Presseschau Kalenderwoche 49/2019

Lesedauer: etwa 11 Minuten
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Wie immer montags gibt es auch heute die Presseschau. Wir dachten zuerst „Diese Woche wirds echt wenig“, aber dann kamen die Meldungen mit Macht: immer wieder Fische, aber auch Wölfe, ein Seeelefant, eine Würfelnatter und ein russischer Bigfoot waren diese Woche in den Medien. Wir haben es für euch aufbereitet.

Viel Spaß beim Lesen.


Der verrückteste Hai der Weltgeschichte

Zahnspirale eines Helicoprion
Zahnspirale eines Helicoprion bessonovi

Haie haben in ihrer mindestens 350 Millionen Jahre langen Evolution viele ungewöhnliche Formen und Anpassungen hervorgebracht. Die modernen Hammerhaie sind nur ein Beispiel dafür. Unter den Ungewöhnlichen sticht die 275 Millionen Jahre alte Haigattung Helicoprion heraus. Anders als bei modernen Haien mit Revolvergebiss fielen ihr gebrauchte Zähne nicht aus, sie wurden nach vorne gedrückt und formten eine Spirale. Wie das Blatt einer Kreissäge stand diese Spirale im bzw. vor dem Unterkiefer. Lange wusste man diese fossil gefundene Spirale nicht richtig einzuordnen. Heute wird allgemein angenommen, dass sie in eine Rille im Oberkiefer griff, ein Beutetier so einklemmte und es durch vor- und zurückbewegen zerschnitt.

Die National Geographic hat zu dem skurrilen Hai einen skurrilen Kurzfilm entwickelt, den wir euch nicht vorenthalten wollen: Link zur National Geographic

Helicoprion war mit drei Arten in den Weltmeeren des Perms weit verbreitet. Etwa 150 Fossilfunde konnten der Gattung zugeordnet werden, unter anderem aus Nordamerika, Russland, Kasachstan, Japan und Australien. Mit vermutlich mehr als 12 m kamen große Exemplare dem Megalodon nahe. Er steht jedoch eher im Verwandtschaftsbereich der Chimären oder Seekatzen, nicht der modernen Haie.


Neues vom Battersea-Wal

Der Battersea-Whale
Der an der Battersea-Brücke gestrandete Zwergwal wurde untersucht.

Das „Cetacean Stranding Investigation Programme“, also das Walstrandungs-Untersuchungsprogramm im Vereinigten Königreich hat am Freitag letzter Woche an der Battersea-Bridge in London gestrandeten Zwergwal (wir berichteten) näher untersucht. Die Untersuchungen korrigieren und ergänzen die bisherigen Angaben:

Das 5,8 m lange, junge Männchen war gut ernährt, die Muskeldicke und Fettschichten entsprachen den Erwartungen an einen gesunden Wal. Er hat in der letzten Zeit nicht gefressen, Magen und Darm waren weitgehend leer, es gab nur einen geringen Parasitenbefall.

Die Verletzungen am Rücken belegen eine Kollision mit einem Schiff und anschließender Propellerverletzung. Der Wal ist daraufhin lebend gestrandet und wurde Freitagabend in diesem Zustand gefunden. Weitere Untersuchungsergebnisse werden folgen.

Dies ist der dritte Wal, der innerhalb von etwa zwei Monaten in der Themse gestrandet ist. Die Mitarbeiter des Programmes untersuchen auch, wie es zu dieser ungewöhnlichen Häufung kommen konnte.

Die Meldung wurde bisher nur auf Facebook veröffentlicht.


Zahl der Wölfe in Deutschland nimmt zu

Europäischer Wold
Die Zahl der Wölfe hat in Deutschland erfreulich zugenommen.

Das Bundesamt für Naturschutz und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) melden, dass in Deutschland derzeit 105 Wolfsrudel leben. Weiterhin gab es 25 Wolfspaare und 13 sesshafte Einzelwölfe im Monitoring-Jahr 2018/19. Im Jahr zuvor waren 77 Rudel, 40 Paare und drei Einzelwölfe nachgewiesen worden. Das Monitoring-Jahr dauert vom 1. Mai bis 20. April. Das BfN und das DBBW führen darin die von den Bundesländern erhobenen Daten zusammen. „Der Wolfsbestand in Deutschland nimmt zu“ erklärte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Dies führt auch dazu, dass mehr Wölfe, meist Welpen, im Straßenverkehr ums Leben kommen. 83 Tiere waren es im vergangen Monitoring-Jahr, insgesamt wurden 99 Wölfe tot gefunden, das sind 60% mehr als im Vorjahr. Illegal wurden 8 Wölfe getötet, im Vorjahr waren es 6.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) rechnet anders: er zählt die Jungtiere mit, so dass er auf etwa 1300 Wölfe in Deutschland kommt. Das BfN weist darauf hin, dass diese Zählung nicht seriös ist, denn gerade unter den Jungtieren gibt es im ersten Jahr eine sehr hohe Sterblichkeit.

„Die Entwicklung der Wolfsbestände ist ein gutes Zeichen“, erklärte Magnus Wessel, Leiter der Naturschutzpolitik des BUND. Der BUND sieht ein Erhaltungsziel von mindestens 1000 erwachsenen Wölfen in Deutschland noch nicht erreicht. Er fordert die Politik auf, endlich konstruktive Lösungsansätze für Weidetierhalter zu liefern.

Quellen: Tagesschau, n-tv


Meerforelle wieder in der Alster nachgewiesen

Die Wiedereinführung von großen Wanderfischen in Deutschland zeigt weiter Erfolge. Erstmals nach 100 Jahren wurde eine laichreife Meerforelle in der Alster nachgewiesen. Seit zehn Jahren haben Angelvereine jährlich 25.000 Jungtiere in den Nebenflüssen und -bächen der Alster ausgesetzt. Diese Tiere bleiben etwa ein Jahr in den Bächen und wachsen auf etwa 10 cm heran. Danach bleiben sie noch ein Jahr im Unterlauf der Alster, von wo sie mit etwa 20 bis 25 cm in die Nordsee wandern. In der Nordsee bleiben sie üblicherweise drei Jahre und erreichen ihre Geschlechtsreife mit 60 cm Länge.

Normalerweise kehrt einer von tausend Fischen an den Ort seiner Geburt zurück. Dieser erste ist am 29. November in Duvenstedt gefangen worden. Um hier hin zu kommen, hat der Fisch die Fischtreppen am Mühlenwehr und Rathaus genommen, und zwei weitere Schleusen überwunden. „Die Meerforelle ist eine Flagschiff-Art für das Ökosystem der Alster“, erklärte Fischereibiologe Robin Giesler.

Ob die Meerforelle tatsächlich den vollständigen Zyklus durchlaufen hat oder unerwarteterweise ihr Leben in der Alster verbrachte, wird die Untersuchung der Gehörknöchelchen zeigen.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft lebendige Alster

Nachtrag am 16.12.2019:

Angler fangen weitere 10 Meerforellen in der Alster, mit weiteren Tieren im Unterlauf wird gerechnet: t-online


Und nochmal Wölfe

Wolf beim Riss
So sehen andere den Wolf: als reißendes Raubtier

Kaum kam die Erfolgsmeldung, die Zahl der Wölfe habe zugenommen, meldeten sich auch schon die Wolfsgegner. Die Zahl der Angriffe auf Nutztiere habe im vergangenen Jahr ebenfalls deutlich zugenommen. Die (neutrale) Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) meldet 639 Übergriffe von Wölfen mit insgesamt 2067 getöteten, verletzten oder vermissten Nutztieren. Darunter waren 1656 Schafe (= 80%).

Im Vorjahr gab es 472 Übergriffe auf insgesamt 1667 Nutztiere. Die Zahl der Übergriffe stieg also um 43%, die der betroffenen Tiere um 25%. Die Anzahl der Wolfsrudel nahm um 36% zu.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, forderte „ein aktives und konsequentes Management des Wolfsbestandes“ und meint damit die Bejagung. Teile der Union, allen voran die umstrittene CDU-Agrarministerin Klöckner fordern „wolffreie Zonen“, in denen Wölfe vorbeugend abgeschossen werden können. Das Bundesumweltministerium sieht den Wolf allerdings noch weit von einem guten Erhaltungszustand entfernt, der eine Bejagung rechtfertigen könnte.

Quelle: n-tv


See-Elefant auf Tropeninsel „gestrandet“

zwei südliche Seeelefanten
Südliche See-Elefanten sind die größten lebenden Robben

Südliche See-Elefanten sind die größten Robben der Welt. Sie kommen üblicherweise nur auf sub-antarktischen Inseln wie den Kerguelen oder Südgeorgien an Land und verbringen einen Großteil ihres Lebens auf See.

Einer dieser Kolosse hat sich dabei offenbar verschwommen. Am 20. November tauchte er am Dalawella Beach bei Unawatuna an der Südküste von Sri Lanka auf. Meeresbiologin Asha de Vos berichtete am 23. November, dass das Tier ruhte, aber auch verletzt sei. Danach ist die Robbe verschwunden.

Südliche See-Elefanten kommen gelegentlich weit rum. Laut einer Veröffentlichung im Fachjournal Marine Mammal Science berichtet von Beobachtungen vor Oman, Mauritius und den Seychellen.

Quelle: iflscience, Marine Mammal Science


Buntbarsch-Radiation durch Hybridisierung

So krude kann es sich anhören, wenn‘s um dieses Thema geht. In Science Daily haben es die Autoren etwas anders ausgedrückt:

„Weibliche Fische können neue Arten züchten, falls sie nicht zu wählerisch sind, wenn‘s um Mr. Right geht. Fische werden sich mit einem Männchen anderer Arten paaren, wenn seine Färbung nur attraktiv genug ist oder das Weibchen ihn nicht richtig sehen kann. Solche ‚Fehltritte‘ bei der Partnersuche können zur Entstehung neuer Arten führen. Ein internationales Team von Wissenschaftlern entdeckte dies, als sie die DNA von mehr als 400 Buntbarscharten untersuchten.“

Die Gruppe untersuchte mehr als 2000 Fische aus 400 Arten aus zwei Süßwasserseen in Ostafrika. Dabei entdeckten sie mehr als 40 unbekannte Arten im Lake Mweru, der erst vor etwa einer Million Jahren entstand.

Buntbarsch wird präsentiert
Eine der neu entdeckten Arten: Ein Großzahn-Serranochromis, Foto: Ole Seehausen

Dr. Joana Meier, Erstautorin der Studie von der Uni Cambridge sagte dazu „Wir haben eine unüberschaubare Vielfalt von ökologisch unterschiedlichen, unbekannten Arten gefunden. Das nennt man Radiation.“

„Die unbekannten Buntbarscharten sind an alle Nahrungsquellen des Sees angepasst. Einige fressen Insektenlarven, andere Zooplankton oder Algen. Einige sind Raubfische mit großen Zähnen, die wir „Großzahn-Serranchromine“ nennen.

Wie bei den meisten Tierarten suchen auch bei den Buntbarschen oder Cichliden die Weibchen ihren Partner aus. Weibchen suchen sich unter bestimmten Umständen Männchen anderer Arten aus, die den Männchen der eigenen Art ähnlich sehen. Bei schlechtem Licht können die Tiere die Männchen der eigenen Art nicht von denen anderer Arten unterscheiden, da sie die Farben nicht richtig sehen können. Die Wissenschaftler haben das im Labor nachgeprüft und bestätigt. Sie gehen auch davon aus, dass genau das vor etwa einer Million Jahre im neu entstanden Lake Mweru passierte, als sich die Fische der Zuflüsse begegneten – und die Evolution von 40 neuen Arten begann.

Quelle: Science Daily

Originalarbeit: nature


Ein Insekt, gefangen in Bernstein, klebt an einem Dinosaurierkiefer und fossiliert

Ein Dinosaurierkiefer ist für einen Paläontologen ein seltener Fund. Ein Insekt in Bernstein ebenso. Diesen „Lottogewinn“ erzielten Paläontologen als sie 2010 im Dinosaur Provincial Park (Alberta, Kanada) den 75 Millionen Jahre alten Kieferknochen eines Hadrosauriers ausgruben. Er war mit einem 7 Zentimeter breiten Bernsteinklecks „verschmutzt“, in dem sie Spuren von Bäumen und Blattläusen fanden.

Die Forscher um Ryan C. McKellar glauben, dass der Prosaurolophus starb und zerfiel. Ein Harztropfen eines Redwoods oder einer Araukarie, der eine unglückliche Blattlaus enthielt, fiel auf den Kieferknochen. Danach wurde der Kiefer in einen Fluss, in dem das Harz zu Bernstein verhärtete und von Sediment bedeckt wurde.

Leider gab es keine attraktiven Fotos des Fossils zur Verwendung in der Presse.

Quelle: nature


Neues Video eines „Bigfoot“, aus Russland

Auf Youtube ist ein neues Video eines … ja was denn nun? aufgetaucht. Das Video ist aus einem Auto gedreht worden, das einen Feldweg in offener Landschaft entlang fährt. Der Feldweg ist an einer Seite von Telegrafenmasten gesäumt. In dem Auto sitzen offenbar drei Personen, eine Person auf dem Rücksitz filmt. Sie filmt, wie ein menschenähnliches Wesen im hohen Gras auftaucht und das Auto verfolgt. Die Figur ist dunkel und taucht höchstens bis zur Hüfte aus dem Gelände auf. Sie wirkt kräftig und breitschultrig, die Gestik kann mit „bedrohliches bis unkoordiniertes Armeschwenken“ beschrieben werden.

Das Verhalten der Menschen im Auto ist ungewöhnlich. Ich verstehe kein Russisch, aber sie scheinen Angst zu haben, bis hin zur Panik. Dennoch halten sie an und „kontrollieren“, ob sie noch weiter verfolgt werden.

Im Kommentarteil des Videos wird unter anderem Krypto-Hominiden-Experte Igor Burtsev zitiert, der das Gespräch im Auto übersetzt. Er schreibt, dass die Autoinsassen davon sprechen, auf die Gestalt geschossen zu haben und sie daraufhin auch zu Boden gegangen ist. Macht euch selbst ein Bild:


Würfelnatter am Niederrhein aufgetaucht

Würfelnatter
Die Würfelnatter wurde mit einem Kescher gesichert

Anwohner haben in der Gemeinde Goch bei Kleve am Niederrhein eine Würfelnatter entdeckt und kurzzeitig eingefangen. Die Freiwillige Feuerwehr Goch wurde am 29.11. alarmiert, übernahm das Tier und brachte es zum TerraZoo Rheinberg, wo es identifiziert und weiter versorgt wurde.

Würfelnattern sind für den Menschen ungefährlich und kommen vor allem in Südosteuropa und im nahen Osten vor. Deutschland gehört zum Nordostrand des Vorkommens, wo sich die flächendeckende Verbreitung in einige wenige Fleckenvorkommen auflöst. Natürliche Vorkommen existieren an den Ufern von Mosel, Nahe und Lahn in Rheinland-Pfalz. Wie die Würfelnatter nach an den Niederrhein gekommen ist, steht nicht fest.

Quelle: Pressemeldung der Freiwilligen Feuerwehr Goch


Feld-Ornithologisches

Diese Woche gibt es wieder einige Neumeldungen:

  • Auf Wangerooge und in Koblenz ließen sich je ein Tienschan-Laubsänger (Phylloscopus humei) beobachten.
  • Bei den Baggerseen Rißtissen in Ehingen an der Donau ist seit mehreren Tagen ein adulter Sichler unterwegs.
  • Im Rheinau-Park in Bonn soll eine Moschusente unterwegs sein. Die Beobachtung ist noch unbestätigt.
  • Bei Bad Hindelang im Allgäu konnten Vogelfreunde am Mittwoch kurzzeitig zwei immature Bartgeier beobachten.

Unter „immer noch da“ kann man vieles schreiben, unter anderem:

  • Die Sichelente ist immer noch im Forggensee unterwegs, sie sucht die Gesellschaft von Graugänsen. Das Fehlen von Ringen wird bestätigt.
  • Der Gleitaar aus Bröckel im Landkreis Celle zieht weiterhin die Fotografen an. Kein Wunder!
  • Weiterhin offshore sind eine Prachteiderente (bei Kappeln) und eine Pazifiktrauerente (bei Gelting) unterwegs.

Zu guter Letzt:

Die Tyrannosaurus-Nachzucht aus dem Naturkundemuseum in Basel hatte am 6.12. anlässlich der Mineralientage seinen ersten Ausritt in die Innenstadt:


Eine Meldung in eigener Sache:

Aus gesundheitlichen Gründen mussten wir diese Woche den Redaktionsschluß auf Samstag, den 7.12. vorverlegen. Die meisten Artikel für die nächsten Tage sind bereits vorbereitet, so dass wir unseren Plan für die kommende Woche vermutlich einhalten können. Es kann jedoch sein, dass die Kommunikation mit der Redaktion etwas schleppender verläuft, als üblich.