Medium der Woche: Deutsche in der Antarktis

Die Wissenschaft stand bei den deutschen Antarktisexpeditionen meist im Vordergrund, doch hatte die Erforschung der Südpolarregion auch immer eine politische oder ökonomische Komponente, ging es um Ressourcennutzung oder die Sicherung von Einflussbereichen. Cornelia Lüdecke stellt den Verlauf der drei deutschen Antarktisexpeditionen von 1901-03, 1911-12 und 1938/39 mit ihren teils dramatischen Wendungen dar und gibt Einblicke in das Alltagsleben unter Extrembedingungen.

 

Eisberg
Antaktischer Eisberg (Beispielbild)

 

Dazu wertet sie unveröffentlichtes Material aus Archiven und privaten Nachlässen der Expeditionsteilnehmer aus. Sie betrachtet die Expeditionen unter wissenschaftlichen und politischen Aspekten und geht dabei auch auf die Mythen ein, die mit der »Schwabenland«-Expedition in der Zeit des Nationalsozialismus verknüpft sind.

 

FS Polarstern in Bremerhaven
Die Polarstern im Heimathaften Bremerhaven. Foto: Denis Sandmann CC 4.0

 

Abschließend beschreibt die Autorin die deutsche Südpolarforschung nach dem Zweiten Weltkrieg, die in der DDR und BRD unterschiedliche Wege ging, und gibt einen Ausblick auf die künftige Forschung. Erstmals wird durch dieses Buch die Geschichte der Deutschen in der Antarktis für eine breite Öffentlichkeit sachlich und informativ dargestellt.

Der hochwertig ausgestattete Band enthält 207, teilweise noch nie veröffentlichte Bilder.

 

Deutsche in der Antarktis

 

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Deutsche in der Antarktis

Deutsche in der Antarktis: Expeditionen und Forschungen vom Kaiserreich bis heute“ ist 2015 im Verlag Ch. Links erschienen und hat als gebundenes Buch 224 Seiten im Format 22 x 25 cm.

 

Es ist vergriffen und nur noch antiquarisch zu bekommen, für neuwertige Exemplare zahlt man etwa 15 €.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.




Die Presseschau 12/2023 mit amerikanischen Affen, verschollenen Schmetterlingen und sehr glücklichen Schafen

Liebe Leserinnen und Leser,

 

heute ist der erste Advent, in einigen Teilen Deutschlands ist das Wetter sehr winterlich geworden und hat zu einer unerwarteten und alles andere als erhofften Entschleunigung geführt: Süddeutschland zwischen Nürnberg und Stuttgart ist mehr oder weniger stark verschneit, in München und südlich davon geht gar nichts mehr.

Die Redaktion blickt auf blaugrauen Himmel, durch die tiefstehende Sonne illuminierte Bäume, Häuser und drei Baukräne am Horizont, von Schnee ist trotz eisiger Temperaturen bei uns nichts zu sehen. Hier stehen neben der alltäglichen Arbeit auch noch die Weihnachtsvorbereitungen an, die nächsten Wochen werden also voll. Im christlichen Sinn ist der Advent eine Wartezeit, eine Zeit der Ankunft und Muße – in der säkularen Welt bedeutet das: Viel vorbereiten, damit die Adventszeit und Weihnachten möglichst perfekt wird. Eigentlich ein dummer Ansatz, ausgerechnet an solchen Tagen noch Festessen nach Festessen auftischen zu wollen, vorher noch den Weihnachtsputz zu machen, die Bude festlich zu schmücken, Plätzchen zu backen – um dann am Ende einfach nur seine Ruhe haben zu wollen.

Wie haltet ihr das?

Mehr Zoologie als Kryptozoologie?

In dieser Presseschau ist noch nicht der Dezember, sondern der November das Thema. Tatsächlich sind wieder zahlreiche mikrokryptozoologische Themen dabei, die Makrokryptozoologie, bei der es um die „wahren Monster“ geht, fällt wieder weitgehend unter den Tisch.

Wir sind in den letzten Wochen mehrmals gefragt worden, wieso wir uns nicht primär mit Wesen wie dem Bigfoot, Megalodon, Champ, Nessie, Trunko etc. befassen, das sei schließlich die „echte“ Kryptozoologie. Was wir machten, sei ja eher Zoologie.

Ja, es stimmt, die Makrokryptozoologie hat hier nur einen sehr begrenzten Raum, auch wenn sie bei den Lesern sehr beliebt ist. Dies hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist sicher, dass es aus diesen Bereichen selten substanzielle Neuigkeiten gibt. Zu den meisten Makrokryptiden ist alles gesagt, eine weitere zweifelhafte Bigfoot-Sichtung, ein weiteres Webcamvideo, das eine Wasserbewegung auf Loch Ness zeigt, eine weitere persönliche Meinung zum Megalodon – das hat wenig Nachrichtenwert, selbst bei uns. Die Annahme, einige Kryptide würden als Parallelwelten, anderen Dimensionen zu uns herüberwechseln, um hier – ja, was denn? – zu tun, liegt außerhalb des von uns vertretenen naturwissenschaftlichen und mythologischen Ansatzes.
Die Frage der Existenz von Makrokryptiden ist ebenfalls in aller Regel ausdiskutiert worden. Für Neueinsteiger in unsere Disziplin ist das sicher grundlegend und interessant. Leider liegen unsere Einschätzungen in den allermeisten Fällen bei „biologisch nicht möglich“ wie beim Pegasus oder Zentaur über „soweit ausgeschlossen, wie man es in einem offenen System ausschließen kann“ wie für Nessie oder den Kelpie bis hin zu „biologisch als etwas völlig anderes erklärt, aber mythologisch interessant“ wie den Yeti oder Jersey Devil.

 

Unser Autor Peter Ehret schlug vor, im kommenden Jahr dennoch diese „klassischen Kryptide“ mal ausgiebiger vorzustellen. Wir planen für das Frühjahr eine größere Überarbeitung dieser Webseite. In diesem Rahmen werden wir ein paar neue Angebote einstellen, unter anderem auch die „Klassiker“ vorstellen, hinterfragen und sie modern kryptozoologisch bearbeiten.

 

Ausblick auf 2024

Im kommenden Jahr wird es einige weitere Angebote geben, nicht nur online. Leider sind alle noch im Stadium vor der Spruchreife, so dass wir sie noch nicht wirklich ankündigen können.

Online wird sich vermutlich etwas tun. Wir müssen an die teilweise veraltete Technik im Rückraum der Webseite ran. Dies werden wir nutzen, um die mittlerweile nahezu 1000 veröffentlichen Beiträge neu zu ordnen, die Rubriken im Menue oben zu überarbeiten, einiges am Design zu verändern und und und. Dann ersetzen wir auch alte Plugins durch modernere mit zusätzlichen Möglichkeiten.

 

Apropos 2024: Unser Kalender „Ausgestorbene Tiere“ ist nur noch in geringer Zahl erhältlich. Wer sich die tollen Aquarelle, Zeichnungen und Gemälde von 13 neuzeitlich ausgestorbenen Tieren an die Wand hängen will, sollte sich beeilen. Vermutlich ist er Ende der Woche vergriffen. Der Vogel-Fotokalender von Peter Ehret ist bereits ausverkauft.

 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen

 

Euer

 

Tobias Möser


Die Wieder- und Neuentdeckten

Der Attenborough-Schnabeligel

Zaglossus-attenboroughi-Foto-Expedition-Cyclops
Zaglossus-attenboroughi, der Attenborough-Langschnabeligel in der Fotofalle. Foto: Expedition Cyclops

 

Eines der wenigen heute noch lebenden Eierlegenden Säugetiere, der Attenborough-Schnabeligel war lange Zeit nur vom Holotyp bekannt. Der Holotyp bestand aus einem Fell und einigen zertrümmerten Knochen, vermutlich wurde das Tier in einer Schlagfalle gefangen. Nach über 60 Jahren konnten Wissenschaftler erstmals das ausgestorben geglaubte Tier lebend fotografieren.

Wir hatten über die Wiederentdeckung ausführlich berichtet.


Relativ neu ist die folgende Meldung:

De Winton-Goldmull wieder entdeckt

Goldmulle gehören zu den am wenigsten bekannten Säugetieren überhaupt. Sie bilden eine Gruppe innerhalb der Afrotheria. Sie sind am nächsten mit den Tenkrekartigen und den Otterspitzmäusen verwandt.

 

DeWinton Goldmull
Der DeWinton Goldmull wurde nach 87 Jahren in Port Nolloth im Westen Südafrikas wiederentdeckt. (© Photo by JP Le Roux)

 

Die Goldmulle haben die grabende Lebensweise vieler Afrotheria ins Extrem geführt, sie leben wie unsere Maulwürfe unter der Erde. Die meisten Arten werden etwa 9 bis 14 cm groß und wiegen zwischen 20 und 100 g. Die Tiere sind kompakt und spindelförmig gebaut, die Nase ist oft kurz und mit einem ledrigen Polster bedeckt, das beim Graben eingesetzt wird. Arme und Beine sind kurz und kräftig und eher unterhalb des Körpers angesetzt. Die Hände sind zu Greifwerkzeugen mit starken Krallen ungeformt, sie haben vier Finger (der äußere „kleine Finger“ ist meist stark reduziert).
Die Augen sind bei allen Arten unter dem dichten Fell verborgen, äußere Ohren und ein Schwanz fehlen. Das Fell ist deutlich nach hinten orientiert, dicht und seidig weich. Bei einigen Arten glänzt es nahezu metallisch, bei anderen irisiert es in anderen Farben.

Der DeWinton-Goldmull (Cryptochloris wintoni) ist selbst für Goldmulle wenig bekannt. Die silbrig schillernde Art ist bisher nur aus einem einem kleinen Gebiet bei Port Nolloth an der Küste von Namaqualand in der südafrikanischen Provinz Nordkap bekannt. Das bekannte Vorkommen beschränkte sich auf 8 km² (etwas kleiner als der Tegernsee).  Sie erreicht nur etwa 9 cm Körperlänge. Über ihre Lebensweise ist so gut wie nichts bekannt. Offenbar graben sie oberflächennahe Gänge über eine Länge von bis zu 60m, worin sie Insekten und andere kleine Bodenlebewesen jagen. Er galt als ausgestorben oder beinahe ausgestorben.

Moderne Kryptozoologie

2021 nahmen Wissenschaftler an der Westküste Südafrikas Proben aus oberflächennahen Gängen von unbestimmten Goldmullen. Darin untersuchten sie die Umwelt-DNA (eDNA) und veröffentlichten die Ergebnisse vor Kurzem. Dabei zeigte sich, dass der DeWinton-Goldmull wesentlich weiter verbreitet ist, als die angenommenen 8 km², jedoch nicht unbedingt häufig vorkommt. Während der Untersuchungen konnten die Forscher bei Port Nolloh ein Exemplar fangen, das zu 98,9% dem bekannten Genom vom DeWinton-Goldmull entsprach.

 

Quelle: Mynhardt, S., Matthew, E., le Roux, J.P. et al. Environmental DNA from soil reveals the presence of a “lost” Afrotherian species. Biodivers Conserv (2023). https://doi.org/10.1007/s10531-023-02728-2 (Volltext frei verfügbar)


Schmetterling nach 86 Jahren wieder entdeckt

Anfang des Monats ging diese Meldung sogar durch die Tagespresse, selbst die Radiosender haben berichtet: Der Gebirgs-Steppenfrostspanner (Lignyoptera thaumastaria), der 1937 das letzte Mal nachgewiesen wurde, ist wiederentdeckt worden. Im Oktober hatte sich eine Gruppe von Fachleuten, darunter Schmetterlingsexperte Robert Trusch vom Naturkundemuseum Karlsruhe auf den Weg in die Bosnischen Berge gemacht. Dort sollte der Gebirgs-Steppenfrostspanner oberhalb der Baumgrenze leben, falls er noch existiert.

Bereits in der ersten Nacht fingen sie mehrere Männchen und Weibchen der Art. Möglicherweise wurde die an sich eher unscheinbare Art lange Zeit übersehen, da sie sich kaum von den üblichen Lichtfallen anlocken lässt. Hinzu kommt, dass die Weibchen nicht flugfähig sind, möglicherweise eine Anpassung an starke Winde in den Gebirgslagen Bosnien-Herzegowinas.

 

Weitere Infos und Fotos zu Lignyoptera thaumastaria: Lepiforum

 

Pressemeldungen: faz, Die Zeit


Ganz klassische Kryptozoologie

Riesen-Ratten auf den Salomonen entdeckt

Um einer Diskussion wie damals im (un)seeligen Forum vorzugreifen: Es handelt sich nicht um eine Rattus-Art.

 

Die indigene Bevölkerung der Salomonen-Insel Vangunu nannte die Tiere Vika. Bei den Vikas handelt es sich um große Nagetiere, die bis zu einem halben Meter lang und einem Kilo schwer werden sollen. Sie ernähren sich nach Angaben der Bevölkerung auch von Kokosnüssen, die sie mit den Zähnen knacken können. Die Vikas sind ein wichtiger Teil der lokalen Kultur, es gibt Lieder oder sogar Kinderreime über sie – alleine die westliche Wissenschaft kannte sie bisher nicht.

Ebenfalls ein kryptozoologisches Abenteuer

Der Säugetierforscher Tyrone Lavery besuchte die Insel 2010 das erste Mal. Dabei hörte er Geschichten über Tiere, die Kokosnüsse mit den Zähnen öffnen. Er konnte die Vika möglicherweise zweimal kurz beobachten. 2015 bekam er schließlich ein Tier in die Hände, das bei Baumfällarbeiten verletzt wurde. Es starb kurze Zeit später, die Waldarbeiter vergruben es, um es zu konservieren. 10 Tage später wurde es ausgegraben und für die Wissenschaft gesichert. 2017 zum Holotyp der Art Uromys vika, obwohl es stark verwest war. Die Art gehört zur Untergattung Cyromys, die wiederum nur auf der benachbarten Insel Guadalcanal vorkommt.

Über den Bestand der Vikas ist nichts bekannt. Lavery und Kollegen gehen aber davon aus, dass nur wenige hundert Tiere noch existieren. Auf Vangunu gibt es etwa 81 km² Primärwald (soviel Fläche wie der Chiemsee hat, der zweite bayerische See, der als Vergleich herhalten muss), aber sie wird durch Rodung für den Holzhandel permanent zurück.

 

Jetzt gelang es erstmals, das Tier mit einer Wildkamera zu fotografieren. Dabei stellte sich auch heraus, dass die Ratte dann doch deutlich kleiner war, als die Berichte der Einheimischen. Sie erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 22 bis 33 cm und ein Gewicht von etwa 300 bis 450 g.

 

Genaueres zur Vika oder Vangunu-Riesenratte auf der Wikipedia, zum Volltext der Entdeckung und Fotos in Ecology and Evolution.


Wiederkehrer in Deutschland

Wölfe können leichter abgeschossen werden

Bundesumweltministerin Steffi Lemke hat sich zusammen mit den Umweltministern der Länder auf einen veränderten Umgang mit Problemwölfen geeinigt. Wölfe, die wiederholt Schutzzäume überwinden und Nutztiere reißen, dürfen schneller und unproblematischer getötet werden.

Hierzu sollen die Bundesländer Regionen mit vermehrten Wolfrissen festlegen. In diesen Gebieten kann dann ein Wolf erschossen werden, wenn dieser mehrfach (!) Schutzvorkehrungen überwunden und Nutztiere gerissen hat. Auf eine DNA-Analyse muss nicht gewartet werden.

 

Wolf
Passend zum Wetter

 

Im Klartext heißt das: Wenn ein Landwirt einen den Vorschriften entsprechenden Herdenschutz aufgebaut hat und trotzdem ein Wolf Tiere seiner Herde reißt, dann wird er nicht nur entschädigt, der entsprechende Wolf wird auch zum Abschuss freigegeben.
Wie das im Einzelfall läuft, schließlich muss ja ein individueller, verantwortlicher Wolf gefunden werden und wer ihn abschließen muss / darf, geht aus den Pressemeldungen nicht hervor.

 

Meinung:

Hier haben die Umweltminister etwas getan, das sie als „Zeichen der Versöhnung, um den gesellschaftlichen Konflikt zu befrieden“ bezeichnen.
Man sehe sich mal die Zahlen an: In Deutschland gibt es aktuell etwa 260.000 landwirtschaftliche Betriebe, von denen 9600 überhaupt Schafe halten, insgesamt etwas über 1,5 Millionen Schafe.
2022 gab es 4366 gemeldete Fälle von verletzten, vermissten oder getöteten Nutztieren, davon 3778 Schafe, 260 Rinder, 184 Tiere aus Gehegewild und 91 Ziegen. Geht man von einem durchschnittlichen Preis aus (Damwild ca. 100 bis 200 €, Ziege 150 bis 300 €, Schaf 500 €, Milchkuh 3000 €), sind dies in der Summe nicht einmal 275.000 €. Beschränkt man sich auf die Schafe, liegt der durchschnittliche Schaden pro Schafhalter bei 197 € im Jahr.

 

Die Schafbestände in Deutschland sind dauerhaft rückläufig, um das Jahr 2000 wurden doppelt so viele Schafe gehalten. Dies liegt mit Sicherheit nicht an den Wölfen. Die tatsächlichen Probleme liegen an anderen Stellen: Die Wolle deutscher Schafe ist quasi unverkäuflich, Milch- und Milchprodukte spielen quasi keine Rolle und der Bereich der Fleischschafe steht unter starkem Druck durch die Einfuhr kostengünstigem Lammfleisches aus Neuseeland. Einer der wichtigsten Gründe für die Schafhaltung ist die Landschaftspflege. Beweidung und „goldener Tritt“ auf den Deichen wird gut bezahlt, aber Heck- und Taurusrinder, primitive Pferderassen und Wasserbüffel haben Schafe in einigen Bereichen der Landschaftspflege teilweise verdrängt.

Eine Frage der Realisierung

Ich denke, hier haben die Umweltminister eine eindeutige, gute Regelung einer Mini-Interessensgruppe geopfert, die zwar laut schreit, aber mehr Angst als Schäden hat. Nun ist es aber so, dass so eine Regelung ja nicht zwangsläufig zu einer Erhöhung der Abschüsse führt. Dies ist eine Frage der Auslegung, denn es dürfte schwerfallen, einzelne Wölfe ohne DNA-Analyse für Risse verantwortlich zu machen, wenn in dem Gebiet mehrere Tiere vorkommen.
Wichtig ist, hier nicht den Fehler der Fuchsjagden zu wiederholen und sichtbare Einzeltiere „zu entnehmen“. Dies sind meist die Alphatiere, ohne die ein Rudel buchstäblich kopflos wird. Dies wiederum wird dazu führen, dass keine gemeinschaftliche Jagd auf große Wildtiere stattfindet und sich hungrige, unerfahrene Einzelwölfe dort bedienen, wo es am Einfachsten erscheint.


Wildkatzen im Bergischen

Der BUND und ehrenamtliche Wildkatzenbotschafter/innen haben im Oberbergischen bei Waldbröhl Wildkatzen nachweisen können. Laut deren Meinung handelt es sich um eine Sensation.

 

Wildkatze

 

Auch in diesem Fall wurden die Wildkatzen mit Lockstöcken nachgewiesen. Hierbei handelt es sich um aufgeraute Holzlatten, die mit einem Lockstoff, für Katzen typischerweise Baldrian, versehen sind. Reibt sich ein Tier daran, bleiben Haare hängen, die wiederum einer DNA-Analyse unterzogen werden können. Zudem setzte man im Bergischen noch Wildkameras ein, die die Besucher des Lockstockes filmten.

 

Von den über 1000 Wildkatzen, die zwischenzeitlich wieder in NRW leben, sind damit auch zwei im Oberbergischen nachgewiesen worden.

 

Quelle: WDR vom 22.11.2023


Rezente Zoologie

Citizen Scientist lüftet Sexgeheimnis von Fledermaus

Breitflügelfledermäuse, zumindest deren Männchen (kann man da noch Männchen sagen?) verfügen über ein mächtiges Gemächt. Im Klartext: Ihr Penis ist so groß, dass sie damit die Weibchen nicht penetrieren können. Im erigierten Zustand ist er siebenmal größer als die Vagina der Weibchen, hinzu kommt, dass er über eine stark verdickte Spitze verfügt. Damit ist ein Geschlechtsverkehr nach dem üblichen Verfahren bei Säugetieren schlicht unmöglich.

 

Breitflügelfledermaus
Breitflügelfledermaus, Foto: Mnolf, CC-BY-SA-3.0

 

Doch Breitflügelfledermäuse können sich trotz dieses – sagen wir mal: Hindernisses fortpflanzen, sonst gäbe es sie ja nicht. Wie es genau vor sich geht, war bis vor Kurzem ein Rätsel. Die Antwort auf dieses Rätsel lieferte der Niederländer Jan Jeucken. Er filmte die Breitflügelfledermäuse auf dem Dachboden einer Dorkirche, unter anderem auch beim Sex. Diese Videos schickte er an eine Arbeitsgruppe der Uni Lausanne in der Schweiz.

Dort konnte man beobachten, wie die Paarung ablief. Zunächst bestieg das Männchen das Weibchen, wie bei Fledermäusen üblich. Dann führte es seinen Penis um die zwischen den Beinen liegende Flughaut des Weibchens herum und drückte die Spitze auf die Vagina, ohne dass es zu einer Penetration kam. Danach folgte eine sehr lange, reglose Umklammerung beider Tiere. Der Geschlechtsakt dauerte zwischen 53 Minuten und 12 Stunden, 40 Minuten.

 

Bemerkenswert hierbei: Die in vielen Dingen bereits den Vögeln ähnlichen Fledermäuse praktizieren in diesem Fall auch einen Geschlechtsakt, der dem der Vögel ähnelt.

 

Quelle: Mating without intromission in a bat: https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(23)01304-0

 


Noch mehr skurriler Sex:

Wurm-Hinterteil entwickelt sich zu vollem Tier

Der im Meer lebende Vielborster Megasyllis nipponica (Annelida, Syllidae) zeigt selbst für Syllidae ein seltsames Fortpflanzungsverhalten. Einige Arten knospen lateral, wie es z.B. von Süßwasserpolypen bekannt ist. Andere zerfallen in wenige Segmente lange Einheiten, aus denen sich vollständige Würmer entwickeln können. Wieder andere bilten Geschlechtstiere hervor, die nach der Ablösung vom Stammtier kurzzeitig ein freischwimmendes Eigenleben führen.

Megasyllis nipponica hat diese Form der Fortpflanzung aufs Extrem gebracht. Die hinteren Segmente des Tieres, die zur Fortpflanzung mit Eiern oder Spermien gefüllt sind entwickeln Hirn und Augen, Fühler und Schwimmborsten, dann trennen sie sich kurzzeitig fast vollständig funktionsfähiges Tier vom Elterntier. Diese Fortpflanzungeinheiten (Stolo) haben sogar ein einfaches Verdauungssystem, Nieren bringen sie als Anneliden in jedem Segment mit.

 

Megasyllis nipponica
Megasyllis nipponica während der Entwicklung eines Stolo, Abb. aus Nakamura et al.

 

Was die Stolo tatsächlich machen, um dem ihnen zugedachten Zweck zu dienen, wird in der Arbeit eines japanischen Teams nicht berichtet. Es ist zu erwarten, dass sich über Pheromone im Wasser männliche und weibliche Stolo treffen und in der Folge die eingelagerten Sexualprodukte abgeben. Ob es sich hierbei um Massenhochzeiten handelt, wie es bei ähnlichen Würmern vorkommt, ist unbekannt.

Die zurückbleibenden Adulttiere können weitere Stolo bilden. Ob sie ein- oder zweigeschlechtlich sind, also immer Stolo des selben Geschlechts ausbilden ist ebenso unbekannt.

 

Quelle: Nakamura et al. (2023):  https://www.nature.com/articles/s41598-023-46358-8


Paläontologie

Vorfahr der „Flores-Hobbits“ entdeckt

Noch namenlos ist die Menschenart, die Wissenschaftler um Yousuke Kaifu vom Tokioter Nationalmuseum beschreiben.

 

Homo floresiensis. Kennen die Lio sie als Affenmenschen?
Rekonstruktion des Homo floresiensis

 

Der Flores-Hobbit, Homo floresiensis war ein außergewöhnlich kleinwüchsiger Hominide, dessen Überreste man 2004 auf der indonesischen Insel Flores entdeckt hat. Die Fossilien sind etwa 55.000 Jahre alt, also sehr jung. Die jetzt vom Team um Gert van den Berg entdeckten Fossilien sind mit 700.000 Jahren deutlich älter. Es handelt sich um ein Kiefer-Bruchstück und einige Zähne in einem Sandstein beim Mata Menge auf Flores, 70 km von Liang Bua, wo die Überreste von Homo floresiensis gefunden wurden. Ganz in der Nähe fanden sie einfache Steinwerkzeuge.

 

Die Wissenschaftler beschreiben die Fossilien als „den Homo floresiensis-Fossilien bemerkenswert ähnlich“. Sie lassen neue Erkenntnisse über die Verbreitung früher Menschen auf der Welt und vor allem in dieser Region.

 

Mit diesem Fund wurde die Frage, ob die „Flores Hobbits“ nicht doch krankhaft veränderte moderne Menschen waren, abschließend geklärt. Doch wie so oft entstehen durch die Antwort mehrere neue Fragen: „Wann erreichten die Vorfahren der Hobbits Flores?“, „Wieso waren sie bereits vor 700.000 Jahren so klein?“, „Wie erreichten sie Flores?“

 

Quelle: https://archaeology-world.com/indonesia-discovers-700000-year-old-hobbit-fossils/


Wie kamen die Affen nach Nordamerika?

Fund aus China klärt den Ursprung

Im Eozän gab es in Nordamerika zahlreiche Affenarten, die wir heute den frühen Lemuren oder den Tieraffen zuordnen würden. Doch mit Ende des warmen, feuchten Klimas vor etwa 34 Millionen Jahren starben sie aus. Nordamerika war frei von Affen.

 

So könnte Ekgmowechashala, der vorletzte Primat Nordamerikas ausgesehen haben. © Kristen Tietjen/ KU Biodiversity Institute and Natural History Museum

 

In Fossilfunden im Alter von etwa 30 Millionen Jahren taucht jedoch wieder eine Affengattung auf. Zwei Arten der Gattung Ekgmowechashala, E. phiotau und E. zancanellai verbreiteten sich schnell über Nordamerika. Sie wogen um die 2 kg, hatten eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 30 cm und gehörten zur Familie der Omomyidae. Sie gehörten zu den Tarsiiformes, zu denen auch die Koboldmakis gehören.

Fossilien von Ekgmowechashala wurden nun in den Lagerstätten Brown Siltstone Beds der Brule Formation (South Dakota) und der White River Group im Westen Nebraskas gefunden. Weitere Funde gibt es aus Oregon Hinzu kommt eine nahe verwandte, bisher unbekannte Art aus der chinesischen Provinz Guangxi, die in der Arbeit als Palaeohodites naduensis neu beschrieben wird.

 

Die Verbreitung des Gattungskomplexes in China und Nordamerika legt nahe, dass der nordamerikanische Kontinent von Asien kommend über Beringia besiedelt wurde. Die Menschen nahmen fast 30 Millionen Jahre später den selben Weg.

 

Quelle: Journal of Human Evolution 185, 2023


Umwelt

Rädertierchen zerschreddern Plastik

Dass Plastikmüll in Gewässern schon durch die rein mechanische Bewegung zermahlen wird, ist bekannt. Unbekannt ist, dass diese kleinen Stücke oft von Rädertierchen aufgenommen werden. Mit ihrem Kaumagen zerteilen sie die kleinen Partikel noch weiter in weniger als einen Mikrometer messende Mikropartikel.

 

Rädertierchen unter dem Mikroskop
Unbestimmtes Rädertierchen unter dem Mikroskop; Foto: Picturepest CC-BY-2.0

 

Ein einziges Rädertierchen kann unter günstigen (oder eher ungünstigen) Umständen bis zu 350.000 Mikropartikel erzeugen, dabei lebten in dem von Forschern untersuchten See rund 23.000 Rädertierchen pro Liter Wasser.

Die von Rädertierchen erzeugten Partikel sind so klein, haben aber eine gewaltige Oberfläche im Vergleich zur gleichen Plastikmenge größerer Partikel, dass sie reaktiver und damit potenziell wesentlich schädlicher sind. Zudem können sie Träger insbesondere aliphatischer Verbindungen werden, die auf diese Weise in andere Organismen gelangen können.

 

Quelle: Nature nanotechnology


EU-Naturschutzgesetz geht in die richtige Richtung

Die EU ist ursprünglich auch eine Landwirtschaftsgemeinschaft und das merkt man immer noch. Daher ist es sehr erfreulich, dass die EU nun durchsetzen will, dass bis 2030 auf 20% der Land. und Seeflächen eine Renaturierung durchgeführt wird. Dies bedeutet unter anderem Wiederaufforstung von abgeholzten oder auf andere Weise verschwundenen Wäldern, Wiedervernässung von Mooren und wesentlich mehr Grün on den Städten.

 

Weißstorch
Bitte keine Wortspiele mit Storch und von und zu. Danke.

 

Die Christdemokraten in der EU, die EVP-Fraktion wollte das Gesetz komplett verhindern, konnten einige schmerzhafte Lockerungen durchsetzen und stimmten am Ende zu. Der WWF und die Fraktion der Grünen hingegen äußerten sich enttäuscht, da das Gesetz einige Ausnahmen und Schlupflöcher biete.


Hunderte toter Quallen auf Norderney

Rhizostoma octopus
Rhizostoma octopus; CC0

 

An den Stränden der ostfriesischen Urlaubsinsel Norderney sind zahlreiche Wurzelmundquallen (Rhizostoma octopus) angeschwemmt worden. Die blau schimmernden Tiere strandeten bereits tot, da sie nach der Fortpflanzung im Ärmelkanal und der Biskaya mit der Strömung in die Nordsee geraten sind. Dies passiere sonst im Spätsommer und Herbst, so Berit Finkennest vom Wattenmeer-Nationalparkhaus. Im November sei das ungewöhnlich.

 

Quelle: n-tv


Wollhandkrabbe im Sandkasten – Kita schließt Außengelände

In Aldekerk am Niederrhein ist eine Wollhandkrabbe im Außengelände der Kita Spatzennest aufgetaucht. Obwohl keine „echte“ Gefahr besteht, schloss die Kita auf Anraten des Ordnungsamtes das Außengelände, falls sich dort weitere der großen Krabben aufhalten. Sie könnten die Kinder mit ihren kräftigen Scheren kneifen.

 

Eriocheir sinensis
Eriocheir sinensis, die Wollhandkrabbe. Foto: Gerard M; CC-BY-SA-3.0

 

Chinesische Wollhandkrabben gehören zu den wichtigsten invasiven Tierarten in Europa. Anfang des letzten Jahrhunderts wurden sie zunächst in den norddeutschen Häfen nachgewiesen, seit dem haben sie sich über die Flüsse in nahezu ganz Mitteleuropa verbreitet. Die Tiere leben im Süßwasser und wandern am Ende des Lebens in die Flussmündungen, um sich dort zu paaren. Die Larven leben einige Monate freischwimmend im Brackwasser, wandern dann als Jungkrabben die Flüsse wieder hinauf.
Bei feuchtem Wetter, wie es im November am Niederrhein herrschte, können die Tiere längere Zeit am Land überleben. Sie haben einen bis zu 8 cm breiten, nahezu quadratischen Panzer, die langen Beine können eine Spannweite von 30 cm erreichen.

 

Quelle: Rheinische Post vom 24.11.2023


Eifel eingesponnen?

Die Eifel ist als Landschaft an sich schon spannend, sowohl die geologische wie die historische Vergangenheit hat einiges zu bieten, landschaftlich und naturräumlich ist sie für Deutschland eher ungewöhnlich. Doch nun hat der Jungferweiher in Ulmen eine weitere „Attraktion“. In der Nähe des etwa 3 km langen Rundweges um das Maar gibt es etwas zu entdecken: Spinnen, die sonst eher unauffällig und solitär leben, haben sich in den letzten Tagen zusammengetan und ganze Bereiche der Natur mit einem großen Geflecht aus Spinnweben überzogen. Nach Aussagen der Oberen Naturschutzbehörde handelt es sich bei den beteiligten Tieren hauptsächlich um Zwerg- und Baldachinspinnen, insgesamt seien etwa 40 Arten beteiligt.

 

Offenbar hat das feuchte Wetter in der letzten Zeit zu einer Massenwanderung der Spinnen in höher gelegene Gebiete geführt. „Und der anhaltende Regen in den letzten Wochen in unserer Region hat zu Überschwemmungen der Spinnenquartiere geführt, sodass diese in die Höhen geflüchtet sind“, sagte die Pressesprecherin  der Verbandsgemeinde Ulmen, Lisa Unzen.

 

Eine Gefahr für Menschen besteht nicht. Leider gibt es keine frei verfügbaren Fotos.

 

Quelle: Kölner Stadtanzeiger


Stierkäfer ist Insekt des Jahres

Das Kuratorium unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Thomas Schmitt, Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg, wählte die unter Naturschutz stehende Mistkäferart aus einer Reihe von Vorschlägen. Der glänzend schwarze Käfer ernährt sich vom Kot pflanzenfressender Tiere und besetzt damit eine Schlüsselrolle in Ökosystemen. Durch den zunehmenden Einsatz von Arzneimitteln bei Weidetieren sowie deren ansteigende Stallhaltung, verzeichnen die Mistkäferbestände in den letzten Jahrzehnten einen erheblichen Rückgang. Die Schirmherrschaft für das „Insekt des Jahres 2024“ übernimmt Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

 

Typhaeus typhoeus
Der Stinkkäfer Typhaeus typhoeus ist Insekt des Jahres

 

Ein Ungeheuer ist der schwarz glänzende, zwischen 14 und 20 Millimeter große Stierkäfer (Typhaeus typhoeus) nicht, auch wenn er seinen wissenschaftlichen Namen dem Typhon, einem Riesen mit hundert Drachenköpfen aus der griechischen Mythologie verdankt. „Der deutsche Trivialname ist da schon passender und zielt auf die drei ‚Hörner‘ der männlichen Käfer im vorderen Bereich des Halsschildes ab, von denen die beiden äußeren – wie beim Stier – nach vorne gerichtet sind. Diese hornartigen Verlängerungen werden von den Insekten beim Kampf mit Rivalen und zum Schutz ihrer Nistplätze eingesetzt“, erklärt Prof. Dr. Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg sowie Vorsitzender des Kuratoriums und begründet die Wahl: „Die koprophagen, also kotfressenden Tiere sind für unsere Ökosysteme enorm wichtig, da sie dafür sorgen, dass die Hinterlassenschaften von pflanzenfressenden Tieren schnell entsorgt werden und sich keine Parasiten ansiedeln können.“

 

Typhaeus typhoeus
Das Lächeln des Siegers

 

Quelle: Pressemeldung des Senckenberg-Museums


Zoonosen

ja, tatsächlich, diesen Monat brauchen wir eine Rubrik dafür!

Hamburger Elefantenkind stirbt an Herpes

Der asiatische Elefantenbulle „Santosh“, der vor fünf Jahren im Hamburger Zoo Hagenbecks auf die Welt kam, ist an einer Infektion mit einem Herpesvirus gestorben. Der Fünfjährige erlag der Krankheit am 22.11. nach nur zwei Tagen.

 

Asiatische Elefanten im Zoo
Asiatische Elefanten im Zoo, Symbolbild, nicht in Hamburg entstanden

 

„Es ist ein trauriger Tag für Hagenbeck. Wir sind zutiefst schockiert und in großer Trauer über dieses plötzliche Ereignis“, zeigt sich Geschäftsführer Dr. Dirk Albrecht bestürzt.

Bei Asiatischen Elefanten ist ein Herpes-Virus sehr gefürchtet, es führt immer wieder zu Todesfällen in den Zoos weltweit. In den vergangenen 30 Jahren seien in europäischen Zoos mehr als 30 Asiatische Elefanten an Herpes gestorben. 65% der betroffenen Tiere waren dabei jünger als 9 Jahre. Eine Impfung gibt es nicht, schreibt der Zoo auf seiner Webseite.


Borna-Virus in Bayern nachgewiesen

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen ist bei einem Menschen das gefährliche Borna-Virus nachgewiesen worden. Es ist dafür bekannt, dass es bei Menschen eine in den meisten Fällen tödliche Hirnhautentzündung hervorruft.

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Verbreitungsgebiet der Feldspitzmaus. Abb: Chermundy CC-BY-SA 3.0

Bekannt ist der Erreger seit 1885, als es bei Kavallerie-Pferden in der Nähe der sächsischen Stadt Borna entdeckt wurde. Es befällt vor allem Pferde, Schafe und Neuweltkamele, aber auch andere Säugetiere. Beim Menschen wurde es bisher nur selten gefunden, erstmals 2018. Nach aktuellem Kenntnisstand sind diese Tiere aber alle Fehlwirte, in denen sich das Virus zwar vermehrt, aber nicht ausgeschieden wird.

Ein wichtiger Reservoirwirt ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon), bei der das Virus zu keiner Erkrankung führt, die es aber ausscheiden. Ihr Verbreitungsgebiet scheint sich mit der Verbreitung des Virus in Deutschland weitgehend zu decken. Aufgrund der Seltenheit von Borna-Infektionen ist diese Aussage jedoch mit Vorsicht zu genießen.

Weiteres in der Wikipedia zum Borna-Virus, zur Feldspitzmaus und zur Meldung bei n-tv.


Geht von Achatschnecken wirklich eine Gefahr aus?

Nun bringt es auch n-tv: Riesige Landschnecken der Gattung Achatina erleben gerade einen Boom als Haustiere. Nun warnt unter anderem die Uni Lausanne vor dem allzu intimen Umgang mit den Tieren. „Die sozialen Netzwerke sind voll von Fotos von Menschen, die Tiere mit ihrer Haut oder sogar ihrem Mund berühren“, sagte Forscherin Cleo Bertelsmeier. Dabei könnten sie neben dem Ratten-Lungenwurm auch zahlreiche weitere Parasiten übertragen.

 

Schnecke auf Hand
Die Große Achatschnecke wird auch gerne als Haustier gehalten

 

Bertelsmeier warnt zu Recht, der Kontakt mit dem Schleim der Tiere könne die Übertragung tropischer Parasiten auf den Menschen ermöglichen. Eine Diagnose ist für die meisten Ärzte schwierig, da sie die Parasiten der Schnecke nicht kennen und daher nicht darauf vorbereitet sind.

Die meisten Menschen sind sich der Gefahren nicht bewusst, „denen sie sich selbst oder ihre Kinder aussetzen, wenn sie mit den Schnecken umgehen, zum Beispiel, wenn sie sie auf ihr Gesicht setzen“, meinte Co-Autor Jérôme Gippet.

 

Quelle: Pressemitteilung der Uni Lausanne


Zu guter Letzt:

Schafe fressen 300 Kilo Cannabis

Selten passiert so etwas, aber wenn, steht es in der Zeitung. Der Münchner Merkur berichtet, dass in Folge der Überschwemmungen in Griechenland eine Schafherde Hunger litt. Das Heu war verdorben, also suchten sie in der Nähe von Gewächshäusern nach Nahrung. In einem dieser Gewächshäuser wuchs ein ganz besonderes Gras: Die Glashäuser gehör(t)en zur größten Produktionsanlage für medizinisches Cannabis in Südosteuropa. Was Diebe abhielt, hielt einer hungrigen Schafherde nicht stand: Sie rochen den Stoff, sprangen über den Zaun und begannen zu fressen. So vernichteten sie mindestens 300 kg Cannabis.

 

Ob das die Realität trifft?

 

Jannis Burunis, Betreiber der Anlage sagte dem griechischen Sender „Mega“: „Mir geht es sehr gut, aber besser geht es den Schafen, die voller Wahnsinn sind. Die sehen alles schön“, kommentierte Jannis die Sache amüsiert. „Die Tiere waren mindestens zwei Tage lang glücklich und gaben sehr gute Milch.“

 

Einen Groll gegen die Schafe hegt er nicht.




Medium der Woche: Die letzten Tage der Dinosauri

Willkommen in der Kreidezeit!

Etwa dort, wo sich heute die berühmte Fossilienstätte Hell Creek (Montana/USA) befindet schlendert gemächlich ein Triceratops horridus umher. Doch die Idylle trügt. In ein paar Stunden wird hier alles ausgelöscht sein, das üppige Grün der Urzeitpflanzen dem Feuer weichen. Der Tyrannosaurus rex wird von seinem Thron gestürzt werden, zusammen mit den meisten anderen Dinosaurierarten.

 

Triceratops in Bochum
Triceratops in Bochum. Photo by Yuriy Ogarkov

 

Als wahrscheinlichste Ursache für diese Katastrophe vor 66 Millionen Jahren gilt ein Asteroid, der mit seinem Einschlag im Golf von Mexiko einen gewaltigen Klimawandel auslöste und das Aussterben von 75% der damals lebenden Arten nach sich zog. In diesem unterhaltsamen wie fundierten Werk teilt die amerikanische Dinosaurierexpertin Riley Black neueste Forschungsergebnisse und unternimmt mit uns eine furiose Reise durch die Tage, Monate und Jahrtausende nach dem zerstörerischen Ereignis, das den Weltlauf veränderte und dem wir unsere Existenz verdanken.

 

Dynamische Abbildung des Skelettes von Scotty
„Scotty“ ist der größte Tyrannosaurus, der bisher gefunden wurde, das Tier mit den meisten Lebensjahren und dem höchsten Gewicht.

 

Die Autorin

Riley Black, US-amerikanische Wissenschaftsredakteurin, ist seit ihrer Kindheit großer Fossilien- und Dinosaurierfan. Sie ist Autorin mehrerer Sach- und Kinderbücher über urzeitliche Phänomene. Ihre Arbeiten publiziert sie in verschiedenen Print- und Onlinemagazinen, darunter National Geographic, Slate und Scientific American. Sie lebt in Salt Lake City/Utah – mitten im Dinosaurierland.

 

 

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Die letzten Tage der Dinosaurier

Die letzten Tage der Dinosaurier: Warum ihr Ende unser Anfang war und was ein Asteroid damit zu tun hat“ ist 2022 im Goldmann Verlag erschienen und hat satte 352 Seiten. Es ist als gebundenes Buch in deutscher Sprache und als E-Book erhältlich.

 

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Medium der Woche: Reisen im Kongogebiet

Reisen im Kongogebiet: Expeditionen im Auftrag der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland. 1884-1886

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an galt insbesondere Zentral- und Äquatorialafrika als ein wenig bekannter, weitgehend dunkler Fleck auf den Landkarten, den es noch zu entdecken galt. Deswegen brachen ab den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Forschungsexpeditionen in diese ferne Weltgegend auf. Deutsche Unternehmungen hatten es dabei nicht immer leicht, befand sich doch recht bald schon fast der gesamte Kontinent im Kolonialbesitz der anderen europäischen Großmächte oder gehörte wenigstens zu deren politischem Einflussgebiet.

 

leben hier Dinosaurier?
Der Kongo bei Kisangani im Sonnenaufgang – Kolonien waren ebenso eine Frage des nationalen Prestiges wie der Staatsfinanzen

 

Da das Deutschland des 19. Jahrhunderts zunächst alles andere als ein nationalstaatlich verfasstes Gebilde war und man auch im 1871 gegründeten Deutschen Reich kolonialen Erwerbungen eher skeptisch gegenüberstand, waren die Möglichkeiten für deutsche Reisegesellschaften, an den großen Entdeckungen dieser Zeit teilzuhaben, eher eingeschränkt. Um dem Abhilfe zu schaffen, wurde im April 1873 die Deutsche Gesellschaft zur Erforschung Äquatorialafrikas gegründet, ein Verein, dessen Aktivitäten vor allem verschiedene deutsche Landesherren, reiche Kaufleute sowie die Hansestädte finanzierten.

Ganz offen wirtschaftliche und politische Absichten verfolgte die im Dezember 1876 in Berlin gegründete Deutsche Afrikanische Gesellschaft, die bereits im April 1878 mit dem zuerst genannten Verein zur Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland fusionierte.

 

Regen über Ruwenzori
Regen über dem Regenwald im Kongo

Richard Büttner

Büttner wurde 1858 in Brandenburg a. H. geboren. Er studierte in Berlin, wo er 1883 mit seiner Dissertation „Flora advena marchica“ promoviert wurde. Büttner war naturwissenschaftlicher Teilnehmer an der Expedition der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland (1884–1886), die unter der Leitung von Eduard Schulze der „Erforschung des südlichen Kongobeckens“ dienen sollte. Sie drang in damals aus europäischer Sicht unerforschte Gebiete vor.

 

Einige Arten wurden nach seinen Belegen beschrieben, er selbst beschrieb u. a. Xyris congensis. Nach ihm benannt wurde Aloe buettneri sowie die Furchenzahn-Waldmaus (Leimacomys buettneri).[2] In den Jahren 1890/1891 leitete er eine Forschungsstation in Bismarckburg in Togo. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Lehrer in Berlin. Dort gründete er den ersten Lehrstuhl für afrikanische Sprachen in Deutschland. Er starb unverheiratet am 11. September 1927 in Berlin-Karlshorst.

(Wikipedia)

 

Reisen im Kongo

 

Kryptozoologisches

Richard Büttners Aufzeichnungen sind meines Wissens nach nie kryptozoologisch untersucht worden. Es ist nicht auszuschließen, dass er hier einige heute noch unbekannte Tier- und Pflanzenarten beobachtet und beschrieben hat, ohne sie seiner Sammlung zuführen zu können.

 

Sicher eine spannende Sache – nicht nur für die Mitarbeiter unseres Afrika-Archivs.

 

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Reisen im Kongogebiet

Reisen im Kongogebiet: Expeditionen im Auftrag der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland. 1884-1886 ist 2014 bei Edition Erdmann erschienen. Die inzwischen vergriffene Druck-Ausgabe hat als gebundenes Buch 341 Seiten und ist für etwa 15 bis 20 Euro zu bekommen. Das E-Book ist noch erhältlich.

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Aktuell: Attenborough-Langschnabeligel wieder entdeckt

Die Tagespresse hat es bereits vor einigen Tagen thematisiert, in den sozialen Medien war es auch ein oft zitiertes Thema: Der Attenborough-Langschnabeligel wurde seit mehr als 60 Jahren das erste Mal lebend fotografiert.

 

Schnabeligel?

Die im Deutschen missverständlich als Schnabeligel bezeichneten Tiere gehören zu den ungewöhnlichsten Säugetieren, die es heute noch auf der Welt gibt. Die Familie der Ameisenigel oder Echidnas gehört zu den Eierlegenden Säugetieren. Sie sind nur von Australien, Tasmanien und Neuguinea bekannt.

 

Ein Kurzschnabeligel
Dieser Kurzschnabeligel oder Echidna zeigt die Charakteristika der Familie recht gut.

 

Schon ihr Aussehen ist ungewöhnlich: Sie haben einen flachen, breit gebauten Körper, der bei der größten Art bis zu 1 m lang werden kann. Die kräftigen, kurzen Beine sind zum Graben gut geeignet. An den Pfoten tragen sie fünf Zehen mit kräftigen Grabklauen, deren Zahl artspezifisch ist. Ein Schwanz ist nur kurz und fehlt bei einigen Arten.
Das Fell ist dick und dunkel, es zeigt keine Zeichnung oder Aufhellung der Bauchregion. Im Fell stehen kräftige, bis zu 6 cm lange, gelbliche Stacheln, die bei einigen Arten im Fell verborgen sind.

Wie beim verwandten Schnabeltier tragen die Männchen an den Hinterbeinen einen Stachel. Auch die Weibchen kommen mit einem solchen Stachel auf die Welt, verlieren ihn aber meist im Laufe ihrer Entwicklung. Dies kann gelegentlich auch bei Männchen passieren. Bis vor Kurzem ging man davon aus, dass mit dem Stachel verbundene Drüsen ein Gift produzieren, dies scheint aber nicht so zu sein. Während der Paarungszeit sondern Männchen über den Stachel ein Sekret ab, dessen Funktion noch nicht bekannt ist.

 

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Apropos „nächstes Jahr“:

Kalender „Ausgestorbene Tiere – 2024“

Mit 13 neuzeitlich ausgestorbenen Tieren auf alten Aquarellen, Stichen und Ölgemälden. Neben bekannten ausgestorbenen Arten wie dem Riesenalk und dem Quagga sind auch weniger bekannte Tiere wie der Wolterstorff-Molch oder die Rosenkopf-Ente dabei – und wer hat schon vom Urania-Falter oder der Himalaya-Wachtel gehört.

Alle diese Tiere wurden vor ihrem Aussterben von Künstlern der vergangenen Jahrhunderte auf Papier gebracht. Wir haben diese Gemälde, Stiche und Zeichnungen entdeckt, achtsam vom Gilb der Zeit befreit und die Farben wieder zum Leuchten gebracht.
Zudem trägt jeder Monat einen QR-Code zur Geschichte des jeweiligen Tieres: Am 1. Tag des Monats stellen wir hier auf der NfK-Webseite das Tier vor. Einfach den Code einscannen und lesen.

 

Wir haben die „ausgestorbenen Tiere“ auf 14 Blätter im Format Din A4-quer gebannt. Unser Kalender hat das Format Din A4 quer und ist auf 250er Qualitätspapier mit mattem Finish und weißer Metallspirale gedruckt.

 

Link zur Kalendervorstellung auf unserer Seite

Der Kalender ist heute (16.11.) bei uns eingetroffen und ab sofort gegen Rechnung über unsere Medien-Seite lieferbar. Wer per Paypal oder Kreditkarte zahlen möchte, kann dies gerne über den Link zum Webshop des Sequoia Verlages tun. Der Kalender geht in der Regel spätestens am nächsten Werktag in die Post.

 

Mit dem Kauf unterstützt ihr den Betrieb dieser Website: Pro Kalender fließt € 1,- in die Kasse des NfK.

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Außerhalb der Paarungszeit sind Schnabeligel einzelgängerisch. Sie leben artspezifisch von kleinen Tieren, die sie mit ihrer Schnauze aufstöbern und erbeuten. Dabei nutzen sie die kräftigen Klauen zum Graben oder Aufbrechen von Holz, von wo aus sie die Beute mit ihrer langen Zunge ins Maul befördern und zerkauen.

Bei Bedrohung rollen sich Schnabeligel wie europäische Igel ein und bilden eine sehr wirksam geschützte Stachelkugel. Diese Taktik funktioniert so gut, dass ausgewachsene Tiere quasi keine Feinde haben. Selbst eingeschleppte Arten wie Dingo oder Rotfuchs haben kaum eine Chance, einen gesunden Schnabeligel zu erbeuten.

 

Kurzschnabeligel
Kurzschnabeligel sind in Australien weit verbreitet, aber bei den Einheimischen nicht unbedingt beliebt.

 

Der Lebenszyklus dieser Eierlegenden Säugetiere

Zu Beginn der Paarungszeit geben die meisten Schnabeligel ihr einzelgängerisches Leben auf. Männchen gehen auf die Suche nach Weibchen, die sie über längere Zeit, oft Tage, teilweise Wochen eng verfolgen. Dabei kommt es durchaus vor, dass mehrere Männchen einem Weibchen folgen, so dass sich eine regelrechte Prozession bildet. Ist das Weibchen paarungsbereit, beginnt ein für Säugetiere ungewöhnlicher Prozess.
Das Weibchen legt sich flach auf den Bauch und hält dabei den Kopf oft im Gebüsch verborgen. Die Männchen beginnen, hinter und neben dem Weibchen einen Graben auszuheben, der bei vielen beteiligten Verehrern einen tiefen Ring um das Weibchen bilden kann. Dabei und danach versuchen die Männchen, sich mit den Köpfen aus dem Graben zu drängen, bis nur noch ein Tier übrig bleibt. Dieses Tier beginnt mit einem oft mehrere Stunden dauernden Vorspiel. Am Ende des Vorspiel kommt es zur Paarung, die ebenfalls bis zu drei Stunden dauern kann. Ist sie erfolgt, trennen sich die Tiere.

Eier und Junge

Etwa drei bis vier Wochen nach der Paarung legt das Weibchen Eier. Bei den gut erforschten Kurzschnabeligeln ist es meist nur ein einzelnes Ei, zwei oder drei kommen auch vor, sind aber sehr selten. Die Arten der Langschnabeligel sind weniger gut erforscht, die meisten Quellen sprechen hier auch von einem Ei, andere teilweise von vier bis sechs. Möglicherweise ist dies auch artspezifisch unterschiedlich.
Die Eier sind laut Literatur etwa weintraubengroß und haben eine ledrige Schale.

 

 

 

Noch während der Eientwicklung bildet die Mutter eine Tasche auf dem Bauch aus, in die sie das (oder die) Eier unmittelbar nach dem Legen hineinbefördert. Nach etwa 10 Tagen schlüpft das blinde und embryoartige Junge, das über ein Milchfeld gesäugt wird. Das Junge bleibt etwa 8 Wochen im Beutel, in dieser Zeit entwickelt es sich schnell und erreicht je nach Art 15 bis 21 cm. Etwa zu dieser Zeit bilden sich auch die Stacheln aus. Vermutlich ist dies der Grund, warum die Mutter das Junge dann in einem Bau zurücklässt und nur alle fünf bis zehn Tage zurückkehrt, um es zu säugen. Nach zehn weiteren Wochen öffnet es die Augen. Erst nach etwa einem halben Jahr ist es so selbstständig, dass es den Bau für erste Ausflüge verlässt. Etwa nach einem Jahr verlässt es die Mutter.
Schnabeligel werden nach dem 2. Jahr geschlechtsreif, die Mutter ist erst zwei Jahre nach der Geburt wieder paarungsbereit. Dem entsprechend langlebig sind sie, im Freiland erreichen sie 20 Jahre und mehr, in Zoos wurden die ältesten Tiere über 50 Jahre alt.

 

Schnabeligel: Die Arten

Schnabeligel sind Säugetiere, obwohl sie Eier legen und nicht über Zitzen verfügen. Die Zugehörigkeit zu den Säugetieren wird nicht über die Gebärweise, sondern über eine gemeinsame Abstammung definiert und dafür gibt es mehr als genug Beweise.
Das Vorhandensein von Haaren, der Bau des Innenohres mit den drei Gehörknöchelchen und die Produktion von Milch sind einige davon. Die Genetik liefert weitere.

 

Die Familie der Schnabeligel hat zwei Gattungen:

Die Kurzschnabeligel (Trachyglossus)

leben in Australien. Sie haben nur eine Art (Tachyglossus aculeatus), die in sechs lokale Unterarten unterteilt wird. Sie ist auf dem australischen Festland, einigen Inseln (Kangaroo-Island, Tasmanien) und im Süden Neuguineas verbreitet.

Kurzschnabeligel sind kleine Schnabeligel und erreichen nur eine Kopfrumpflänge von 35 bis 53 cm und ein Gewicht von 2,5 bis 7 kg. Sie ernähren sich fast ausschließlich von Ameisen und Termiten. Da sie in ihren Lebensraumansprüchen sehr flexibel sind und mit ihren Stacheln gut gegen Feinde geschützt sind, gehören sie nahezu überall in Australien zu den häufigen Tieren.

 

Gelegentlich wird die tasmanische Unterart als eigene Art geführt. Dies ist umstritten.

 

Tachyglossus aculeatus am Rand eines Feldes auf Termitenjagd

 

In Zoos findet man sie regelmäßig in DACH und den Nachbarländern. Die Unterart von Neuguinea lebt unter anderem in Berlin (beide Einrichtungen), Halle, Rockenhausen, Rostock sowie Cambron-Casteau (Belgien), Kopenhagen (DK). Die ostaustralische Unterart wird nur in Duisburg und Frankfurt (Main) gepflegt, zudem in Paignton (GB).

 

Die Langschnabeligel (Zaglossus)

Die Systematik innerhalb der Gattung Zaglossus wird in der Zoologie lebhaft diskutiert. Heute werden meist drei rezente und eine fossile Art angegeben. Die Verwandtschaftsverhältnisse sind unklar, ebenso, welche Art wie viele Unterarten hat. Die Existenz unbekannter Arten, Unterarten und Lokalformen kann ebenso nicht ausgeschlossen werden. Wir folgen der aktuellen Hauptmeinung, die jedoch nicht unbedingt einem Konsens unterliegt.

 

 

 

Eine oder zwei ausgestorbene Arten

Zaglossus robustus ist eine ausgestorbene Art. Sie ist die einzige Art, die nicht von Neuguinea, sondern aus Tasmanien bekannt ist. Die Art lebte bis vor etwa 50.000 Jahren und starb vermutlich aus, als das südliche Australien trockener wurde. Häufig wird sie in die Gattung Megalibgwilia gestellt, gemeinsam mit der ebenfalls aus Tasmanien bekannten Art M. ownii.

 

Der Westliche Langschnabeligel

Der Westliche Langschnabeligel Zaglossus brujini ist eine der drei rezenten Arten. Sie kommt im Westen der Insel Neuguinea und einigen vorgelagerten Inseln. Er bevorzugt höhere Lagen, alpine Wiesen und feuchte Bergwälder. Diese Tiere erreichen ein Gewicht von bis zu 16,5 kg, haben meist drei, selten vier Klauen an jeder Pfote. Ihr Schnabel ist sehr lang, schmal und nach unten gebogen.
In Neuguinea ist die Art durch Lebensraumzerstörung, aber auch die traditionelle Jagd stark gefährdet. Eine kommerzielle Jagd und der Handel mit diesen Tieren ist nicht mehr erlaubt, dies steht auch unter spürbarer Kontrolle durch Regierungsbehörden.

 

Zaglossus bruijni
Zaglossus bruijni, das einzige Foto eines lebenden Tieres, das ich zur Verwendung finden konnte. (Foto: Jaganath, CC-BY-SA 3.0)

 

Kryptozoologisch ist die Art interessant. Fossil kommt ist sie auch auf dem Australischen Kontinent nachweisbar. 2012 ist ein Paper in den Zookeys erschienen, das sich mit dem Vorkommen der Art in den Australischen Kimberleys befasst: Link.

 

Aktuell wird die Art in keinem Zoo der EAZA gehalten. Die letzte Zoohaltung in Europa erfolgte 1996 bis 2013 in Moskau hinter den Kulissen. Ansonsten gab es Haltungen in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts in Berlin, Amsterdam, Budapest und London.

 

Der Barton-Langschnabeligel

Der Barton-Langschnabeligel (Zaglossus bartoni) ist im zentralen Hochland sowie im Osten und Nordosten Neuguineas verbreitet. Von dieser Art werden vier Unterarten anerkannt, die alle geographisch isoliert vorkommen. Die Art wird größer als die beiden anderen Langschnabeligel von Neuguinea, sie erreicht je nach Unterart 60 bis 100 cm Körperlänge und 5 bis 10 kg Gewicht. Sie hat immer fünf Grabklauen an den Vorderpfoten und deren vier an den Hinterpfoten.

Wie die beiden anderen Langschnabeligel lebt auch der Barton-Langschnabeligel nahezu ausschließlich von Würmern. Sie besiedelt dabei hoch gelegene Landschaften wie sub-alpine Wälder, Matten und Krüppelgewächsfluren und geht in die höchsten Lagen (4150 m, höher geht es in Neuguinea nicht). Die Art ist hauptsächlich nachtaktiv und sehr heimlich. Sie wurde bis 2016 als vom Aussterben bedroht eingestuft und gilt nun als gefährdet.

 

In Europa wurde die Art nur 1965 bis 1994 im Zoo von London gepflegt. Ein Bild eines lebenden Tieres konnte ich nicht bekommen.

 

Verbreitungsgebiet der drei Zaglossus Arten
Verbreitung der drei Langschnabeligel auf Neuguinea:
Grün: Zablossus brujini
Braun: Zaglossus bartoni
Rot: Zaglossus attenborougi

 

Da ist er endlich!

Der Attenborough-Langschnabeligel

Der Attenborough-Langschnabeligel ist die dritte und kleinste rezente Art der Langschnabeligel. Sie ist kaum bekannt. Bisher scheint sie auf ein etwa 50 km² großes Gebiet im Norden der Insel Neuguinea an der Grenze zwischen Indonesien und Papua-Neuguinea beschränkt zu sein. Sie lebt dort in den bewaldeten Gipfellagen, die schon in Küstennähe 1600 m erreichen können.

 

Der Holotyp des Attenborough-Langschnabeligels
Der Holotyp des Attenborough-Langschnabeligels, kaum mehr als ein Balg und ein zertrümmerter Schädel. Foto: Naturalis Biodiversity Center CC0

 

Vom Attenborough-Langschnabeligel war lange nur der Holotyp bekannt. 1961 wurde er vom niederländischen Botaniker Pieter van Royten gefunden. Er gelangte ins Naturalis Biodiversity Center in Leiden (NL), wo man ihn zunächst für ein Jungtier einer der beiden anderen Arten hielt. Es bestand aus einem Fell und einem mehrfach gebrochenen Schädel.

Erst als Tim Flannery und Colin Groves die Gattung Zaglossus 1998 überarbeiteten, fiel auf, dass es sich bei dem Präparat keineswegs um ein Jungtier, sondern um ein erwachsenes Tier einer anderen Art handelt. Die kleine Art wiegt etwa 2 bis 3 kg, sie frisst neben Insekten und deren Larven wohl auch Regenwürmer. Der Schnabel des Attenborough-Langschnabeligel ist relativ kürzer als der der anderen Zaglossus-Arten, und er ist gerade. Alle Pfoten tragen beim Typusexemplar je 5 Grabklauen, das Fell ist feiner, kürzer und dichter.

 

Zaglossus-attenboroughi-Foto-Expedition-Cyclops
Zaglossus attenboroughi, der Attenborough-Langschnabeligel in der Fotofalle. Foto: Expedition Cyclops

 

Die Wieder-Entdeckung

Nach der Erstbeschreibung galt die Art aufgrund des kleinen Verbreitungsgebietes am Mount Rara in den Cyclop Mountains als vom Aussterben bedroht, möglicherweise ausgestorben. Die Bezirkshauptstadt Jayapura liegt in unmittelbarer Nähe, so dass ein permanenter Verlust der Natur zu befürchten ist. Lokale Eingeborenengemeinschaften initiierten eine Kampagne, um die traditionelle Jagd auf die Langschnabeligel zu beenden. Sie wurden oft erlegt und gemeinsam mit ehemaligen Rivalen als Friedensangebot verzehrt.

Forscher des EDGE of Existence programme untersuchten 2007 in den nahe gelegenen Cyclope-Mountains Bauten des Attenborough-Langschnabeligels. Dabei hörten sie von einer möglichen Sichtung 2005. Dies führte dazu, dass die Art eine der 10 Focus-Arten dieses Programms wurde.

 

Küste und Felsen der nördlochen Cyclops-Küste
Die Riffe und Felsen der nördlichen Küste an den Cyclops-Mountains erfordern die Hilfe einheimischer Seeleute, wenn man dort landen will (Foto: Expedition Cyclops)

 

2017 nahm man den Attenborough-Langschnabeligel in die Liste der „25 meistgesuchten verlorenen Arten“ der Organisation „Search for lost Species“ auf.

 

Jetzt, 2023 vor wenigen Tagen konnte eine Wildkamera einen lebenden Attenborough-Langschnabeligel fotografieren. Es ist vermutlich das erste Mal, dass diese Art lebend auf ein Foto gelangt, 60 Jahre nach der letzten sicheren Beobachtung.

 

Zacharias Sorondanya
Der lokale Führer Zacharias Sorondanya vom Volk der Yongsu Sapari sitzt auf dem Eingang eines neu entdeckten Höhlensystems (Foto: Expedition Cyclops)

 

Ein Team der University of Oxford unter der Leitung von Dr. James Kempton und der indonesischen NGO Yayasan Pelayanan Papua Nenda (YAPPENDA) und weiteren Organisationen brachte 80 (!) Wildkameras in dem kleinen Gebiet um den Mount Rara aus. trotz einem alles andere als gut begehbaren Terrain, giftigen Tieren, blutsaugenden Egeln, Malaria, Erdbeben und enormer Hitze. Dabei legten sie über 11.000 Höhenmeter zurück und verbrachten komplette vier Wochen im Wald – ohne dass die Kameras auch nur ein Haar  bzw. einen Stachel eines Langschnabeligels fotografieren konnten.

Wie das Narrativ es fordert, brachte der allerletzte Expeditionstag Erfolg. Die letzten Bilder der letzten durchsuchten Speicherkarte zeigten das heimliche Tier dreimal. Es sind die ersten Bilder eines lebenden Attenborough-Langschnabeligels.

 

 

Weiteres zu der Expedition findet sich auf der Seite der Oxford University.




Medium der Woche: Tyrannosaurus-Skelett

In den letzten Jahren standen immer mal wieder Skelette von Tyrannosaurus rex zum Verkauf, sei es nun Tristan-Otto, Trinity oder Stan. Natürlich ist es toll, so ein Monstrum zuhause zu haben, aber seien wir ehrlich: Obwohl alle Nachbarn grün vor Neid würden, ist es ziemlich aufwändig, nur für den Dino einen extra-Anbau an die Zweizimmerwohnung zu setzen – und abgestaubt werden muss er auch regelmäßig.

 

Stan
Skelett von Tyrannosaurus rex „Stan“

 

Da ist es doch wesentlich sinnvoller, sich ein Modell ins Haus zu holen – und auch etwas wirtschaftlicher. Dieser Bausatz eines Tyrannosaurus rex-Skelettes ist nicht ganz so groß, wie das Original, macht aber mit 90 cm Länge ordentlich Eindruck im Regal. Anders als bei einem ersteigerten Original kann man hinterher auch noch damit auftrumpfen, dass man den Dino selbst zusammengebaut hat und nicht auf irgendwelche dahergelaufene Wissenschaftler angewiesen war.

 

 

Er besteht aus 51 Einzelteilen aus Kunststoff mit einem braun-grünen Finish. Das Skelett ist selbsttragend, braucht also keine sichtbaren Stützelemente. Dennoch sollte klar sein, dass es kein Spielzeug ist, sondern ein Ausstellungsstück. Kleineren Kindern sollte man beim Zusammenbau behilflich sein.

 

Tyrannosaurus Modell
Diesen Eindruck macht das Modell, wenn man es in einen kreidezeitlich anmutenden Wald montiert

 

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Tyrannosaurus rex-Skelett

Das Skelett ist 91 cm lang und besteht aus 51 Einzelteilen aus Plastik. Es wird mit einem ausführlichen Bauplan und Standfuß geliefert.

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