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  • Neues Bigfoot-Video schlägt Wellen

    von: Tobias Möser

    London, UK; Mississippi, USA – Die britische Tageszeitung Daily Star brachte in ihrer online-Ausgabe vom 18. August 2019 ein Video, das eine angebliche Bigfoot-Sichtung zeigt. Klar, relativ unverdeckt und scharf gefilmt. Kein Wunder, dass sich die „Armchair-Cryptozoologists“ in den Sozialen Medien die Köpfe heiß reden: Daily Star: Bizarre footage of black figure in forest…

    Das Video ist eher diffus und weich, aber hell beleuchtet. Es zeigt einen offenkronigen, daher recht hellen Sumpfwald mit einer mehr oder weniger großen, mit Bäumen bestandenen Wasserfläche. Vor der Wasserfläche steht ziemlich offenes, verholztes, aber nicht sehr hohes Unterholz mit einzelnen Blättern, keine Gräser.

    Etwa in der Bildmitte befindet sich, etwas verdeckt durch ein paar knapp armdicke Bäume, ein schwarzer Bereich, der sich bewegt. Er ist dunkler als der Rest des Bildes. Es bewegt sich während des Videos schwach und hält öfter still. Offenbar ist es ein Lebewesen, das sich mit dem hohlen Stamm eines der Bäume befasst. Während des Großteils des Videos wirkt es, als würde es sitzen, knien oder hocken. Als es aufsteht, beginnt der Kameramann davon zu laufen und man sieht zunächst nur die typischen Bilder, die eine Kamera in so einer Situation zeigt. Am Schluss sind Blätter von jungen Fächerpalmen zu erkennen.

    Das „Wesen“

    Das Wesen, weswegen der Film so stark diskutiert wird, ist dunkel, annähernd schwarz. Es wirkt auf den ersten Blick ziemlich menschenähnlich, soweit das erkennbar ist. Da es der Kamera den Rücken zugedreht hat, ist nicht viel von ihm erkennbar. Die untere Körperhälfte ist zunächst von Unterholz verdeckt, es wirkt, als „steht“ es in einer Wasserfläche. Während der etwa 2 Minuten, die es auf dem Video zu sehen ist, bewegt es sich nicht vom Fleck, sondern befasst sich ausgiebig mit einem hohlen Baumstumpf. Offenbar bricht es immer wieder, auch mit sichtbarem körperlichen Aufwand morsche Holzstücke aus dem Baum, hierzu verwendet es beide Hände, wobei die rechte Hand führt.

    Etwa bei 1:32 ist ziemlich gut zu sehen, dass das Wesen nicht im Wasser steht, sondern auf einem Stück der Baumwurzel hockt (mit gebeugten Knien), aber nicht kniet oder sitzt. Es ist also im Trockenen. Eine Zeichnung des Felles ist nicht sicher erkennbar, es wirkt mehr oder weniger einheitlich schwarz. Die Hände lassen kurz einen helleren Schimmer erkennen, ebenso ein Gesicht. Als das Wesen bei 1:57 aufsteht, rennt der Kameramann davon.

    Die seltsame Kreatur gräbt in einem Baumstumpf. Als sie aufsteht, haut der Kameramann ab. Image: John Highcliff

    Die Angaben des Daily Star

    Der Daily Star schreibt in seinem Beitrag, dass das Video von einem gewissen Josh Highcliff stamme. Er habe die Kreatur auf einem Jagdausflug gefilmt, bevor sie ihn bemerkt haben kann. Josh wird mit den Worten zitiert: „Etwa 50 Meter von einer toten Zypresse entfernt hockte dieses riesige schwarze Ding. Ich hielt es für ein Schwein, sah aber diese großen Schultern und einen Kopf mit aufrechten Händen.“ – „Es sah so aus, als würde im Baumstumpf graben.“ – „Als es aufstand, konnte ich mich nicht beherrschen und rannte los. Dieser Stumpf war riesig und ich würde vermuten, dass das Biest 7 Fuß groß war.“

    Der Film

    Der Film ist so klar und brauchbar, wie es bei modernem, mäßig hochwertigem Kameramaterial zu erwarten ist. Diesmal spielen Wetter und Kameramann mit: Durch eine lichte Wolkendecke ist das Licht wunderbar weich und diffus. Es gibt keine harten Schatten, die irritieren, nichts verschwindet schwarz in schwarz. Das erleichtert es deutlich, das Wesen bei seiner Arbeit am Baumstamm zu identifizieren.
    Auch der Kameramann hat offenbar von zahlreichen schlechten Internetvideos gelernt. Er hält die Kamera ruhig und gerade. Dabei rennt er nicht viel herum, sondern verhält sich still.

    Die Angaben

    Der Kameramann Josh Highcliff erklärt der Daily Star, das Video in er Nähe von Tunica im Staat Mississippi in den USA aufgenommen zu haben. Die Landschaft und Vegetation scheinen in die Gegend zu passen, die Bäume sehen aus, wie die von Highcliff genannten Sumpfzypressen. Bei genauerer Suche mittels google Street View kommen jedoch zunächst Zweifel auf. Die Gegend, die Highcliff beschreibt, ist extrem stark landwirtschaftlich genutzt und entsprechend „aufgeräumt“. Wälder gibt es nur noch am Ufer des Mississippi und in dessen feuchten Altarmen. Durch die führt kaum eine Straße, Street View kann hier also nur bedingt weiterhelfen. Bemerkenswert: Dort, wo es man Bilder von Gewässern findet, sind sie mit Zypressen bewachsen und wirken ähnlich, wie auf dem Video.
    Einzig mit Highcliffs Angabe „Die Kreatur war etwa 50 Yards entfernt“ komme ich nicht klar. Ein Yard misst offiziell 91,44 cm, 50 Yards sind also knapp 46 m. Auf dem Video erscheint die Kreatur deutlich näher. Kann es sein, dass hier Yards mit Feet oder 15 mit 50 verwechselt wurden? Das entspräche dem Anschein deutlich mehr.

    Die Kreatur

    Die Fellfarbe der Kreatur erscheint auf dem Video schwarz, richtig knallig schwarz. Um das zu verifizieren, nutze ich das Plugin „Color Zilla“, das mir für jeden Bildschirmpunkt, den ich mit der Maus ansteuere, die Farbe als Hexcode herausgibt. Ich habe an fünf verschiedenen Zeiten des Videos je fünf verschiedene Punkte der Kreatur herausgegriffen und dort die Farbe des Fells festgestellt. Zu Zeitpunkt 0:57 zeigten sich auch hellere Elemente (Hand oder Gesicht):

    Einwurf Hexcode: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Farben digital auszudrücken. Der Hexcode ist eine Version, die unter anderem in html verwendet wird. Üblich ist die hexadezimale Farbdefinition in sechsstelliger Form, das heißt als eine Aneinanderreihung von drei jeweils zweistellig geschriebenen Hexadezimalzahlen. Die ersten beiden Stellen stehen für den Rotanteil, die zweiten für den Grünanteil und die letzten beiden Stellen für den Blauanteil. Die Farben werden additiv gemischt (wie farbiges Licht, nicht wie Malfarbe). Weiter zum Thema in der Wikipedia
    Zeit Position 1 Position 2 Position 3 Position 4 Position 5
    0:10 251b28 231d2f 1b1828 2c2635 251f2e
    0:26 3b2d44 3d3148 372b44 2c2135 31233c
    0:57 483d55 2e1c32 3f334e ac9a93 726873
    1:23 382a43 362843 493b54 3c2a42 3d313a
    1:58 40324d 3c2f52 3f3352 372742 3b293d

    Genauer wäre es gewesen, ich hätte noch möglichst identische Punkte des Körpers für die einzelnen Positionen herausgegriffen. Das erscheint mir aber wegen der teilweisen Überdeckung mit Unterholz, der Bewegung der Kreatur und des Kameramanns nicht möglich.
    Selbst bei einem schwarz erscheinenden Tier hätte ich eine Fellfarbe erwartet, in der Dunkelbraun dominiert. Hier erscheint es anders, die Blautöne sind in den meisten Fällen stärker als die Rottöne, die wiederum stärker als die Grüntöne sind. So kommen violette Fellfarben zustande. Ob das ein Indiz ist, dem man folgen sollte, wird die folgende Tabelle zeigen:

    Bild Position 1 Position 2 Position 3
    Panda 121318 1e1e28 0f1015
    Gorilla 636469 5d5958 5f5e54
    Beutelteufel 292e41 24242e 24242e

    Pandabärjunges auf einem Baum
    Bild 1: Schwarzweiß eignet sich auch als Kontrolle: ein Panda in Schönbrunn (Wien)

    schlecht gelaunte Grorilla-Dame
    Bild 2: Die potenzielle Verwandtschaft hat keine Lust, sich zu beteiligen. Gorilla-Dame, Zoo Nürnberg

    Tasmanischer Teufel
    Bild 3: Zum Teufel, dann muss er eben als Vergleich herhalten. Schwarz genug ist der Beutelteufel jedenfalls. Zoo Duisburg

    Die meisten „schwarzen“ Fellfarben“ erscheinen mehr oder weniger violett stichig, selbst wenn man Säugetiere aus den unterschiedlichsten Linien miteinander vergleicht. Es ist also kein Indiz dafür, dass es sich ggf. um ein künstliches Fell, ergo ein Fake handelt.

    Einwurf: Mir ist bewusst, dass sich bei dieser Untersuchung nur um ein ungenaues Instrument handelt. Der Himmel, die Bewölkung, die Tageszeit, der Weißabgleich der Kamera und die Kamera selber spielen eine große Rolle. Daher kann das Ergebnis auch nur als Indiz genommen werden und ist keinesfalls ein „Beweis“ für oder gegen die Echtheit des Videos.
    Auch für die Abschätzung der Entfernung würde eigentlich die Kamera benötigt, denn über Zoomfaktor und Fokussierung kann mit etwas Glück die Entfernung des Schärfebereiches festgestellt werden. Über die Entfernung und Zoomfaktor kann dann anhand der Pixelmaße auch die Größe des Objektes ziemlich gut vermessen werden. Leider liegen mir die Daten für diese Kamera nicht vor.

    Das Verhalten der Kreatur

    Die Kreatur auf dem Video verhält sich ausgesprochen ruhig. Sie befasst sich mit der morschen Zypresse, bricht alte Holz heraus und wirft es weg. Dabei scheint sie völlig konzentriert und scheint auch den nur wenige Meter entfernten Menschen nicht wahrzunehmen.

    „Was macht das Vieh da?“ Offenbar räumt es einen hohlen Baum aus. Aber wozu? Als Schlafplatz ist der Fuß einer Sumpfzypresse sicherlich ungeeignet, selbst wenn er im Moment trockengefallen ist. Die Wasserstände in den Wäldern am Mississippi-Hauptstrom werden sich vermutlich ständig ändern – und morgens mit nassem Hintern aufzuwachen dürfte auch einem Swamp Ape nicht gefallen. Ich impliziere als Alternative, dass die Kreatur nach Insektenlarven sucht, die faulendes Holz fressen. Es gibt da einige recht dicke Käferlarven, die auch für einen Bigfoot einen respektablen Snack bilden. Leider zeigt die Kreatur die ganze Zeit ihren wunderschönen, schwarzen Rücken, so ist nicht zu sehen, ob sie etwas aus dem Totholz heraussammelt und frisst. Die Tatsache, dass sie am Anfang größere Holzstücke, später nichts mehr wegwirft, deutet in die Richtung.

    „Wie kommt es, dass das Vieh so konzentriert arbeiten kann, ohne den Jäger/ Kameramann zu bemerken?“ Hierzu gibt es drei Möglichkeiten: Es hat den Kameramann bemerkt, fasst ihn aber nicht als Bedrohung auf. Das Verhalten des Wesens lässt keinen Schluss auf ein Bemerken zu. Es ist aber im Film auch nicht ständig zu sehen. Andererseits gelten alle Bigfoot-artigen Kreaturen Nordamerikas als scheu, sie fliehen vor Menschen. Damit kann man diese Hypothese getrost streichen.
    Die zweite Hypothese: Es hat den Kameramann nicht bemerkt, halte ich für wahrscheinlicher. Der Kameramann ist im Rücken der Kreatur, die völlig mit dem Totholz im Baum beschäftigt ist. Das wäre für ein Wildtier merkwürdig. Kaum ein Tier kann sich ausschließlich mit seiner Nahrungsquelle befassen, ohne Gefahr zu laufen, selbst zu einer solchen zu werden. Ist der Bigfoot nun ein solcher Apex-Predator, kennt er in Mississippi weder Bären noch Pumas oder Alligatoren? Klingt auch seltsam, ich werde später darauf zurückkommen: Bitte im Kopf behalten!

    YouTube

    Ja, YouTube spielt hier auch eine Rolle. Das angeblich so neue Video ist dort nämlich seit dem 28. Oktober 2013 veröffentlicht. Josh Highcliff hat hier auch einige weitere Angaben dazu gemacht, wie er das Video gedreht hat:

    Das Video ist am 24. Oktober 2013 entstanden, abends um 18 Uhr. Highcliff war unterwegs, um „Wildschweine“ (verwilderte, primitive Hausschweine, echte Wildschweine gibt es in Amerika nicht) zu jagen, trug Jagd-Tarnkleidung und saß still herum, um auf die Dämmerung zu warten, in der er jagen wollte. Dann hörte er ein Geräusch an einem Baum, erwartete ein Wildschwein und traute seinen Augen nicht.

    Außer der Angabe, dass das „Ding“ groß und schwarz war und er eine Entfernung von 50 Yards schätzte, vermutete er, dass es etwa 7 Fuß, also gut 2,10 m groß war.

    Ich ziehe hier eine wesentliche neue Aussage heraus: Highcliff saß da, mittelmäßig getarnt und wartete. Er nennt „Hunting camo“, also vermutlich Fleckentarn mit neonroten Abzeichen, die das Wild nicht sehen kann. Teile der Kleidung sind am Ende des Videos kurz zu sehen. Von einem konturauflösenden Ghillie-Suit schreibt er nichts.

    Die Interaktionen

    Die Frage nach der Interaktion beginnt nach dem Henne-Ei-Prinzip. War die Kreatur zuerst vor Ort und kam Highcliff dazu, würde das seiner Aussage „just sitting dead still waiting for it to get dark“ nicht passen. Folglich muss Highcliff also vor der Kreatur am Ort gewesen sein. Deswegen schreibt er auch: „I hear a noise behind the tree i was sitting on“.

    Die erste Frage, die ich mir stelle: Die Kreatur ist bereits am Baum, auf trockenem Boden, aber sie muss durch den Sumpf und offenes Wasser dorthin gelangt sein. Wer beim Baum ausräumen seine Umwelt völlig vergessen kann, wird nicht leise durchs Wasser gleiten, sondern irgendwelche Geräusche produzieren. Hat Highcliff sie überhört, z.B. weil er geschlafen hat, hat er sie für Geräusche von Schweinen gehalten oder aus anderen Gründen nicht wahrgenommen?
    Andersherum würde ich auch gerne wissen, ob die Kreatur Highcliff nicht wahrgenommen hat. Die Möglichkeiten, die sich hieraus ergeben, habe ich oben bereits beschrieben.

    Die zweite Unklarheit, die ich finde, betrifft die Beobachtung selber. Highcliff bewegt sich während des Filmens im Unterholz und möglicherweise auf einem Weg. Das erzeugt Geräusche, die sich von anderen Waldgeräuschen unterscheiden. Wieso beschäftigt sich die Kreatur weiter seelenruhig mit dem Baum? Fühlt sie sich im Wasser so sicher?

    Die dritte Unklarheit, die ich finde, betrifft die Flucht von Highcliff. Während des gesamten Filmens befand sich die Kreatur links von ihm. Egal wie dicht er heran geht und wo er steht, stehts macht es den Eindruck, er würde sich den Weg nach rechts freihalten. Ich hätte also damit gerechnet, dass er bei einer Reaktion der Kreatur nach rechts flüchtet. Das tut er nicht. Er flüchtet zunächst wenige Schritte nach links (zählt man die Bewegungsgeräusche auf dem Video, sind es sechs oder sieben Schritte), dann bleibt er stehen und dreht sich um etwa 90 Grad nach links, um weiter zu laufen, bis das Video abbricht.
    Auf mich macht es den Eindruck, dass ihn seine Flucht zunächst auf die Kreatur hin führt. Er bleibt an der Stelle stehen, die der Kreatur am nächsten ist, sieht sich um und entfernt sich erst dann. So verhält sich niemand, der vor etwas Angst hat.

    Fazit:

    Das Video ist sehr gut, es zeigt eine Kreatur, die in einem hohlen Baumstamm nach etwas sucht, dann aufsteht und den Kameramann dadurch zur Flucht animiert.
    Die Qualität des Videos lässt einen elektronischen Fake soweit ausschließen, wie man das heute noch kann. Anzeichen hierfür habe ich jedenfalls keine gefunden. Die analysierten Fellfarben wirken natürlich und scheinen nicht von einem billigen Kostüm zu stammen, wobei kein direkter Vergleich mit einem Kunstfell gemacht werden konnte. Das gefilmte Verhalten der Kreatur ist in sich stimmig und passt zur Situation.

    Die unklare Auffindungssituation und dann die Flucht in die unerwartete Richtung lassen an der Authentizität des Videos zweifeln.

    Leider ist der Dreh schon 6 Jahre her, am Ort werden sich keinerlei Spuren mehr finden lassen. Der Baum ist vermutlich längst umgekippt und weitgehend verrottet, möglicherweise ist der Sumpf trocken oder überschwemmt.


  • Die indische Armee und ihre Yeti-Spuren

    Es war der 9. April 2019. Unweit des Makalu-Basecamps an der nepalesisch-chinesischen Grenze. Eine Bergsteiger-Expedition der indischen Armee, deren eigentliches Ziel darin bestand, den knapp 8500 Meter hohen Makalu zu erklimmen, stiess im Makalu-Barun-Tal auf eine unerwartete Überraschung.

    Zwanzig Tage später, am Montag, den 29. April, wartete die indische Armee mit einem erstaunlichen Tweet auf:

    „Am 9. April hat zum ersten Mal hateine Bergsteiger-Expedition mysteriöse Fussabdrücke des mythischen „Yeti“ mit einer Grösse von 32×15 Inches (81 mal 38 Zentimeter) in der Nähe des Makalu Base Camp gesichtet. Der scheue Schneemensch war bisher im Makalu-Barun Nationalpark nur in der Vergangenheit gesichtet worden.“


    Lage des 8485 m hohen Makulu, der fünfthöchste Berg der Welt

    Angebliche Yeti-Spur kreuzt die Spur indischer Soldaten
    Das erste Bild der angeblichen Yeti-Spur. Sie verläuft von rechts nach links, von hinten kommen die Fußspuren der Soldaten

    Der Tweet, den die Armee über Satellitentelefon kommuniziert hatte, enthielt drei Fotos, welche eine Linie einer Spur von „Etwas“ zeigte, das sich den Hügel entlang seinen Weg durch den Schnee bahnte. Auch eine Nahaufnahme des „stiefelartigen“ Abdrucks gab es.

    Die „Beweise“ ware von einem 18-köpfigen Team unter der Leitung des Major Manoj Joshi gesammelt worden.

    Schneefeld mit kreuzenden Fußspuren: kleine, eng zusammenhängende von rechts und große, weit auseinander stehende von hinten
    Ein weiteres Foto der indischen Armee, das die angeblichen Yeti-Fußspuren zeigt

    Ein relativ heller Braunbär überquert ein Rinnsal
    Sibirischer Braunbär, hier ein relativ helles Exemplar, das der tibetanischen Form ähnelt

    zwei hohe, schneebedeckte Berge vor blauem Himmel
    die beiden Berge Makalu (im Hintergrund) und Chamlang, in deren Nähe die Fußspuren fotografiert wurden

    spöttische Kommentare im Internet

    Doch die Zeiten scheinen vorbei, in denen Bestätigungen von offiziellen Stellen dem Glauben an die Existenz von Krypiden neuen Aufwind gaben. Thema der indischen Tageszeitung Hindustan Times, aber auch der Online-Ausgaben der deutschsprachigen Zeitungen (Faz, Nzz, der Standard, Heute.at) zu dem Fund waren die spöttischen Kommentare der Twitter-Nutzer – auch wenn sich darunter auch der eine oder andere Beitrag befand, der sich um eine Erklärung der Spuren bemühte (zum Beispiel mit Schneeschuhen) – klar überwogen doch der ironische Unterton und virtuelles Gelächter.

    Allerdings liess sich die Armee nicht beirren und hielt an ihren Yeti-Spuren fest. Man befinde sich im Besitz „physischer Beweise“ und besässe weiteres Bild- und Videomaterial (Faz vom 30. April 2019).

    Skepsis der Experten

    Doch die Armee bekam schnell auch von offizieller Seite Gegenwind.

    Bereits einen Tag nach dem Tweet gab eine Reihe prominenter Stimmen, welche der Yeti-These das Wasser abgruben. Maheshwar Dakal von der Forstverwaltung des Nationalparks bestätigt eine „gesunde Braunbären-Population, aber keinen Beweis aus der Gegend für einen Yeti“ (Hindustan Times vom 30. April 2019)

    Dann war da noch die Bemerkung von Dipankar Ghose, dem Direktor des Artenerhaltungs- und Landschaftsprogramms des WWF-India. Auch er spekulierte, angesichts seiner Skepsis über die Existenz eines unentdeckten Tieres solcher Grösse, auf einen Bär als Verursacher der Fussabdrücke. Vor allem die Spuren der Hinterläufe können vom ungeübten Auge schnell für menschenähnliche Spuren gehalten werden. (Hindustan Times vom 30. April 2019)

    Zahlreiche Wissenschaftler vom Wildlife Institute of India in Dehradun, die in Nepal, aber nicht im Park gearbeitet haben, kommentierten ebenfalls, dass die Spuren von einem Bären stammen könnten. (Hindustan Times vom 30. April 2019)

    Nepals Widerspruch

    Schliesslich meldete sich auch noch der Sprecher von Nepals Armee, Brigadegeneral Bigyan Dev Pandey im zu Wort. In Referenz auf den nepalesischen Verbindungsoffizier, der die Expedition begleitet hatte, widersprach er der Behauptung der indischen Armee: solche Fussabdrücke fänden sich häufig in der Region und liessen sich einem Bären zuordnen (Hindustan Times vom 2. Mai 2019)

    Spuren eines Bären im Schnee, die vom Beobachter wegführen
    Spur eines Grizzly-Bärs im Schnee. Dieser hat die Hinterpfoten nicht in die Vorderpfoten gesetzt.

    Hinterpfote eines liegenden Braunbären
    Der Hinterfuß eines Braunbären wirkt auf den ersten Blick erstaunlich menschlich

    Ein Yak auf einer kargen Weide vor schneebedeckten Bergen
    Yaks sind die häufigsten Großtiere des Himalayas und mussten oft als Erklärung für Yeti-Sichtungen herhalten

    Diese Erklärung wurde auch von lokalen Trägern vertreten, welche die Expedition begleitetet hatten. (Hindustan Times vom 2. Mai 2019)

    Vier Tage später, am Freitag den 3. Mai 2019, erklärte Pandey, dass Mitarbeiter des nepalesischen Verbindungsbüros die Stelle erneut aufgesucht hatten: aber es waren keine Spuren mehr da (Heute.at vom 3. Mai 2019)

    Die „Glaubwürdigkeit“ der indischen Armee

    So stimmen die konsultierten Zeitung weitgehend darin überein, dass sich die indische Armee mit dieser Meldung wohl weniger zum „Helden“, als zum Gespött gemacht hatte. Die Neue Züricher Zeitung (NZZ) ging sogar soweit, diese Fehlmeldungen in einen weiteren politischen Kontext einzubetten. Schliesslich hätte die indische Armee generell mit der Glaubwürdigkeit zu kämpfen. In einem „Geplänkel“ mit Pakistan soll beispielsweise ein F-16-Jet des Gegners abgeschossen worden sein – das amerikanische Militär, das von der empörten pakistanischen Armee zur Besichtigung der Inventur eingeladen wurde, konnte jedoch keine Lücken feststellen. Auch wurden bei einem angeblichen Angriff auf ein  „Terroristenlager“ allem Anschein nach keine Kämpfer getötet, sondern allerhöchstens der Baumstand der benachbarten Republik dezimiert. (NZZ vom 6. Mai 2019)

    Des Rätsels Lösung?

    Doch nicht nur Wissenschaftler und Verwaltungsbeamte aus der Region, auch Forscher mit einer befürwortenden Haltung, sprachen sich gegenüber den Yeti-Spuren skeptisch aus. Dr. Jeffrey Meldrum von der Idaho State University, der für die Existenx von Bigfoot einsteht, sprach mit Andreas Müller von Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWI) über die vermeintlichen Yeti-Spuren aus Nepal:

    „Tatsächlich sehen diese Abdrücke eher wie das Schrittmuster eines galoppierenden Vierfüßers aus. Ich vermute, dass es sich um die Spur eines laufenden Bären handelt.“ (GreWI vom 1. Mai 2019)

    Der „stiefelartige“ Eindruck ergibt sich aus dem Laufschema des Bären: Dabei bildet die rechte Vordertatze, welche zuerst aufgesetzt wird, den hinteren „Absatz“ der Spur. Die linke Vordertazte und beiden Hintertatzen liegen, – dem Gehschema des Bären folgend – ziemlich nah beieinander und können im Schnee zu einer Fläche verschmelzen. So entsteht schliesslich der Abdruck eines „Primatenfusses“.

     

    Tibetanisch wirkende Gebäude im Tal zwischen teilweise mit Schnee bedeckten Bergen
    Der Himalaya und noch mehr das tibetanische Hochland gelten bei uns als geheimnisvolle Orte transzendaler Weisheit.

    Staubige Straße durch eine Schotterlandschaft ohne jegliches Grün, Gebetsfahnen sind über sie gespannt, einige Menschen mit Rucksäcken gehen auf ihr
    Die schroffe Landschaft gilt als gleichermaßen geeignet, Survival zu trainieren und den Geist zu reinigen (Straße zum Mount Everest)

    Drei gut gelaunte nepalesische Rentner
    Was wohl die Einheimischen davon halten? Die transzendentale Weisheit hält sie vermutlich davon ab, es offen zu sagen…

    The legend goes on..

    Wenn man das Thema „Yeti“ in der Presse in den letzten Jahren ein kleinwenig verfolgt hat, so bekam man den Eindruck, als würde sich der Mythos von einem affenähnlichen Wesen hin zu einer unbekannten Bären-Spezies verlagern. Grund dafür war auch eine Reihe von – mitunter auch wieder in den aktuellen Berichten zitierten – Studien von DNA-Analysen angeblicher Yeti-Haare. Allerdings waren die Ergebnisse im Endeffekt weit weniger spektakulär, als ursprünglich bekannt gegeben. Dennoch wurde dadurch die Diskussion über die Abstammungen der Braunbärenunterarten im Himalaya und ihrer Verwandtschaftslinien wieder etwas angeregt.

    Mit der Meldung der indischen Armee jedoch kommt der westliche Yeti-Mythos wieder „back to the roots“ – der Spekulation nach handelte es sich beim Yeti um einen affenähnlichen, möglicherweise eng mit dem Menschen verwandten Primaten, der sich bis heute von den neugierigen Blicken der Forscher in den oberen Berghängen des Himalaya verstecken konnte. Interessant ist in diesem Zusammenhang in der Tat das Insistieren der indischen Armee in der Echtheit „ihrer“ Yeti-Spuren, ja überhaupt ihre Meldung. Sie zeigt also, dass der Mythos in den Köpfen der Menschen noch immer vorhanden ist, – selbst wenn lokale Naturschützer bei der Landbevölkerung seinen allmählichen Übergang in das zoologische Wesen Bär beteuern.

    So ist diese Meldung vielleicht nicht aus biologischer, so doch aus folkloristischer Perspektive durchaus erstaunlich.

    Der klassische Yeti ist also nicht tot – aller genetischen Erklärungsmassnahmen zum Trotz. So ist wohl auch in Zukunft mit Meldungen vom sagenumwobenen Schneemenschen zu rechnen. Stellt sich die Frage, an welches Wesen einer der ironischen Twitter-Kommentatoren denken würde, sollte er in einer abgelegenen Bergregion auf ausgeschmolzene Bärenspuren stossen..?


    Zum Weiterlesen:

    Faz vom 30. April 2019: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/spott-fuer-indiens-armee-nach-entdeckung-von-angeblichen-yeti-spuren-16164945.html

    GreWi vom 1. Mai 2019: https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/bigfoot-experte-erklaert-die-von-der-indischen-armee-entdeckten-yeti-fussspuren20190501/

    Hindustan Times vom 30. April 2019: https://www.hindustantimes.com/india-news/no-proof-to-back-army-s-yeti-footprints-claim-say-experts/story-tIb5ucZTBJ6RCPnnXxOh3M.html

    Hindustan Times vom 2. Mai 2019: https://www.hindustantimes.com/india-news/not-yeti-a-bear-s-footprint-nepal-to-indian-army/story-FhcXvVJ7qV8EwsDcrirt8H.html

    Heute.at vom 3. Mai 2019: https://www.heute.at/timeout/virale_videos/story/Indische-Armee-will-Yeti-Spuren-entdeckt-haben-Nepal-widerspricht-Malaku-47237879

    NZZ vom 6. Mai 2019: https://www.nzz.ch/international/indische-armee-auf-den-spuren-von-yetis-jets-und-jihadisten-ld.1479571


    Der Autor:

    Peter Ehret ist studierter Politikwissenschaftler und Rechtsphilosoph. Praktisch sein ganzes Leben ist Zoologie im Allgemeinen sein wichtigstes Hobby. Seit dem Jahr 2000 befasst er sich mit Kryptozoologie. Themenschwerpunkt seines kryptoozologischen Interesses sind die Rückwirkungen von konventionellen Tierbeobachtungen auf Legendenbildung. Seit 2012 lebt und arbeitet er als Deutschlehrer in Spanien.


    Beiträge, die mit Namen gekennzeichnet sind, müssen nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion widerspiegeln. Diese Beiträge unterliegen der Verantwortung und den Urheber- und Verwertungsrechten des jeweiligen Autors. Die Redaktion freut sich, möglichst viele, unterschiedliche Artikel mit differenzierten Meinungen veröffentlichen zu können. Jeder, der zu einem Thema etwas zielführendes beizutragen hat, ist herzlich eingeladen, seinen Artikel der Redaktion zu mailen.


  • Freitagnacht-Kryptos: Der Mokeló in Zentralafrika (Teil 1)

    In den Archiven kramte: Ulrich Magin

    Am 8. Juni 1848 erschien in dem Magazin Das Ausland: Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde (Band 21) ein Aufsatz, der ein gutes Beispiel für die kryptozoologische Analyse von einheimischen Informationen liefert und an einen vergessenen Pionier der Disziplin erinnert. Tutschek hatte zuvor in früheren Ausgaben mehrere Folgen über Entdeckungsreisen in Zentralafrika und Märchen der Eingeborenen veröffentlicht. Nun kommt er zum kryptozoologischen Teil:

    „Ueber den Mokeló, ein unbekanntes Raubthier Centralafrika’s.

    In den Erzählungen eines jungen Eingebornen aus Tumale, einer Provinz Centralafrika’s, mitgetheilt durch Dr. Tutschek, finde ich mehrmals eines Thieres unter dem Namen Mokeló gedacht, das den geneigten Lesern gewiß um so mehr auffallen wird, als sich eine spätere Erzählung Dgalo’s gerade mit diesem Geschöpfe befaßt. Indem ich voraussetze, daß der Leser den Berichten über ein bis in unsere Tage noch ganz unbekanntes Land mit vielem Interesse gefolgt seyn wird, nehme ich seine gütige Aufmerksamkeit auch für einen zoologischen Gegenstand in Anspruch, der mit eine Rolle spielt in der poetischen Anspruchslosigkeit des erzählenden Negers Dgalo. Dieser beschreibt den Mokeló folgendermaßen:

    Ein Gepard faucht eine Hyäne an, Szene im hohen Gras
    Hyänen sind bekannt dafür, dass sie anderen Großräubern auch die Beute stehlen

    „Ein Raubtier in der Größe eines kleinen Pferdes“

    ‚Er ist ein Raubthier, welches die Rehe (Antilopen) und Tiger (Panther) verfolgt und frißt, außerordentlich schnell läuft und die Größe eines kleinen (vielleicht schottischen) Pferdes erreicht; die Schnauze ist sehr dick und stark, fast wie bei einer Bulldogge, von schwarzer Farbe; das Gebiß grimmig und schneeweiß mit vorstehenden Eckzähnen. Die Farbe des Leibes ist dunkelbraun mit struppigen kurzen Haaren, der Schweif kurz und kahl (vielleicht wie beim Windhund). Seine Fährte ist die des Löwen, jedoch breiter mit mehr auseinanderstehenden Zehengliedern. Der Aufenthalt dieses grimmigen Thieres ist die Wüste, wo er sich des Tages über verborgen hält, in der Nacht aber sein Lager verläßt und weit jagend herumschwärmt, um seine Nahrung, die in allen Thieren zu bestehen scheint, zu erwürgen; deßwegen wird er von den Yumales [im heutigen Staat Südsudan] der Wüstenhirte genannt.

    Tüpfelhyäne vor kurzem Rasen
    Tüpfelhyänen sind als erfolgreiche Jäger genauso bekannt wie als Beuteräuber

    Erdwolf ruht am Boden
    Der Erdwolf ist eigentlich eine Hyäne, eine sehr ungewöhnliche.

    Afrikanischer Wildhund steht in hohem Gras
    Unter dem Radar vieler Afrikaforscher gilt der afrikanische Wildhund Lycaon pictus als möglicher Kandidat für den Mokeló

    Obwohl er so stark und kühn ist, daß der Panther, wo sich der Mokeló zeigt, entflieht und im Falle des Erreichens von diesem zerrissen wird, so zeigt er doch gegen Menschenweniger Muth, da er vor ihnen entflieht und bei starker Verfolgung seine Losung fallen läßt, welche, wie Dgalo mit verständiger Beobachtung bemerkt, weiß ist, weil der Mokeló Knochen frißt. Ohne Zweifel mag aber doch mancher Umale in Mokelós Magen wandern, da in der Erzählung ‚Tomiong‘ der Waldesfürst den Mokeló frägt, ob er den Tomiong verschlungen habe. Im allgemeinen wird sich wohl kein Raubthier am Menschen vergreifen, solange es noch andre Nahrung in ausreichendem Maße findet.‘ – Dieß ist Dgalos einfache Beschreibung.

    Kein Mokeló in der Staatssammlung

    Unter allen ausgebälgten Säugethieren der Staatssammlung in der Münchner Akademie erkannte Dgalo keines für den Mokeló seiner Heimath, ebenso wenig glich demselben irgendeine von sämmtlichen ihm vorgelegten Abbildungen. Jedoch muß ich bemerken, daß sich in München von dem bald zu erwähnenden wilden Hunde Afrikas ein ganz junges Exemplar befindet, welches allerdings dem erwachsenen Thiere weder an Größe, noch an Form gleicht. Da ich mich seit mehrern Jahren speciell mit der Zoologie Afrikas beschäftigt, so erschien mir die Aufgabe sehr lockend und lohnend, die Wesenheit des Mokeló etwas näher zu beleuchten.

    Der Mokeló ist keine Katze

    Aus Dgalos sehr mangelhaften Daten geht hervor, daß wir ein Raubthier und zwar von enormer Größe vor uns haben, von einer Größe, welche die des Löwen wo nicht übertrifft, doch gewiß erreicht. Aus einem mir mitgetheilten Mährchen vom Tiger und Mokeló ersehe ich auch, daß der letztere keine Katze ist, denn er kann den auf einen Baum entflohenen Tiger nicht verfolgen, also nicht klettern – die genaue Bekanntschaft Dgalos mit dem Löwen (ima m’rsal) bürgt außerdem dafür, daß der Löwe nicht der Mokeló ist. Wenn sich aber der Tiger (Panther) dem Mokeló gegenüber ein kleines Thierlein nennt, so gibt dieß gewiß einen Begriff von der erstaunlichen Größe des fraglichen Geschöpfes, welche auch von Dgalo standhaft behauptet wird.

    Ist den Natuforschern ein großes Raubtier entgangen?

    Der erste Zweifel, der in mir bei Lesung der Berichte aus Tumale hierüber aufstieg, war natürlich der, wie ein so großes, allem Anscheine nach in diesen Provinzen häufiges Raubthier der Beobachtung von Naturforschern entgangen seyn sollte, die, wie z. B. Rüppell, rings um die Gränzen Tumales gekommen sind. Allein die Vergleichung sämmtlicher bisher bekannt gewordenen Raubthiere Afrikas wird es dem Leser doch zweifellos machen, daß der Mokeló wirklich ein dem Zoologen noch unbekanntes Säugethier seyn muß. Da durch das Unvermögen zu klettern (ein Beweis von stumpfen, weil nicht zurückziehbaren Krallen) und durch das weite Jagen desselben bei Vergleichung des Mokeló ohne Zweifel das Katzengeschlecht ausgeschlossen bleibt, so sind demnächst nur drei Gattungen von Raubthieren vorhanden, zu denen er möglicherweise gehören könnte: der Erdwolf, Proteles – die Hyäne, Hyaena – der Hund, Canis.“

     

     

    Literatur:

    Das Ausland: Wochenschrift für Länder. und Völkerkunde (Band 21), 1848


    Dieser Beitrag ist in der Reihe „Freitagnacht-Kryptos“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

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  • Ein bizarrer Hybride aus Narwal und Beluga – Teil 2

    Liebe Leserinnen und Leser,

    aufgrund eines Fehlers wurde dieser Artikel nicht, wie geplant, am 9. Juli 2019 veröffentlicht. Jetzt erscheint er einen Tag später am 10. Juli. Wir bitten alle ungeduldig Wartenden zum Entschuldigung und übergeben nun Markus Bühler das Wort.

    Die Redaktion


    Wie ich den merkwürdigsten Wal der Welt rekonstruierte

    von: Markus Bühler

    Teil 1 des Artikels ist am 2. Juli 2019 hier erschienen.

    Kürzliche erregten neue Forschungsergebnisse um einen bizarren Hybriden aus Narwal (Monodon monoceros*) und Beluga (Delphinapterus leucas) weltweite Aufmerksamkeit. Er wurde nach Angaben eines grönländischen Inuit namens Jens Larsen 1986 oder 1987 in der Disko-Bucht im Westen Grönlands geschossen. Das Tier wies unter anderem einige äußerst ungewöhnliche Besonderheiten der Zähne auf. Der Wal soll grau gefärbt gewesen sein, und seine Brustflossen denen eines Belugas, die Schwanzflosse dagegen eher der eines Narwals geähnelt haben. Larsen beschloss aufgrund des ungewöhnlichen Aussehens des Wals dessen Schädel aufzuheben. Etwa zur gleichen Zeit sollen in der Gegend noch zwei ähnliche Exemplare geschossen worden sein, von denen jedoch eines versank und nicht geborgen werden konnte. Der Kopf des dritten Exemplars wurde zum Skelettieren an der Küste ausgelegt, allerdings niemals wiedergefunden, so dass als einziges physisches Relikt der von Larsen aufbewahrte Schädel verblieb.

    Der merkwürdigste Wal der Welt

    Drei Walschädel im direkten Vergleich
    Vergleich der Schädel von Narwal (a), Narluga (b) und Beluga (c). Mikkel Høegh Post, Zoologisches Museum Kopenhagen

    Seit ich 2007 zum ersten Mal von diesem bizarren Wal gelesen habe, war ich fasziniert von ihm. Die ursprüngliche Veröffentlichung von Mads Peter Heide-Jørgensen war damals noch nicht im Internet frei verfügbar war. Ich schrieb ich ihn an und bekam freundlicherweise eine digitale Version von ihm zugsendet. Die gescannte Version des Drucks beinhaltete eine ganze Reihe von interessanten Fotos, allerdings leider in sehr unzufriedenstellender Bildqualität. Zudem gab es einige weitere Fotos des Schädels im Internet, viele seiner Details ließen sich aber auch bei ihnen nicht vollständig erkennen.

    Ein Jahrzehnt später, im Frühsommer 2017, bekam ich die Möglichkeit den Narlugaschädel im Original im Archiv des Zoologischen Museums in Kopenhagen zu begutachten, und seine Anatomie vor Ort zu studieren. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Eline Lorenzen und auch vor allem bei Daniel Klingberg-Johanson dafür bedanken den Schädel und viele andere faszinierende Stücke im nichtöffentlichen Archiv des Museums ansehen zu können.

    Wie hat der Narluga ausgesehen?

    Was mich ganz besonders interessierte, war wie dieser Wal wohl zu Lebzeiten ausgesehen haben könnte. Da lediglich der isolierte Schädel, die Verwandtschaftsverhältnisse und die sehr vage Beschreibung von Jens Larsen vorhanden waren, stellte sich hier eine Aufgabe, welche viel eher der Rekonstruktion eines nur von Fossilien bekannten ausgestorbenen Tieres vergleichbar war (etwa meiner Basilosaurus-Rekonstruktion). Bisher gab es keinerlei Bilder welche einen Eindruck vermittelten wie der Hybrid einmal ausgesehen haben könnte. Es gab eine einzige Darstellung, welche allerdings lediglich eine digitale Kombination aus einem Narwal und einem Beluga darstellte, und weder die Zähne noch die beschriebene Farbe berücksichtigte, was seine Rekonstruktion umso interessanter machte.

    Die Weichteile des Kopfes verursachen Kopfzerbrechen

    Da das einzigartige Gebiss das hervorstechendste Merkmal des Narlugas war, sollte es bei der Rekonstruktion auch entsprechend gut erkennbar sein. Daher entschloss ich mich direkt ein Bild des komplett artikulierten Schädels aus einer vor längerer Zeit erfolgten Pressemitteilung als Basis zu verwenden. Bei Zahnwalen im Allgemeinen und bei Gründelwalen wie dem Narwal und Beluga im Speziellen wird der Schädel von einer großen Menge Weichgewebe umschlossen. Vor allem die Melone, das Echolotorgan welches oberhalb des Schädels sitzt, nimmt einen sehr großen Raum ein. Dazu kommen noch die Bereiche in denen die komplexen Strukturen zum Blasloch führen, sowie die Lippen und natürlich das dicke Unterhautfettgewebe. Eine sehr hilfreiche Illustration zum besseren Verständnis der Anatomie eines Belugakopfes kann man hier sehen.

    Bei Belugas kommt noch hinzu, dass sie durch Muskelkontraktion die Form ihrer Melone in gewissem Rahmen verändern können, was das Heranziehen von Referenzbildern noch problematischer machte, denn selbst bei ein und demselben Individuum kann auf verschiedenen Bildern die Melone unterschiedlich geformt sein. Belugas besitzen auch für Wale ungewöhnlich gut ausgebildete und bewegliche Lippen. Das alles musste bedacht werden, selbst wenn hier selbstverständlich einiges an künstlerischer Freiheit einfloss. In seiner Kopfform steht der Narluga nun zwischen jenen der beiden Elternarten. Er zeigt die eher stärker verrundeten Formen des Narwals, aber eine schlankeren Halspartie und etwas voluminösere Oberlippen, um dem Belugaerbe gerecht zu werden.

     

    Der Schädel des Narlugas, mit hellen und bräunlichen Knochen und einigen seltsam geformten Zähnen
    Schädel das Narlugas. Foto Mikkel H. Post, Zoologisches Museum Kopenhagen

    Rekonstruktion der Kopfform des Narlugas anhand des Schädels
    Rekonstruktion der Kopfform des Narlugas anhand des Schädels (Bild: Markus Bühler)

    Narluga-Kopf-Rekonstruktion
    Narlugakopf mit rekonstruiertem vierten linken Zahn im Unterkiefer (Bild: Markus Bühler)

    Der letzte Zahn

    Den fehlenden letzten Zahn auf der linken Unterkieferseite rekonstruierte ich anhand der Größe und Ausrichtung des leeren Zahnfachs im Kiefer. Man sieht nun ganz gut die starke Asymmetrie in der Position und Form der Zähne im Unterkiefer. Bei der Pigmentierung des Maulinneren verwendete ich das Foto eines Narwalmauls als Referenz. Bei Walen findet sich nicht wie sonst bei Säugern üblich eine klare Abgrenzung zwischen dem normalweise von Schleimhaut ausgekleideten Maulinneren und den von Epidermis bedeckten Lippen.

    Rekonstruktion des Körpers

    Bei der Körperform stützte ich mich auf die skelettalen Proportionen von Belugas, um anhand des Schädels die dazugehörigen Dimensionen des Körpers festzulegen. Auch hier versuchte ich einen Mittelweg zwischen den zwei Elternarten zu finden. Bei Narwalen ist der Körper sehr stromlinienförmig und glatt, während Belugas einen sehr stark vom Körper abgesetzten Kopf und seitlich am Körper liegende Fettpolster und Längsfalten besitzen. Auch haben sie noch einen wahrnehmbaren, leicht eckigen Rückenkiel, während bei Narwalen die Rückenflosse bis auf eine Linie von kleinen, kaum erkennbaren Hauttuberkeln zurückgebildet ist. Belugas haben größere und deutlich breitere Brustflossen als Narwale, weshalb ich sie aufgrund der Beschreibung Larsens auch als Referenz verwendete. Bei der Schwanzflosse dagegen orientierte ich mich an den stark halbkreisförmig ausgebildeten Flossenlappen des männlichen Narwals. Interessanterweise findet sich bei Narwalen ein Geschlechtsdimorphismus bei der Form der Schwanzflosse, welche allem Anschein nach mit den hydrodynamischen Auswirkungen des Stoßzahns zusammenhängt.

    Grauer Gründelwal mit auffälligen Zähnen im Wasser
    Narluga mit hypothetischen Farbschema (Bild: Markus Bühler)

    Welche Farbe hatte der Narluga?

    Die Farbe des Narluga wurde als grau beschrieben. Insofern unterscheidet sie sich deutlich von der weißen, beziehungsweise weiß-schwarz marmorierten Farbe von Belugas und Narwalen. Allerdings sind bei beiden Arten die Jungtiere noch grau gefärbt. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass bei dem Hybriden möglicherweise atavistische Anlagen zum Vorschein kamen. Sie stammen aus der Zeit, als ihre Vorfahren noch nicht in polaren Gebieten lebten. Vermutlich waren sie auch noch nicht von weißer Grundfarbe. Daher bekam der Narluga ein Farbschema welches sich an den Jungtieren der beiden Elternarten orientierte. Im Kopf- und Halsbereich deutete ich eine leichte graue Marmorierung an, welche mehr einem jungen Narwal entspricht, der hintere Körperbereich dagegen der homogeneren Farbe junger Belugas. Zudem nahm ich mir die kreative Freiheit die Brustflossen etwas dunkler vom Körper abzusetzen, wie es in stärkerer Form bei Narwalen der Fall ist.

    Um den Hintergrund noch ein bisschen interessanter zu gestalten fügte ich einen kleinen Schwarm Polardorsche (Boreogadus saida) ein. Diese Fischart lebt auch in der Disko-Bucht. Sie kommt sowohl vor Flussmündungen bis hinab in Tiefen von 900 m vor. Diese Fische stellen auch eine wichtige Nahrung für Belugas und vor allem Narwale dar.

    Grauer Zahnwal mit kräftigem Körperbau, großen Flippern und Narwalfluke schwimmt durchs Wasser
    Lebendrekonstruktion der Narwal x Beluga-Hybriden

    Insgesamt arbeitete ich an der Rekonstruktion mehrere Monate, und trotz mancher Ungewissheiten und künstlerischer Freiheiten bestimmter Details hoffe ich doch sehr, dass sie zumindest einen realistischen Eindruck dieses außergewöhnlichen Wals vermitteln kann.


    Quellen:

    Fontanella, J. E., Fish, F. E., Rybczynski, N., Nweeia, M. T. and Ketten, D. R.
    (2011). Three-dimensional geometry of the narwhal (Monodon monoceros) flukes in relation to hydrodynamics. Mar. Mamm. Sci. 27, 889-898.

    Heide-Jørgensen, M. P. & Reeves, R. R. Description of an anomalous Monodontid skull from west Greenland: A possible hybrid? Mar. Mamm. Sci.9, 258–268 (1993).

    Nweeia, M.T., et al. 2009. Considerations of anatomy, morphology, evolution, and function for narwhal dentition. The Anatomical Record 295, 6: 1006-1016.

    1. Skovrind et al. Hybridization between two high Arctic cetaceans confirmed by genomic analysis. Scientific Reports. Vol. 9, June 20, 2019. doi:10.1038/s41598-019-44038-0.

    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Uns ist selbstverständlich bekannt, dass wissenschaftliche Namen in Texten kursiv geschrieben werden. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


    Dieser Beitrag ist zunächst in Markus Bühler’s Blog „Bestiarium“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des Autors. Vielen Dank für die Erlaubnis, ihn hier verwenden zu dürfen.

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  • Der erste Riesenkalmar in US-amerikanischen Gewässern gefilmt

    Riesenkalmare sind legendenbehaftete Tiere. Sie leben in mittleren Tiefen, kommen selten an die Oberfläche und werden noch seltener angeschwemmt. Die Kadaver sind dann aber beeindruckend, hinzu kommt, dass ihre Größe oft maßlos überschätzt wird – aus Unwissen oder Absicht.

    Ein Tier mit einer Mantellänge von 2 m und einer Tentakellänge von 8 m hat dann tatsächlich 10 m Gesamtlänge. Davon machen aber zwei lange, dünne Arme mehr als die Hälfte aus. Die anderen acht Arme sind bei weitem nicht so lang: Die Standardlänge von der Mantelspitze bis zum Ende der Fangarme würde hier vier bis fünf Meter betragen. Groß, aber nicht außergewöhnlich.

     

    Kryptozoologisches

    Seit Menschen mit Booten übers Meer fahren, gibt es Geschichten von Seeungeheuern. Seit sie sich weit genug vom Ufer entfernen, um über tieferem Wasser zu fahren, wird es Kontakte mit Riesenkalmaren gegeben haben. Seit jeher gehören sie zum Seemannsgarn.

    rot beleuchteter Riesenkalmar in einem Glaszylinder
    Ein Riesenkalmar als modern gestaltetes Ausstellungsstück im zoologischen Museum Kiel (Foto: Markus Bühler)

    Die ersten sicheren Beobachtungen scheinen um 1550 in Dänemark erfolgt zu sein. Conrad Gessner (1516 bis 1565, Arzt und Naturforscher) bildet in seinem Fischbuch einen Meermönch ab, der unschwer als Kalmar identifiziert werden kann. Dieses Exemplar soll dem König von Dänemark zugeschickt worden sein. (Anmerkung d.V.: was muss der gestunken haben, als er nach tagelangem Transport ohne Kühlung ankam. Der arme König!)

    Ebenfalls aus Dänemark kommt die erste „moderne“ Beschreibung: Japetus Steenstrup erhielt den Schnabel eines 1854 in Jütland (Dänemark) gestrandeten Tieres. Er untersuchte ihn und stellte große Ähnlichkeit mit kleineren, allgemein bekannten Kalmaren fest. Bei der Erstbeschreibung gab er ihm den Namen Architheutis dux*.

    Vermutlich, weil riesige Kalmare als Seemannsgarn bekannt waren, hat die Wissenschaft sie lange Jahre ignoriert. Sogar 10 m lange Kadaverfunde haben Wissenschaftler weitgehend ignoriert. Der berühmte Meeresforscher und -filmer Jacques Cousteau fischte auf der Suche nach Pottwalen einmal ein Stück eines Riesenkalmar-Tentakels aus dem Wasser. Da sie es nicht konservieren konnte, hat die Crew es sehr französisch verarbeitet: gekocht und als Abendessen serviert. Es stellte sich aber als nicht essbar heraus.

    Moderne Forschung

    Ausschnitt des Kieler Riesenkalmares
    Die Kopfregion, der untere Mantel und der obere Teil der Fangarme, links ein Tentakel; der Kieler Riesenkalmar (Foto: Markus Bühler)

    Obwohl wenig über Riesenkalmare bekannt war, wusste auch Cousteau, dass die Tiere Ammoniumchlorid im Gewebe einlagern, um neutralen Auftrieb zu erhalten. Ob er gehofft hat, diesen Stoff durch Kochen aus dem Fangarm-Stück zu entfernen oder ob er hoffte, seine Leute würden den Kalmar aus reiner Neugierde runterwürgen, ist nicht überliefert.

    Erst im 21. Jahrhundert begann man, sich ernsthaft mit den Tieren zu befassen. Die Erfolgsmeldungen ließen nicht lange auf sich warten. So filmten 2004 japanische Forscher das erste mal einen Riesenkalmar in seiner natürlichen Umgebung, er jagte aktiv. In der Folge gelangen weitere Aufnahmen, auch an anderen Stellen, unter anderem zeigen sie starke Lumineszenz.

    Mittlerweile kennt man einige andere sehr große Arten Kalmare. So erreicht der wesentlich massigere Koloss-Kalmar Mesonychoteuthis hamiltoni Mantellängen von mindestens vier Metern. 2007 zogen neuseeländische Fischer einen lebenden Koloss-Kalmar aus dem Südpolarmeer, der eine Mantellänge von 4,2 m und ein Gewicht von 495 kg hatte. Die Augen haben einen Durchmesser von 27 cm und sind die größten je untersuchten Augen.

    Riesenkalmare bleiben wesentlich schlanker und erreichen selten mehr als 100 kg. In Museen sind einige Modelle oder Abgüsse ausgestellt. In Deutschland stellen das Ozeaneum Stralsund und das Zoologische Museum in Kiel originale Riesenkalmare aus.

    Die Forschung der Florida International University

    Diese Biolumineszenz und die Reaktion des Kalmars haben sich Forscher und Studenten der Florida International University (FIU) zu Nutze gemacht. Etwa 180 km südwestlich von New Orleans im Golf von Mexiko ließen sie eine ferngesteuerte Kamera ins Wasser. Als Köder hatten sie eine Reihe von Leuchtdioden installiert, die einen Ring bildeten und einzeln ansteuerbar waren. Dieser Köder sollte eine Leuchtqualle immitieren – offenbar recht gut, der Riesenkalmar war interessiert, untersuchte die vermeintliche Qualle – und zog wieder ab:

    Die Exkursion begann am 7. Juni 2019, sie sollte 17 Tage dauern. Wie es bei solchen Aktivitäten immer so ist: Der Erfolg stellt sich erst spät ein. „Als der Kalmar erschien, konnte ich kaum glauben, was ich sah“ sagte Lori Schweikert, die als Post-Doc eigentlich an einem anderen Projekt arbeitet. Bei fünf Kontakten kamen insgesamt mehr als 120 Stunden Filmmaterial zusammen. Der Kalmar war noch recht jung, er maß etwa 3,3 bis 4 m in der Länge.

    „Es war magisch und surreal zu sehen, wie sich das Tier in der Natur verhält“, kommentierte Prof. Heather Bracken-Grissom. „Zu wissen, dass ich Zeuge von etwas war, das ich in der Natur nur einmal gesehen hatte, erfüllte mich mit einem überwältigenden Gefühl der Dankbarkeit und des Respekts für das, was noch entdeckt werden muss.“


    Quelle:

    FIU News: Scientists capture first-ever video of giant squid in U.S. waters

    Cousteau, J.Y. (1972): The Whale: Mighty Monarch of the Sea