Presseschau Kalenderwoche 23/2019

Ab sofort werden wir jede Woche eine Presseschau mit Kurzmeldungen aus der Zoologie und Kryptozoologie bringen.

Montag, 3. Juni

Polizistin und Schnappschildkröte

Neuss: Passanten hatten am Freitagvormittag (31.5.2019) im Stadtgarten in Neuss am Niederrhein eine große Schildkröte entdeckt. Das etwa 30 bis 40 cm Tier zeigte sich bei jeder Interaktion aggressiv und schnappte hörbar zu. Aufgrund dieses Verhaltens wurde sie zunächst als „Schnappschildkröte“ bezeichnet. Zum Glück konnte die herbeigerufene Feuerwehr das Reptil trotz heftigen Widerstands festsetzen. Verletzte gab es – anders als bei einigen vergleichbaren Fällen nicht. Die Schildkröte konnte noch nicht identifiziert werden. (Original & Foto: Kreispolizeibehörde Rhein-Kreis Neuss)

Mitglieder des Netzwerkes für Kryptozoologie haben die Schildkröte auf dem Foto übereinstimmend mit der Polizei als Schnappschildkröte (Chelydra spec.) bestimmt. Die genaue Bestimmung, um welche der drei Arten es sich handelt, ist anhand des Fotos nicht möglich.

Essen: Im Stadtteil Kupferdreh läuft ein Känguru frei herum. Ein Spaziergänger meldete letzten Samstag (1.6.2019) der Polizei, er habe am Primbergweg ein kleines Känguru gesichtet. Kurze Zeit später meldete er sich wieder, er habe das Tier gefangen, könne es aber nicht lange halten. Als die Polizei eintraf, hatte sich das Tier bereits befreit und war in den nahen Wald gehüpft, wo es nicht mehr aufzufinden war. Bisher ist unbekannt, wem das Känguru gehört. (Original: Meldung des WDR)

Rasende Taube

Viersen-Dülken: Eine Taube hat einem Autofahrer ein Bußgeld erspart. Sie flog während einer Radarkontrolle so vor das Gesicht des unbekannten Fahrzeugführers, dass dieser unerkannt bleibt. Somit kann kein Bußgeld verhängt werden.
Das Fahrzeug war in einer 30 km/h-Zone mit 54 km/h gemessen worden. In Anbetracht der nahen Pfingsten geht die Polizei davon aus, dass der Heilige Geist in Form einer Taube den Autofahrer geleitet und geschützt hat. Daher will man in Viersen von der Strafverfolgung des Autofahrers und der Taube absehen. (Original & Foto: Kreispolizeibehörde Viersen)


Dienstag, 4. Juni

Der Inhalt der Meldung ist ziemlich alltäglich, aber die Pressemitteilung der Polizei Edenkoben (Pfalz) ist zu schön, um sie euch vorzuenthalten:

Eine Bäckerei meldete gestern eine sich ringelnde Schlange,
sie liege im Hof und darf dort nicht sein,
dem Team und den Kunden wäre schon angst und bange,
man fürchte auch sie käme gleich rein.

Die Idee war, die Polizei muss her und sich kümmern tun,
ein Einsatz mit größter Not.
Die Beamten fast da, zu fangen endlich den Wurme nun,
die Schlange schon lechzt nach dem frischen Brot.

Schuppenkriechtier, halt bleibe stehen!
Die Schlange durch Backbleche flieht mit lautem Geknatter,
doch man hat sie! Ein Bild zum Reptilium geschickt, wir werden gleich sehen,
zum Glück, es ist nur eine junge und ungiftige Kornnatter.
Die Feuerwehr fängt sie ein und bringt sie heim…

…ein glückliches Ende – fein!

Der Halter des Terrariums konnte im Nachgang ermittelt werden
und nahm sein Tier freudig entgegen.


Mittwoch, 5. Juni

Deutschland: Den deutschen Luchsen geht es gut – relativ. Das Bundesamt für Naturschutz meldete heute, dass der Luchsbestand von 114 Tieren im vergangenen Jahr auf aktuell 135 Tiere angestiegen ist. Das ist ein Zuwachs von über 18%. In Deutschland gibt es zwei größere Vorkommen, eins in Ostbayern und eins erstreckt sich vom Harz nach Nordhessen und NRW. Einzeltiere gibt es auch in anderen Bundesländern, die sind meist Männchen, da sich Weibchen selten weit von ihren Geburtsrevieren entfernen.

Luchsportrait, das Tier sieht nach rechts
Portrait eines europäischen Luchses

Bei 20 Weibchen hat sich im vergangenen Monitoring-Jahr Nachwuchs eingestellt. Elf Würfe gab es im Harz, acht im Bayerischen Wald und einen im Pfälzer Wald. Die pfälzer Eltern stammen aus einem Wiederansiedlungsprojekt, sie hatten dieses Jahr die ersten zwei Jungtiere.

Dennoch bleibt die Situation für den Luchs kritisch. Die größte Gefahr geht für ihn – wie könnte es anders sein – durch den Menschen aus. Dem Straßenverkehr fielen neun Tiere zum Opfer. Gewildert wurde ein Luchs, bei vier weiteren ist die Todesursache unklar. WWF und BUND begrüßen die gestiegenen Zahlen und mahnen zu größeren Anforderungen. Insbesondere die Lebensräume der Luchse müssten besser vernetzt werden, Wildbrücken seien ein hilfreiches Mittel hierfür. Ebenso müsse konsequenter gegen illegale Tötungen vorgegangen werden.

Da sich der Luchs, anders als viele andere Beutegreifer vor allem von gesunden Beutetieren ernährt, ist er bei der Jägerschaft nicht sehr beliebt. Luchse ernähren sich vor allem von Rehen. Ist er im Revier, kommen Hirsche und Rehe „in Bewegung“, d.h. sie nutzen nicht ständig die selben Ruheplätze. Das macht die Jagd schwieriger, obwohl Luchse in deutschen Wäldern keine direkte Auswirkung auf die Stärke der Reh-Population haben. Waldbauern freuen sich über die Bewegung beim Rotwild, so wird der Verbiss an Jungbäumen auf eine größere Fläche verteilt, der Wald kann sich besser selbst verjüngen.


Donnerstag, 6. Juni

ein kleiner Wal liegt in der Brandung
Gestrandeter Perrin-Schnabelwal Mesoplodon perrini. Möglicherweise ist dies das erste Foto, das ein lebendes Exemplar dieser Art zeigt. Foto: Dorris Welch, UCSC

Die University of California, Santa Cruz meldet die Strandung eines Perrin-Schnabelwals. Das Tier wurde am 31. Mai 2019 am Scott Creek Beach bei Davenport, etwa 90 km südlich von San Francisco an den Strand gespült. Die Universität gibt die Länge des Tieres mit 8,75 Fuß und ein Gewicht von etwa 500 Pfund an, das sind 2,67 m Länge und etwa 210 kg. Der Wal strandete lebend, war aber schwer verletzt, Ober- und Unterkiefer des Tieres, die den „Schnabel“ bilden, waren gebrochen. Das Tier wurde noch an Ort und Stelle euthanasiert.

„Wir haben hunderte Proben gesammelt, die an Forscher in der ganzen Welt gehen. Das komplette Skelett geht an die California Academy of Science.“ erklärt Robin Dunkin, Direktor des UCSC Long Marine Lab Marine Mammal Stranding Network. Das Männchen ist erst das sechste Exemplar der Art, das untersucht werden konnte. Die Art ist erst 2002 anhand von fünf Exemplaren beschrieben worden, die man zunächst als Mitglieder anderer Arten identifiziert hatte.

Weiteres über diese Strandung gibts im Blog unseres Redakteurs Tobias Möser.


Freitag, 7. Juni

Ein Braunbär im Schnee
Der Alpenbraunbär ist eine eher kleine Form des Braunbären.

Der Münchner Merkur meldet einen Bären. Das Tier ist in der Nähe von St. Leonhard im Pitztal in Österreich unterwegs und hat dort in der Nacht zum Mittwoch drei Schafe gerissen. In der Nähe des Risses wurden Wildkameras installiert, ein Amtstierarzt hat DNA-Proben genommen. Die Wildkameras lieferten bereits in der nächsten Nacht die ersten Fotos eines Braunbären.

Martin Janovsky, der Beauftragte des Landes Tirol für große Beutegreifer sagte dem ORF, dass es sich bei dem Tier „mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein bisher unauffälliges männliches Jungtier aus dem Trentino handelt“. „Im Dreiländereck zwischen dem Vinschgau, Engadin und Tirol werden immer wieder Hinweise auf Bären gefunden. Zuletzt erst Ende Mai im Paznaun (Tirol), wo sich Spuren im Schnee fanden.“ fährt der Merkur fort.

Bis nach Deutschland sind es von St. Leonhard etwa 40 km Luftlinie. Allerdings müsste der Bär das relativ dicht besiedelte Inntal und die Inntal-Autobahn überqueren. Die bayerischen Bauern bleiben vorerst cool, wie sich die Lage darstellt, wenn der Bär die Inntalautobahn überquert hat, ist noch völlig offen.

Junge Braunbären bleiben bleiben meist bis zum dritten Frühjahr bei der Mutter. Wenn die Jungtiere von ihrer Mutter vertrieben werden, müssen sich neue Streifgebiete suchen. Weibliche Tiere bleiben in der Regel in der Nähe des mütterlichen Revieres, während Männchen weit umherstreifen können. Auf diese Weise kam auch JJ1, auch bekannt als Bruno, 2006 nach Deutschland, mit dem bekannten, verheerenden Ergebnis. Möglicherweise ist der Bär von St. Leonhard mit JJ1 verwandt.

Quelle: Merkur.de: Ein Bär auf dem Weg nach Bayern: Bauern bleibe cool – vorerst


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