Presseschau Kalenderwoche 29/2019

Wie immer montags gibt es auch heute die Presseschau mit Meldungen aus Zoologie, Kryptozoologie und Tierischem zum Schmunzeln aus der vergangenen Woche. Viel Spaß beim Lesen.


„Wird da wer erwürgt?“

Grausige Hilfeschreie hat am Samstagmorgen (13.7.2019) eine Passantin in Heppenheim (Bergstraße) aufgeschreckt, die umgehend die Polizei alarmierte. Die schockierte Frau erzählte den herbeigeeilten Beamten, dass sie den Eindruck habe, dass jemand erwürgt werde. Auf alles gefasst machten sich die Ordnungshüter auf die Suche und wurden auch schnell fündig. Anders als erwartet, stellten sich die Hilfeschreie als Schabernack von zwei Gelbkopfpapageien heraus. Nicht das erste Mal machten die Tierchen aus Langeweile lautstark Rabatz. Eingeschüchtert oder doch wegen „Schuldgefühlen“ zeigten sich die Papageien von ihrer besten Seite. Ein Papagei war sogar so neugierig, dass er sich wagte, auf der Schulter der Polizistin Platz zu nehmen, um das Funkeln der Sterne auf den Schulterklappen genauer betrachten zu können.

Quelle: Polizeipräsidium Darmstadt


Wolf mitten in Düsseldorf gesichtet

 

Ein Wolf liegt auf einer Baumwurzel
Der Wolf kommt, die Frage ist, wie die Gesellschaft mit ihm umgeht.

Eine Zeugin will am Mittwoch, 10.7.2019, mitten in einem Wohngebiet in Düsseldorf Wersten, auf dem Kärntner Weg einen Wolf gesehen haben.     Unabhängig von ihr gab auch eine andere Bewohnerin des Stadtteils eine Wolfsichtung zu Protokoll.

Wersten ist ein eher innenstädtischer Stadtteil von Düsseldorf, aber verhältnismäßig locker bebaut. Er grenzt an die A 46, auf der Nordseite, in der Nähe des genannten Kärntner Weges, liegt der große Friedhof Eller. Weitere größere Grünanlagen gibt es nicht.

Bisher gehen die Behörden und der NaBu davon aus, dass es sich bei der Sichtung um einen wolfsähnlichen Hund handelte. Sollte es häufigere Sichtungen aus oder um Düsseldorf geben, würden Spuren gesichert.

Auch im Oberbergischen bei Engelskirchen geht das Gerücht eines Wolfes um: Ein Schaf wurde gerissen, die Bauern vermuten einen Wolf. Sie unternehmen bereits erste Maßnahmen zum Herdenschutz.


Bayern realisiert das Bienen-Volksbegehren

Nachdem in Bayern 1,75 Millionen Menschen für das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ gestimmt haben, steht die Landesregierung unter Druck. Der Landtag in München hat ein entsprechendes Gesetz für den Umwelt- und Artenschutz verabschiedet: Es sieht die bessere Vernetzung von Biotopen vor, aber auch einen besseren Schutz von Gewässerrandzonen und die Förderung ökologischer Landwirtschaft.
Nachdem sich seine Partei lange gegen das Volksbegehren gestellt hat, sagte Ministerpräsident Markus Söder kurz vor der Abstimmung: „Das Volksbegehren war kein Betriebsunfall, es ist eine Richtungsentscheidung zu einer modernen, nachhaltigen Agrarökologie, die tatsächlich die Herausforderungen von Artenschwund und Klimawandel aufnimmt.“ Lediglich die Abgeordneten der AfD sowie sechs Abgeordnete der Freien Wähler stimmten gegen den Gesetzentwurf.


Zoo-Einbrecher bringen Meerschweinchen zurück

geschecktes Meerschweinchen
Nein, das ist nicht eins der beiden Meerschweinchen aus dem Tierpark Recklinghausen

In der Nacht zum Sonntag, 14.7.19 sind insgesamt fünf Unbekannte in den Tierpark in Recklinghausen (Ruhrgebiet) eingebrochen. Dabei hat sie eine Überwachungskamera aufgezeichnet.

Das Nachrichtenportal von n-tv meldete am Freitag, dass die Diebe ein schlechtes Gewissen plagte und sie ihre Beute in einem Pappkarton zurück brachten: Zwei Meerschweinchen. In einem beiliegenden Brief beteuerten sie, dass ihr Fehlverhalten schwer in Worte zu fassen sei. Sie seien alkoholisiert gewesen. Es tue ihnen leid, sie haben sich aber fürsorglich um die Tiere gekümmert. Zusätzlich legten sie noch einen 50 €-Schein bei, für die Schäden, die durch den Einbruch entstanden sind.

Die Polizei ermittelt weiter, immerhin ist die Rückgabe der Tiere und die „Spende“ bei der Staatsanwaltschaft vermerkt. Wir verfolgen die Sache weiter, befürchten aber, dass es hierzu keine Folgemeldung geben wird.


Sprengstoff-Fische in Nord- und Ostsee

Ebenfalls n-tv stellt ein Video zur Verfügung, in dem sich die Reporter mit einer immer wichtiger werdenden Altlast aus dem 1. und 2. Weltkrieg befassen: Nach den Kriegen wurden tausende Tonnen Munition einfach im Meer versenkt. Mittlerweile sind die 75 bis 100 Jahre alten Bomben- und Granatenhüllen oft durchgerostet, der Sprengstoff wird frei. TNT, Pikrinsäure, aber auch Senfgas und andere Kampfstoffe gelangen so in die Umwelt und natürlich auch Speisefische.

Die Gefahr, dass einem der Dorsch in der Pfanne explodiert, ist dabei zwar nicht gegeben, aber jede Menge gesundheitliche Folgen sind möglich:

Link zum Video-Beitrag von n-tv


„Neuer“ Raubsaurier in der Schweiz entdeckt

In der Gemeinde Frick im Aargau liegt die einzige „saurierträchtige“ Fossilienlagerstätte der Schweiz. Hier haben Paläontologen schon einige interessante Entdeckungen machen können, jetzt haben sie dort den ersten Raubsaurier gefunden. Notatesseraeraptor frickensis* erreichte vermutlich eine Länge von 2,6 bis drei Mietern und lebte in der späten Trias vor 210 Millionen Jahren.

Marion Zahner und Winand Brinkmann von der Universität Zürich haben den Fund in nature ecology & evolution beschrieben: Originalarbeit (Pay-Wall), doi


Rote Liste der IUCN: 28.338 Arten vom Aussterben bedroht

Okapi.Kopf im Streiflicht
Okapis gehören aufgrund der Lebensraumzerstörung und der Bejagung auf die Rote Liste, mit 28.337 anderen Arten

Die IUCN (International Union for Conservation of Nature; deutsch ‚Internationale Union zur Bewahrung der Natur‘), auch Weltnaturschutzunion veröffentlicht regelmäßig die „Rote Liste“ mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Hierbei wird ein großer Teil aller bekannten Arten nach ihrer Gefährdung eingeschätzt. Die IUCN veröffentlichte die letzte Rote Liste vor wenigen Tagen. Die Zahlen sind erschreckend:

Etwa 1,5 bis 1,75 Millionen Arten sind beschrieben worden, davon etwa 500.000 Pflanzen. Dabei handelt es sich nur um einen Bruchteil der vorhandenen Arten, die bei etwa 10 Millionen Arten liegt (nur Eukaryoten).

Von diesen Arten erfasst die Rote Liste etwas mehr als 105.000 Arten (also etwa 1% aller Eukaryoten, aber sicherlich die auffälligsten). Von diesen Arten wiederum sind 28.338 Arten auf verschiedenste Weisen vom Aussterben bedroht. In den allermeisten Fällen spielt der Mensch auf direkte Art und Weise (Lebensraumzerstörung, Jagd und Fischerei) die wichtigste Rolle, Umweltverschmutzung und Klimawandel spielen ebenfalls eine große Rolle, die menschengemachte Ausbreitung von invasiven Arten ist der dritte wichtige Faktor. Natürliche Aussterbeereignisse, bei denen der Mensch keine Rolle spielt, sind verschwindend gering.

Besonders besorgniserregend ist, dass nahezu alle Schlüsselarten vom Menschen genutzter Biotope unter diese 28.338 Spezies fallen. Ein -auch nur funktionelles- Aussterben würde den Zusammenbruch zahlreicher Nahrungsnetze bedeuten, was mit Sicherheit weitere Aussterben nach sich zieht. Nichts, was die Erde nicht schon kennen würde, Massenaussterbe-Ereignisse kamen während der Existenz des Lebens öfter vor. Die Frage ist nur, ob der Mensch das überleben kann.


Feldornithologisches

Zu dem einen Rosapelikan im Meldorfer Speicherkoog sind drei weitere Rosapelikane gemeldet worden, allerdings nicht in Meldorf. Die Sichtung der drei, auch Tiere vom letzten Jahr, auch unberingt, stammt aus Leese in der Nähe vom Steinhuder Meer.
Die Beobachter spekulieren, ob sie Teil des Trupps zweijähriger Rosapelikane sind, der im Mai in Frankreich beobachtet wurde. Dort wurden am 5.7. drei zweijährige Tiere gesichtet.

In der Jade hat sich ein adulter Bindenstrandläufer (Micropalama himantopus*) sehen lassen.

Der Mönchsgeier „Brinzola“ ist immer noch in Skandinavien, jetzt wieder in Norwegen. Sie wurde in den Bergen südlich von Kristiansund gepingt. Wir berichteten.


In eigener Sache

Die Redaktion ist wenigstens teilweise wieder fit und einsatzfähig. Wir haben während der Auszeit gemerkt, wie viel Rückmeldung aus dem Leserkreis kam. Herzlichen Dank an alle für eure aufmunternden Worte.

Ich (TM) habe festgestellt, dass ich die Doppelbelastung mit Job und (werk)täglichem Artikel auf der Website nicht mehr schaffe. Daher werde ich als Redaktionsleiter und Hauptautor die Freqzenz herunterschrauben. Neben der Presseschau und den Freitagnacht-Kryptos wird es noch zwei weitere Artikel zu (krypto)zoologischen Themen pro Woche geben.

Die freiwerdende Zeit ermöglicht mir, mich tiefer mit der Materie zu befassen und nicht nur Meldungen zu wiederholen. Außerdem möchte ich sie in die Weiterentwicklung der Webseite stecken. Es gibt bereits einige Ideen, teilweise ist schon Vorarbeit geleistet worden.


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Uns ist selbstverständlich bekannt, dass wissenschaftliche Namen in Texten kursiv geschrieben werden. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


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