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  • Der Ruby Creek-Vorfall

    von: Tobias Möser

     

    Bigfoot, oder Sasquatch, wie er in den westlichen Bundesstaaten der USA und in Kanada bevorzugt genannt wird, war bereits öfter Thema auf der Webseite. Diese Berichte waren sehr beliebt, so dass wir uns entschlossen haben, in lockerer Folge über mehr oder weniger bekannte Begegnungen zu berichten, sie zu hinterfragen und ihnen auf den Grund zu gehen. Der Fred-Beck-Vorfall war bereits Thema im Artikel über Bigfoots am Mount St. Helens. Hier folgt ein weiterer, ungewöhnlicher Vorfall:

    Am ruhigen Ruby Creek

    Der Ruby Creek ist eine kleine Ortschaft am Fraser River, etwa 130 km flussaufwärts von Vancouver. Sie liegt heute am Trans Canadian Highway und am Highway No. 7. Die Gegend um Ruby Creek ist traditionell von mehreren First Nations bewohnt, so die Musqueam, Sto:lo, St’at’imc, Secwepemc und Nlaka’pamux. Nachhaltig von den Weißen besiedelt wurde die Gegend in der Zeit um den Fraser-Canyon Goldrausch von 1858.  Der Goldrausch war jedoch genauso schnell vorbei, wie er gekommen war, 1860 waren die Sandbänke des Flusses ausgebeutet, viele Goldgräber zogen weiter und Ruhe kehrte ein. Damals wie heute musste jeder, der von Vancouver ins Inland wollte, an Ruby Creek vorbei. Händlern war das nur Recht.

    Lage von Ruby Creek am Fraser River in Kanada

    Reiche Fischgründe

    Die meisten der ansässigen First Nations leben zumindest teilweise vom Fischfang. Der Fraser-River ist Heimstatt für alle fünf Arten pazifischer Wildlachse, Stahlkopf-Forellen und weiße Störe Acipenser transmontanus*. Der Fischreichtum ist so hoch, dass die Fischerei immer schon die wirtschaftliche Macht hatte, jeglichen Dammbau im und am Hauptstrom zu verhindern. Traditionell werden Fische, die nicht frisch vermarktet werden, filetiert und unter Druck eingesalzen. Hierdurch verlieren sie Wasser und sind lange haltbar. So machte es auch die Familie Chapman, die in Ruby Creek lebte. Beobachter betonen, dass die Familie zu den First Nations gehörte (In Amerika ist es politisch unkorrekt, von Indianern zu sprechen. Hier hat das Wort aber einen anderen Klang, dennoch verwende ich die selbst gewählte Bezeichnung „indigen“ oder „first nations“).

    Bär mit einem Coho-Lachs: Bären sind auf den Salmon-Run angewiesen

    Lachswehr aus Ästen
    Wehr eines indigenen Volkes in British Columbia: Die Menschen sind genauso auf die Lachse angewiesen

    Der Vorfall 1941

    Die Sache begann im September 1941 (eine andere Quelle nennt den 21. Oktober), an einem klaren Tag, gegen 15 Uhr am Nachmittag. Der älteste Sohn der Familie, 9 Jahre alt, rannte zu seiner Mutter, Jeannie Chapman. Sichtlich verstört meldete er, eine Kuh käme die Berge heruntergerannt. Die beiden anderen Kinder, ein siebenjähriger Junge und ein fünfjähriges Mädchen spielten ungestört hinter dem Haus in der Nähe der Eisenbahntrasse. Die Mutter ging heraus um nachzusehen, denn der Junge war doch sichtlich verstört. Sie sah etwas, das sie zunächst für einen besonders großen Bären hielt.

    Sie rief die beiden Kinder zu sich und bat den größeren, ein Betttuch zu holen. Die Kinder kamen sofort, in der Zwischenzeit bemerkte sie, dass es sich nicht um einen Bären, sondern um einen gigantisches, menschenähnliches Wesen handelte, das mit langen Haaren bedeckt war. Es war ockerfarben und zeigte dunkle Haut an den Händen und ein dunkles Gesicht. Während der älteste Junge das Betttuch geholt hatte, konnte sich die Kreatur dem Haus auf 30 m nähern. Mrs. Chapman spannte sofort das Betttuch mit den Armen auf und baute so eine Sichtbarriere zwischen den Kindern und der Kreatur. So floh sie mit den Kindern flussabwärts ins Dorf.

    Die Kreatur drang ins Haus ein und durchwühlte das Nebengebäude gründlich. Dabei zerbrach sie eine 55-Gallonen-Tonne (fast 210 Liter) voll eingesalzenem Lachs und verteilte den Inhalt im Außenbereich. Ob die Tonne geworfen wurde oder mit einem Schlag zerbrochen wurde, ist unklar.

    Der Vater kommt nach Hause

    Gegen 6 Uhr abends kam George Chapman, Ehemann von Jeannie von seiner Arbeit als Bahnarbeiter nach Hause und fand riesige Fußspuren, den Außenbereich seines Hauses und den Schuppen verwüstet vor. Die Spuren seiner Frau und Kinder führten in Richtung des Dorfes, die riesigen Fußspuren folgten ihnen nicht. Halbwegs beruhigt durch diese Tatsache fasste George Chapman Mut und untersuchte sein Haus und den Schuppen. Im Haus fand er unter anderem braune Haare im Holz der Türstürze.

    Er fand weitere Fußspuren des Wesens stromaufwärts auf einer Sandbank, das Wesen kam aus einem alten Kartoffelfeld, war ohne besondere Richtung auf der Sandbank umhergelaufen und entfernte sich durch das Kartoffelfeld, seine Spuren verloren sich am Fuß der Hügel in dichter Vegetation. Nachdem er sicher war, dass das Wesen weg war, sammelte George Chapman seine Familie ein und bat seine Schwiegervater sowie zwei weitere Männer ein, auf sie aufzupassen, während er bei der Arbeit sei.

    Der Besucher kehrt nachts zurück

    Die Fußspuren bzw. ihre Verursacher erschien etwa eine Woche lang jede Nacht erneut, zweimal machten die Hunde, die die Chapmans mitgenommen hatten, um „exakt 2 Uhr Nachts“ einen Riesenlärm. Das oder die Wesen behelligten sie aber sonst nicht weiter und ließen Haus und Nebengebäude in Ruhe. Dennoch hielten die Chapmans es nicht aus und zogen weg, blieben aber in der Gegend.

    Der Salmon Run in British Columbia: Der Fluß ist voll mit Lachsen

    traditionell werden Lachse eingesalzen oder getrocknet

    Jeannie Chapman berichtete später, dass das Wesen etwa 7 ½ Fuß (knapp 2,30 m) groß war, einen vergleichsweise kleinen Kopf und kurzen Hals hatte. Der Körper erschien ihr sehr menschlich, außer dass die Brust gewaltig nd die Arme sehr lang waren. Die Schultern waren sehr breit und es hatte keine Brüste, so dass Mrs. Chapman es als Männchen ansah, obwohl die Genitalien im dichten Haarkleid verborgen waren. Die nackten Teile des Gesichtes und der Hände waren sehr viel dunkler als das Haar und erschienen fast schwarz.
    Außerdem berichtete Mrs. Chapman von einem gurgelnden Pfeifen, das das Wesen von sich gegeben habe.

    Vom Ruby-Creek-Zwischenfall gibt es abgepauste Fußspuren, außerdem hat es eine Untersuchung durch den US Deputy Sheriff Joe Dunn, der sich privat in dieser Gegend aufhielt.

    Bewertung

    Bei diesem Bericht gibt es eine große Menge Koinzidenten mit anderen Sasquatch-Sichtungen: Größe, Fußspuren, die Geräusche, die Jeannie Chapman beschreibt sowie die Beschreibung der schwarzen Hautfarbe.

    Das Verhalten des Sasquatch ist extrem ungewöhnlich. Die Wesen sind als sehr scheue Waldbewohner bekannt, die selbst im Falle einer Bedrohung eher mit Zeichen und Geräuschen auf sich aufmerksam machen, als sich sehen zu lassen. Doch dieser Sasquatch kommt am Tag nicht nur in offenes Gelände, das er vorher noch nicht untersucht hat. Er sucht offenbar die Nähe des Menschen bzw. zeigt offensives Interesse an Haus und Hof der Familie Chapman. Die Gründe hierfür sind unklar. Diese Wesen gelten als neugierig, aber vorsichtig. Hunger wäre sicher eine Möglichkeit, die einen Sasquatch dazu bringt, sich Menschen zu nähern, die Vorräte besitzen. Aber September bzw. Oktober (siehe oben) sollten Mastmonate für Sasquatches sein. Viele Pilze und Früchte sind reif, insbesondere Beeren und Nüsse, die letzten Lachse kommen den Fraser River hinauf. Es ist die Zeit, in der man erwarten sollte, dass Sasquatches die maximal gute Kondition erreicht haben.

    Revierverhalten ist auszuschließen. So reagiert kein Sasquatch, zumal die Siedlung am Ruby Creek, die Landwirtschaft und der Fischfang, der Bahnbau und sogar der Highway schon eine Weile existierten. In abgeschiedenen Gegenden wäre ein Angriff gegen die Hütte, wie bei Fred Beck am Ape Canyon, möglich. So etwas ist auch aus Nordkanada bekannt, aber in Ruby Creek? Zwischen Kartoffelfeldern, Weiden, der Eisenbahn und dem Highway? Das ist kein Sasquatch-Territorium mehr.

    Was tut der Sasquatch im Haus?

    Auch das Verhalten des Besuchers im Haus ist merkwürdig. Alleine die Tatsache, dass er in ein bis vor sehr kurzer Zeit von Menschen bewohntes Haus eindringt, ist ungewöhnlich. Zerstörungswut liegt Sasquatches fern. Bisher wird überall, wo sie auftreten, vorsichtiger Umgang mit menschlichen Gegenständen berichtet. Durch ihre Kraft und vermutlich eine gewisse Ungeschicklichkeit, aber auch Neugierde geht schon mal etwas zu Bruch. Aber dass sie ein Fass mit Vorräten in den Garten schmeißen und dabei zerbrechen, passt nicht recht zu dem, was sonst berichtet wird.
    Ebensowenig passt, dass George Chapman an jedem Türsturz Haare gefunden haben will. Sasquatches sind Waldbewohner. Die von ihnen offenbar bevorzugten gemäßigten Regenwälder der Westküste sind  gerade im US-Bundesstaat Washington und im Süden British Columbias extrem dicht. Ein Bewohner müsste also instinktiv immer darauf bedacht sein, sich nicht den Kopf an einem Ast zu stoßen. Da soll er sich in der Hütte an jedem Türsturz so gestoßen haben, dass er Haare dort lässt?

    Die Reaktion von Jeannie Chapman

    Nochmal zur Rekapitulation: Jeannie Chapman, mindestens dreifache Mutter, offenbar Hausfrau, erfährt von ihrem neunjährigen Sohn, dass eine Kuh den Berg herunter rennt. Der Sohn ist verstört. Wie kommt es, dass der Neunjährige ein zweibeiniges Wesen für eine Kuh hält, obwohl er zweifelsfrei Kühe kennen müsste? Welche Mutter versucht nicht zuerst, das Kind ins -vor Kühen- sichere Haus zu holen und zu beruhigen, als sich um die vermeintliche Kuh zu kümmern? Doch Jeannie Chapman den Angreifer als Bedrohung für sich und ihre Kinder, wähnt sich im Hause als nicht sicher und lässt eines ihrer Kinder ein Betttuch holen. Das ist eine geniale Idee, so kann sie gleichzeitig die Kinder vor einem Bären oder Puma verbergen und größer und bedrohlicher wirken. Hatte sie diesen Geistesblitz in diesem Moment oder gehört dieser Trick zum Repertoire ländlich lebender First Nations?

    Der Fraser River etwa auf der Hähe von Ruby Creek

    Ivan T. Sanderson in seinem Büro, 1965

    Was tut der Sasquatch, nachdem er die Hütte der Chapmans verwüstet hat? Er folgt der Familie nicht, was noch verständlich ist. Jeannie Chapman und die Kinder werden jeden Lärm geschlagen haben, zu dem sie fähig waren. Sasquatches meiden die menschliche Nähe, also auch den Lärm und es dürfte ihnen auch klar sein, dass Lärm weitere Menschen anlocken könnte. Statt ihr zu folgen, verzieht er sich durch ein -der Jahreszeit entsprechend- abgeerntetes Kartoffelfeld auf eine Sandbank im Fluss. Dort irrt er (scheinbar ziellos?) umher, um dann wieder über das Kartoffelfeld in den Wald zu verschwinden. Was macht er auf der Sandbank? Mir fällt hierzu nur eine Erklärung ein: Er hatte vom eingesalzenen Lachs gefressen und Durst bekommen. Das Umherirren könnte einfach nur bedeuten, dass er mehrere Stellen eines ihm unbekannten Geländes untersucht, ob er da ans Flusswasser kommt, ohne in den Fluß zu fallen. Danach hat er das getan, was Sasquatches tun: er ist im Wald verschwunden.

    Widersprüche

    Offenbar gibt es aber mehrere Erzählvarianten dieses Vorfalls. Die Quellen widersprechen sich im Datum des Vorfalls sowie im Verhalten der Menschen und des Sasquatch nach dem Vorfall.

    Die Location ist heute noch vorhanden und kann besucht werden. Das Haus und der Schuppen sind jedoch abgerissen worden und durch ein größeres Haus an einer benachbarten Stelle ersetzt worden. In der Nähe von Ruby Creek gibt es einen Sasquatch Provincial Park, einen ruhigen Park für Camping und Bootsfahrten.

     

    Korrekturen:

    Ich bin beim Verfassen des Artikels zwei Irrtümern aufgesessen. Ich habe George Allen Agogino als Ivan T. Sanderson abgebildet. Das Bild habe ich zwischenzeitlich ausgetauscht.
    Ivan T. Sanderson hat die Familie Chapman zweifelsfrei interviewt. Die Verwechslung mit Ivan Marx lag am Vornamen. Über die „Arbeit“ von Marx als Kryptozoologe schweigt des Autors Höflichkeit.

    Danke an Ulrich Magin für den Hinweis.

     


    Literatur:

    Wikipedia über Ivan T. Sanderson

    Wikipedia über den Fraser River Goldrausch

    Sanderson, I. T. (1960): True Magazine, March


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  • An einem Tag wie heute – vor 66 Millionen Jahren

    von: Tobias Möser

     

    Seit Tagen ist die Welt nicht mehr so, wie sie sein sollte. In der Nacht ist ein kleiner, aber heller Punkt im sichtbar. Wie ein Komet zieht er einen Schweif hinter sich her, doch dieser wird seit Tagen kürzer und scheint am Abend in eine andere Richtung zu deuten, als vor Sonnenaufgang. Doch dies beunruhigt die Dinosaurier auf der Erde nicht. Selbst wenn sie es bemerken würden, würden sie nicht verstehen, was das aussagt.

    Chancen für die Räuber

    Beunruhigender sind andere Dinge. Der Komet ist mittlerweile so hell, dass viele Tiere in der Nacht halbwegs sehen können. Die Theropoden nutzen das aus, sie haben ihre Angriffe schnell auf die Nacht verlegt. Die Pflanzenfresser kommen nicht mehr zur Ruhe, ihre Warn- und Sammelrufe hallen ständig durch die Wälder. Aber die Jäger haben Vorteile. Trotz der besseren Sicht ist ihre Tarnung im Licht- und Schattenspiel der permanenten Dämmerung besser als am Tag. Sie sehen mehr als vorher, aber lange nicht alles. Das ist ihr strategischer Vorteil: sie müssen nur einen Pflanzenfresser von vielen finden, die Pflanzenfresser müssen aber jeden Räuber erkennen. Die hellen Nächte sind die Zeit der Räuber.

    Nachthimmel
    Wirkte der Bolide am Nachthimmel anfangs so? Zwei Schweife, die in unterschiedliche Richtungen zeigen, sind bei Kometen häufig

    Sauropode in der Nacht
    Die Sauropoden sind, wie nahezu alle Dinosaurier tagaktiv und können nachts nicht gut sehen

    Ein flacher, stachelbewehrter und stark gepanzerter Dinosaurier
    Doch jetzt sind die Räuber auch nachts unterwegs, daher sind die Ankylosaurier noch ungenießbarer

    zwei zweibeinige Dinosaurier in der Nacht
    Auch diese Hadrosaurier sehen kaum etwas und finden keine Ruhe. Sie flüchten bei jeder Beunruhigung unkontrolliert

    Drei kleine Flrischfresser greifen ein größeres Tier an
    Zu Recht, denn die Jäger haben nachts noch mehr Erfolg als tagsüber

    Tyrannosaurus frisst an einem Kadaver
    Und sogar die großen Tyrannosaurier haben machen jetzt nachts Beute.

    Für sie hat sich die Welt verbessert, wären da nicht die Sternschnuppen und sogar Meteore, die immer wieder kleinere und größere Lichtstreifen über den Himmel ziehen. Immer häufiger wirken sie sich auf der Erde aus. Feuerstreif, Überschallknall und schon rennen die sowieso bereits übernervösen Pflanzenfresser in heller Panik davon. Jeder noch so gut gelegte Hinterhalt ist dahin.

    Die Apokalypse?

    Der Tag versprach, noch schlimmer zu werden. Noch mehr Meteoriten, als in den letzten Tagen jagten über den Himmel, längst war „der Große“ auch am Tage zu sehen, doch nun schien er auch noch Hitze auszustrahlen. Die folgenden Ereignisse kann kein Augenzeuge überlebt haben: Als der etwa 10 km große Hauptkörper des Meteoriten in 100 km Höhe in die Atmosphäre eintrat, wurde er zunächst nur langsam vom Luftwiderstand abgebremst. Zwischen drei und zehn Sekunden brauchte der Brocken aus iridiumhaltigem Gestein und gefrorenen Gasen, um die Atmosphäre zu durchqueren und im Flachmeer des heutigen Golfes von Mexiko einzuschlagen.

    Komet mit langem, breiten Schweif am Abendhimmel
    Ähnlich wie der Koment McNaught 2006 könnte auch der KP-Bolide kurz vor dem Impakt ausgesehen haben. (Foto: Europäische Südsternwarte)

    Der Bolide erreicht tiefere Zonen der Erdatmosphäre
    Frühe Phase des Impaktes. Der etwa 10 km große Kern des Hauptkörpers trifft auf die Atmosphäre und fängt an, durch die Reibungshitze zu verdampfen.

    Hierbei wurde seine Bewegungsenergie in Wärme umgewandelt, der gesamte Meteor verdampfte. Natürlich führte das zu einer gewaltigen Explosion, deren Druckwelle um den ganzen Erdball lief. Das Meerwasser verdampfte schlagartig, die eingeschlossenen Gase wurden frei, die Einschlagenergie war so gewaltig, dass das Grundgestein aufschmolz und vom verdunstenden Wasser in die Höhe gerissen wurde. Eine oder mehrere Erdbebenwellen der Stärke 11 oder 12 liefen durch die Erdkruste in alle Richtungen.

    Der Einschlag verdrängte aber auch große Mengen Wasser, die nicht vollständig verdampften. Diese Massen wurden zum ersten Tsunami, der sich ringförmig mit dreifacher Schallgeschwindigkeit vom Impakt entfernte. Kaum flossen die ersten Wellen zurück, sorgte die ungeheure Menge von aufgeworfenem und herabfallendem Gestein für eine zweite Flutwelle, die der ersten folgte und sich teilweise mit ihr vereinte.

    Der erste Killer: Der Einschlag

    So gewaltig der Einschlag auch war, er war der erste, aber nur regionale Killer. Neben den unzähligen Gesteinsbomben von Sandkorn bis Felsgröße töte er vor allem durch die ungeheure Hitze. Wasser verdunstete mehr oder weniger schlagartig, Heißdampf verbrühte alles Leben, Wälder verdorrten schneller, als sie sich entzünden konnten. Die dabei entstehende Thermik sorgte für lokale Stürme, die alle Feuer anfachten – bis die Druckwelle kam.

    Doch der Einschlag hatte noch weitere, längerfristige Folgen. Das Material, aus dem der Bolide bestand, ist verdunstet und befindet sich in der Atmosphäre, zunächst als Gas, dann als Staub. Der Boden, den der Meteorit traf, bestand aus sulfat- und kohlenwasserstoffreichem Kalkstein. Kalkstein zerlegt sich bei Hitze, hierbei wird unter anderen Kohlendioxid frei. Dieses Kohlendioxid verblieb zunächst in der Atmosphäre und begann, für einen Treibhauseffekt zu sorgen. Das Sulfat gelangte als Schwefeldioxid ebenfalls in die Atmosphäre, während die Kohlenwasserstoffe zu Ruß und Kohlendioxid verbrannten. Zusammen mit dem iridiumhaltigen Staub schatten Ruß und Schwefeldioxid die Erde ab, was nach einigen Tagen zu einem rapiden Temperaturabfall und schließlich zu einem Impaktwinter führte.

    Der zweite Killer: Die Druckwelle

    Die überschallschnelle Druckwelle raste durch die Atmosphäre. Sie war der zweite Killer. Bäume wurden entwurzelt und davon geweht, Äste, Geröll, ja sogar Sand und Blätter wurden zu tödlichen Geschossen. Die Winde erreichten alles, was nicht zufällig im Windschatten sehr solider Felsen lag, und dort bestand die Gefahr, von schwereren mitgerissenen Körpern erschlagen oder von Sand und Kies bedeckt zu werden. Wer nicht in Höhlen Schutz suchen konnte, war verloren.

    Weltkarte mit den Kontinenten am Ende der Kreidezeit
    Karte der Erde vor etwa 69,4 Millionen Jahren. Rot markiert der Chixulub-Krater, Gelb der Réunion-Plume, der die Dekkan-Trapps ausspieh

    Schwarzweißbild mit unzähligen in eine Richtung umgeworfenen Baumstämmen
    Das Tunguska-Ereignis 1927 hat „nur“ große Waldflächen in Mitleidenschaft gezogen. So etwas ist am besagten Tag auch passiert.

    Zunächst löschte die Druckwelle die Feuer, wie wenn man eine Kerze oder ein Streichholz ausbläst. Aber das Brennmaterial kühlte in der Impakthitze nicht ab, so brachen die Feuer schnell wieder aus. Meteoriten und geschmolzenes Gestein aus dem Impakt fachten weitere Brände an. Gewaltige Brände, die in den folgenden Stürmen genug Sauerstoff bekamen, um zu verheeren. Ein Feuersturm zog über den Südosten Nordamerikas und das heutige Mexiko hinweg. Aber nicht lange.

    Der dritte Killer: Die Erdbeben

    Ebenso schnell wie die Druckwelle begann sich ein Erdbeben vom Einschlagkrater weg zu bewegen. Anders als die Luft wurde es nicht verlangsamt, sondern bewegte sich mit Schallgeschwindigkeit durch Erdkruste und Erdmantel. Die ursprüngliche Stufe 11 oder 12 wird es nicht an jedem Ort erreicht haben, aber nahezu überall wird es schwere Schäden angerichtet haben. Lose Flanken an Bergen lösten sich und fielen als Lawinen zu Boden, sie werden auch lokal erste Tsunamis ausgelöst haben. Schwemmlandböden wurden kurzzeitig weich, Lockergesteine zerfielen, so dass Dünen und Flussterrassen einbrachen. So wurden die Erdbeben zu den dritten Killern, Killern mit Langzeiteffekt:

    Einbrechende Flussterrassen oder Berghänge haben Flüsse kurz oder lang aufgestaut. Stauseen sind entstanden, die sich bald mit ausgerissenen Bäumen füllten. Diese Biomasse war zu viel für die Seen, viele von ihnen kippten um. Gleichzeitig wurden durch die Beben ungeheure Mengen Sedimente mobilisiert. Sie trübten Bach- und Flussläufe und gelangten früher oder später ins Meer.

    blaues Wasser mit einem abgestorbenen Baum
    Der saure Regen und die ungeheuren Mengen Biomasse lassen die Gewässer umkippen

    Schäumender Gebirgsfluss
    Erdbeben lassen Seen ablaufen und stauen Flußläufe auf. Die Landschaft verändert sich

    Die Erdbebenwellen erreichten aber noch weitere Zerstörungen. Durch die starken Beben lösten sich lokale Verspannungen der Kontinentalplatten. Das führte zu weiteren Nachbeben, oft noch Tage oder Wochen später. Hierdurch verschoben sich auch Vulkanschlote unter den bisher abdichtenden Kratern. Insgesamt stieg die vulkanische Aktivität an.

    Am dem Einschlag entgegengesetzten Teil der Erde trafen sich die Schockwellen und addierten sich. Dieser Punkt liegt im Indischen Ozean, etwa dort, wo sich heute der Reunion-Plume befindet. Vor 66 Millionen Jahren lag die Landmasse des Indischen Subkontinentes über diesem vulkanischen Hotspot. So kam es zu den Ausbrüchen, aus denen die Dekkan-Trapps entstanden, bis zu 2000 m mächtige Schichten aus Basalt, die sich ursprünglich über mehr als 1,5 Millionen Quadratkilometer erstreckten. Sie entstanden in einem Zeitraum zwischen 500.000 und 9 Millionen Jahren. Vermutlich war der Einschlag des Meteoriten am besagten Tag Auslöser für die vulkanische Aktivitäten.

    Der vierte Killer: Flutwellen

    Luftdruckwelle, Erdbeben und die daraus resultierenden Bergstürze werden lokale, vielleicht regionale Tsunamis ausgelöst haben, doch der größte Tsunami war bereits unterwegs. Während am heutigen Golf immer noch Gestein vom Himmel regnete und sich im Laufe eines Tages zu einem Kraterring von 130 m Höhe auftürmte, rasten Wassermassen als vierter Killer den Kontinenten entgegen. Das erste Land, das sie erreichten, war das flache Schwemmland im heutigen südlichen und mittleren Westen der USA. Er rollte weiter durch den nach Süden offenen Western Interior Seaway, erreichte die Molassegebiete am Fuße der Rocky Mountains und wälzte sich weit auf den Kontinent, bis ins heutige Illinois. Der Tsunami begrub alles unter sich, brennende Wälder, frisch zerrüttete Schwemmländer – und Dinosaurier. Die sich zurückziehenden Wassermassen spülten die verbrannte Vegetation ins Meer. Zurück blieb ein völlig verwüstetes Land, über das möglicherweise noch weitere Tsunamis hereinbrachen.

    Doch nur eine regionale Katastrophe?

    In schwächerer Form erreichten die Tsunamis auch Südamerika, Nordwest-Afrika und Europa. Auch hier richteten sie großflächige Verwüstungen an. Dennoch war die Zerstörung bei weitem nicht so verheerend wie in Nordamerika. Kleinere Meteoriten werden auch hier eingeschlagen sein, was zu lokalen Bränden geführt hat. Und nicht zu vergessen: Erdbeben der Stärke 10 bis 12 sind gewaltige Killer, selbst wenn man nicht in Gebäuden lebt.

    Zwei Männer mit Pferden in hüfttiefem Schlamm und Staub
    So heftig die Schäden am Mt. St. Helens 1980 auch waren, bald begann die Natur, die Verwüstung zurück zu erobern. (Foto: US Geological Service)

    der ausgebrochene Mount St. Helens ohne Spitze und der davor liegende Spirit Lake voller Baumstämme
    Seen sind voller Baumstämme und Schlamm, oft ist der Abfluss blockiert, bis…. (Foto: US Forest Service)

    Durch die Druckwelle und die Erdbeben hatte sich die Landschaft in wenigen Minuten gewaltig verändert. Viele, vor allem die großen Tiere werden diesen Kräften direkt zum Opfer gefallen sein, kleinere sollten erst später ernsthafte Probleme bekommen. Generell ist aber nichts passiert, was die Natur nicht hätte wegstecken können.

    Der Overkill erfolgt durch Vulkane

    Doch da waren ja noch die Vulkane. Sie stießen gewaltige Mengen schwefelhaltige Verbindungen aus. Diese reflektieren das Sonnenlicht und führten zu einer Abkühlung des Klimas. Damals, so schätzen Wissenschaftler, wurden über 300 Milliarden Tonnen Material in die Atmosphäre gepumpt, durch den Impakt, die Feuer und Vulkanismus. Die globale Temperatur sinkt nach dem Hitzepeak des direkten Einschlages um sagenhafte 26°C. Zum ersten Mal seit mindestens 100 Millionen Jahren sinkt die globale Durchschnittstemperatur unter den Gefrierpunkt.

    Ausbruch eines Vulkanes mit glühender Lava und dunklen Aschewolken
    Dünnflüssige Lava wie die der Dekkan-Trapps tritt heute auf Hawaii zutage, doch in Indien waren es mehrere Jahrmillionen.

    Grünes Farn zwischen Lava-Gestein
    Das Leben findet seinen Weg, auch die Lavafelder der Dekkan-Trapps wurden schnell besiedelt

    Anders als der Krakatau, dessen Ausbruch nur fünf Tage dauert, spien die Vulkane der Dekkan-Trapps viele hunderttausend Jahre basaltige Lava. So wurde über sehr lange Zeit das Sonnenlicht gefiltert, die Temperatur der Erde sank. Pflanzen fehlten Wärme und Licht zum Wachsen, denn der Impakt und die Vulkane verschoben die Klimazonen zum Äquator. Wo es vor wenigen Tagen noch subtropisch war, herrschte nun kaltgemäßigtes Klima, wo es kaltgemäßigt war, drohten nun subpolare Bedingungen. Dies war das Ende für viele Nahrungsketten an Land: die kleineren Tiere fanden nichts zu fressen, nachdem die Kadaver der Großtiere aufgebraucht waren.

    Die Nahrungsketten im Süßwasser wurden auf ähnliche Weise unterbrochen. Sie bekamen zusätzlich noch die neue, starke Sedimentfracht zu spüren: Bodenlebewesen wurden zugedeckt, Laich von Fischen und Amphibien konnte sich nicht entwickeln. Wasserpflanzen und Algen hatten nicht genug Licht, das erste Mal seit mehreren Millionen Jahren froren die Gewässer außerhalb der Antarktis zu. Dazu kam eine Überfrachtung mit Nährstoffen aus toten Tieren und Pflanzen. Viele Gebirgsflüsse werden aufgestaut worden sein, überall dort, wo Wasser stagniert, reichte der Sauerstoff nicht mehr aus, um die Nährstoffe oxidativ abzubauen, die Gewässer kippten um. Fische erstickten, Landtiere starben am vergifteten Wasser.

    Der Regen als Vollstrecker

    Durch den Impakt verdunsteten enorme Mengen Wasser. Sie verteilten sich schnell in der aufgeheizten Atmosphäre, aber fielen genauso schnell als Regen wieder herunter, sobald sich die Atmosphäre abkühlte.

    Dabei vollstreckten sie, was die anderen Reiter der Apokalypse begonnen hatten. Sie wuschen Staub aus der Luft, der als Schlamm in allen Gewässern landete. Was für Landtiere nur lästig war, wurde im Wasser zum ernsten Problem. Die Wasserkörper trübten sich ein, das sowieso schon schwache Sonnenlicht drang nicht mehr zu den Wasserpflanzen, planktonischen Algen und nicht zuletzt zu den Korallen durch, sie begannen, abzusterben.

    Schlammiges Ufer mit abgestorbenen Baumstümpfen
    Schlamm, wohin das Auge blickt. Die Korallenriffe sind unter diesem Leichentuch begraben

    Lehmiger Fluss
    Der Regen nimmt den Staub und die Asche vom Land, gräbt Rinnsale und trägt sie in die Flüsse

    Auf dem Land fehlte die Vegetation, die den Humus fixiert, fehlte. So konnte Regen große Mengen davon ausspülen. Flüsse brachten ihn ins Meer, wo sich die feinen Humuspartikel mit der Strömung verteilten. Sie deckten sich wie ein Leichentuch über sterbende Korallenriffe und Seegraswiesen.

    Aber selbst diese apokalyptischen Zustände sind noch zu toppen. Und wieder ist es der Regen, diesmal gemeinsam mit den Vulkanen, der es vollbringt. In der Atmosphäre reagieren Kohlendioxid, Schwefeldioxid und Schwefeltrioxid mit der Luftfeuchtigkeit. Es entsteht genau das, was schon in den 1980er Jahren ein großes Umweltthema war: saurer Regen. Nicht ein bisschen, von ein paar tausend Tonnen Braunkohle, sondern weltweit und von vielen Millionen Tonnen vulkanischem Auswurfmaterial. Über mindestens 500.000 Jahre. Böden laugten aus, Pflanzen wurden verätzt und die Meere versauerten.

    Der Zusammenbruch des Nahrungsnetzes im Meer

    Der saure Regen wird es am Ende gewesen sein: Mindestens 90% des Planktons verschwand, insbesondere Arten mit Kalkschalen. Auf dem Plankton bauen nahezu alle marinen Organismen ihre Nahrungsgrundlage auf. Fehlt es, verhungern die Planktonfresser, die kleinen Raubfische haben nichts zu fressen und die größeren Tiere schwimmen nur noch suchend durch die Meere. Der Zusammenbruch dauerte vermutlich einige tausend Jahre länger als an Land, war aber mindestens genauso nachhaltig.

    Das Ende der Dinosaurier

    Der Impakt hat regional, vor allem in Nord- und Mittelamerika, Teilen von Südamerika und Afrika sofort nahezu alles an Leben zerstört. Hier hat kaum ein Dinosaurier den Einschlag überlebt, und wenn doch, wird er kurze Zeit später verhungert sein.

    In Europa, Teilen Afrikas, Südamerikas, Asiens, in Australien und auf der Indischen Insel wird es anders gewesen sein. Der Impakt hat große Opfer gefordert, möglicherweise sind ganze Tierarten direkt durch ihn ausgestorben. Aber er hat nicht so verheert wie in den Amerikas. Ohne die Vulkanausbrüche mag es 5.000 bis 10.000 Jahre gedauert haben, bis sich die Natur von den Impaktschäden erholt hat. Viele, vor allem große Tierarten wären ausgestorben, aber kleinere Arten, auch Dinosaurier hätten überlebt. Dass sie das Potenzial hatten, wieder zu Riesen heranzuwachsen, hatten sie mehrfach bewiesen.

    Doch die fehlende Wärme und das fehlende Licht bringen die Land-Ökosysteme zum Zusammenbruch. Vielleicht hat es noch eine Generation Dinosaurier geschafft, sich fortzupflanzen. Wenn, dann war vermutlich die Gegend, in der heute Pakistan liegt, die letzte Bastion. Bis hier hatten sich die Folgen des Impaktes nur sehr abgeschwächt zu spüren bekommen, die Vulkanwolken wurden vom tropischen Windsystem zunächst vermutlich auf der Südhalbkugel gehalten und die Sonne sorgte noch für angenehme Temperaturen. Vermutlich waren es kleine bis mittelgroße Tiere, die sowohl von Aas wie von kleinen Tieren leben konnten. Sie fanden anfangs Nahrung, ihre Feinde waren größtenteils verschwunden, wenn sich Paare gefunden haben, werden sie sich vermehrt haben – bis ihnen die Nahrung ausging.

    Wie starb der letzte Dinosaurier?

    Im Zwielicht des Tages stapft er durch den Matsch. Einzelne Büschel Farn, vielleicht auch Gras sind gewachsen, sie reichen bei Weitem nicht, um den Boden zu bedecken. Eiskristalle knirschen unter seinen Füßen, deren Haut ist aufgeweicht, zerschnitten, entzündet. So sehr, dass er kaum auftreten kann. Seine Federn sind zur Unkenntlichkeit verschlissen, die Augen trüb und gelb verkrustet. So richtig kann er nicht mehr hören und die Knie machen auch nicht mehr das, was er will. Er ist weit gewandert, in der Hoffnung, hier Wasser zu finden – Wasser und vielleicht einen toten Fisch, eine Eidechse oder sogar ein leckeres Ei eines größeren Tieres.

    Doch außer altem Holz wittert er nicht viel. Bevor er sich ran macht, mit den Krallen einen der morschen Stämme aufzukratzen, um wenigstens ein paar Käferlarven zu finden, möchte er einen Schluck Wasser trinken. Danach geht es im sicher besser. Am Ufer angekommen beugt er sich vor, legt den Unterkiefer ins Wasser, wie er es immer getan hat. Doch diesmal versagen die Knie den Dienst, der letzte Dinosaurier kippt auf die Seite. Noch einmal durchatmen…

    Ein Ammoniten-Schlachtfeld
    Am Strand wurden massenhaft tote Ammoniten angeschwemmt,

    Ein frühes Säugetier beobachtet den letzten Dinosaurier
    Starb der letzte Dinosaurier, ohne wirklich gelebt zu haben?

    Oder war es weniger dramatisch?

    Schon tagsüber war das Piepsen zwischen den Eiern im Sand zu hören, dem letzten Nest eines Dinosauriers. Von zehn Eiern hat sich in der vergifteten Atmosphäre nur eines entwickelt. Doch wider Erwarten konnte das Tier schlüpfen. Eine kleine Schnauze durchbricht bei Sonnenuntergang die Eierschale, wenige Minuten später schaut der Kopf aus dem Ei. Er erblickt den Sand um sich herum und ein paar dürre Ästchen, die sich nach dem fahlen Licht einer staubigen Sonne recken. Eine Mutter hat das Junge nicht mehr, sie ist vor Tagen gestorben.
    Selbst wenn das Küken gesund wäre, ist das Verlassen der Eierschale ohne die Hilfe der Mutter ein schwieriger Akt. Aber es ist nicht gesund, Arme und Beine sind verkrüppelt, die Knochen verkrümmt und zu weich. Die Eierschale zu zerbrechen und einige Schritte zu laufen, so dass sich der schwarzgrüne Schwanz entfalten kann, hat seine ganze Energie verbraucht. Wie zusammengebrochen liegt es im Nest. Vorsichtig nähert sich ein braun-weiß gezeichnetes, haariges Tier. Sein Instinkt sagt dem Küken, dass es jetzt piepsen soll. Der Instinkt trügt…

    Kaum wurde es kalt, wurde es auch schon wieder warm

    In der Wissenschaft herrscht Uneinigkeit, wie lange die Kältephase dauerte. Einig sind die Forscher, dass an ihrem Ende eine rapide Erwärmung der Erde stattfand. Das Kohlendioxid aus dem Impakt und vulkanisches Kohlendioxid aus den Dekkan-Trapps sorgten für ein Treibhausklima, so dass die Temperaturen von vor dem Impakt für etwa 50.000 Jahre sogar übertroffen wurden. Welchen Einfluss das auf das Massenaussterben hatte, wird kontrovers diskutiert.

    Sind alle Dinosaurier ausgestorben?

    Natürlich sind nicht alle Dinosaurier ausgestorben. Mittlerweile weiß jedes Kind, dass sie in Form der Vögel weiter existieren. Doch die Nicht-Vogeldinosaurier haben dieses Inferno vor 66,04 Millionen Jahren nicht überlebt. Ob sie nun direkt beim Impakt oder einige Jahre später gestorben sind, spielt erdgeschichtlich keine Rolle.

    Mit den großartigsten Tieren aller Zeiten starben auch alle Meeresreptilien bis auf die Wasserschildkröten. Die Ammoniten wurden vom Antlitz des Planeten gefegt, ebenso verschwanden viele andere kalkschalige Meerestiere. Was kaum jemand weiß: auch die Vögel mussten Federn lassen. Alle archaischen Gruppen, z.B. Enantiornithes, Ichthyornithes, Hesperornithes sind ausgestorben, nur die „modernen“ Vögel der Neornithes überlebten den Impakt.

    Sonnenuntergang hinter einem Wald mit einem fliegenden Schwarm Vögel
    Vögel sind die Nachkommen der Dinosaurier, aber auch sie mussten Federn lassen

    Sitzender Emu mit goldenen Augen
    … wer weiß, wieviel Dinosaurier noch im Blick dieses Emu steckt?

    Insgesamt nimmt man heute an, dass die Detritus-Fresser, die am unteren Rand des Nahrungsnetzes stehen, eine Schlüsselfunktion beim Überleben nach der Impakt-Katastrophe hatten. Detritus ist in großer Menge angefallen, wie ja auch oben mehrfach geschildert. Wer von Detritus lebte, hatte eine gute Chance, zu überleben. Genauso wie kleinere Generalisten, während spezialisierte Fleisch- oder Pflanzenfresser unter den Säugern ausstarben. Eidechsen und Schlangen wurden hart getroffen, Krokodile schienen den Impakt vergleichsweise gut weggesteckt zu haben. Kein Landtier mit mehr als 15 bis 25 kg überstand die Krise, hier darf spekuliert werden, ob Trinkwasser die limitierende Ressource war.
    Süßwasserbiotope waren wohl ein vergleichsweise sicherer Lebensraum, denn hier sind „nur“ 50% der Arten verschwunden.

    Letztlich verursachte der Impakt, der als Chicxulub-Einschlag bekannt wurde, eines der einschneidendsten Massenaussterben der Erdgeschichte. Ob es der einzige Grund war, dass Säugetiere die „Herrschaft“ von den Dinosauriern übernehmen konnten, ist unklar. Vermutlich wäre mit einer langsameren, über Jahrmillionen laufenden „Übergabe“ zu rechnen gewesen. Möglicherweise gäbe es Nichtvogel-Dinosaurier sogar heute noch.

    Eine Bisonherde mit Jungtieren
    Hätten sich die Säugetiere durchsetzen können, ohne die Konkurrenz der Dinosaurier?

    Rekonstruktion eines großen Fleischfressers vor Hochhäusern
    Wer weiß, vielleicht ist es doch besser, dass sie ausgestorben sind?

    Sind die Dinos wirklich ausgestorben?

    Graphic Design zum KongressOder haben einzelne Dinosaurier doch bis heute überlebt? Auf der Vortragsreihe „Auf der Suche nach Mokele Mbembe“ am 12. Oktober diskutieren wir das mit drei internationalen Referenten die Frage, ob es im Kongo-Raum noch überlebende Dinosaurier gibt.

    Immer wieder gibt es entsprechende Beobachtungen, auch einige Pygmäenvölker berichten von unheimlichen Riesentieren, die sogar Elefanten töten.

    12. Oktober 2019 im Galileo-Park in Lennestadt-Meggen im Sauerland. Noch gibt es Restkarten!


    Literatur:

    Gulik et al. (2019): The first day of the Cenozoic; https://www.pnas.org/content/early/2019/09/04/1909479116

    Robertson et al. (2004): Survival in the first hour of the Cenozoic; https://doi.org/10.1130/B25402.1

    Robertson et al. (2013): K‐Pg extinction: Reevaluation of the heat‐fire hypothesis; https://doi.org/10.1002/jgrg.20018

    Brugger et al. (2016): Baby, it’s cold outside: Climate model simulations of the effects of the asteroid impact at the end of the Cretaceous; https://doi.org/10.1002/2016GL072241

    Longrich et al. (2011): Mass extinction of birds at the Cretaceous–Paleogene (K–Pg) boundary; https://doi.org/10.1073/pnas.1110395108

    Europäische Südsternwarte mit dem Foto des Kometen McNaught


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  • Bigfoots am Mount St. Helens

    Von: Tobias Möser

    Der Mount St. Helens ist ein aktiver Vulkan im Süden des US-Bundesstaates Washington. Er ist Teil der Kaskadenkette und damit des pazifischen Feuerrings. Mit heute etwa 2540 m Höhe überragt er die umliegenden, etwa 1400 m hohen Bergrücken der Kaskadenkette deutlich. Durch seine Höhe und Form spielt er in der Mythologie der umliegenden First Nations der Klickitat und Binnen-Salish eine große Rolle.

    Durch einen verheerenden Ausbruch bekannt

    In der westlichen Kultur wurde der Mount St. Helens vor allem durch einen verheerenden Ausbruch am 18. Mai 1980 bekannt. Er galt als „ruhender Vulkan“, brach aber nach einer Serie von Erdbeben wieder aus. Der gesamte nördliche Berggipfel rutschte den Hang herab. Asche und Gaswolken wurden bis in eine Höhe von 18 km befördert. Pyroklastische Ströme, in denen Temperaturen von über 640° C gemessen wurden, rasten mit Geschwindigkeiten von über 400 km/h die Bergflanken herab.

    Ein Lahar, der mit hoher Geschwindigkeit die Bergflanke herabsauste, sorgte für weitere Verwüstung. Lahare sind Lawinen, die entstehen, wenn sich pyroklastische Ströme mit Eis und Schnee mischen und diese aufschmelzen. So stieg der Wasserstand am Fuß des Berges binnen kürzester Zeit um 9 m über die normalen Hochwassermarken.

    Insgesamt starben mindestens 57 Menschen, 1500 Wapitis und 5000 weitere Hirsche. Der Ausbruch wird mit einem Vulkanexplositiätsindex von 5 bewertet, etwa vergleichbar mit dem Pompeji-Ausbruch des Vesuvs, 79 n.Chr.

    ein spitzer, oben schneebedeckter Bergkegel vor einem blauen See
    Der Mount St. Helens vor seiner Aktivität 1980, Blick über den Spirit Lake. Foto: US Geological Service

    Ein schneebedeckter Berg mit einem deutlichen Krater vor einem blauen See
    Der Mount St. Helens am 19. Mai 1982, zwei Jahre nach der verheerenden Explosion. Foto: US Geological Service

    Der Mount und der Sasquatch

    Gemälde mit einem ausbrechenden Vulkan und einem Kanu, dessen Insassen das Licht einfangen
    Der aktive Mount St. Helens bei Nacht, Gemälde von Paul Kane

    Nicht nur für die First Nations, sondern auch für die ersten Pioniere und Naturbeobachter schätzten den Mount als charakteristische Wegmarke. So kamen sie relativ früh auch mit der Mythologie der First Nations in Kontakt. Einer der ersten war der kanadische Ethnologe und Maler Paul Kane, der auf seiner zweiten Reise den Westen der USA erforschte. Hierbei lebte er im Jahr 1847 eine Woche unter den indigenen Völkern im direkten Umkreis des Mount St. Helens. Hierbei erfuhr er von menschenfressenden Kreaturen namens Skookum.

    Anmerkung: Das Wort Skookum ist in verschiedenen Versionen bei den waldbewohnenden First Nations der US-Westküste bekannt. Es beinhaltet eine Warnung vor etwas physisch Überlegenem (Skookum Wasser = starke Stromschnellen), oft bezieht sich das Wort auf Orte, aber auch auf Lebewesen. Oft wird der Begriff in Verbindung mit Sasquatch-Beobachtungen verwendet. Durch die nicht immer klare Trennung von physischen und Geistwesen in ihrer Mythologie ist es schwierig, auszumachen, was Skookum in einem konkreten Fall bedeuten soll.

    Der Fred Beck-Vorfall am Mount St. Helens

    Wesentlich jünger ist ein Vorfall aus dem Sommer 1924. Ein Goldsucher namens Fred Beck und vier andere Schürfer bezogen ihren Claim namens „Vander White“. Er lag bzw. liegt 2 Meilen ost-südöstlich der Kraterregion des Mt. St. Helens. Hier bauten sie eine „Cabin“ nahe eines tiefen Canyons. Meist handelt es sich bei diesen „Cabins“ um sehr einfach zusammengezimmerte Blockhütten, die aus kaum oder unbearbeiteten Stämmen bestehen, deren Zwischenräume manchmal mit Lehm verschmiert wurden. Beck’s Hütte hingegen bestand zumindest teilweise aus Brettern. In der Regel sind Cabins eher einfache Hütten, meist nur mit einer Tür, ohne Fenster. Sie dienen meist gleichzeitig als Schlafplatz, Lager und Wetterschutz. Das Holz arbeitet beim Trocknen und bei wechselnden Temperaturen, so dass immer wieder Löcher im Lehmverputz entstehen. Oft, aber nicht immer haben sie eine gemauerte Feuerstelle.

    Große Fußspuren – und die Verursacher

    Die Goldgräber entdeckten schon kurz nach ihrem Eintreffen große Fußspuren, die sie keinem bekannten Tier zuordnen konnten. Die größten maßen in der Länge 19 Inches (48 cm). Eines Abends hörten sie charakteristisches Pfeifen und hämmernde Geräusche, die etwa eine Woche lang jede Nacht zu hören waren. Später, als Beck mit einem anderen Mann an einer nahen Quelle frisches Wasser holte, sahen sie aus einer Entfernung von knapp 100 m eine seltsame Kreatur. Becks Begleiter schoss dreimal auf die Kreatur, die verschwand. Kurze Zeit später erschien sie in ungefähr 180 m Entfernung erneut, diesmal schoss Beck dreimal, worauf die Kreatur wieder verschwand.

    Karte der Region um den Mount St. Helens
    Karte der Region um den Mount St. Helens, NACH dem Ausbruch. Der Krater öffnet sich nach Norden. Der besagte Ape Canyon liegt ost-südöstlich davon und ist blau markiert

    Vergilbte Fotoaufnahme von vier Männern, die an einer Bretterhütte stehen
    Zeitungsfoto, das die Untersucher bei der belagerten Hütte zeigt. Von links nach rechts: Burt Hammerstrom, freier Journalist; Bill Welch, Waldaufseher an der Spirit Lake Ranger Station; Frank (Slim) Lynch, Reporter aus Seattle; and Jim Huffman, Waldaufseher für den Spirit Lake district. Sie haben auch Fußabdrücke festgestellt, aber wenn Fotos gemacht wurden, sind sie bisher nicht veröffentlicht worden.

    Nächtlicher Besuch

    Als Beck am Abend seinen Kollegen davon erzählte, war man sich einig, die Hütte am nächsten Morgen zu verlassen. In der Nacht wurde die Hütte aber bereits von mehreren dieser Kreaturen angegriffen: Sie begannen mit Steinen zu werfen. Da es keine Fenster gab, konnten die Männer die Angreifer nicht richtig sehen. Später kamen die Kreaturen aufs Dach und versuchten, die Türe der Hütte einzureißen, eine der Kreaturen griff durch eine kleine Öffnung („chinking space“) nach einer Axt und konnte nur mit einem Schuss vertrieben werden. Während des gesamten Angriffes, der die ganze Nacht dauerte, feuerten die Männer ihre Waffen durch die Wände und das Dach.

    Als das Licht am nächsten Morgen ausreichte, verließen die Männer fluchtartig die Hütte, ohne ihre Ausrüstung mitzunehmen. Beck entdeckte an einer Schlucht eine der Kreaturen und schoss aus etwa 70 Metern auf sie. Das Wesen stürzte etwa 120 m tief in die Schlucht.

    Später stellte Fred Beck mit einem seiner Begleiter einige Szenen für eine Zeitung nach. Die Schlucht wurde später Ape-Canyon genannt.

    Die Location ist nach der Explosion des Mt. St. Helens 1980 zwar teilweise überformt, aber nicht weggesprengt oder unter Lava oder Schlamm begraben worden.  Die Hütte war bis in die 1960er Jahre noch zu finden, danach ist sie abgebrannt. Die Umgebung ist nach dem Ausbruch nicht wieder zu erkennen.

    Erste Gerüchte

    Wenn die lokalen First Nations eine Kreatur namens Skookum kennen und Fred Beck mit seinen Leuten die Wahrheit sagt, dann könnte es im Umkreis des Mount St. Helens eine Population von Sasquatches geben. Wenn es sich hierbei um physische Wesen handelt, sind auch sie zwangsläufig durch den Ausbruch des Vulkanes in Mitleidenschaft gezogen worden.

    Bei den Erkundungen des durch den Ausbruch verwüsteten Gebietes hätte man also eine gute Chance gehabt, einen oder mehrere Sasquatch-Kadaver bergen zu können. Genau davon geht der US-Autor Nick Redfern aus…

    „Jemand“ hat gehört…

    Bei Mysterious Universe schreibt er, dass das United States Army Corps of Engineers einige große, haarige, affenartige Körper aus dem Gebiet geflogen haben soll. Der Rest der Story wirkt wie ein ziemlich stereotyper Verschwörungsroman, bei dem es um Vertuschungen einer „bösen“ Regierung geht.

    Redfern bezieht sich zunächst auf eine Meldung bei bigfootencounters: Auf dem Ray Crowe’s Western Bigfoot Meeting brachte „someone“ das Gespräch auf die Folgen des Mt. St. Helens-Ausbruch. Der Zeuge will gehört haben, dass das Army Corps of Engineers etwa zwei Monate nach dem Ausbruch zwei Körper toter Bigfoots aus Ausbruchsgebiet herausgeschafft habe. Ein anderer Zeuge bestätigt die Bergung zweier Körper, legt diesen Zeitraum jedoch deutlich früher, zwei Wochen nach dem Ausbruch. In beiden Fällen sollen sie in einem Netz von einem Helikopter weggetragen worden sein.

    Ein dritter Zeuge bestätigt, dass ein Kran oder Bagger ein Loch ausgehoben habe, in dem man die Kadaver verbrannter Hirsche, weiterer Tiere und auch Sasquatches vergraben habe. Er nennt den Betreiber des Krans: die „Manatowaka Company“.

    Der Soldat im Ruhestand

    Auch der zweite Teil der Story passt in die Stereotype. Lange nach dem Eintritt in den Ruhestand fühlt sich ein ehemaliges Mitglied der Nationalgarde nicht mehr an seine Geheimhaltungspflichten gebunden. Er erzählte 2012, dass nicht alle der geborgenen Bigfoots tot waren. Einige waren ernsthaft verbrannt oder verletzt. Angeblich hätten sogar ein oder zwei unverletzte Bigfoots das Militär an eine Stelle gelotst, an der mehrere verletzte, haarige Riesen lagen. Sanitäter der US Army hätten ihre Wunden wie bei Menschen behandelt.

    Redferns Bewertung

    Nick Redfern bewertet die Gerüchte als faszinierend. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass die Glaubwürdigkeit der Zeugen massiv darunter leidet, dass sie weder Namen noch ihren damaligen Rang oder ihre Funktion beim Militär nennen. Er hält die Geschichten für unklar und kontrovers, aber potenziell bahnbrechend.

    Realitätscheck

    Heute ist es unmöglich, den Wahrheitsgehalt der Skookum-Erzählungen der First Nations vor 1847 nachzuvollziehen. Wie oft bei solchen Mythen trennen die Mitglieder der First Nations nicht klar zwischen physischer und spiritueller Welt, so dass hinter dem Skookum-Phänomen alles Mögliche stecken könnte. Ein mehr oder weniger aktiver Vulkan ist definitiv ein gefährlicher Ort, selbst wenn gerade kein großer Ausbruch stattfindet. Von warmen Quellen, die unvermittelt kochend und damit tödlich heiß werden über ätzende oder betäubende vulkanische Gase bis zu kleinen Lawinen, aufbrechende Spalten und Erdbeben: Er ist unberechenbar, lebensgefährlich und kann Körper einfach verschwinden lassen: Skookum.

    Auch die Story von Fred Beck und seinen Leuten ist heute nicht mehr nachvollziehbar, obwohl sie vor nicht einmal 100 Jahren in vielen Zeitungen erschien. Die Goldsucher hatten in ihrer Panik alles andere zu tun, als physische Beweise zu sichern. Die Hütte ist abgebrannt, die Umgebung des Ape Canyon durch den Ausbruch völlig überformt.

    „Grau, mein Freund, ist alle … „

    Mir ist bei den Recherchen zum Mt. St. Helens Ausbruch aufgefallen, dass immer die sehr hartnäckige vulkanische Asche als Hauptproblem genannt wird. Hierbei handelt es sich um feinen Staub aus mineralischen Bestandteilen. Menschen sind daran gestorben, als sie sie einatmen mussten. Der Highway 90 von Seattle nach Spokane wurde für eine Woche stillgelegt: Die Asche verstopfte Luftfilter, kontaminierte Ölsysteme, verklumpte in Vergasern und zerkratzte bewegliche Oberflächen. Tausende Autofahrer sind so gestrandet. Der Flugverkehr um den Mount St. Helens stand 14 Tage still. Sogar für Stromausfälle sorgte die Asche, wenn sie Isolatoren überbrückte und Kurzschlüsse verursachte.

    Zwei Männer mit Pferden in hüfttiefem Schlamm und Staub
    Bob Brown (li.) und sein Bruder John versuchen, drei Pferde aus dem Weyerhaeuser „19 Mile Camp“ in Kid Valley, Washington zu bringen. Die Weide wurde durch den Toutle River in Folge der Eruption des Mount St. Helens überflutet. Foto: US Geological Service

    Luftbild eines Hubschraubers, der neben einem Kleinlaster gelandet ist. Es gibt tiefe Spuren im Staub und einen abgedeckten Leichnam
    Ein Mitglied der Nationalgarde identifiziert eines der Opfer der Eruption. Dieses Bild zeigt die Auswirkungen der vulkanischen Asche. Sie wurde stark vom landenden Heli verblasen und trotzdem hinterlässt der Nationalgardist tiefe Fußspuren im lockeren Staub. Foto: US Geological Service

    In einer solchen Situation soll das US Army Corps of Engineers eine groß angelegte Bergungsaktion gestartet haben? Helikopterflüge waren offenbar begrenzt möglich, denn ein Filmteam wurde schon am 23. Mai am Mount St. Helens abgesetzt und einige Tage später wieder aufgenommen. Aber haben die Behörden das Risiko auf sich genommen, zahlreiche Hubschrauber loszuschicken, um Wildtierkadaver zu bergen?

    Ist die Bergung von Wildtierkadavern realistisch?

    Oben wird von 1500 Wapitis und 5000 weiteren Hirschen berichtet. Ein Wapiti-Bulle wiegt zwischen 300 und 450 kg, eine Kuh zwischen 200 und 250 kg, ein neugeborenes Kalb um die 15 kg. Bei den „weiteren Hirschen“ handelt es sich in erster Linie um Weißwedel- und Maultierhirsche, die wesentlich kleiner sind. Hier kann man 70 bis 150 kg für einen Hirschbullen und 50 bis 100 kg für eine Hirschkuh einsetzen, 10 kg für ein Neugeborenes.

    Der Ausbruch des Mount St. Helens hat am 18. Mai stattgefunden, also mitten im Hochfrühling. Die Hirsche sind noch ausgezehrt vom Winter, haben aber bereits wieder an Gewicht zugelegt, die Jungtiere sind auf der Welt. Man kann also von Gewichten eher im unteren Bereich der Variationsbreite ausgehen. Geschlechterverhältnisse und Gewichte sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:

     

    Hirschbullen Hirschkühe Jungtiere Gesamt
    Wapiti
    5000 Tiere
    720 Tiere
    bei 325 kg => 234 t
    2850 Tiere
    bei 215 kg => 612,75 t
    1430 Tiere
    bei 20 kg => 28,6 t
    5000 Tiere
    875,35 t
    Weißwedelhirsche
    10.000 Tiere
    1250 Tiere
    bei 110 kg => 137,5 t
    5000 Tiere
    bei 75 kg => 375 t
    3750 Tiere
    bei 12 kg => 45 t
    10.000 Tiere
    557,5 t
    Maultierhirsche
    5000 Tiere
    550 Tiere
    bei 82 kg => 45,1 t
    2200 Tiere
    bei 55 kg => 121 t
    2250 Tiere
    bei 10 kg => 22,5 t
    5000 Tiere
    188,6 t

    Sehr viel zu transportieren, aber wurde es überhaupt transportiert?

    Hieraus ergibt sich ein unglaubliches Gesamtgewicht von 1621,45 t der umgekommenen Hirsche. Zieht man hier Schätz- und Rundungsfehler ab, geht davon aus, dass nur 1/3 der umgekommenen Hirsche geborgen weden könnten, weil die anderen vollständig verbrannt oder in der vulkanischen Asche verschüttet sind, so müsste man immer noch mit 500 t toten Tieren rechnen. Hinzu kommen als weitere Großtiere Schwarzbären, die im Gebiet um den Mount St. Helens vorkommen, jedoch in wesentlich geringerer Zahl.
    Ein wesentlicher Faktor in dieser Betrachtung wurde aber noch nicht beachtet: Haus- bzw. Nutztiere. Die Bewohner im betroffenen Gebiet haben ungezählte Rinder und Pferde gehalten, unter denen es mit Sicherheit Opfer gab. Sie sind schwerer als Wapiti-Bullen und leben näher an den Siedlungen. Will man die Kadaver entfernen, um Seuchen zu verhindern, hätten sie höhere Priorität.
    Grob überschlagen hätten hier also zwischen 500 und 700 t an toten Tieren sicher entsorgt werden müssen. Ob das passiert ist, ist unklar.

    Eine Bergungsaktion per Hubschrauber?

    Laut den Zeugen, die Redfern zitiert, waren eine große Zahl von Hubschraubern und mindestens ein Kran beteiligt. Da die Sasquatches angeblich die Mitarbeiter der US-Army zu verletzten Artgenossen geleitet haben, kann dies nur wenige Tage nach dem Ausbruch gewesen sein. Zu dieser Zeit war die Asche aber noch locker und wäre mit jeder Flugbewegung der Hubschrauber in gewaltigen Mengen aufgewirbelt worden.

    1980 standen der US Army und der Nationalgarde von Washington folgende Transporthubschrauber zur Verfügung:

    Modell Tragkraft max.
    Foto eines zweirotorigen Transporthubschraubers Boeing CH-47 „Chinook“ 7 bis 10,5 t
    Foto eines einrotorigen mittelgroßen Hubschraubers Bell UH-1 Iroquois, meist „Huey“ genannt 1 bis 1,5 t
    Foto eines sehr altmodisch aussehenden Hubschraubers Sikorsky H-34 ca. 2 t

    Es ist leicht vorstellbar, wie viele Flüge notwendig gewesen wären, um solche Mengen an Kadavern zu entfernen, insbesondere wenn die starken Chinooks nur in begrenzter Zahl zur Verfügung standen. Von starker, militärischer Hubschrauberaktivität ist jedoch nirgendwo zu lesen. Von daher ist davon auszugehen, dass die zuständigen Stellen (das USACE und die Nationalgarde) nur wenige Kadaver in den Quellbereichen der Flüsse entfernt haben – wenn überhaupt.

    Wesentlich wichtiger war eher die Entsorgung von Kadavern im Nahbereich der Siedlungen. Dies haben Anwohner und Behörden aufgrund der Asche nicht mit Hubschraubern, sondern mit Fahrzeugen, die über staubgeschützte Aggregate verfügten, z.B. Baustellenfahrzeugen erledigt.

    Was ist mit dem Kran?

    Ein Kran mit halboffener Hydraulik, großen, fettgeschmierten Lagern und Elektroantrieb wäre für vulkanische Asche sehr anfällig gewesen. In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie der Kran dorthin gekommen ist. Die Straßen waren unpassierbar. Wieso sollte man einen Kran einfliegen? Für Hebeaufgaben sind Helikopter besser geeignet. Zum Ausheben von Gruben sind Bagger das Mittel der Wahl und sie stehen dem US Army Corps of Engineers zur Verfügung. Allerdings waren die Straßen unpassierbar.

    Wenn man aber auf einen Kran der „Manatowaka Company“ zugriff, dann vermutlich, weil er zufällig vor Ort war.

    Die „Manatowaka Company“ oder doch nicht?

    rot lackierter Seilbagger
    Ein „dredge crane“ der Manitowoc Company, vielleicht eine Verwechslung? Foto: Nate Dawg, CC 4.0

    Bisher hat sich laut der Website Bigfootencounters.com niemand die Mühe gemacht, herauszufinden, ob es 1980 im Süden des Bundesstaates Washington eine Firma diesen Namens gab. Möglicherweise liegt hier auch eine Verwechslung vor. Gibt man den Namen „Manatowaka Company“ in eine Suchmaschine ein, landet man unter dem gar nicht so unähnlichen Namen „Manitowoc Company“ einige Treffer.

    Die „Manitowoc Company“ ist ein Traditionsunternehmen, das Krane und Bagger herstellt und unter dem Namen Manitowoc Raupenkrane vertreibt (andere Produktlinien haben teilweise andere Namen). Der Name ist groß an den Fahrzeugen angeschrieben. Mit einem solchen Gerät wäre man tatsächlich halbwegs mobil gewesen und hätte Kadaver bergen können. Warum auch nicht?

    War das Militär überhaupt da?

    Bisher habe ich keinen Hinweis gefunden, dass die US Army mit militärischen Einheiten vor Ort war. Das oben genannte US Army Corps of Engineers war 1980 am Mount St. Helens und hat im Rahmen einer Sofortmaßnahme den Flusslauf des Cowlitz-Rivers freigeräumt, um das Risiko von Überschwemmungen zu bannen. Allerdings besteht das USACE größtenteils aus Zivilisten, es ist eher dem deutschen THW als einer Pioniereinheit vergleichbar.

    Es gibt ebenfalls Hinweise auf den Einsatz der Nationalgarde. Diese hat bereits vor dem Ausbruch des Vulkans die Straßen der Gegend weiträumig abgesperrt. Einsätze, insbesondere Hilfsaktionen nach dem Ausbruch sind wahrscheinlich, aber für mich derzeit nicht zu belegen.

    Im Gegenteil: Einen Großteil der Aufräumarbeiten erledigten die Gemeinden selber. Viele haben lokale Aschedeponien geschaffen und direkt mit Erde abgedeckt. Andere haben die staubige Masse in alten Minen untergebracht. Auch auf den Kosten von etwa 1,1 Milliarden US$ blieben sie zunächst sitzen. Der Kongress bewilligte Beihilfen von 950 Millionen US$, die über drei verschiedene Organisationen ausgeschüttet wurden.

    Fazit

    Die Geschichte ist mehr als dünn. Redferns Beitrag liest sich wie ein schlechter Verschwörungs-Roman. Sogar der geheimnisvolle Zeuge, der alles gesehen haben will, ist dabei. Natürlich bleibt er anonym. Eigentlich fehlt hier nur der einschüchternde Anruf beim Autor oder bei Zeugen, die danach die Aussagen plötzlich ändern.

    Schaut man sich die Story etwas genauer an, stimmen auch die Fakten nachdenklich. Es gibt keine Hinweise auf eine zentral geplante und koordinierte Sammlung und Entsorgung verendeter Tiere. Sie wäre aufgrund der Vielzahl von Flügen gar nicht zu vertuschen gewesen.
    Dort, wo verbrannte Tierkadaver herumlagen, also mit den Sasquatches zu rechnen wäre, war Helikopterflug nur sehr begrenzt möglich. Jede Annäherung an den Boden hätte die leichte Asche aufgewirbelt, sie wäre zwangsläufig in den Turbinen gelandet und hätte viel Ärger bis hin zu Abstürzen verursacht. Insgesamt wurden mindestens acht Flugzeuge durch die Asche beschädigt, jedoch kein Helikopter. Bei einer großen Zahl von Hubschrauber-Flügen wäre unter diesen Bedingungen fast zwangsläufig mit Unfällen zu rechnen gewesen.
    Einheiten, die eine größere Zahl von Helikoptern hätten einsetzen können, waren gar nicht vor Ort.

    Der Kran, mit dem ein Loch ausgehoben worden sein soll, ist mit großer Sicherheit ein Produkt eines ähnlich klingenden Herstellers und nicht im Betrieb der genannten Gesellschaft. Ob die Erinnerung dem Zeugen einen Streich spielte, oder ob es doch eine Gesellschaft mit diesem Namen gab, ist unklar.

    In der Summe gibt es zu viele Fehler, wenn man nur ein wenig in die Materie eintaucht.


    Anmerkungen:

    Die Wiederbesiedlung des durch die Eruption verwüsteten Gebietes wäre einmal einen Artikel wert. Spannend ist der direkte Vergleich zwischen den Gebieten, in denen das Forstunternehmen Weyerhaeuser die Natur unterstützen wollte und den Gebieten, in denen die Natur frei arbeiten konnte. Da beide Gebiete oft dicht beieinander liegen, könnte man hier von einem natürlichen Labor sprechen. Das wäre auch einmal einen Artikel wert, völlig ohne Sasquatch.


    Literatur:

    Zur Story von Nick Redfern: Mysterious UniverseDie Bigfoot-Encounters: Cowlitz County Bodies

    Im Prinzip dieselbe Story, nur von Washington Bigfoots: Bigfoot Bodys removed after 1980 Mt St Helens eruption

    Das USACE am Mt. St. Helens.

    Die deutsche Webseite von Manitowoc-Cranes

    ICAO: Manual on Volcanic Ash, Radioactive Material and Toxic Chemical Clouds


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  • Neues Bigfoot-Video schlägt Wellen

    von: Tobias Möser

    London, UK; Mississippi, USA – Die britische Tageszeitung Daily Star brachte in ihrer online-Ausgabe vom 18. August 2019 ein Video, das eine angebliche Bigfoot-Sichtung zeigt. Klar, relativ unverdeckt und scharf gefilmt. Kein Wunder, dass sich die „Armchair-Cryptozoologists“ in den Sozialen Medien die Köpfe heiß reden: Daily Star: Bizarre footage of black figure in forest…

    Das Video ist eher diffus und weich, aber hell beleuchtet. Es zeigt einen offenkronigen, daher recht hellen Sumpfwald mit einer mehr oder weniger großen, mit Bäumen bestandenen Wasserfläche. Vor der Wasserfläche steht ziemlich offenes, verholztes, aber nicht sehr hohes Unterholz mit einzelnen Blättern, keine Gräser.

    Etwa in der Bildmitte befindet sich, etwas verdeckt durch ein paar knapp armdicke Bäume, ein schwarzer Bereich, der sich bewegt. Er ist dunkler als der Rest des Bildes. Es bewegt sich während des Videos schwach und hält öfter still. Offenbar ist es ein Lebewesen, das sich mit dem hohlen Stamm eines der Bäume befasst. Während des Großteils des Videos wirkt es, als würde es sitzen, knien oder hocken. Als es aufsteht, beginnt der Kameramann davon zu laufen und man sieht zunächst nur die typischen Bilder, die eine Kamera in so einer Situation zeigt. Am Schluss sind Blätter von jungen Fächerpalmen zu erkennen.

    Das „Wesen“

    Das Wesen, weswegen der Film so stark diskutiert wird, ist dunkel, annähernd schwarz. Es wirkt auf den ersten Blick ziemlich menschenähnlich, soweit das erkennbar ist. Da es der Kamera den Rücken zugedreht hat, ist nicht viel von ihm erkennbar. Die untere Körperhälfte ist zunächst von Unterholz verdeckt, es wirkt, als „steht“ es in einer Wasserfläche. Während der etwa 2 Minuten, die es auf dem Video zu sehen ist, bewegt es sich nicht vom Fleck, sondern befasst sich ausgiebig mit einem hohlen Baumstumpf. Offenbar bricht es immer wieder, auch mit sichtbarem körperlichen Aufwand morsche Holzstücke aus dem Baum, hierzu verwendet es beide Hände, wobei die rechte Hand führt.

    Etwa bei 1:32 ist ziemlich gut zu sehen, dass das Wesen nicht im Wasser steht, sondern auf einem Stück der Baumwurzel hockt (mit gebeugten Knien), aber nicht kniet oder sitzt. Es ist also im Trockenen. Eine Zeichnung des Felles ist nicht sicher erkennbar, es wirkt mehr oder weniger einheitlich schwarz. Die Hände lassen kurz einen helleren Schimmer erkennen, ebenso ein Gesicht. Als das Wesen bei 1:57 aufsteht, rennt der Kameramann davon.

    Die seltsame Kreatur gräbt in einem Baumstumpf. Als sie aufsteht, haut der Kameramann ab. Image: John Highcliff

    Die Angaben des Daily Star

    Der Daily Star schreibt in seinem Beitrag, dass das Video von einem gewissen Josh Highcliff stamme. Er habe die Kreatur auf einem Jagdausflug gefilmt, bevor sie ihn bemerkt haben kann. Josh wird mit den Worten zitiert: „Etwa 50 Meter von einer toten Zypresse entfernt hockte dieses riesige schwarze Ding. Ich hielt es für ein Schwein, sah aber diese großen Schultern und einen Kopf mit aufrechten Händen.“ – „Es sah so aus, als würde im Baumstumpf graben.“ – „Als es aufstand, konnte ich mich nicht beherrschen und rannte los. Dieser Stumpf war riesig und ich würde vermuten, dass das Biest 7 Fuß groß war.“

    Der Film

    Der Film ist so klar und brauchbar, wie es bei modernem, mäßig hochwertigem Kameramaterial zu erwarten ist. Diesmal spielen Wetter und Kameramann mit: Durch eine lichte Wolkendecke ist das Licht wunderbar weich und diffus. Es gibt keine harten Schatten, die irritieren, nichts verschwindet schwarz in schwarz. Das erleichtert es deutlich, das Wesen bei seiner Arbeit am Baumstamm zu identifizieren.
    Auch der Kameramann hat offenbar von zahlreichen schlechten Internetvideos gelernt. Er hält die Kamera ruhig und gerade. Dabei rennt er nicht viel herum, sondern verhält sich still.

    Die Angaben

    Der Kameramann Josh Highcliff erklärt der Daily Star, das Video in er Nähe von Tunica im Staat Mississippi in den USA aufgenommen zu haben. Die Landschaft und Vegetation scheinen in die Gegend zu passen, die Bäume sehen aus, wie die von Highcliff genannten Sumpfzypressen. Bei genauerer Suche mittels google Street View kommen jedoch zunächst Zweifel auf. Die Gegend, die Highcliff beschreibt, ist extrem stark landwirtschaftlich genutzt und entsprechend „aufgeräumt“. Wälder gibt es nur noch am Ufer des Mississippi und in dessen feuchten Altarmen. Durch die führt kaum eine Straße, Street View kann hier also nur bedingt weiterhelfen. Bemerkenswert: Dort, wo es man Bilder von Gewässern findet, sind sie mit Zypressen bewachsen und wirken ähnlich, wie auf dem Video.
    Einzig mit Highcliffs Angabe „Die Kreatur war etwa 50 Yards entfernt“ komme ich nicht klar. Ein Yard misst offiziell 91,44 cm, 50 Yards sind also knapp 46 m. Auf dem Video erscheint die Kreatur deutlich näher. Kann es sein, dass hier Yards mit Feet oder 15 mit 50 verwechselt wurden? Das entspräche dem Anschein deutlich mehr.

    Die Kreatur

    Die Fellfarbe der Kreatur erscheint auf dem Video schwarz, richtig knallig schwarz. Um das zu verifizieren, nutze ich das Plugin „Color Zilla“, das mir für jeden Bildschirmpunkt, den ich mit der Maus ansteuere, die Farbe als Hexcode herausgibt. Ich habe an fünf verschiedenen Zeiten des Videos je fünf verschiedene Punkte der Kreatur herausgegriffen und dort die Farbe des Fells festgestellt. Zu Zeitpunkt 0:57 zeigten sich auch hellere Elemente (Hand oder Gesicht):

    Einwurf Hexcode: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Farben digital auszudrücken. Der Hexcode ist eine Version, die unter anderem in html verwendet wird. Üblich ist die hexadezimale Farbdefinition in sechsstelliger Form, das heißt als eine Aneinanderreihung von drei jeweils zweistellig geschriebenen Hexadezimalzahlen. Die ersten beiden Stellen stehen für den Rotanteil, die zweiten für den Grünanteil und die letzten beiden Stellen für den Blauanteil. Die Farben werden additiv gemischt (wie farbiges Licht, nicht wie Malfarbe). Weiter zum Thema in der Wikipedia
    Zeit Position 1 Position 2 Position 3 Position 4 Position 5
    0:10 251b28 231d2f 1b1828 2c2635 251f2e
    0:26 3b2d44 3d3148 372b44 2c2135 31233c
    0:57 483d55 2e1c32 3f334e ac9a93 726873
    1:23 382a43 362843 493b54 3c2a42 3d313a
    1:58 40324d 3c2f52 3f3352 372742 3b293d

    Genauer wäre es gewesen, ich hätte noch möglichst identische Punkte des Körpers für die einzelnen Positionen herausgegriffen. Das erscheint mir aber wegen der teilweisen Überdeckung mit Unterholz, der Bewegung der Kreatur und des Kameramanns nicht möglich.
    Selbst bei einem schwarz erscheinenden Tier hätte ich eine Fellfarbe erwartet, in der Dunkelbraun dominiert. Hier erscheint es anders, die Blautöne sind in den meisten Fällen stärker als die Rottöne, die wiederum stärker als die Grüntöne sind. So kommen violette Fellfarben zustande. Ob das ein Indiz ist, dem man folgen sollte, wird die folgende Tabelle zeigen:

    Bild Position 1 Position 2 Position 3
    Panda 121318 1e1e28 0f1015
    Gorilla 636469 5d5958 5f5e54
    Beutelteufel 292e41 24242e 24242e

    Pandabärjunges auf einem Baum
    Bild 1: Schwarzweiß eignet sich auch als Kontrolle: ein Panda in Schönbrunn (Wien)

    schlecht gelaunte Grorilla-Dame
    Bild 2: Die potenzielle Verwandtschaft hat keine Lust, sich zu beteiligen. Gorilla-Dame, Zoo Nürnberg

    Tasmanischer Teufel
    Bild 3: Zum Teufel, dann muss er eben als Vergleich herhalten. Schwarz genug ist der Beutelteufel jedenfalls. Zoo Duisburg

    Die meisten „schwarzen“ Fellfarben“ erscheinen mehr oder weniger violett stichig, selbst wenn man Säugetiere aus den unterschiedlichsten Linien miteinander vergleicht. Es ist also kein Indiz dafür, dass es sich ggf. um ein künstliches Fell, ergo ein Fake handelt.

    Einwurf: Mir ist bewusst, dass sich bei dieser Untersuchung nur um ein ungenaues Instrument handelt. Der Himmel, die Bewölkung, die Tageszeit, der Weißabgleich der Kamera und die Kamera selber spielen eine große Rolle. Daher kann das Ergebnis auch nur als Indiz genommen werden und ist keinesfalls ein „Beweis“ für oder gegen die Echtheit des Videos.
    Auch für die Abschätzung der Entfernung würde eigentlich die Kamera benötigt, denn über Zoomfaktor und Fokussierung kann mit etwas Glück die Entfernung des Schärfebereiches festgestellt werden. Über die Entfernung und Zoomfaktor kann dann anhand der Pixelmaße auch die Größe des Objektes ziemlich gut vermessen werden. Leider liegen mir die Daten für diese Kamera nicht vor.

    Das Verhalten der Kreatur

    Die Kreatur auf dem Video verhält sich ausgesprochen ruhig. Sie befasst sich mit der morschen Zypresse, bricht alte Holz heraus und wirft es weg. Dabei scheint sie völlig konzentriert und scheint auch den nur wenige Meter entfernten Menschen nicht wahrzunehmen.

    „Was macht das Vieh da?“ Offenbar räumt es einen hohlen Baum aus. Aber wozu? Als Schlafplatz ist der Fuß einer Sumpfzypresse sicherlich ungeeignet, selbst wenn er im Moment trockengefallen ist. Die Wasserstände in den Wäldern am Mississippi-Hauptstrom werden sich vermutlich ständig ändern – und morgens mit nassem Hintern aufzuwachen dürfte auch einem Swamp Ape nicht gefallen. Ich impliziere als Alternative, dass die Kreatur nach Insektenlarven sucht, die faulendes Holz fressen. Es gibt da einige recht dicke Käferlarven, die auch für einen Bigfoot einen respektablen Snack bilden. Leider zeigt die Kreatur die ganze Zeit ihren wunderschönen, schwarzen Rücken, so ist nicht zu sehen, ob sie etwas aus dem Totholz heraussammelt und frisst. Die Tatsache, dass sie am Anfang größere Holzstücke, später nichts mehr wegwirft, deutet in die Richtung.

    „Wie kommt es, dass das Vieh so konzentriert arbeiten kann, ohne den Jäger/ Kameramann zu bemerken?“ Hierzu gibt es drei Möglichkeiten: Es hat den Kameramann bemerkt, fasst ihn aber nicht als Bedrohung auf. Das Verhalten des Wesens lässt keinen Schluss auf ein Bemerken zu. Es ist aber im Film auch nicht ständig zu sehen. Andererseits gelten alle Bigfoot-artigen Kreaturen Nordamerikas als scheu, sie fliehen vor Menschen. Damit kann man diese Hypothese getrost streichen.
    Die zweite Hypothese: Es hat den Kameramann nicht bemerkt, halte ich für wahrscheinlicher. Der Kameramann ist im Rücken der Kreatur, die völlig mit dem Totholz im Baum beschäftigt ist. Das wäre für ein Wildtier merkwürdig. Kaum ein Tier kann sich ausschließlich mit seiner Nahrungsquelle befassen, ohne Gefahr zu laufen, selbst zu einer solchen zu werden. Ist der Bigfoot nun ein solcher Apex-Predator, kennt er in Mississippi weder Bären noch Pumas oder Alligatoren? Klingt auch seltsam, ich werde später darauf zurückkommen: Bitte im Kopf behalten!

    YouTube

    Ja, YouTube spielt hier auch eine Rolle. Das angeblich so neue Video ist dort nämlich seit dem 28. Oktober 2013 veröffentlicht. Josh Highcliff hat hier auch einige weitere Angaben dazu gemacht, wie er das Video gedreht hat:

    Das Video ist am 24. Oktober 2013 entstanden, abends um 18 Uhr. Highcliff war unterwegs, um „Wildschweine“ (verwilderte, primitive Hausschweine, echte Wildschweine gibt es in Amerika nicht) zu jagen, trug Jagd-Tarnkleidung und saß still herum, um auf die Dämmerung zu warten, in der er jagen wollte. Dann hörte er ein Geräusch an einem Baum, erwartete ein Wildschwein und traute seinen Augen nicht.

    Außer der Angabe, dass das „Ding“ groß und schwarz war und er eine Entfernung von 50 Yards schätzte, vermutete er, dass es etwa 7 Fuß, also gut 2,10 m groß war.

    Ich ziehe hier eine wesentliche neue Aussage heraus: Highcliff saß da, mittelmäßig getarnt und wartete. Er nennt „Hunting camo“, also vermutlich Fleckentarn mit neonroten Abzeichen, die das Wild nicht sehen kann. Teile der Kleidung sind am Ende des Videos kurz zu sehen. Von einem konturauflösenden Ghillie-Suit schreibt er nichts.

    Die Interaktionen

    Die Frage nach der Interaktion beginnt nach dem Henne-Ei-Prinzip. War die Kreatur zuerst vor Ort und kam Highcliff dazu, würde das seiner Aussage „just sitting dead still waiting for it to get dark“ nicht passen. Folglich muss Highcliff also vor der Kreatur am Ort gewesen sein. Deswegen schreibt er auch: „I hear a noise behind the tree i was sitting on“.

    Die erste Frage, die ich mir stelle: Die Kreatur ist bereits am Baum, auf trockenem Boden, aber sie muss durch den Sumpf und offenes Wasser dorthin gelangt sein. Wer beim Baum ausräumen seine Umwelt völlig vergessen kann, wird nicht leise durchs Wasser gleiten, sondern irgendwelche Geräusche produzieren. Hat Highcliff sie überhört, z.B. weil er geschlafen hat, hat er sie für Geräusche von Schweinen gehalten oder aus anderen Gründen nicht wahrgenommen?
    Andersherum würde ich auch gerne wissen, ob die Kreatur Highcliff nicht wahrgenommen hat. Die Möglichkeiten, die sich hieraus ergeben, habe ich oben bereits beschrieben.

    Die zweite Unklarheit, die ich finde, betrifft die Beobachtung selber. Highcliff bewegt sich während des Filmens im Unterholz und möglicherweise auf einem Weg. Das erzeugt Geräusche, die sich von anderen Waldgeräuschen unterscheiden. Wieso beschäftigt sich die Kreatur weiter seelenruhig mit dem Baum? Fühlt sie sich im Wasser so sicher?

    Die dritte Unklarheit, die ich finde, betrifft die Flucht von Highcliff. Während des gesamten Filmens befand sich die Kreatur links von ihm. Egal wie dicht er heran geht und wo er steht, stehts macht es den Eindruck, er würde sich den Weg nach rechts freihalten. Ich hätte also damit gerechnet, dass er bei einer Reaktion der Kreatur nach rechts flüchtet. Das tut er nicht. Er flüchtet zunächst wenige Schritte nach links (zählt man die Bewegungsgeräusche auf dem Video, sind es sechs oder sieben Schritte), dann bleibt er stehen und dreht sich um etwa 90 Grad nach links, um weiter zu laufen, bis das Video abbricht.
    Auf mich macht es den Eindruck, dass ihn seine Flucht zunächst auf die Kreatur hin führt. Er bleibt an der Stelle stehen, die der Kreatur am nächsten ist, sieht sich um und entfernt sich erst dann. So verhält sich niemand, der vor etwas Angst hat.

    Fazit:

    Das Video ist sehr gut, es zeigt eine Kreatur, die in einem hohlen Baumstamm nach etwas sucht, dann aufsteht und den Kameramann dadurch zur Flucht animiert.
    Die Qualität des Videos lässt einen elektronischen Fake soweit ausschließen, wie man das heute noch kann. Anzeichen hierfür habe ich jedenfalls keine gefunden. Die analysierten Fellfarben wirken natürlich und scheinen nicht von einem billigen Kostüm zu stammen, wobei kein direkter Vergleich mit einem Kunstfell gemacht werden konnte. Das gefilmte Verhalten der Kreatur ist in sich stimmig und passt zur Situation.

    Die unklare Auffindungssituation und dann die Flucht in die unerwartete Richtung lassen an der Authentizität des Videos zweifeln.

    Leider ist der Dreh schon 6 Jahre her, am Ort werden sich keinerlei Spuren mehr finden lassen. Der Baum ist vermutlich längst umgekippt und weitgehend verrottet, möglicherweise ist der Sumpf trocken oder überschwemmt.


  • Freitagnacht-Kryptos – Passend zum Tage

    Von: Tobias Möser

    Die Mondlandung hat morgen bzw. übermorgen vor 50 Jahren stattgefunden und ist natürlich Top-Thema in allen Medien. Wir wollten bei diesem wirklich prägenden Ereignis nicht zurückstehen und haben uns überlegt, welches Tier denn am ehesten mit dem Mond zu tun hat. Ein Mondkalb? Zu langweilig. Der Werwolf? Zu trivial. Wir haben ein viel interessanteres Tier ausgegraben: Die Wermaus!

    Wer… Maus???

    Eigentlich sind die Wermäuse unter dem viel niedlicheren Namen Grashüpfermäuse bekannt. Sie kommen in drei Arten in den Prärien und trockenen Buschländern von Mexiko bis Südkanada vor. Mit 9 bis 13 cm sind sie etwas größer als eine Hausmaus. Wie viele kleine Nager sind sie nachtaktiv. Sie können gut klettern, bevorzugen aber den Boden, in dem sie auch ein Nest bauen. Auf Eindringlinge in ihr Territorium reagieren sie aggressiv. Das macht sie unter Dutzenden von Arten kleiner Nager nicht zu etwas Besonderem.

    Ein Jäger, und was für einer!

    Ungewöhnlich ist ihre Ernährung: die Wermäuse ernähren sich carnivor: Sie jagen sehr erfolgreich große Insekten und andere Gliederfüßer, sogar kleine Wirbeltiere wie andere Mäuse. Etwa 89% ihrer Nahrung sind tierisch, nur 11% Pflanzenmaterial. Damit liegt sie im Bereich hypercarnivorer Raubtiere.
    Anders als die meisten großen Raubtiere wagt die Wermaus, auch Tiere anzugreifen, die deutlich größer und schwerer sind, als sie. Meist schleicht sie sich an ihre Beute heran und versucht, sie mit einem Biss in den Nacken oder Kopf zu töten. Sogar giftige Tiere wie Hundertfüßer greift sie an und ringt sie nieder. Eine wichtige Beute sind Arizona-Rindenskorpione der Art Centruroides vittatus*. Er gehört zu den häufigste Skorpionen im Lebensraum der Großen Grashüpfermaus Onychomys torridus. Da er als Insektenfresser nicht nur Beute, sondern auch Konkurrent ist, kommt ihm eine besondere Bedeutung zu.

    Kaum erforschte Superkräfte

    Die Große Grashüpfermaus Onychomys torridus ist unempfindlich gegen sein Gift. Gelangt es nach einem Stich ins Blut, „kidnapt“ ein Protein auf den Nerven der Maus das Gift. Hierdurch werden die Schmerzsignale, die es sonst auslöst, unterdrückt. Gemeinsam können Gift und Protein sogar andere Formen des Schmerzes unterdrücken.

    „In der Maus arbeitet das Gift sogar als Schmerzkiller“ sagt der Neurphysiologe Frank Bosmans von der Johns Hopkins University.

    Dabei ist das Gift des Arizona-Rindenskorpions alles andere als harmlos. „Es tut ganz schön weh“, beschreibt Ashlee Rowe, Evolutionsneurologin an der Michigan State University. „Betroffene sagen, es fühlt sich an, als hätte man sich verbrannt und bekäme dann einen Nagel in die Stelle gedrückt“. Eine große Giftdosis kann ein Kleinkind töten.

    Physiologisch arbeitet das Skorpiongift wie ein klassisches Nervengift: es öffnet ligandenabhängige Natriumkanäle von Schmerzrezeptoren. Natrium fließt in die Zelle ein und sorgt für eine Depolarisation und ein Aktionspotenzial. Dieses wird über die Nervenbahnen ans Gehirn weiter gegeben. Da das Gift des Skorpiones -anders als andere Liganden- permanent an den Natriumkanal bindet, werden ständig Aktionspotenziale ausgelöst: Beim Hirn kommt ein starker Reiz an, der als Schmerz interpretiert wird.

    Ist das Gift im Körper, unterbricht ein spezieller Natriumkanal den ungewöhnlichen Natriumfluss: Das Schmerzsignal läuft einfach aus. Sticht der Skorpion die Maus, senden die Nerven einfach keine Schmerzsignale mehr weiter, das betrifft sogar Schmerz aus anderen Quellen.

    Reviermarkierung – wie die Großen

    Die kleinen Jäger leben nicht lange an einem Ort, sondern übernehmen oft die Bauten kleiner Nagetiere – nachdem sie sie gefressen haben. Ihren Streifbereich verteidigen sie aggressiv gegen andere Wermäuse, in angemessener Weise: nachts suchen sie sich einen exponierten Standort, werfen den Kopf zurück, drücken die Brust raus und rufen mit offenem Maul – vermutlich in Richtung Mond…

    So long – and: Good Luck, Mr. Gorsky

    Quellen:

    The Mammals of Texas: Northern Grasshopper Mouse

    The Washington Post: The Tiny southern grasshopper mouse can eat scorpions without feeling any pain


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Uns ist selbstverständlich bekannt, dass wissenschaftliche Namen in Texten kursiv geschrieben werden. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


    Dieser Beitrag ist in der Reihe „Freitagnacht-Kryptos“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.