Presseschau Kalenderwoche 33/2019

Anstatt über die Sauregurkenzeit zu meckern, gibt’s doch so einiges zu berichten. Im Gegensatz zur letzten Woche sind auch einige Großkryptide dabei, es gibt riesige Vögel und weniger angenehme, kleinere Geschöpfe, aber lest selbst:


Hyalomma-Zecke überträgt erstmals Fleckfieber in Deutschland

Die Hyalomma-Zecke, eine besonders große, subtropische Art, versucht in Deutschland heimisch zu werden. Sie hat unter anderem auf einem Pferdehof in Geldern am Niederrhein das erste Mal erfolgreich überwintern können.

Ein Pferdebesitzer aus der Nähe von Siegen soll der erste Mensch sein, der in Deutschland durch den Biss der Hyalomma an Fleckfieber erkrankt ist. Er hat die Zecke nach dem Biss Ende Juli an das Institut für Parasitologie der Uni Hohenheim (Stuttgart) geschickt.  In der Zecke sei der betreffende Erreger nachgewiesen worden, teilte die Universität mit. Wenige Tage später erkrankte der Mann, konnte aber mit Antibiotika geheilt werden.

„Damit wissen wir jetzt nicht nur sicher, dass die Hyalomma-Zecke auch Menschen sticht“, sagte Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim. Sicher ist auch, dass das Zecken-Fleckfieber in Deutschland übertragen werden kann. Das müssen Ärzte bei ihrer Diagnosefindung in Zukunft berücksichtigen.

Anmerkung der Redaktion: Nehmt Zeckenbisse nicht auf die leichte Schulter, auch ernn es sich „nur“ um eine gewöhnliche Zecke handelt. Wenn eine Zecke einen Wirt gefunden hat, beißt sie sich an einer geschützten Stelle fest, beginnt aber erst nach einigen Stunden mit der Blutmahlzeit. In dieser Zeit sollte sie entfernt werden. Optimal wird eine Zecke beim Menschen mit einer Uhrmacherpinzette entfernt, die parallel zur Haut möglichst dicht an die Stichstelle geführt wird. Dann zugreifen und die Zecke nach oben herausziehen. Verdrehen ist unnötig. Reißen die Mundwerkzeuge in der Wunde ab, ist das kein Problem, es gibt einen Pickel, aus dem sie in den nächsten Tagen herauseitern.

Die Zecke steckt man am besten in ein kleines Gefäß, in dem ein leicht feuchtes Stück Küchenpapier liegt und verschließt es. So kann man sie mehrere Wochen im Kühlschrank aufbewahren. Bei einer Veränderung der Wunde (insbesondere nach 6 Wochen bei Lyme-Borreliose) ist die Zecke für die Diagnose Gold wert.

„Hausmittelchen“ wie Abflämmen, Lackieren, Betupfen mit Öl etc. sorgen zwar dafür, dass sich die Zecke löst, vorher erbricht sie jedoch in die Wunde, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer Infektion um ein Vielfaches ansteigt.


Neuseeland: Riesenkalmar angeschwemmt

Ein Mann liegt neben einem toten Riesenkalmar an einem schwarzen Strand
Schon fast surrealistisch: Daniel Aplin liegt auf einem schwarzen Strand neben einem weißen Riesenkalmar, der mehr als doppelt so groß ist, wie er. Foto: Aplin-Brüder

Die Meldung ist eigentlich schon fast ein Jahr alt, sorgt aber jetzt erst für Wellen in den sozialen Medien:

Am 26. August 2018 wurde an einem Strand an der Cookstraße, zwischen den beiden Hauptinseln Neuseelands ein erstaunlich vollständiger Riesenkalmar angeschwemmt. Die Brüder Aplin, die eigentlich tauchen gehen wollten, fanden das Tier am Strand der Südküste von Wellington. Trotz erster Anzeichen der Verwesung war es noch in einem guten Zustand und von beeindruckender Größe.

„Das Tier maß 4,2 m“ sagte Daniel Aplin dem New Zealand Herald. Hiermit meinte er wohl die Gesamtlänge einschließlich der 8 Tentakel (ohne die zwei langen Fangarme). Auf den Bildern wirken Mantel und Kopf etwa so groß die der daneben liegende Mensch.

Ob es sich um ein Exemplar von Architheutis dux* handelt, untersucht das Nationale Institut für Wasser- und Atmosphärenforschung (NIWA).

Neuseeland gilt als einer der Hotspots für Riesenkalmar-Strandungen.


Riesenpinguin entdeckt

Ebenfalls in Neuseeland haben Forscher einen Riesenpinguin entdeckt. Nein, kein Geschöpf aus der Kanalisation Gotham Citys und auch keine rezente, unentdeckte Art, sondern ein Fossil. Die Crossvallia waiparensis genannte Art lebte vor 66 bis 56 Millionen Jahren an Neuseelands Küsten. Mit einer Größe von 1,6 Metern und etwa 80 kg war er fast so groß wie ein erwachsener Mensch. Er war viermal so schwer, wie der größte rezente Pinguin, der Kaiserpinguin.

Crossvallia waiparensis ist nicht der einige fossile Riesenpinguin. Eine zweite Crossvallia-Art, C. unienwillia ist von Seymour-Island vor dem Antarktischen Festland bekannt und blieb wohl ein wenig kleiner. Weitere fossile Arten erreichten noch größere Ausmaße: Pachydyptes ponderosus ist als Neuseeländischer Riesenpinguin bekannt und bewohnte die Strände der Doppelinsel im Oligozän bis Miozän vor 36 bis 22 Millionen Jahren. Er erreichte etwa 1,8 m und 100 kg. Anthropornis nordenskjoeldi und A. grandis erreichten ebenfalls diese Größe und sind aus dem späten Oligozän bekannt. Ihre Fossilien fanden Wissenschaftler auf Seymour Island und in Neuseeland.

Ein Hobby-Fossiliensammler hatte die Beinknochen von Crossvallia waiparensis im letzten Jahr ausgegraben. Die Analyse erschien in der Fachzeitschrift „Alcheringa: An Australasian Journal of Palaeontology„.


Berliner Panda-Dame trächtig?

Ein junger großer Panda sitzt im Baum und scheint zu winken
Fu Bao, ein Panda aus Wien, im Alter von etwa 10 Monaten

Nachdem wir letzte Woche über eine Zwillingsgeburt bei Großen Pandas in Belgien berichtet haben, will auch der Berliner Zoo nicht nachstehen. Das Weibchen, Meng Meng ist sechs Jahre alt und stammt aus der Chengdu-Aufzuchtstation, wo auch ihr Partner Jiao Qing geboren wurde.

Meng Meng wurde künstlich besamt, bei den als Sexmuffeln bekannten Großen Pandas ist das in Zoos eine übliche Methode, Nachwuchs zu erreichen. In einer Pressemitteilung schreibt der Zoo, Meng Meng sei „zu 85% trächtig“**. Da bei Pandas häufiger Scheinträchtigkeit vorkommt, ist man sich in Berlin noch nicht ganz sicher. Zoodirektor Andreas Knieriem bittet daher: „Drücken Sie uns die Daumen!“

Wenn alles klappt, könnte der Zoo ab Ende Oktober mit Nachwuchs rechnen. n-tv hat einen recht ausführlichen Bericht zum Thema online.

**Dies wäre der Erstnachweis für „ein bisschen schwanger“.


Goldschakal im Nationalpark Hainich

Ein Goldschakal (Canis aureus)

Bereits am 1. August 2019 ist ein Goldschakal (Canis aureus*) im thüringischen Nationalpark Hainich in eine Fotofalle gelaufen. Dies ist ein weiterer Nachweis für die Nordwest-Ausbreitung des kleinen Wildhundes.

Einzelne Exemplare haben vermutlich schon früher Thüringen passiert, so im Naturpark Eichsfeld. Manfred Großmann, Leiter des Nationalpark Hainich hat einen solchen Kontakt beinahe erwartet: „Es war aber eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass ein Goldschakal hier mal in eine Fotofalle geht“.

Goldschakale haben ihren Namen von ihrem teilweise goldgelb gefärbten Fell. Sie sind größer als Füchse, aber kleiner als Wölfe. Sie gelten als Allesfresser, tatsächlich ernähren sie sich von unterschiedlichen Kleintieren, Aas und pflanzlichen Bestandteilen. In Europa sind sie hauptsächlich in den Balkanstaaten verbreitet, haben jedoch die Tendenz, sich nach Norden und Westen auszubreiten. So sind Goldschakale in den letzten Jahren immer mal wieder in Mitteleuropa nachgewiesen worden. In Österreich (Oberösterreich und Neusiedlersee-Gebiet) und Nordostitalien ist er heimisch geworden, als bisher erreichte Extreme gelten Finnland (2019) und die Niederlande (2016).

Vermutlich wird diese Ausbreitung erst durch das Fehlen von Wölfen ermöglicht, denn sie verdrängen Goldschakale aus ihrem Gebiet. Unklar ist nur, warum die Ausbreitung erst jetzt erfolgt, Europa ist seit dem 18. Jahrhundert „funktionell wolffrei“.


Montiertes Skelett eines Höhlenbären
Höhlenbär-Skelett im Naturkundemuseum Braunschweig

Der Mensch ist wohl doch für das Aussterben des Höhlenbären verantwortlich

Der moderne Mensch hat den Höhlenbären ausgerottet. Das Aussterben dieser Art wurde lange Zeit zahlreichen Faktoren zugerechnet, wie die Veränderung des Klimas am Ende der Eiszeit, Aufkommen von Konkurrenz und die Bejagung durch den modernen Menschen. Doch eine neuere Untersuchung sieht das anders: „Der dramatische Einbruch in Vielfalt und Population des Höhlenbären geht nach einer vergleichsweise stabilen Phase zeitlich einher mit dem Auftreten des modernen Menschen“, sagt Verena Schünemann vom Institut für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich.

Höhlenbären dienten dem Menschen als Nahrung. Ein weiterer Grund für die Bejagung dürfte der Fakt gewesen sein, dass sie tief in den selben Höhlen überwinterten, in denen die Menschen Unterschlupf suchten. Denen wird die Gefahr, dass ihnen plötzlich ein riesiger, hungriger Bär in den Rücken fällt, nicht gefallen haben. Also wird man jede neu bezogene Höhle nach schlafenden Bären durchsucht haben – mit fatalem Ergebnis für den Bär.


Lederschildkröte vor Cornwall gefilmt

Lederschildkröten sind unter den rezenten Meeresreptilien die Art, die regelmäßig am weitesten nach Norden vordringt. Zahlreiche Funde in kaltgemäßigten und subpolaren Zonen beweisen dies. Da sie hauptsächlich unter Wasser schwimmen und lange und tief tauchen, werden sie aber selten beobachtet.

Dem 14jährigen Kajak-Fahrer James Adger ist am Dienstag, 13.08.2019 gelungen, eine solche Schildkröte zu filmen. Er war in der Falmouth Bay vor Pendennis Point unterwegs und beschreibt seine Beobachtung wie folgt: „Es war ein ungewöhnlicher Anblick, halb so lang wie unser Kajak und mindestens so breit, wir haben sie nur Sekunden nach einer Lungenqualle (Rhizostoma pulmo*, d. Red.)  gesehen.“

Wissenschaftler der nahe gelegenen University of Exeter haben Boot-Nutzer gebeten, aufmerksam zu sein, um Kollisionen zu vermeiden, insbesondere wenn viele Quallen in der Nähe sind.

Es gibt sogar ein (extrem kurzes) Video der Schildkröte:

Ein weiterer Artikel über eine Lederschildkröte hoch im Norden: Link.


CITES und der japanische Walfang

Walfkuke

Japan fährt in den Nordpazifik und jagt wieder Wale. Mit Ausstieg Japans aus der Internationalen Walfang-Kommission schien das mit legalen Mitteln kaum zu verhindern sein. Doch nun tritt eine kleine und sehr schlagkräftige Organisation in den Ring: Die CITES, eine Organisation die das Washingtoner Artenschutzabkommen umsetzt. Sie regelt den Handel mit den im Abkommen geschützten Arten. Sobald ein Tier oder Teile eines geschützten Tieres über eine Grenze gelangen, benötigen sie CITES-Papiere.

Ein weiterer Punkt aus dem Abkommen kommt hinzu: Auch kommerzielle Fischerei (Walfang gehört rechtlich zur Fischerei) auf geschützte Arten ist unter CITES geregelt, auch wenn ein Land plant, die Produkte nur im Inland zu verkaufen. De facto verbietet die Regelung Japan, auf hoher See erlegte Wale an Land zu bringen.

Kazuya Fukaya, stellvertretende Direktorin in der Abteilung für Ressourcen- und Umweltforschung der japanischen Fischereiagentur, dass Japan sich an die Regelung halten werde.

Falls Japan das nicht tut, droht CITES damit, in Japan ausgestellte CITES-Dokumente nicht anzuerkennen. Das schließt das Land de facto vom lukrativen Handel mit geschützten Tieren aus.

Die Redaktion ruft alle Japaner auf, auf ihre Regierung einzuwirken, die unnötige und Japan als Kulturnation nicht würdige Jagd auf Meeressäuger aller Art zu unterbinden.


Feld-Ornithologisches

Feldornithologisch können wir diese Woche fast nur Folgemeldungen abgeben. Der Rosapelikan im Meldorfer Speicherkoog ist immer noch da. Ebenso zieht der vor einigen Wochen aus dem Radowbruch gemeldete Kaiseradler dort noch seine Runden.

Wesentlich kleiner, aber immerhin zumindest teilweise rosa ist der Rosenstar, der auf Baltrum gesehen wurde.


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Uns ist selbstverständlich bekannt, dass wissenschaftliche Namen in Texten kursiv geschrieben werden. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


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