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Freitagnacht-Kryptos – Passend zum Tage

Die Mondlandung hat morgen bzw. übermorgen vor 50 Jahren stattgefunden und ist natürlich Top-Thema in allen Medien. Wir wollten bei diesem wirklich prägenden Ereignis nicht zurückstehen und haben uns überlegt, welches Tier denn am ehesten mit dem Mond zu tun hat. Ein Mondkalb? Zu langweilig. Der Werwolf? Zu trivial. Wir haben ein viel interessanteres Tier ausgegraben: Die Wermaus!

Wer… Maus???

Eigentlich sind die Wermäuse unter dem viel niedlicheren Namen Grashüpfermäuse bekannt. Sie kommen in drei Arten in den Prärien und trockenen Buschländern von Mexiko bis Südkanada vor. Mit 9 bis 13 cm sind sie etwas größer als eine Hausmaus. Wie viele kleine Nager sind sie nachtaktiv. Sie können gut klettern, bevorzugen aber den Boden, in dem sie auch ein Nest bauen. Auf Eindringlinge in ihr Territorium reagieren sie aggressiv. Das macht sie unter Dutzenden von Arten kleiner Nager nicht zu etwas Besonderem.

Ein Jäger, und was für einer!

Ungewöhnlich ist ihre Ernährung: die Wermäuse ernähren sich carnivor: Sie jagen sehr erfolgreich große Insekten und andere Gliederfüßer, sogar kleine Wirbeltiere wie andere Mäuse. Etwa 89% ihrer Nahrung sind tierisch, nur 11% Pflanzenmaterial. Damit liegt sie im Bereich hypercarnivorer Raubtiere.
Anders als die meisten großen Raubtiere wagt die Wermaus, auch Tiere anzugreifen, die deutlich größer und schwerer sind, als sie. Meist schleicht sie sich an ihre Beute heran und versucht, sie mit einem Biss in den Nacken oder Kopf zu töten. Sogar giftige Tiere wie Hundertfüßer greift sie an und ringt sie nieder. Eine wichtige Beute sind Arizona-Rindenskorpione der Art Centruroides vittatus*. Er gehört zu den häufigste Skorpionen im Lebensraum der Großen Grashüpfermaus Onychomys torridus. Da er als Insektenfresser nicht nur Beute, sondern auch Konkurrent ist, kommt ihm eine besondere Bedeutung zu.

Kaum erforschte Superkräfte

Die Große Grashüpfermaus Onychomys torridus ist unempfindlich gegen sein Gift. Gelangt es nach einem Stich ins Blut, „kidnapt“ ein Protein auf den Nerven der Maus das Gift. Hierdurch werden die Schmerzsignale, die es sonst auslöst, unterdrückt. Gemeinsam können Gift und Protein sogar andere Formen des Schmerzes unterdrücken.

„In der Maus arbeitet das Gift sogar als Schmerzkiller“ sagt der Neurphysiologe Frank Bosmans von der Johns Hopkins University.

Dabei ist das Gift des Arizona-Rindenskorpions alles andere als harmlos. „Es tut ganz schön weh“, beschreibt Ashlee Rowe, Evolutionsneurologin an der Michigan State University. „Betroffene sagen, es fühlt sich an, als hätte man sich verbrannt und bekäme dann einen Nagel in die Stelle gedrückt“. Eine große Giftdosis kann ein Kleinkind töten.

Physiologisch arbeitet das Skorpiongift wie ein klassisches Nervengift: es öffnet ligandenabhängige Natriumkanäle von Schmerzrezeptoren. Natrium fließt in die Zelle ein und sorgt für eine Depolarisation und ein Aktionspotenzial. Dieses wird über die Nervenbahnen ans Gehirn weiter gegeben. Da das Gift des Skorpiones -anders als andere Liganden- permanent an den Natriumkanal bindet, werden ständig Aktionspotenziale ausgelöst: Beim Hirn kommt ein starker Reiz an, der als Schmerz interpretiert wird.

Ist das Gift im Körper, unterbricht ein spezieller Natriumkanal den ungewöhnlichen Natriumfluss: Das Schmerzsignal läuft einfach aus. Sticht der Skorpion die Maus, senden die Nerven einfach keine Schmerzsignale mehr weiter, das betrifft sogar Schmerz aus anderen Quellen.

Reviermarkierung – wie die Großen

Die kleinen Jäger leben nicht lange an einem Ort, sondern übernehmen oft die Bauten kleiner Nagetiere – nachdem sie sie gefressen haben. Ihren Streifbereich verteidigen sie aggressiv gegen andere Wermäuse, in angemessener Weise: nachts suchen sie sich einen exponierten Standort, werfen den Kopf zurück, drücken die Brust raus und rufen mit offenem Maul – vermutlich in Richtung Mond…

So long – and: Good Luck, Mr. Gorsky

Quellen:

The Mammals of Texas: Northern Grasshopper Mouse

The Washington Post: The Tiny southern grasshopper mouse can eat scorpions without feeling any pain





Freitagnacht-Kryptos: Die goldene Möwe von Wales

Die Notfallretter des Vale Wildlife Hospital and Rehabilitation Center, südlich von Birmingham an der Grenze England – Wales staunten nicht schlecht. Sie wurden zu einer Fabrik in der Nähe von Birmingham gerufen, um einen Karton mit einer goldenen Möwe abzuholen.

Die Fabrikmitarbeiter erzählten, dass die Möwe in einen Behälter mit dem indischen Gericht ‚Chicken Tikka Masala‘ gefallen war. Die Speisereste sollten im Freien abkühlen und dann entsorgt werden. Tierpflegerin Lucy Kelly, 41, vom Vale Wildlife Hospital berichtete: „Die Möwe verlor das Gleichgewicht, als sie versuchte, ein Stück Huhn daraus zu fischen.“ Die Sauce enthielt große Mengen Curcuma. Das gesamte Gefieder der Möwe hatte sich goldgelb eingefärbt, bevor die Arbeiter sie herausfischen konnten. So wurde aus der Silbermöwe eine goldene Möwe.
Um welche Fabrik es sich handelte, wollte das Vale Wildlife Hospital nicht angeben.

Goldgelb gefärbte Silbermöwe
Der freche Vogel war in einen Behälter mit einem Curry-Gerichtes gefallen. Die Federn sind mit der stark färbenden Sauce verschmiert

Goldgelb gefärbte Möwe
Mitarbeiter des Vale Wildlife Hospitals nahmen sich der goldenen Silbermöwe an, duschten sie und reinigten das Gefieder.

Silbermöwe mit zottigem Gefieder
Noch wirkt das entfettete Gefieder sehr flauschig, doch bald wird die „Spice Gull“ wieder fliegen und schwimmen können.

Die Möwe in Currysauce

Tierpflegerin Lucy schrieb auf Facebook „Am Montag brachte uns der Rezeptionist einen Karton und sagte „Das ist ein Notfall“. Der starke Geruch traf uns schon, bevor wir den Karton öffneten. Es war überwältigend und es roch absolut fantastisch.“

Ms. Kelly berichtete weiter: „Die Möwe schien nicht zu sehr verärgert zu sein. Wir mussten sie duschen und mit einer Waschflüssigkeit reinigen. Das hat sie sehr ruhig über sich ergehen lassen.

„Es hat ungefähr eine halbe Stunde gedauert. Wir konnten die Sauce besser auswaschen, als erwartet. Aber die Möwe duftet immernoch. Ich glaube, es muss das Kurkuma sein!“ Die Möwe wirkt nach der Reinigung etwas flauschig, denn mit der Sauce wurde auch die natürliche Gefiederfettung ausgewaschen. So lange die Silbermöwe ihre Federn nicht wieder vollständig impregniert hat, kann sie nicht schwimmen. Die Tierklinik will sie deswegen noch einige Wochen oder Monate pflegen. Sie soll in Wales wieder auswildert werden.

Die Mitarbeiter der Tierklinik suchen noch nach einem passenden Namen. „Korma the gull“ und „Wannabe Spice Gull“ sind zur Zeit gut im Rennen.

Britische Zeitungen und Nachrichtenportale berichteten am 08. bis 10.06.2016 über die goldene Möwe.

Literatur:

Vale Wildlife Hospital and Rehabilitation Center




Tigerhaie und Vögel

Dass Vögel Fische fressen, ist allgemein bekannt. Der Fischadler trägt seinen Namen von dieser Ernährungsform, Haubentaucher, Gänsesäger, Graureiher und vor allem Kormorane kommen regelmäßig in die Schlagzeilen, wenn sich Angler über die „Konkurrenz“ beschweren. Doch der umgekehrte Fall: Fische fressen Vögel, kommt eher selten vor.

Junger Tigerhai
Juveniler Tigerhai, Foto von Albert Kok, Creative Commons 3.0

Wissenschaftler um Marcus Drymon von der Mississippi State University haben nun herausgefunden, dass gerade junge Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) eine unerwartete Nahrungsquelle haben: sie fressen oft Landvögel. Die Wissenschaftler untersuchten Tigerhaie, die sie in einer Langzeitstudie an der Küste der US-Bundesstaaten Mississippi und Alabama zwischen 2010 und 2018 fingen. Um herauszufinden, was die Tiere gefressen haben, haben sie den Fischen ein Rohr durch die Speiseröhre in den Magen eingeführt und den Magen mit Wasser ausgespült. Der Hai wurde dabei nicht weiter verletzt, als durch den Fang.

Wissenschaftler spülen den Magen eines jungen Tigerhais
Ein junger Tigerhai nimmt an der Studie teil und bekommt den Magen ausgespült.
Er wird das Boot ohne größere Verletzungen, dafür sehr hungrig verlassen.

In den Mageninhalten von 105 untersuchten Tieren fanden sich bei 41 Fischen Reste von Vögeln. Insgesamt konnten die Wissenschaftler anhand von Federn, Schnäbeln und Krallen elf verschiedene Vogelarten feststellen. Bemerkenswert hierbei ist die Tatsache, dass zehn der elf Arten Landvögel waren und eine Art als reiner Bewohner von Süßgewässern gilt. Reste von Seevögeln hatte kein Hai im Magen.

Amerikanische und deutsche Namen

Bei der Aufzählung der einzelnen Arten besteht ein Namensproblem. Viele der amerikanischen Kleinvögel haben keine eingebürgerten deutschen Namen, daher schreiben wir die deutschen Namen nach dem üblichen englischsprachigen Namen in Klammern. Bei Arten, die einen bekannten deutschen Namen tragen, steht nur dieser dort. Der wissenschaftliche Name wird immer aufgeführt:

Brown Thrasher (Rotrücken-Spottdrossel), Toxostoma rufum Rauchschwalbe,
Hirundo rustica
Eastern Kingbird (Königstyrann),
Tyrannus tyrannus
House Wren (Hauszaunkönig),
Troglodytes aedon
Common Yellowthroat (Weiden-Gelbkehlchen),
Geothlypis trichas
Marsh Wren (Sumpf-Zaunkönig),
Cistorthorus palustris
Eastern Meadowlark (Lerchenstärling),
Sturnella magna
Swamp Sparrow (Sumpfammer),
Melospiza georgiana
American Coot (Amerikanisches Blässhuhn),
Fulica americana

Für die White winged Dove, (Weißflügeltaube) Zenaida asiatica, und den Yellow-bellied Sapsucker (Gelbbauch-Saftlecker, ein Specht), Sphyrapicus varius, liegen uns keine Fotos vor.

„Es waren ausschließlich Landvögel“

Dies sei der erste Nachweis, dass Tigerhaie Vögel fressen, die vorrangig an Land leben, so Kevin Feldheim vom Field Museum in Chicago. „Darunter war nicht eine Möwe, kein Pelikan, Kormoran oder sonstiger Meeresvogel“, erzählt Drymon. „Es waren ausschließlich Landvögel – die Sorte, die in Ihrem Garten wohnt.“ Feldman ergänzt: Die Haie sind Opportunisten. Sie fressen diese Tiere zur Zeit des Vogelzugs. Die meisten Landvögel fallen den Haien im Herbst und im Frühling zum Opfer. „Während ihrer Wanderung sind die Vögel erschöpft, sie werden müde oder fallen beispielsweise bei einem Sturm ins Meer“, sagt Feldheim.

Oft nur genetischer Nachweis möglich

Die Muskulatur, Eingeweide und Knochen der Vögel werden in den leistungsfähigen Mägen der Tigerhaie schnell verdaut und stehen daher kaum für Untersuchungen zur Verfügung. Federn, Schnäbel und Krallen überdauern länger. Daher wurden hauptsächlich diese keratinösen Bestandteile der Vögel untersucht. Zur genauen Bestimmung mussten die Wissenschaftler dennoch oft genetische Methoden heranziehen. Vermutlich hätte ein klassischer Ornithologe schneller und billiger helfen können, aber die sind mittlerweile leider auch vom Aussterben bedroht.

Haben Haie denn eine Vorliebe für Vögel?

Die Deutsche Presse Agentur schließt aus der Untersuchung, dass Haie eine besondere Vorliebe für Vögel haben. Viele deutschsprachige Medien haben diese Aussage von der dpa ungeprüft übernommen. Die Redaktion des NfK sieht dies kritischer. Bei 40% der Fische wurden Vogelreste im Magen gefunden, in den meisten Fällen die oben genannten Schnäbel, Krallen und Federn. Da sie im Magen lange überdauern, viel länger als Fische oder Krebstiere, lässt sich aus den punktuellen Fängen keine Vorliebe ableiten.
Wesentlich interessanter ist aber die Frage, warum keine Reste von Meeresvögeln in den Mägen der Haie gefunden wurden. Sie dürften leicht zu erbeuten sein, wenn sie auf dem Wasser ruhen oder nach Fischen tauchen. Die Haie tun es dennoch so gut wie nie. Warum?

Andere vogelfressende Fische

Auch hier treten wieder Tierhaie auf, aber diesmal ausgewachsene und im Pazifik. Vor der Hawaii-Insel Laysan, auf der der Laysan-Albatros brütet, sammeln sich jedes Jahr Tigerhaie. Sie warten auf Jungvögel, die bei ihren ersten Flugversuchen in der Lagune vor der Insel landen. Die National Geographic hat hierzu ein eindrucksvolles Video produziert:

Die BBC hat in ihrer Produktion Blue Planet II beobachtet, wie Riesen-Stachelmakrelen, Carax ignobilis, Jagd auf junge Seeschwalben machen. Sie springen dabei sogar aus dem Wasser, um ihre Beute zu erreichen.
Stachelmakrelen gehören zu den cleversten Jägern unter den Knochenfischen. Sie nutzen unter anderem Haie als Deckung bei der Jagd und verfolgen Mönchsrobben, denen sie buchstäblich die Beute aus dem Maul stehlen können.

Im Jahr 2014 konnten Wissenschaftler aus Südafrika dokumentieren, dass Tigersalmler Hydrocynus vittatus in der Lage sind, im Sprung Rauchschwalben über der Wasseroberfläche zu erbeuten. Leider sind die Aufnahmen qualitativ nicht mit denen der BBC vergleichbar.

Beim Europäischen Wels oder Waller Silurus glanis kennt man Populationen, die Tauben fangen, hauptsächlich aus Großstädten in Frankreich und Spanien. Hier kommen die Welse ursprünglich nicht vor und müssen sich offenbar ungewohnte Nahrungsquellen erschließen:

Tauchende Vögel scheinen auch gelegentlich Raubfischen zum Opfer zu fallen. Bei Hechten ist das bekannt, Markus Bühler hat das auch bei Seeteufeln dokumentiert.


Quellen:

Originalpublikation: Drymon, J.M., Feldheim, K. et al., 2019: Tiger sharks eat songbirds: scavenging a windfall of nutrients from the sky; The Scientific Naturalist; https://doi.org/10.1002/ecy.2728; Abstract: hier

Field Museum Press Release: Baby tiger sharks eat songbirds




Spanische Mönchsgeier in Mitteleuropa

Mönchsgeier sind nach Bartgeiern die größten Greifvögel Europas. Sie kommen aktuell in Europa nur noch in Spanien vor, Wiederansiedlungsprojekte in Frankreich und im Norden Mallorcas laufen. Die Tiere werden durch ein Schutzprojekt engmaschig überwacht. Wie die meisten Geier suchen auch Mönchsgeier große Gebiete im Gleitflug nach Aas ab.

Brínzola auf Abwegen

Portrait eines Mönchsgeiers
Portrait des beeindruckenden Vogels. Kein Wunder, dass das Tier in vielen Sprachen Mönchsgeier genannt wird

Der Mönchsgeier Brínzola ist im Jahr 2016 geschlüpft. Das junge Weibchen* musste wegen Herzproblemen und Unterernährung in einer Pflegestation des El Proyecto Monachus aufgepäppelt werden. Die Pflegestation liegt in der Sierra de la Demanda, ca. 50 km östlich von Burgos, Spanien. Am 7. Oktober 2018 wurde er zusammen mit seinem Artgenossen Batman in der Nähe der Station im nordspanischen Burgos (Sierra de la Demanda) ausgewildert.

1. Station: Frankreich

Die „Europareise“ von Brínzola begann am 20. April 2019. Der Mönchsgeier zog aus seinem üblichen Revier in Zentralspanien nach Norden an die baskische Atlantikküste und dann entlang des Pyrenäennordkammes nach Osten ans Mittelmeer. Abgesehen von einem Ausflug in die Pinienwänder der Gascogne zog der Vogel weiter nach Norden. Er folgte dabei offenbar immer den Hängen der Mittelgebirge.

2. Station: Belgien

Nachdem Brínzola praktisch ohne Pause Frankreich durchquerte, hatte sie am 9. Mai Belgien erreicht. Seine Ankunft war eine kleine Sensation für die dortigen Ornithologen – schliesslich handelte es sich erst um den zweiten Nachweis eines Mönchsgeiers in Belgien. Mehr als 200 Fotografen aus dem ganzen Land waren angereist, um einen Schnappschuss von dem Exoten zu ergattern. Auch die Medien haben sich eingehend mit dem „Ausreisser“ befasst.

Reise des Mönchsgeiers Brinzola durch Spanien, Frankreich nach Belgien. Image: Proyecto Monachus, google earth
Reise des jungen Mönchsgeier-Weibchens Brinzola durch Spanien, Frankreich nach Belgien.

Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn. Image: Proyecto Monachus, google earth
Brinzolas Route von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland nach Fehmarn.

3. Station: Deutschland .. und nicht allein

Nach einem kurzen Überflug von Holland erreichte Brínzola am 10. Mai den deutschen Luftraum. Von dort erreichte das Proyecto Monachus die Nachricht von einem weiteren, unmarkierten Mönchsgeier. War Brínzolas Aufenthalt in Belgien schon eine kleine Sensation, so war der Nachweis zweier Mönchsgeier in Deutschland nicht weniger ungewöhnlich. Seit 2007 ist hier allerdings der eine oder andere durchreisende Mönchsgeier registriert worden. Das Proyecto Monachus hat nicht ausgeschlossen, dass beide Exemplare mit den starken Winden aus dem Süden nach Mitteleuropa gereist sind. Ob sich das besenderte Weibchen* Brínzola, das verpaart in einem geeigneten Revier in seinem ursprünglichen Auswilderungsgebiet gelebt hat, nur wegen der Winde auf die lange Reise begeben hat, ist allerdings noch unklar.

Hans Pohlmann von der niederländischen Vulture Conservation Foundation kollaboriert mit dem spanischen Proyecto Monachus. Er war eigens nach Deutschland gereist, um das Tier zu überwachen. Es war ihm möglich, auch einige Bilder zu machen: Brínzola befand sich in gutem Zustand und konnte seine Reise somit auch ohne Probleme nach Norden fortsetzen. Der zweite Mönchsgeier befand sich zu dem Zeitpunkt weiterhin in Deutschland.

Am 12. Mai erreichte Brínzola schliesslich Norddeutschland, nachdem sie diagonal durch Deutschland geflogen ist. Dort übernahmen Arne Torkler die Überwachung des Geiers und informierte das Proyecto Monachus. An denselben Tag konnte er zusammen mit anderen Ornithologen das Tier beobachten, wie es sich an den Resten eines Hirsches stärkte. Es schien auch weiterhin in guter Verfassung zu sein, da keine Schwierigkeiten beim Fliegen festzustellen waren. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Vogel noch am selben Tag seine Reise fortsetzte und in nur 5 Stunden 250 Kilometer zurücklegte.

Der Mönchsgeier ist ein riesiger, schwarzer Vogel.
Mönchsgeier können im Segelflug viele hundert Kilometer zurücklegen. Brinzola beweist es einmal mehr.

4. Station: Dänemark

Am 14. Mai war Brínzola nach Dänemark übergesegelt und hatte dabei 50 Kilometer des Fehmarnbelts (zwischen der deutschen Insel Fehmarn und dem dänischen Lolland in der westlichen Ostsee) überquert.

Laut den Daten des Senders befand sich Brínzola kurzzeitig nur 3 Meter über dem Meeresspiegel,- wäre also (sofern fehlerhafte Datenübertragung auszuschliessen ist), fast in das Meer gestürzt. Von Deutschland war Brínzola in 299 Metern Höhe über dem Meeresspiegel gestartet – in 19 Kilometern von der deutschen Entfernung befand er sich nur 3 Meter über dem Meeresspiegel – es muss eine enorme Anstrengung gekostet haben, wieder nach oben zu kommen. Schliesslich konnte Brínzola von aufsteigender Luft profitieren und auf 433 Meter Höhe aufsteigen.

Nachdem das Weibchen die Meerenge hinter sich gelassen hatte, flog es direkt weiter nach Astrup, das 40 Kilometer hinter der dänischen Grenze liegt. Den Ort dieses Zwischenstopps hat sie inzwischen verlassen. Das spanische Proyecto Monachus wird aber auf seiner Facebook-Seite die Interessierten weiterhin auf dem Laufenden halten.

Wir bemühen uns, regelmäßige Updates zu bringen.

* Die Angaben, um welches Geschlecht es sich bei Brìnzola handelt, sind widersprüchlich. Das Proyecto Monachus stellte Brínzola auf der eigenen Website als „Macho“, also Männchen vor. Bei den Facebook-Einträgen ist hingegen von „hembra“, also Weibchen die Rede. Wir hatten Kontakt mit der Leitung des Proyecto aufgenommen. Sie versichert, dass Brínzola ein Weibchen ist und hat den Fehler auf der Webseite bereits korrigieren lassen. Damit ist das „sie“ aktuell.

Sonstiges:

Mönchsgeier frisst an Fleischresten
Mönchsgeier werden relativ häufig in Zoos gehalten. Dieses Tier frisst an Fleischresten..

Im Nationalpark Monfragüe haben Vogelkundler beobachtet, dass Gänsegeier die jahrelang von Mönchsgeiern besetzten Nester beziehen und somit die großen, schwarzen Vögel verdrängen.

Die häufigeren Gänsegeier sieht man in den letzten Jahren regelmäßiger im mitteleuropäischen Flachland. 2006 zogen das erste Mal seit langem Trupps über Deutschland. Vogelbeobachter hatten damals 164 Tiere gezählt, davon 57 in Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 2007 flogen mindestens 67 Tiere nach Deutschland und 171 in die Schweiz. In den folgenden Jahren fanden immer wieder kleinere Einflüge nach Deutschland statt. Die Gründe hierfür werden kontrovers diskutiert, so könnte die Zunahme der Bestände in Südwest-Europa und den Alpen ein Grund sein. Als weiteren Grund sehen Tierschützer eine veränderte Praxis bei der Entsorgung von toten Tieren in Spanien.

Links:

Website des Proyecto Monachus

Facebook-Account des Proyecto Monachus

VRT Flandern News vom 10. Mai 2019 (deutsch)




Warum überquerte das Huhn die Straße?

Ein Tierfreund hat im baden-württembergischen Ertingen einen Fußgängerübergang für Hühner auf die Straße gemalt. Sogar zwei selbst entworfene Verkehrsschilder markieren die Gefahrenstelle. Der Übergang war von dem Tierfreund als halbernster Maischerz gedacht. An dieser Stelle kommt es regelmäßig zu gefährlichen Situationen mit Hühnern und Autofahrern – wobei die Hühner nach Meinung der Redaktion deutlich stärker gefährdet sind.
Leider wird der Hühnerzebrastreifen schon bald wieder verschwinden. Ein Sprecher der Gemeindeverwaltung meinte hierzu „So schön der Maischerz ist, das muss baldmöglichst wieder entfernt werden“.

Zebrastreifen für Hühner in Etringen
Warum das Huhn die Straße überquerte? Mehr als einen Zebrastreifen braucht es nicht für die Erkenntnis.

Doch auch wenn der Überweg bald nicht mehr da ist, eine Erkenntnis hat er gebracht: Das Huhn überquerte die Straße – weil es auf der anderen Seite aus einem Brunnen trinken wollte.

Bildquelle dpa

Links

Warum überquerte das Huhn die Straße? Uni Düsseldorf, AG für Diagnostik und differenzielle Psychologie




Folgemeldung – Delfin immernoch in der Kieler Förde

Gemeine Delfine beim Wellenreiten
Gemeine Delfine beim Wellenreiten

Seit fast vier Wochen tummelt sich ein Gemeiner Delfin Delphinus delphis in der Kieler Förde, das NfK berichete bereits darüber. Dem Tier scheint es in dem Binnenrevier gut zu gefallen.  Regelmäßig berichten Seeleute wie Touristen, Kieler wie Besucher von Sichtungen. „Seitdem das Wetter schlecht ist, ist er aber abgetaucht.“ sagt Sven Wehling (53). Der Kapitän der „MS Schwentine“ hat den Delfin noch am Dienstag gesichtet.

Die Heringe, denen er vermutlich in die Förde gefolgt ist, haben sie nach dem Ablaichen wieder verlassen, um sich in der offenen Ostsee Speck anzufressen. „Das dürfte den Delfin allerdings nicht davon abhalten, noch eine Weile zu bleiben. Auch Dorsch, Stint, Makrele und viele andere schmecken sicherlich lecker.“, so Ulrich Karlowski von der renommierten „Gesellschaft zur Rettung der Delphine“.

Die Kieler Nachrichten haben ein lesenswertes Dossier zu Delfinen und Großen Tümmlern in der Kieler Förde zusammengestellt.