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  • Breaking News: Bestie und Brínzola

    Gevaudan, Frankreich: Heute vor 255 Jahren, am 30. Juni 1764 fand der erste amtlich registrierte Angriff der „Bestie von Gevaudan“ statt. Die Leiche der 14-jährigen Hirtin Jeanne Boulet wurde am folgenden Tag gefunden. Sie stammte aus Saint-Étienne-de-Lugdarès im Haut-Vivarais, dieser Kanton liegt streng genommen nicht im Gevaudan, sondern im Département Ardèche in der Region Auvergne-Rhône-Alpes, jedoch direkt hinter der Grenze.


    In Saint-Étienne-de-Lugdarès fand der erste Angriff der legendären Bestie statt

    Sehr wahrscheinlich war der Angriff auf Jeanne Boulet nicht der erste Angriff der Bestie, einige Monate vorher wurde eine Hirtin in Saint-Flour-de-Mercoire attackiert.


    Landkarte mit der Gegend, in der sich Brinzola seit dem 18. Mai aufhielt
    Brinzola bestreifte eine relativ kleine Gegend in Mittelnorwegen.
    Bild: Proyecto Monachus

    Norwegen / Schweden / Spanien: Brínzola ist wieder unterwegs. Die Mönchsgeierdame, die vor einigen Wochen quer durch Europa nach Mittelnorwegen gezogen ist, rührt sich wieder. Sie hielt sich seit dem 18. Mai in einer Gegend mit vielen Schaf- und Rentierherden auf, in der auch Großraubtiere vorkommen. Dem entsprechend war der Anfall an Aas, so dass sich Brínzola nur in einem Gebiet von knapp 60 Hektar bewegen musste.
    Jetzt scheint ihr Reiseinstinkt zu greifen, der besenderte Vogel hat gestern die Grenze nach Schweden überflogen.

    Wir halten euch weiter auf dem Laufenden, insbesondere wenn damit zu rechnen ist, dass das Tier nach Deutschland oder ins benachbarte Ausland einfliegt.

    Die letzte Meldung zu Brìnzola und einem weiteren, wandernden Mönchsgeier ist hier zu finden (Link)


    Lennestadt / Sauerland: Aus gegebenem Anlass möchten wir hier auf unsere Vortragsreihe am 12. Oktober 2019 hinweisen:

    Graphic Design zum Kongress

    „Auf der Suche nach Mokele-Mbembe“

    Sind die Dinosaurier wirklich ausgestorben? Eine Frage, der es eigentlich keiner weiteren Antwort bedarf, geht es nach vielen Fachleuten aus den verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen. Natürlich sind die Dinosaurier vor ca. 65 Millionen Jahren ausgestorben heißt es da und nur die heutigen Vögel sind die unmittelbaren Nachfahren dieser phantastischen Tiere.
    Doch warum gibt es dann heute noch so viele Berichte über Begegnungen mit Wesen, deren Beschreibungen manchmal so beginnen: “…es sah aus, wie ein Dinosaurier!..“?

    Noch gibt es Restkarten!

    Zum Programm: einfach dem Link folgen


  • Eine Lederschildkröte im kanadischen Eis

    Der Bras d’Or Lake ist ein großer Fjord auf der Cap Brenton-Halbinsel auf Nova Scotia in Kanada. Die kleine Stadt Sydney liegt in seiner Nähe. Nur mit zwei kleinen Zuflüssen mit dem Meer verbunden, ist er mit Brackwasser gefüllt und friert im Winter jedes Jahr beinahe vollständig zu. Als Brackwasser-Ökosystem ist er erstaunlich produktiv und beherbergt riesige Mengen an Garnelen, Muscheln und eine sehr diverse Population an Vielborstern. Diese Würmer sind die Basis für große Fischdichten von Stichlingen, Heringen, Regenbogenforellen und grönländischen Heilbutt. Kein Ort, an dem man eine Lederschildkröte erwartet hätte.

    Lederschildkröten fahren nicht Ski

    Bereits im Februar meldete das kanadische Nachrichtenportal CBC, dass in der Nähe von Islandview ein merkwürdiges Tier gefunden wurde. „Am Donnerstag (7. Feb. 2019, d. Red.) war ich draußen am Ufer vor meinem Haus. Es sah so aus, als ob sich ein kleines umgekipptes Boot am Ufer im Eis befand. Ich habe nachgesehen und es war eine Lederschildkröte.“, sagte er in der CBC-Sendung „Information Morning Cape Benton.“


    Lage von Islandview am Bras d’Or

    „Als ich sie berührte, wippte sie ein bisschen, aber bewegte sich nicht. Also wusste ich, dass sie tot war, aber sie war in gutem Zustand. Sie sah nicht so aus, als wäre es so lange da, aber könnte am Eis und der Kälte gelegen haben. „, fährt MacLean fort. Er kontaktierte dann das Department of Fisheries and Oceans (DFO). Dort sagte man ihm, dass es zwar ein paar wenige anekdotenhafte Berichte gäbe, aber ihm der erste Nachweis einer Lederschildkröte im Bras d’Or gelungen sei. „Sie sagten, sie würden das prüfen und drüber nachdenken, ich solle erst einmal abwarten. Meeresschildkröten sollten jetzt in der Karibik sein und Eier legen. Nein … sie fahren nicht Ski.“

    Die Bergung

    Als die Offiziellen der DFO MacLeans Fotos sahen, änderte sich die Lage. „Sie wollten sie haben“ beschreibt LacLean die neue Situation. Ab Dienstag (12.02.2019) begann die Bergung. Zunächst bauten MacLean und seine Helfer eine provisorische Rampe aus Brettern und banden ein Seil um die Schildkröte. MacLeans Frau Sue postete Bilder der Bergung bei Facebook. Auf ihnen ist zu sehen, wie die Schildkröte auf eine Kunststoffpalette gehievt wurde, dann mit einem Bagger weggebracht.

    Eine Schildkröte liegt in einem Loch im Eis
    Die tote Schildkröte musste vom dicken Eis befreit werden, bevor sie an Land gezogen werden konnte. (Foto: Sue MacLean)

    Die Schildkröte wird auf einer Palette aus dem Wasser gezogen
    Um sie bergen zu können, wurde die Schildkröte auf eine Palette gebunden (Foto: Sue MacLean)

    Die Schildkröte am Anfang einer Bretterrampe
    Auf einer improvisierten Rampe wurde die Schildkröte an Land gehievt (Foto: Sue MacLean)

    Schildkröte auf einer Palette auf einem Bagger
    Auf einer weiteren Palette wurde sie dann mit einem Bagger verladen. (Foto: Sue MacLean)

    Die Schildkröte wiegt etwa 360 kg, hat eine Gesamtlänge von etwa 2 m und eine Panzerbreite von etwa einem Meter. Der Panzer ist in der Mitte gebrochen, so MacLean, der vermutete, dass das Eis auf ihr gelastet hat, als der Spiegel des Bras d’Or sank.

    Die Lederschildkröte wird zum Atlantic Veterinary College in Charlottetown gebracht, um dort genauer untersucht zu werden.

    Lederschildkröten

    Lederschildkröten der Art Dermochelys coriacea sind die größten lebenden Schildkröten. Sie leben ausschließlich im Meer, zählen aber nicht zu den Meeresschildkröten im engeren Sinne (Cheloniidae) sondern bilden eine eigene Familie. Sie leben meist in tropischen bis subtropischen Gewässern. Im Sommer wandern sie gelegentlich in gemäßigte Breiten. Sie haben den Cheloniidae gegenüber den Vorteil, ihre Körpertemperatur bis zu 18°C über die des umgebenden Wassers halten zu können. So können sie vor allem im Sommer in ungeahnte nördliche Breiten vordringen:

    An den Küsten Schottlands gelten sie als seltene, aber regelmäßige Besucher. Im September 2006 wurde auf der Insel Amrum ein leerer Panzer einer Lederschildkröte angeschwemmt. 2009 haben Fischer und Urlauber vor den Niederlanden regelmäßig Tiere gesichtet. 2015 strandete eine tote Lederschildkröte an der dänischen Insel Langelandt. Ein Jahr früher, im September 2014 konnten Naturbeobachter im norwegischen Nusfjord auf den Lofoten eine etwa 1,8 bis 2 m lange Lederschildkröte fotografieren.
    Offenbar wandern vor allem große Tiere so weit nach Norden. Durch die Oberfläche-Volumen-Ratio sind sie hierzu auch eher prädestiniert, als kleinere Tiere. So ist es kein Wunder, dass die bisher größte bekannte Lederschildkröte, eins der größten rezenten Reptile, in Wales (Großbritannien) angeschwemmt wurde. Sie hatte eine Panzerlänge von 256 cm und ein Gewicht von 916 kg.

    Nach Norden zum Fressen?

    Möglicherweise könnte die in den letzten Jahren verstärkt gemeldete Nordwanderung der Tiere mit ihrer Nahrung zusammenhängen. Lederschildkröten fressen vor allem Quallen und benötigen große Mengen davon: zwischen 10 und 100 kg davon fressen sie pro Tag. In den letzten Jahren haben Meeresforscher in den nordisch-gemäßigten Meeren eine deutliche Zunahme der Quallenpopulation festgestellt. Ausgerechnet an bekannten Hotspots tauchen dann auch die Lederschildkröten auf. Wandern die Tiere wegen der guten Weidegründe nach Norden?

    Die Schildkröte aus dem Bas d’Or Lake ist vermutlich zufällig durch einen der beiden schmalen Zugänge am Norden des Fjords herein geschwommen. Bei dem Versuch, den Fjord bei kälteren Temperaturen zu verlassen, hat sie vermutlich einen falschen Arm erwischt.

    Quellen:

    CBC: Leatherback turtle, not overturned boat, found washed up in Cape Breton

    Wikipedia: Lederschildkröte


  • Mönchsgeier-News: Identität von FUH geklärt, Brínzola bleibt ortstreu

    Mönchsgeier sitzt vor einer Ziegelwand
    Portrait eines Mönchsgeiers im Zoo

    Im Mai sorgte zunächst der Mönchsgeier „Brínzola“ als auch später ein nicht identifiziertes Tier der gleichen Art in Belgien für Schlagzeilem. Der Vogel tauchte am 20. Mai 2019 auf einem Feld bei Hees in der Provinz Limburg auf. Er blieb dort einen Tag und zog am 21.5. weiter, zunächst in dem belgischen Teil der Eifel, dann nach Norden an die niederländische Grenze. Im Landschaftsschutzgebiet „Landschap De Liereman“ konnten Vogelfreunde ihn fotografieren. Die letzte Meldung aus Belgien stammt vom 29. Mai aus Koksijde, fast an der französischen Grenze, in unmittelbarer Nähe der Küste.

    „FUH“ ist identifiziert

    Der Ringcode, weißer Ring mit schwarzen Großbuchstaben und der Aufschrift „FUH“ ließ der Redaktion keine Ruhe. Relativ schnell war klar, dass der Vogel durch ein französisches Projekt beringt wurde. Jetzt sind genauere Daten bekannt geworden:

    Der Vogel heißt „Vénérable“, französisch für „ehrwürdig“, ein wahrhaft passender Name für ein solches Tier. Es ist am 9.6.2017, also heute vor zwei Jahren im Nest beringt worden. Die schwarze Schönheit ist eine Naturbrut, sie stammt aus der Region Grand Causes, genauer der Gemeinde Mostuéjouls in der Gorges du Tarn im Departement Aveyron.
    Die letzte Registrierung erfolgte am 9.4.2019, als der Vogel beim Fressen gesehen wurde. Leider konnten wir nicht herausfinden, wo er das letzte Mal gesehen wurde.


    Die Gorges du Tarn, auf Deutsch: Schlucht des Tarn-Flusses im Nationalpark Cévennes

    Ist Brínzola am Ziel angekommen?

    Die Reise von Brinzola durch Europa wirkte, bis auf einige Orientierungsflüge in Frankreich, merkwürdig zielgerichtet. Seit dem 18. Mai ist sie in Norwegen und scheint am Ziel angekommen zu sein. Der Vogel bewegt sich in einem relativ kleinen Streifgebiet von nur 57 Hektar und frisst offenbar regelmäßig, so das betreuende Proyecto Monachus. Um mögliche Störungen des Vogels durch Neugierige zu vermeiden – man denke an den Presseauflauf in Belgien – veröffentlicht das Proyecto nicht, wo genau das Streifgebiet der schwarzen Schönheit liegt.

    Wir vermuten Brínzola aufgrund der letzten Reisemeldungen in der Gegend um den Langsua National Park. Das Gebiet ist für traditionelle Rentierhaltung bekannt. Mit Luchs und Bär sind zwei Großraubtiere hier heimisch, Wolfsrudel besiedeln einen Teil des Gebietes. Für ausreichend Aas sollte also im kommenden Sommer und Herbst gesorgt sein.

    Spannend wird die Frage, was der große Vogel macht, wenn es Winter wird. Wandert die Mönchsgeierdame wieder nach Spanien zurück? In einem Schutzgebiet bei Burgos wartet ihr Partner Batman auf sie.

     

    Zu den vorhergehenden Geier-Meldungen: Basismeldung, Update 1, 2-3, 4 und 5


  • Kryptozoologie im Mai – unser Rückblick

    Der „Wonnemonat“ hat der Webseite des Netzwerkes für Kryptozoologie einiges an Neuigkeiten gebracht. Wir haben eine neue Rubrik, die „Freitagnacht-Kryptos“ eingeführt und inhaltlich damit direkt den Vogel abgeschossen. Die „Altigkeiten“, alte Meldungen aus der Kryptozoologie, kuriose Fundstücke und Fehlbildungen haben den Nerv unserer Leser gefunden. Nicht nur die Besucherzahlen zeigen das, auch im Gespräch hat sich der ein oder andere Stammbesucher (ja, es gibt sowas bereits!) positiv über die neue Rubrik geäußert.

    Legendäre Kryptide sind eher selten

    Dunkles, fast nacktes Tier steigt auf eine Gartenlaube
    Ist das der Chupacabra? In einem Garten einer englischen Stadt? Foto: „Cameron“

    Als wir die Seite konzipierten, hatten wir schon befürchtet, die legendären oder klassischen Kryptide nicht im aktuellen Geschehen repräsentieren zu können. Doch sie sind beteiligt, wenn auch mit kleinem Anteil. In Nepal hat die indische Armee angebliche Fußspuren des Yetis entdeckt und offiziell als solche publiziert. Dies ist wie eine Bombe im Umfeld der Grenzwissenschaften aufgenommen worden. Leider (?) konnten Skeptiker sehr schnell zeigen, dass es sich bei den fraglichen Fußspuren nur um die Spuren eines Bären handelt.

    Nur wenige Tage später sorgte wieder der Cupacabra für Schlagzeilen. Der legendäre Ziegensauger aus Mittelamerika wurde gesichtet und fotografiert – in einer ruhigen Kleinstadt in Südengland. Teilnehmer des Netzwerkes für Kryptozoologie konnten anhand der Fotos das Tier schnell identifizieren. Nun wird in Hertfordshire nicht länger vor dem Ziegensauger, sondern vor der Räudemilbe gewarnt: ein Fuchs litt unter schwerem Befall und hatte nahezu sein komplettes Fell verloren.

    Out-of-Place-Sichtungen vorne

    Vielleicht könnte man einen Teil der Meldungen der klassischen Kryptozoologie zuordnen, den Alien Big Cats, diesmal in Form eines eindeutig identifizierten Europäischen oder Nordluchses. Die elegante Katze machte allerdings nicht Nordengland unsicher, sondern weitaus bodenständiger: den Ruhrpott. Anfang Dezember in Haltern am See ausgebüchst, wurde sie an verschiedenen Stellen im Ruhrgebiet beobachtet. Leider konnten die Polizei und der Wildparkbetreiber sie einfangen, bevor sie vor den Fenstern der Redaktion vorbei schlich.

    Weitere Out-of-Place-Sichtungen betreffen Orcas im Kattegatt zwischen Dänemark und Schweden, einen Delfin in der Kieler Förde und eine angebliche Bananenspinne in Hamm, die sich dann als ungefährliche Riesenkrabbenspinne entpuppte.

    Monat der riesigen Vögel

    Die Hauptzahl der Meldungen betraf aber einige der größten Vögel des Kontinentes. Mindestens drei Mönchsgeier sind aus Spanien, Südfrankreich und der Balkanpopulation auf dem Weg nach oder sogar durch Mitteleuropa.

    Der Mönchsgeier ist ein riesiger, schwarzer Vogel.
    Mönchsgeier können im Segelflug viele hundert Kilometer zurücklegen. Brinzola beweist es einmal mehr. (Dieses Bild zeigt nicht Brínzola)

    Ein Tier aus einer Wildbrut hält sich mindestens seit Ostern auf bzw. in der Nähe von Rügen auf. Dieses Tier wurde uns gestern noch von dort gemeldet. Das Tier scheint ein zwei- oder dreijähriges Tier aus der Balkanpopulation zu sein. Es trägt keinen Ring und hat keine Markierung durch künstlich gebleichte Schwingen, daher vermuten Experten, dass es sich um einen Vogel aus einer Wildbrut handelt.
    Vom nahe gelegenen Hiddensee wurde ein anderer, jüngerer Vogel gemeldet, über deren Herkunft ebenfalls nichts bekannt ist. Er verschwand so unvermittelt, wie er aufgetaucht ist.

    Aus Belgien stammt eine (bzw. zwei) weitere Mönchsgeiermeldungen. Der zweite Vogel trug einen deutlich sichtbaren weißen Ring mit der schwarzen Aufschrift „FUH“. Der Ring identifiziert das Tier als Teil eines französischen Wiederansiedlungsprojektes. Leider konnten wir keine weiteren Details über den Vogel ermitteln, Anfragen bei dem Projekt blieben leider unbeantwortet. Er tauchte mehr oder weniger „aus dem Nichts“ in der Provinz Limburg in der Nähe von Maastricht auf, blieb dort zwei Tage und verschwand in südöstliche Richtung. Weitere Sichtungsmeldungen zu diesem Tier blieben aus.

    Brínzola

    Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn. Image: Proyecto Monachus, google earth
    Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn.

    Anders beim Star dieses Monats, dem Mönchsgeier „Brínzola“. Das dreijährige Weibchen stammt aus einem Schutzprojekt in Nordspanien und trägt einen Sender. So können die Projektbetreiber nahezu minütlich auf die Position des Vogels zurückgreifen. Er (bzw. sie) ist aus dem heimischen Revier in einer großen Schleife an der Nordseite der Pyrenäen und einem Abstecher ans Basin von Arcachon mehr oder weniger direkt nach Belgien geflogen, hat dort kurz gerastet und die Medien des Landes in Aufregung versetzt.

    Dann ist der Vogel in beinahe direkter Linie an die deutsche Ostseeküste geflogen und hat die Beltensee auf der Vogelfluglinie überquert. Ihr weiterer Weg führte die schwarze Schönheit bis nach Norwegen, wo sie sich vermutlich immer noch aufhält. Die letzten Meldungen des begleitenden Proyecto Monachus sprachen von der Anpassung des Vogels an die langen Tage im Norden. Genauer Koordinaten werden nicht mehr herausgegeben, möglicherweise hat man Angst, ein norwegischer Jäger konnte das Jedermannsrecht zur Jagd zu weit auslegen.

    Während sich Brínzola dem Westen Deutschlands durchflog, wurde sie zeitweise von einem weiteren Mönchsgeier begleitet, der spurlos und unidentifiziert verschwand.

    Weitere Großvögel

    Ein Gänsegeier spreizt im Abendlicht die Flügel.

    Nur etwas kleiner als Mönchsgeier sind die Gänsegeier. Sie fliegen mehr oder weniger regelmäßig aus den Alpen, Pyrenäen oder dem Balkan nach Mitteleuropa ein, so dass sie für uns eigentlich keine Meldung wert sind. Da sie die oben genannten Mönchsgeier an einigen Positionen begleitet haben, haben wir sie aufgenommen.

    Zwei Gänsegeier tauchten an verschiedenen Stellen immer wieder auf. So wurde FUH in Belgien zunächst von einem, dann von zwei Gänsegeiern begleitet, die aber länger in dem kleinen Staat blieben. Kurze Zeit später tauchten zwei Gänsegeier in Cuxhaven an der Nordsee auf. Vorgestern flogen zwei Gänsegeier über einem Naturschutzgebiet in Brüggen am Niederrhein.

    Seit Anfang des Monats sitzt ein Gänsegeier in einer Graureiher-Kolonie in Kolbermoor bei Rosenheim. Er ernährt sich dort von Graureiher-Küken. Das Tier stammt mutmaßlich aus der halbwild lebenden Population des Alpenzoos in Innsbruck.

    Geier-Meldungen: Basismeldung, Update 1, 2-3, 4 und 5

    Nahezu jährlich kommt die Meldung eines Schwarzbrauen- Albatrosses. Diese Tiere kommen sonst ausschließlich in den subpolaren Meeren der Südhalbkugel vor. Einer davon hat sich aber wohl verflogen und ist aus unbekannten Gründen im Nordatlantik aufgetaucht. Seit 2014 besucht das Tier mehr oder weniger regelmäßig die Insel Helgoland, vor zwei Jahren war er regelmäßiger Gast auf Sylt. Bei einer Seevogelzählung registrierten ihn die Forscher im „Entenschnabel“ auf der offenen Nordsee, Meldungen vom Land gibt es (noch) nicht.

    Die letzte und vermutlich seltenste Out-of-Place-Sichtung in Deutschland im vergangenen Monat betrifft den Östlichen Kaiseradler Aquila heliaca. Ein noch nicht ausgereiftes Tier (3. oder 4. Sommer) hält sich seit mindestens 29.5. in der Nähe von Zichow in der Uckermark auf. Dies ist erst der zweite Nachweis eines Östlichen Kaiseradlers in Deutschland. Hierzu hatten wir noch keine Meldung.

    Weniger erfreuliche Folgemeldung

    Der Delfin, der Anfang April das erste Mal in der Kieler Förde beobachtet wurde, ist immer noch dort. Er hält sich in einem eng begrenzten Raum auf, springt sehr häufig und zeigt ungewöhnliche, kreisförmige Hautläsionen.

    Blick in die Zukunft

    Durchschnittlich eine (werk)tägliche Meldung und zusätzlich die Freitagnacht-Kryptos, das ist, was die (ehrenamtliche) Redaktion des NfK zurzeit schaffen kann. Wir werden natürlich die Seite weiter entwickeln und haben schon einige Ideen im Kopf. Wir freuen uns über jegliche Form von Anregung, sei es Anfragen wie „Macht mal was zum Thema …“, Pressefunde per Mail oder halbfertige oder fertige Artikel.

    Ebenso freuen wir uns über jede Erwähnung im Netz und offline. Postet unseren Link in den sozialen Medien, schreibt ihn in die Footer eurer Forenbeiträge, verschickt die Links zu interessanten Beiträgen per Mail: macht uns bekannt, wir brauchen euch!


  • Tigerhaie und Vögel

    Dass Vögel Fische fressen, ist allgemein bekannt. Der Fischadler trägt seinen Namen von dieser Ernährungsform, Haubentaucher, Gänsesäger, Graureiher und vor allem Kormorane kommen regelmäßig in die Schlagzeilen, wenn sich Angler über die „Konkurrenz“ beschweren. Doch der umgekehrte Fall: Fische fressen Vögel, kommt eher selten vor.

    Junger Tigerhai
    Juveniler Tigerhai, Foto von Albert Kok, Creative Commons 3.0

    Wissenschaftler um Marcus Drymon von der Mississippi State University haben nun herausgefunden, dass gerade junge Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) eine unerwartete Nahrungsquelle haben: sie fressen oft Landvögel. Die Wissenschaftler untersuchten Tigerhaie, die sie in einer Langzeitstudie an der Küste der US-Bundesstaaten Mississippi und Alabama zwischen 2010 und 2018 fingen. Um herauszufinden, was die Tiere gefressen haben, haben sie den Fischen ein Rohr durch die Speiseröhre in den Magen eingeführt und den Magen mit Wasser ausgespült. Der Hai wurde dabei nicht weiter verletzt, als durch den Fang.

    Wissenschaftler spülen den Magen eines jungen Tigerhais
    Ein junger Tigerhai nimmt an der Studie teil und bekommt den Magen ausgespült.
    Er wird das Boot ohne größere Verletzungen, dafür sehr hungrig verlassen.

    In den Mageninhalten von 105 untersuchten Tieren fanden sich bei 41 Fischen Reste von Vögeln. Insgesamt konnten die Wissenschaftler anhand von Federn, Schnäbeln und Krallen elf verschiedene Vogelarten feststellen. Bemerkenswert hierbei ist die Tatsache, dass zehn der elf Arten Landvögel waren und eine Art als reiner Bewohner von Süßgewässern gilt. Reste von Seevögeln hatte kein Hai im Magen.

    Amerikanische und deutsche Namen

    Bei der Aufzählung der einzelnen Arten besteht ein Namensproblem. Viele der amerikanischen Kleinvögel haben keine eingebürgerten deutschen Namen, daher schreiben wir die deutschen Namen nach dem üblichen englischsprachigen Namen in Klammern. Bei Arten, die einen bekannten deutschen Namen tragen, steht nur dieser dort. Der wissenschaftliche Name wird immer aufgeführt:

    Brown Thrasher (Rotrücken-Spottdrossel), Toxostoma rufum Rauchschwalbe,
    Hirundo rustica
    Eastern Kingbird (Königstyrann),
    Tyrannus tyrannus
    House Wren (Hauszaunkönig),
    Troglodytes aedon
    Common Yellowthroat (Weiden-Gelbkehlchen),
    Geothlypis trichas
    Marsh Wren (Sumpf-Zaunkönig),
    Cistorthorus palustris
    Eastern Meadowlark (Lerchenstärling),
    Sturnella magna
    Swamp Sparrow (Sumpfammer),
    Melospiza georgiana
    American Coot (Amerikanisches Blässhuhn),
    Fulica americana

    Für die White winged Dove, (Weißflügeltaube) Zenaida asiatica, und den Yellow-bellied Sapsucker (Gelbbauch-Saftlecker, ein Specht), Sphyrapicus varius, liegen uns keine Fotos vor.

    „Es waren ausschließlich Landvögel“

    Dies sei der erste Nachweis, dass Tigerhaie Vögel fressen, die vorrangig an Land leben, so Kevin Feldheim vom Field Museum in Chicago. „Darunter war nicht eine Möwe, kein Pelikan, Kormoran oder sonstiger Meeresvogel“, erzählt Drymon. „Es waren ausschließlich Landvögel – die Sorte, die in Ihrem Garten wohnt.“ Feldman ergänzt: Die Haie sind Opportunisten. Sie fressen diese Tiere zur Zeit des Vogelzugs. Die meisten Landvögel fallen den Haien im Herbst und im Frühling zum Opfer. „Während ihrer Wanderung sind die Vögel erschöpft, sie werden müde oder fallen beispielsweise bei einem Sturm ins Meer“, sagt Feldheim.

    Oft nur genetischer Nachweis möglich

    Die Muskulatur, Eingeweide und Knochen der Vögel werden in den leistungsfähigen Mägen der Tigerhaie schnell verdaut und stehen daher kaum für Untersuchungen zur Verfügung. Federn, Schnäbel und Krallen überdauern länger. Daher wurden hauptsächlich diese keratinösen Bestandteile der Vögel untersucht. Zur genauen Bestimmung mussten die Wissenschaftler dennoch oft genetische Methoden heranziehen. Vermutlich hätte auch ein klassischer Ornithologe helfen können, aber die sind mittlerweile leider vom Aussterben bedroht.

    Haben Haie denn eine Vorliebe für Vögel?

    Die Deutsche Presse Agentur schließt aus der Untersuchung, dass Haie eine besondere Vorliebe für Vögel haben. Viele deutschsprachige Medien haben diese Aussage von der dpa übernommen. Die Redaktion des NfK sieht dies kritischer. Bei 40% der Fische wurden Vogelreste im Magen gefunden, in den meisten Fällen die oben genannten Schnäbel, Krallen und Federn. Da sie im Magen lange überdauern, viel länger als Fische oder Krebstiere, lässt sich aus den punktuellen Fängen keine Vorliebe ableiten.
    Wesentlich interessanter ist aber die Frage, warum keine Reste von Meeresvögeln in den Mägen der Haie gefunden wurden. Sie dürften leicht zu erbeuten sein, wenn sie auf dem Wasser ruhen oder nach Fischen tauchen. Die Haie tun es dennoch so gut wie nie. Warum?

    Andere vogelfressende Fische

    Auch hier treten wieder Tierhaie auf, aber diesmal ausgewachsene und im Pazifik. Vor der Hawaii-Insel Laysan, auf der der Laysan-Albatros brütet, sammeln sich jedes Jahr Tigerhaie. Sie warten auf Jungvögel, die bei ihren ersten Flugversuchen in der Lagune vor der Insel landen. Die National Geographic hat hierzu ein eindrucksvolles Video produziert:

    Die BBC hat in ihrer Produktion Blue Planet II beobachtet, wie Riesen-Stachelmakrelen, Carax ignobilis, Jagd auf junge Seeschwalben machen. Sie springen dabei sogar aus dem Wasser, um ihre Beute zu erreichen.
    Stachelmakrelen gehören zu den cleversten Jägern unter den Knochenfischen. Sie nutzen unter anderem Haie als Deckung bei der Jagd und verfolgen Mönchsrobben, denen sie buchstäblich die Beute aus dem Maul stehlen können.

    Im Jahr 2014 konnten Wissenschaftler aus Südafrika dokumentieren, dass Tigersalmler Hydrocynus vittatus in der Lage sind, im Sprung Rauchschwalben über der Wasseroberfläche zu erbeuten. Leider sind die Aufnahmen qualitativ nicht mit denen der BBC vergleichbar.

     

    Beim Europäischen Wels oder Waller Silurus glanis kennt man Populationen, die Tauben fangen, hauptsächlich aus Großstädten in Frankreich und Spanien. Hier kommen die Welse ursprünglich nicht vor und müssen sich offenbar ungewohnte Nahrungsquellen erschließen:

     

    Tauchende Vögel scheinen auch gelegentlich Raubfischen zum Opfer zu fallen. Bei Hechten ist das bekannt, Markus Bühler hat das auch bei Seeteufeln dokumentiert.


    Quellen:

    Originalpublikation: Drymon, J.M., Feldheim, K. et al., 2019: Tiger sharks eat songbirds: scavenging a windfall of nutrients from the sky; The Scientific Naturalist; https://doi.org/10.1002/ecy.2728; Abstract: hier

    Field Museum Press Release: Baby tiger sharks eat songbirds