Presseschau Kalenderwoche 39/2019

Wie immer montags haben wir euch für die Presseschau einige Meldungen aus Zoologie, Kryptozoologie und Paläontologie aus der vergangenen Woche herausgesucht. Viel Spaß beim Lesen.


Walross versenkt Boot der russischen Nordflotte

Marineschiff vor vereisten Hügeln
Rettungsschlepper „Altai“ der Russischen Nordflotte, von der auch das Bild stammt

Am Montag, 23.09.2019 berichtete der „Independant Barents Observer“ von einem Unfall eines Landungsbootes der Russischen Nordflotte und einem Walross. Der Rettungsschlepper „Altai“ der russischen Nordflotte verlegte eine Gruppe von Geologen auf die Insel Franz-Josef-Land. Ein RIB (Festrumpf-Schlauchboot) sollte die Forschergruppe an Land bringen. Eine Drohne der Flotte flog dicht über den mit Walrossen bevölkerten Strand und versetzte die Tiere in Panik. Offenbar ist dabei ein Jungtier von seiner Mutter getrennt worden und befand sich auf dem Weg des RIB oder das Boot navigierte zwischen Mutter und Kind.

Die Mutter griff das mehrfach größere Boot an. Die Nordflotte berichtet „Dank der klaren und gut koordinierten Aktionen der Soldaten der Nordflotte, die das Boot von den Tieren entfernen konnten, ohne sie zu verletzen, konnten ernsthafte Probleme vermieden werden.“ Die russische Geographische Gesellschaft hingegen schreibt in einem Presse-Update „Das Boot sank, aber der Truppführer konnte durch schnelles Handeln eine Tragödie verhindern. Alle Bootsinsassen erreichten sicher das Ufer.“

Kommentar: Die handelsüblichen RIBs sind unter normalen Umständen nahezu unsinkbar. Der steife Teil des Bootsrumpfes schwimmt alleine. Die Lufttanks werden von einem wasserdichten Schaum in Form gehalten. Sie bestehen aus mehreren unabhängigen Kammern. Es ist wahrscheinlicher, dass das Walross das Rib „nur“ beschädigt hat oder zum Kentern bringen wollte.

Quellen:

The independent Barents Observer: Walruses attacked and sank Northern Fleet boat at Franz Josef Land

Russische Nordflotte: Комплексная экспедиция Северного флота повторила маршруты первопроходцев Земли Франца-Иосифа (auf russisch)


Ein schwarzer Vogel sitzt auf einem Zaun
Alena Possum konnte diesen schwarzen Kookaburra bei Brisbane (Australien) fotografieren

Schwarzer Kookaburra

In Forest Lake, einem Vorort von Brisbane hat Alena Possum einen schwarzen Kookaburra fotografiert. Die größten aller Eisvögel sind in Deutschland auch unter dem Namen Jägerliest oder Lachender Hans bekannt.

Die etwa krähengroßen Vögel gelten in Australien als Kulturfolger und sind allgemein sehr beliebt, auch weil sie Mäuse, Ratten und giftige Schlangen fressen. In vielen Vorstädten brüten sie direkt in Hausnähe, gelegentlich sogar in Blumenkästen. Da nimmt man ihnen gelegentliche Frechheiten nicht übel, wenn sie sich beispielsweise blitzschnell am Picknick bedienen.


Orang-Utans sind vom Aussterben bedroht. Trotzdem kann „Sandra“ nicht ausgewildert werden (Bild: Wilde Orang-Utans)

Orang-Utan „Sandra“ kommt ins Center for Great Apes in Florida

Die Orang-Utan-Dame „Sandra“, geboren 1986 im Rostocker Zoo, gilt nach dem Urteil eines argentinischen Gerichtes eine nichtmenschliche Person 2015. Als solche darf sie nicht unter den Bedingungen gehalten werden, die in ihrem bisherigen Zuhause im Zoo von Buenos Aires herrschen. Das Gericht ordnete zunächst eine substanzielle Verbesserung der Haltung an, was der Zoo aber nicht leisten konnte. Nach längerem Tauziehen verschiedener Interessensgruppen ist sie in der Nacht vom 26. auf den 27. September 2019 in die USA ausgeflogen worden. Nach einer 40tägigen Quarantäne geht Sandra ins Center for Great Apes in Florida. Dort wird sie hoffentlich ein Leben führen können, dass einem Orang-Utan würdig ist.

Eine Auswilderung von Sandra wurde bereits früh verworfen. Sie ist ein Hybrid aus Sumatra- und Borneo-Orang-Utan, entstanden zu einer Zeit, als man den Unterschied zwischen den beiden (Unter-)Arten noch nicht erkannte.


Fische fühlen Schmerz auf die gleiche Weise wie Menschen

Wenn er Schmerzen fühlt, wie wir, müssen wir den Umgang mit ihm überdenken.

Lynne Sneddon von der Liverpool University hat im Rahmen eines Symposions eine Arbeit veröffentlicht, die sich mit dem Schmerzempfinden, Schmerzreaktion und Schmerzvermeidung bei Fischen befasst. „Wenn die Lippen eines Fisches mit einem Schmerz gereizt werden, reiben die Tiere ihren Mund an der Aquarienscheibe. So wie wir ins den Zeh reiben, wenn wir ihn stoßen“ sagt Sneddon in einem Statement zu ihrer Arbeit.

Bei zahlreichen Fischarte konnte sie beobachten, dass Fische ihr Verhalten nach einer schmerzhaften Erfahrung ändern. Die Aktivität kann nachlassen, sie hören auf zu fressen, hyperventilieren oder reiben sogar die betroffene Stelle an einem Gegenstand. „Schmerzreaktionen sind lang anhaltend und biologisch teuer“, so Sneddon weiter. „Die Fische fressen weniger und verwenden viel Energie darauf, den Schmerz zu lindern.“ Die Verhaltensänderungen sind geringer, wenn man den Fischen ein Schmerzmittel gibt.

„Wenn wir akzeptieren, dass Fische Schmerz verspüren, hat das einen wichtigen Einfluss darauf, wie wir sie behandeln. Wir sollten sie vorsichtig behandeln, um ihre empfindliche Haut zu schonen und sie auf humane Weise fangen und töten.“

Quelle: https://royalsocietypublishing.org/doi/abs/10.1098/rstb.2019.0290


Berliner Panda-Babies: Hilfe aus China zur Geschlechtsbestimmung

Im Zoologischen Garten Berlin sind am 31. August zwei Pandajunge geboren worden (wir berichteten). Die beiden entwickeln sich gut, und tragen mittlerweile schwarz-weißen Flaum. Um die Aufzucht zu unterstützen, sind zwei Experten aus der Panda-Forschungsstation in Chengdu angereist und werden den Berlinern im ersten halben Jahr unter die Arme greifen. Auch bei der Geschlechtsdiagnose helfen sie, aber um absolut sicher zu sein, werden Kollegen in Chengdu mit Fotos versorgt. Der Zoologische Garten hofft, in den nächsten 14 Tagen das Geschlecht der Jungen bekannt geben zu können.


Groß, größer, Dinosaurier

Schädel eines Dinosauriers
Schädel des Sauropoden Kaatedocus siberi. Bei Sauropoden ist der fossilisierte Schädel eine Seltenheit. Foto: ZFMK

Das Zoologische Forschungsmuseum Koenig in Bonn zeigt ab dem 28. September 2019 eine neue Ausstellung einzigartiger Dinosaurier-Skelette. Die Frage, der sich Wissenschaftler und Ausstellungsmacher nähern, ist: „Wie konnten Dinosaurier so groß werden?“

Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass hier nicht die aus Dokumentationen und (übersetzten, englischsprachigen) Büchern bekannten Dinosaurier aus Nordamerika und der Mongolei stehen, sondern Dinosaurier aus Europa. Ein besonderes Ausstellungsstück ist das 27 m lange Originalskelett des Sauropoden “Arapahoe”, das längste Originalskelett eines Dinosauriers in Europa.

Die Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Sauriermuseum Aahtal bei Zürich realisiert. Sie ist während der üblichen Öffnungszeiten des Museums (Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Mittwochs bis 21 Uhr) erreichbar, gezahlt wird nur der reguläre Eintritt (Tageskarte € 5,-; ermäßig € 2,50). Die Ausstellung läuft noch bis zum 21. Juni 2020. Für Kinder gibt es zahlreiche Veranstaltungen, unter anderem einen Ferienworkshop bereits in den Herbstferien. 

Link: Webseite des Museum Koenig, Bonn


Feld-Ornithologisches

Der Jungfernkranich, von dem wir letzte Woche berichtet haben, ist immernoch in dem Gebiet. Die ersten verirrten Zugvögel tauchen auf, im Gebiet der Reußenköge auf dem Festland vor der Halligsee, ist ein Amerikanischer Prärie-Goldregenpfeifer aufgetaucht. Am Großen Albsee bei Immenstadt im Allgäu und im Teichgebiet Tschorna bei Tauscha in Sachsen haben Ornithologen je eine Schwalbenmöwe beobachtet. Der Rosapelikan aus Meldorf bleibt, wo er ist.

Brinzola, die Mönchsgeierdame, die im Frühjahr eine Reise durch halb Europa, von Spanien bis Mittelnorwegen gemacht hat, scheint sich wieder auf den Weg zu machen. Wir halten euch auch da auf dem Laufenden.


Zu guter Letzt:

Dieses Video stammt aus der Sammlung von Shark Week vom Discovery Channel. Es zeigt eine völlig untypische Art des Jagens eines Weißen Haies: anstatt sich lange heranzupirschen, die Lage, Größe und Verhalten des Beutetieres zu checken, greift der Raubfisch fast spontan an, als ihm die Robbe zufällig über den Weg schwimmt. Damit eine solche Handlung erfolgreich ist, setzt es ein permanentes Bewusstsein für seine Umwelt und seinen eigenen Status voraus, wesentlich mehr, als man einem Hai üblicherweise zutraut.


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.

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