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  • Kommt wieder ein Bär nach Deutschland?

    Bereits vor einigen Wochen meldeten österreichische Behörden und Naturschützer, dass ein Bär nach Tirol eingewandert sei (wir berichteten). Jetzt hat er offenbar Inn und Inntalautoban überquert. Das Tier ist am 17. Juni 2019 im Klausenwald im Bezirkt Reutte/ Tirol in eine Wildkamera-Falle getappt. Dabei zeigt sich der Bär unerwartet scheu, bisher hat er sich noch nicht sehen lassen.


    Der Klausenwald liegt südlich von Höfen in Tirol

    Bis nach Füssen sind es nur noch 20 km Luftlinie, aber was sollte er dort? Bisher zeigt der Bär in Tirol keine Vorliebe für menschliche Ansiedlungen, sondern verhält sich, wie man es von einem wilden Bären erwartet. Er bleibt im Wald, meidet die Menschen und ernährt sich dort unauffällig. Oder zumindest fast, in einem benachbarten Gebiet des Klausenwaldes wurde ein Rotwildkadaver gefunden. Johannes Fritz, Amtstierarzt untersucht den Körper nun auf DNA-Spuren des Bären. Doch selbst, wenn er diese nachweisen kann: Bären fressen auch Aas, wenn es sich bietet.

    Wer ist er denn nun?

    Die DNA-Untersuchung hätte noch andere Vorteile: So wird man sich über die Identität des Bären klar. Bisher ist nichts über ihn bekannt. Bärenschützer und Behörden vermuten, dass es sich um ein junges Männchen aus dem italienischen Trentino handelt. Die genetische Untersuchung kann dann möglicherweise auch die Verwandtschaftsverhältnisse des Tieres klären.

    SW-Bild einer Wildkamera zeigt einen Bären, der am Fu0e eines Baumes etwas zu fressen scheint
    Da ist er! Das Foto der besagten Wildkamera zeigt den Bären, der am Fuße des Baumes etwas zu fressen scheint. (Foto: „privat“)

    „Es kann gut sein, dass es sich bei dem Bären um ein Tier aus dem Schutzgebiet in Südtirol-Trentino handelt“, so Fritz. Anfang Juni 2019 war etwa 80 km südlich in St. Leonhard in Passeier ein Bär in eine Fotofalle geraten. In der Gegend wurden auch drei Schafe gerissen, wobei noch unklar ist, ob der Bär überhaupt involviert war. Es könnten auch streunende Hunde gewesen sein, hält Fritz für möglich.

    Nicht mehr als ein zufälliger Besucher

    Fritz wundert sich über die Aufregung, die das Foto „des Bärli“ vor allem in Bayern verursacht. Das Tier sei unauffällig und habe bisher keinerlei Schäden angerichtet. Ohnehin ist das Bärli nicht mehr als ein zufälliger Besucher in Tirol und vielleicht auch in Bayern. Er hält es für unwahrscheinlich, dass sich in absehbarer Zeit eine Bärenpopulation in den bayerischen und österreichischen Alpen etablieren kann. Anders als junge Männchen sind Weibchen wenig abenteuerlustig und ziehen nur ungern umher. Sie weichen nur bei zu hoher Bärendichte in benachbarte Regionen aus – und von hoher Bärendichte kann bei den wenigen Tieren in Norditalien, der Schweiz und Slowenien kaum die Rede sein.

    Die Bauern brauchen keine Angst zu haben

    Die Angst vieler Almbauern vor der Rückkehr der großen Raubtiere, allen voran Bär und Wolf hält Amtstierarzt Fritz für unbegründet. Bisher gibt es mit den wenigen Wolfsrudeln in Österreich keine Probleme. Alleine in Tirol gingen von 70.000 Schafen jedes Jahr 1000 bis 2000 Tiere einfach so verloren, aber da seien weder Bär noch Wolf schuld.

    Er ist nicht „Bruno“

    Ein Braunbär im Schnee
    Der Alpenbraunbär ist eine eher kleine Form des Braunbären.

    Seit über 170 Jahren war im Jahr 2006 der Bär JJ1 alias „Bruno“ der erste wilde Bär in Deutschland. Dieses Tier hatte gelernt, die Nähe des Menschen mit Nahrung in Verbindung zu bringen und richtete einige kleinere Schäden an. Als er sich dann auch noch Spaziergängern und Mountainbikern ohne große Scheu näherte, reagierten die Behörden. Zunächst gab es -von den Medien im Sommerloch eng begleitet- einige teure aber ungeeignete Versuche, Bruno einzufangen.  Vor ziemlich genau 13 Jahren, am 26. Juni 2006 wurde er dann im Spitzingseegebiet erschossen.

    Was selten berichtet wird: JJ1 verhielt sich nicht bärentypisch. Von seiner Mutter Jurka hatte er gelernt, menschliche Ansiedlungen mit Nahrung in Verbindung zu bringen. Jurka war für Schäden an Ställen und Bienenstöcken bekannt. Wie JJ1 trat sie nie aggressiv gegenüber Menschen auf. Daher zogen die Italiener nie in Betracht, das Tier zu töten.

    Auch das dritte Jungtier von Jurka, JJ3 zeigte ein ähnliches Verhalten. Es wanderte 2007 in die Schweiz ein und näherte sich sehr regelmäßig Siedlungen. Da auch er keine Scheu gegenüber Menschen zeigte und auch nicht vergrämt werden konnte, wurde auch er 2008 von der Schweizer Wildhut erschossen.

    Jurka wurde eingefangen und trug einen Sender, um ihre Wege zu verfolgen und sie gezielter vergrämen zu können. Als das auch nach längerer Zeit nicht zum Erfolg führte, wurde sie schließlich eingefangen und lebt seit dem 26. August 2010 im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach.

    Ob heute die Toleranz einem Bären gegenüber größer ist, wird sich zeigen. Vielleicht kann man ihn am ehesten dulden, wenn man weiß, dass er ein Kurzbesucher ist, der bald wieder gehen wird – Quasi ein Tourist.

    Und mit Touristen hat man bei Füssen und Hohenschwanstein ja Erfahrung.


    Quellen:

    Focus online: Auf Beutezug in Tirol: Wildkamera knipst Braunbär nahe der bayerischen Grenze

    SZ.de: Ist nach Bruno wieder ein Bär im Anmarsch?

    Merkur.de: Wieder ein Bär entdeckt – er steht schon an bayerischer Grenze


  • Die Korsische Fuchskatze – ein wenig bekanntes Kryptid und ein reales Tier

    Auf Korsika ist vieles anders, als auf dem Festland. Nicht nur die Sprache ist anders und bei den Franzosen gelten die Bewohner als etwas seltsam. Auch die Katzen der Insel haben sich teilweise jeder genauen Klassifikation entzogen. So gibt es auf Korsika die „ghjattu-volpe“, die Korsische Fuchskatze.
    Lange Zeit hat die Zoologie sie eher als Legende abgetan. Pierre Benedetti, Forscher am staatlichen Büro für Jagd und Wild (ONCFS) hat sich näher mit dieser ungewöhnlichen Katze befasst. Benedetti stieß dabei auf Legenden, in der Literatur wurde sogar vom Verlust einer Schafsherde berichtet. Wissenschaftlich ist über diese Katze nichts bekannt.

    Typische korsische Berglandschaft
    Typische korsische Berglandschaft

    Bekommt man sie das erste Mal zu Gesicht, wirkt sie, wie eine sehr plüschige Hauskatze. Untersucht man das Tier genauer, fällt die besondere Größe auf: 90 cm schafft sie als Gesamtlänge etwas mehr als eine durchschnittliche Hauskatze. Ihre Ohren sind größer, die Schwanzspitze endet wildkatzentypisch in einer schwarzen Quaste und die Eckzähne sind länger ausgebildet, als bei einer normalen Haus- oder Wildkatze.

    Echte Kryptozoologie

    Carlu-Antone Cecchini, der sich für die ONCFS mit Wildkatzen befasst, sagte der Nachrichtenagentur „Die meisten Leute hielten uns für verrückt, weil wir nach etwas suchten, das Teil einer Legende ist.“ Doch vor 11 Jahren, 2008, fingen die Forscher eine dieser Legenden in einem Hühnerstall in der Gemeinde Olcani auf dem Cap Corse.


    Lage von Olcani auf Korsika

    „Sie sind sehr zurückhaltende, nächtliche Tiere“ beschreibt Benedetti die Lebensweise der ghiattu-volpe. Mittels Infrarot-Fotofallen konnten die Forscher Haare sammeln, aus denen sie die DNA der Katzen extrahieren konnten. Sie unterschied sich von denen der Wildkatzen auf dem europäischen Kontinent.

    Der Mitarbeiter der französischen Behörde für Jagd und Wild, Charles-Antoine Cecchini hält eine 'ghjattu-volpe', eine Fuchskatze in die Kamera.
    Der Mitarbeiter der französischen Behörde für Jagd und Wild, Charles-Antoine Cecchini hält eine ‚ghjattu-volpe‘, eine Fuchskatze in die Kamera.
    Das Foto entstand am 12.06.2019 auf Korsika, Foto: Pascal Pochard-Casabianca / AFP

    In den letzten zehn Jahren waren die Experten der ONCFS in der Lage, 16 Fuchskatzen zu identifizieren. Darunter war ein Weibchen aus der Berggegend um das Asco Valley, das über 2500 m Höhe erreicht.

    Ein Männchen der korsischen Fuchskatze wurde mit einem GPS-Sender ausgestattet. Er sendet regelmäßig Standortdaten und erlaubt es, die Katze eine Weile zu verfolgen.

    Weitere Forschung notwendig

    Da die Forschung der korsischen Fuchskatzen noch in den Kinderschuhen steckt, ist so gut wie nichts über ihr Leben bekannt. Weder zur Fortpflanzung noch zur Nahrung können die Wissenschaftler viel sagen. Aber wenigstens die DNA-Analyse hat Ergebnisse gebracht: „Die Katze könnte mit der zweiten Welle der menschlichen Besiedlung, vor etwa 6500 Jahren nach Korsika gekommen sein. Wenn diese Hypothese stimmt, stammt sie vermutlich aus dem mittleren Osten“ vermutet Benedetti.

    Bleibt nur eine Frage: Von Korsika ist die Wildkatzen-Unterart Felis sylvestris reyi beschrieben worden. Ist sie identisch mit der Fuchskatze?

    Quelle: rfi: Corsicas „cat-fox“ could be new species, say experts


  • Mönchsgeier-News: Identität von FUH geklärt, Brínzola bleibt ortstreu

    Mönchsgeier sitzt vor einer Ziegelwand
    Portrait eines Mönchsgeiers im Zoo

    Im Mai sorgte zunächst der Mönchsgeier „Brínzola“ als auch später ein nicht identifiziertes Tier der gleichen Art in Belgien für Schlagzeilem. Der Vogel tauchte am 20. Mai 2019 auf einem Feld bei Hees in der Provinz Limburg auf. Er blieb dort einen Tag und zog am 21.5. weiter, zunächst in dem belgischen Teil der Eifel, dann nach Norden an die niederländische Grenze. Im Landschaftsschutzgebiet „Landschap De Liereman“ konnten Vogelfreunde ihn fotografieren. Die letzte Meldung aus Belgien stammt vom 29. Mai aus Koksijde, fast an der französischen Grenze, in unmittelbarer Nähe der Küste.

    „FUH“ ist identifiziert

    Der Ringcode, weißer Ring mit schwarzen Großbuchstaben und der Aufschrift „FUH“ ließ der Redaktion keine Ruhe. Relativ schnell war klar, dass der Vogel durch ein französisches Projekt beringt wurde. Jetzt sind genauere Daten bekannt geworden:

    Der Vogel heißt „Vénérable“, französisch für „ehrwürdig“, ein wahrhaft passender Name für ein solches Tier. Es ist am 9.6.2017, also heute vor zwei Jahren im Nest beringt worden. Die schwarze Schönheit ist eine Naturbrut, sie stammt aus der Region Grand Causes, genauer der Gemeinde Mostuéjouls in der Gorges du Tarn im Departement Aveyron.
    Die letzte Registrierung erfolgte am 9.4.2019, als der Vogel beim Fressen gesehen wurde. Leider konnten wir nicht herausfinden, wo er das letzte Mal gesehen wurde.


    Die Gorges du Tarn, auf Deutsch: Schlucht des Tarn-Flusses im Nationalpark Cévennes

    Ist Brínzola am Ziel angekommen?

    Die Reise von Brinzola durch Europa wirkte, bis auf einige Orientierungsflüge in Frankreich, merkwürdig zielgerichtet. Seit dem 18. Mai ist sie in Norwegen und scheint am Ziel angekommen zu sein. Der Vogel bewegt sich in einem relativ kleinen Streifgebiet von nur 57 Hektar und frisst offenbar regelmäßig, so das betreuende Proyecto Monachus. Um mögliche Störungen des Vogels durch Neugierige zu vermeiden – man denke an den Presseauflauf in Belgien – veröffentlicht das Proyecto nicht, wo genau das Streifgebiet der schwarzen Schönheit liegt.

    Wir vermuten Brínzola aufgrund der letzten Reisemeldungen in der Gegend um den Langsua National Park. Das Gebiet ist für traditionelle Rentierhaltung bekannt. Mit Luchs und Bär sind zwei Großraubtiere hier heimisch, Wolfsrudel besiedeln einen Teil des Gebietes. Für ausreichend Aas sollte also im kommenden Sommer und Herbst gesorgt sein.

    Spannend wird die Frage, was der große Vogel macht, wenn es Winter wird. Wandert die Mönchsgeierdame wieder nach Spanien zurück? In einem Schutzgebiet bei Burgos wartet ihr Partner Batman auf sie.

     

    Zu den vorhergehenden Geier-Meldungen: Basismeldung, Update 1, 2-3, 4 und 5


  • Heute vor 175 Jahren: das letzte Ei eines Riesenalkes wurde – zertreten

    Das Aussterben von Tierarten ist eine schlechte Nachricht fürs ökologische Netz. Dennoch registrieren wir es oft mit einem Kopfnicken und machen weiter, wie bisher. Doch anders als ein zerstörtes Kunstwerk oder eine abgebrannte Kathedrale ist eine Tierart nicht wieder herstellbar. Um so schlimmer, wenn sie im Wissen um ihre Verletzlichkeit ausgerottet wird.

    Gestatten: Pinguinus impennis, der Riesenalk

    Dermoplastik eines Riesenalkes
    Dermoplastik eines Riesenalkes, Museum Braunschweig

    Der Riesenalk war etwa 70 bis 85 cm groß, deutlich größer als seine heute lebenden Verwandten. Wie bei den meisten Alken war sein Körper für das Schwimmen im Wasser optimiert: Die Beine sind extrem weit nach hinten gewandert, die Flügel waren kurz und taugten nicht zum Fliegen. Seine Oberseite war schwarz, die Bauchseite weiß, der Schnabel von mittlerer Länge, kräftig und ebenfalls schwarz. Bemerkenswert ist ein weißer Fleck auf der Stirn. Sie sahen einem mittelgroßen Pinguin recht ähnlich.
    So gewandt Riesenalken im Wasser gewesen sein müssen, dies erkauften sie mit nahezu vollständiger Hilflosigkeit an Land. Auch dies ist eine Parallele zu den Pinguinen.

    Riesenalke besiedelten einst vermutlich die Küstengewässer des gesamten Nordatlantiks. Knochenfunde kennt man aus den Neuengland-Staaten, Labrador, dem Westen Grönlands, Island, der gesamten Norwegischen Küste, den britischen Inseln, Dänemark, Holland und der Bretagne. Im Süden wurden sie seltener, aber es gibt auch Funde aus Florida, Italien, Südwesteuropa und Marokko. Vermutlich hielten sich die Vögel zum Brüten in den kalten Gewässern des Nordens auf. So konnten sie den Fischreichtum, aber auch die langen Tage im Sommer nutzen, um dann im Winter in wärmere Gefilde abzuwandern.
    Anders als die meisten Seevögel der Nordhalbkugel war der Riesenalk flugunfähig. Daher musste er seine Brut auf kleine, flache Inseln vor der Küste verlegen, die für Beutegreifer wie den Eisbären, aber auch Braunbären und Wölfe nicht erreichbar waren. Insgesamt sind nur 8 Brutkolonien sicher belegt, vermutlich gab es jedoch einige weitere, sehr kleine Tochterkolonien.

    Das Aussterben

    Die völlige Hilflosigkeit an Land, Riesenalke konnten nur langsam und unbeholfen laufen, ermöglichte es Vogelfängern, sie in Massen zu erlegen. Im 18. Jahrhundert begann dann die eigentliche Ausbeutung der Bestände: Menschen ließen sich auf den Brutinseln nieder, errichteten Trichter aus Steinwällen, die so hoch waren, dass die Alken nicht darüber sehen konnten. So war es möglich, die Tiere ähnlich wie beim Reusenfang in kleine Kammern zu treiben, sie dort zu sammeln und bei Bedarf zu „entnehmen“. Genutzt wurden zunächst die Daunen: die erschlagenen Vögel wurden blanchiert und gerupft, der Kadaver bildete den Brennstoff zum Erhitzen des Wassers.

    Bereits 1785 warnte der Händler und Abenteurer Kapitän George Cartwright vor dem Aussterben. Er hatte vermutlich die als erstes geplünderten Neufundländischen Populationen beobachtet. 1808 tauchte das letzte Mal ein Exemplar auf den Färöer-Inseln auf. 1830 existierte nur noch die Brutkolonie auf Geirfuglasker bei Island und eine winzige Tochterkolonie am Fuße der nahen Felseninsel Eldey. Als Geirfuglasker 1830 bei einem Vulkanausbruch völlig zerstört wurde, war die Art in finale Bedrängnis geraten.


    Lage von Eldey vor der Küste Islands

     

    Rolle der Vogelsammler und Museen

    Portrait eines Riesenalkes, Museum Braunschweig
    Portrait eines Riesenalkes, Museum Braunschweig

    Innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten war aus einem Vogel, der den gesamten Nordatlantik bewohnte eine extrem seltene Art geworden. Die Preise für Vogelbälge schossen in die Höhe, jeder Vogelsammler, der etwas auf sich hielt und jedes Museum „musste“ noch einen Balg bekommen, bevor die Art verschwunden war. An Schutz war nicht zu denken. Man ging landläufig davon aus, dass Gott keine seiner Schöpfungen aussterben ließe, auch wenn mahnende Stimmen etwas anderes, unbequemeres sagten (Das ist heute kaum anders!). Andererseits wäre ein Schutz-Gesetz auch nicht durchsetzbar gewesen. So wurden auf Eldey, dem letzten bekannten Brutplatz zwischen 1831 und 1844 noch eine zweistellige Zahl von Tieren erschlagen.
    Heute vor 175 Jahren, am Morgen des 3. Juni 1844 wurden die letzten beiden bekannten, brütenden Riesenalken von den Vogelsammlern Jón Brandsson und Sigurður Ísleifsson erwürgt. Das letzte Ei wurde aus unbekannten Gründen von Ketill Ketilson zertreten.

    Nachweise nach 1852

    Die letzte zuverlässig dokumentierte Sichtung eines Riesenalkes erfolgt 1852, seit dem gilt die Art als ausgestorben. Hierdurch bleiben zahlreiche Fragen zur Biologie der Vögel unbeantwortet. Unter anderem ist nicht bekannt, wie die überlieferte kurze Brutzeit und Nestzeit von nur 6 Wochen zur Aufzucht der Küken genutzt wurden. Nahmen sie die lange nicht ausgewachsenen und gemauserten Küken mit auf See? Wie ein Küken aussah, ist ebenfalls unbekannt. Der Natur fehlt der Riesenalk, er hinterlässt ein Loch im Netzwerk der Arten.

    Netzwerk-Mitglied Natale Guido Cincinnati hat eine große Zahl von Sichtungen nach 1852 zusammengetragen. Sein lesenswerter Artikel ist in einer der letzten Ausgaben des Kryptozoologie-Reportes erschienen. Er kann noch beim Thylacinus-Verlag bestellt werden.


  • Wandernde Geier – Update 5 –

    Was vorher geschah

    Mit „Brínzola“ ist ein besenderter Mönchsgeier auf dem Weg von Spanien über Mitteleuropa nach Norwegen. Das Proyecto Monachus und andere Vogelkundler beobachten ihn auf seinem Weg in den Norden. Der Vogel zog auf der Vogelfluglinie über den Fehmarnsund und Fehmarn weg. Nach letzten Meldungen hält sich die schwarze Schönheit jetzt in Norwegen auf.

    Seit gestern, 20. Mai 2019 wird ein weiterer, offenbar wandernder Mönchsgeier gemeldet. Damit sind mindestens drei Vögel weit außerhalb ihrer üblichen Streifgebiete unterwegs.

    Sonntag, 19. Mai 2019, Vogel Brínzola

    Karte mit dem Weg des Mönchsgeiers Brinzola durch Schweden und Norwegen am 17. und 18. Mai 2019
    Diesen Weg legte Brinzola am 18. Mai 2019 zurück. Quelle: Proyecto Monachus

    Am vergangenen Sonntag haben einige Beauftragte des Proyecto Monachus Brínzola gesucht, um ihre Verfassung zu überprüfen. Nach einigen Stunden Fußweg durch unwegsames Gelände konnten sie den Vogel finden. Zur allgemeinen Überraschung und Freude fraß sie an einem Rentier-Kadaver. Das Proyecto Monachus titulierte: „Brínzola frisst Rudolph“

    Dies belegt, dass die schwarze Schönheit in einer Gegend mit geeigneter Nahrung angekommen ist. Die Mitarbeiter des Proyecto Monachus hoffen, dass sie so genug Energie aufnehmen kann, um ihre unbeschreibliche Reise fortzusetzen – wo immer sie hin will: Wir bleiben dran.

    Abgesehen von einem zusammenfassenden Report in einer spanischen Tageszeitung ist es ruhig um Brínzola geworden, das Proyecto Monachus liefert aktuell keine Daten und von norwegischen Vogelfreunden kam bisher noch nichts bei der Redaktion an. Dennoch: Wir bleiben am Ball.


    Montag, 20. Mai 2019: Ein weiterer Mönchsgeier ist auf dem Weg nach Norden: „FUH“

    Nicht einmal zwei Wochen nach Brínzola ist ein weiterer Mönchsgeier in Belgien aufgetaucht. Das ist die dritte Registrierung von Mönchsgeiern in Belgien überhaupt. Das Tier ist mit einem weißen Ring markiert, der den schwarzen Code „FUH“ trägt. Der Vogel stammt aus einem der Projekte zur Wiedereinführung der Art in Frankreich. Dort werden Ringe dieser Farbe und mit diesem Schriftcode verwendet. Bevor Näheres über diesen Vogel bekannt ist, bezeichnen wir ihn provisorisch als Fuh. Eine E-Mail-Anfrage der NfK-Redaktion zu diesem Tier wurde vom Leiter des Projektes bisher nicht beantwortet.

    Die Belgier sind überrascht über diese unerwartete „Welle“ der Geier. Das belgische Naturbeobachter-Portal waarnemingen.be begleitet auch diesen großen, schwarzen Vogel sehr intensiv. Auf zahlreichen Bildern wird er gemeinsam mit einem unmarkierten Gänsegeier gezeigt. Die Vögel rasteten am 20. Mail ab etwa 19 Uhr auf einem Acker bei dem Ort Hees (Provinz Limburg) in der Nähe von Maastricht (allerdings auf belgischer Seite). Sie haben dort die Nacht verbracht und sind zwischen etwa 21:30 Uhr Montag und etwa 6:00 Uhr am Dienstag einige hundert Meter weiter nach Südwesten gezogen.

    Am Dienstag, den 21. Mai hat sich ein zweiter Gänsegeier den beiden angeschlossen. Am Nachmittag des selben Tages sind beide Gänsegeier aufgeflogen, die letzte Beobachtung stammt von 15:20 Uhr. Danach haben die belgischen Vogelfreunde sie nicht mehr gesehen.

    Fuh, der Mönchsgeier blieb noch bis Mittwoch, 22.5. vor Ort, die letzte Beobachung betrifft den Abflug des Tieres in südöstliche Richtung.


    Weitere Geier sind in Deutschland unterwegs

    Doch nicht nur Brìnzola ist unterwegs. In Deutschland gesellte sich kurzzeitig ein weiterer, nicht besenderter Mönchsgeier zu ihr. Seine Position ist naturgemäß schwieriger auszumachen, wir sind hier auf Meldungen von ornithologischen Beobachtern angewiesen.

    Zahlreiche Hobby-Ornithologen konnten einen juvenilen Mönchsgeier am Freitag, den 17. Mai 2019 auf Rügen beobachten. Mitte April bis Ostersonntag wurde ein Mönchsgeier auf der nahe gelegenen Insel Hiddensee beobachtet. Dieser Vogel war unberingt und im zweiten oder dritten Kalenderjahr, mit ziemlicher Sicherheit ein wild geschlüpfter Vogel. Vermutlich handelt es sich um zwei unterschiedliche Vögel.

    Ein Gänsegeier spreizt im Abendlicht die Flügel.

    Mehrere Vogelbeobachter-Portale melden übereinstimmend, dass ein Gänsegeier aus der halbwilden Population des Alpenzoos Innsbruck bereits seit Anfang Mai in einer Graureiher-Kolonie in Kolbermoor bei Rosenheim sitzt. Er ernährt sich offenbar von Graureiher-Küken und macht laut Meldung einen gesunden Eindruck. Das Tier war auch am Sonntag, den 19.5. noch vor Ort.

    Heute, 23. Mai 2019 erreichte eine weitere, noch unbestätigte Geier-Meldung die Redaktion: Zwei Gänsegeier sollen in Altenwalde bei Cuxhaven an der südlichen Elbemündung aufgetaucht sein. Wir verfolgen diese Meldung weiter und prüfen insbesondere, ob es sich um die beiden Tiere aus Hees in Belgien handeln könnte. 400 km Luftlinie wären für die beiden bei der gegenwärtigen Wetterlage an zwei Tagen zu schaffen.


    Vorhergehende Beiträge zu diesem Thema:

    Spanische Mönchsgeier in Mitteleuropa vom 15. Mai 2019 mit der Ausgangslage

    Wandernde Mönchsgeier – Update 1– vom 17. Mai 2019 mit Anmerkungen zu weiteren Einflügen von Mönchsgeiern nach Deutschland seit dem 2. Weltkrieg und einer Meldung aus Nord-Italien.

    Wandernde Mönchsgeier – Update 2 und 3 – mit weiteren Flugdaten.

    Wandernde Mönchsgeier – Update 4 – mit der Meldung aus Belgien und von Rügen.

    Quellen (auszugsweise):

    Proyecto Monachus

    Facebook-Seite des Projektes

    Das belgische Naturbeobachter-Portal waarnemingen.be mit Sichtungen und Fotos des Tieres

    Naturkundliche News der Natuschutzgesellschaft Küstenregion Vorpommern zum Mönchsgeier auf Hiddensee