release
  • Zahlreiche tropische Baumarten mit Edelhölzern werden in Anhang II aufgenommen. Ausnahmen gibt es nur für bestimmte Objekte, beispielsweise Musikinstrumente, die bereits in Betrieb sind. Zahlreiche Holzblasinstrumente werden aus tropischen Hölzern hergestellt, sind aber viele Jahre in Betrieb. Bisher musste beispielsweise ein Klarinettist bei einem Engagement im Ausland eine CITES-Genehmigung für sein Instrument einholen. Das entfällt nun.

„Die Menschheit muss auf die wachsende Aussterbekrise reagieren, indem sie die Art und Weise verändert, wie wir mit den wilden Tieren und Pflanzen der Welt umgehen. Business as usual ist keine Option mehr!“, sagte CITES-Generalsekretärin Ivonne Higuero im Rahmen der Konferenz.


3,8 Millionen Jahre alter Vormenschen-Schädel entdeckt

Prähominider Schädel im linken Teilprofil vor schwarzem Hintergrund
Schädel von MRD-VP-1/1, C: Dale Omori, Cleveland Museum of Natural History

Wissenschaftler haben in Äthiopien einen 3,8 Millionen Jahre alten Homininen-Schädel entdeckt (Bild). Er könnte dazu beitragen, die Ursprünge von Lucy, unserer berühmten Vorläuferin, aufzuklären.

Das Exemplar, MRD-VP-1/1, legt nahe, dass Lucys Spezies (Australopithecus afarensis) mit der älteren Australopithecus-Art A. anamensis in der alten äthiopischen Landschaft zusammenlebte. Die meisten Forscher glauben, dass sich Australopithecus afarensis in derselben Evolutionslinie befindet, wie  Australopithecus anamensis. Die Vorstellung war, dass sich A. anamensis allmählich in A. afarensis verwandelt hat. Das impliziert jedoch, dass die beiden Arten nie koexistierten.

Der Schädel, der diese Woche in Nature beschrieben wurde, widerspricht dem. Die Gesichtszüge des Fossils wirken sehr A. anamensis-ähnlich, zu einem Zeitpunkt, als sich diese Art längst zu A. afarensis entwickelt haben sollte. Streicht man die Annahme, wie es nach dem Fund jetzt notwendig ist, kommt ein anderes Fundstück in neues Licht: Ein 3,9 Millionen Jahre altes Gesichtsfragment, das bereits in den 1980ern fefunden wurde. Bisher wurde es wegen seines Alter A. anamensis zugeordnet, obwohl es A. afarensis wesentlich mehr ähnelt. Es kann nun widerspruchsfrei A. afarensis zugeordnet werden.

Der neue Schädel belegt, dass die beiden Arten zeitlich zumindest teilweise koexistierten. A. afarensis hat sich möglicherweise aus einer kleinen Gruppe von A. anamensis entwickelt. Später hat dann eine größere afarensis-Population die Australopithecus anamensis verdrängt, so die neue Hypothese.

Insgesamt zeigt die Einordnung des Fundes, dass die Abstammung des Menschen wesentlich komplexer ist, als lange Zeit vermutet wurde. Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass in den pliozänen Savannen Ostafrikas regelmäßig mehrere Vor- und Frühmenschenarten nebeneinander lebten.


Riesenhai in der Nordsee

Arbeiter der dänischen Ölplattform Syd Arne, ungefähr 240 km vor Esbjerg, haben einen Riesenhai Cetorhinus maximus gefilmt. Das angeblich etwa 8 m lange Tier zog ruhig im blauen Wasser der Nordsee seine Kreise.

Der dänische Fernsehsender TV2 veröffentlichte das 28 sec. lange Video auf seiner Internetseite. Riesenhaie wandern im Sommer regelmäßig in die Nordsee ein.


„Neue“ Walart beschrieben – kryptozoologisch schon lange bekannt

Die neu beschriebene Walart ist ein Schnabelwal, wie könnte es anders sein. Er gehört zur Gattung der Schwarzwale und lebt im Nordpazifik. Sie war so bekannt, dass ihr sogar die deutschsprachige Wikipedia zwei Sätze widmete: „Vom Baird-Wal sind zwei Formen bekannt, eine schiefergraue und eine kleinere, schwarz gefärbte. Vergleiche der mitochondrialen DNA sprechen dafür, dass es sich bei der schwarzen Form um eine weitere Schwarzwalart handeln könnte.“

Das muss demnächst geändert werden, denn Freitag, 30.08.2019, kurz nach Redaktionsschluß erschien in der Nature die Erstbeschreibung. Die Art heißt nun Beradius minimus.

Die Redaktion hat deswegen eine Sonderschicht geschoben. Wir berichten am morgigen Dienstag ausführlich (mit Bildern) über die neu beschriebene Art.


Chinesische Versicherungen übernehmen keine Schuppentier-Schuppen mehr

Bisher haben viele chinesische Krankenversicherungen auch die „traditonelle“ chinesische Medizin übernommen, darunter auch umstrittene Heilmittel aus Tieren. Besonders gefährdet war und ist das Schuppentier (englisch Pangolin), dessen Schuppen so begehrt sind, dass es das am meisten gehandelte Wild-Säugetier auf diesem Planeten darstellt. Alle acht Arten sind stark bedroht.

Die Regierung in Peking hat nun angekündigt, dass die staatlichen Krankenversicherungen keine Produkte mehr zahlen, die Pangolin-Schuppen enthalten.


Feld-Ornithologisches

Auch diese Woche gibt es nur im Detail Neues, aber viel Altes:

  • In Karlsruhe und im benachbarten Ettlingen wird ein Gänsegeier beobachtet.
  • Der Meldorfer Rosapelikan ist tagsüber in Cuxhaven unterwegs. Hier ist er eng mit sechs Weißstörchen vergesellschaftet und jagt mit ihnen auf einer Wiese Mäuse. Abends fliegt er zu seinem Schlapflatz am Meldorfer Speicherkoog zurück, hat jedoch auch schon mit den Störchen gemeinsam auf Hausdächern oder Hochspannungsleitungen gesessen.
  • Eine unbestätigte Sichtung aus Türkheim im Allgäu: ein Rosakakadu
  • Der Kaiseradler aus dem Randowbruch geht immer wieder adulte Seeadler an. Das muss ein Schauspiel sein!
  • Die Limikolen beginnen zu ziehen, mit ihnen kommen seltene Watvögel: Ein Graubrust-Strandläufer Calidris melanotos bei Staßfurt (Salzlandkreis), ein Grasläufer bei Rodenäs (SH), in Angermünde eine Doppelschnepfe Gallinago media,
    Auf der Greifswalder Oie wurde ein Rosenstar zwischen Staren beobachtet.
  • An der Ostseeküste kommt es zu einem kleinen Einfall von Rotfußfalken. Sie wurden unter anderem auf Fehmarn, bei Prerow, bei Greifswald und Zingst beobachtet

Zu guter Letzt: Ein Schnabeltier im Schnee

Während Teile von Deutschland in der vergangenen Woche unter der zweiten Hitzewelle des Sommers litten, ist auf der Südhalbkugel gerade Winter. So ist es kein Wunder, dass in Tasmanien so viel Schnee fällt, dass man am Mount Fields sogar Ski laufen kann. Jiemba Sands hat einen „Ureinwohner“ dabei beobachtet, wie er (bzw. sie) sich den Weg durch den Schnee bahnt:


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


Presseschau der vergangenen Woche