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  • +++ Breaking News +++ Serval in Eitorf

    von: Tobias Möser

     

    In den letzten Tagen des vergangen Jahres waren es nur Gerüchte. Eine Wildkamera machte es jetzt eindeutig: Ein Serval oder eine Serval-Hybride mit hohem Serval-Anteil schleicht im rheinischen Eitorf (25 km östlich von Bonn, an der Sieg) durch Wald und Flur. Doch von Anfang an:

    Zunächst gab es einige Anrufe von Anwohnern bei der Polizei. Die Zeugen haben eine große Katze beobachtet, bei der es sich nicht um eine Hauskatze handelt. Allgemein wurde zunächst ein Luchs vermutet. Als das Tier dann auch mitten in der Stadt auftauchte, war klar: Luchse verhalten sich nicht so. So fiel der Verdacht zunächst auf eine Savannah, ein Hauskatze- Serval-Mischling, der in den letzten Jahren in Deutschland populär geworden ist.

    Die Wildkamera belegt: Ein Serval

    Doch Fotos einer Wildkamera, die ein lokaler Jäger installiert hat, belegen etwas anderes. Die Katze zeigt eine vollständige und eindeutige Serval-Zeichnung einschließlich der charakteristischen Streifung der Ohren in Schwarz-Weiß-Schwarz. Bei Savannah-Katzen ist dies stets Schwarz-Beige-Schwarz. Leider sind die Bilder für uns nicht verfügbar.

    Zwei Servale
    Servalkätzin mit Nachwuchs im Zoo

    Savannah
    Savannah-Katze mit der typischen Ohrzeichnung (vgl. links)

    Servale sind Kleinkatzen, die in Afrika südlich der Sahara die Grasländer bewohnen. Sie erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 100 cm und eine Schulterhöhe von bis zu 62 cm. Große Männchen können 18 kg erreichen, Weibchen bleiben mit 7 bis 12 kg kleiner. Sie sind beige gefärbt und tragen ein Muster aus schwarzen Flecken, die im Hals- und Schulterbereich zu Längsstreifen verschmelzen. In ihrer Heimat ernähren sich Servale vor allem von Kleinnagern, die sie im Gras erbeuten. Gelegentlich fangen sie auch Vögel.

    Wo kommt der Serval her?

    Servale werden mehr oder weniger regelmäßig in Zoos gehalten, so derzeit in etwa 20 deutschen Zoos, in zwei Belgischen und acht Niederländischen. Keiner der Zoos liegt in der Nähe von Eitorf.

    Möglicherweise stammt die Katze von einem privaten Serval-Züchter.

    Keine Panik!

    Die Behörden warnen nicht vor dem Tier. Kein Wunder, da Servale doch hauptsächlich Kleinnager fressen und in der Natur als sehr scheu gelten. Ob dieses spezielle Exemplar Menschenkontakt gewöhnt ist, wird sich erst zeigen, wenn es eingefangen wurde. Wenn die Katze gefangen wurde oder sich in umfriedeten Gelände befinden, in dem sie eingefangen werden kann, bitte die Polizeiwache in Eitorf unter 02243/94 34 21 anrufen.

    Im Oktober hatte eine mutmaßliche Savannah für kurzzeitige Panik bei einer Familie in Nordlondon gesorgt. Wir berichteten.


    Literatur:

    Kölner Stadtanzeiger mit dem Video der Wildkamera

    WDR: Serval weiter in Eitorf unterwegs


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    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
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  • Kryptozoologie 2019 – unser Jahresrückblick

    von: Redaktion

     

    Um Weihnachten herum ist die Zeit der Jahresrückblicke. Wir möchten uns dieser Tradition anschließen und uns noch einmal mit den Themen befassen, die dieses Jahr in der Kryptozoologie für Wirbel gesorgt haben.

    Bekannte und weniger bekannte Kryptide

    Die indische Armee twittert „Fußspuren des Yetis entdeckt“, die Netzgemeinde jubelte: „Yeti bewiesen“. Dummerweise unterlief einigen Soldaten ein Fehler, sie hätten lieber auf ihre einheimischen Scouts gehört: Die wussten, dass es sich um die Spuren eines Bären handelte.

    Ein Kadaver, der dem Montauk-Monster ähnelt, ist in Staten Island, New York aufgetaucht. Genau wie der Montauk-Kadaver handelt es sich um die Wasserleiche eines Waschbären.

    Auch der Bigfoot war mal wieder in den Medien, zunächst mit einem Video, dann mit einem Portrait, das eine Wildkamera geschossen haben soll. Auch einige alte Bigfoot-Geschichten werden wieder aufgewärmt, einschließlich 40 Jahre alter FBI-Akten: Wie immer nichts substanziell Neues.

    Unbekannter Kadaver liegt am Strand
    Nahaufnahme des Staten Island Kadavers (Foto: John Graziano)

    Portrait eines toten Berardius minimus
    Kopf von B. minimus. Aufällig ist die steile Stirn und das kurze Rostrum. Bild aus der Erstbeschreibung.

    Ein kryptozoologisch lange bekannter Schnabelwal wird wissenschaftlich beschrieben. Damit „wechselt“ er vom Objekt der Kryptozoologie zum Objekt der Zoologie. Berardius minimus* ist mit etwa 7 m Gesamtlänge vermutlich das oder eines der größten, noch unbeschriebenen Tiere der Welt gewesen. Er lebt in der Hochsee des Nordpazifiks und ernährt sich, wie fast alle Schnabelwale vor allem von Tintenfischen, die er in der Tiefsee fängt.

    Das australische Department of Primary Industries, Parks, Water and Environment veröffentlicht acht Berichte von Beutelwolf-Beobachtungen zwischen September 2016 und September 2019.

     

    Sensation an Loch Ness?

    Der neuseeländische Professor Neil Gemmell hat in Loch Ness Umwelt-DNA-Proben genommen. Im Sommer veröffentlichte er, dass er dabei „etwas ungewöhnliches“ entdeckt habe. Die Pressekonferenz am 5. September ließ die größte kryptozoologische Meldung seit vielen Jahren vermuten.

    Die mit viel Vorschusslorbeeren ausgefütterte Veranstaltung brachte aber „nur“ eine eher alltägliche Erklärung: Als „etwas ungewöhnliches“ bezeichnet er, dass in jeder seiner Umwelt-DNA-Proben die DNA von Aalen enthalten war.

    Loch Ness mit einer Nessie-Stoffpuppe
    Loch Ness mit Monster, wenn auch winzig klein und freundlich

    Tafel, die Plesiosaurier, Haie und Welse als Nessie ausschließt und einen Riesenaal vorschlägt
    Der Stein bzw. der Aal des Anstoßes. Gemmell et al. fanden riesige Mengen Aal-DNA, aber keine Menge Riesenaal-DNA. Image Credit: University of Otago

    Leider kam Gemmell auf die Idee, den Kryptozoologen einen hypothetischen Aal zu liefern, der doppelt so lang sein soll, wie die größten bisher bekannten Aale. So wurde eine Spekulation durch eine andere ersetzt.

    Von den Ausgestorbenen zurückgekehrt:

    Keine Frage, durch Umweltzerstörung, Jagd und Fischerei und den menschengemachten Klimawandel rotten wir jedes Jahr tausende von Arten aus, viele ohne sie kennenzulernen. Doch manchmal tauchen Arten, die man ausgestorben glaubt, wieder auf.

    Die Wallace-Riesenbiene, die seit 1981 als ausgestorben galt, wurde auf einer der kleinen Sundainseln wiederentdeckt und gefilmt.

    "AFP PHOTO / GLOBAL WILDLIFE CONSERVATION / CLAY BOLT"
    Dieses Foto wurde von der Global Wildlife Conservation am 21. Februar 2019 angeboten. Es zeigt den Entomologen und Bienenexperten Ely Wyman mit dem ersten entdeckten Exemplar der Wallace Riesenbiene (Megachile pluto) auf einer indonesischen Insel der Nordmolukken.
    „AFP PHOTO / GLOBAL WILDLIFE CONSERVATION / CLAY BOLT“

    Nebelparder-Portrait
    Portrait eines Festland-Nebelparders aus dem Duisburger Zoo

    Der Taiwan-Nebelparder, der zum letzten Mal 1983 beobachtet wurde, ist wieder aufgetaucht. Die Taiwan News meldete Anfang des Jahres einige Sichtungen im Zentralgebirge an der Südspitze der Insel.

    Obwohl sie nicht wieder auferstanden sind, hat Israel Mammuts zur bedrohten Art erklärt. Somit kann der Handel mit Mammutelfenbein kontrolliert und eingeschränkt werden. Häufig wird Elfenbein rezenter Elefanten als Mammutelfenbein deklariert und so gehandelt. Israel will das unterbinden.

     

    Bemerkenswerte Fossilienfunde

    Auf den Philippinen wurde eine zweite, stark verzwergte Menschenart entdeckt. Analog zum Flores-Hobbit scheint es sich bei Homo luzonensis* um eine Inselverzwergung. Diese Menschen wurden nur etwa 1,2 m groß und lebten vor nur 67.000 Jahren dort. Über den Ursprung der geschickten Jäger ist noch nichts bekannt.

    Ein riesiges Raubtier aus dem Miozän Afrikas – doch nicht so riesig, wie es die Presse gerne hätte. „Nur“ 400 bis 500 kg schwer war Simbakubwa kutokaafrika* und nicht etwa 1300 bis 1500 kg, wie es einige Medien behaupteten und die Sozialen Medien es liebend gern aufnahmen.

    Größenvergleich zwischen Simbakubwa und einem mittelgroßen Königstiger mit einer Schulterhöhe von 0,95 m. Der Mensch ist 1,8 m groß, alle Tiere sind im gleichen Maßstab gezeichnet.

    Der kaum erkennbare Kopf eines Wolfes aus dem Permafrost
    Dieser Kopf war im Frühjahr in den Schlagzeilen
    Albert Protopopov / Siberian Times

    Aus dem sibirischen Permafrost wird ein Wolfskopf geborgen- Fehlinformationen lassen auch ihn zu einem Monster werden.

    Wirklich riesig hingegen ist „Scotty“, der größte bisher gefundene Tyrannosaurus rex. Seit dem Frühjahr ist sein Skelett in einer Sonderausstellung des Royal Saskatchewan Museum in Regina, Kanada zu sehen. Er ist mit über 13 m der größte terrestrische Theropode, der je gefunden wurde.

     

    Out of place

    Auch dieses Jahr gab es wieder eine ganze Reihe von Out-of-Place-Sichtungen. Es begann bei einem Stinktier im Westfälischen Hagen, ging über mehrere Supermarktspinnen, Känguru und Luchs im Ruhrgebiet. Etwas besonderes war dann doch die Lederschildkröte, die sich in Kanada verschwommen hatte und vermutlich im letzten Herbst erfroren ist.

    Eine Schildkröte liegt in einem Loch im Eis
    Die tote Schildkröte musste vom dicken Eis befreit werden, bevor sie an Land gezogen werden konnte. (Foto: Sue MacLean)

    Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn. Image: Proyecto Monachus, google earth
    Auszug aus der Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn.

    Doch einen Großteil unserer Aufmerksamkeit hat eine Mönchsgeierdame namens Brínzola auf sich gezogen. Dieser Vogel ist spontan aus ihrer Heimat in Nordspanien aufgebrochen. Nach einer Schleife durch die Wälder der französischen Gascogne ist sie auf mehr oder weniger direktem Weg zur Vogelfluglinie nach Skandinavien aufgebrochen. Dort hat sie in einer wildreichen Gegend in Zentralnorwegen ihren Sommer und einen Teil des Herbstes verbracht. Da die Geierdame einen Sender trägt, so konnte das „Proyceto Monachus“ ihren Flug fast metergenau aufgezeichnen veröffentlichen. Wo sich die schwarze Schönheit zur Zeit aufhält, ist unbekannt.

    Nicht nur Vögel sind entflogen

    In Düsseldorf und mitten in Essen wurde ein Wolf beobachtet. Anwohner konnten in Essen filmen, wie das Tier über den breiten, begrünten Mittelstreifen einer Allee in einem der besten Viertel der Stadt lief. Ob es sich tatsächlich um einen Wolf, einen wolfsähnlichen Hund (ohne Halsband) oder einen Mischling handelt, wollten die Behörden klären. Bisher haben wir nichts hierzu gehört.

    Schwarzer Panther vor dem Fenster einer Dachwohnung
    Ein Fenster einer typisch französischen Dachwohnung – nur der schwarze Panther passt nicht dazu.

    Bär in der Fotofalle
    Bär in der Fotofalle. Foto: Bayerische Staatsforsten

    Eine Räuberpistole ganz anderer Art barg die unschuldige Meldung, dass im nordfranzösischen Armentiéres ein schwarzer Leopard, auf der Regenrinne eines Häuserblockes spazieren geht. Diese völlig unglaubwürdige Meldung wird binnen Sekunden zum Faktum, denn mehrere Fotografen und ein Filmteam haben die Raubkatze im Bild festgehalten. Nachdem das Tier eingefangen werden konnte, kam es in den Zoo im nahegelegenen Maubeuge, wo man sich praktischerweise mit der Haltung von Leoparden auskennt. Dennoch wird das Tier nur ein paar Tage später dort gestohlen und bleibt verschwunden.

    Zwölf Jahre nach Bär Bruno „JJ1“ hat sich wieder ein Bär nach Bayern verirrt. Außer einem Kothaufen und einem Foto auf einer Wildkamera hinterlässt er nichts: keine Spuren, keine Schäden, ein paar Fotos und einige Fans. So mag man bei Füssen seine Touristen.

     

    Der Sasquatch und das Infrarotlicht

    Angebliches Bigfoot-Foto
    Das angebliche Sasquatch-Foto. Urheber unbekannt

    Sasquatches oder Bigfoots sind als Wesen bekannt, die sehr auf ihr Privatleben achten. Sie schätzen es nicht, einfach so beobachtet zu werden und lassen sich deswegen auch nicht mit Wildkameras fotografieren. Ein angeblich aus dem US-Bundesstaat Georgia stammendes Bild einer solchen Wildkamera zeigt angeblich einen Teil des Gesichtes eines Bigfoots.

    Die tiefergehende Recherche des NfK zeigte bereits ganz am Anfang Unstimmigkeiten, denn auch der Ort Manyberries im Süden Kanadas wird als Ursprungsort genannt. Natürlich wollten wir die Echtheit oder Unechtheit des Bildes zu belegen. Dazu mussten wir zunächst herausfinden, wie menschliche und tierische Augen auf Blitze reagieren, die deutlich außerhalb des sichtbaren Strahlungsspektrums liegen: Siehe da: Das Auge eines Menschen und noch stärker das eines waldbewohnenden Tieres hätte in der dargestellten Situation den Blitz reflektiert, wie auf einem „rote Augen“-Foto der 2000er Jahre.

    Wir wissen nicht, was die Kamera fotografiert hat, aber ein Lebewesen war es nicht.

    Der Discovery-Channel-Ableger „Travel Channel” hat passend zu Weihnachten ein Team für eine sechsteilige Miniserie zusammengestellt und sie in Zentral-Oregon auf die Suche nach Bigfoot geschickt. Sie kamen auch mit einem Infrarotbild zurück. Diesmal handelt es sich um eine passive Infrarotaufnahme oder Wärmebild. Die Experten des Senders werten es als Beweis für den Bigfoot, wir bleiben skeptisch.

    Ausgebüxte Tiere

    Wie immer gibt es eine ganze Reihe von ausgebüxten Haus- und Zootieren, die in den Meldungen erscheinen.
    Für einen Luchs, der im vergangenen Dezember aus einem Wildpark in Haltern am See entkam, nahm die Sache ein außerordentlich gutes Ende. Er streunte mehrere Monate durchs zentrale Ruhrgebiet, bis er im Mai in eine Falle ging – in bestem Gesundheitszustand. Eine Rückführung des Luchses in seine Gruppe war nicht möglich, auch andere Wildparks und Zoos hatten kein Interesse an dem Tier. Im Oktober wurde er nach Polen gebracht, wo er im folgenden Jahr ausgewildert werden soll.

    Weniger erfolgreich verlief der Freigang eines Stinktieres, das in schlechtem Ernährungszustand in Hagen eingefangen wurde. Ein weißes Känguru entkam dieses Jahr seinem Halter im Essener Süden mindestens zweimal.

    Passend zum Sommerloch hielt eine Monokelkobra den Ruhrgebietsort Herne in Atem. Ein Wohnhauskomplex wurde evakuiert und musste mehrere Tage gesperrt bleiben, bis die Schlange im Kellerabgang des Hauses aufgeschreckt und eingefangen wurde.

     

    Kongress zum Thema „Mokele-Mbembe: Sind die Dinosaurier wirklich ausgestorben?“

    Am 12. Oktober trafen sich zahlreiche Kryptozoologen und interessierte Laien zum Fachkongress um das Kryptid Mokele Mbembe. Die Gastgeber von den Sauerland-Pyramiden in Lennestadt hatten auch diese Veranstaltung wieder mit professioneller Routine hervorragend organisiert.

    Die Referenten: (von links): Hans-Jörg Vogel, Tobias Möser, Michel Ballot, Wolfgang Schmidt, Thomas Piotrowski und Francois de Sarre

    Vortrag und Übersetzung
    Michel Ballot (re) kommentiert seine Bilder, Francois de Sarre (li) übersetzt

    In vier Vorträgen berichteten die Referenten von unterschiedlichen Methoden, sich dem Phänomen „Mokele Mbembe“ zu nähern. Jeder der Vorträge lieferte völlig neue Sicht- und Herangehensweisen: Hans-Jörg Vogel forschte in den Archiven Berlins nach den Aufzeichnungen zweier der bekannten deutschen Afrikaforschern. Michel Ballot hingegen nahm den direkten Weg und besucht seit vielen Jahren regelmäßig die Grenzregion zwischen Kamerun und Kongo. Thomas Piotrowsky kann dies nicht so einfach und fing an, Satellitenbilder zu analysieren, bis er etwas bemerkenswertes fand. Wolfgang Schmidt säte die für Wissenschaftler so wichtigen Zweifel einmal neu.

     

    Fazit, Dank und Ausblick:

    2019 war ein sehr interessantes Jahr in der Kryptozoologie. Nicht nur die großen Themen wie Sasquatch, Loch Ness und sogar der Beutelwolf standen im Focus. Auch viele weniger bedeutenden Kryptiden schenkten wir Aufmerksamkeit. In einigen Fällen wurden sie erst ins mediale Gedächtnis geschoben, wie der Basajaun, der bei uns in der letzten Woche zum ersten Mal auftauchte. Zahlreiche interessante, aber nicht-kryptozoologische Tiere rundeten die Meldungen ab. Wir freuen uns, euch, liebe Leserinnen und Leser, durch das Jahr begleitet zu haben und in regelmäßigen Abständen etwas Neues geboten zu haben.

    Genauso geht der Dank an unsere Autoren Ulrich Magin, Markus Bühler, Peter Ehret, André Kramer, Hans-Jörg Vogel, Reena Pöschel, Dominic Schindler und an meine Redaktionskollegin Suzan Reinert. Ebenso danke ich denjenigen, die mich direkt oder über die Mailingliste auf neue Themen hingewiesen haben.

    Ausblick

    2019 war als Jahr der Erprobung geplant, nach einigen Versuchen haben wir ab August ein recht stabiles Modell gefunden, das Ihr – den Besucherzahlen zufolge – gerne angenommen habt. Für 2020 planen wir, die zeitintensiven technischen Probleme im Hintergrund anzugehen. Die Zeit können wir dann für Neuerungen nutzen.

    Eine Bitte haben wir an euch, liebe Leserinnen und Leser: Die Website machen wir für euch. Gebt uns Rückmeldung, wenn euch etwas nicht gefällt oder auch, wenn‘s euch gefällt. Sagt weiter, wenn etwas gut ist, postet es in den sozialen Medien. Wenn Ihr Interesse an einem Thema habt, fragt nach, ob wir es behandeln können. Oder forscht selber nach und schreibt uns den Artikel: Autoren können wir immer brauchen!


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
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  • Ausstellung „Giganten der Meere“ ab heute in Rosenheim

    Ab heute (26.09.2019) zeigt der Rosenheimer Lokschuppen 22 lebensechte Meeressaurier als Modelle.

    Neben 200 Fossilien, Skeletten und einem „3D-Aquarium“ sind die in Originalgröße gehaltenen Modelle der Höhepunkt der Ausstellung. Die Ausstellungsmacher haben die Modelle nach dem neuesten Forschungsstand entwickelt. „Am wichtigsten ist die Diskussion am Anfang, wie das Modell aussehen muss. Die Haltung, die Haut, die Augen, die Größenverhältnisse – alles muss stimmen“, sagt der Kurator der Ausstellung Dr. Bernd Herkner.

    Modelle aus Italien – und aus Kunstharz

    Die Firma Prehistoric Minds aus Norditalien produziert schließlich die Modelle zusammen mit Wissenschaftlern, Kunsthandwerkern und Künstlern. Paläontologe Dr. Simone Maganuco und Zeichner Davide Bonnadonna gelten als kongeniales Team beim Sauriermodellbau, sie kombinieren neueste wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Überlegungen, wie weit sich ein Tier innerhalb seiner Möglichkeiten bewegen wird.

    Zweibeinig laufender Saurier
    Dieses Baryonyx-Modell steht in einer anderen Wanderausstellung

    Aus Bonnadonnas Zeichnungen wird schließlich ein digitales 3D-Modell. Computergesteuerte Spezialwerkzeuge fräsen dann dieses Modell aus einem soliden Styroporblock. Anschließend wird es mit Kunstharz und Polyester überzogen. Die Hautschuppen fertigt er klassisch aus Ton. „Stets achten wir aber darauf, dass wir streng nach den wissenschaftlichen Vorlagen arbeiten“, erläutert Simone Maganuco diese Detailarbeit.
    Über den feuchten Ton ziehen die Mitarbeiter von Prehistoric Minds eine Hülle aus Kunstharz. Die Tonhaut drückte sich auf der Innenseite der Hülle mit allen Details ein. Die Hülle wurde danach abmontiert – so entstand eine Gussform für die einzelnen Abschnitte eines Saurierkörpers. Mit diesen Gussformen wurden dann die endgültigen Modelle gegossen. Die Produktion eines der großen Modelle dauert so bis zu 600 Stunden.

    Bis zu 12 m lang

    Mit einem Sattelschlepper kommen dann die Einzelteile der Meeressaurier nach Rosenheim. Vor Ort werden sie zu einem ganzen Tier zusammengesetzt – keine leichte Sache, bei einem Gewicht von bis zu 250 Kilogramm und einer Länge von bis zu 12 Metern.
    Die Modelle müssen aber auch noch in Szene gesetzt werden. Den Entwurf und die Planung der Ausstellungsarchitektur übernahm das Münchner „Atelier Hammerl und Dannenberg“. „Die großen Modelle im Lokschuppen zu platzieren und um diese Inszenierungen die originalen Exponate in den Vitrinen zu arrangieren – das war eine spannende Aufgabe für uns“, erklärt die Gestalterin Tanja Hammerl.

    Das Who-is-Who der mesozoischen Ozeane

    schlankes, schwimmendes Reptil mit Beinen und abenteuerlichen Zähnen
    Mosasaurus aus der Ausstellung im Löwentormuseum, Stuttgart

    Unter den dargestellten Tieren findet sich ein gewaltiger Tylosaurus, der zu den größten Mosasauriern gehört. Neben dem fast obligatorischen Liopleurodon und einem Spinosaurus sind aber auch verschiedene Ichthyosaurier, ein Pliosaurier und ein Plesiosaurier zu sehen. Bemerkenswert ist, dass die Ausstellungsmacher einen Nothosaurus zeigen, ein eher unspektakuläres Tier, mittelgroß, aber seine Überreste findet man an vielen Stellen in Deutschland.
    Prominent ist auch der Archelon, die größte bisher bekannte Schildkröte aller Zeiten.

    Auch Originale sind zu sehen

    Neben den Modellen sind auch Originalfossilien zu sehen. Mehr als 200 Ausstellungsstücke konnten die Aussteller nach Rosenheim holen und in Spezialvitrinen ausstellen. Sie stammen aus der Senckenberg-Sammlung und anderen renommierten Museen Europas. Teilweise werden sie das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert.

    Viel Mühe hat man sich auch mit dem 3D-Aquarium gegeben. Hier werden Szenen aus den mesozoischen Meeren dargestellt, nicht als Film, sondern in zufälliger Sequenz, so dass immer wieder mit Überraschungen gerechnet werden kann.

    Wohin die Ausstellung nach der Premiere in Rosenheim wandert, war zum Redaktionszeitpunkt noch nicht klar.
    Wir nutzen Bilder aus anderen Ausstellungen, da die Betreiber des Lokschuppens uns mit Strafe bedrohen, wenn wir ihre Pressefotos mit Ende der Ausstellung nicht von der Website entfernen. Das Risiko möchten wir nicht eingehen.

    Allgemeine Infos

    Die Ausstellung ist von heute an bis zum bis zum 13. Dezember 2020 im Lokschuppen Rosenheim täglich, auch Montags zu sehen. Nur am 24. und 31.12.19 ist der Lokschuppen geschlossen.

    Der Eintritt kostet für Erwachsene € 15,-, Kinder zahlen € 5,-. Es gibt zahlreiche Rabatte für Familien, Gruppen und an bestimmten Tagen. Tickets gibt es unter lokschuppen.de, bei den bekannten Vorverkaufsstellen und natürlich vor Ort.

    Der Lokschuppen ist für Rollstuhlfahrer geeignet, die zweite Ebene kann über einen Lift erreicht werden, der Boden ist gut befahrbar. Für Blinde und Sehbehinderte gibt es kontrastreiche Gestaltung und Audioguides, Blindenhunde sind in der Ausstellung zugelassen. Hörbehinderte profitieren von ausführlichen Ausstellungstexten, Audioguides mit Induktionsschleife für Hörgeräte sind an der Kasse erhältlich.


    Kommentar

    von Tobias Möser

    Soweit die allgemeinen Infos zur Ausstellung.Ausstellungen mit Sauriermodellen gibt es mittlerweile zahlreiche. Meist werden bekannte und spektakuläre Dinosaurier präsentiert, die mehr oder weniger gut ihren Vorbildern entsprechen. Teilweise sind sie animiert, oft brüllen sie, ich habe sie auch schon mit Nebelmaschinen gesehen. Viele der Modelle entsprechen den Tieren, die in der BBC-Serie „Walking with Dinosaurs“ und ihren Derivaten dargestellt werden. Ob es damit zu tun hat, dass diese Tiere dem breiten Publikum bekannt sind, oder dass hier 3D-Modelle vorliegen, weiß ich nicht.

    Ich habe die Ausstellung noch nicht gesehen (wie denn auch?). Auch hier rennen wieder vor allem die Tiere die aus den BBC-Serien herum.

    Das, was man von der Animation „3D-Aquarium“ sieht, erscheint nicht befriedigend. Die Tiere bewegen sich mit den selben „Fehlern“, wie man sie aus der Nigel Marven-Serie „Monster der Tiefe“ kennt. Gerade bei den Feinheiten ist die Animationstechnik nicht weiter gekommen.

    Die Ausschnitte, die ich gesehen habe, beziehen sich auch hauptsächlich auf möglichst spektakuläres Jagen und Fressen. Ob das nur für den Presse-Release so ist, oder ob sich die ganze Animation so darstellt, ist von hier aus nicht zu ermitteln. Einen Vorteil haben die Meeressaurier gegenüber den Land-Dinos: Unter Wasser ist das nervige Brüllen vieler Animationen nicht möglich.


  • Freitagnacht-Kryptos: Geweihfehlbildung bei Rehen

    In den Archiven kramte: Markus Bühler

     

    Heute soll es mal wieder um Miss-und Fehlbildungen gehen, genauer um die Fehl-und Missmildunge bei Rehgeweihen. Dass ich ausgerechnet Rehe hier anführe hat einen einfachen Grund. Denn da diese die häufigsten Hirsche in Mitteleuropa sind, und auch noch dort vorkommen wo es schon lange keine Rothirsche mehr gibt und auch keine ohnehin nicht heimischen Damhirsche oder andere Arten eingeführt sind, finden sich auch entsprechend viele ungewöhnliche Geweihe. Natürlich kommen auch bei den anderen Hirsche gelegentlich sehr seltsame Geweihe vor, aber davon habe ich leider bei weitem nicht so viel Bildmaterial wie für Rehe. Die hier gezeigten Geweihe stammen allesamt, mal wieder, aus dem Jagd-und Forstmuseum im dänischen Hørsholm. Die Anzahl von dort ausgestellten Abnormitäten ist wirklich enorm, und ich muss mich hier leider auf einige besonders interessante Fälle beschränken.

    Wand mit zahlreichen Kopf- und Geweihpräparaten
    Die hier gezeigten Geweihe stammen allesamt aus dem Jagd-und Forstmuseum im dänischen Hørsholm.

    Vielfältige Gründe für Missbildungen

    Wenn man sich all jene Abnormitäten ansieht, fragt man sich natürlich, wie es überhaupt zu so etwas kommen kann. Tatsächlich sind die Ursachen dafür äußerst vielfältig. Zum Einen kann eine Verletzung der Geweihknospen, zumal in der Jugend, zu verschiedensten Fehlformen des Geweihs führen, die dann auch zweitlebens beibehalten werden. Andererseits kann auch lediglich das im Wachstum begriffene, und noch weiche Geweih durch Verletzungen (und wahrscheinlich auch Krankheiten) deformiert oder verletzt werden, wobei in einem solchen Fall aber die Fehlbildung auch einmalig sein kann, also bei später geschobenen Geweihen nicht mehr auftritt.

    Es gibt natürlich auch genetisch bedingte Abnormitäten, tatsächlich ist es sogar so, dass die allermeisten Hirsche (ich weiß nicht wie es bei Rehen ist, da ihr Geweih weit weniger komplex ist) gewisse Abnormitäten zeigen, freilich in verschiedenem Grade. Wenn man sich einmal die Geweihe großer Mengen von Hirschen, oder eben wie hier auch Rehen ansieht, merkt man schnell dass ein enormes Potential bezüglich der individuellen Variabilität besteht. Es gibt sehr kurze und sehr lange, sehr dicke und sehr dünne, mehr oder weniger stark gebogene Geweihe. Natürlich ist das immer auch teilweise vom Alter abhängig, sowie dem Ernährungszustand, aber nichtsdestotrotz sind die individuellen Grundformen im Allgemeinen genetisch festgelegt.

    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Hier wirkt es so, als gäbe es eine dritte Stange

    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Ungleichmäßige Geweibildung

    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Beide Stangen machen denselben Bogen

    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Ebenfalls gebogene Stangen, diesmal von oben
    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Ricke mit kleinen Geweihstangen

    Ricken mit Geweih

    Ein besonderes Kuriosum sind Rehkühe welche leichte Geweihe entwickeln. Unter den Hirschen bilden normalerweise lediglich bei den Rentieren auch die Weibchen ein Geweih aus, bei anderen Arten ist so etwas abnorm. Auch erreichen die Geweihe weiblicher Hirsche nicht die Größe jener der Männchen, wie man auch bei der unten gezeigten Rehkuh mit Geweih sieht.. Die Ursachen liegen dabei vermutlich bei Hormonstörungen.

    Wie Einhörner oder Antilopen

    Gelegentlich können Verletzungen auch zum völligen Verlust eines einzelnen Geweihsprosses führen, so dass nur noch ein einzelner Ast ausgebildet wird. Man achte auch auf die ungewöhnlich langen und schlanken Geweihe welche man hier neben dem „Einhorn“ sieht. Besonders das Geweih ganz rechts sieht beinahe schon etwas aus wie die Hörner einer Antilope, da keinerlei Gabelung vorhanden ist.

    Geweihpräparate mit Fehlbildungen
    Vier Geweihpräparate mit antilopenartig wirkenden Fehlbildungen
    Geweihpräparat mit Fehlbildung
    Fast wie ein Einhorn

     

    Perückenböcke

    Eine der spektakulärsten Fehlbildungen von Hirschgeweihen, sind die sogenannten Perücken. Sie zeigen auf besonders eindrucksvolle Weise wie stark die Geweihbildung von Hormonen bestimmt wird, insbesondere von Testosteron. Wird beispielsweise ein junger Rehbock, bzw irgend ein anderer männlicher Hirsch, im frühen Alter kastriert, bildet er gar kein Geweih aus. Die einzige Ausnahme mache hier die Rentiere, da bei ihnen die Geweihbildung nicht geschlechtsabhängig ist, und ja auch die Weibchen ein Geweih bekommen.

    Werden bei einem bereits geschlechtsreifen Hirsch die Hoden während der Geweihbildung geschädigt oder entfernt (sowas passiert manchmal bei schlechten Schüssen, wie es auch eine ganz Reihe anderer äußerst unappetitlicher Verletzungen gibt, welche durch schlechte Treffer bei der Jagd passieren können, und den Tieren oftmals grauenhafte aber vielfach nicht gleich tödliche Verletzungn zufügen), kommt es zu einem Perückengeweih, der Bast wuchert einfach immer weiter. Kommt es aber zu einem Verlust der Testosteron-bildenen Zellen wenn der Bast bereits abgestreift ist, so wird das Geweih sofort abgeworfen, und ein neues Geweih fängt an zu wachsen, welches aber nicht mehr besonders groß wird, ständig mit Bast bedeckt ist, und auch nicht mehr abgestoßen wird.

    Perückenbock-Kopfpräparat
    Der Name Perückenbock wirkt passend

    stark ausgebildete Perücke
    Perücke in ihrer extremen Ausbildung

    Der Bock sieht fast nichts mehr
    Dieser Perückenbock sieht (fast?) nichts mehr

    Schädelplatte mit misgebildetem Geweih
    Vermutlich ein Perückengeweih, bei welchem der Bast entfernt wurde.

    Es gibt noch andere Störungen und Merkwürdigkeiten, welche zu gestörtem Wachstum des Geweihs führen können. So kann man durch Einspritzen von weiblichen Geschlechtshormonen bei einem in der Geweihbildung befindlichen Hirsch bereits vorhandenes knorpeliges Kolbengeweih vorzeitig zum Verkalken bringen.

     


    Literatur:

    Markus Bühlers Bestiarium: Bizarre Hirsche Teil 6


    Dieser Beitrag ist in der Reihe „Freitagnacht-Kryptos“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

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    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Presseschau Kalenderwoche 35/2019

    Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hat die Schule wieder begonnen. Grund genug für die Redaktion, ihre „Ferien“ zu beenden und jede Woche neben der Presseschau und den Freitagnacht-Kryptos wieder zwei Fachartikel zu bringen. Ab diese Woche wird jeweils Dienstags und Donnerstags ein solcher Fachartikel erscheinen, der nicht unbedingt mit aktuellen Themen zu tun hat.

    Diesen Donnerstag erwarten wir die letzte Woche angekündigte Pressekonferenz von Prof. Neil Gemmell, der mit seinem möglichen genetischen Beweis Nessie nachgewiesen haben will. Sobald wir die Ergebnisse erfahren haben, informieren wir euch. Der Donnerstags-Artikel wird also diese Woche nicht früh um 7 Uhr erscheinen, sondern erst am frühen Nachmittag.

    In der vergangenen Woche war ja richtig was los. Auch wenn vieles „Neue“ alt war, im Falle vom Doppelgänger Scrats, des Säbelzahn-Eichhörnchens sogar 230 Millionen Jahre alt. Eine Schlange hielt Herne (und New York) in Atem und passend zum Redaktionsschluß kam die Erstbeschreibung einer rezenten Wal-Art auf den Tisch der Redaktion. Also gabs Freitagabend Überstunden, damit ihr heute und vor allem morgen über Berardius minimus lesen könnt. Da fallen Einzelmeldungen fast unter den Tisch – aber nur fast. Ach ja: was es mit Schnabeltier im Schnee auf sich hat… lest selbst!.

    Viel Spaß beim Lesen.


    Viele Fehlinformationen über die Feuer in Amazonien und den afrikanischen Regenwäldern

    „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“, dieser Satz wird dem amerikanischen Senator Hiram Johnson (1866-1945) zugeschrieben. Und Krieg tobt, schon längst nicht mehr „nur“ in Afghanistan, Syrien, Kaschmir oder Myanmar, sondern vor allem um unsere Köpfe. Ein Krieg der Informationen, der Fehlinformationen, der Deutungshoheiten. Ein Krieg, der über den Stammtischen, in den sozialen Medien und überall dort geführt wird, wo Meinungen entstehen.

    Neulich ging eine Karte vom Amazonasraum durch die sozialen Medien, auf der die Feuer angezeigt wurden. Kurze Zeit später folgte eine Karte, in der alle thermischen Anomalien angezeigt wurden, mit der Interpretation, das seien auch alles Feuer. Dann gab es wieder die Meldung, es würde nicht mehr brennen, als im Durchschnitt der letzten Jahre. Was soll man glauben? Wie viele der „Anomalien“ oder „Feuer“ oder was auch immer sind überhaupt in Regenwaldgebieten? In Savannengebieten sind Feuer durchaus etwas positives, das Ökosystem ist auf sie eingestellt. Wird da ein Strohfeuer im vertrockneten Grasland in der Massai Mara zu einem Regenwaldbrand, nur weils auch in Afrika liegt?

    Vor einigen Tagen kam die Meldung rum, dass alleine das Amazonasgebiet für 20% des Luftsauerstoffes verantwortlich sei und man sich Sorgen um die Atemluft machen solle. Dies wurde schnell „korrigiert“, es seien „nur“ 6% des globalen Sauerstoffes. Ich (TM) habe mal gelernt, ein intakter, stabiler Regenwald würde netto den produzierten Sauerstoff selbst verbrauchen, habe also keinen Einfluss auf den Sauerstoffgehalt der globalen Luft. Was soll man glauben?

    Meinung oder Systembetrachtung?

    Sketch eines Jungen, der nachdenktIch (TM) glaube, dass die Brände nicht nur auf die Sauerstoffproduktion reduziert werden dürfen. Die Auswirkungen auf das System sind wesentlich komplexer, als man das in den sozialen Medien oder einem Stammtisch klar machen kann. Leider verliert man dann Otto Normalverbraucher. Der hat schon Schwierigkeiten hat, zwischen Umwelt- und Klimaschutz zu unterscheiden und verzichtet dankenswerterweise auf seine Strohhalme – fürs Klima.

    Ich denke, der Lebensraumverlust ist in erster Linie das Problem. Hier stirbt gerade eine ungeheure Zahl von Arten aus, viele, von denen wir gar nichts wissen. Kleinräumige Brandflächen besiedelt ein Regenwald wieder, größere auch, man muss ihn nur lassen – und es dauert nach menschlichen Maßstäben ewig, mehrere hundert Jahre. Die Flächen sind also nicht verloren, erst wenn sie eine permanente Landwirtschaft übernimmt.

    Global kommen noch andere Aspekte hinzu. Feuer verursachen Thermik. Niemand weiß, wie sich die großflächig verstärkte Thermik auf die tropischen Windsysteme auswirkt. Welche Auswirkungen hat die Flugasche?

    Die fehlenden Wälder können den Boden in Amazonien nicht halten. Wie wirkt sich das auf die Flußläufe aus? Wie wirken sich Schwebstoffe auf die Flüsse selber aus? Was passiert, wenn sich die Trübungszonen an den Mündungen von Amazonas und Kongo vergrößern? Was passiert, wenn das in der Vegetation gebundene Süßwasser dort keinen Raum mehr findet? Gibt es „nur“ großflächige Überschwemmungen? Fließt es ins Meer ab?

    Die allerwichtigste Frage bleibt dann bisher ungestellt: Wie viele Feuer gibt es dieses Jahr? Wie groß ist die verbrannte Waldfläche? Wie groß ist die verbrannte Waldfläche im Vergleich zu anderen (feuchten oder trockenen) Jahren? Ist 2019 ein trockenes Jahr?

    Aufruf

    Glaubt nicht, was ihr am Stammtisch hört! Glaubt nicht, was ihr in den sozialen Medien lest! Besorgt euch unabhängige Informationen! Hinterfragt, was ihr lest! Schaut euch das Netzwerk und die Zusammenhänge an, in denen die Information stehen! Bewertet sie selbst! Lasst niemanden für euch denken!


    Neue Bäume braucht das Land!

    Hier über die ökologischen Qualitäten von Bäumen zu reden, hieße Eulen nach Athen tragen (siehe oben). Daher halte ich mich gar nicht damit auf. In gut einem Monat haben wir Deutschen unseren Nationalfeiertag. Ein Feiertag, den Politiker vor etwa 30 Jahren willkürlich gewählt haben. Er ist noch ohne gewachsene Tradition, wie das in vielen anderen Ländern der Fall ist.

    Einige Leute haben nun dazu aufgerufen, an diesem Tag einen Baum zu pflanzen. Es dürfen auch mehrere sein. Wir, die Redaktion, möchte uns dieser Idee anschließen, aus mehreren Gründen:

    • Für den Umweltschutz: jeder Baum ist ein Gewinn, vor allem, wenn es Bäume sind, die alt werden können und dürfen.
    • Man kann diese Aktion gemeinsam zelebrieren, sie findet nahezu zwingend draußen statt und beinhaltet wenigstens etwas körperliche Aktivität
    • Es ist eine schöne Idee, den Baum in den folgenden Jahren zu besuchen und zu überlegen, was in der Zeit alles (Gutes und Schlechtes) passiert ist
    • Es gibt kaum ein besseres Symbol für den Aufbau, als einen Baum zu pflanzen. Und aufzubauen haben wir genug.
    • Der „deutsche Wald“ und die „deutsche Eiche“ sind Nationalsymbole erster Güte, mit dem Vorteil, dass die Sauerstoffproduktion und CO2-Bindung allen Menschen zu Gute kommen.

    Wer keinen Garten oder sonst ein Grundstück hat, um einen Baum zu pflanzen, kann sich an Aktionen beteiligen, bei denen anderswo Bäume gepflanzt werden:

    https://www.betterplace.org/de/projects/71369-einheitsbuddeln-die-grosse-baumpflanzaktion-zum-tag-der-deutschen-einheit

    https://einheitsbuddeln.de/home


    Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat hat einen Doppelgänger

    ein Pseudotherium auf einem Baumstumpf, im Hintergrund ein großes Reptil
    Künstlerische Darstellung von Pseudotherium. Image credit: Agencia CTyS-UNLaM.

     

    Das Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat aus den Eröffnungs-Sequenzen der IceAge-Filme wurde unvermutet zum Publikumsliebling. Die wenigsten wissen, dass die chronisch erfolglos agierende Figur bereits eine reale Entsprechung hat: Cronopio dentiacutus, ein Vertreter der Dryolestoiden, einer bereits ausgestorbenen Tiergruppe, von der die heutigen Beutelsäuger und die Höheren Säugetiere abstammen. Es war etwa mausgroß und lebte vor etwa 100 Millionen Jahren in Südamerika.

    Doch nun wurde ein weiterer, noch wesentlich älterer Doppelgänger entdeckt. Pseudotherium argentinus stammt, wie der Name sagt, ebenfalls aus Argentinien. Es gehörte zu den Cynodontiern, einer Gruppe säugetierähnlicher Reptilien, aus denen als einzige überlebende Gruppe die Säugetiere hervorgegangen sind. Pseudotherium ist 230 Millionen Jahre alt, lebte also in der frühen Obertrias. Es maß etwa 25 cm und teilte seinen Lebensraum möglicherweise mit Dinosauriern wie Coelophysis und Plateosaurus.

    Der Schädel des Tiers wurde bereits 2006 entdeckt und bis jetzt an der Universität von Texas analysiert. Die Ergebnisse hat die Arbeitsgruppe im Fachmagazin „Plos One“ veröffentlicht.


    Frühester bekannter Stegosaurier gefunden

    Grünlicher Dinosaurier, der auf vier Beinen läuft, zahlreiche Knochenplatten auf dem Rücken und vier Dornen auf der Schwanzspitze hat
    Adratiklit boulahfa ist nahe mit den europäischen Stegosauriden verwandt, wie dem hier gezeigten Miragaia. (Bild: Nobu Tamura, spinops.blogspot.com, CC by 3.0)

    Stegosaurier gehören zu den populärsten Dinosauriern. Der hohe, gekrümmte Rücken mit den viereckigen Knochenplatten und zwei mächtige Dornenpaare auf dem hoch erhobenen Schwanz lassen sie zu einer Ikone der Dinoliebhaber werden. Obwohl Stegosaurier weit verbreitet und auffällige Tiere waren, sind sie nur schlecht fossil belegt.

    Mit Adratiklit boulahfa haben Paläontologen nun die älteste bisher bekannte Art ausgegraben, die eindeutig der Familie Stegosaurier zugeordnet wird. Sie ist 168 Millionen Jahre alt und stammt aus dem mittleren Jura im Atlasgebirge in Marokko. Von Adratiklit wurden ein paar Wirbelknochen und ein Oberarm gefunden.

    Bei Andratiklit handelt es sich um den ersten Stegosaurier, der in Nordafrika gefunden wurde. Da es die früheste bekannte Art und Gattung ist, ermöglicht sie besondere Einblicke in die Evolution dieser immernoch sehr rätselhaften Tiere.

    Die Originalarbeit ist hier zu finden: https://doi.org/10.1016/j.gr.2019.07.007


    Ein schwarzer Mantarochen schwimmt mit offenem Maul über ein Riff
    Manta-Rochen bei Hawaii

    Manta-Rochen pflegen Freundschaften

    Obwohl viele Haie als Einzelgänger gelten, sind ihre Manta-Verwandten überraschend sozial: Sie kopieren die Bewegungen anderer Mantas in ihrer Umgebung. Sie spielen zusammen und nähern sich sogar neugierig den Menschen in der Nähe. Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass sie mit ihren Kollegen auch „Freundschaften“ schließen – lose Assoziationen, die Wochen oder Monate dauern können.

    Über die Arbeit hat das Fachmagazin Science unter dem Titel „These manta rays form ‘friendships’ that last longer than a summer fling“ berichtet.


    Schlangen über Schlangen

    Passend zum Ende der Schulferien in NRW kommen nun doch noch die „Saure-Gurken-Zeit“-Themen. In Herne im nördlichen Ruhrgebiet sorgt eine Monokel-Kobra Naja kaouthia* für Aufregung. Doch der Reihe nach:

    Eine Kobra erhebt sich aus dem Korb eines Schlangenbeschwöreres und spreizt den Nacken
    Die Monokelkobra ist gut im Terrarium haltbar, aber sehr giftig.

    Sonntag, den 25. August 2019

    Eine Bewohnerin eines Mehrfamilienhauses in Herne-Holthausen beobachtet im Hausflur eine etwa 1,40 m lange Schlange. Sie sei zwischen zwei Wohnungstüren unterwegs gewesen und habe die ganze Zeit gezischt. Sie wählt den Notruf. Ihr Freund habe später ein Foto gemacht, so kann die Schlange ggf. identifiziert werden. Das Foto zeigt eine helle Schlange ohne jede Zeichnung. Der Kopf ist nicht sichtbar.
    Als die Einsatzkräfte vor Ort sind, ist die Schlange verschwunden. Die Feuerwehr lässt sich von -in der Presse nicht näher definierten- Reptilienexperten beraten. In der Folge wird doppelseitiges Klebeband als Falle ausgebracht und Mehl ausgestreut, in der Hoffnung, die Schlange hinterlässt dort Spuren, die auf ihren Aufenthaltsort hindeuten.

    Vermutlich ist die Kobra aus dem Terrarium eines anderen Hausbewohners entkommen. Dieser Mann soll dort mehrere Schlangen halten, er hat sie auch der Stadt ordnungsgemäß gemeldet. Diese hatte in der Vergangenheit die Haltung überprüft und nichts Negatives festgestellt.

    Da das Haus mit drei anderen Häusern verbunden ist, müssen sie alle geräumt werden. Die meisten Bewohner kommen bei Verwandten und Freunden unter, nur wenige müssen in eine Notunterkunft ausweichen.

    Montag, den 26. August

    Am Vormittag finden Behördenmitarbeiter im  Keller des Hauses die Häutungsreste einer Schlange. In einem der Terrarien lebt eine frisch gehäutete Schlange. Die Beamten vermuten, dass die Schlange aus dem Terrarium ausgebrochen ist, sich im Keller gehäutet hat und dann von selbst in den Behälter zurückkehrte. Bestätigt, z.B. durch eine genetische Untersuchung, ist das noch nicht.

    Der Schlangenhalter bestreitet, dass die im Flur beobachtete Schlange von ihm stammt. Alle in der Wohnung befindlichen Schlangen werden dennoch sichergestellt.

    Dienstag, 27. August 2019

    Die Behörden gehen immernoch davon aus, dass die Kobra in einem der Häuser unterwegs ist. Vermutlich ist das Tier nicht unter den sichergestellten Reptilien. Bisher konnten die Experten die Schlangenhaut konnte keinem der Tiere definitiv zuordnen. Die Behörden gehen weiter davon aus, dass sich die Schlange noch in dem Komplex versteckt hält. Hausbewohner dürfen nur gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes kurz in ihre Wohnungen, um sich Gegenstände zu holen. Bisher gibt es keine Spuren im Mehl oder auf den Klebestreifen.

    Mittwoch, 28. August 2019

    Seit dem Vormittag suchen Reptilien-Spezialisten der Feuerwehr Düsseldorf die Kellerräume der insgesamt vier miteinander verbundenen Häuser ab. „Die Suche wird ein paar Tage dauern“, sagte Marco Diesing von der Feuerwehr Herne. Mindestens so lange dürfen die 30 Bewohner aus Sicherheitsgründen weiterhin nicht in ihre Wohnungen zurück.

    Ungewöhnlich spät meldete sich die Politik zu Wort. Die Phrasen waren dennoch vorhersehbar. „Was uns auch beschäftigt, ist die Frage, wie das eigentlich in Nordrhein-Westfalen sein kann, dass es schwieriger ist, einen Hund anzumelden als eine giftige Schlange in seinem Haus zu halten. (…) Das kann ja wohl nicht unser Ernst sein.“ kommentiert der Herner Oberbürgermeister Frank Dudda das in NRW fehlende Gefahrtiergesetz. Grüne und SPD hatten bereits 2014 als Regierungskoalition ein solches Gesetz angestrebt, es scheiterte – am Widerstand der Kommunen.

    Donnerstag, 29. August 2019

    Die nächste Unstimmigkeit: Der Schlangenhalter hatte behauptet, die fotografierte Schlange sei nicht von ihm. Er hatte 22 Schlangen angemeldet, davon fünf Monokelkobras. Die externen Schlangenexperten haben drei Monokelkobras in den Terrarien identifiziert. Der Schlangenhalter gibt an, eine der Monokelkobras verkauft zu haben, kann das aber nicht belegen. Die im Keller gefundene Häutung ist bisher keinem konkreten Tier zugeordnet worden.

    Die „Schlangenhäuser“ in Herne entwickeln sich zu einer kleinen Attraktion. Zahlreiche Besucher kommen „eben mal vorbei“, stehen vor den Absperrbändern der Polizei, machen Handyfotos, gucken. „Wir waren gerade in der Nähe und haben uns dann gesagt, wir gucken mal, was hier so los ist“, sagt Detlef Klemen, der hier eigentlich mit Polizei und Feuerwehr gerechnet hätte. Zahlreiche Anwohner sind bereits genervt.

    Herne indess mausert sich zu einer kleinen Berühmtheit: Sogar die New York Times hatte Platz genug, kurz über die Schlange zu berichten.

    Freitag, 30. August 2019

    Bei einem Ortstermin des Oberbürgermeisters bemerkt ein Anwohner, dass die Schlange sich im hohen Gras hinter dem Haus hervorragend verstecken könne. Die Stadt schickt einen Mähroboter, dessen Lärm die Schlange aufschreckt. Sie flüchtet in einen Kellereingang, wo sie ein Mitarbeiter entdeckt. Nur Minuten später kann man sie einfangen. Niemand wurde verletzt und die Schlange wanderte erst einmal in eine Kunststoffbox.

    Die Anwohner können in ihre Wohnungen zurück. Vermutlich werden sie als erstes staubsaugen – schließlich haben die Schlangenjäger ja Mehl ausgebracht, um Spuren zu sichern.

    „Die Schlange ist wohlauf“, sagte eine Sprecherin der Stadt am Samstag (31.08.2019). „Sie hat wahrscheinlich den stressigsten Tag ihres Lebens gehabt.“

     

    Düren

    Während in Herne die Kobra (nicht) Amok lief, hatte es die Stadtverwaltung Düren mit einem wesentlich ungefährlicheren Besucher zu tun. Aufmerksame Bürger hatten am Dienstagvormittag im Kreishaus eine rote Schlange gesehen und die Feuerwehr alarmiert. Als sie eintraf, hatten die Angestellten des Kreishauses die Schlange bereits in einem Eimer gefangen. Die Feuerwehr übernahm die nur 30 cm lange Schlange und identifizierte sie als Kornnatter – dann setzten die Mitarbeiter das Reptil an der nahe gelegenen Rur aus.

    Darüber sind die Mitarbeiter der Reptilien-Auffangstation in Stolberg empört. Nicht einmal heimische Tiere wie etwa Ringelnattern dürfen ohne Rücksprache mit der zuständigen Umwelt-Behörde ausgesetzt werden. Die Kornnatter stammt aus den wärmeren Gebieten Nordamerikas. Sie hat keine Chance, den Winter in der Nordeifel zu überleben.
    Die Feuerwehr Düren räumte später gegenüber dem WDR ein, das nicht abgesprochene Aussetzen der Schlange sei ein Fehler gewesen.

     

    Flensburg

    Der Vollständigkeit halber: Einsatzkräfte der Flensburger Feuerwehr haben am Samstag, 30.8.2019 an der Bushaltestelle „Am Stadtpark“ einen etwa 1 m langen Königspython eingefangen und ins Tierheim gebracht. Vermutlich hatte die Schlange keine Fahrkarte.


    CITES-Treffen in Genf

    Auf dem Treffen der Unterzeichnerstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens in Genf hat es einige Beschlüsse gegeben, die dem Tierschutz dienen. Andere, wenige sind nicht so positiv zu bewerten, aber in der Summe hat sich der Artenschutz gegen kurzfristige Interessen durchgesetzt:

    • Insgesamt 142 Arten bekommen einen höheren Schutzstatus.
    • 18 weitere Hai- und Rochenarten, u.a. die Mako-Arten und Gitarrenrochen stehen jetzt auf Anhang II
    • Europäische Aale, Seegurken und Seepferdchen werden ebenfalls herauf gestuft
    • Giraffen fallen jetzt ebenfalls unter Anhang II
    • Der Elfenbeinhandel bleib quasi unverändert. International verboten, bleibt der Binnenhandel erlaubt. Insbesondere die EU und Japan haben sich gegen die vollständige Schließung der Märkte stark gemacht.
    • Südafrikanischen Staaten wird es nicht erlaubt, die Elfenbeinlager zu öffnen. Bei der letzten Öffnung 2008 eskalierte die Elefantenwilderei.
    • Elefanten dürfen aus Simbabwe, Botsuana, Namibia und Südafrika nicht mehr für die Zoohaltung exportiert werden.
    • einige als Haustiere gehandelte Reptilienarten stehen jetzt ebenfalls unter Anhang II
    • Über 100 Glasfroscharten, die gerade bei Terrarienliebhabern in aller Welt „in“ sind, werden nicht gelistet
    • Eine CITES Big Cat Task Force wurde gegründet. Sie soll den illegalen Handel mit Tigern, Löwen, Geparden, Jaguaren und Leoparden bekämpfen
    • Der erfolgreiche Schutz der wilden Vikunjas in den Andenstaaten erlaubt es, eine regionale Vikunjapopulation in Argentinien von Anhang I auf Anhang II zu setzen.
    • Ob, wie in der letzten Woche gemeldet, der Antrag Israels auf Aufnahme der Mammuts angenommen wurde, steht nicht im Presse-Release
    • Zahlreiche tropische Baumarten mit Edelhölzern werden in Anhang II aufgenommen. Ausnahmen gibt es nur für bestimmte Objekte, beispielsweise Musikinstrumente, die bereits in Betrieb sind. Zahlreiche Holzblasinstrumente werden aus tropischen Hölzern hergestellt, sind aber viele Jahre in Betrieb. Bisher musste beispielsweise ein Klarinettist bei einem Engagement im Ausland eine CITES-Genehmigung für sein Instrument einholen. Das entfällt nun.

    „Die Menschheit muss auf die wachsende Aussterbekrise reagieren, indem sie die Art und Weise verändert, wie wir mit den wilden Tieren und Pflanzen der Welt umgehen. Business as usual ist keine Option mehr!“, sagte CITES-Generalsekretärin Ivonne Higuero im Rahmen der Konferenz.


    3,8 Millionen Jahre alter Vormenschen-Schädel entdeckt

    Prähominider Schädel im linken Teilprofil vor schwarzem Hintergrund
    Schädel von MRD-VP-1/1, C: Dale Omori, Cleveland Museum of Natural History

    Wissenschaftler haben in Äthiopien einen 3,8 Millionen Jahre alten Homininen-Schädel entdeckt (Bild). Er könnte dazu beitragen, die Ursprünge von Lucy, unserer berühmten Vorläuferin, aufzuklären.

    Das Exemplar, MRD-VP-1/1, legt nahe, dass Lucys Spezies (Australopithecus afarensis) mit der älteren Australopithecus-Art A. anamensis in der alten äthiopischen Landschaft zusammenlebte. Die meisten Forscher glauben, dass sich Australopithecus afarensis in derselben Evolutionslinie befindet, wie  Australopithecus anamensis. Die Vorstellung war, dass sich A. anamensis allmählich in A. afarensis verwandelt hat. Das impliziert jedoch, dass die beiden Arten nie koexistierten.

    Der Schädel, der diese Woche in Nature beschrieben wurde, widerspricht dem. Die Gesichtszüge des Fossils wirken sehr A. anamensis-ähnlich, zu einem Zeitpunkt, als sich diese Art längst zu A. afarensis entwickelt haben sollte. Streicht man die Annahme, wie es nach dem Fund jetzt notwendig ist, kommt ein anderes Fundstück in neues Licht: Ein 3,9 Millionen Jahre altes Gesichtsfragment, das bereits in den 1980ern fefunden wurde. Bisher wurde es wegen seines Alter A. anamensis zugeordnet, obwohl es A. afarensis wesentlich mehr ähnelt. Es kann nun widerspruchsfrei A. afarensis zugeordnet werden.

    Der neue Schädel belegt, dass die beiden Arten zeitlich zumindest teilweise koexistierten. A. afarensis hat sich möglicherweise aus einer kleinen Gruppe von A. anamensis entwickelt. Später hat dann eine größere afarensis-Population die Australopithecus anamensis verdrängt, so die neue Hypothese.

    Insgesamt zeigt die Einordnung des Fundes, dass die Abstammung des Menschen wesentlich komplexer ist, als lange Zeit vermutet wurde. Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass in den pliozänen Savannen Ostafrikas regelmäßig mehrere Vor- und Frühmenschenarten nebeneinander lebten.


    Riesenhai in der Nordsee

    Arbeiter der dänischen Ölplattform Syd Arne, ungefähr 240 km vor Esbjerg, haben einen Riesenhai Cetorhinus maximus gefilmt. Das angeblich etwa 8 m lange Tier zog ruhig im blauen Wasser der Nordsee seine Kreise.

    Der dänische Fernsehsender TV2 veröffentlichte das 28 sec. lange Video auf seiner Internetseite. Riesenhaie wandern im Sommer regelmäßig in die Nordsee ein.


    „Neue“ Walart beschrieben – kryptozoologisch schon lange bekannt

    Die neu beschriebene Walart ist ein Schnabelwal, wie könnte es anders sein. Er gehört zur Gattung der Schwarzwale und lebt im Nordpazifik. Sie war so bekannt, dass ihr sogar die deutschsprachige Wikipedia zwei Sätze widmete: „Vom Baird-Wal sind zwei Formen bekannt, eine schiefergraue und eine kleinere, schwarz gefärbte. Vergleiche der mitochondrialen DNA sprechen dafür, dass es sich bei der schwarzen Form um eine weitere Schwarzwalart handeln könnte.“

    Das muss demnächst geändert werden, denn Freitag, 30.08.2019, kurz nach Redaktionsschluß erschien in der Nature die Erstbeschreibung. Die Art heißt nun Beradius minimus.

    Die Redaktion hat deswegen eine Sonderschicht geschoben. Wir berichten am morgigen Dienstag ausführlich (mit Bildern) über die neu beschriebene Art.


    Chinesische Versicherungen übernehmen keine Schuppentier-Schuppen mehr

    Bisher haben viele chinesische Krankenversicherungen auch die „traditonelle“ chinesische Medizin übernommen, darunter auch umstrittene Heilmittel aus Tieren. Besonders gefährdet war und ist das Schuppentier (englisch Pangolin), dessen Schuppen so begehrt sind, dass es das am meisten gehandelte Wild-Säugetier auf diesem Planeten darstellt. Alle acht Arten sind stark bedroht.

    Die Regierung in Peking hat nun angekündigt, dass die staatlichen Krankenversicherungen keine Produkte mehr zahlen, die Pangolin-Schuppen enthalten.


    Feld-Ornithologisches

    Auch diese Woche gibt es nur im Detail Neues, aber viel Altes:

    • In Karlsruhe und im benachbarten Ettlingen wird ein Gänsegeier beobachtet.
    • Der Meldorfer Rosapelikan ist tagsüber in Cuxhaven unterwegs. Hier ist er eng mit sechs Weißstörchen vergesellschaftet und jagt mit ihnen auf einer Wiese Mäuse. Abends fliegt er zu seinem Schlapflatz am Meldorfer Speicherkoog zurück, hat jedoch auch schon mit den Störchen gemeinsam auf Hausdächern oder Hochspannungsleitungen gesessen.
    • Eine unbestätigte Sichtung aus Türkheim im Allgäu: ein Rosakakadu
    • Der Kaiseradler aus dem Randowbruch geht immer wieder adulte Seeadler an. Das muss ein Schauspiel sein!
    • Die Limikolen beginnen zu ziehen, mit ihnen kommen seltene Watvögel: Ein Graubrust-Strandläufer Calidris melanotos bei Staßfurt (Salzlandkreis), ein Grasläufer bei Rodenäs (SH), in Angermünde eine Doppelschnepfe Gallinago media,
      Auf der Greifswalder Oie wurde ein Rosenstar zwischen Staren beobachtet.
    • An der Ostseeküste kommt es zu einem kleinen Einfall von Rotfußfalken. Sie wurden unter anderem auf Fehmarn, bei Prerow, bei Greifswald und Zingst beobachtet

    Zu guter Letzt: Ein Schnabeltier im Schnee

    Während Teile von Deutschland in der vergangenen Woche unter der zweiten Hitzewelle des Sommers litten, ist auf der Südhalbkugel gerade Winter. So ist es kein Wunder, dass in Tasmanien so viel Schnee fällt, dass man am Mount Fields sogar Ski laufen kann. Jiemba Sands hat einen „Ureinwohner“ dabei beobachtet, wie er (bzw. sie) sich den Weg durch den Schnee bahnt:


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


    Presseschau der vergangenen Woche