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  • Wandernder Mönchsgeier – Update 2 und 3-

    Was vorher geschah

    Mit „Brínzola“ ist ein besenderter Mönchsgeier auf dem Weg von Spanien über Frankreich, Belgien, Norddeutschland und die dänischen Inseln nach Schweden. Das Proyecto Monachus und andere Vogelkundler beobachten ihn auf seinem Weg in den Nordosten. Der Vogel zog über den Fehmarnsund und Fehmarn hinweg, nutzte also die Vogelfluglinie.

    Donnerstag, 16. Mai und Freitag, 17. Mai

    Karte von Südschweden mit dem Weg des Mönchsgeiers Brinzola nach Norden
    Weg des Mönchsgeiers Brinzola vom 15. bis 17. Mai 2019. Quelle: Proyecto Monachus

    Das Weibchen erreichte am 16. Mai in der Umgebung der Stadt Växbø, wo es etwa 40 km weiter im Norden übernachtete. Die nur vergleichsweise geringe Tagesflugstrecke von „nur“ etwa 100 km gab zu Spekulationen Anlass. Doch am Freitag, 17. Mai pulverisierte der Vogel diese Spekulationen und zog in einem weiten Bogen nach Norden. In der Luftlinie legte er über 360 km zurück, die Flugstrecke war deutlich größer. Was der Vogel im Norden tut? Wir bleiben aber am Ball.

     

     


    Samstag, 18. Mai 2019

    Karte mit dem Weg des Mönchsgeiers Brinzola durch Schweden und Norwegen am 17. und 18. Mai 2019
    Diesen Weg legte Brinzola am 18. Mai 2019 zurück. Quelle: Proyecto Monachus

    Nachdem die Mönchsgeier-Dame am 17. Mai die Nacht in der Nähe der Stadt Öje in Schweden verbracht hat, startete sie am Samstag, den 18.5. um 9:24 Uhr ihre Weiterreise. Eine gute Stunde später rastete sie an einem der vielen Seen dieses Gebietes um zu trinken. Um 10:44 Uhr setzte sie ihren Weg fort. Um 11:22 Uhr überflog sie die norwegische Grenze. Sie flog weiter nordwestwärts, am Samstag legte sie knapp 320 km zurück. Ihr Weg endete vorerst um 19:09 Uhr in Nowegen, wo sie auch die Nacht auf den heutigen Sonntag verbrachte. Die Karte zeigt als letzte Station 16:00 Uhr am Samstag, so wird das Tier vor übergroßer Neugier geschützt.


    Weitere Geier sind in Deutschland unterwegs

    Doch nicht nur Brìnzola ist unterwegs. In Deutschland gesellte sich kurzzeitig ein weiterer, nicht besenderter Mönchsgeier zu ihr. Seine Position ist naturgemäß schwieriger auszumachen, wir sind hier auf Meldungen von ornithologischen Beobachtern angewiesen. In den offenen Beobachtungsberichten der Vogelkundler ist nichts von dem Vogel zu lesen. Eine Verortung ist uns so nicht möglich.

    Dafür meldete ein Vogelbeobachter-Portal am 18. Mai, dass ein Gänsegeier bereits seit zwei oder drei Wochen in einer Graureiher-Kolonie in Kolbermoor bei Rosenheim sitzt. Er ernährt sich offenbar von Graureiher-Küken und macht laut Meldung einen gesunden Eindruck. Offenbar stammt er aus der Gänsegeiergruppe, die halbwild im Alpenzoo Innsbruck gepflegt wird. Innsbruck ist in der Luftlinie etwa 80 km entfernt, nichts, was ein Geier nicht schafft.


    Vorhergehende Beiträge zu diesem Thema:

    Spanische Mönchsgeier in Mitteleuropa vom 15. Mai 2019 mit der Ausgangslage

    Wandernde Mönchsgeier – Update 1– vom 17. Mai 2019 mit Anmerkungen zu weiteren Einflügen von Mönchsgeiern nach Deutschland seit dem 2. Weltkrieg und einer Meldung aus Nord-Italien.

    Quellen:

    Proyecto Monachus

    Facebook-Seite des Projektes


  • Wandernde Mönchsgeier – Update –

    Mit „Brínzola“ ist ein besenderter Mönchsgeier auf dem Weg von Spanien über Frankreich, Belgien und Norddeutschland nach Dänemark. Das Proyecto Monachus und andere Vogelkundler beobachten ihn auf seinem Weg in den Nordosten. Der Vogel zog über den Fehmarnsund und Fehmarn hinweg, nutzte also die Vogelfluglinie. Auf dem Fehmarnbelt wurde er in östliche Richtung verdriftet und verlor deutlich an Höhe. Eine GPS-Marke zeigte ihn praktisch auf dem Niveau der Meeresoberfläche. Die Redaktion schließt nicht aus, dass er kurze Zeit auf einem Schiff gelandet ist, aber binnen weniger Minuten wieder aufstieg. Meeresüberquerungen sind für Segelflieger immer problematisch, da auf Meeresflächen tagsüber keine Aufwinde entstehen.

    Karte von Dänemark und Südschweden, auf der der Flugweg des Mönchsgeiers über Seeland und Südschweden eingezeichnet ist
    Brinzolas Weg über Seeland, den Öresund und Südschweden mit Stop am Abend des 16. Mai 2019

    Das Weibchen flog weiter über die Insel Seeland und nutzte bei Helsingborg/ Helsingør die kürzeste Querung des Øresunds. Am Dienstag, 14. Mai 2019 gegen 13:35 Uhr Ortszeit überquerte der Vogel Helsingborg und setzte seine Reise in östlicher Richtung fort. Am Mittwochabend rastete das Tier in der Nähe von Älmhult in Südschweden. Donnerstag flog die schwarze Schönheit weiter, an der Stadt Växjö vorbei und beendete den Flug etwa 40 km von dort entfernt. Das waren nur gut 100 km Tagesleistung, wesentlich weniger, als sie sonst oft zurückgelegt hat. Ob sie sich einem unbekannten Ziel nähert, länger gerastet (und gefressen?) hat oder die Winde ungünstig wehten, ist unbekannt.  Wir bleiben aber am Ball.

    Inzwischen ist die kleine Verwirrung um das Geschlecht von Brínzola auch geklärt. Auf der Webseite des Proyecto Monachus war von einem Männchen die Rede, während die Projektmitarbeiter auf Facebook ständig von einem Weibchen schrieben. Eine E-Mail-Anfrage an das Proyecto Monachus hat die Leiterin schnell und freundlich beantwortet: Brínzola ist eindeutig weiblich, die Geschlechtsbezeichnung „Macho“ auf der Webseite beruht auf einem Eingabefehler. Der Fehler haben die Projektmitarbeiter inzwischen korrigiert.

    Der Mönchsgeier ist ein riesiger, schwarzer Vogel.
    Mönchsgeier können im Segelflug viele hundert Kilometer zurücklegen. Brinzola beweist es einmal mehr. (Dieses Bild zeigt nicht Brínzola)

    Mindestens ein weiterer Mönchsgeier ist in Deutschland unterwegs

    Doch nicht nur Brìnzola ist unterwegs. In Deutschland kreist ein weiterer, nicht besenderter Mönchsgeier. Seine Position ist naturgemäß schwieriger auszumachen, wir sind hier auf Meldungen von ornithologischen Beobachtern angewiesen. In den offenen Beobachtungsberichten der Vogelkundler ist nichts von dem Vogel zu lesen. Eine Verortung ist uns so nicht möglich.


    Einflug nach Norditalien

    Landkarte Norditaliens mit dem Weg, den Geier Farigoule zurückgelegt hat.
    Weg des Mönchsgeiers Farigoule durch Norditalien. Foto: Marco Palumbo

    Auch in Italien war ein Mönchsgeier unterwegs. Der Vogel Farigoule ist ebenfalls 2016 geschlüpft und stammt aus einem Wiederansiedlungsprojekt in Frankreich (?). Das etwa 8 kg schwere Weibchen ist mit einem Sender ausgerüstet und damit ähnlich gut wie Brínzola zu verfolgen. Der Vogel löste sich von seiner Gruppe und verdriftete nach Norditalien. Er kreiste tagelang über Ligurien, dem Piemont und landete in der Mailänder Gegend, vermutlich auf der Suche nach Aas. In der Nähe des Dorfes Alserio in der Nähe des Comer Sees wurde er schließlich am 25. April 2019 von Polizisten gefangen. Sichtbar geschwächt wurde das Tier nach Frankreich zurückgebracht.

    Vielen Dank an Ulrich Magin für den Hinweis auf den Zeitungsartikel mit der Info.

    Quelle:

    Tageszeitung La Provincia di Lecco


    „Historische“ Fälle: Mehr oder weniger regelmäßige Einflüge, meist im Spätfrühling

    1956 wurde ein entkräfteter Jungvogel auf der Feldmark bei Jarnitz auf Rügen aufgegriffen.

    Im 21. Jahrhundert

    Erst fast 50 Jahre später, am 11. Juni 2001 haben Vogelfreunde erneut ein entkräftetes Jungtier, diesmal in Ottenheim (BW) eingefangen.

    Genau drei Jahre später, am 11. Juni 2004 landete ein weiterer entkräfteter Mönchsgeier in einem Hausgarten in Lohmar (Kreis Siegburg, NRW). Mitarbeiter einer Greifvogel-Auffangstation fingen ihn ein und regenerierten ihn. Der Vogel war 2001 auf Mallorca in einer Wildbrut geschlüpft und nach einem Unfall in eine Pflege- und Auswilderungsstation in den französischen Cevennen gekommen. Dort wurde er beringt und besendert und am 19. Mai 2004 freigelassen. Am 3. Juni ging der Kontakt zu dem Tier verloren. Vermutlich haben ihn starke Winde am Rand einer Gewitterfront über 1000 km nach Lohmar verdriftet. Das Tier wog beim Fang nur noch etwa 6000 g (7500g bis 9000 g wären normal). Nachdem er wieder ein gesundes Gewicht erreicht hatte, wurde er mit einem Auto wieder in die Cevennen gebracht und freigelassen.

    Nach 2005

    Am 14. Juni 2006 wurde ein junger Mönchsgeier mehrfach über Coesfeld (NRW) beobachtet. Anhand seiner Beringung und gebleichter Armschwingen konnte er identifiziert werden.

    Sechs Mönchs- und zwei Gänsegeier sitzen im Morgennebel auf einer Wiese
    Sechs Mönchs- und zwei Gänsegeier auf einer Wiese

    Pünktlich am 10. Mai 2007 kreisten zwei dieser großen schwarzen Geier zusammen mit 22 Gänsegeiern über drei Schafherden im Echaztal bei Reutlingen (BW). Die Gruppe taucht an den beiden folgenden Tagen bei Haigerloch-Owingen wieder auf (ca. 35 km). Sie kreistern über einer Schafweide mit einem toten Schaf und konnten von einem Segelflugzeug in einem Thermikaufwind beobachtet werden. Sie fliegen am 13. Mai gegen Mittag nach Nordosten ab, danach verliert sich die Spur. Am 16. Juni werden 22 Gänsegeier, aber keine Mönchsgeier in Mönchengladbach beobachtet. Zwei Mönchsgeier fallen am 11. Juli einem Jäger in Fridingen (BW), kurz vor Basel, auf.

    Ungewöhnlich spät im Jahr, am 21. September 2007 wurde ein Mönchsgeier bei Salem in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet. Es handelt es sich hier nicht um einen Gefangenschaftsflüchtling, sondern um einen wandernden Wildvogel, so die Seltenheitenkommission der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern (OAMV 2008).

    Wieder im Mai, genauer am 20. Mai 2009 werden drei schwarze Mönchsgeier etwa 10 km östlich von Dessau (SA) beobachtet. Es bleibt die einzige Mönchsgeier-Beobachtung in diesem Jahr.

    Ab 2010

    Am 28. Mai 2011 zeigte sich einer der majestätischen Vögel am Schaufelsen bei Neidingen (Gemarkung Beuron Kreis Sigmaringen, BW) im Naturpark obere Donau. Am Vortag werden hier 28 Geier beobachtet, die alle als Gänsegeier identfiziert wurden.

    Am 5. Juni 2011 wird ein Mönchsgeier bei Selters (HE) gesichtet. Am 18. Juni folgt eine weitere Beobachtung aus Thale (SA).

    Etwas früh im Jahr, am 18. April 2013 kreisten zwei Mönchsgeier über Karlsruhe Mühlburg und segelten in Richtung Nordwesten. Aufgrund der Flughöhe ist die Artbestimmung nicht ganz sicher. Es bleibt die einzige mögliche Mönchsgeier-Beobachtung 2013. Gut zwei Jahre später, am 7. Juni 2015 wurde ein Mönchsgeier ganz in der Nähe, in Ubstadt-Weiher (BW) beobachtet. Auch diese Beobachtung ist mangels Foto nicht verifiziert.

    Nach 2015

    2016 tauchte am 1. Mai ausgerechnet in der Nähe der Greifvogelwarte Hellenthal in der Eifel ein einzelner Mönchsgeier auf. Die Greifvogelwarte ist bekannt dafür, dort gehaltene Vögel bei gutem Wetter frei fliegen zu lassen. Zu dieser Zeit hatte die Greifvogelwarte aber keinen Mönchsgeier. Möglicherweise haben die im Aufwind kreisenden Greifvögel den schwarzen Geier angezogen. Ausfliegende Mönchsgeier scheinen die Gesellschaft anderer großer Greifvögel insbesondere von Gänsegeiern zu suchen.

    Mönchsgeier sitzt vor einer Ziegelwand
    Portrait eines Mönchsgeiers im Zoo

    Nur wenige Tage später, am 8. Mai konnten Vogelbeobachter in Mudau und Eberbach (Neckar-Odenwaldkreis, BW) einen Mönchsgeier fotografieren. Später wurde der Vogel als „Bernhardus“, K2 W aus Verdon, Frankreich positiv identifiziert. Der Vogel trug einen Sender. „Bernhardus“ wanderte in den folgenden Tagen über Kraichtal und Hornberg. Am 9. Mai 2016 beobachtete ein Vogelkundler in Mudau (BW), wie sich zwei Mönchsgeier zehn bis zwölf kreisenden Gänsegeiern anschließen und mit ihnen nach Westen abwandern. Vermutlich war „Bernhardus“ einer dieser Vögel. Am folgenden Tag hat er Deutschland vermutlich in Richtung Vogesen verlassen.

    2017, genauer am 16. Mai zeigte sich ein großer Vogel über dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (BY). Wahrscheinlich war dies ein Mönchsgeier. Am 11. Juni fotografierte eine Vogelbeobachterin einen Mönchsgeier an der Schwarzach im Neckar-Odenwaldkreis (BW). Bereits am 14. Juni tauchte ein Mönchsgeier auf der Dreiborner Hochfläche (Kreis Euskirchen, NRW) auf und blieb dort mindestens bis zum 16. Juni. Er war in Gesellschaft dreier Gänsegeier. Die letzte sichere Sichtung des Jahres erfolgte am 26. Juni am Imberger Horn, Bad Hindelang, Oberallgäu, BY. Ein weiteres Tier wurde möglicherweise am 23. August über dem Ipf bei Bopfingen (BW) beobachtet. Die Identifikation ist aber nicht sicher.

    Am 23. August 2018 meldeten die Osthessen News einen Mönchsgeier. Er rastete am 20. August auf einer Wiese im Vogelsbergkreis (HE). Ein Vogelkundiger bemerkte „Er hat keine Ringe und keine Markierung“. Nachdem er etwa eine Stunde lang auf der Wiese saß, wurde er von einem freilaufenden Hund aufgeschreckt. Der riesige Vogel stieg in einem Aufwind auf und flog nach Südwesten ab.

     


    Quellen und Links:

    Avifaunistische Kommission: Vogel des Monats Juni 2008

    Osthessen News vom 23.8.2018


  • Spanische Mönchsgeier in Mitteleuropa

    Mönchsgeier sind nach Bartgeiern die größten Greifvögel Europas. Sie kommen aktuell in Europa nur noch in Spanien vor, Wiederansiedlungsprojekte in Frankreich und im Norden Mallorcas laufen. Die Tiere werden durch ein Schutzprojekt engmaschig überwacht. Wie die meisten Geier suchen auch Mönchsgeier große Gebiete im Gleitflug nach Aas ab.

    Brínzola auf Abwegen

    Portrait eines Mönchsgeiers
    Portrait des beeindruckenden Vogels. Kein Wunder, dass das Tier in vielen Sprachen Mönchsgeier genannt wird

    Der Mönchsgeier Brínzola ist im Jahr 2016 geschlüpft. Das junge Weibchen* musste wegen Herzproblemen und Unterernährung in einer Pflegestation des El Proyecto Monachus aufgepäppelt werden. Die Pflegestation liegt in der Sierra de la Demanda, ca. 50 km östlich von Burgos, Spanien. Am 7. Oktober 2018 wurde er zusammen mit seinem Artgenossen Batman in der Nähe der Station im nordspanischen Burgos (Sierra de la Demanda) ausgewildert.

    1. Station: Frankreich

    Die „Europareise“ von Brínzola begann am 20. April 2019. Der Mönchsgeier zog aus seinem üblichen Revier in Zentralspanien nach Norden an die baskische Atlantikküste und dann entlang des Pyrenäennordkammes nach Osten ans Mittelmeer. Abgesehen von einem Ausflug in die Pinienwänder der Gascogne zog der Vogel weiter nach Norden. Er folgte dabei offenbar immer den Hängen der Mittelgebirge.

    2. Station: Belgien

    Nachdem Brínzola praktisch ohne Pause Frankreich durchquerte, hatte sie am 9. Mai Belgien erreicht. Seine Ankunft war eine kleine Sensation für die dortigen Ornithologen – schliesslich handelte es sich erst um den zweiten Nachweis eines Mönchsgeiers in Belgien. Mehr als 200 Fotografen aus dem ganzen Land waren angereist, um einen Schnappschuss von dem Exoten zu ergattern. Auch die Medien haben sich eingehend mit dem „Ausreisser“ befasst.

    Reise des Mönchsgeiers Brinzola durch Spanien, Frankreich nach Belgien. Image: Proyecto Monachus, google earth
    Reise des jungen Mönchsgeier-Weibchens Brinzola durch Spanien, Frankreich nach Belgien.

    Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn. Image: Proyecto Monachus, google earth
    Brinzolas Route von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland nach Fehmarn.

    3. Station: Deutschland .. und nicht allein

    Nach einem kurzen Überflug von Holland erreichte Brínzola am 10. Mai den deutschen Luftraum. Von dort erreichte das Proyecto Monachus die Nachricht von einem weiteren, unmarkierten Mönchsgeier. War Brínzolas Aufenthalt in Belgien schon eine kleine Sensation, so war der Nachweis zweier Mönchsgeier in Deutschland nicht weniger ungewöhnlich. Seit 2007 ist hier allerdings der eine oder andere durchreisende Mönchsgeier registriert worden. Das Proyecto Monachus hat nicht ausgeschlossen, dass beide Exemplare mit den starken Winden aus dem Süden nach Mitteleuropa gereist sind. Ob sich das besenderte Weibchen* Brínzola, das verpaart in einem geeigneten Revier in seinem ursprünglichen Auswilderungsgebiet gelebt hat, nur wegen der Winde auf die lange Reise begeben hat, ist allerdings noch unklar.

    Hans Pohlmann von der niederländischen Vulture Conservation Foundation kollaboriert mit dem spanischen Proyecto Monachus. Er war eigens nach Deutschland gereist, um das Tier zu überwachen. Es war ihm möglich, auch einige Bilder zu machen: Brínzola befand sich in gutem Zustand und konnte seine Reise somit auch ohne Probleme nach Norden fortsetzen. Der zweite Mönchsgeier befand sich zu dem Zeitpunkt weiterhin in Deutschland.

    Am 12. Mai erreichte Brínzola schliesslich Norddeutschland, nachdem sie diagonal durch Deutschland geflogen ist. Dort übernahmen Arne Torkler die Überwachung des Geiers und informierte das Proyecto Monachus. An denselben Tag konnte er zusammen mit anderen Ornithologen das Tier beobachten, wie es sich an den Resten eines Hirsches stärkte. Es schien auch weiterhin in guter Verfassung zu sein, da keine Schwierigkeiten beim Fliegen festzustellen waren. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Vogel noch am selben Tag seine Reise fortsetzte und in nur 5 Stunden 250 Kilometer zurücklegte.

    Der Mönchsgeier ist ein riesiger, schwarzer Vogel.
    Mönchsgeier können im Segelflug viele hundert Kilometer zurücklegen. Brinzola beweist es einmal mehr.

    4. Station: Dänemark

    Am 14. Mai war Brínzola nach Dänemark übergesegelt und hatte dabei 50 Kilometer des Fehmarnbelts (zwischen der deutschen Insel Fehmarn und dem dänischen Lolland in der westlichen Ostsee) überquert.

    Laut den Daten des Senders befand sich Brínzola kurzzeitig nur 3 Meter über dem Meeresspiegel,- wäre also (sofern fehlerhafte Datenübertragung auszuschliessen ist), fast in das Meer gestürzt. Von Deutschland war Brínzola in 299 Metern Höhe über dem Meeresspiegel gestartet – in 19 Kilometern von der deutschen Entfernung befand er sich nur 3 Meter über dem Meeresspiegel – es muss eine enorme Anstrengung gekostet haben, wieder nach oben zu kommen. Schliesslich konnte Brínzola von aufsteigender Luft profitieren und auf 433 Meter Höhe aufsteigen.

    Nachdem das Weibchen die Meerenge hinter sich gelassen hatte, flog es direkt weiter nach Astrup, das 40 Kilometer hinter der dänischen Grenze liegt. Den Ort dieses Zwischenstopps hat sie inzwischen verlassen. Das spanische Proyecto Monachus wird aber auf seiner Facebook-Seite die Interessierten weiterhin auf dem Laufenden halten.

    Wir bemühen uns, regelmäßige Updates zu bringen.

     

    * Die Angaben, um welches Geschlecht es sich bei Brìnzola handelt, sind widersprüchlich. Das Proyecto Monachus stellte Brínzola auf der eigenen Website als „Macho“, also Männchen vor. Bei den Facebook-Einträgen ist hingegen von „hembra“, also Weibchen die Rede. Wir hatten Kontakt mit der Leitung des Proyecto aufgenommen. Sie versichert, dass Brínzola ein Weibchen ist und hat den Fehler auf der Webseite bereits korrigieren lassen. Damit ist das „sie“ aktuell.

    Sonstiges:

    Mönchsgeier frisst an Fleischresten
    Mönchsgeier werden relativ häufig in Zoos gehalten. Dieses Tier frisst an Fleischresten..

    Im Nationalpark Monfragüe haben Vogelkundler beobachtet, dass Gänsegeier die jahrelang von Mönchsgeiern besetzten Nester beziehen und somit die großen, schwarzen Vögel verdrängen.

    Die häufigeren Gänsegeier sieht man in den letzten Jahren regelmäßiger im mitteleuropäischen Flachland. 2006 zogen das erste Mal seit langem Trupps über Deutschland. Vogelbeobachter hatten damals 164 Tiere gezählt, davon 57 in Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 2007 flogen mindestens 67 Tiere nach Deutschland und 171 in die Schweiz. In den folgenden Jahren fanden immer wieder kleinere Einflüge nach Deutschland statt. Die Gründe hierfür werden kontrovers diskutiert, so könnte die Zunahme der Bestände in Südwest-Europa und den Alpen ein Grund sein. Als weiteren Grund sehen Tierschützer eine veränderte Praxis bei der Entsorgung von toten Tieren in Spanien.

     

    Links:

    Website des Proyecto Monachus

    Facebook-Account des Proyecto Monachus

    VRT Flandern News vom 10. Mai 2019 (deutsch)

     


  • Ein zweiter Urvogel aus dem Solnhofener Plattenkalk

    Der Archaeopteryx aus dem Solnhofener Plattenkalk ist als „DER Urvogel“ eine Ikone der Paläontologie und der Evolutionsbiologie. Doch jetzt haben Oliver Rauhut et al. einen bisher unbekannten Urvogel beschrieben, der flugtechnisch dem Archaeopteryx ein gutes Stück voraus war.

    Bisher kennt man von der Alcmonavis poeschli genannten Art nur einen Flügel. „Wir hatten erst angenommen, dass auch dieses Exemplar ein Archaeopteryx ist, und haben es uns bei der Untersuchung nicht leicht gemacht. Es sind Ähnlichkeiten da, aber seine fossilen Reste lassen vermuten, dass es sich um einen etwas höher entwickelten Vogel handelt“, so Oliver Rauhut, Professor für Paläontologie und Geologie an der LMU München und der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie.

    Die neu beschriebene Art

    Übersichtsfoto des Holotyps von Alcmonavis poeschli
    Die Abbildung zeigt einen Flügel von Alcmonavis poeschli, wie er in den Plattenkalkablagerungen gefunden wurde. Alcmonavis poeschli ist der zweite bekannte flugfähige Vogel aus der Periode des Jura. (Bildrechte: O. Rauhut, LMU/SNSB)

    Alcmonavis poeschli war etwas größer als Archaeopteryx, er konnte auch besser fliegen: „Muskelansatzstellen am Flügel deuten auf ein verbessertes Flugvermögen hin“, sagt Rauhut. Alcmonavis poeschli weist mehrere Merkmale auf, die Archaeopteryx nicht hat, jüngere Vögel aber schon. Diese deuten auf eine bessere Anpassung an den aktiven Flatterflug hin. Da bisher nur wenige Knochen aus dem Handbereich bekannt sind, können die Wissenschaftler über den Rest des Tieres naturgemäß wenig sagen. Das Fossil zeigt noch Krallen an den Fingern, wie sie auch bei Archaeopteryx vorkommen.

    Neue Aspekte bei der Entstehung des Fluges

    Christian Foth von der Université de Fribourg (Schweiz), einer der Koautoren der Studie unterstreicht die Bedeutung des Fundes: „Seine Anpassungen zeigen, dass die Evolution des Fluges relativ schnell vorangeschritten sein muss.“ Die Autoren der Erstbeschreibung meinen, dass dieser Fund die Hypothese unterstützt, der Flatterflug sei direkt entstanden und keine Weiterentwicklung des Gleitfluges. Weitere Untersuchungen seien hier aber notwendig.

    Das Fossil stammt aus dem Steinbruch am Schaudiberg in Mörnsheim. In denselben Schichten des Plattenkalkes wurde das elfte Fossil (Daiting Exemplar) des Archaeopteryx gefunden. Die beiden Urvogelarten lebten offenbar nebeneinander oder in Konkurrenz im Solnhofener Archipelago, einer subtropischen, aber trockenen Lagunenlandschaft.

    Der Gattungsname setzt sich aus der keltischen Bezeichnung Alcmona für die Altmühl und avis für Vogel zusammen. Der Artname ehrt Roland Pöschl, der die Ausgrabungen leitet.

     

    Links:

    Abstract der Erstbeschreibung bei eLife 2019;8:e43789 doi: 10.7554/eLife.43789


    Dieser Beitrag ist parallel mit einem Beitrag auf www.tobias-moeser.de entstanden und nutzt dieselben Quellen.


  • 1000 Lachse für die Sieg

    Der Lachs war über viele Jahrhunderte einer der wichtigsten Nutzfische im Stromgebiet des Rheins. Durch Gewässerverbauung und -verschmutzung ging der Fang von bis zu 250.000 Tieren in der frühen Neuzeit bis auf Null zurück. Der Lachs war im Rhein de facto ausgestorben.

    Ein großer Fisch springt über ein Wehr mit schäumendem Wasser
    Adulter Lachs beim Aufstieg über ein Wehr

    Zu Beginn der 1980er ging die Verschmutzung des Flusses langsam zurück, so dass die ersten Junglachse aus Irland eingesetzt werden konnten. Doch der wirkliche Startschuss für die konzertierte Wiedereinführung des Lachses erfolgte nach der Chemiekatastrophe bei Sandoz in Schweizerhalle 1986. Hier war nach einem Chemiebrand Löschwasser in den Fluss gelaufen, das neben einem ungiftigen roten Farbstoff mehrere Tonnen Insektizide enthielt. Dies löste ein großes Fischsterben aus, was schlussendlich auch zum Umdenken vieler Entscheidungsträger führte.

    Mit einem fast lächerlich kleinen Budget startete das Projekt Lachs 2000 mit dem Ziel, den Lachs im Rhein bis zum Jahr 2000 wieder heimisch zu machen. Die Maßnahmen waren zahlreich. Insbesondere stellten die Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit vielen anderen Behörden, Vereinen und Privatleuten die natürliche Fließstrecke wieder her und erlaubten es dem Fluss, wieder selbst sein Bett zu suchen. Altauen wurden wieder an das System angeschlossen und Landwirte bekamen Entschädigungen, wenn sie in den Auen nur noch extensiv wirtschafteten. Der Fluss bekam somit mehr Raum. Gleichzeitig verbesserte man die Wasserqualität durch Förderung von modernen Kläranlagen.

    Das Programm gilt als sehr erfolgreich, es hat viele Ziele nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Mit 63 Arten wurde beinahe die komplette, historische Fischfauna wieder hergestellt. Nur der Stör fehlt (noch?).

    Die Sieg wird Lachsfluss

    In Nordrhein-Westfalen wurde die Sieg als erster, zukünftiger Lachsfluss ausgewählt. Sie gilt als sehr naturbelassen und hat wenig Altlasten. Die ersten Lachse wurden hier in den 1980er Jahren ausgesetzt. 1993 konnten Wissenschaftler der Landesfischereianstalt an der Sieg die ersten 14 wieder gekehrten Lachse nachweisen.

    Mittlerweile werden regelmäßig laichreife Paare in der Sieg beobachtet. Sie bauen Nester und vermehren sich in der Natur. Doch auch fast 30 Jahre nach den ersten Rückkehrern ist noch nicht alles so, wie die Lachse es gerne hätten. Einzelne Wehre in Rheinland-Pfalz erschweren vielen Tieren die Wanderung. So fängt das Landesumweltamt jedes Jahr bis zu 50 laichreife Paare ab und setzt sie in einer Zuchtstation an. Aus den gewonnenen Eiern können die Fischökologen dort 200.000 Jungfische bis zur 1 g-Größe aufziehen. Hiervon können wiederum 50.000 Jungfische noch die 5 g Größe erreichen, bevor sie ausgesetzt werden.


    Die Sieg ist ein rechter Nebenfluss des Rheines, der etwa auf der Höhe von Bonn in den Strom mündet.

    Schulen helfen mit

    Am gestrigen Montag (13.05.2019) haben Schüler des Siegener Gymnasiums Morgenröthe sowie der Kreuztaler Grundschule An Dreslers Park etwa 1000 Junglachse im Oberlauf der Sieg ausgesetzt. Die Aktion hat den Kindern viel Spaß gemacht und für die Situation der Lachse in Europa sensibilisiert. Außerdem hat sie das Programm mal wieder in die Presse und damit in die Öffentlichkeit gebracht.

    Die Wanderung

    Kleine, silberne Lachse mit schwarzen Punkten im Aquarium
    Lachs-Smolts in der letzten Süßwasserphase, in einem Aquarium

    Jedes Jahr werden unabhängig davon etwa ein bis zwei Millionen junge Lachse in die Nebenflüsse des Rheins ausgesetzt. Die Jungfische werden etwa drei bis fünf, im Extremfall acht Jahre im Süßwasser der Sieg und des Rheines bleiben. Am Ende dieser Phase, mit etwa 15 cm, wandern sie ins Meer. Hierzu ist eine bemerkenswerte Änderung im Wasserhaushalt der Tiere nötig. Als Süßwasserfisch haben sie das Problem, dass durch Körperoberfläche, Kiemen und Magen-Darm-Trakt ständig viel Wasser in den Körper eindringt. Dieses wird über die Nieren ausgeschieden. Beim Wechsel ins Seewasser verliert der Körper auf dem selben Weg jedoch Wasser. Der Fisch trinkt Seewasser, die Nieren müssen das überschüssige Salz abgeben.

    Typischerweise leben die Lachse in einer Region vor Westgrönland, wo sie schnell wachsen können. Nach ein bis vier Jahren im Meer erreichen sie etwas mehr als 70 cm Länge und sind zwischen 3,5 und 5,5 kg schwer. Mithilfe der Meeresströmungen lassen sie sich zu ihren Heimatflüssen tragen. Im Mündungsbereich stellen sie ihren Stoffwechsel teilweise wieder auf Süßwasserbedingungen um und beginnen den kraftraubenden Aufstieg. Sie fressen im Süßwasser nichts mehr.

    Seit die die Schleusen in Haringvliet an der Rheinmündung im letzten Jahr ein fischfreundlicheres Öffnungsregime erhalten haben, stehen die Chancen für die Junglachse im Rhein besser als je zuvor. Wie viele der ausgesetzten Lachse zurückkehren, wird genau verfolgt. Ihre Heimatflüsse erkennen sie vermutlich überwiegend olfaktorisch, jedoch weichen etwa 5% der Tiere in andere Gewässer aus. So ist vermutlich auch zu erklären, dass nicht alle in der Sieg ausgesetzten Lachse auch in die Sieg zum Laichen zurückkehren, sondern teilweise „einen Fluss zu früh links abgebogen sind“ und auch die Wupper zum Lachsfluss gemacht haben.

     

    Links:

    WDR: Artenschutz-Aktion: Schüler lassen 1000 Lachse in der Sieg frei

    ISKR: Internationale Kommission zum Schutz des Rheines

    Stiftung Wasserlauf: Gewässerschutz und Wanderfische in NRW