• Tag Archives Sasquatch
  • Der Ruby Creek-Vorfall

    von: Tobias Möser

     

    Bigfoot, oder Sasquatch, wie er in den westlichen Bundesstaaten der USA und in Kanada bevorzugt genannt wird, war bereits öfter Thema auf der Webseite. Diese Berichte waren sehr beliebt, so dass wir uns entschlossen haben, in lockerer Folge über mehr oder weniger bekannte Begegnungen zu berichten, sie zu hinterfragen und ihnen auf den Grund zu gehen. Der Fred-Beck-Vorfall war bereits Thema im Artikel über Bigfoots am Mount St. Helens. Hier folgt ein weiterer, ungewöhnlicher Vorfall:

    Am ruhigen Ruby Creek

    Der Ruby Creek ist eine kleine Ortschaft am Fraser River, etwa 130 km flussaufwärts von Vancouver. Sie liegt heute am Trans Canadian Highway und am Highway No. 7. Die Gegend um Ruby Creek ist traditionell von mehreren First Nations bewohnt, so die Musqueam, Sto:lo, St’at’imc, Secwepemc und Nlaka’pamux. Nachhaltig von den Weißen besiedelt wurde die Gegend in der Zeit um den Fraser-Canyon Goldrausch von 1858.  Der Goldrausch war jedoch genauso schnell vorbei, wie er gekommen war, 1860 waren die Sandbänke des Flusses ausgebeutet, viele Goldgräber zogen weiter und Ruhe kehrte ein. Damals wie heute musste jeder, der von Vancouver ins Inland wollte, an Ruby Creek vorbei. Händlern war das nur Recht.

    Lage von Ruby Creek am Fraser River in Kanada

    Reiche Fischgründe

    Die meisten der ansässigen First Nations leben zumindest teilweise vom Fischfang. Der Fraser-River ist Heimstatt für alle fünf Arten pazifischer Wildlachse, Stahlkopf-Forellen und weiße Störe Acipenser transmontanus*. Der Fischreichtum ist so hoch, dass die Fischerei immer schon die wirtschaftliche Macht hatte, jeglichen Dammbau im und am Hauptstrom zu verhindern. Traditionell werden Fische, die nicht frisch vermarktet werden, filetiert und unter Druck eingesalzen. Hierdurch verlieren sie Wasser und sind lange haltbar. So machte es auch die Familie Chapman, die in Ruby Creek lebte. Beobachter betonen, dass die Familie zu den First Nations gehörte (In Amerika ist es politisch unkorrekt, von Indianern zu sprechen. Hier hat das Wort aber einen anderen Klang, dennoch verwende ich die selbst gewählte Bezeichnung „indigen“ oder „first nations“).

    Bär mit einem Coho-Lachs: Bären sind auf den Salmon-Run angewiesen

    Lachswehr aus Ästen
    Wehr eines indigenen Volkes in British Columbia: Die Menschen sind genauso auf die Lachse angewiesen

    Der Vorfall 1941

    Die Sache begann im September 1941 (eine andere Quelle nennt den 21. Oktober), an einem klaren Tag, gegen 15 Uhr am Nachmittag. Der älteste Sohn der Familie, 9 Jahre alt, rannte zu seiner Mutter, Jeannie Chapman. Sichtlich verstört meldete er, eine Kuh käme die Berge heruntergerannt. Die beiden anderen Kinder, ein siebenjähriger Junge und ein fünfjähriges Mädchen spielten ungestört hinter dem Haus in der Nähe der Eisenbahntrasse. Die Mutter ging heraus um nachzusehen, denn der Junge war doch sichtlich verstört. Sie sah etwas, das sie zunächst für einen besonders großen Bären hielt.

    Sie rief die beiden Kinder zu sich und bat den größeren, ein Betttuch zu holen. Die Kinder kamen sofort, in der Zwischenzeit bemerkte sie, dass es sich nicht um einen Bären, sondern um einen gigantisches, menschenähnliches Wesen handelte, das mit langen Haaren bedeckt war. Es war ockerfarben und zeigte dunkle Haut an den Händen und ein dunkles Gesicht. Während der älteste Junge das Betttuch geholt hatte, konnte sich die Kreatur dem Haus auf 30 m nähern. Mrs. Chapman spannte sofort das Betttuch mit den Armen auf und baute so eine Sichtbarriere zwischen den Kindern und der Kreatur. So floh sie mit den Kindern flussabwärts ins Dorf.

    Die Kreatur drang ins Haus ein und durchwühlte das Nebengebäude gründlich. Dabei zerbrach sie eine 55-Gallonen-Tonne (fast 210 Liter) voll eingesalzenem Lachs und verteilte den Inhalt im Außenbereich. Ob die Tonne geworfen wurde oder mit einem Schlag zerbrochen wurde, ist unklar.

    Der Vater kommt nach Hause

    Gegen 6 Uhr abends kam George Chapman, Ehemann von Jeannie von seiner Arbeit als Bahnarbeiter nach Hause und fand riesige Fußspuren, den Außenbereich seines Hauses und den Schuppen verwüstet vor. Die Spuren seiner Frau und Kinder führten in Richtung des Dorfes, die riesigen Fußspuren folgten ihnen nicht. Halbwegs beruhigt durch diese Tatsache fasste George Chapman Mut und untersuchte sein Haus und den Schuppen. Im Haus fand er unter anderem braune Haare im Holz der Türstürze.

    Er fand weitere Fußspuren des Wesens stromaufwärts auf einer Sandbank, das Wesen kam aus einem alten Kartoffelfeld, war ohne besondere Richtung auf der Sandbank umhergelaufen und entfernte sich durch das Kartoffelfeld, seine Spuren verloren sich am Fuß der Hügel in dichter Vegetation. Nachdem er sicher war, dass das Wesen weg war, sammelte George Chapman seine Familie ein und bat seine Schwiegervater sowie zwei weitere Männer ein, auf sie aufzupassen, während er bei der Arbeit sei.

    Der Besucher kehrt nachts zurück

    Die Fußspuren bzw. ihre Verursacher erschien etwa eine Woche lang jede Nacht erneut, zweimal machten die Hunde, die die Chapmans mitgenommen hatten, um „exakt 2 Uhr Nachts“ einen Riesenlärm. Das oder die Wesen behelligten sie aber sonst nicht weiter und ließen Haus und Nebengebäude in Ruhe. Dennoch hielten die Chapmans es nicht aus und zogen weg, blieben aber in der Gegend.

    Der Salmon Run in British Columbia: Der Fluß ist voll mit Lachsen

    traditionell werden Lachse eingesalzen oder getrocknet

    Jeannie Chapman berichtete später, dass das Wesen etwa 7 ½ Fuß (knapp 2,30 m) groß war, einen vergleichsweise kleinen Kopf und kurzen Hals hatte. Der Körper erschien ihr sehr menschlich, außer dass die Brust gewaltig nd die Arme sehr lang waren. Die Schultern waren sehr breit und es hatte keine Brüste, so dass Mrs. Chapman es als Männchen ansah, obwohl die Genitalien im dichten Haarkleid verborgen waren. Die nackten Teile des Gesichtes und der Hände waren sehr viel dunkler als das Haar und erschienen fast schwarz.
    Außerdem berichtete Mrs. Chapman von einem gurgelnden Pfeifen, das das Wesen von sich gegeben habe.

    Vom Ruby-Creek-Zwischenfall gibt es abgepauste Fußspuren, außerdem hat es eine Untersuchung durch den US Deputy Sheriff Joe Dunn, der sich privat in dieser Gegend aufhielt.

    Bewertung

    Bei diesem Bericht gibt es eine große Menge Koinzidenten mit anderen Sasquatch-Sichtungen: Größe, Fußspuren, die Geräusche, die Jeannie Chapman beschreibt sowie die Beschreibung der schwarzen Hautfarbe.

    Das Verhalten des Sasquatch ist extrem ungewöhnlich. Die Wesen sind als sehr scheue Waldbewohner bekannt, die selbst im Falle einer Bedrohung eher mit Zeichen und Geräuschen auf sich aufmerksam machen, als sich sehen zu lassen. Doch dieser Sasquatch kommt am Tag nicht nur in offenes Gelände, das er vorher noch nicht untersucht hat. Er sucht offenbar die Nähe des Menschen bzw. zeigt offensives Interesse an Haus und Hof der Familie Chapman. Die Gründe hierfür sind unklar. Diese Wesen gelten als neugierig, aber vorsichtig. Hunger wäre sicher eine Möglichkeit, die einen Sasquatch dazu bringt, sich Menschen zu nähern, die Vorräte besitzen. Aber September bzw. Oktober (siehe oben) sollten Mastmonate für Sasquatches sein. Viele Pilze und Früchte sind reif, insbesondere Beeren und Nüsse, die letzten Lachse kommen den Fraser River hinauf. Es ist die Zeit, in der man erwarten sollte, dass Sasquatches die maximal gute Kondition erreicht haben.

    Revierverhalten ist auszuschließen. So reagiert kein Sasquatch, zumal die Siedlung am Ruby Creek, die Landwirtschaft und der Fischfang, der Bahnbau und sogar der Highway schon eine Weile existierten. In abgeschiedenen Gegenden wäre ein Angriff gegen die Hütte, wie bei Fred Beck am Ape Canyon, möglich. So etwas ist auch aus Nordkanada bekannt, aber in Ruby Creek? Zwischen Kartoffelfeldern, Weiden, der Eisenbahn und dem Highway? Das ist kein Sasquatch-Territorium mehr.

    Was tut der Sasquatch im Haus?

    Auch das Verhalten des Besuchers im Haus ist merkwürdig. Alleine die Tatsache, dass er in ein bis vor sehr kurzer Zeit von Menschen bewohntes Haus eindringt, ist ungewöhnlich. Zerstörungswut liegt Sasquatches fern. Bisher wird überall, wo sie auftreten, vorsichtiger Umgang mit menschlichen Gegenständen berichtet. Durch ihre Kraft und vermutlich eine gewisse Ungeschicklichkeit, aber auch Neugierde geht schon mal etwas zu Bruch. Aber dass sie ein Fass mit Vorräten in den Garten schmeißen und dabei zerbrechen, passt nicht recht zu dem, was sonst berichtet wird.
    Ebensowenig passt, dass George Chapman an jedem Türsturz Haare gefunden haben will. Sasquatches sind Waldbewohner. Die von ihnen offenbar bevorzugten gemäßigten Regenwälder der Westküste sind  gerade im US-Bundesstaat Washington und im Süden British Columbias extrem dicht. Ein Bewohner müsste also instinktiv immer darauf bedacht sein, sich nicht den Kopf an einem Ast zu stoßen. Da soll er sich in der Hütte an jedem Türsturz so gestoßen haben, dass er Haare dort lässt?

    Die Reaktion von Jeannie Chapman

    Nochmal zur Rekapitulation: Jeannie Chapman, mindestens dreifache Mutter, offenbar Hausfrau, erfährt von ihrem neunjährigen Sohn, dass eine Kuh den Berg herunter rennt. Der Sohn ist verstört. Wie kommt es, dass der Neunjährige ein zweibeiniges Wesen für eine Kuh hält, obwohl er zweifelsfrei Kühe kennen müsste? Welche Mutter versucht nicht zuerst, das Kind ins -vor Kühen- sichere Haus zu holen und zu beruhigen, als sich um die vermeintliche Kuh zu kümmern? Doch Jeannie Chapman den Angreifer als Bedrohung für sich und ihre Kinder, wähnt sich im Hause als nicht sicher und lässt eines ihrer Kinder ein Betttuch holen. Das ist eine geniale Idee, so kann sie gleichzeitig die Kinder vor einem Bären oder Puma verbergen und größer und bedrohlicher wirken. Hatte sie diesen Geistesblitz in diesem Moment oder gehört dieser Trick zum Repertoire ländlich lebender First Nations?

    Der Fraser River etwa auf der Hähe von Ruby Creek

    Ivan T. Sanderson in seinem Büro, 1965

    Was tut der Sasquatch, nachdem er die Hütte der Chapmans verwüstet hat? Er folgt der Familie nicht, was noch verständlich ist. Jeannie Chapman und die Kinder werden jeden Lärm geschlagen haben, zu dem sie fähig waren. Sasquatches meiden die menschliche Nähe, also auch den Lärm und es dürfte ihnen auch klar sein, dass Lärm weitere Menschen anlocken könnte. Statt ihr zu folgen, verzieht er sich durch ein -der Jahreszeit entsprechend- abgeerntetes Kartoffelfeld auf eine Sandbank im Fluss. Dort irrt er (scheinbar ziellos?) umher, um dann wieder über das Kartoffelfeld in den Wald zu verschwinden. Was macht er auf der Sandbank? Mir fällt hierzu nur eine Erklärung ein: Er hatte vom eingesalzenen Lachs gefressen und Durst bekommen. Das Umherirren könnte einfach nur bedeuten, dass er mehrere Stellen eines ihm unbekannten Geländes untersucht, ob er da ans Flusswasser kommt, ohne in den Fluß zu fallen. Danach hat er das getan, was Sasquatches tun: er ist im Wald verschwunden.

    Widersprüche

    Offenbar gibt es aber mehrere Erzählvarianten dieses Vorfalls. Die Quellen widersprechen sich im Datum des Vorfalls sowie im Verhalten der Menschen und des Sasquatch nach dem Vorfall.

    Die Location ist heute noch vorhanden und kann besucht werden. Das Haus und der Schuppen sind jedoch abgerissen worden und durch ein größeres Haus an einer benachbarten Stelle ersetzt worden. In der Nähe von Ruby Creek gibt es einen Sasquatch Provincial Park, einen ruhigen Park für Camping und Bootsfahrten.

     

    Korrekturen:

    Ich bin beim Verfassen des Artikels zwei Irrtümern aufgesessen. Ich habe George Allen Agogino als Ivan T. Sanderson abgebildet. Das Bild habe ich zwischenzeitlich ausgetauscht.
    Ivan T. Sanderson hat die Familie Chapman zweifelsfrei interviewt. Die Verwechslung mit Ivan Marx lag am Vornamen. Über die „Arbeit“ von Marx als Kryptozoologe schweigt des Autors Höflichkeit.

    Danke an Ulrich Magin für den Hinweis.

     


    Literatur:

    Wikipedia über Ivan T. Sanderson

    Wikipedia über den Fraser River Goldrausch

    Sanderson, I. T. (1960): True Magazine, March


    Dieser Beitrag und die mit seinem Namen oder Kürzel gekennzeichneten Bilder unterliegen dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Ein neues Sasquatch-Bild sorgt für Wirbel – Geheimnis gelüftet

    von: Tobias Möser

     

    Seit einigen Tagen verbreitet sich ein neues Bild wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien. Es zeigt angeblich einen Sasquatch, der in eine Wildkamera schaut. Das Gesicht ist nur angeschnitten, nur ein Auge ist sichtbar. Im Hintergrund sind Bäume zu sehen. Mehr ist nicht zu sehen, aber das Wenige, was da ist, untersuchen wir näher.

    Ein Wildkamera-Foto

    Das Bild ist in Graustufen (sog. Schwarz-Weiß-Foto) und misst in der größten, im Web über eine Suchmaschine findbaren Version 531 x 353 Pixel. Es hat eine Auflösung von 96 ppi und eine Farbtiefe von 24 bit.

    Angebliches Bigfoot-Foto
    Das angebliche Sasquatch-Foto. Urheber unbekannt

    Das Bild ist vermutlich zunächst in der Facebook-Gruppe „Expedition Bigfoot“ aufgetaucht. Laut dieser Gruppe stammt es von einem Mann aus dem US-Bundesstaat Georgia. Die Kamera sei von einem Baum heruntergeschlagen worden.

    Technik von Wildkameras

    Wildkameras sind (heute meist digitale) Kameras in einem wetterfesten Gehäuse. Sie haben einen Bewegungs- oder Infrarotsensor und meist einen Blitz, der im nahen Infrarotbereich arbeitet. Die Aufnahmen werden in einem Speichermedium (z.B. SSD-Card) gespeichert oder per MMS oder E-Mail an einem Empfänger verschickt.

    Die Bildsensoren entsprechen hier den gängigen Digitalkameras, von einfachen Modell eines Billig-Handys bis zum hochwertigen CMOS-Sensor einer digitalen Spiegelreflex-Kamera. Gleiches gilt für die Optik, von der einfachen Kunststofflinse bis zu einer adaptiven Glasoptik mit mehreren Linsen kann eine Wildkamera alles bieten – nur eine Frage des Preises.

    Leider fehlt uns jede Information über die verwendete Kamera. Dies wäre unter Umständen wichtig, wenn es darum geht, die Echtheit des Bildes zu beurteilen.

    Was ist „nahes Infrarot“?

    Der „nahe infrarot“-Bereich ist der Bereich des Lichtspektrums, der sich direkt dem sichtbaren (roten) Licht anschließt. Für die Profis: hier gibt es Wellenlängen zwischen 780 und 1400 nm (IR-A). Auch die Bereiche zwischen 1400 und 3000 nm sind durch diese Bezeichnung noch abgedeckt, werden aber als IR-B bezeichnet.

    Spektrum des sichtbaren Lichtes und dessen Randbereichen (by Horst Frank CC 3.0)

    Digitalkameras können diesen Bereich aufnehmen, v.a. wenn sie keinen Infrarotfilter haben. Sichtbar ist dieser Bereich für Menschen nicht, aber es ist nicht auszuschließen, dass tagaktive Tiere ihn sehen. Bei der Infrarotfotografie tritt oft der „Wood-Effekt“ auf.

    Dieser für die Infrarotfotografie typische Effekt ist nach seinem Entdecker Robert Williams Wood benannt, nicht nach den Wäldern, in denen er hauptsächlich auftritt. Blattgrün erscheint im nahen Infrarot weiß, da Chlorophyll dieses Licht durchlässt und das Licht nur vom in den Blättern enthaltenen Wasser reflektiert wird. Der Himmel einer Wood-Aufnahme erscheint hingegen dunkel. Tritt dieser Effekt auf, kann man mit Sicherheit von einem Infrarot-Bild ausgehen, tritt er nicht auf, ist das Bild nicht im nahen Infrarotbereich geschossen worden.

    Erste Überprüfungen

    Bei der ersten Frage kümmere ich mich um den Sensor, mit dem das Bild aufgenommen wurde. Da dem Foto sämtliche Meta-Informationen fehlen, kann ich nur das beurteilen, was ich in dem Bild sehen kann.

    Das Maß des im Netz erschienen Fotos ist ungewöhnlich. 531 x 353 Pixel entspricht keinem gängigen Kamera- oder Vorschaubild-Maß. Das Seitenverhältnis liegt bei etwa 3:2.

    Infrarot-Aufnahme
    Aufnahme im nahen Infrarotbereich mit Wood-Effekt

    Ein Bild mit dem Seitenverhältnis 3:2 und einer Auflösung von 3 Megapixel hat ein Maß von 2121 : 1414, was ziemlich genau dem Vierfachen des betreffenden Bildes entspricht. Das nächste gängige Vielfache sind 12 MP mit 4242 : 2828, das ist das Sechzehnfache. Beide Maße sind gängige Auflösungen, wobei 3 MP heute kaum noch neu in den Handel gelangen. Höhere Bildauflösungen sind nicht wesentlich teurer, machen sich im Marketing aber gut.

    Handelt es sich um eine Infrarot-Aufnahme?

    Laut dem Beschreiber in der ersten Veröffentlichung wurde die Kamera vom Baum gehauen und lag zum Zeitpunkt des Fotos so, dass sie in den Himmel fotografierte. Das deckt sich mit der Position der Bäume und dem Verlauf von Stämmen und Ästen. Der Himmel müsste also seinen Zenit ziemlich mittig über der Kamera haben.

    Nun kommt der Wood-Effekt ins Spiel, bzw. er fehlt. Die Blätter sind zwar heller, als die abschattenden Äste, aber alles andere als weiß. Hinzu kommt der Himmel, der eben nicht dunkel ist. Im Gegenteil, er ist in einigen Bereichen so hell, dass er die Zweige der Bäume überstrahlt.

    Die Aufnahme ist also nicht mit einer Infrarot-Kamera gemacht worden, sondern mit einem „gewöhnlichen“ Sensor im Bereich des sichtbaren Lichtes.

    Wieso ist die Aufnahme dann schwarz-weiß?

    Umgangssprachlich schwarz-weiß zeigt die Aufnahme verschiedene Graustufen. Solche Bilder entstehen, wenn ein Infrarot-Blitz verwendet wird. Üblicherweise werden hier Wellenlängen von 940 nm verwendet (siehe oben). Diese sind weder für Menschen, noch für Tiere sichtbar. Um Fehlfarben zu vermeiden, werden diese Bilder direkt in Graustufen dargestellt.

    Jpg-Bilder können 256 Graustufen darstellen. Bei unbearbeiteten Bildern erwartet man, dass jede dieser Graustufen mehr oder weniger stark besetzt ist. Hat das Bild hohe Kontraste, wird ein Teil der hellen Pixel einheitlich weiß dargestellt und ein Teil der dunklen Pixel einheitlich schwarz.

    Bei diesem Bild tritt die erste Besonderheit auf: der hohe Anteil dunkler Pixel liegt nicht bei der Helligkeit 0, sondern im Bereich von 56. Das bedeutet, das Bild wurde künstlich aufgehellt, einige wenige Bereiche ließen sich kaum aufhellen und blieben schwarz.

    Histogramm des angeblichen Sasquatch-Bildes

    Elster auf Rasen
    Foto einer Elster als Beispiel

    Histogramm des Elster-Fotos
    Histogramm des Elster-Fotos

    Was ist mit dem Blitz?

    Das Bild wurde offensichtlich mit Hilfe eines Blitzlichtes erstellt. Vermutlich (siehe oben) handelt es sich dabei um einen Infrarotblitz. Der Reflex des Blitzes ist auf dem Auge des (vermeintlichen) Sasquatchs deutlich zu sehen.

    eindeutig sichtbarer Rote-Augen-Effekt

    Der Lage und Form des Reflexes nach, ist der Blitz rechts über dem Objektiv montiert, jedoch sehr dicht dran. Liegt der Blitz sehr dicht am Objektiv, ruft das den „Rote-Augen-Effekt“ hervor. Dieser vor allem aus den 1990ern bekannte Effekt wird urch die Reflexion des Blitzes durch die stark durchblutete, rote Netzhaut des Auges hervorgerufen. Wenn die Person direkt in das Objektiv blickt, ist der Effekt besonders hervorstechend, tritt aber allgemein immer dann auf, wenn das an der Netzhaut reflektierte Blitzlicht in gerader Linie ins Objektiv zurückfällt. Dies ist hier ganz offenbar der Fall. Trotzdem tritt der Effekt nicht auf.

    Hieraus ergibt sich die Frage, ob der Rote-Augen-Effekt auch bei Infrarot-Blitzen von 940 nm auftritt. Die kurze Antwort ist: ja. Die längere Antwort ist: ja, nicht nur beim Menschen, sondern sogar verstärkt bei Tieren. In diesem Artikel sind zwei Bilder zu sehen, in denen der Rote-Augen-Effekt durch Infrarotblitz deutlich auftritt. Ich habe leider kein Bild eines Menschen in einem Infrarot-Blitz gefunden, das ich hier verwenden darf.
    Für die ganz kritischen Leser: Die Kamera, die laut Artikel verwendet wurde, war eine SecaCam HomeVista mit 940 nm-Blitz-LED, genaueres in den Links unten.

    Um den Rote-Augen-Effekt zu verringern, haben die Kamerahersteller den „Vorblitz“ erfunden. Er regt durch seine Helligkeit die Pupillen dazu an, sich zu schließen und damit weniger Licht ins Auge zu lassen. Auf dem Bild oben sind eindeutig weit geöffnete Pupillen zu sehen. Bei IR-Blitzen, insbesonder den „schwarzen“ mit 940 nm funktioniert der Vorblitz nicht, denn das Licht ist nicht sichtbar. Wie soll das Auge darauf reagieren?

    Beim Menschen tritt der Rote-Augen-Effekt nur schwach auf, wir sind, wie die meisten höheren Primaten, an ein Leben am Tag angepasst und haben deswegen kein Licht reflektierendes Tapetum lucidum. Beim Sasquatch ist ähnliches zu erwarten, falls es sich um einen höheren Primaten handelt. Alle anderen in Frage kommenden Tiere, vom Wildschwein über Schwarz- und Grizzlybären bis zum Puma haben ein Tapetum lucidum. Ihre Augen würden das Licht des Blitzes noch deutlich stärker reflektieren, vermutlich würde die Pupille den direkten Umkreis überstrahlen.

    Wo wurde das Bild aufgenommen?

    Farm in Kanada
    Farm in Sasketchewan, nicht unbedingt ein potenzielles Sasquatch-Habitat

    Laut der Website eFree News stammt das Bild nicht aus Georgia, sondern wurde von einem Jäger in der Gegend von Manyberries in Kanada aufgenommen. Manyberries liegt in den Great Planes, die Vegetation hier ist von niedrigen Büschen (Name!) und von Gras geprägt, Bäume kann man schon fast als Seltenheit bezeichnen. Ich empfehle eine google-Maps-Tour durch die Gegend.

    30 bis 40 km nordöstlich von Manyberries liegen die Cypress Hills, die bewaldet sind. Hier herrschen Banks-Kiefern vor, Laubbäume spielen nur eine geringe Rolle, sie sind oft durch die starken Winde in Krüppelformen gedrückt. Das Bild kann hier nicht entstanden sein.

    Nach allem, was über den Sasquatch „bekannt“ ist, handelt es sich um einen Waldbewohner. Ein Großteil der Sichtungen, Vokalisationen und sonstigen Spuren stammt aus Gegenden dichten Waldes. Die First Nations, die in den Wäldern der Rocky Mountains und der Küstenkordilleren bewohnten, sahen im Sasquatch ein reales Wesen. Die Plains-Bewohner unter den First Nations sahen im Sasquatch eher ein Geistwesen, das wenig Zusammenhang mit der realen Welt hatte.

    In den Plains von Manyberries wäre ein Sasquatch bei Tag und Nacht aus einigen hundert Metern sichtbar – unpraktisch für ein so diskretes Lebewesen. eFree News teilt die Meinung, dass die Umgebung von Manyberries nach allem, was wir zu wissen glauben, kein Sasquatch-Lebensraum ist.

    Doch Georgia?

    Georgia als fast subtropischer Bundesstaat mit niedrigen Mischwäldern wirkt hier sehr viel wahrscheinlicher als Ort für das Foto. Dennoch ist dieser Bundesstaat auch kein optimales Sasquatch-Habitat, die Wälder sind zu licht, um so großen Wesen ausreichend Deckung zu bieten. Aus diesem Staat gibt es kaum Sichtungsberichte, so dass davon auszugehen ist, dass er hier nicht bis selten vorkommt.

    Um den Ort des Fotos, unabhängig von irgendwelchen Aussagen, zu bestimmen, müsste man wenigstens wissen, was das für Bäume im Hintergrund sind. Die Bestimmung ist aber nicht möglich, Blätter und Rinde sind zu unscharf.

    Das Verhalten des Sasquatch

    Bisher gelten alle Sasquatches oder wie immer sie lokal genannt werden, als extrem zurückgezogen. Kaum scheint jemand Interesse an ihnen zu haben, sind sie unauffindbar. Vor Wildkameras, gleich welchen Typs ist nie auch nur ein Sasquatch-Hintern zu sehen gewesen. Und jetzt soll sich ein solches Wesen so intensiv mit der Cam „vergnügen“, dass da ein Portrait geschossen werden konnte? Mehr als unglaubwürdig.

    Gelegentlich wird von einigen kryptozoologisch Tätigen vermutet, dass Sasquatches die Fähigkeit haben, im nahen IR-Bereich zu sehen. Sie würden dann für uns schwarze Blitze oder Suchstrahler bemerken und vermeiden. Diese Fähigkeit ist auf den ersten Blick nicht auszuschließen, jedoch müsste einmal sensorchemisch überprüft werden, ob die Energie von 940 nm noch ausreicht, um einen Sehvorgang auszulösen. Bisher ist kein Tier bekannt, das diese Fähigkeit hat. Die Wärmesensoren einiger Schlangen basieren auf anderen Prinzipien.

    Die Optik der Kamera

    Die erste Kritik an dem Foto wurde durch den kaum vorhandenen Schärfeverlauf der Kamera laut. Normalerweise hat eine Kamera einen Bereich maximaler Schärfe, der je nach Optik, Entfernung und anderen Faktoren eine definierte Tiefe, die Schärfentiefe hat. Je weiter ein Objekt von diesem Schärfebereich entfernt ist, um so unschärfer wird es abgebildet. Hier wird der vermeintliche Sasquatch ziemlich scharf und auch der Baumstamm links im Bild ziemlich scharf abgebildet. Ist das möglich? Ja, wenn der Bereich maximaler Schärfe ziemlich groß ist und zwischen den beiden Elementen liegt.

    Im weiteren Verlauf des Baumes wird dieser um so unschärfer, um so weiter er von der Kamera entfernt ist.

    Genaueres lässt sich erst mit Kenntnis der Kameraoptik sagen. Aber das ist eher eine Sache für Spezialisten, hier steht einiges an Berechnung im Raum.

    Das Gesicht in der Kamera

    Puma, man beachte die Zeichnung um die Augen

    Über das Gesicht habe ich lange gerätselt. Die Iris ist rund, die Pupille auch. Von der weißen Sclera (Lederhaut) ist wenig zu sehen, zu wenig für einen Menschen, aber zu viel für einen Bären oder einen Puma.

    Die Größe des Auges ist bemerkenswert, sollte hier kein Weitwinkeleffekt mitspielen, wirkt es fast Gollum-esk. Der rund wirkende Kopf unterstreicht diesen Eindruck noch. Ein heller Streifen liegt über dem Auge. Einige Großkatzen wie der Puma haben solche Streifen – unter dem Auge. Die Haare wirken dünn, aber ubiquitär, Brauen oder Vibrissen scheinen zu fehlen. Vom Auge geht ein dunkler Strich nach oben. Dreht man das Bild um 180°, wirkt er wie die Nasenbegrenzung eines Pumas.

    Für einen Puma ist dann allerdings der Kopf zu hoch. Das Ohr ist noch seltsamer. Es steht seitlich am Kopf, wirkt unbewegt. Jedes aufmerksame Tier hätte das Ohr nach vorne gedreht – und ein Tier, das eine Trailcam untersucht, ist aufmerksam.

    Insgesamt wirkt der Kopf, als wäre er aus unterschiedlichen, teilweise auf dem Kopf stehenden Elementen zusammengebaut.

    Fazit

    Die Herkunft des Bildes ist mehr als unklar, zumal es sich bei dem Bild aus dem Web nicht um ein Original, sondern mindestens um eine beschnittene und aufgehellte Version handelt. Die Lokalisierung aufgrund der Bäume oder anderen Bildinhaltes ist nicht möglich.

    Das Gesicht wirkt wie ein Modell, ob nun physisch in die Kamera gehalten oder elektronisch ins Bild kopiert, ist unklar. Selbst wenn es sich nicht um ein Modell handeln sollte, hat es sehr wenig Ähnlichkeit mit dem Aussehen, das man bisher von Sasquatches kennt.

    Letztlich besagt das alles nicht viel, denn durch den fehlenden Rote-Augen-Effekt ist eindeutig belegt, dass es sich hierbei um ein Fake handelt.


    Literatur:

    Stern: Die besten 9 Wildkameras im Vergleich … Hier gibt es tiefergehende Informationen zu Infrarotblitzen, lesenswert, wenn man tiefer in die Materie einsteigen will.

    Wikipedia: Cypress Hills

    Wikipedia: Rote-Augen-Effekt

    Wildkameratest: Imker kurz vor der Verzweiflung

    Wildkameratest: SecaCam Homevista

    Reddit: New Episode of Apes among us

    eFree News: Bigfoot caught looking in trail cam


    Dieser Beitrag und die mit seinem Namen oder Kürzel gekennzeichneten Bilder unterliegen dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Bigfoots am Mount St. Helens

    Von: Tobias Möser

    Der Mount St. Helens ist ein aktiver Vulkan im Süden des US-Bundesstaates Washington. Er ist Teil der Kaskadenkette und damit des pazifischen Feuerrings. Mit heute etwa 2540 m Höhe überragt er die umliegenden, etwa 1400 m hohen Bergrücken der Kaskadenkette deutlich. Durch seine Höhe und Form spielt er in der Mythologie der umliegenden First Nations der Klickitat und Binnen-Salish eine große Rolle.

    Durch einen verheerenden Ausbruch bekannt

    In der westlichen Kultur wurde der Mount St. Helens vor allem durch einen verheerenden Ausbruch am 18. Mai 1980 bekannt. Er galt als „ruhender Vulkan“, brach aber nach einer Serie von Erdbeben wieder aus. Der gesamte nördliche Berggipfel rutschte den Hang herab. Asche und Gaswolken wurden bis in eine Höhe von 18 km befördert. Pyroklastische Ströme, in denen Temperaturen von über 640° C gemessen wurden, rasten mit Geschwindigkeiten von über 400 km/h die Bergflanken herab.

    Ein Lahar, der mit hoher Geschwindigkeit die Bergflanke herabsauste, sorgte für weitere Verwüstung. Lahare sind Lawinen, die entstehen, wenn sich pyroklastische Ströme mit Eis und Schnee mischen und diese aufschmelzen. So stieg der Wasserstand am Fuß des Berges binnen kürzester Zeit um 9 m über die normalen Hochwassermarken.

    Insgesamt starben mindestens 57 Menschen, 1500 Wapitis und 5000 weitere Hirsche. Der Ausbruch wird mit einem Vulkanexplositiätsindex von 5 bewertet, etwa vergleichbar mit dem Pompeji-Ausbruch des Vesuvs, 79 n.Chr.

    ein spitzer, oben schneebedeckter Bergkegel vor einem blauen See
    Der Mount St. Helens vor seiner Aktivität 1980, Blick über den Spirit Lake. Foto: US Geological Service

    Ein schneebedeckter Berg mit einem deutlichen Krater vor einem blauen See
    Der Mount St. Helens am 19. Mai 1982, zwei Jahre nach der verheerenden Explosion. Foto: US Geological Service

    Der Mount und der Sasquatch

    Gemälde mit einem ausbrechenden Vulkan und einem Kanu, dessen Insassen das Licht einfangen
    Der aktive Mount St. Helens bei Nacht, Gemälde von Paul Kane

    Nicht nur für die First Nations, sondern auch für die ersten Pioniere und Naturbeobachter schätzten den Mount als charakteristische Wegmarke. So kamen sie relativ früh auch mit der Mythologie der First Nations in Kontakt. Einer der ersten war der kanadische Ethnologe und Maler Paul Kane, der auf seiner zweiten Reise den Westen der USA erforschte. Hierbei lebte er im Jahr 1847 eine Woche unter den indigenen Völkern im direkten Umkreis des Mount St. Helens. Hierbei erfuhr er von menschenfressenden Kreaturen namens Skookum.

    Anmerkung: Das Wort Skookum ist in verschiedenen Versionen bei den waldbewohnenden First Nations der US-Westküste bekannt. Es beinhaltet eine Warnung vor etwas physisch Überlegenem (Skookum Wasser = starke Stromschnellen), oft bezieht sich das Wort auf Orte, aber auch auf Lebewesen. Oft wird der Begriff in Verbindung mit Sasquatch-Beobachtungen verwendet. Durch die nicht immer klare Trennung von physischen und Geistwesen in ihrer Mythologie ist es schwierig, auszumachen, was Skookum in einem konkreten Fall bedeuten soll.

    Der Fred Beck-Vorfall am Mount St. Helens

    Wesentlich jünger ist ein Vorfall aus dem Sommer 1924. Ein Goldsucher namens Fred Beck und vier andere Schürfer bezogen ihren Claim namens „Vander White“. Er lag bzw. liegt 2 Meilen ost-südöstlich der Kraterregion des Mt. St. Helens. Hier bauten sie eine „Cabin“ nahe eines tiefen Canyons. Meist handelt es sich bei diesen „Cabins“ um sehr einfach zusammengezimmerte Blockhütten, die aus kaum oder unbearbeiteten Stämmen bestehen, deren Zwischenräume manchmal mit Lehm verschmiert wurden. Beck’s Hütte hingegen bestand zumindest teilweise aus Brettern. In der Regel sind Cabins eher einfache Hütten, meist nur mit einer Tür, ohne Fenster. Sie dienen meist gleichzeitig als Schlafplatz, Lager und Wetterschutz. Das Holz arbeitet beim Trocknen und bei wechselnden Temperaturen, so dass immer wieder Löcher im Lehmverputz entstehen. Oft, aber nicht immer haben sie eine gemauerte Feuerstelle.

    Große Fußspuren – und die Verursacher

    Die Goldgräber entdeckten schon kurz nach ihrem Eintreffen große Fußspuren, die sie keinem bekannten Tier zuordnen konnten. Die größten maßen in der Länge 19 Inches (48 cm). Eines Abends hörten sie charakteristisches Pfeifen und hämmernde Geräusche, die etwa eine Woche lang jede Nacht zu hören waren. Später, als Beck mit einem anderen Mann an einer nahen Quelle frisches Wasser holte, sahen sie aus einer Entfernung von knapp 100 m eine seltsame Kreatur. Becks Begleiter schoss dreimal auf die Kreatur, die verschwand. Kurze Zeit später erschien sie in ungefähr 180 m Entfernung erneut, diesmal schoss Beck dreimal, worauf die Kreatur wieder verschwand.

    Karte der Region um den Mount St. Helens
    Karte der Region um den Mount St. Helens, NACH dem Ausbruch. Der Krater öffnet sich nach Norden. Der besagte Ape Canyon liegt ost-südöstlich davon und ist blau markiert

    Vergilbte Fotoaufnahme von vier Männern, die an einer Bretterhütte stehen
    Zeitungsfoto, das die Untersucher bei der belagerten Hütte zeigt. Von links nach rechts: Burt Hammerstrom, freier Journalist; Bill Welch, Waldaufseher an der Spirit Lake Ranger Station; Frank (Slim) Lynch, Reporter aus Seattle; and Jim Huffman, Waldaufseher für den Spirit Lake district. Sie haben auch Fußabdrücke festgestellt, aber wenn Fotos gemacht wurden, sind sie bisher nicht veröffentlicht worden.

    Nächtlicher Besuch

    Als Beck am Abend seinen Kollegen davon erzählte, war man sich einig, die Hütte am nächsten Morgen zu verlassen. In der Nacht wurde die Hütte aber bereits von mehreren dieser Kreaturen angegriffen: Sie begannen mit Steinen zu werfen. Da es keine Fenster gab, konnten die Männer die Angreifer nicht richtig sehen. Später kamen die Kreaturen aufs Dach und versuchten, die Türe der Hütte einzureißen, eine der Kreaturen griff durch eine kleine Öffnung („chinking space“) nach einer Axt und konnte nur mit einem Schuss vertrieben werden. Während des gesamten Angriffes, der die ganze Nacht dauerte, feuerten die Männer ihre Waffen durch die Wände und das Dach.

    Als das Licht am nächsten Morgen ausreichte, verließen die Männer fluchtartig die Hütte, ohne ihre Ausrüstung mitzunehmen. Beck entdeckte an einer Schlucht eine der Kreaturen und schoss aus etwa 70 Metern auf sie. Das Wesen stürzte etwa 120 m tief in die Schlucht.

    Später stellte Fred Beck mit einem seiner Begleiter einige Szenen für eine Zeitung nach. Die Schlucht wurde später Ape-Canyon genannt.

    Die Location ist nach der Explosion des Mt. St. Helens 1980 zwar teilweise überformt, aber nicht weggesprengt oder unter Lava oder Schlamm begraben worden.  Die Hütte war bis in die 1960er Jahre noch zu finden, danach ist sie abgebrannt. Die Umgebung ist nach dem Ausbruch nicht wieder zu erkennen.

    Erste Gerüchte

    Wenn die lokalen First Nations eine Kreatur namens Skookum kennen und Fred Beck mit seinen Leuten die Wahrheit sagt, dann könnte es im Umkreis des Mount St. Helens eine Population von Sasquatches geben. Wenn es sich hierbei um physische Wesen handelt, sind auch sie zwangsläufig durch den Ausbruch des Vulkanes in Mitleidenschaft gezogen worden.

    Bei den Erkundungen des durch den Ausbruch verwüsteten Gebietes hätte man also eine gute Chance gehabt, einen oder mehrere Sasquatch-Kadaver bergen zu können. Genau davon geht der US-Autor Nick Redfern aus…

    „Jemand“ hat gehört…

    Bei Mysterious Universe schreibt er, dass das United States Army Corps of Engineers einige große, haarige, affenartige Körper aus dem Gebiet geflogen haben soll. Der Rest der Story wirkt wie ein ziemlich stereotyper Verschwörungsroman, bei dem es um Vertuschungen einer „bösen“ Regierung geht.

    Redfern bezieht sich zunächst auf eine Meldung bei bigfootencounters: Auf dem Ray Crowe’s Western Bigfoot Meeting brachte „someone“ das Gespräch auf die Folgen des Mt. St. Helens-Ausbruch. Der Zeuge will gehört haben, dass das Army Corps of Engineers etwa zwei Monate nach dem Ausbruch zwei Körper toter Bigfoots aus Ausbruchsgebiet herausgeschafft habe. Ein anderer Zeuge bestätigt die Bergung zweier Körper, legt diesen Zeitraum jedoch deutlich früher, zwei Wochen nach dem Ausbruch. In beiden Fällen sollen sie in einem Netz von einem Helikopter weggetragen worden sein.

    Ein dritter Zeuge bestätigt, dass ein Kran oder Bagger ein Loch ausgehoben habe, in dem man die Kadaver verbrannter Hirsche, weiterer Tiere und auch Sasquatches vergraben habe. Er nennt den Betreiber des Krans: die „Manatowaka Company“.

    Der Soldat im Ruhestand

    Auch der zweite Teil der Story passt in die Stereotype. Lange nach dem Eintritt in den Ruhestand fühlt sich ein ehemaliges Mitglied der Nationalgarde nicht mehr an seine Geheimhaltungspflichten gebunden. Er erzählte 2012, dass nicht alle der geborgenen Bigfoots tot waren. Einige waren ernsthaft verbrannt oder verletzt. Angeblich hätten sogar ein oder zwei unverletzte Bigfoots das Militär an eine Stelle gelotst, an der mehrere verletzte, haarige Riesen lagen. Sanitäter der US Army hätten ihre Wunden wie bei Menschen behandelt.

    Redferns Bewertung

    Nick Redfern bewertet die Gerüchte als faszinierend. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass die Glaubwürdigkeit der Zeugen massiv darunter leidet, dass sie weder Namen noch ihren damaligen Rang oder ihre Funktion beim Militär nennen. Er hält die Geschichten für unklar und kontrovers, aber potenziell bahnbrechend.

    Realitätscheck

    Heute ist es unmöglich, den Wahrheitsgehalt der Skookum-Erzählungen der First Nations vor 1847 nachzuvollziehen. Wie oft bei solchen Mythen trennen die Mitglieder der First Nations nicht klar zwischen physischer und spiritueller Welt, so dass hinter dem Skookum-Phänomen alles Mögliche stecken könnte. Ein mehr oder weniger aktiver Vulkan ist definitiv ein gefährlicher Ort, selbst wenn gerade kein großer Ausbruch stattfindet. Von warmen Quellen, die unvermittelt kochend und damit tödlich heiß werden über ätzende oder betäubende vulkanische Gase bis zu kleinen Lawinen, aufbrechende Spalten und Erdbeben: Er ist unberechenbar, lebensgefährlich und kann Körper einfach verschwinden lassen: Skookum.

    Auch die Story von Fred Beck und seinen Leuten ist heute nicht mehr nachvollziehbar, obwohl sie vor nicht einmal 100 Jahren in vielen Zeitungen erschien. Die Goldsucher hatten in ihrer Panik alles andere zu tun, als physische Beweise zu sichern. Die Hütte ist abgebrannt, die Umgebung des Ape Canyon durch den Ausbruch völlig überformt.

    „Grau, mein Freund, ist alle … „

    Mir ist bei den Recherchen zum Mt. St. Helens Ausbruch aufgefallen, dass immer die sehr hartnäckige vulkanische Asche als Hauptproblem genannt wird. Hierbei handelt es sich um feinen Staub aus mineralischen Bestandteilen. Menschen sind daran gestorben, als sie sie einatmen mussten. Der Highway 90 von Seattle nach Spokane wurde für eine Woche stillgelegt: Die Asche verstopfte Luftfilter, kontaminierte Ölsysteme, verklumpte in Vergasern und zerkratzte bewegliche Oberflächen. Tausende Autofahrer sind so gestrandet. Der Flugverkehr um den Mount St. Helens stand 14 Tage still. Sogar für Stromausfälle sorgte die Asche, wenn sie Isolatoren überbrückte und Kurzschlüsse verursachte.

    Zwei Männer mit Pferden in hüfttiefem Schlamm und Staub
    Bob Brown (li.) und sein Bruder John versuchen, drei Pferde aus dem Weyerhaeuser „19 Mile Camp“ in Kid Valley, Washington zu bringen. Die Weide wurde durch den Toutle River in Folge der Eruption des Mount St. Helens überflutet. Foto: US Geological Service

    Luftbild eines Hubschraubers, der neben einem Kleinlaster gelandet ist. Es gibt tiefe Spuren im Staub und einen abgedeckten Leichnam
    Ein Mitglied der Nationalgarde identifiziert eines der Opfer der Eruption. Dieses Bild zeigt die Auswirkungen der vulkanischen Asche. Sie wurde stark vom landenden Heli verblasen und trotzdem hinterlässt der Nationalgardist tiefe Fußspuren im lockeren Staub. Foto: US Geological Service

    In einer solchen Situation soll das US Army Corps of Engineers eine groß angelegte Bergungsaktion gestartet haben? Helikopterflüge waren offenbar begrenzt möglich, denn ein Filmteam wurde schon am 23. Mai am Mount St. Helens abgesetzt und einige Tage später wieder aufgenommen. Aber haben die Behörden das Risiko auf sich genommen, zahlreiche Hubschrauber loszuschicken, um Wildtierkadaver zu bergen?

    Ist die Bergung von Wildtierkadavern realistisch?

    Oben wird von 1500 Wapitis und 5000 weiteren Hirschen berichtet. Ein Wapiti-Bulle wiegt zwischen 300 und 450 kg, eine Kuh zwischen 200 und 250 kg, ein neugeborenes Kalb um die 15 kg. Bei den „weiteren Hirschen“ handelt es sich in erster Linie um Weißwedel- und Maultierhirsche, die wesentlich kleiner sind. Hier kann man 70 bis 150 kg für einen Hirschbullen und 50 bis 100 kg für eine Hirschkuh einsetzen, 10 kg für ein Neugeborenes.

    Der Ausbruch des Mount St. Helens hat am 18. Mai stattgefunden, also mitten im Hochfrühling. Die Hirsche sind noch ausgezehrt vom Winter, haben aber bereits wieder an Gewicht zugelegt, die Jungtiere sind auf der Welt. Man kann also von Gewichten eher im unteren Bereich der Variationsbreite ausgehen. Geschlechterverhältnisse und Gewichte sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:

     

    Hirschbullen Hirschkühe Jungtiere Gesamt
    Wapiti
    5000 Tiere
    720 Tiere
    bei 325 kg => 234 t
    2850 Tiere
    bei 215 kg => 612,75 t
    1430 Tiere
    bei 20 kg => 28,6 t
    5000 Tiere
    875,35 t
    Weißwedelhirsche
    10.000 Tiere
    1250 Tiere
    bei 110 kg => 137,5 t
    5000 Tiere
    bei 75 kg => 375 t
    3750 Tiere
    bei 12 kg => 45 t
    10.000 Tiere
    557,5 t
    Maultierhirsche
    5000 Tiere
    550 Tiere
    bei 82 kg => 45,1 t
    2200 Tiere
    bei 55 kg => 121 t
    2250 Tiere
    bei 10 kg => 22,5 t
    5000 Tiere
    188,6 t

    Sehr viel zu transportieren, aber wurde es überhaupt transportiert?

    Hieraus ergibt sich ein unglaubliches Gesamtgewicht von 1621,45 t der umgekommenen Hirsche. Zieht man hier Schätz- und Rundungsfehler ab, geht davon aus, dass nur 1/3 der umgekommenen Hirsche geborgen weden könnten, weil die anderen vollständig verbrannt oder in der vulkanischen Asche verschüttet sind, so müsste man immer noch mit 500 t toten Tieren rechnen. Hinzu kommen als weitere Großtiere Schwarzbären, die im Gebiet um den Mount St. Helens vorkommen, jedoch in wesentlich geringerer Zahl.
    Ein wesentlicher Faktor in dieser Betrachtung wurde aber noch nicht beachtet: Haus- bzw. Nutztiere. Die Bewohner im betroffenen Gebiet haben ungezählte Rinder und Pferde gehalten, unter denen es mit Sicherheit Opfer gab. Sie sind schwerer als Wapiti-Bullen und leben näher an den Siedlungen. Will man die Kadaver entfernen, um Seuchen zu verhindern, hätten sie höhere Priorität.
    Grob überschlagen hätten hier also zwischen 500 und 700 t an toten Tieren sicher entsorgt werden müssen. Ob das passiert ist, ist unklar.

    Eine Bergungsaktion per Hubschrauber?

    Laut den Zeugen, die Redfern zitiert, waren eine große Zahl von Hubschraubern und mindestens ein Kran beteiligt. Da die Sasquatches angeblich die Mitarbeiter der US-Army zu verletzten Artgenossen geleitet haben, kann dies nur wenige Tage nach dem Ausbruch gewesen sein. Zu dieser Zeit war die Asche aber noch locker und wäre mit jeder Flugbewegung der Hubschrauber in gewaltigen Mengen aufgewirbelt worden.

    1980 standen der US Army und der Nationalgarde von Washington folgende Transporthubschrauber zur Verfügung:

    Modell Tragkraft max.
    Foto eines zweirotorigen Transporthubschraubers Boeing CH-47 „Chinook“ 7 bis 10,5 t
    Foto eines einrotorigen mittelgroßen Hubschraubers Bell UH-1 Iroquois, meist „Huey“ genannt 1 bis 1,5 t
    Foto eines sehr altmodisch aussehenden Hubschraubers Sikorsky H-34 ca. 2 t

    Es ist leicht vorstellbar, wie viele Flüge notwendig gewesen wären, um solche Mengen an Kadavern zu entfernen, insbesondere wenn die starken Chinooks nur in begrenzter Zahl zur Verfügung standen. Von starker, militärischer Hubschrauberaktivität ist jedoch nirgendwo zu lesen. Von daher ist davon auszugehen, dass die zuständigen Stellen (das USACE und die Nationalgarde) nur wenige Kadaver in den Quellbereichen der Flüsse entfernt haben – wenn überhaupt.

    Wesentlich wichtiger war eher die Entsorgung von Kadavern im Nahbereich der Siedlungen. Dies haben Anwohner und Behörden aufgrund der Asche nicht mit Hubschraubern, sondern mit Fahrzeugen, die über staubgeschützte Aggregate verfügten, z.B. Baustellenfahrzeugen erledigt.

    Was ist mit dem Kran?

    Ein Kran mit halboffener Hydraulik, großen, fettgeschmierten Lagern und Elektroantrieb wäre für vulkanische Asche sehr anfällig gewesen. In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie der Kran dorthin gekommen ist. Die Straßen waren unpassierbar. Wieso sollte man einen Kran einfliegen? Für Hebeaufgaben sind Helikopter besser geeignet. Zum Ausheben von Gruben sind Bagger das Mittel der Wahl und sie stehen dem US Army Corps of Engineers zur Verfügung. Allerdings waren die Straßen unpassierbar.

    Wenn man aber auf einen Kran der „Manatowaka Company“ zugriff, dann vermutlich, weil er zufällig vor Ort war.

    Die „Manatowaka Company“ oder doch nicht?

    rot lackierter Seilbagger
    Ein „dredge crane“ der Manitowoc Company, vielleicht eine Verwechslung? Foto: Nate Dawg, CC 4.0

    Bisher hat sich laut der Website Bigfootencounters.com niemand die Mühe gemacht, herauszufinden, ob es 1980 im Süden des Bundesstaates Washington eine Firma diesen Namens gab. Möglicherweise liegt hier auch eine Verwechslung vor. Gibt man den Namen „Manatowaka Company“ in eine Suchmaschine ein, landet man unter dem gar nicht so unähnlichen Namen „Manitowoc Company“ einige Treffer.

    Die „Manitowoc Company“ ist ein Traditionsunternehmen, das Krane und Bagger herstellt und unter dem Namen Manitowoc Raupenkrane vertreibt (andere Produktlinien haben teilweise andere Namen). Der Name ist groß an den Fahrzeugen angeschrieben. Mit einem solchen Gerät wäre man tatsächlich halbwegs mobil gewesen und hätte Kadaver bergen können. Warum auch nicht?

    War das Militär überhaupt da?

    Bisher habe ich keinen Hinweis gefunden, dass die US Army mit militärischen Einheiten vor Ort war. Das oben genannte US Army Corps of Engineers war 1980 am Mount St. Helens und hat im Rahmen einer Sofortmaßnahme den Flusslauf des Cowlitz-Rivers freigeräumt, um das Risiko von Überschwemmungen zu bannen. Allerdings besteht das USACE größtenteils aus Zivilisten, es ist eher dem deutschen THW als einer Pioniereinheit vergleichbar.

    Es gibt ebenfalls Hinweise auf den Einsatz der Nationalgarde. Diese hat bereits vor dem Ausbruch des Vulkans die Straßen der Gegend weiträumig abgesperrt. Einsätze, insbesondere Hilfsaktionen nach dem Ausbruch sind wahrscheinlich, aber für mich derzeit nicht zu belegen.

    Im Gegenteil: Einen Großteil der Aufräumarbeiten erledigten die Gemeinden selber. Viele haben lokale Aschedeponien geschaffen und direkt mit Erde abgedeckt. Andere haben die staubige Masse in alten Minen untergebracht. Auch auf den Kosten von etwa 1,1 Milliarden US$ blieben sie zunächst sitzen. Der Kongress bewilligte Beihilfen von 950 Millionen US$, die über drei verschiedene Organisationen ausgeschüttet wurden.

    Fazit

    Die Geschichte ist mehr als dünn. Redferns Beitrag liest sich wie ein schlechter Verschwörungs-Roman. Sogar der geheimnisvolle Zeuge, der alles gesehen haben will, ist dabei. Natürlich bleibt er anonym. Eigentlich fehlt hier nur der einschüchternde Anruf beim Autor oder bei Zeugen, die danach die Aussagen plötzlich ändern.

    Schaut man sich die Story etwas genauer an, stimmen auch die Fakten nachdenklich. Es gibt keine Hinweise auf eine zentral geplante und koordinierte Sammlung und Entsorgung verendeter Tiere. Sie wäre aufgrund der Vielzahl von Flügen gar nicht zu vertuschen gewesen.
    Dort, wo verbrannte Tierkadaver herumlagen, also mit den Sasquatches zu rechnen wäre, war Helikopterflug nur sehr begrenzt möglich. Jede Annäherung an den Boden hätte die leichte Asche aufgewirbelt, sie wäre zwangsläufig in den Turbinen gelandet und hätte viel Ärger bis hin zu Abstürzen verursacht. Insgesamt wurden mindestens acht Flugzeuge durch die Asche beschädigt, jedoch kein Helikopter. Bei einer großen Zahl von Hubschrauber-Flügen wäre unter diesen Bedingungen fast zwangsläufig mit Unfällen zu rechnen gewesen.
    Einheiten, die eine größere Zahl von Helikoptern hätten einsetzen können, waren gar nicht vor Ort.

    Der Kran, mit dem ein Loch ausgehoben worden sein soll, ist mit großer Sicherheit ein Produkt eines ähnlich klingenden Herstellers und nicht im Betrieb der genannten Gesellschaft. Ob die Erinnerung dem Zeugen einen Streich spielte, oder ob es doch eine Gesellschaft mit diesem Namen gab, ist unklar.

    In der Summe gibt es zu viele Fehler, wenn man nur ein wenig in die Materie eintaucht.


    Anmerkungen:

    Die Wiederbesiedlung des durch die Eruption verwüsteten Gebietes wäre einmal einen Artikel wert. Spannend ist der direkte Vergleich zwischen den Gebieten, in denen das Forstunternehmen Weyerhaeuser die Natur unterstützen wollte und den Gebieten, in denen die Natur frei arbeiten konnte. Da beide Gebiete oft dicht beieinander liegen, könnte man hier von einem natürlichen Labor sprechen. Das wäre auch einmal einen Artikel wert, völlig ohne Sasquatch.


    Literatur:

    Zur Story von Nick Redfern: Mysterious UniverseDie Bigfoot-Encounters: Cowlitz County Bodies

    Im Prinzip dieselbe Story, nur von Washington Bigfoots: Bigfoot Bodys removed after 1980 Mt St Helens eruption

    Das USACE am Mt. St. Helens.

    Die deutsche Webseite von Manitowoc-Cranes

    ICAO: Manual on Volcanic Ash, Radioactive Material and Toxic Chemical Clouds


    Dieser Beitrag und die mit seinem Namen oder Kürzel gekennzeichneten Bilder unterliegen dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Der Sasquatch und das FBI

    In Filmen und Serien, auch in manchen Büchern ist das FBI, kurz für Federal Bureau of Investigation eine machtvolle Behörde. Je nach Ausrichtung sind sie mal die Guten und mal der Teufel in Amtsform. Dem NfK liegt allerdings nichts daran, die Moralität der zentralen Sicherheitsbehörde der Vereinigten Staaten zu bewerten. Wir werden erst aktiv, wenn es um Kryptozoologie geht.

    Und genau mit Kryptozoologie hat sich auch das FBI befasst. Der amerikanische „Freedom of Information Act“, das Gesetz zur Informationsfreiheit von 1967 gibt jedem Menschen auf der Welt das Recht, nach Informationen zu fragen, die in Akten einer Behörde der Vereinigten Staaten stehen und noch nicht veröffentlicht wurden. Ausnahmen betreffen geheimes Material, behördeninterne Kommunikation und nicht gerechtfertigtes Eindringen in die Privatsphäre einzelner Menschen.

    Hat das FBI Sasquatch-Proben untersucht?

    Auszug aus dem Atlas mit Bigfoot-Nachweisen
    Auszug aus dem Atlas des US Army Corps of Engineers mit einer Karte von Spuren und einer Sasquatch-Zeichnung.

    In diesem Rahmen forderte das „Bigfoot Information Center and Exhibition (BIC)“ Informationen vom FBI über den Sasquatch an – 1976. Die Idee, das FBI zu kontaktieren, kam dem BIC durch einen Scherz des US Army Corp of Engineers. Die Engineers publizierten zu dieser Zeit regelmäßig lokale Kartenwerke mit einer detailierten Darstellung der Fauna und Flora der USA. In der Ausgabe zum Pazfischen Nordwesten von 1975 gab es eine Referenz zum Sasquatch: Eine vollständige Karte mit möglichen Sichtungen und einem kryptischen Hinweis auf das FBI: „Angebliche Sasquatch-Haarproben, die von FBI-Laboratorien untersucht wurden, führten zu der Schlussfolgerung, dass bei keinem Menschen oder derzeit bekannten Tier, das darauf untersucht wurde, solche Haare vorhanden sind.“

    Jede Menge Anfragen

    Natürlich blieb dieses bisschen Information nicht ungelesen. Der eine Satz verursachte eine ganze Reihe von Nachrichtenmeldungen, das FBI bekam natürlich eine Menge Anfragen zum genauen Ergebnis der Haaranalyse.

    So bat auch Peter Byrne, damals Direktor des BIC, das FBI am 26.08.1976 um Aufklärung.

    Die Antwort des FBI

    Flußtal in Nordamerika
    Auf dieser Sandbank soll in den 1970er Jahren ein Sasquatch gesehen worden sein. War das ein Irrtum?

    Die Behörde antwortete, dass sie bisher keine Analyse von Haaren eines Kryptiden durchgeführt habe und daher auch keine weiteren Informationen zum Thema liefern könne. Doch die BIC wäre nicht die BIC, wenn Byrne dem FBI nicht hätte weiterhelfen können. Er schickte ein Paket mit einer Probe aus 15 Haaren auf einem Stückchen Haut nach Washington D.C. Er und sein Team könnten es nicht analysieren, ob das FBI nicht helfen könne.

    Das FBI konnte helfen. Obwohl man in erster Linie nach Beweisen für die Strafverfolgung suche, könnte man in Einzelfällen Ausnahmen machen, insbesondere wenn öffentliches oder wissenschaftliches Interesse bestehe, schrieb der damalige Assistant Director Jay Cochran am 24.02.1977 zurück. „Ergebnis unserer Untersuchungen war, dass die Haare von einem Tier aus der Familie der Hirsche stammen.“

    Nichts Neues aus Washington

    Fall geschlossen. Es gibt keinen Sasquatch, jedenfalls was die einzige bekannte Haaruntersuchung des FBI in der Kryptozoologie angeht.

    Quelle:

    Motherboard: The FBI has published its cache of Bigfoot Files

    FBI: Kopien des Vorganges


    Kommentar

    Von Tobias Möser

    Blick über Redwood-Wälder mit tiefhängenden Wolken
    Abends hört man aus den Redwood-Wäldern oft unheimliche Rufe und Trommeln. Nur ein Tier?

    Diese Meldung ist vorgestern auf dem Internetportal vice.com veröffentlicht worden und wurde in den sozialen Medien stark geteilt und diskutiert. Neu ist daran nichts, selbst die älteste „neue“ Tatsache, ist über 40 Jahre alt: 1976 hatte jemand beim FBI genug Interesse an Kryptozoologie, um die Anfrage von Peter Byrne nicht umgehend abzulehnen und den Brief zurückzuschicken.

    Allerdings hat sich seit der Antwort des FBI in Sachen Sasquatch nichts Substanzielles getan. Gute Aufnahmen fehlen nach wie vor, es gibt ein paar hundert vermeintliche Fußabdrücke, Wegzeichen und Berichte von Lautäußerungen. Eine groß angelegte, angeblich wissenschaftliche Studie haben unerfahrene Labormitarbeiter so sehr versaut, dass sich keine Peer-Review-Zeitschrift zur Publikation fand.

    Einzelne Projekte geben immer wieder an, sie hätten eine neue, heisse Spur. Die einen haben den Abdruck eines im Matsch sitzenden und Äpfel schmausenden Bigfoot. Die anderen kommen mit einer Nahaufnahme, die so sehr nach der Star Wars Figur Chewbakka aussah, dass man sich fragt, wo George Lukas bei seinen Nebenfiguren geholfen hat.