• Tag Archives Behörden
  • Bigfoots am Mount St. Helens

    Von: Tobias Möser

    Der Mount St. Helens ist ein aktiver Vulkan im Süden des US-Bundesstaates Washington. Er ist Teil der Kaskadenkette und damit des pazifischen Feuerrings. Mit heute etwa 2540 m Höhe überragt er die umliegenden, etwa 1400 m hohen Bergrücken der Kaskadenkette deutlich. Durch seine Höhe und Form spielt er in der Mythologie der umliegenden First Nations der Klickitat und Binnen-Salish eine große Rolle.

    Durch einen verheerenden Ausbruch bekannt

    In der westlichen Kultur wurde der Mount St. Helens vor allem durch einen verheerenden Ausbruch am 18. Mai 1980 bekannt. Er galt als „ruhender Vulkan“, brach aber nach einer Serie von Erdbeben wieder aus. Der gesamte nördliche Berggipfel rutschte den Hang herab. Asche und Gaswolken wurden bis in eine Höhe von 18 km befördert. Pyroklastische Ströme, in denen Temperaturen von über 640° C gemessen wurden, rasten mit Geschwindigkeiten von über 400 km/h die Bergflanken herab.

    Ein Lahar, der mit hoher Geschwindigkeit die Bergflanke herabsauste, sorgte für weitere Verwüstung. Lahare sind Lawinen, die entstehen, wenn sich pyroklastische Ströme mit Eis und Schnee mischen und diese aufschmelzen. So stieg der Wasserstand am Fuß des Berges binnen kürzester Zeit um 9 m über die normalen Hochwassermarken.

    Insgesamt starben mindestens 57 Menschen, 1500 Wapitis und 5000 weitere Hirsche. Der Ausbruch wird mit einem Vulkanexplositiätsindex von 5 bewertet, etwa vergleichbar mit dem Pompeji-Ausbruch des Vesuvs, 79 n.Chr.

    ein spitzer, oben schneebedeckter Bergkegel vor einem blauen See
    Der Mount St. Helens vor seiner Aktivität 1980, Blick über den Spirit Lake. Foto: US Geological Service

    Ein schneebedeckter Berg mit einem deutlichen Krater vor einem blauen See
    Der Mount St. Helens am 19. Mai 1982, zwei Jahre nach der verheerenden Explosion. Foto: US Geological Service

    Der Mount und der Sasquatch

    Gemälde mit einem ausbrechenden Vulkan und einem Kanu, dessen Insassen das Licht einfangen
    Der aktive Mount St. Helens bei Nacht, Gemälde von Paul Kane

    Nicht nur für die First Nations, sondern auch für die ersten Pioniere und Naturbeobachter schätzten den Mount als charakteristische Wegmarke. So kamen sie relativ früh auch mit der Mythologie der First Nations in Kontakt. Einer der ersten war der kanadische Ethnologe und Maler Paul Kane, der auf seiner zweiten Reise den Westen der USA erforschte. Hierbei lebte er im Jahr 1847 eine Woche unter den indigenen Völkern im direkten Umkreis des Mount St. Helens. Hierbei erfuhr er von menschenfressenden Kreaturen namens Skookum.

    Anmerkung: Das Wort Skookum ist in verschiedenen Versionen bei den waldbewohnenden First Nations der US-Westküste bekannt. Es beinhaltet eine Warnung vor etwas physisch Überlegenem (Skookum Wasser = starke Stromschnellen), oft bezieht sich das Wort auf Orte, aber auch auf Lebewesen. Oft wird der Begriff in Verbindung mit Sasquatch-Beobachtungen verwendet. Durch die nicht immer klare Trennung von physischen und Geistwesen in ihrer Mythologie ist es schwierig, auszumachen, was Skookum in einem konkreten Fall bedeuten soll.

    Der Fred Beck-Vorfall am Mount St. Helens

    Wesentlich jünger ist ein Vorfall aus dem Sommer 1924. Ein Goldsucher namens Fred Beck und vier andere Schürfer bezogen ihren Claim namens „Vander White“. Er lag bzw. liegt 2 Meilen ost-südöstlich der Kraterregion des Mt. St. Helens. Hier bauten sie eine „Cabin“ nahe eines tiefen Canyons. Meist handelt es sich bei diesen „Cabins“ um sehr einfach zusammengezimmerte Blockhütten, die aus kaum oder unbearbeiteten Stämmen bestehen, deren Zwischenräume manchmal mit Lehm verschmiert wurden. Beck’s Hütte hingegen bestand zumindest teilweise aus Brettern. In der Regel sind Cabins eher einfache Hütten, meist nur mit einer Tür, ohne Fenster. Sie dienen meist gleichzeitig als Schlafplatz, Lager und Wetterschutz. Das Holz arbeitet beim Trocknen und bei wechselnden Temperaturen, so dass immer wieder Löcher im Lehmverputz entstehen. Oft, aber nicht immer haben sie eine gemauerte Feuerstelle.

    Große Fußspuren – und die Verursacher

    Die Goldgräber entdeckten schon kurz nach ihrem Eintreffen große Fußspuren, die sie keinem bekannten Tier zuordnen konnten. Die größten maßen in der Länge 19 Inches (48 cm). Eines Abends hörten sie charakteristisches Pfeifen und hämmernde Geräusche, die etwa eine Woche lang jede Nacht zu hören waren. Später, als Beck mit einem anderen Mann an einer nahen Quelle frisches Wasser holte, sahen sie aus einer Entfernung von knapp 100 m eine seltsame Kreatur. Becks Begleiter schoss dreimal auf die Kreatur, die verschwand. Kurze Zeit später erschien sie in ungefähr 180 m Entfernung erneut, diesmal schoss Beck dreimal, worauf die Kreatur wieder verschwand.

    Karte der Region um den Mount St. Helens
    Karte der Region um den Mount St. Helens, NACH dem Ausbruch. Der Krater öffnet sich nach Norden. Der besagte Ape Canyon liegt ost-südöstlich davon und ist blau markiert

    Vergilbte Fotoaufnahme von vier Männern, die an einer Bretterhütte stehen
    Zeitungsfoto, das die Untersucher bei der belagerten Hütte zeigt. Von links nach rechts: Burt Hammerstrom, freier Journalist; Bill Welch, Waldaufseher an der Spirit Lake Ranger Station; Frank (Slim) Lynch, Reporter aus Seattle; and Jim Huffman, Waldaufseher für den Spirit Lake district. Sie haben auch Fußabdrücke festgestellt, aber wenn Fotos gemacht wurden, sind sie bisher nicht veröffentlicht worden.

    Nächtlicher Besuch

    Als Beck am Abend seinen Kollegen davon erzählte, war man sich einig, die Hütte am nächsten Morgen zu verlassen. In der Nacht wurde die Hütte aber bereits von mehreren dieser Kreaturen angegriffen: Sie begannen mit Steinen zu werfen. Da es keine Fenster gab, konnten die Männer die Angreifer nicht richtig sehen. Später kamen die Kreaturen aufs Dach und versuchten, die Türe der Hütte einzureißen, eine der Kreaturen griff durch eine kleine Öffnung („chinking space“) nach einer Axt und konnte nur mit einem Schuss vertrieben werden. Während des gesamten Angriffes, der die ganze Nacht dauerte, feuerten die Männer ihre Waffen durch die Wände und das Dach.

    Als das Licht am nächsten Morgen ausreichte, verließen die Männer fluchtartig die Hütte, ohne ihre Ausrüstung mitzunehmen. Beck entdeckte an einer Schlucht eine der Kreaturen und schoss aus etwa 70 Metern auf sie. Das Wesen stürzte etwa 120 m tief in die Schlucht.

    Später stellte Fred Beck mit einem seiner Begleiter einige Szenen für eine Zeitung nach. Die Schlucht wurde später Ape-Canyon genannt.

    Die Location ist nach der Explosion des Mt. St. Helens 1980 zwar teilweise überformt, aber nicht weggesprengt oder unter Lava oder Schlamm begraben worden.  Die Hütte war bis in die 1960er Jahre noch zu finden, danach ist sie abgebrannt. Die Umgebung ist nach dem Ausbruch nicht wieder zu erkennen.

    Erste Gerüchte

    Wenn die lokalen First Nations eine Kreatur namens Skookum kennen und Fred Beck mit seinen Leuten die Wahrheit sagt, dann könnte es im Umkreis des Mount St. Helens eine Population von Sasquatches geben. Wenn es sich hierbei um physische Wesen handelt, sind auch sie zwangsläufig durch den Ausbruch des Vulkanes in Mitleidenschaft gezogen worden.

    Bei den Erkundungen des durch den Ausbruch verwüsteten Gebietes hätte man also eine gute Chance gehabt, einen oder mehrere Sasquatch-Kadaver bergen zu können. Genau davon geht der US-Autor Nick Redfern aus…

    „Jemand“ hat gehört…

    Bei Mysterious Universe schreibt er, dass das United States Army Corps of Engineers einige große, haarige, affenartige Körper aus dem Gebiet geflogen haben soll. Der Rest der Story wirkt wie ein ziemlich stereotyper Verschwörungsroman, bei dem es um Vertuschungen einer „bösen“ Regierung geht.

    Redfern bezieht sich zunächst auf eine Meldung bei bigfootencounters: Auf dem Ray Crowe’s Western Bigfoot Meeting brachte „someone“ das Gespräch auf die Folgen des Mt. St. Helens-Ausbruch. Der Zeuge will gehört haben, dass das Army Corps of Engineers etwa zwei Monate nach dem Ausbruch zwei Körper toter Bigfoots aus Ausbruchsgebiet herausgeschafft habe. Ein anderer Zeuge bestätigt die Bergung zweier Körper, legt diesen Zeitraum jedoch deutlich früher, zwei Wochen nach dem Ausbruch. In beiden Fällen sollen sie in einem Netz von einem Helikopter weggetragen worden sein.

    Ein dritter Zeuge bestätigt, dass ein Kran oder Bagger ein Loch ausgehoben habe, in dem man die Kadaver verbrannter Hirsche, weiterer Tiere und auch Sasquatches vergraben habe. Er nennt den Betreiber des Krans: die „Manatowaka Company“.

    Der Soldat im Ruhestand

    Auch der zweite Teil der Story passt in die Stereotype. Lange nach dem Eintritt in den Ruhestand fühlt sich ein ehemaliges Mitglied der Nationalgarde nicht mehr an seine Geheimhaltungspflichten gebunden. Er erzählte 2012, dass nicht alle der geborgenen Bigfoots tot waren. Einige waren ernsthaft verbrannt oder verletzt. Angeblich hätten sogar ein oder zwei unverletzte Bigfoots das Militär an eine Stelle gelotst, an der mehrere verletzte, haarige Riesen lagen. Sanitäter der US Army hätten ihre Wunden wie bei Menschen behandelt.

    Redferns Bewertung

    Nick Redfern bewertet die Gerüchte als faszinierend. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass die Glaubwürdigkeit der Zeugen massiv darunter leidet, dass sie weder Namen noch ihren damaligen Rang oder ihre Funktion beim Militär nennen. Er hält die Geschichten für unklar und kontrovers, aber potenziell bahnbrechend.

    Realitätscheck

    Heute ist es unmöglich, den Wahrheitsgehalt der Skookum-Erzählungen der First Nations vor 1847 nachzuvollziehen. Wie oft bei solchen Mythen trennen die Mitglieder der First Nations nicht klar zwischen physischer und spiritueller Welt, so dass hinter dem Skookum-Phänomen alles Mögliche stecken könnte. Ein mehr oder weniger aktiver Vulkan ist definitiv ein gefährlicher Ort, selbst wenn gerade kein großer Ausbruch stattfindet. Von warmen Quellen, die unvermittelt kochend und damit tödlich heiß werden über ätzende oder betäubende vulkanische Gase bis zu kleinen Lawinen, aufbrechende Spalten und Erdbeben: Er ist unberechenbar, lebensgefährlich und kann Körper einfach verschwinden lassen: Skookum.

    Auch die Story von Fred Beck und seinen Leuten ist heute nicht mehr nachvollziehbar, obwohl sie vor nicht einmal 100 Jahren in vielen Zeitungen erschien. Die Goldsucher hatten in ihrer Panik alles andere zu tun, als physische Beweise zu sichern. Die Hütte ist abgebrannt, die Umgebung des Ape Canyon durch den Ausbruch völlig überformt.

    „Grau, mein Freund, ist alle … „

    Mir ist bei den Recherchen zum Mt. St. Helens Ausbruch aufgefallen, dass immer die sehr hartnäckige vulkanische Asche als Hauptproblem genannt wird. Hierbei handelt es sich um feinen Staub aus mineralischen Bestandteilen. Menschen sind daran gestorben, als sie sie einatmen mussten. Der Highway 90 von Seattle nach Spokane wurde für eine Woche stillgelegt: Die Asche verstopfte Luftfilter, kontaminierte Ölsysteme, verklumpte in Vergasern und zerkratzte bewegliche Oberflächen. Tausende Autofahrer sind so gestrandet. Der Flugverkehr um den Mount St. Helens stand 14 Tage still. Sogar für Stromausfälle sorgte die Asche, wenn sie Isolatoren überbrückte und Kurzschlüsse verursachte.

    Zwei Männer mit Pferden in hüfttiefem Schlamm und Staub
    Bob Brown (li.) und sein Bruder John versuchen, drei Pferde aus dem Weyerhaeuser „19 Mile Camp“ in Kid Valley, Washington zu bringen. Die Weide wurde durch den Toutle River in Folge der Eruption des Mount St. Helens überflutet. Foto: US Geological Service

    Luftbild eines Hubschraubers, der neben einem Kleinlaster gelandet ist. Es gibt tiefe Spuren im Staub und einen abgedeckten Leichnam
    Ein Mitglied der Nationalgarde identifiziert eines der Opfer der Eruption. Dieses Bild zeigt die Auswirkungen der vulkanischen Asche. Sie wurde stark vom landenden Heli verblasen und trotzdem hinterlässt der Nationalgardist tiefe Fußspuren im lockeren Staub. Foto: US Geological Service

    In einer solchen Situation soll das US Army Corps of Engineers eine groß angelegte Bergungsaktion gestartet haben? Helikopterflüge waren offenbar begrenzt möglich, denn ein Filmteam wurde schon am 23. Mai am Mount St. Helens abgesetzt und einige Tage später wieder aufgenommen. Aber haben die Behörden das Risiko auf sich genommen, zahlreiche Hubschrauber loszuschicken, um Wildtierkadaver zu bergen?

    Ist die Bergung von Wildtierkadavern realistisch?

    Oben wird von 1500 Wapitis und 5000 weiteren Hirschen berichtet. Ein Wapiti-Bulle wiegt zwischen 300 und 450 kg, eine Kuh zwischen 200 und 250 kg, ein neugeborenes Kalb um die 15 kg. Bei den „weiteren Hirschen“ handelt es sich in erster Linie um Weißwedel- und Maultierhirsche, die wesentlich kleiner sind. Hier kann man 70 bis 150 kg für einen Hirschbullen und 50 bis 100 kg für eine Hirschkuh einsetzen, 10 kg für ein Neugeborenes.

    Der Ausbruch des Mount St. Helens hat am 18. Mai stattgefunden, also mitten im Hochfrühling. Die Hirsche sind noch ausgezehrt vom Winter, haben aber bereits wieder an Gewicht zugelegt, die Jungtiere sind auf der Welt. Man kann also von Gewichten eher im unteren Bereich der Variationsbreite ausgehen. Geschlechterverhältnisse und Gewichte sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:

     

    Hirschbullen Hirschkühe Jungtiere Gesamt
    Wapiti
    5000 Tiere
    720 Tiere
    bei 325 kg => 234 t
    2850 Tiere
    bei 215 kg => 612,75 t
    1430 Tiere
    bei 20 kg => 28,6 t
    5000 Tiere
    875,35 t
    Weißwedelhirsche
    10.000 Tiere
    1250 Tiere
    bei 110 kg => 137,5 t
    5000 Tiere
    bei 75 kg => 375 t
    3750 Tiere
    bei 12 kg => 45 t
    10.000 Tiere
    557,5 t
    Maultierhirsche
    5000 Tiere
    550 Tiere
    bei 82 kg => 45,1 t
    2200 Tiere
    bei 55 kg => 121 t
    2250 Tiere
    bei 10 kg => 22,5 t
    5000 Tiere
    188,6 t

    Sehr viel zu transportieren, aber wurde es überhaupt transportiert?

    Hieraus ergibt sich ein unglaubliches Gesamtgewicht von 1621,45 t der umgekommenen Hirsche. Zieht man hier Schätz- und Rundungsfehler ab, geht davon aus, dass nur 1/3 der umgekommenen Hirsche geborgen weden könnten, weil die anderen vollständig verbrannt oder in der vulkanischen Asche verschüttet sind, so müsste man immer noch mit 500 t toten Tieren rechnen. Hinzu kommen als weitere Großtiere Schwarzbären, die im Gebiet um den Mount St. Helens vorkommen, jedoch in wesentlich geringerer Zahl.
    Ein wesentlicher Faktor in dieser Betrachtung wurde aber noch nicht beachtet: Haus- bzw. Nutztiere. Die Bewohner im betroffenen Gebiet haben ungezählte Rinder und Pferde gehalten, unter denen es mit Sicherheit Opfer gab. Sie sind schwerer als Wapiti-Bullen und leben näher an den Siedlungen. Will man die Kadaver entfernen, um Seuchen zu verhindern, hätten sie höhere Priorität.
    Grob überschlagen hätten hier also zwischen 500 und 700 t an toten Tieren sicher entsorgt werden müssen. Ob das passiert ist, ist unklar.

    Eine Bergungsaktion per Hubschrauber?

    Laut den Zeugen, die Redfern zitiert, waren eine große Zahl von Hubschraubern und mindestens ein Kran beteiligt. Da die Sasquatches angeblich die Mitarbeiter der US-Army zu verletzten Artgenossen geleitet haben, kann dies nur wenige Tage nach dem Ausbruch gewesen sein. Zu dieser Zeit war die Asche aber noch locker und wäre mit jeder Flugbewegung der Hubschrauber in gewaltigen Mengen aufgewirbelt worden.

    1980 standen der US Army und der Nationalgarde von Washington folgende Transporthubschrauber zur Verfügung:

    Modell Tragkraft max.
    Foto eines zweirotorigen Transporthubschraubers Boeing CH-47 „Chinook“ 7 bis 10,5 t
    Foto eines einrotorigen mittelgroßen Hubschraubers Bell UH-1 Iroquois, meist „Huey“ genannt 1 bis 1,5 t
    Foto eines sehr altmodisch aussehenden Hubschraubers Sikorsky H-34 ca. 2 t

    Es ist leicht vorstellbar, wie viele Flüge notwendig gewesen wären, um solche Mengen an Kadavern zu entfernen, insbesondere wenn die starken Chinooks nur in begrenzter Zahl zur Verfügung standen. Von starker, militärischer Hubschrauberaktivität ist jedoch nirgendwo zu lesen. Von daher ist davon auszugehen, dass die zuständigen Stellen (das USACE und die Nationalgarde) nur wenige Kadaver in den Quellbereichen der Flüsse entfernt haben – wenn überhaupt.

    Wesentlich wichtiger war eher die Entsorgung von Kadavern im Nahbereich der Siedlungen. Dies haben Anwohner und Behörden aufgrund der Asche nicht mit Hubschraubern, sondern mit Fahrzeugen, die über staubgeschützte Aggregate verfügten, z.B. Baustellenfahrzeugen erledigt.

    Was ist mit dem Kran?

    Ein Kran mit halboffener Hydraulik, großen, fettgeschmierten Lagern und Elektroantrieb wäre für vulkanische Asche sehr anfällig gewesen. In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie der Kran dorthin gekommen ist. Die Straßen waren unpassierbar. Wieso sollte man einen Kran einfliegen? Für Hebeaufgaben sind Helikopter besser geeignet. Zum Ausheben von Gruben sind Bagger das Mittel der Wahl und sie stehen dem US Army Corps of Engineers zur Verfügung. Allerdings waren die Straßen unpassierbar.

    Wenn man aber auf einen Kran der „Manatowaka Company“ zugriff, dann vermutlich, weil er zufällig vor Ort war.

    Die „Manatowaka Company“ oder doch nicht?

    rot lackierter Seilbagger
    Ein „dredge crane“ der Manitowoc Company, vielleicht eine Verwechslung? Foto: Nate Dawg, CC 4.0

    Bisher hat sich laut der Website Bigfootencounters.com niemand die Mühe gemacht, herauszufinden, ob es 1980 im Süden des Bundesstaates Washington eine Firma diesen Namens gab. Möglicherweise liegt hier auch eine Verwechslung vor. Gibt man den Namen „Manatowaka Company“ in eine Suchmaschine ein, landet man unter dem gar nicht so unähnlichen Namen „Manitowoc Company“ einige Treffer.

    Die „Manitowoc Company“ ist ein Traditionsunternehmen, das Krane und Bagger herstellt und unter dem Namen Manitowoc Raupenkrane vertreibt (andere Produktlinien haben teilweise andere Namen). Der Name ist groß an den Fahrzeugen angeschrieben. Mit einem solchen Gerät wäre man tatsächlich halbwegs mobil gewesen und hätte Kadaver bergen können. Warum auch nicht?

    War das Militär überhaupt da?

    Bisher habe ich keinen Hinweis gefunden, dass die US Army mit militärischen Einheiten vor Ort war. Das oben genannte US Army Corps of Engineers war 1980 am Mount St. Helens und hat im Rahmen einer Sofortmaßnahme den Flusslauf des Cowlitz-Rivers freigeräumt, um das Risiko von Überschwemmungen zu bannen. Allerdings besteht das USACE größtenteils aus Zivilisten, es ist eher dem deutschen THW als einer Pioniereinheit vergleichbar.

    Es gibt ebenfalls Hinweise auf den Einsatz der Nationalgarde. Diese hat bereits vor dem Ausbruch des Vulkans die Straßen der Gegend weiträumig abgesperrt. Einsätze, insbesondere Hilfsaktionen nach dem Ausbruch sind wahrscheinlich, aber für mich derzeit nicht zu belegen.

    Im Gegenteil: Einen Großteil der Aufräumarbeiten erledigten die Gemeinden selber. Viele haben lokale Aschedeponien geschaffen und direkt mit Erde abgedeckt. Andere haben die staubige Masse in alten Minen untergebracht. Auch auf den Kosten von etwa 1,1 Milliarden US$ blieben sie zunächst sitzen. Der Kongress bewilligte Beihilfen von 950 Millionen US$, die über drei verschiedene Organisationen ausgeschüttet wurden.

    Fazit

    Die Geschichte ist mehr als dünn. Redferns Beitrag liest sich wie ein schlechter Verschwörungs-Roman. Sogar der geheimnisvolle Zeuge, der alles gesehen haben will, ist dabei. Natürlich bleibt er anonym. Eigentlich fehlt hier nur der einschüchternde Anruf beim Autor oder bei Zeugen, die danach die Aussagen plötzlich ändern.

    Schaut man sich die Story etwas genauer an, stimmen auch die Fakten nachdenklich. Es gibt keine Hinweise auf eine zentral geplante und koordinierte Sammlung und Entsorgung verendeter Tiere. Sie wäre aufgrund der Vielzahl von Flügen gar nicht zu vertuschen gewesen.
    Dort, wo verbrannte Tierkadaver herumlagen, also mit den Sasquatches zu rechnen wäre, war Helikopterflug nur sehr begrenzt möglich. Jede Annäherung an den Boden hätte die leichte Asche aufgewirbelt, sie wäre zwangsläufig in den Turbinen gelandet und hätte viel Ärger bis hin zu Abstürzen verursacht. Insgesamt wurden mindestens acht Flugzeuge durch die Asche beschädigt, jedoch kein Helikopter. Bei einer großen Zahl von Hubschrauber-Flügen wäre unter diesen Bedingungen fast zwangsläufig mit Unfällen zu rechnen gewesen.
    Einheiten, die eine größere Zahl von Helikoptern hätten einsetzen können, waren gar nicht vor Ort.

    Der Kran, mit dem ein Loch ausgehoben worden sein soll, ist mit großer Sicherheit ein Produkt eines ähnlich klingenden Herstellers und nicht im Betrieb der genannten Gesellschaft. Ob die Erinnerung dem Zeugen einen Streich spielte, oder ob es doch eine Gesellschaft mit diesem Namen gab, ist unklar.

    In der Summe gibt es zu viele Fehler, wenn man nur ein wenig in die Materie eintaucht.


    Anmerkungen:

    Die Wiederbesiedlung des durch die Eruption verwüsteten Gebietes wäre einmal einen Artikel wert. Spannend ist der direkte Vergleich zwischen den Gebieten, in denen das Forstunternehmen Weyerhaeuser die Natur unterstützen wollte und den Gebieten, in denen die Natur frei arbeiten konnte. Da beide Gebiete oft dicht beieinander liegen, könnte man hier von einem natürlichen Labor sprechen. Das wäre auch einmal einen Artikel wert, völlig ohne Sasquatch.


    Literatur:

    Zur Story von Nick Redfern: Mysterious UniverseDie Bigfoot-Encounters: Cowlitz County Bodies

    Im Prinzip dieselbe Story, nur von Washington Bigfoots: Bigfoot Bodys removed after 1980 Mt St Helens eruption

    Das USACE am Mt. St. Helens.

    Die deutsche Webseite von Manitowoc-Cranes

    ICAO: Manual on Volcanic Ash, Radioactive Material and Toxic Chemical Clouds


    Dieser Beitrag und die mit seinem Namen oder Kürzel gekennzeichneten Bilder unterliegen dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Die verlorene Stadt im Dschungel – ein Hotspot der Artenvielfalt

    Durch das Zusammentreffen von nordamerikanischer und südamerikanischer Fauna und Flora gilt die mittelamerikanische Landbrücke als eine der artenreichsten Regionen der Erde. Länder wie Belize haben sich die Vielfalt auf unterschiedliche Arten zunutze gemacht. Ökotourismus ist eine davon, Forschungslizenzen für Biotech-Konzerne ist eine andere.

    Doch im benachbarten Honduras hat man dieses Geschenk der Natur lange als – nunja- naturgegeben hingenommen. Urwaldrodung für Edelhölzer oder um Ackerland für die ständig wachsende Bevölkerung zu gewinnen, ist leider immernoch an der Tagesordnung. Die Regierung versucht mit großem Einsatz, Ökotourismus und damit eine nachhaltige Nutzung zu schaffen. Dennoch gehen jährlich 3000 km² Wald verloren.

    Eine versunkene Stadt

    Da hört es sich märchenhaft an, wenn eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern in einem abgelegenen Tal des Mosquitia-Regenwaldes eine verlassene Stadt findet. Eine Stadt, die sich der Dschungel zurückgeholt hat. Eine Stadt, die seit Jahrzehnten bekannt war, von der aber niemand genau wusste, wo sie lag. Die Legende von der „Weißen Stadt“ geht auf einen Bericht des Konquistadors Hernán Cortés zurück, der dort enorme Reichtümer vermutete.

    Arrangement aus Lederhut, Kompass und Notizbuch
    Verlorene Städte wirken magisch anziehend auf jede Art der Abenteurer

    Berg mit Maya-Ruine zwischen Bäumen
    Leider ist auch die Zahl der Maya-Städte, die noch im Dschungel verborgen sind, gering.

    Hueitapalan, so der überlieferte indigene Name der Stadt hat Abenteurer wie Schatzsucher seit Jahrzehnten fasziniert. Ein Ziel für die Indiana Jones‘ Mittelamerikas. Doch auch seriöse Forscher, vor allem Archäologen und Historiker waren an der „Weißen Stadt“ oder „Verlorenen Stadt des Affengottes“ mehr als interessiert. Der Legende nach soll die Stadt von hohen, weißen Mauern umgeben gewesen sein. Im Zentrum des Ortes soll sich eine gigantische Statue eines Affengottes erhoben haben. Niemand, den der Affengott sah, sei je zurückgekehrt, so die Legende.

    2012 wurde aus der Legende zumindest teilweise Gewissheit. Ein interdisziplinäres Team um die Filmproduzenten Steven Elkins and Bill Benenson  entdeckten erste konkrete Hinweise. Mittels Airborne Laser Mappings konnten sie Ruinen in der dichten Vegetation ausmachen. 2015 berichtete ein Team um den Archäologen Christopher Fisher von Artefakten aus der Gegend, einschließlich Ruinen und steinernen Tierskulpturen.


    Lage des Rio Plátano-Nationalparkes, die Weiße Stadt soll irgendwo in dem Nationalpark verborgen sein.

    Humanoide Figuren mit dreieckigem Kopf

    Vor Ort fanden die Forscher dann Überreste von Plätzen, Erdwällen und der fast unvermeidlichen Pyramide. Das US-amerikanisch-honduranische Team fand in den Ruinen über 200 Steinskulpturen. Die Bewohner hatten sie offenbar gezielt zusammengebracht und auf einem Boden aus rotem Lehm arrangiert. Im Zentrum stand eine rätselhafte und faszinierende Staute eines Geiers mit halb gespreizten Flügeln. Der Geier wiederum war von Ritualgefäßen umgeben, die mit weiteren Geiern oder Schlangen dekoriert waren. Einige dieser Gefäße trugen eine seltsame, humanoide Figur mit großem, dreieckigem Kopf, hohlen Augen und einem offenen Mund über einem wie ausgedörrt wirkendem Körper.

    Fisher interpretiert diese Figuren als „Todesfiguren“, möglicherweise ein getrockneter Leichnam eines Ahnen, der für ein Begräbnis vorbereitet wurde. Vor dem Hintergrund, dass diese Gefäße um eine Geierstatue arrangiert wurden und keine Gräber im Umfeld der Stadt zu finden waren, sind andere Interpretationen möglich.

    Eine Affengottstatue fanden die Archäologen nicht.

    Ein Todesritual für die Stadt?

    Die Forscher glauben, die wertvollen, aber nicht unbedingt nützlichen und schwer zu transportierenden Steingegenstände wurden gezielt in der Form eines Schreines aufgebaut. Viele Gefäße haben die Bewohner rituell unbrauchbar gemacht, in dem sie ihnen ein Loch in den Boden schlugen. Ebenso ein mehr als 90 cm langer Mahlstein aus wertvollem Basalt, der in sechs Teile zerbrochen war – offensichtlich mit Absicht, Basalt bricht nicht so schnell.

    Dschungelszene mit Baumstamm, Lianen und Palmfarn
    Im dichten Dschungel Mittelamerikas verbirgt sich möglicherweise noch mehr…

    Baum mit verschlungenen Brettwurzeln
    Warum haben die Bewohner die Weiße Stadt verlassen und wo sind sie hingezogen?

    All das deutet darauf hin, dass die Weiße Stadt nicht etwa ausstarb, sondern absichtlich verlassen wurde. Das Arrangieren und Unbrauchbarmachen der rituellen Skulpturen könnte ein Abschiedsritual gewesen sein – und gleichzeitig bittere Notwendigkeit:

    Wenn die Bevölkerung sich entschließt, warum auch immer eine Stadt zu verlassen, dann wird sie eher leichtere Gegenstände mitnehmen, die sie täglich braucht. Das nicht weniger wichtige Rituelle wird sich auf kleinere Gegenstände wie Figurinen beschränken.

    Auch das Zerbrechen der Kultgegenstände ist sinnvoll, so können sie nie wieder von anderen (möglicherweise von einem Feind) zu niederen Zwecken missbraucht werden. Dieses Vorgehen kennen Archäologen auch aus anderen Kulturen, auch aus Mitteleuropa. Ein berühmtes Beispiel ist der Fischerring des Papstes, der nach seinem Tod zerstört wird. Weniger „heilig“, aber mit der selben Intuition werfen Mitglieder slavischer Völker die Gläser an die Wand, wenn aus ihnen auf ein ganz besonderes Ereignis getrunken wurde.

    Die Kleinräumigkeit schafft Lebensräume

    Die noch unbenannten Bewohner von Hueitapalan lebten hier zwischen etwa 1000 n.Chr. und 1400, nach anderen Angaben etwa 1520, zur Zeit des ersten Kontaktes mit Europäern. Wieso sie die Weiße Stadt verlassen haben, ist unbekannt.

    Bekannt ist aber, dass sie mit ihrer Stadt und deren Verfall eine Vielzahl von Nischen für Pflanzen und Tiere schufen. Ein spezialisiertes Team von „Naturschutzwissenschaftlern“ der us-amerikanischen Non-Profit-Organisation Conservation International hatte bereits 2017 eine dreiwöchige Exkursion nach Hueitapalan unternommen. Sie fanden in der kurzen Zeit eine unglaubliche Artenvielfalt in der Weißen Stadt: 198 Vogelarten, 40 kleinere Säugetiere, 56 Amphibien- und Reptilienarten, 30 große Säugetiere und 94 Schmetterlingsarten konnten sie zählen. Ihr Bericht erschien Anfang Juli 2019.

    Zu den Arten, die den Wissenschaftlern über die Füße liefen, gehörten auch einige Arten, die in Honduras gar nicht mehr vorkommen sollen, oder die als ausgestorben galten. So fanden sie Peters Spießblattnase (Phylloderma stenops*), eine Langnasen-Fledermaus, die in Honduras lange nicht mehr nachgewiesen wurde. Besonders bemerkenswert war ein Sandlaufkäfer, der bisher nur aus Nicaragua bekannt war und als ausgestorben galt.

    Soldatenara
    Wie viele Großpapageien ist auch der Soldatenara vom Aussterben bedroht.

    Jaguar liegt im Schatten des Regenwaldes
    Auch Jaguare kommen in der Umgebung der Weißen Stadt vor – und wurden offenbar von ihren Bewohnern verehrt.

    Auch der große Soldatenara Ara ambiguus ambiguus kommt hier vor, ebenso wie 22 Tierarten, die bisher in Honduras nicht bekannt waren. Unter den großen Säugetieren war die gesamte „Prominenz“ Mittelamerikas vertreten: Jaguare, Ozelots, Pumas, Pekaris und viele andere. Eine Erstentdeckung ist auch dabei, ein lebendgebärender Fisch, der der Wissenschaft bisher unbekannt war.

    Wie in einem Indiana-Jones-Film

    „In der heutigen Welt scheint das wie eine Geschichte aus den ‘Indiana Jones’-Filmen zu klingen. Aber der sensationelle archäologische Fund in dem unerforschten Dschungel war für die Entdecker, die sich dorthin wagten, genauso wirklich wie überraschend.“
    Aus der Pressemeldung von Conservation Intl. vom 21. Juni 2019

    Tod Larson, der Leiter des Teams vor Ort fügte hinzu: “Die ‘Weiße Stadt’ ist eines der wenigen Gebiete in Mittelamerika, in denen ökologische und evolutionäre Prozesse intakt geblieben sind.” Daher sei es unmittelbar nötig, das Gebiet zu schützen: „Einer der Hauptgründe, warum wir einen so hohen Artenreichtum und eine so große Zahl bedrohter und weit verbreiteter Arten (z. B. Pekari) festgestellt haben, ist, dass die Wälder rund um die Weiße Stadt im Gegensatz zu weiten Teilen der Region unberührt sind.

    Dies macht das Gebiet zu einer hohen Schutzpriorität für die Aufrechterhaltung einer breiteren Landschaftskonnektivität, die für die langfristige Erhaltung der biologischen Vielfalt in Mittelamerika von wesentlicher Bedeutung ist.“

    Ein Hauptproblem sieht Larson im Drogenhandel, der seine Pfade gerade durch unberührte Gebiete zieht. Zum Glück ist die Regierung von Honduras gewillt, das Gebiet zu schützen. Seit 2005 ist die Gegend um die Weiße Stadt bereits geschützt, nun will man den Schutz verstärken.

    Offenbar ganz im Sinne von John Polisar, Mitglied im Team von Tod Larson, der betont:

    „Wir arbeiten seit 14 Jahren vor Ort in den Eingeborenen-Gebieten von La Moskitia, und dieser Ort hat sich als einfach großartig erwiesen. Aufgrund seiner gegenwärtig intakten Wälder und Fauna ist das Gebiet von außerordentlich hohem Naturschutzwert. Es verdient energischen und wachsamen Schutz, damit seine Schönheit und Tierwelt auch in Zukunft Bestand haben.“


    Quellen:

    Douglas Preston: See New Discoveries at the Mysterious City of the Jaguar, National Geographic, 2016

    Conrad Duncan: ‘Extinct’ creatures found alive in ‘lost city’ deep within Honduras rainforest, Independent, 2019

    wikipedia: Hueitapalan, 2018


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Uns ist selbstverständlich bekannt, dass wissenschaftliche Namen in Texten kursiv geschrieben werden. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Breaking News: Bestie und Brínzola

    Gevaudan, Frankreich: Heute vor 255 Jahren, am 30. Juni 1764 fand der erste amtlich registrierte Angriff der „Bestie von Gevaudan“ statt. Die Leiche der 14-jährigen Hirtin Jeanne Boulet wurde am folgenden Tag gefunden. Sie stammte aus Saint-Étienne-de-Lugdarès im Haut-Vivarais, dieser Kanton liegt streng genommen nicht im Gevaudan, sondern im Département Ardèche in der Region Auvergne-Rhône-Alpes, jedoch direkt hinter der Grenze.


    In Saint-Étienne-de-Lugdarès fand der erste Angriff der legendären Bestie statt

    Sehr wahrscheinlich war der Angriff auf Jeanne Boulet nicht der erste Angriff der Bestie, einige Monate vorher wurde eine Hirtin in Saint-Flour-de-Mercoire attackiert.


    Landkarte mit der Gegend, in der sich Brinzola seit dem 18. Mai aufhielt
    Brinzola bestreifte eine relativ kleine Gegend in Mittelnorwegen.
    Bild: Proyecto Monachus

    Norwegen / Schweden / Spanien: Brínzola ist wieder unterwegs. Die Mönchsgeierdame, die vor einigen Wochen quer durch Europa nach Mittelnorwegen gezogen ist, rührt sich wieder. Sie hielt sich seit dem 18. Mai in einer Gegend mit vielen Schaf- und Rentierherden auf, in der auch Großraubtiere vorkommen. Dem entsprechend war der Anfall an Aas, so dass sich Brínzola nur in einem Gebiet von knapp 60 Hektar bewegen musste.
    Jetzt scheint ihr Reiseinstinkt zu greifen, der besenderte Vogel hat gestern die Grenze nach Schweden überflogen.

    Wir halten euch weiter auf dem Laufenden, insbesondere wenn damit zu rechnen ist, dass das Tier nach Deutschland oder ins benachbarte Ausland einfliegt.

    Die letzte Meldung zu Brìnzola und einem weiteren, wandernden Mönchsgeier ist hier zu finden (Link)


    Lennestadt / Sauerland: Aus gegebenem Anlass möchten wir hier auf unsere Vortragsreihe am 12. Oktober 2019 hinweisen:

    Graphic Design zum Kongress

    „Auf der Suche nach Mokele-Mbembe“

    Sind die Dinosaurier wirklich ausgestorben? Eine Frage, der es eigentlich keiner weiteren Antwort bedarf, geht es nach vielen Fachleuten aus den verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen. Natürlich sind die Dinosaurier vor ca. 65 Millionen Jahren ausgestorben heißt es da und nur die heutigen Vögel sind die unmittelbaren Nachfahren dieser phantastischen Tiere.
    Doch warum gibt es dann heute noch so viele Berichte über Begegnungen mit Wesen, deren Beschreibungen manchmal so beginnen: “…es sah aus, wie ein Dinosaurier!..“?

    Noch gibt es Restkarten!

    Zum Programm: einfach dem Link folgen


  • Kommt wieder ein Bär nach Deutschland?

    Bereits vor einigen Wochen meldeten österreichische Behörden und Naturschützer, dass ein Bär nach Tirol eingewandert sei (wir berichteten). Jetzt hat er offenbar Inn und Inntalautoban überquert. Das Tier ist am 17. Juni 2019 im Klausenwald im Bezirkt Reutte/ Tirol in eine Wildkamera-Falle getappt. Dabei zeigt sich der Bär unerwartet scheu, bisher hat er sich noch nicht sehen lassen.


    Der Klausenwald liegt südlich von Höfen in Tirol

    Bis nach Füssen sind es nur noch 20 km Luftlinie, aber was sollte er dort? Bisher zeigt der Bär in Tirol keine Vorliebe für menschliche Ansiedlungen, sondern verhält sich, wie man es von einem wilden Bären erwartet. Er bleibt im Wald, meidet die Menschen und ernährt sich dort unauffällig. Oder zumindest fast, in einem benachbarten Gebiet des Klausenwaldes wurde ein Rotwildkadaver gefunden. Johannes Fritz, Amtstierarzt untersucht den Körper nun auf DNA-Spuren des Bären. Doch selbst, wenn er diese nachweisen kann: Bären fressen auch Aas, wenn es sich bietet.

    Wer ist er denn nun?

    Die DNA-Untersuchung hätte noch andere Vorteile: So wird man sich über die Identität des Bären klar. Bisher ist nichts über ihn bekannt. Bärenschützer und Behörden vermuten, dass es sich um ein junges Männchen aus dem italienischen Trentino handelt. Die genetische Untersuchung kann dann möglicherweise auch die Verwandtschaftsverhältnisse des Tieres klären.

    SW-Bild einer Wildkamera zeigt einen Bären, der am Fu0e eines Baumes etwas zu fressen scheint
    Da ist er! Das Foto der besagten Wildkamera zeigt den Bären, der am Fuße des Baumes etwas zu fressen scheint. (Foto: „privat“)

    „Es kann gut sein, dass es sich bei dem Bären um ein Tier aus dem Schutzgebiet in Südtirol-Trentino handelt“, so Fritz. Anfang Juni 2019 war etwa 80 km südlich in St. Leonhard in Passeier ein Bär in eine Fotofalle geraten. In der Gegend wurden auch drei Schafe gerissen, wobei noch unklar ist, ob der Bär überhaupt involviert war. Es könnten auch streunende Hunde gewesen sein, hält Fritz für möglich.

    Nicht mehr als ein zufälliger Besucher

    Fritz wundert sich über die Aufregung, die das Foto „des Bärli“ vor allem in Bayern verursacht. Das Tier sei unauffällig und habe bisher keinerlei Schäden angerichtet. Ohnehin ist das Bärli nicht mehr als ein zufälliger Besucher in Tirol und vielleicht auch in Bayern. Er hält es für unwahrscheinlich, dass sich in absehbarer Zeit eine Bärenpopulation in den bayerischen und österreichischen Alpen etablieren kann. Anders als junge Männchen sind Weibchen wenig abenteuerlustig und ziehen nur ungern umher. Sie weichen nur bei zu hoher Bärendichte in benachbarte Regionen aus – und von hoher Bärendichte kann bei den wenigen Tieren in Norditalien, der Schweiz und Slowenien kaum die Rede sein.

    Die Bauern brauchen keine Angst zu haben

    Die Angst vieler Almbauern vor der Rückkehr der großen Raubtiere, allen voran Bär und Wolf hält Amtstierarzt Fritz für unbegründet. Bisher gibt es mit den wenigen Wolfsrudeln in Österreich keine Probleme. Alleine in Tirol gingen von 70.000 Schafen jedes Jahr 1000 bis 2000 Tiere einfach so verloren, aber da seien weder Bär noch Wolf schuld.

    Er ist nicht „Bruno“

    Ein Braunbär im Schnee
    Der Alpenbraunbär ist eine eher kleine Form des Braunbären.

    Seit über 170 Jahren war im Jahr 2006 der Bär JJ1 alias „Bruno“ der erste wilde Bär in Deutschland. Dieses Tier hatte gelernt, die Nähe des Menschen mit Nahrung in Verbindung zu bringen und richtete einige kleinere Schäden an. Als er sich dann auch noch Spaziergängern und Mountainbikern ohne große Scheu näherte, reagierten die Behörden. Zunächst gab es -von den Medien im Sommerloch eng begleitet- einige teure aber ungeeignete Versuche, Bruno einzufangen.  Vor ziemlich genau 13 Jahren, am 26. Juni 2006 wurde er dann im Spitzingseegebiet erschossen.

    Was selten berichtet wird: JJ1 verhielt sich nicht bärentypisch. Von seiner Mutter Jurka hatte er gelernt, menschliche Ansiedlungen mit Nahrung in Verbindung zu bringen. Jurka war für Schäden an Ställen und Bienenstöcken bekannt. Wie JJ1 trat sie nie aggressiv gegenüber Menschen auf. Daher zogen die Italiener nie in Betracht, das Tier zu töten.

    Auch das dritte Jungtier von Jurka, JJ3 zeigte ein ähnliches Verhalten. Es wanderte 2007 in die Schweiz ein und näherte sich sehr regelmäßig Siedlungen. Da auch er keine Scheu gegenüber Menschen zeigte und auch nicht vergrämt werden konnte, wurde auch er 2008 von der Schweizer Wildhut erschossen.

    Jurka wurde eingefangen und trug einen Sender, um ihre Wege zu verfolgen und sie gezielter vergrämen zu können. Als das auch nach längerer Zeit nicht zum Erfolg führte, wurde sie schließlich eingefangen und lebt seit dem 26. August 2010 im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach.

    Ob heute die Toleranz einem Bären gegenüber größer ist, wird sich zeigen. Vielleicht kann man ihn am ehesten dulden, wenn man weiß, dass er ein Kurzbesucher ist, der bald wieder gehen wird – Quasi ein Tourist.

    Und mit Touristen hat man bei Füssen und Hohenschwanstein ja Erfahrung.


    Quellen:

    Focus online: Auf Beutezug in Tirol: Wildkamera knipst Braunbär nahe der bayerischen Grenze

    SZ.de: Ist nach Bruno wieder ein Bär im Anmarsch?

    Merkur.de: Wieder ein Bär entdeckt – er steht schon an bayerischer Grenze


  • Eine Lederschildkröte im kanadischen Eis

    Der Bras d’Or Lake ist ein großer Fjord auf der Cap Brenton-Halbinsel auf Nova Scotia in Kanada. Die kleine Stadt Sydney liegt in seiner Nähe. Nur mit zwei kleinen Zuflüssen mit dem Meer verbunden, ist er mit Brackwasser gefüllt und friert im Winter jedes Jahr beinahe vollständig zu. Als Brackwasser-Ökosystem ist er erstaunlich produktiv und beherbergt riesige Mengen an Garnelen, Muscheln und eine sehr diverse Population an Vielborstern. Diese Würmer sind die Basis für große Fischdichten von Stichlingen, Heringen, Regenbogenforellen und grönländischen Heilbutt. Kein Ort, an dem man eine Lederschildkröte erwartet hätte.

    Lederschildkröten fahren nicht Ski

    Bereits im Februar meldete das kanadische Nachrichtenportal CBC, dass in der Nähe von Islandview ein merkwürdiges Tier gefunden wurde. „Am Donnerstag (7. Feb. 2019, d. Red.) war ich draußen am Ufer vor meinem Haus. Es sah so aus, als ob sich ein kleines umgekipptes Boot am Ufer im Eis befand. Ich habe nachgesehen und es war eine Lederschildkröte.“, sagte er in der CBC-Sendung „Information Morning Cape Benton.“


    Lage von Islandview am Bras d’Or

    „Als ich sie berührte, wippte sie ein bisschen, aber bewegte sich nicht. Also wusste ich, dass sie tot war, aber sie war in gutem Zustand. Sie sah nicht so aus, als wäre es so lange da, aber könnte am Eis und der Kälte gelegen haben. „, fährt MacLean fort. Er kontaktierte dann das Department of Fisheries and Oceans (DFO). Dort sagte man ihm, dass es zwar ein paar wenige anekdotenhafte Berichte gäbe, aber ihm der erste Nachweis einer Lederschildkröte im Bras d’Or gelungen sei. „Sie sagten, sie würden das prüfen und drüber nachdenken, ich solle erst einmal abwarten. Meeresschildkröten sollten jetzt in der Karibik sein und Eier legen. Nein … sie fahren nicht Ski.“

    Die Bergung

    Als die Offiziellen der DFO MacLeans Fotos sahen, änderte sich die Lage. „Sie wollten sie haben“ beschreibt LacLean die neue Situation. Ab Dienstag (12.02.2019) begann die Bergung. Zunächst bauten MacLean und seine Helfer eine provisorische Rampe aus Brettern und banden ein Seil um die Schildkröte. MacLeans Frau Sue postete Bilder der Bergung bei Facebook. Auf ihnen ist zu sehen, wie die Schildkröte auf eine Kunststoffpalette gehievt wurde, dann mit einem Bagger weggebracht.

    Eine Schildkröte liegt in einem Loch im Eis
    Die tote Schildkröte musste vom dicken Eis befreit werden, bevor sie an Land gezogen werden konnte. (Foto: Sue MacLean)

    Die Schildkröte wird auf einer Palette aus dem Wasser gezogen
    Um sie bergen zu können, wurde die Schildkröte auf eine Palette gebunden (Foto: Sue MacLean)

    Die Schildkröte am Anfang einer Bretterrampe
    Auf einer improvisierten Rampe wurde die Schildkröte an Land gehievt (Foto: Sue MacLean)

    Schildkröte auf einer Palette auf einem Bagger
    Auf einer weiteren Palette wurde sie dann mit einem Bagger verladen. (Foto: Sue MacLean)

    Die Schildkröte wiegt etwa 360 kg, hat eine Gesamtlänge von etwa 2 m und eine Panzerbreite von etwa einem Meter. Der Panzer ist in der Mitte gebrochen, so MacLean, der vermutete, dass das Eis auf ihr gelastet hat, als der Spiegel des Bras d’Or sank.

    Die Lederschildkröte wird zum Atlantic Veterinary College in Charlottetown gebracht, um dort genauer untersucht zu werden.

    Lederschildkröten

    Lederschildkröten der Art Dermochelys coriacea sind die größten lebenden Schildkröten. Sie leben ausschließlich im Meer, zählen aber nicht zu den Meeresschildkröten im engeren Sinne (Cheloniidae) sondern bilden eine eigene Familie. Sie leben meist in tropischen bis subtropischen Gewässern. Im Sommer wandern sie gelegentlich in gemäßigte Breiten. Sie haben den Cheloniidae gegenüber den Vorteil, ihre Körpertemperatur bis zu 18°C über die des umgebenden Wassers halten zu können. So können sie vor allem im Sommer in ungeahnte nördliche Breiten vordringen:

    An den Küsten Schottlands gelten sie als seltene, aber regelmäßige Besucher. Im September 2006 wurde auf der Insel Amrum ein leerer Panzer einer Lederschildkröte angeschwemmt. 2009 haben Fischer und Urlauber vor den Niederlanden regelmäßig Tiere gesichtet. 2015 strandete eine tote Lederschildkröte an der dänischen Insel Langelandt. Ein Jahr früher, im September 2014 konnten Naturbeobachter im norwegischen Nusfjord auf den Lofoten eine etwa 1,8 bis 2 m lange Lederschildkröte fotografieren.
    Offenbar wandern vor allem große Tiere so weit nach Norden. Durch die Oberfläche-Volumen-Ratio sind sie hierzu auch eher prädestiniert, als kleinere Tiere. So ist es kein Wunder, dass die bisher größte bekannte Lederschildkröte, eins der größten rezenten Reptile, in Wales (Großbritannien) angeschwemmt wurde. Sie hatte eine Panzerlänge von 256 cm und ein Gewicht von 916 kg.

    Nach Norden zum Fressen?

    Möglicherweise könnte die in den letzten Jahren verstärkt gemeldete Nordwanderung der Tiere mit ihrer Nahrung zusammenhängen. Lederschildkröten fressen vor allem Quallen und benötigen große Mengen davon: zwischen 10 und 100 kg davon fressen sie pro Tag. In den letzten Jahren haben Meeresforscher in den nordisch-gemäßigten Meeren eine deutliche Zunahme der Quallenpopulation festgestellt. Ausgerechnet an bekannten Hotspots tauchen dann auch die Lederschildkröten auf. Wandern die Tiere wegen der guten Weidegründe nach Norden?

    Die Schildkröte aus dem Bas d’Or Lake ist vermutlich zufällig durch einen der beiden schmalen Zugänge am Norden des Fjords herein geschwommen. Bei dem Versuch, den Fjord bei kälteren Temperaturen zu verlassen, hat sie vermutlich einen falschen Arm erwischt.

    Quellen:

    CBC: Leatherback turtle, not overturned boat, found washed up in Cape Breton

    Wikipedia: Lederschildkröte