Presseschau Kalenderwoche 34/2019

Obwohl die Politik in vielen Ländern verrückt spielt, haben die Medien noch genug Raum übrig, um auch Bemerkenswertes aus dem Mensch-Tier-Kontakt, der Natur oder auch der Kryptozoologie zu bringen. Dort, wo dann die Zeitung doch schon voll ist, helfen die sozialen Medien. Wir haben diese Woche wieder einiges für euch zusammengestellt.

Viel Spaß beim Lesen.


eDNA-Studie deutet auf plausible Erklärung für Nessie hin

eine ruhige Wasserfläche mit wenigen Wellen, in der Mitte ein Gegenstand unbestimmbarer Größe, aus dem ein langer Fortsatz in einem flachen Bogen nach oben geht und dort wie abgeknickt wirkt
Das berühmte Nessie-Foto von Robert Wilson von April 1934.

Wir hatten schon berichtet, dass Prof. Neil Gemmell unter anderem die eDNA des Loch Ness untersucht hat. Mit einiger Verzögerung wird er am Donnerstag, 05. September 2019 die Studie auf einer Pressekonferenz in Drumnadrochit an den Gestaden des berühmten Sees vorstellen.

Neben 15 Fischarten konnte er 3000 verschiedene Bakterienarten identifizieren, und drei von vier Haupthypothesen zu Nessie ausschließen. Welches die Haupthypothesen waren und welche davon plausibel erscheint, werden wir erst auf der Pressekonferenz erfahren.

Wir bleiben am Ball und bitten jetzt schon einmal um Entschuldigung dafür, dass der Artikel, der am 5.9. geplant ist, erst am frühen Nachmittag, nach der Pressekonferenz erscheinen wird.

Link zur Ankündigung der Pressekonferenz


11.000 Vögel fallen tot vom Himmel

Montana, USA – mehr als 11.000 Wasservögel sind letzte Woche an den Grenzen der Big Lake Wildlife Management Area in Montana vom Himmel gefallen. Es handelte sich hauptsächlich um Pelikane, Enten, Ohrenscharben und Watvögel, die in großer Zahl an dem See vorkommen.

Die Landschaft war teilweise mit toten und schwer verletzten Vögeln übersät, ein verstörender Anblick, „tote Enten und Watvögel mit gebrochenen Flügeln, zerschmetterten Schädeln, inneren Verletzungen und anderen stumpfen Traumata“, berichten die Montana Fish, Wildlife, and Parks (FWP). Nahezu 5% aller Enten und 40% der Kormorane und Pelikane zeigen Verletzungen oder sind gestorben.

Wie kam es zu diesem apokalyptischen Vorfall? In den USA kommt es aufgrund der beiden in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gebirge regelmäßig zum Kontakt von warmer, feuchter Luft aus dem Süden und kalter Polarluft. Je größer die Temperaturunterschiede sind, um so heftiger verläuft der Kontakt, es kommt zu schweren lokalen Stürmen, Unwettern und Tornados. Genau so etwas ist in Montana passiert, orkanartige Winde von mehr als 110 km/h und Hagelkörner von Baseballgröße haben ihren Tribut gefordert.

Doch, so FWP Wildlife-Biologe Justin Paugh: „Der See ist immernoch voll gesunder, lebendiger Wasservögel. Das Leben wird weiter gehen!“


Seltener „Strawberry-Leopard“ in Südafrika fotografiert

Strawberry Leopard by Alan Watson Black Leopard Lodghe
Alan Watsons Wildkamera-Foto des „Strawberry Leopards“, den er mittlerweile Goldie genannt hat.

Bereits Ende Juli wurde im Thaba Tholo Wilderness Reserve im Nordosten Südafrikas ein seltener „Stawberry-Leopard“ fotografiert. Die große Katze fraß an dem Kadaver einer durch ein Unwetter umgekommenen Giraffe, als Alan und Lynsey Watson sie auf Chip bannen konnten. Die Watsons betreiben eine Lodge und bieten Wildlife-Safaris an.

„Soweit wir wissen, ist das die seltenste Farbvariante eines Leoparden. Wir hoffen, sie wird mehr Leute zur Lodge bringen.“ erzählt Alan weiter. Die strawberry-Fellfarbe trat das erste Mal 2012, 300 km weit entfernt, in Botswana auf. Es handelt sich um eine erythristische Farbmangelmutante. Sie wird ähnlich wie Albinismus rezessiv vererbt. Hier werden rote Pigmente in großer Zahl produziert, während schwarze Pigmente nicht oder in zu geringer Menge ausgebildet werden. Die charakteristischen schwarzen Flecken des Leoparden wirken rotbraun, das Tier wirkt unwirklich, fast rosa. Beinahe ein Pink Panther.

Erythismus kommt bei Leoparden sehr selten vor. „Nach unserer Kenntnis gab es vor den Fotos von 2012 keine Dokumentation hiervon“ schreibt das Ingwe Leopard Research Team der University of Reading.  Ein Guide hatte 2012 im Madikwe Game Reserve im Nordwesten Südafrikas einen männlichen „Strawberry“-Leopard fotografiert. Das Team identifizierte zwei Leoparden mit dieser Mutation. Mit Hilfe von Rangern, Naturschützern, der lokalen Bevölkerung und den Sozialen Medien konnten sie insgesamt sieben „Strawberry“-Leoparden in Südafrika identifizieren.

Nationalgeographic mit der ersten Meldung eines Strawberry-Leoparden von 2012

Daily Mail mit der Meldung der aktuellen Sichtung


Die Äskulap-Natter, ein Problem?

Die nach dem römischen Gott der Heilkunst Äskulap benannte Natter ist eine der größten Schlangen Europas. Sie erreicht normalerweise 1,4 bis 1,6 m und kann in Ausnahmefällen auch mal an die 2 m-Marke heranreichen. Da sie relativ kräftig gebaut ist, wirkt sie deutlich größer, als eine gleich lange, schlanke Ringelnatter.

In Deutschland kommt die ungiftigen Äskulapnatter (Zamenis longissimus*) nur an wenigen Stellen vor. Der Ort Schlangenbad im Rheingau ist vermutlich nach dem Vorkommen benannt worden, ansonsten findet man sie bei Passau an der Donau und im Ulfenbachtal (Odenwald) in Hessen. Dort wurde 2009 ein Schutzprojekt für die Schlange eingerichtet, das offenbar sehr erfolgreich war. So erfolgreich, dass es jetzt Konflikte mit einzelnen Gartenbesitzern gibt. Die „Riesenschlangen“ bewegen sich in den Gärten und kommen gelegentlich sogar ins Haus. Auch einzelne Jungkaninchen sind ihnen angeblich zum Opfer gefallen. Die „geplagte“ Anwohnerin Martina Travaglione entblödet sich auf n-tv nicht, ihren Vorbehalten Luft machen, frei nach dem Motto: „Natur ja, aber bitte woanders. Wir wollen im Garten und am Wald nicht davon gestört werden.“

Immerhin bekommen die Anwohner demnächst Hilfe von einem Fachmann. Er zeigt ihnen, wie sie die Schlangen fachgerecht aus dem Haus bringen, so dass sie sie nicht mehr mit Schrubber und Besen drangsalieren müssen.


Israel will Mammuts zur bedrohten Art erklären

Mammut-Nachbildung mit Neanderthaler im LVL-Museum für Naturkunde Münster
Mammut im Naturkundemuseum Münster, gemeinsam mit einem Neanderthaler und anderen eiszeitlichen Tieren.

Alle Mammuts sind spätestens vor 5000 Jahren ausgestorben. Alle? Ein kleines, unbeugsames Land im Nahen Osten ist offenbar anderer Meinung und hat auf der Genfer Artenschutzkonferenz den Antrag gestellt, Mammuts unter Schutz zu stellen und so den Handel mit Mammutprodukten einzuschränken bzw. zu verbieten.

Spinnen die Israelis? Nein, ganz im Gegenteil! Die Unterschutzstellung der Mammuts ist ein durchdachter Schritt gegen den Handel mit Elfenbein von rezenten Elefanten. Wir haben schon häufiger von Permafrost-Mumien berichtet (beispielsweise hier und hier), aber die spektakulärsten Tiere des Permafrostes blieben bisher außen vor: Die Mammuts.

Ihre Stoßzähne sind oft so gut erhalten, dass das Elfenbein nach Asien verkauft wird, wo es zu kunstvollen Schnitzereien verarbeitet wird. Besonders begehrt ist das edle Material für Siegel, ohne die in Japan und anderen asiatischen Staaten kaum ein Rechtsgeschäft abgeschlossen werden kann.
Dagegen ist nichts einzuwenden, der wissenschaftliche Wert der Stoßzähne ist gering, das Mammut bereits seit tausenden Jahren tot. Aber immer wieder wird Elfenbein rezenter Elefanten aus Afrika oder Asien als Mammutelfenbein (um-) deklariert. Am Erscheinungsbild ist kaum festzumachen, von welchem Tier Stoßzähne oder Rohlinge stammen und dem Zoll steht auch nicht immer und überall die Möglichkeit zum genetischen Test offen.

Wenn Mammuts zur bedrohten Art erklärt werden, wird der Handel mit Mammutelfenbein reguliert und die Möglichkeit, „rezentes Elfenbein“ darunter zu schmuggeln, sinkt zwangsläufig. Ein cleverer Schachzug.


Feld-Ornithologisches

Auch diese Woche gibt es ein paar interessante Vogelbeobachtungen in Deutschland, die wir -wie immer- aus verschiedenen Ornitho-Portalen zusammengesammelt haben:

  • Der Kaiseradler, der in den letzten Monaten fast regelmäßig im Randowbruch in Vorpommern beobachtet wurde, ist wieder da.
  • Der Schwarzbrauen-Albatros, der in den letzten Sommern regelmäßig die Nordsee besucht (wir berichteten), wurde offshore vor dem Ellenbogen bei List auf Sylt gesehen.
  • In Langenau bei Ulm ist ein Adlerbussard aufgetaucht und blieb dort mindestens einige Tage
  • Der Rosapelikan auf dem Meldorfer Speicherkoog ist zuletzt am vergangenen Montag beobachtet worden.
  • Bei Bargfeld in der Nähe von Norderstedt hat sich ein Trupp Bindenkreuzschnäbel Loxia bifasciata* über mehrere Tage sehen lassen

Zur Existenz von Bielefeld

Ortseingangsschild von Bielefeld
Nunja … Bielefeld eben.

Die drei größten Verschwörungen der Moderne lauten ja bekanntermaßen „In Roswell ist ein Wetterballon abgestürzt, John F. Kennedy wurde von einem Einzeltäter erschossen und Bielefeld ist eine ganz normale Stadt in Ostwestfalen“. Zumindest die Existenz von Bielefeld wird immer wieder angezweifelt, so dass die Bielefeldverschwörung als eines der bekanntesten Elemente der Nerd-Kultur in Deutschland gilt.

Die Stadtverwaltung Bielefeld (das sind die, die die verwalten, die von sich behaupten, in Bielefeld zu wohnen oder zu arbeiten) hat nun ein Preisgeld von 1.000.000 € ausgeschrieben: Wer den Beweis der Nichtexistenz der Stadt erbringt, bekommt die Summe ausbezahlt.

Mit der Umkehr der Beweislast hat es sich die Organisation einfach gemacht: ein negativer Beweis ist in einem offenen System so gut wie unmöglich zu führen.

Nebenbei: Wenn man beweist, dass Bielefeld nicht existiert, existiert die Stadtverwaltung von Bielefeld ebenfalls nicht. Wer soll dann die Bielefeld-Million auszahlen?

tagesschau mit der Meldung als Schlußlicht


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


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