Presseschau Kalenderwoche 43/2019

Nachdem letzte Woche die Wale das Rennen machten, gibt es heute kaum Meldungen aus dem nassen Element. Interessant ist es dennoch – oder deswegen. Viel Spaß beim Lesen.


Wieder ein Bär in Deutschland

Bär in der Fotofalle
Bär in der Fotofalle. Foto: Bayerische Staatsforsten

Das bayerische Umweltministerium hatte in der vorletzten Woche veröffentlicht, am 1. Oktober sei in Bayern „mit großer Wahrscheinlichkeit“ den Kot eines Bären fotografiert worden. Eine Touristin hatte ein Foto der Hinterlassenschaft an einem Waldrand im Balderschwanger Tal gemacht. Es könnte sich um einen Bären handeln, der bereits im Juni und dann im Oktober in Tirol nachgewiesen wurde (wir berichteten).

Inzwischen ist es definitiv: der Bär hat auch deutschen Boden betreten. Am 23.10. veröffentlichte das Landesamt für Umwelt ein Foto einer Wildtierkamera, das den Bären im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zeigt. Wo genau das ist, verrät das LfU nicht. „Der Bär verhält sich nach wie vor sehr scheu und unauffällig“, veröffentlichte das Landesamt am Mittwoch. Das Tier ist seit mehreren Monaten in dicht besiedelten Bereichen in Tirol unterwegs und ist bisher nicht von Touristen gesehen worden.

Quelle: n-tv, Süddeutsche Zeitung


Todesursache des 2. Themse-Wals

Fräskopfwürmer auf einem Handschuh
Fräskopfwürmer aus dem Darm des zweiten Themse-Wals (Foto: CSIP)

Letzte Woche berichteten wir von einem vermeintlichen Finnwal, der in der Themse verendet ist. Bei der Obduktion stellte sich heraus, dass es sich um einen 9,7 m langen, weiblichen Seiwal. Das Tier war mäßig gut ernährt, hatte aber einen leeren Verdauungstrakt. Der Wal zeigte keine Spuren von Seilen, Netzen oder Kontakt mit Schiffen. Der Zustand der inneren Organe deutet auf eine Lebendstrandung hin, obwohl das Tier bei Gravesend treibend gefunden wurde.

Im Darm des Wales fanden sich große Mengen Acanthocephala, die auch als Fräskopfwürmer oder Kratzer bekannt sind. Vermutlich handelt es sich um die Art Bolbosoma turbinella*. Ob diese Parasitenbürde für Seiwale in dem Alter normal ist, ist unbekannt. Sicher dürfte sie aber zum eher ärmlichen Ernährungszustand des Tieres beigetragen haben. Die Ergebnisse der mikrobiologischen und histopathologischen Untersuchung stehen aber noch aus.

Die Meldung ist bisher nur auf Facebook veröffentlicht worden.


Idaho: Jäger will einen Bigfoot erschossen haben

Der Blog Sasquatch Chronicals meldete schon am 13. Oktober, dass ein Großwildjäger einen Bigfoot erschossen haben will. Der Jäger kommt selbst zu Wort und sagt „Ich würde gerne einen Vorfall diskutieren, bei dem ich eine dieser Kreaturen in Idaho erschossen habe. Einige Jäger, unter ihnen ein Deputy Sheriff und ich sahen das Wesen. Es endete in einer Schießerei, als es sich unserem Camp näherte.“ – „Ich weiß, einige Leute sagen, er sieht menschlich aus … dieses Wesen sah nicht menschlich aus.“ Aber – wie üblich – keine genauen Daten, wann und wo es war, keine Leiche oder sonst irgendwelche physischen Spuren.

Im Anschluss an diese Meldung steht ein etwa 80 minütiges Telefongespräch mit dem Jäger und mit einer Zeugin namens Amanda, die eine seltsame Begegnung bei der Wartung eines Wanderweges hatte. Man möge sich selbst ein Bild über die Glaubwürdigkeit der Beteiligten machen.

Link zu Sasquatch Chronicles Blog


gelber Schleimpilz auf altem Holz
Der „Blob“ in seiner natürlichen Umgebung (Foto: „Frankenstoen“, CC 2.5)

Pariser Zoo stellt Schleimpilz aus

Der Pariser Zoo stellt den Schleimpilz Physarum polycephalum* aus. Der Pilz trägt den Namen „Blob“ nach einem Horrorfilm mit Steve McQueen von 1958. Er bewohnt dort Petrischalen, die in einem eigenen Raum, der „Blobzone“ stehen: „Es ist Aufgabe des Pariser Zoos, das Faszinierende des Lebens und die ungeahnten Möglichkeiten zu zeigen“, erklärt Direktor Pierre-Yves Bureau. „Etwa Intelligenz bei Lebewesen ohne Gehirn. Dazu passt der Blob, der interagieren und sogar Rätsel lösen kann.“

Die Tagesschau widmet dem Blob einen längeren, lesenswerten Artikel.


Australien: „Neuer“ Zackenbarsch entdeckt, auf einem Fischmarkt

Jeff Johnson und Epinephelus fuscomarginatus
Jeff Johnson zeigt die neu beschriebene Art Epinephelus fuscomarginatus. (Foto: Queensland Museum)

Die Typusexemplare der neubeschriebenen Zackenbarschart wären beinahe als Abendessen irgendwo auf dem Tisch gelandet. Als Jeff Johnson, Ichthyologe am Queensland Museum sie nach klassisch kryptozoologischer Methode auf einem Fischmarkt entdeckte, wwar ihm sofort klar: „Aks ich sie sah, wusste ich, dass es vermutlich eine neue Art ist. Daher kaufte ich alle fünf und begann die schwierige Arbeit, formal zu beweisen, dass sie unbekannt sind.“

Jeff Johnson kannte die Art bereits. Vor 15 Jahren wurde er bereits nach diesem Fisch gefragt, ohne ihn bestimmen zu können. 2017 nahm ein Fischer mit ihm Kontakt auf und bat ihn, einen Fisch auf einem Foto zu bestimmen, erneut war es diese, unbekannte Art. Als er dann die Tiere auf dem Fischmarkt wieder sah, musste er einfach zuschlagen.

Epinephelus fuscomarginatus*, so der neue Name, lebt in Tiefen von etwa 220 m vor dem Great Barrier Reef und erreicht mindestens 70 cm. Er soll sehr gut schmecken, wobei Jeff Johnson sie nicht pobiert hat. Der Fisch sieht wie ein typischer Zackenbarsch aus, aber trägt keine bestimmten Markierungen, an denen die Art bestimmt werden kann. Das Fehlen dieser ist typisch. Vermutlich ist er deswegen so lange unbeachtet – und unbeschrieben – geblieben.

Link zur Erstbeschreibung: Zootaxa Epinephelus fuscomarginatus


Schweinsaffen als Fleischfresser?

Ein internationales Team unter der Leitung von Biologen der School of Biological Sciences der Uni Malaysia hat bei der Untersuchung der Ökologie von Ölpalmenplantagen Merkwürdiges entdeckt. In Plantagen leben oft Südliche Schweinsaffen (Macaca nemestrina*). Die Plantagenbesitzer mögen sie nicht, weil die Tiere gelegentlich an den Ölfrüchten fressen. In der Summe scheinen sie aber den Plantagen zu nutzen, denn sie fressen alle möglichen großen Nagetiere, vor allem Ratten.

So frisst eine Gruppe der Schweinsaffen etwa 3000 Ratten (Rattus spec.) jedes Jahr. Dies reduziert den Verlust der Farmer durch Schädlinge um etwa 112 US$ pro Hektar.

Die gesamte Arbeit ist in Current Biology nachzulesen.


Adler telefonieren teuer nach Hause

Steppenadler Aquila nipalensis

Ornithologen verfolgen Vögel gerne per Telemetrie (siehe Brinzola). Dabei bekommen die Tiere eine kleine Sendeeinheit, der meist ans Rückengefieder geklebt wird. Diese Einheit nimmt GPS-Daten auf: Standort, Geschwindigkeit, Höhe und schickt diese dann an eine Basisstation. Praktisch ist, dass fast die halbe Welt mit Mobilfunkmasten gepflastert ist, so können auch Ornithologen auf die altbewährte SMS zurückgreifen, um die Daten eines Vogels zu senden. Ein weiterer Vorteil dieser Technologie ist, dass man auf Serienbauteile aus Handys zurückgreifen kann. Das macht die Sendeeinheiten billig.

So haben sich das auch russische Ornithologen gedacht und Steppenadler mit Sendern versehen, die SMS-Daten verschicken. Doch dummerweise wanderten 13 von ihnen ins Ausland: „Diese Tiere waren den ganzen Sommer in Kasachstan außer Reichweite und nun, da sie den superteuren Iran und Pakistan erreicht haben, spucken sie Hunderte von SMS zu ihren Standorten aus“, klagte Projektleiter Igor Karjakin. Die Roaminggebühren aus dem Iran, hier sind die SMS 25mal so teuer wie im russischen Netz, fressen die Budgets auf: „Wir waren völlig pleite und mussten einen Kredit aufnehmen, um das Projekt weiter zu finanzieren“, berichtete Karjakin.

Inzwischen haben Vogelfreunde genug Geld gespendet, um das Projekt mindestens bis Jahresende am Leben zu erhalten. „Die Leute schicken immer noch Geld, also gibt es Hoffnung, dass wir die Adler-SIM-Karten in Gang halten können, bis sie im Frühsommer nach Russland zurückkehren“, erklärte Karjakin.


Feld-Ornithologisches

Kranichformation
Eine Kranichformation, wie sie am 23.10. über Bochum geflogen ist

Mittwoch vergangener Woche (23.10.) wurden wir, an den Fenstern der Redaktionsräume in Bochum, Zeuge, wie einige Formationen ziehender Kraniche zu sehen und zu hören waren. Das ist immer wieder ein bemerkenswertes Schauspiel.

Im Naturschutzgebiet „Meißendorfer Teiche“ – Hüttensee / Winsen (Aller, Niedersachsen) ist eine amerikanische Ringschnabelente aufgetaucht. Das männliche Tier hält sich bereits einige Tage hier.

Von Helogland gibt es, wie immer um diese Jahreszeit viel zu berichten: Eine subadulte Eismöwe hat sich sehen lassen, ein Dunkellaubsänger Phylloscopus fuscatus* ist im Osten der Insel unterwegs und ein Taigazilpzalp zilpzalpt bereits seit einigen Tagen im Unterholz herum.
Taigazilpzalpe sind auch an anderen Stellen aufgetaucht, unter anderem in Cuxhaven, in Wilhelmshorst bei Potsdamm, Ludwigsburg bei Stuttgart und am Containerterminal in Bremerhaven.

Auf Sylt haben Vogelbeobachter ein sibirisches Schwarzkehlchen Saxicola maurus* fotografieren können. Es zeigt die Merkmale eines Weibchens im 1. Jahr.

In Schwarzhofen am Fuße des nördlichen Bayerischen Waldes wurde ein Schelladler beobachtet. Da er einen Sender trug, konnte er als das Individuum „Thönn“ identifiziert werden. Hoffentlich hat er freies Roaming, Tschechien ist nicht weit.

Bei Neustrelitz (MeckPomm) sollen etwa 40 nordamerikanische Braunkopf-Kuhstärlinge (Molothrus ater*) eingefallen sein. Mehr zu dieser interessanten Art bei der Wikipedia. Die Beobachtung ist noch unbestätigt – ein aktueller Fall der Kryptozoologie. Dies war schon am Mittwoch.

Ist das noch eine Meldung? Der Rosapelikan ist immernoch am / im Meldorfer Speicherkoog.

 


Zu guter Letzt:

Diese Woche ging durch die Medien, der Weißbrust-Glockenvogel oder Einlappenkotinga, Procnias albus* sei der lauteste Vogel der Welt. Sein „Paarungsruf Typ 1“ ist immer 108,9 ± 2.3 dB laut, der „Paarungsruf Typ 2“ schafft sogar 116,6 ± 3.6 dB und eine Spitze von 125,4 ± 1.7 dB. Dabei gilt offenbar: je lauter, desto besser, schön klingt der Gesang in unseren Ohren nicht (zum Abspielen sollte das Wiedergabegerät nicht voll aufgedreht sein, nutzen Sie keine Kopfhöhrer):


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.

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