Presseschau Kalenderwoche 40/2019

Wie immer montags gibt es auch heute die Presseschau mit Meldungen aus Zoologie, Kryptozoologie und Tierischem zum Schmunzeln aus der vergangenen Woche. Viel Spaß beim Lesen.


Eine junge „Savannah“

„Supercat“ verfolgt Kinder

Mrs Neetu aus Hampstead, North London, fand ihre beiden vier- und fünfjährigen Kinder vor Angst erstarrt auf der Terrasse. Eine gefleckte Katze umkreiste sie. Um die Katze abzulenken, warf sie ihr ein Schaukelpferd hin, das sie dankbar annahm. „Die Katze war größer als meine Kinder, sie umkreiste sie, als wollte sie deren Schwachstellen für einen Angriff herausfinden. Ich dachte zuerst, es sei ein Gepard oder ein anderes Tier, das aus dem Zoo ausgebrochen ist.“

Fotos zeigten eine „Savannah“-Katze, einen Hauskatze-Serval-Hybriden. Diese Tiere werden im Zoohandel angeboten, sie sind etwa so groß wie eine Hauskatze, aber schlanker und hochbeiniger. Viele Halter unterschätzen den „wilden“ Anteil des Servals: es sind definitiv keine Haustiere, sie benötigen Pfleger, die mit wilden Katzen Erfahrung haben.

Das herausragende Organ der britischen Qualitätspresse, die „Sun“ weiß wie immer mehr.


Flugsaurier-Paläoart vor Araucarien
Ferrodraco lentoni, by Trevor R. Tischler

Riesiger Flugsaurier in Australien entdeckt

Adele Pentland, Doktorandin an der Swinburne University of Technology und dem Australian Age of Dinosaurs Museum hat den Fund eines großen Flugsauriers publiziert. Die 94 Millionen Jahre alten Fossilien hat Bob Eliiott im April 2017 in der Winton-Formation in Queensland ausgegraben. Sie gehören zu einer bisher unbekannten Gattung und Art ornithocheirider Pteroraurier. Ferrodraco lentoni* heißt sie nun. Sie erreichte eine Spannweite von „nur“ etwa 4 m und war damit ein mittelgroße Art im Vergleich zu anderen in der Familie. Ferrodraco ist mit 10 bis 11% des Skelettes der vollständigste in Australien gefundene Flugsaurier. Aufgrund des extremen Leichtbaus fossilieren Flugsaurier selten und schlecht.

Die Originalarbeit ist in scientific reports erschienen.


Gibt es noch überlebende Dinosaurier?

Graphic Design zum Kongress
Link zum Vorverkauf

Eine Frage, der es eigentlich keiner weiteren Antwort bedarf, geht es nach vielen Fachleuten aus den verschiedensten wissenschaftlichen Bereichen. „Natürlich sind die Dinosaurier vor ca. 65 Millionen Jahren ausgestorben“ heißt es da und nur die heutigen Vögel sind die unmittelbaren Nachfahren dieser phantastischen Tiere.
Doch warum gibt es dann heute noch so viele Berichte über Begegnungen mit Wesen, deren Beschreibungen manchmal so beginnen: “…es sah aus, wie ein Dinosaurier!..“?

Hört euch vier Fachvorträge zu dem Thema an und diskutiert mit uns: Diese Woche Samstag, 12. Oktober im Galileo-Park in den Sauerlandpyramiden in Lennestadt. Noch gibt es Restkarten!


ein männlicher Elch liegt in der Heide
Ein kapitaler Elchbulle liegt in der Heide

Kein Erfolg bei der Elchjagd – kein Schadenersatz

Das Amtsgericht Mönchengladbach hat letzten Freitag (27.09.2019) die Klage eines Jägers abgewiesen. Der Mann hatte bei einem Spezialveranstalter eine Jagdreise nach Weissrussland gebucht und unter anderem € 1500,- für den Abschuss eines Elches gezahlt. Der Reiseveranstalter hatte ihm diesen Abschuss garantiert.
Der Kläger hatte nach eigenen Angaben auf den Elchbullen auf Anweisung des Jagdführers geschossen, diesen jedoch verfehlt.

Das Gericht betonte, es sei irrelevant, ob er den Elch getroffen habe und auf welche Motivation hin er geschossen habe. Schadenersatz erhält der Kläger nicht.


Wo sind die Kurzschwanz-Sturmtaucher?

Kurzschwanz-Sturmtaucher
Sterben die Kurzschwanz-Sturmtaucher schlagartig aus? Foto by „Mike“ Michael L. Baird

Kurzschwanz-Sturmtaucher Puffinus tenuirostris* sind mittelgroße, dunkelgrau bis schwarze Seevögel des Pazifiks. Im Frühling leben sie in den Gewässern vor Japan, im Sommer ziehen sie in den Norden in die Beringsee. Ab August wandern sie nach Süden, um in Südaustralien und Tasmanien zu brüten. So legen sie jedes Jahr 32.000 km zurück. Unter den Vogelkundigen Australiens gelten sie als „extrem hart im Nehmen“.

In den letzten 30 Jahren erreichte der Vogelzug den Brutplatz Griffiths Island nahe Port Fairy, in Victoria/ Australien immer am 22. September, mit maximal einem Tag Abweichung. Peter Barrand, Vorsitzender von Birdlife Warrnambool sagte, er könne buchstäblich seine Uhr nach dem Eintreffen der Tiere stellen. Doch anstatt 40.000 lärmender Sturmtaucher fanden sich dieses Jahr nur eine Handvoll Tiere ein. „Wir konnten zunächst überhaupt keinen finden, aber später beobachteten wir, dass wenigstens ein paar Tiere kamen.“ Barrand ist beunruhigt: „Alle Berichte deuten darauf hin, dass die Vögel auch nirgendwo sonst aufgetaucht sind. Das passiert nicht nur auf Griffith Island. Es passiert überall an der Küste von Victoria und auch in Tasmanien!“

Auf der Nordhalbkugel gab es in den letzten fünf Jahren große Hungersnöte unter den Vögeln, mit zahlreichen Berichten aus Alaska und sogar New York. Der Alaska-Nationalpark-Service berichtete von gewaltigen Seevogelsterben, fünf Jahre in Folge. „Irgendetwas in der Arktis geht fürchterlich schief – was auch immer die Kurzschwanz-Sturmtaucher dort fressen, es ist verschwunden,“ sagt Barrand hierzu. „Was ist verschwunden? Im Norden können die Vögel nicht mehr so fressen, wie sie es normalerweise tun. Ist das der gefürchtete Klimawandel oder ist etwas anderes passiert?“

Mehr dazu bei ABC-News Australia


Colorado-Kröte im Kies
Die Colorado-Kröte im Terrarium

New York: Krötengift wird zur Partydroge

Das Gift der Coloradokröte Bufo alvarius* ist derzeit in der New Yorker Partyszene die „Droge der Wahl“. Es wird gewonnen, indem die hinter den Augen sitzenden Giftdrüsen „gemolken“ und die freiwerdende Flüssigkeit zu einer Paste verdickt wird. Diese Paste wird über einer Wasserpfeife verdampft und eingeatmet. „Es ist keine Freizeitdroge“, warnt Alan K. Davis, klinischer Psychologe an der Johns Hopkins University in Baltimore der „New York Times“. Die Trips seien zwar kurz, aber in vielen Fällen so intensiv, dass es gefährlich sein könne, sie auf einer Party zu erleben.

Die Wirkung gleicht im Wesentlichen dem sehr ähnlichen Psilocin, dem Abbauprodukt des Psilocybins. Optische Halluzinationen wie Lichtblitze treten zusammen mit Schwindelgefühlen, Bluthochdruck und Verwirrungszuständen auf. Auch Brechreiz und Tachykardie sind möglich.


Technische Neuerung

Auf besondere Anregung aus dem Netzwerk gibt es seit Donnerstag die Möglichkeit, eine Bewertung zu hinterlassen. Ihr könnt zwischen 1 Stern („Redakteur, geh leise weinend nach Hause“) bis 5 Sterne („Mehr davon und am besten sofort“) bewerten. Bitte macht davon Gebrauch, überlegt euch, wie ihr den Artikel bewertet und schickt die Bewertung ab. Euer Abstimmungsverhalten wirkt sich auf die Themenauswahl in der Zukunft aus.

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Feld-Ornithologisches

Verirrte Zugvögel sind die Meldungen der Stunde. Auf Wangerooge ist ein Blauschwanz (Tarsiger cyanurus*) aufgetaucht. Vor der Schleimündung offshore in der Ostsee konnte ein Beobachter eine Pracht-Eiderente ausmachen. Von Helgolnad wurden mehrere Zwergammern berichtet. Im Binnenland ist wenig los, die gemeldeten Kaiseradler, Zwergscharben und Sichler sind noch da.

Für die nächsten Wochen wird mit dem Beginn der Kranichzüge gerechnet.

Der Meldorfer Pelikan bleibt, wo er ist, von Brinzola gab es bei Redaktionsschluß (So. 15 Uhr) keine neuen Meldungen.


Zu guter Letzt:

Schweine gelten allgemein als clever. Bisher konnte aber einer der Punkte, an denen allgemein Intelligenz bei Tieren festgemacht wird, nicht beobachtet werden: Werkzeuggebrauch. Das ist eher ungewöhnlich, wird aber mit der so vielseitig verwendbaren Schnauze in Verbindung gebracht. Die Ökologin Meredith Root-Bernstein, Gastwissenschaftlerin am Musèe de’l Hommes in Paris konnte aber genau dies im Zoo der Stadt beobachten. Die Menagerie im Jardin des Plantes Visayas-Pustelschweine (Sus cebifrons*). Diese verwendeten mehrmals ein Stück Borke als Schaufel:


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.

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