Presseschau Kalenderwoche 37/2019

Wie immer montags gibt es auch heute die Presseschau mit Meldungen aus Zoologie, Kryptozoologie und Tierischem zum Schmunzeln aus der vergangenen Woche. Viel Spaß beim Lesen.


Autounfall mit Hamster

Keiler schläft in der Abendsonne
„Ein Hamster mit sehr großen Zähnen“.. ruht friedlich in der Abendsonne

Aus Attaching bei Freising in Bayern kam der Anruf, der die Polizei sicherlich ins Grübeln brachte. Ein Taxifahrer meldete den Beamten einen Wildunfall, aber keinen gewöhnlichen: er habe einen „großen Hamster mit sehr großen Zähnen“ angefahren. Trotz Vollbremsung konnte der 49-Jährige den Unfall nicht verhindern, das Tier verstarb noch an Ort und Stelle.

Was wie ein interessanter Fall für die Kryptozoologie klingt (ein großer Hamster mit sehr großen Zähnen, vielleicht eine Art Wer-Wombat?), löste sich beim Eintreffen der Polizei schnell auf. Der Taxifahrer hatte ein mittelgroßes Wildschwein erwischt. Der Polizeisprecher hierzu: „Der Taxifahrer war nüchtern!“

Ein NfK-Mitglied hierzu: „Man stelle sich den Unfall in einem Land vor, wo nicht sofort die Polizei zum Unfallort eilt, um die Sache aufzuklären, sondern wo nur die Erzählung des Autofahrers übrigbleibt. Schon könnte ein neuer Kryptide geboren sein.“


Neanderthaler-Fußspuren lassen umdenken

Portrait eines Modells eines älteren Neanderthaler-Mannes
War es seine Gruppe, die in Le Rozel am Strand lebte?
Neanderthaler-Modell aus dem Neanderthal-Museum in Mettmann

Forscher finden an einem Strand bei Le Rozel in der Normandie hunderte Fußspuren von Neanderthalern. Insgesamt fanden die Forscher um Dominique Cliquet von der Universität Rennes 257 Fußspuren und 8 Handabdrücke. Die 80.000 Jahre alten Spuren lassen vermuten, dass eine kleine Gruppe dieser Menschen zeitweilig an dem Ort lebte.

Die Zusammensetzung der Gruppe hat die Forscher überrascht. Ihre Analyse ergab, dass sie mindestens von 4, vermutlich eher 10 bis 13 Personen stammten. Eine 28 cm lange Fußspur ordnen sie einem erwachsenen Mann zu, der mit 1,89 m für Neanderthaler ungewöhnlich groß war. Bemerkenswert ist jedoch, dass ein Großteil der Spuren von Kindern stammt.

Bisher ging man davon aus, dass Neanderthaler etwa 1,77 m Körpergröße erreichen konnten. Ebenso vermutete man eine andere Zusammensetzung der Gruppen. Das einzige andere Spurenbild aus der Höhle El Sidrón in Spanien zeigt 7 Erwachsene, 3 Jugendliche, 2 Kinder und ein Kleinkind.

Die gesamte Arbeit kann man hier nachlesen: https://doi.org/10.1073/pnas.1901789116


Norwegen: seltsame Krankheit tötet Hunde

Rund 200 Hunde waren Anfang dieser Woche in Norwegen von einer seltsamen Darmerkrankung betroffen. Sie zeigen blutigen Durchfall, Erbrechen und Abgeschlagenheit. Etwa 25 Hunde sind bereits daran gestorben, meldet das norwegische Veterinäramt. Bei zehn Nekropsien ergab sich eine deutliche Verschiebung der Darmflora: Sie wiesen einen „unnatürlich hohen“ Befall durch Clostridium perfringens und Providencia alcalifaciens auf. Die meisten Krankheitsfälle werden aus Oslo und der Umgebung gemeldet.

Die Behörden riefen die Hundebesitzer auf, die Tiere an der Leine zu führen und den Kontakt mit anderen Hunden zu vermeiden. Bisher gibt es keine Hinweise, ob andere Tiere oder Menschen betroffen sein können.


Zweifarbiger Hummer gefunden

Männer halten vier verschiedene, ungewöhnlich gefärbte Maine-Hummer in die Kamera
Die „seltenen“ Hummer des Maine Center for Coastal Fisheries (Foto: Maine Center for Coastal Fisheries)

Captain Daryl Dunham, Hummerfischer vor der Küste von Maine staunte nicht schlecht. Er zog in einem seiner Hummerkörbe einen extrem ungewöhnlich gefärbten Hummer an die Oberfläche. Die linke Körperhälfte des Tieres ist blaubraun gefärbt mit orangefarbenen Abzeichen, die rechte Körperhälfte leuchtet orange. Beide Körperhälften sind wie durch einen scharfen, geraden Strich getrennt.

Eine solche Färbung kommt nur durch eine seltene Mutation in der frühen Embryonalphase zustande. Die Körperzelle, die sich zur rechten Seite der Außenhaut (für die Fachleute: das ektodermale Keimblatt) differenziert, hat das Gen für dunkle Farbe „verloren“.

Der Hummer wird nicht in den Topf wandern (dann würde er seine Besonderheit verlieren und einheitlich rot), sondern wird für eine Weile im Maine Center for Costal Fisheries in einem Aquarium ausgestellt. Danach wird er „mit allen Ehren“ in die New England Bay entlassen, wo er herkam. Das Center pflegt noch weitere ungewöhnliche Hummer, zwei Calico-Lobster mit einem hohen Anteil orangefarbener Flecken und ein blaues Tier, eine andere seltene Farbmutation. Alle gehören der Art Homarus americanus an.

CNN hat ausgerechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Calico-Hummer zu fangen bei 1: 30 Millionen liegt, der blaue ist etwas häufiger mit 1: 2 Millionen, während das neu gefangene Tier bei 1: 50 Millionen liegt. Die Wahrscheinlichkeit, diese Tiere in einem Aquarium zu halten, liegt bei 1:90 Octilionen – aber nicht lange: Hummer sind territorial, in einem Aquarium überlebt nur das größte Tier.

Quelle: CNN travel


Astronomen finden Wasser auf Exoplaneten – Leben könnte möglich sein!

Ist das noch Kryptozoologie? Egal: Astronomen konnten mit Hilfe des Weltraumteleskopes „Hubble“ auf einem Exoplaneten das erste Mal Wasserdampf nachweisen. „Wasser auf einer potenziell bewohnbaren Welt jenseits der Erde zu finden, ist unfassbar aufregend“, erklärt Angelos Tsiaras vom University College London die Entdeckung. Wasserdampf in der Atmosphäre, das kennen wir. Auf der Erde nennt man das Wolken.

K2-18b, so heißt der Planet, kreist um einen Zwergstern im Sternbild Löwe und hat rund die achtfache Masse und mehr als den doppelten Durchmesser der Erde. Er gehört damit zur Klasse der Super-Erden. „K2-18b ist nicht die ‚Erde 2.0‘, da er deutlich schwerer ist und eine andere Zusammensetzung der Atmosphäre hat.“ bremst Tsiaras die Erwartungen. Hinweise auf Leben habe man bisher keine gefunden.

Wer eine längere Zusammenfassung auf Deutsch lesen möchte, möge hier klicken

Wer die Originalarbeit in der „Nature Astronomy“ lesen möchte, klicke bitte hier.


Wie man mit Magenknurren Feinde vertreibt

Unser Chefredakteur meint „Das ist doch ganz normal. Wenn ich Hunger habe, bin ich unausstehlich. Wer mein Magenknurren hört, flüchtet freiwillig.“ Aber wir machen trotzdem eine Meldung draus, denn nicht der Chefredakteur ist gemeint, sondern die Westatlantische Reitkrabbe Ocypode quadrata*.

Sandfarbene Krabbe mit weißen Scheren im Sand
Knurrt mit dem Magen, um Feinde zu vertreiben – nicht der Chefredakteur, sondern Ocypode quadrata

Eigentlich ist sie nichts besonderes, sie sieht aus wie eine normale, etwas blasse Krabbe, lebt am Strand der Ostküste beider Amerikas, von Rhode Island bis Brasilien, vor allem im Bereich Florida bis in die Karibik. Sie fressen Aas und kleine Strandlebewesen. Die Männchen kämpfen stark ritualisiert untereinander.

Ocypode quadrata sind dafür bekannt, drei verschiedene Arten von Geräuschen zu produzieren, was für Krabben bereits sehr viel ist: Ein raspelndes Geräusch mit dein Beinen, das oft als Warnung gegenüber anderen Tieren eingesetzt wird. Dazu kommt ein blubberndes Geräusch im Kiemenraum und sie nutzen die Scheren als Instrument, um am Substrat ein reißendes Geräusch zu erzeugen. Jetzt haben Wissenschaftler eine vierte Geräuschquelle entdeckt: Sie reiben die Zähne ihres Vormagens aneinander und erzeugen ein Geräusch, das entfernt an ein Quaken erinnert. Viele Feinde wie Möwen, Waschbären, andere Reitkrabben und Menschen können die Frequenz (etwa 2 Kilohertz) sehr gut wahrnehmen. Vermutlich wird es als Abwehrgeräusch verwendet.

Hier gibt es das Geräusch zu hören und einen Röntgenfilm von der Entstehung.


Insektizide hindern Zugvögel am Weiterfliegen

grauer Vogel mit schwarz weißer Kopfzeichnung und gelbem Schnabel
Die Dachs-Ammer ist ein wichtiger Zugvogel in Nordamerika

Neonicotinoide sind eine gängige Klasse bei den Insektiziden. Eine Studie aus Kanada zeigt nun, dass sie nicht nur für Insekten gefährlich sind, sondern auch Zugvögel beeinträchtigen.

Die Forscher fingen am frühen Morgen Dachs-Ammern (Zonotrichia leucophrys*) bei einem Zwischenstopp im kanadischen Ontario. Dann verabreichten sie einigen eine geringe, anderen eine höhere Menge des Neonicotinoids Imidacloprid. Die Menge sei etwa so viel, wie einige gebeizte Samen enthalten. Nach 36 h durften die Vögel weiter fliegen. Tiere, die die höhere Dosis des Nervengiftes erhalten hatten, fraßen in den folgenden 6 h nichts und nahmen danach nur ein Drittel des Futters zu sich, das die Tiere der Kontrollgruppe fraßen. Das wirkte sich auf ihre Kondition aus: Sie hatten in den sechs Stunden bereits durchschnittlich 6% ihres Körpergewichtes verloren, was 17% ihres Fettspeichers entspricht.

Die behandelten Vögel blieben 3,5 Tage länger in der Umgebung von Ontario, als die unbehandelten Tiere. „Das sind nur ein paar Tage, aber wir wissen, dass ein paar Tage signifikante Auswirkungen auf die Überlebensrate und die Fortpflanzung haben kann“ beschreibt Studienleiterin Margaret Eng von der University of Saskatchewan in Saskatoon die Konsequenzen.

Ähnlich wie einige andere moderne Untersuchungen betrachtet auch dieses Paper die Auswirkungen von Pestiziden, die unterhalb der Schwelle akuter Vergiftungen liegen. Das getestete Imidacloprid wird unter den Markennamen Admire, Confidor und Gaucho vertrieben. Es ist mit etwa 40% Marktanteil das am häufigsten gehandelte Neonicotinoid.

Die Originalarbeit: Eng et al. (2019): A neonicotinoid insecticide reduces fueling and delays migration in songbirds; Science: Vol. 365, Issue 6458, pp. 1177-1180 DOI: 10.1126/science.aaw9419

Deutsche Bearbeitung von Bea Riebesehl bei Spektrum.de: Zugvögel – Neonikotiniode verzögern Weiterfliegen


Mr. 100.000 Volt – stärkster Zitteraal entdeckt

Zitteraale kennt jedes Kind. Electrophorus electricus* lebt in Südamerika und produziert Strom, um sich zu orientieren und seine Beutetiere zu betäuben. Schon Alexander von Humboldt berichtet tief beeindruckt von seinen Fähigkeiten. Viele Zooaquarien pflegen die Tiere, denn sie sind trotz ihrer Größe von potenziell über 2 m dankbare Pfleglinge und sorgen für eine gewisse Sensation bei den Besuchern. Tatsächlich faszineren sie auch durch ihr gemütliches Auftreten und die ungewöhnliche Schwimmweise mit undulierendem Afterflossensaum.

Zeichnung verängstiger Pferde, die von Zitteraalen angegriffen werden
Am Orinoco benutzte Humboldt Pferde, um die Zitteraale eines Gewässers zu ködern.

Zitteraale waren viele Jahre immer wieder Forschungsobjekte, hauptsächlich wegen ihrer Stromproduktion, aber auch wegen der „normalen“ Verwendung eines elektrischen Feldes zur Orientierung und Kommunikation untereinander. Taxonomisch sind sie seit der Erstbeschreibung von Linné 1766 beinahe unbeachtet geblieben. Jetzt haben sich Forscher des Smithsonian National Museum of Natural History den Zitteraalen genetisch und morphologisch angenähert – und siehe da: aus einer beschriebenen Art wurden auf einmal drei. Sie unterscheiden sich genetisch eindeutig, auch wenn sie nahezu gleich aussehen.

Die bekannte Art Electrophorus electricus lebt im Norden Südamerikas, vor allem in den Guyanas und Surinam, E. varii bevölkert das Amazonasbecken im Norden Brasiliens und E. voltai erreicht schließlich den tieferen Süden Brasiliens. Die Arten haben sich während der Entwicklung der heutigen Überschwemmungsregenwälder im Amazonasgebiet vor etwa 3 Millionen Jahren aufgetrennt.

Natürlich haben die Wissenschaftler auch die elektrischen Fähigkeiten der Tiere untersucht. Hierzu haben sie die Zitteraale in ein aufblasbares Schwimmbecken gesetzt und die Stärke der Entladungen gemessen. Die stärksten Stromschläge kann E. voltai (der nach Alessandro Volta, einem Pionier der Elektrophysik benannt wurde) austeilen. Seine „Zaps“ erreichen 860 V, wesentlich mehr als die vorher bei Zitteraalen gemessenen 650 V.

Der Originalartikel in Nature Communication


Kleinster fossiler Affe entdeckt

Parvimico materdei haben ihn die Paläontologen genannt. Er lebte im frühen Miozän Südamerikas, vor etwa 18 Millionen Jahren. Bisher weiß man noch nicht viel über ihn, aber er könnte ein neues Licht auf die Evolution der Primaten der Neuen Welt werfen – wenn man denn mehr von ihm findet.

Schon die Fundgeschichte ist eine Geschichte purer Geduld. Das Team um Richard Kay, Professor für evolutionäre Anthropologie der Duke University und Kollegen von der National University of Piura in Peru legte diese Geduld an den Tag. Sie entdeckten, dass eine Sandbank des Flusses „Madre del Dios“ fossilreich war und begannen, das Sediment zu sieben. Nachdem sie über 900 kg durchsiebt hatten, fanden sie hunderte fossiler Knochen anderer Tiere und einen Zahn in der Größe von zwei Stecknadelköpfen. „Das ist bei Weitem der kleinste fossile Affe, der weltweit gefunden wurde“ sagt Kay über den Fund.

Anders als das rezente Zwergseidenäffchen (Cebuella pygmaea), das ähnlich groß ist, hat sich Parvimico vermutlich von Früchten und Insekten ernährt.

Da bisher nur ein einzelner Zahn entdeckt wurde, kann sonst nicht viel über Parvimico gesagt werden. Weitere Forschung wird hoffentlich neue Ergebnisse bringen.

Die Originalarbeit: Kay, R. et al. (2019): Parvimico materdei gen. et sp. nov.: A new platyrrhine from the Early Miocene of the Amazon Basin, Peru; Journal of Human Evolution,Volume 134, September 2019, 102628; https://doi.org/10.1016/j.jhevol.2019.05.016


CIA ließ Tiere für sich spionieren

Gerüchte und Verschwörungstheorien hierzu gab es schon lange. Nun wurden Archivdokumente veröffentlicht, die das Tiertrainingsprogramm der CIA beschreiben. Die Trainer haben unter anderem Katzen, Hunde, Delfine, Raben, Tauben und viele andere Tiere zu trainieren versucht, meist mit wenig Erfolg.

So sollten Katzen Abhörvorrichtungen herumtragen, Delfine neben Soviet-U-Booten schwimmen und akustische Signale aufzeichnen. Besonders beliebt waren offenbar Vögel, aber außer Anfangserfolgen hatte die CIA keine echten Erfolge. Die CIA hat alle Tier-Trainings aufgegeben, während die US-Navy noch Delfine und Seelöwen im Dienst hat.

Was genau gemacht wurde, kann man unter anderem beim Daily Star nachlesen.


Riesiger Flugsaurier entdeckt

Das Fossil lag bereits etwa 30 Jahre im Archiv, da die Ausgräber dachten, sie hätten im Alberta’s Dinosaur Provincial Park in Kanada einen Quetzalcoatlus ausgegraben – einen bereits bekannten, gewaltigen Flugsaurier aus Texas. Doch vor vier Jahren stellte Michael Habib ein Flugsaurier-Experte fest, dass die Fossilien zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit denen von Quetzalcoatlus hatten, aber „die Proportionen irgendwie nicht stimmten“.

Weiß-roter Flugsaurier im Flug von oben
Cryodrakon boreas in einer Paläoart von David Maas, passenderweise mit einem angedeuteten Maple Lead auf dem Rücken.

So kam es zu einer näheren Untersuchung der Fossilien, bei am Ende feststand, dass es sich um eine bisher unbekannte Gattung und Art handelt. „Dieser Typ Flugsaurier [Azhdrachiden] ist sehr selten, von den meisten Arten kennen wir nur einen einzigen Knochen“ erzählte Habib der SciTech Daily. „Unsere neu beschriebene Art basiert auf einem Teilskelett. Das sagt uns eine Menge über die Anatomie dieser großen Flieger, wie sie flogen und wie sie lebten.“

Cryodrakon boreas

Cryodrakon boreas (von Kryos: gefroren, Drakon: Drachen und boreas: der Nördliche, mythisch die Personifizierung des Nordwindes) lebte vor 77 Millionen Jahren in der späten Kreidezeit. Alberta war damals eine tropische Flachlandschaft in der Nähe des Western Interior Seaways. Wie die meisten Azhdrachiden war er sehr groß und hatte -verglichen mit heutigen fliegenden Tieren- sehr ungewöhnliche Proportionen. In der Luft wirkte er beinahe wie ein Flugzeug, mehr als neun Meter Spannweite und ziemlich schlanke Flügel haben ihm eine elegante Erscheinung gegeben. Am Boden bewegte er sich auf allen Vieren fort, die Flügel tragenden Finger hochgeklappt. Obwohl er hier die Höhe einer weiblichen Giraffe erreichte, kam er mit dem Schnabel auf den Boden.

Das war auch notwendig, denn Cryodrakon ernährte sich räuberischvor allem von Eidechsen, Säugetieren und Dinosaurierbabies.

Anders als in einigen Medien berichtet, ist Cryodrakon nicht der größte Flugsaurier. Einige Azhdrachiden erreichten vermutlich 12 bis 13 m Spannweite und damit das doppelte Gewicht.

Weiteres über Cryodrakon gibt es unter anderem bei National Geographic, der Washington Post und in der Erstbeschreibung im Journal of Vertebrate Zoology.


Luchsportrait, das Tier sieht nach rechts
Portrait eines europäischen Luchses

Luchs-Wilderer zu 3000 € Geldstrafe verurteilt

Das Amtsgericht Cham hat am 12.09.2019 einen Jäger zu einer Geldstrafe von € 3000,- verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann in seinem Revier im Bayerischen Wald einen freilebenden Luchs gefangen und getötet hat. Der Jäger hat die Vorwürfe bestritten, ein Zeuge berichtete jedoch ausführlich, wie ihm der Jäger von den Wildereien geprahlt habe.

Interessant ist die Frage, ob der Jäger in der Folge auch zivilrechtlich belangt werden kann. Einige Naturschutzorganisationen haben viel Geld in die Wiederansiedlung des Luchses investiert, so dass die Tiere finanziell zu bewerten sind. Allerdings wurden sie mit dem Aussetzen herrenlos, nominell ist dem ehemaligen Besitzer damit kein Schaden entstanden.

Im Bayerischen Wald wurden in den letzten Jahren immer wieder illegal Luchse gewildert. Am Mittwoch unterzeichneten der Bayerische Jagdverband, der Landesbund für Vogelschutz und der WWF Deutschland in Regensburg eine gemeinsame Erklärung gegen Wilderei und Artenschutzkriminalität. Die Naturschutzverbände fordern von der Bayerischen Landesregierung eine „Anti-Wilderer-Offensive“.


16.000 Jahre alte Stein-Artefakte in Idaho ausgegraben

Wissenschaftler der Oregon State University haben bei Cooper’s Ferry im US-Bundesstaat Idaho Steinartefakte ausgegraben, die zwischen 15.000 und 16.000 Jahren alt sind. Unter den 189 Objekten befinden sich Pfeil- oder Speerspitzen, Steinmesser und Schaber.

„Die Stelle liegt am Salmon River, einem Zufluss des größeren Columbia-River-Systems“ sagt Professor Loren Davis, der die Ausgrabungen leitete. „Frühe Gruppen bewegten sich an der Pazifikküste nach Süden und könnten mit dem Columbia-River die ersten Stelle zwischen den Gletschern gefunden haben, an der sie einfach ins Landesinnere laufen und paddeln konnten. Der Columbia-River war eine der ersten Möglichkeiten, von der Küste ins Inland vorzudringen“.

Neben den Stein-Artefakten fand das Team auch Holzkohle, vom Feuer zerbrochene Steine und 86 Knochenfragmente von mittelgroßen und großen Tieren.

Warum ist uns das eine Meldung wert? Die Fragmente sind mit die ältesten, die bisher in Nordamerika gefunden wurden. Genetische Untersuchungen legen eine Besiedlung Amerikas zwischen 15.000 und 13.000 v. Chr. stattfand. Die ältesten direkten Nachweise sind etwas über 14.000 Jahre alt, sie stammen aus Oregon und Texas. Die jetzigen Funde sind also mindestens 700 Jahre, möglicherweise fast 2000 Jahre älter.

Literatur: Loren G. Davis et al. 2019. Late Upper Paleolithic occupation at Cooper’s Ferry, Idaho, USA, ~16,000 years ago. Science 365 (6456): 891-897; doi: 10.1126/science.aax9830


Ig-Nobelpreise verliehen

Die Harvard-Uni in Cambridge bei Boston in den USA verleiht jedes Jahr die als Anti-Nobelpreise bekannten Ig-Nobelpreise. Dies ist eine satirische Auszeichnung, um wissenschaftliche Leistungen zu ehren, die „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen“.

Die Arbeiten, die geehrt werden, sind nicht weniger skurril als die Vergabezeremonie: Redner treten in etwas ungewöhnlichen Kostümen auf und die zu Ehrenden tragen eine Zielscheibe auf der Brust. Während der Dankesrede versucht das Publikum, diese Zielscheibe mit Papierfliegern zu treffen. Früher durfte die Dankesrede nur fünf Wörte lang sein, heute kommt nach einer gewissen Zeit ein Kind auf die Bühne und schreit „Hör auf, mir ist langweilig.“

Die zahlreichen Papierflieger wurden bis zu seinem Tod im letzten Jahr nach den Dankesreden traditionell von Roy Glauber weggefegt. Nur 2005 war er verhindert, er „musste“ in Stockholm seinen eigenen Physik-Nobelpreis abholen. Ob in diesem Jahr einfach ein neuer Besenmeister auftritt oder ob die Zeremonie verändert wird, ist noch nicht bekannt.

Wir werden in naher Zukunft über die Inhalte der Ig-Nobelpreise berichten.


Problemgänse in den Städten

Kanadagans mit Küken im Gras
Sind Kanadagänse problematisch?

Ganz und gar nicht „verborgen“ sind zahlreiche Kulturfolger unter den Wasservögeln. In NRW gehören, wie vielerorts in Deutschland vor allem Kanadagänse und Nilgänse dazu, in der Stadt Neuss am Niederrhein kommen noch Schneegänse hinzu. Im Neusser Stadtwald liegt der Baggersee „Jröne Meerke“ (hochdeutsch: Grünes Meerchen), auf dessen Insel sich eine größere Gänsepopulation angesiedelt hat. Da der Stadtwald als Erholungsgebiet stark genutzt wird, sieht die Stadt durch den Gänsekot hygienische Probleme. Sie fürchtet Salmonellen und Fäkalkeime, so dass bereits ein Kinderspielplatz geschlossen wurde. Ebenso befürchtet sie die Eutrophierung des Sees.

Nun arbeitet die Stadt an einem „Wildgansmanagement“. Ein Abschuss ist nicht vorgesehen, wäre auch jagdrechtlich nur bei Kanada- und Graugänsen möglich, Nil- und Schneegänse unterliegen nicht dem Jagdrecht. Der Umweltausschluss hat vorgeschlagen, im kommenden Jahr Eier zu zerstören oder einen Steg auf die Insel zu bauen, über den Füchse die Nester erreichen könnten.

Die Stadt Düsseldorf nutzt einen anderen Trick: sie richtete an Gewässern zusätzliche Brutplätze für die sehr konkurrenzstarken Höckerschwäne ein. Diese dulden im Umkreis um ihre Nester keine brütenden Gänse.


EU erweitert die Liste invasiver Arten

Ein mittelgroßer, brauner Vogel mit gelbem Schnabel und gelben Beinen auf einer Wiese
Der Hirtenstar oder common myna (Acridotheres tristis) ist eine der gefährlichsten invasiven Arten

Die in diese Liste aufgenommenen, invasiven Arten dürfen nicht mehr gehandet werden, der nichtgewerbliche Besitz ist weiterhin gestattet, wenn die Tiere bereits vor der Aufnahme in die Liste gehalten wurden und ausbruchsicher gehalten werden.

Zu den neu aufgenommenen Tieren gehört  der Sonnenbarsch Lepomis gibbosus, der bereits in großen Teilen Europas etabliert ist. Ebenso wurde der Korallenwels Plotosus lineatus aufgenommen. Diese Art ist als Lesseps’scher Migrant durch den Suezkanal ins Mittelmeer gelangt und hat sich dort etabliert. Durch die giftigen Flossenstacheln kommt es gelegentlich zu Verletzungen bei Fischern.

Ebenso wurde der Hirtenstar oder Hirtenmania (Acridotheres tristis) auf die Liste genommen. Die Art stammt aus dem indischen Raum zwischen Afghanistan und Sri Lanka und wurde in vielen subtropischen Gebieten zur Insektenbekämpfung ausgesetzt. Sie ist konkurrenzstark und verdrängt einheimische Vögel. Hirtenstare gelten als eine der 100 schlimmsten invasiven Arten der IUCN-Zählung aus dem Jahr 2000. Von daher ist es nicht begreiflich, wieso die EU erst 20 Jahre später reagiert.

Die Erweiterung der Liste enthält noch eine Reihe von Pflanzen: Link zu EUR-Lex

 


Seltsame Affen in Santa Fe (Texas)

Die Einwohner einer Kleinstadt in Texas stehen vor einem Rätsel. Zahlreiche Bürger berichteten, dass ein Affe durch die Nachbarschaft streift und Ärger macht. Die erste Meldung kommt vom frühen Montagmorgen, als eine Frau bei der Verwaltung in Santa Fe anrief. Sie behauptete, das Tier vor ihrem Haus gesehen zu haben. Patricia de la Mora erzählte einem Fernsehsender von der Sichtung und sagte, sie sei mitten in der Nacht von einem lauten Sturm geweckt worden und habe seltsame Geräusche hinter dem Haus gehört. 

„Ich kann nicht schlafen, es ist ungefähr zwei Uhr“, erinnerte sie sich, „ich schaue aus dem Fenster und sah einen großen Affen.“Sie beobachtete das Tier kurz, zog aber dann den Vorhang zu. „Ich wollte nicht, dass er mich sieht.“ Als die alarmierte Polizei eintraf, war der Affe nicht mehr vor Ort, auch eine längere Suche im näheren Umkreis verlief ergebnislos.

Am folgenden Tag rief eine Person aus de la Mora’s Nachbarschaft  mit einer ähnlichen Geschichte an. Wie beim ersten Fall verliefen die Untersuchungen ergebnislos. Als mehrere Bewohner ihre Erlebnisse mit dem Affen in den sozialen Medien teilten, stellte sich heraus, dass das Rätsel weitere Kreise zieht. Unter anderem sah sich eine Person gezwungen, 20 Minuten im Auto zu bleiben, um nicht angegriffen zu werden. Eine anderere Bewohnerin behauptet, der stinkende Affe habe versucht, ihre Katze zu stehlen.

Offizielle Reaktionen

Was daran stimmt, ist unklar, wie üblich dürften zahlreiche Trittbrettfahrer auf die Story aufgesprungen sein. Es gibt keine Fotos oder Videos, daher ist eine Bestimmung nicht möglich. Mrs de la Mora sagte, es sei ein sehr großer Affe. Steve Lightfoot, ein Sprecher des Texas Parks and Wildlife Department behauptete, dass es nach den Beschreibungen eher ein Schimpanse sei. (Siehe Anmerkung).

Obwohl es noch keinen handfesten Nachweis gibt, glauben die Behörden dass es den Affen gibt: „Ich sage nicht, dass es keinen Affen gibt, ich bin mir sogar sicher, dass irgendwo einer abgehauen ist.“ sagt ein Sprecher der Polizeibehörde Santa Fe.

Bis der Fall abgeschlossen ist, sollen sich die Bewohner dem Tier nicht nähern. Wer es sieht, soll versuchen, das Tier zu fotografieren und der Polizei alle Sichtungen melden. Der lokale Bayou Animal Services versucht, das Tier einzufangen.

Anmerkung:

Durch die Übersetzung geht verloren, dass die Augenzeugen von „monkey“ sprechen. Allgemein werden damit Tieraffen und Gibbons angesprochen. Der genannte Schimpanse würde – wie alle Menschenaffen – mit „ape“ bezeichnet. Die Offiziellen gehen jedoch von einem Schimpansen aus.

Auf der Website der Stadt Santa Fe, des Santa Fe Police Department und dem Bayou Animal Service ist nichts über den Affen zu finden.

Quellen mit zusätzlichen Informationen:

Newsweek: Texas Police Warn a Primate May Be on the Loose in Santa Fe

Coast to Coast: Strange Monkey Mystery Grips Texas City


11. Zugvogeltage

Vogelfreunde erwarten in den kommenden Wochen Millionen von Zugvögeln im Wattenmeer. Der einzigartige Lebensraum ist eine Drehscheibe des ostatlantischen Vogelzuges, da sich hier viele Tiere Reserven für den Weiterflug anfressen können.

Dies lockt jedes Jahr eine andere wandernde Tierart an: Tausende von Besuchern kommen und beobachten die Naturschauspiele. Die 11. Zugvogeltage bieten ihnen ein vielfältiges Programm aus Information und Unterhaltung: Rund 300 Veranstaltungen gibt es zwischen dem 12. und 20. Oktober in der Gegend zwischen Cuxhaven und Borkum. Hierzu gehören Exkursionen, Zeichenworkshops, Ausstellungen, kulinarische Angebote und Kinder-Aktionen.

Partnerland ist dieses Jahr Estland.

Zum Programm der Zugvogeltage


Feld-Ornithologisches

Am Montag, den 9.9.19 wurde im Tister Bauernmoor bei Tiste (Landkreis Rothenburg an der Wümme, südwestlich von Hamburg) ein Jungfernkranich beobachtet. Das Tier ist definitiv unberingt und nicht identisch mit einem Jungfernkranich aus den Niederlanden, der seit 2017 mehrfach in Niedersachsen gesehen wurde. Dieser trägt einen Metallring am rechten Fuß.  Am Freitag, 13.9. und Sonntag 15.9. konnte er wieder beobachtet werden. Er war an mindestens einem der Tage mit Graukranichen unterwegs.
Jungfernkraniche sind sehr seltene Irrgäste in Europa, in den 1990ern gab es anerkannte Wildbeobachtungen aus den Niederlanden.

Am Donnerstag zeigten sich in der Nähe von Timmendorfer Strand drei Schwarzkopf-Ibisse. Falls es sich nicht um Gefangenschaftsflüchtlinge handelt, könnte dies ein Erstnachweis für Deutschland sein.

Der Rosapelikan scheint sich im Meldorfer Speicherkoog wohl zu fühlen, er wird beinahe jeden Tag dort beobachtet.


Zu guter letzt: Bauender Kugelfisch

Viele Tiere bauen Nester, um potenziellen Geschlechtspartnern zu beweisen, das sie fit sind. Andere räumen Balz-Arenen frei, um bei der Balz alle Zufälle aus der Welt zu schaffen. Aber dieser kleine Kugelfisch treibt das auf die Spitze:


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.

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