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  • Die indische Armee und ihre Yeti-Spuren

    Es war der 9. April 2019. Unweit des Makalu-Basecamps an der nepalesisch-chinesischen Grenze. Eine Bergsteiger-Expedition der indischen Armee, deren eigentliches Ziel darin bestand, den knapp 8500 Meter hohen Makalu zu erklimmen, stiess im Makalu-Barun-Tal auf eine unerwartete Überraschung.

    Zwanzig Tage später, am Montag, den 29. April, wartete die indische Armee mit einem erstaunlichen Tweet auf:

    „Am 9. April hat zum ersten Mal hateine Bergsteiger-Expedition mysteriöse Fussabdrücke des mythischen „Yeti“ mit einer Grösse von 32×15 Inches (81 mal 38 Zentimeter) in der Nähe des Makalu Base Camp gesichtet. Der scheue Schneemensch war bisher im Makalu-Barun Nationalpark nur in der Vergangenheit gesichtet worden.“


    Lage des 8485 m hohen Makulu, der fünfthöchste Berg der Welt

    Angebliche Yeti-Spur kreuzt die Spur indischer Soldaten
    Das erste Bild der angeblichen Yeti-Spur. Sie verläuft von rechts nach links, von hinten kommen die Fußspuren der Soldaten

    Der Tweet, den die Armee über Satellitentelefon kommuniziert hatte, enthielt drei Fotos, welche eine Linie einer Spur von „Etwas“ zeigte, das sich den Hügel entlang seinen Weg durch den Schnee bahnte. Auch eine Nahaufnahme des „stiefelartigen“ Abdrucks gab es.

    Die „Beweise“ ware von einem 18-köpfigen Team unter der Leitung des Major Manoj Joshi gesammelt worden.

    Schneefeld mit kreuzenden Fußspuren: kleine, eng zusammenhängende von rechts und große, weit auseinander stehende von hinten
    Ein weiteres Foto der indischen Armee, das die angeblichen Yeti-Fußspuren zeigt

    Ein relativ heller Braunbär überquert ein Rinnsal
    Sibirischer Braunbär, hier ein relativ helles Exemplar, das der tibetanischen Form ähnelt

    zwei hohe, schneebedeckte Berge vor blauem Himmel
    die beiden Berge Makalu (im Hintergrund) und Chamlang, in deren Nähe die Fußspuren fotografiert wurden

    spöttische Kommentare im Internet

    Doch die Zeiten scheinen vorbei, in denen Bestätigungen von offiziellen Stellen dem Glauben an die Existenz von Krypiden neuen Aufwind gaben. Thema der indischen Tageszeitung Hindustan Times, aber auch der Online-Ausgaben der deutschsprachigen Zeitungen (Faz, Nzz, der Standard, Heute.at) zu dem Fund waren die spöttischen Kommentare der Twitter-Nutzer – auch wenn sich darunter auch der eine oder andere Beitrag befand, der sich um eine Erklärung der Spuren bemühte (zum Beispiel mit Schneeschuhen) – klar überwogen doch der ironische Unterton und virtuelles Gelächter.

    Allerdings liess sich die Armee nicht beirren und hielt an ihren Yeti-Spuren fest. Man befinde sich im Besitz „physischer Beweise“ und besässe weiteres Bild- und Videomaterial (Faz vom 30. April 2019).

    Skepsis der Experten

    Doch die Armee bekam schnell auch von offizieller Seite Gegenwind.

    Bereits einen Tag nach dem Tweet gab eine Reihe prominenter Stimmen, welche der Yeti-These das Wasser abgruben. Maheshwar Dakal von der Forstverwaltung des Nationalparks bestätigt eine „gesunde Braunbären-Population, aber keinen Beweis aus der Gegend für einen Yeti“ (Hindustan Times vom 30. April 2019)

    Dann war da noch die Bemerkung von Dipankar Ghose, dem Direktor des Artenerhaltungs- und Landschaftsprogramms des WWF-India. Auch er spekulierte, angesichts seiner Skepsis über die Existenz eines unentdeckten Tieres solcher Grösse, auf einen Bär als Verursacher der Fussabdrücke. Vor allem die Spuren der Hinterläufe können vom ungeübten Auge schnell für menschenähnliche Spuren gehalten werden. (Hindustan Times vom 30. April 2019)

    Zahlreiche Wissenschaftler vom Wildlife Institute of India in Dehradun, die in Nepal, aber nicht im Park gearbeitet haben, kommentierten ebenfalls, dass die Spuren von einem Bären stammen könnten. (Hindustan Times vom 30. April 2019)

    Nepals Widerspruch

    Schliesslich meldete sich auch noch der Sprecher von Nepals Armee, Brigadegeneral Bigyan Dev Pandey im zu Wort. In Referenz auf den nepalesischen Verbindungsoffizier, der die Expedition begleitet hatte, widersprach er der Behauptung der indischen Armee: solche Fussabdrücke fänden sich häufig in der Region und liessen sich einem Bären zuordnen (Hindustan Times vom 2. Mai 2019)

    Spuren eines Bären im Schnee, die vom Beobachter wegführen
    Spur eines Grizzly-Bärs im Schnee. Dieser hat die Hinterpfoten nicht in die Vorderpfoten gesetzt.

    Hinterpfote eines liegenden Braunbären
    Der Hinterfuß eines Braunbären wirkt auf den ersten Blick erstaunlich menschlich

    Ein Yak auf einer kargen Weide vor schneebedeckten Bergen
    Yaks sind die häufigsten Großtiere des Himalayas und mussten oft als Erklärung für Yeti-Sichtungen herhalten

    Diese Erklärung wurde auch von lokalen Trägern vertreten, welche die Expedition begleitetet hatten. (Hindustan Times vom 2. Mai 2019)

    Vier Tage später, am Freitag den 3. Mai 2019, erklärte Pandey, dass Mitarbeiter des nepalesischen Verbindungsbüros die Stelle erneut aufgesucht hatten: aber es waren keine Spuren mehr da (Heute.at vom 3. Mai 2019)

    Die „Glaubwürdigkeit“ der indischen Armee

    So stimmen die konsultierten Zeitung weitgehend darin überein, dass sich die indische Armee mit dieser Meldung wohl weniger zum „Helden“, als zum Gespött gemacht hatte. Die Neue Züricher Zeitung (NZZ) ging sogar soweit, diese Fehlmeldungen in einen weiteren politischen Kontext einzubetten. Schliesslich hätte die indische Armee generell mit der Glaubwürdigkeit zu kämpfen. In einem „Geplänkel“ mit Pakistan soll beispielsweise ein F-16-Jet des Gegners abgeschossen worden sein – das amerikanische Militär, das von der empörten pakistanischen Armee zur Besichtigung der Inventur eingeladen wurde, konnte jedoch keine Lücken feststellen. Auch wurden bei einem angeblichen Angriff auf ein  „Terroristenlager“ allem Anschein nach keine Kämpfer getötet, sondern allerhöchstens der Baumstand der benachbarten Republik dezimiert. (NZZ vom 6. Mai 2019)

    Des Rätsels Lösung?

    Doch nicht nur Wissenschaftler und Verwaltungsbeamte aus der Region, auch Forscher mit einer befürwortenden Haltung, sprachen sich gegenüber den Yeti-Spuren skeptisch aus. Dr. Jeffrey Meldrum von der Idaho State University, der für die Existenx von Bigfoot einsteht, sprach mit Andreas Müller von Grenzwissenschaft-Aktuell.de (GreWI) über die vermeintlichen Yeti-Spuren aus Nepal:

    „Tatsächlich sehen diese Abdrücke eher wie das Schrittmuster eines galoppierenden Vierfüßers aus. Ich vermute, dass es sich um die Spur eines laufenden Bären handelt.“ (GreWI vom 1. Mai 2019)

    Der „stiefelartige“ Eindruck ergibt sich aus dem Laufschema des Bären: Dabei bildet die rechte Vordertatze, welche zuerst aufgesetzt wird, den hinteren „Absatz“ der Spur. Die linke Vordertazte und beiden Hintertatzen liegen, – dem Gehschema des Bären folgend – ziemlich nah beieinander und können im Schnee zu einer Fläche verschmelzen. So entsteht schliesslich der Abdruck eines „Primatenfusses“.

     

    Tibetanisch wirkende Gebäude im Tal zwischen teilweise mit Schnee bedeckten Bergen
    Der Himalaya und noch mehr das tibetanische Hochland gelten bei uns als geheimnisvolle Orte transzendaler Weisheit.

    Staubige Straße durch eine Schotterlandschaft ohne jegliches Grün, Gebetsfahnen sind über sie gespannt, einige Menschen mit Rucksäcken gehen auf ihr
    Die schroffe Landschaft gilt als gleichermaßen geeignet, Survival zu trainieren und den Geist zu reinigen (Straße zum Mount Everest)

    Drei gut gelaunte nepalesische Rentner
    Was wohl die Einheimischen davon halten? Die transzendentale Weisheit hält sie vermutlich davon ab, es offen zu sagen…

    The legend goes on..

    Wenn man das Thema „Yeti“ in der Presse in den letzten Jahren ein kleinwenig verfolgt hat, so bekam man den Eindruck, als würde sich der Mythos von einem affenähnlichen Wesen hin zu einer unbekannten Bären-Spezies verlagern. Grund dafür war auch eine Reihe von – mitunter auch wieder in den aktuellen Berichten zitierten – Studien von DNA-Analysen angeblicher Yeti-Haare. Allerdings waren die Ergebnisse im Endeffekt weit weniger spektakulär, als ursprünglich bekannt gegeben. Dennoch wurde dadurch die Diskussion über die Abstammungen der Braunbärenunterarten im Himalaya und ihrer Verwandtschaftslinien wieder etwas angeregt.

    Mit der Meldung der indischen Armee jedoch kommt der westliche Yeti-Mythos wieder „back to the roots“ – der Spekulation nach handelte es sich beim Yeti um einen affenähnlichen, möglicherweise eng mit dem Menschen verwandten Primaten, der sich bis heute von den neugierigen Blicken der Forscher in den oberen Berghängen des Himalaya verstecken konnte. Interessant ist in diesem Zusammenhang in der Tat das Insistieren der indischen Armee in der Echtheit „ihrer“ Yeti-Spuren, ja überhaupt ihre Meldung. Sie zeigt also, dass der Mythos in den Köpfen der Menschen noch immer vorhanden ist, – selbst wenn lokale Naturschützer bei der Landbevölkerung seinen allmählichen Übergang in das zoologische Wesen Bär beteuern.

    So ist diese Meldung vielleicht nicht aus biologischer, so doch aus folkloristischer Perspektive durchaus erstaunlich.

    Der klassische Yeti ist also nicht tot – aller genetischen Erklärungsmassnahmen zum Trotz. So ist wohl auch in Zukunft mit Meldungen vom sagenumwobenen Schneemenschen zu rechnen. Stellt sich die Frage, an welches Wesen einer der ironischen Twitter-Kommentatoren denken würde, sollte er in einer abgelegenen Bergregion auf ausgeschmolzene Bärenspuren stossen..?


    Zum Weiterlesen:

    Faz vom 30. April 2019: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/tiere/spott-fuer-indiens-armee-nach-entdeckung-von-angeblichen-yeti-spuren-16164945.html

    GreWi vom 1. Mai 2019: https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/bigfoot-experte-erklaert-die-von-der-indischen-armee-entdeckten-yeti-fussspuren20190501/

    Hindustan Times vom 30. April 2019: https://www.hindustantimes.com/india-news/no-proof-to-back-army-s-yeti-footprints-claim-say-experts/story-tIb5ucZTBJ6RCPnnXxOh3M.html

    Hindustan Times vom 2. Mai 2019: https://www.hindustantimes.com/india-news/not-yeti-a-bear-s-footprint-nepal-to-indian-army/story-FhcXvVJ7qV8EwsDcrirt8H.html

    Heute.at vom 3. Mai 2019: https://www.heute.at/timeout/virale_videos/story/Indische-Armee-will-Yeti-Spuren-entdeckt-haben-Nepal-widerspricht-Malaku-47237879

    NZZ vom 6. Mai 2019: https://www.nzz.ch/international/indische-armee-auf-den-spuren-von-yetis-jets-und-jihadisten-ld.1479571


    Der Autor:

    Peter Ehret ist studierter Politikwissenschaftler und Rechtsphilosoph. Praktisch sein ganzes Leben ist Zoologie im Allgemeinen sein wichtigstes Hobby. Seit dem Jahr 2000 befasst er sich mit Kryptozoologie. Themenschwerpunkt seines kryptoozologischen Interesses sind die Rückwirkungen von konventionellen Tierbeobachtungen auf Legendenbildung. Seit 2012 lebt und arbeitet er als Deutschlehrer in Spanien.


    Beiträge, die mit Namen gekennzeichnet sind, müssen nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion widerspiegeln. Diese Beiträge unterliegen der Verantwortung und den Urheber- und Verwertungsrechten des jeweiligen Autors. Die Redaktion freut sich, möglichst viele, unterschiedliche Artikel mit differenzierten Meinungen veröffentlichen zu können. Jeder, der zu einem Thema etwas zielführendes beizutragen hat, ist herzlich eingeladen, seinen Artikel der Redaktion zu mailen.


  • Ein bizarrer Hybride aus Narwal und Beluga – Teil 2

    Liebe Leserinnen und Leser,

    aufgrund eines Fehlers wurde dieser Artikel nicht, wie geplant, am 9. Juli 2019 veröffentlicht. Jetzt erscheint er einen Tag später am 10. Juli. Wir bitten alle ungeduldig Wartenden zum Entschuldigung und übergeben nun Markus Bühler das Wort.

    Die Redaktion


    Wie ich den merkwürdigsten Wal der Welt rekonstruierte

    von: Markus Bühler

    Teil 1 des Artikels ist am 2. Juli 2019 hier erschienen.

    Kürzliche erregten neue Forschungsergebnisse um einen bizarren Hybriden aus Narwal (Monodon monoceros*) und Beluga (Delphinapterus leucas) weltweite Aufmerksamkeit. Er wurde nach Angaben eines grönländischen Inuit namens Jens Larsen 1986 oder 1987 in der Disko-Bucht im Westen Grönlands geschossen. Das Tier wies unter anderem einige äußerst ungewöhnliche Besonderheiten der Zähne auf. Der Wal soll grau gefärbt gewesen sein, und seine Brustflossen denen eines Belugas, die Schwanzflosse dagegen eher der eines Narwals geähnelt haben. Larsen beschloss aufgrund des ungewöhnlichen Aussehens des Wals dessen Schädel aufzuheben. Etwa zur gleichen Zeit sollen in der Gegend noch zwei ähnliche Exemplare geschossen worden sein, von denen jedoch eines versank und nicht geborgen werden konnte. Der Kopf des dritten Exemplars wurde zum Skelettieren an der Küste ausgelegt, allerdings niemals wiedergefunden, so dass als einziges physisches Relikt der von Larsen aufbewahrte Schädel verblieb.

    Der merkwürdigste Wal der Welt

    Drei Walschädel im direkten Vergleich
    Vergleich der Schädel von Narwal (a), Narluga (b) und Beluga (c). Mikkel Høegh Post, Zoologisches Museum Kopenhagen

    Seit ich 2007 zum ersten Mal von diesem bizarren Wal gelesen habe, war ich fasziniert von ihm. Die ursprüngliche Veröffentlichung von Mads Peter Heide-Jørgensen war damals noch nicht im Internet frei verfügbar war. Ich schrieb ich ihn an und bekam freundlicherweise eine digitale Version von ihm zugsendet. Die gescannte Version des Drucks beinhaltete eine ganze Reihe von interessanten Fotos, allerdings leider in sehr unzufriedenstellender Bildqualität. Zudem gab es einige weitere Fotos des Schädels im Internet, viele seiner Details ließen sich aber auch bei ihnen nicht vollständig erkennen.

    Ein Jahrzehnt später, im Frühsommer 2017, bekam ich die Möglichkeit den Narlugaschädel im Original im Archiv des Zoologischen Museums in Kopenhagen zu begutachten, und seine Anatomie vor Ort zu studieren. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Eline Lorenzen und auch vor allem bei Daniel Klingberg-Johanson dafür bedanken den Schädel und viele andere faszinierende Stücke im nichtöffentlichen Archiv des Museums ansehen zu können.

    Wie hat der Narluga ausgesehen?

    Was mich ganz besonders interessierte, war wie dieser Wal wohl zu Lebzeiten ausgesehen haben könnte. Da lediglich der isolierte Schädel, die Verwandtschaftsverhältnisse und die sehr vage Beschreibung von Jens Larsen vorhanden waren, stellte sich hier eine Aufgabe, welche viel eher der Rekonstruktion eines nur von Fossilien bekannten ausgestorbenen Tieres vergleichbar war (etwa meiner Basilosaurus-Rekonstruktion). Bisher gab es keinerlei Bilder welche einen Eindruck vermittelten wie der Hybrid einmal ausgesehen haben könnte. Es gab eine einzige Darstellung, welche allerdings lediglich eine digitale Kombination aus einem Narwal und einem Beluga darstellte, und weder die Zähne noch die beschriebene Farbe berücksichtigte, was seine Rekonstruktion umso interessanter machte.

    Die Weichteile des Kopfes verursachen Kopfzerbrechen

    Da das einzigartige Gebiss das hervorstechendste Merkmal des Narlugas war, sollte es bei der Rekonstruktion auch entsprechend gut erkennbar sein. Daher entschloss ich mich direkt ein Bild des komplett artikulierten Schädels aus einer vor längerer Zeit erfolgten Pressemitteilung als Basis zu verwenden. Bei Zahnwalen im Allgemeinen und bei Gründelwalen wie dem Narwal und Beluga im Speziellen wird der Schädel von einer großen Menge Weichgewebe umschlossen. Vor allem die Melone, das Echolotorgan welches oberhalb des Schädels sitzt, nimmt einen sehr großen Raum ein. Dazu kommen noch die Bereiche in denen die komplexen Strukturen zum Blasloch führen, sowie die Lippen und natürlich das dicke Unterhautfettgewebe. Eine sehr hilfreiche Illustration zum besseren Verständnis der Anatomie eines Belugakopfes kann man hier sehen.

    Bei Belugas kommt noch hinzu, dass sie durch Muskelkontraktion die Form ihrer Melone in gewissem Rahmen verändern können, was das Heranziehen von Referenzbildern noch problematischer machte, denn selbst bei ein und demselben Individuum kann auf verschiedenen Bildern die Melone unterschiedlich geformt sein. Belugas besitzen auch für Wale ungewöhnlich gut ausgebildete und bewegliche Lippen. Das alles musste bedacht werden, selbst wenn hier selbstverständlich einiges an künstlerischer Freiheit einfloss. In seiner Kopfform steht der Narluga nun zwischen jenen der beiden Elternarten. Er zeigt die eher stärker verrundeten Formen des Narwals, aber eine schlankeren Halspartie und etwas voluminösere Oberlippen, um dem Belugaerbe gerecht zu werden.

     

    Der Schädel des Narlugas, mit hellen und bräunlichen Knochen und einigen seltsam geformten Zähnen
    Schädel das Narlugas. Foto Mikkel H. Post, Zoologisches Museum Kopenhagen

    Rekonstruktion der Kopfform des Narlugas anhand des Schädels
    Rekonstruktion der Kopfform des Narlugas anhand des Schädels (Bild: Markus Bühler)

    Narluga-Kopf-Rekonstruktion
    Narlugakopf mit rekonstruiertem vierten linken Zahn im Unterkiefer (Bild: Markus Bühler)

    Der letzte Zahn

    Den fehlenden letzten Zahn auf der linken Unterkieferseite rekonstruierte ich anhand der Größe und Ausrichtung des leeren Zahnfachs im Kiefer. Man sieht nun ganz gut die starke Asymmetrie in der Position und Form der Zähne im Unterkiefer. Bei der Pigmentierung des Maulinneren verwendete ich das Foto eines Narwalmauls als Referenz. Bei Walen findet sich nicht wie sonst bei Säugern üblich eine klare Abgrenzung zwischen dem normalweise von Schleimhaut ausgekleideten Maulinneren und den von Epidermis bedeckten Lippen.

    Rekonstruktion des Körpers

    Bei der Körperform stützte ich mich auf die skelettalen Proportionen von Belugas, um anhand des Schädels die dazugehörigen Dimensionen des Körpers festzulegen. Auch hier versuchte ich einen Mittelweg zwischen den zwei Elternarten zu finden. Bei Narwalen ist der Körper sehr stromlinienförmig und glatt, während Belugas einen sehr stark vom Körper abgesetzten Kopf und seitlich am Körper liegende Fettpolster und Längsfalten besitzen. Auch haben sie noch einen wahrnehmbaren, leicht eckigen Rückenkiel, während bei Narwalen die Rückenflosse bis auf eine Linie von kleinen, kaum erkennbaren Hauttuberkeln zurückgebildet ist. Belugas haben größere und deutlich breitere Brustflossen als Narwale, weshalb ich sie aufgrund der Beschreibung Larsens auch als Referenz verwendete. Bei der Schwanzflosse dagegen orientierte ich mich an den stark halbkreisförmig ausgebildeten Flossenlappen des männlichen Narwals. Interessanterweise findet sich bei Narwalen ein Geschlechtsdimorphismus bei der Form der Schwanzflosse, welche allem Anschein nach mit den hydrodynamischen Auswirkungen des Stoßzahns zusammenhängt.

    Grauer Gründelwal mit auffälligen Zähnen im Wasser
    Narluga mit hypothetischen Farbschema (Bild: Markus Bühler)

    Welche Farbe hatte der Narluga?

    Die Farbe des Narluga wurde als grau beschrieben. Insofern unterscheidet sie sich deutlich von der weißen, beziehungsweise weiß-schwarz marmorierten Farbe von Belugas und Narwalen. Allerdings sind bei beiden Arten die Jungtiere noch grau gefärbt. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass bei dem Hybriden möglicherweise atavistische Anlagen zum Vorschein kamen. Sie stammen aus der Zeit, als ihre Vorfahren noch nicht in polaren Gebieten lebten. Vermutlich waren sie auch noch nicht von weißer Grundfarbe. Daher bekam der Narluga ein Farbschema welches sich an den Jungtieren der beiden Elternarten orientierte. Im Kopf- und Halsbereich deutete ich eine leichte graue Marmorierung an, welche mehr einem jungen Narwal entspricht, der hintere Körperbereich dagegen der homogeneren Farbe junger Belugas. Zudem nahm ich mir die kreative Freiheit die Brustflossen etwas dunkler vom Körper abzusetzen, wie es in stärkerer Form bei Narwalen der Fall ist.

    Um den Hintergrund noch ein bisschen interessanter zu gestalten fügte ich einen kleinen Schwarm Polardorsche (Boreogadus saida) ein. Diese Fischart lebt auch in der Disko-Bucht. Sie kommt sowohl vor Flussmündungen bis hinab in Tiefen von 900 m vor. Diese Fische stellen auch eine wichtige Nahrung für Belugas und vor allem Narwale dar.

    Grauer Zahnwal mit kräftigem Körperbau, großen Flippern und Narwalfluke schwimmt durchs Wasser
    Lebendrekonstruktion der Narwal x Beluga-Hybriden

    Insgesamt arbeitete ich an der Rekonstruktion mehrere Monate, und trotz mancher Ungewissheiten und künstlerischer Freiheiten bestimmter Details hoffe ich doch sehr, dass sie zumindest einen realistischen Eindruck dieses außergewöhnlichen Wals vermitteln kann.


    Quellen:

    Fontanella, J. E., Fish, F. E., Rybczynski, N., Nweeia, M. T. and Ketten, D. R.
    (2011). Three-dimensional geometry of the narwhal (Monodon monoceros) flukes in relation to hydrodynamics. Mar. Mamm. Sci. 27, 889-898.

    Heide-Jørgensen, M. P. & Reeves, R. R. Description of an anomalous Monodontid skull from west Greenland: A possible hybrid? Mar. Mamm. Sci.9, 258–268 (1993).

    Nweeia, M.T., et al. 2009. Considerations of anatomy, morphology, evolution, and function for narwhal dentition. The Anatomical Record 295, 6: 1006-1016.

    1. Skovrind et al. Hybridization between two high Arctic cetaceans confirmed by genomic analysis. Scientific Reports. Vol. 9, June 20, 2019. doi:10.1038/s41598-019-44038-0.

    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Uns ist selbstverständlich bekannt, dass wissenschaftliche Namen in Texten kursiv geschrieben werden. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


    Dieser Beitrag ist zunächst in Markus Bühler’s Blog „Bestiarium“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des Autors. Vielen Dank für die Erlaubnis, ihn hier verwenden zu dürfen.

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    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


  • Die verlorene Stadt im Dschungel – ein Hotspot der Artenvielfalt

    Durch das Zusammentreffen von nordamerikanischer und südamerikanischer Fauna und Flora gilt die mittelamerikanische Landbrücke als eine der artenreichsten Regionen der Erde. Länder wie Belize haben sich die Vielfalt auf unterschiedliche Arten zunutze gemacht. Ökotourismus ist eine davon, Forschungslizenzen für Biotech-Konzerne ist eine andere.

    Doch im benachbarten Honduras hat man dieses Geschenk der Natur lange als – nunja- naturgegeben hingenommen. Urwaldrodung für Edelhölzer oder um Ackerland für die ständig wachsende Bevölkerung zu gewinnen, ist leider immernoch an der Tagesordnung. Die Regierung versucht mit großem Einsatz, Ökotourismus und damit eine nachhaltige Nutzung zu schaffen. Dennoch gehen jährlich 3000 km² Wald verloren.

    Eine versunkene Stadt

    Da hört es sich märchenhaft an, wenn eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern in einem abgelegenen Tal des Mosquitia-Regenwaldes eine verlassene Stadt findet. Eine Stadt, die sich der Dschungel zurückgeholt hat. Eine Stadt, die seit Jahrzehnten bekannt war, von der aber niemand genau wusste, wo sie lag. Die Legende von der „Weißen Stadt“ geht auf einen Bericht des Konquistadors Hernán Cortés zurück, der dort enorme Reichtümer vermutete.

    Arrangement aus Lederhut, Kompass und Notizbuch
    Verlorene Städte wirken magisch anziehend auf jede Art der Abenteurer

    Berg mit Maya-Ruine zwischen Bäumen
    Leider ist auch die Zahl der Maya-Städte, die noch im Dschungel verborgen sind, gering.

    Hueitapalan, so der überlieferte indigene Name der Stadt hat Abenteurer wie Schatzsucher seit Jahrzehnten fasziniert. Ein Ziel für die Indiana Jones‘ Mittelamerikas. Doch auch seriöse Forscher, vor allem Archäologen und Historiker waren an der „Weißen Stadt“ oder „Verlorenen Stadt des Affengottes“ mehr als interessiert. Der Legende nach soll die Stadt von hohen, weißen Mauern umgeben gewesen sein. Im Zentrum des Ortes soll sich eine gigantische Statue eines Affengottes erhoben haben. Niemand, den der Affengott sah, sei je zurückgekehrt, so die Legende.

    2012 wurde aus der Legende zumindest teilweise Gewissheit. Ein interdisziplinäres Team um die Filmproduzenten Steven Elkins and Bill Benenson  entdeckten erste konkrete Hinweise. Mittels Airborne Laser Mappings konnten sie Ruinen in der dichten Vegetation ausmachen. 2015 berichtete ein Team um den Archäologen Christopher Fisher von Artefakten aus der Gegend, einschließlich Ruinen und steinernen Tierskulpturen.


    Lage des Rio Plátano-Nationalparkes, die Weiße Stadt soll irgendwo in dem Nationalpark verborgen sein.

    Humanoide Figuren mit dreieckigem Kopf

    Vor Ort fanden die Forscher dann Überreste von Plätzen, Erdwällen und der fast unvermeidlichen Pyramide. Das US-amerikanisch-honduranische Team fand in den Ruinen über 200 Steinskulpturen. Die Bewohner hatten sie offenbar gezielt zusammengebracht und auf einem Boden aus rotem Lehm arrangiert. Im Zentrum stand eine rätselhafte und faszinierende Staute eines Geiers mit halb gespreizten Flügeln. Der Geier wiederum war von Ritualgefäßen umgeben, die mit weiteren Geiern oder Schlangen dekoriert waren. Einige dieser Gefäße trugen eine seltsame, humanoide Figur mit großem, dreieckigem Kopf, hohlen Augen und einem offenen Mund über einem wie ausgedörrt wirkendem Körper.

    Fisher interpretiert diese Figuren als „Todesfiguren“, möglicherweise ein getrockneter Leichnam eines Ahnen, der für ein Begräbnis vorbereitet wurde. Vor dem Hintergrund, dass diese Gefäße um eine Geierstatue arrangiert wurden und keine Gräber im Umfeld der Stadt zu finden waren, sind andere Interpretationen möglich.

    Eine Affengottstatue fanden die Archäologen nicht.

    Ein Todesritual für die Stadt?

    Die Forscher glauben, die wertvollen, aber nicht unbedingt nützlichen und schwer zu transportierenden Steingegenstände wurden gezielt in der Form eines Schreines aufgebaut. Viele Gefäße haben die Bewohner rituell unbrauchbar gemacht, in dem sie ihnen ein Loch in den Boden schlugen. Ebenso ein mehr als 90 cm langer Mahlstein aus wertvollem Basalt, der in sechs Teile zerbrochen war – offensichtlich mit Absicht, Basalt bricht nicht so schnell.

    Dschungelszene mit Baumstamm, Lianen und Palmfarn
    Im dichten Dschungel Mittelamerikas verbirgt sich möglicherweise noch mehr…

    Baum mit verschlungenen Brettwurzeln
    Warum haben die Bewohner die Weiße Stadt verlassen und wo sind sie hingezogen?

    All das deutet darauf hin, dass die Weiße Stadt nicht etwa ausstarb, sondern absichtlich verlassen wurde. Das Arrangieren und Unbrauchbarmachen der rituellen Skulpturen könnte ein Abschiedsritual gewesen sein – und gleichzeitig bittere Notwendigkeit:

    Wenn die Bevölkerung sich entschließt, warum auch immer eine Stadt zu verlassen, dann wird sie eher leichtere Gegenstände mitnehmen, die sie täglich braucht. Das nicht weniger wichtige Rituelle wird sich auf kleinere Gegenstände wie Figurinen beschränken.

    Auch das Zerbrechen der Kultgegenstände ist sinnvoll, so können sie nie wieder von anderen (möglicherweise von einem Feind) zu niederen Zwecken missbraucht werden. Dieses Vorgehen kennen Archäologen auch aus anderen Kulturen, auch aus Mitteleuropa. Ein berühmtes Beispiel ist der Fischerring des Papstes, der nach seinem Tod zerstört wird. Weniger „heilig“, aber mit der selben Intuition werfen Mitglieder slavischer Völker die Gläser an die Wand, wenn aus ihnen auf ein ganz besonderes Ereignis getrunken wurde.

    Die Kleinräumigkeit schafft Lebensräume

    Die noch unbenannten Bewohner von Hueitapalan lebten hier zwischen etwa 1000 n.Chr. und 1400, nach anderen Angaben etwa 1520, zur Zeit des ersten Kontaktes mit Europäern. Wieso sie die Weiße Stadt verlassen haben, ist unbekannt.

    Bekannt ist aber, dass sie mit ihrer Stadt und deren Verfall eine Vielzahl von Nischen für Pflanzen und Tiere schufen. Ein spezialisiertes Team von „Naturschutzwissenschaftlern“ der us-amerikanischen Non-Profit-Organisation Conservation International hatte bereits 2017 eine dreiwöchige Exkursion nach Hueitapalan unternommen. Sie fanden in der kurzen Zeit eine unglaubliche Artenvielfalt in der Weißen Stadt: 198 Vogelarten, 40 kleinere Säugetiere, 56 Amphibien- und Reptilienarten, 30 große Säugetiere und 94 Schmetterlingsarten konnten sie zählen. Ihr Bericht erschien Anfang Juli 2019.

    Zu den Arten, die den Wissenschaftlern über die Füße liefen, gehörten auch einige Arten, die in Honduras gar nicht mehr vorkommen sollen, oder die als ausgestorben galten. So fanden sie Peters Spießblattnase (Phylloderma stenops*), eine Langnasen-Fledermaus, die in Honduras lange nicht mehr nachgewiesen wurde. Besonders bemerkenswert war ein Sandlaufkäfer, der bisher nur aus Nicaragua bekannt war und als ausgestorben galt.

    Soldatenara
    Wie viele Großpapageien ist auch der Soldatenara vom Aussterben bedroht.

    Jaguar liegt im Schatten des Regenwaldes
    Auch Jaguare kommen in der Umgebung der Weißen Stadt vor – und wurden offenbar von ihren Bewohnern verehrt.

    Auch der große Soldatenara Ara ambiguus ambiguus kommt hier vor, ebenso wie 22 Tierarten, die bisher in Honduras nicht bekannt waren. Unter den großen Säugetieren war die gesamte „Prominenz“ Mittelamerikas vertreten: Jaguare, Ozelots, Pumas, Pekaris und viele andere. Eine Erstentdeckung ist auch dabei, ein lebendgebärender Fisch, der der Wissenschaft bisher unbekannt war.

    Wie in einem Indiana-Jones-Film

    „In der heutigen Welt scheint das wie eine Geschichte aus den ‘Indiana Jones’-Filmen zu klingen. Aber der sensationelle archäologische Fund in dem unerforschten Dschungel war für die Entdecker, die sich dorthin wagten, genauso wirklich wie überraschend.“
    Aus der Pressemeldung von Conservation Intl. vom 21. Juni 2019

    Tod Larson, der Leiter des Teams vor Ort fügte hinzu: “Die ‘Weiße Stadt’ ist eines der wenigen Gebiete in Mittelamerika, in denen ökologische und evolutionäre Prozesse intakt geblieben sind.” Daher sei es unmittelbar nötig, das Gebiet zu schützen: „Einer der Hauptgründe, warum wir einen so hohen Artenreichtum und eine so große Zahl bedrohter und weit verbreiteter Arten (z. B. Pekari) festgestellt haben, ist, dass die Wälder rund um die Weiße Stadt im Gegensatz zu weiten Teilen der Region unberührt sind.

    Dies macht das Gebiet zu einer hohen Schutzpriorität für die Aufrechterhaltung einer breiteren Landschaftskonnektivität, die für die langfristige Erhaltung der biologischen Vielfalt in Mittelamerika von wesentlicher Bedeutung ist.“

    Ein Hauptproblem sieht Larson im Drogenhandel, der seine Pfade gerade durch unberührte Gebiete zieht. Zum Glück ist die Regierung von Honduras gewillt, das Gebiet zu schützen. Seit 2005 ist die Gegend um die Weiße Stadt bereits geschützt, nun will man den Schutz verstärken.

    Offenbar ganz im Sinne von John Polisar, Mitglied im Team von Tod Larson, der betont:

    „Wir arbeiten seit 14 Jahren vor Ort in den Eingeborenen-Gebieten von La Moskitia, und dieser Ort hat sich als einfach großartig erwiesen. Aufgrund seiner gegenwärtig intakten Wälder und Fauna ist das Gebiet von außerordentlich hohem Naturschutzwert. Es verdient energischen und wachsamen Schutz, damit seine Schönheit und Tierwelt auch in Zukunft Bestand haben.“


    Quellen:

    Douglas Preston: See New Discoveries at the Mysterious City of the Jaguar, National Geographic, 2016

    Conrad Duncan: ‘Extinct’ creatures found alive in ‘lost city’ deep within Honduras rainforest, Independent, 2019

    wikipedia: Hueitapalan, 2018


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Uns ist selbstverständlich bekannt, dass wissenschaftliche Namen in Texten kursiv geschrieben werden. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Der erste Riesenkalmar in US-amerikanischen Gewässern gefilmt

    Riesenkalmare sind legendenbehaftete Tiere. Sie leben in mittleren Tiefen, kommen selten an die Oberfläche und werden noch seltener angeschwemmt. Die Kadaver sind dann aber beeindruckend, hinzu kommt, dass ihre Größe oft maßlos überschätzt wird – aus Unwissen oder Absicht.

    Ein Tier mit einer Mantellänge von 2 m und einer Tentakellänge von 8 m hat dann tatsächlich 10 m Gesamtlänge. Davon machen aber zwei lange, dünne Arme mehr als die Hälfte aus. Die anderen acht Arme sind bei weitem nicht so lang: Die Standardlänge von der Mantelspitze bis zum Ende der Fangarme würde hier vier bis fünf Meter betragen. Groß, aber nicht außergewöhnlich.

     

    Kryptozoologisches

    Seit Menschen mit Booten übers Meer fahren, gibt es Geschichten von Seeungeheuern. Seit sie sich weit genug vom Ufer entfernen, um über tieferem Wasser zu fahren, wird es Kontakte mit Riesenkalmaren gegeben haben. Seit jeher gehören sie zum Seemannsgarn.

    rot beleuchteter Riesenkalmar in einem Glaszylinder
    Ein Riesenkalmar als modern gestaltetes Ausstellungsstück im zoologischen Museum Kiel (Foto: Markus Bühler)

    Die ersten sicheren Beobachtungen scheinen um 1550 in Dänemark erfolgt zu sein. Conrad Gessner (1516 bis 1565, Arzt und Naturforscher) bildet in seinem Fischbuch einen Meermönch ab, der unschwer als Kalmar identifiziert werden kann. Dieses Exemplar soll dem König von Dänemark zugeschickt worden sein. (Anmerkung d.V.: was muss der gestunken haben, als er nach tagelangem Transport ohne Kühlung ankam. Der arme König!)

    Ebenfalls aus Dänemark kommt die erste „moderne“ Beschreibung: Japetus Steenstrup erhielt den Schnabel eines 1854 in Jütland (Dänemark) gestrandeten Tieres. Er untersuchte ihn und stellte große Ähnlichkeit mit kleineren, allgemein bekannten Kalmaren fest. Bei der Erstbeschreibung gab er ihm den Namen Architheutis dux*.

    Vermutlich, weil riesige Kalmare als Seemannsgarn bekannt waren, hat die Wissenschaft sie lange Jahre ignoriert. Sogar 10 m lange Kadaverfunde haben Wissenschaftler weitgehend ignoriert. Der berühmte Meeresforscher und -filmer Jacques Cousteau fischte auf der Suche nach Pottwalen einmal ein Stück eines Riesenkalmar-Tentakels aus dem Wasser. Da sie es nicht konservieren konnte, hat die Crew es sehr französisch verarbeitet: gekocht und als Abendessen serviert. Es stellte sich aber als nicht essbar heraus.

    Moderne Forschung

    Ausschnitt des Kieler Riesenkalmares
    Die Kopfregion, der untere Mantel und der obere Teil der Fangarme, links ein Tentakel; der Kieler Riesenkalmar (Foto: Markus Bühler)

    Obwohl wenig über Riesenkalmare bekannt war, wusste auch Cousteau, dass die Tiere Ammoniumchlorid im Gewebe einlagern, um neutralen Auftrieb zu erhalten. Ob er gehofft hat, diesen Stoff durch Kochen aus dem Fangarm-Stück zu entfernen oder ob er hoffte, seine Leute würden den Kalmar aus reiner Neugierde runterwürgen, ist nicht überliefert.

    Erst im 21. Jahrhundert begann man, sich ernsthaft mit den Tieren zu befassen. Die Erfolgsmeldungen ließen nicht lange auf sich warten. So filmten 2004 japanische Forscher das erste mal einen Riesenkalmar in seiner natürlichen Umgebung, er jagte aktiv. In der Folge gelangen weitere Aufnahmen, auch an anderen Stellen, unter anderem zeigen sie starke Lumineszenz.

    Mittlerweile kennt man einige andere sehr große Arten Kalmare. So erreicht der wesentlich massigere Koloss-Kalmar Mesonychoteuthis hamiltoni Mantellängen von mindestens vier Metern. 2007 zogen neuseeländische Fischer einen lebenden Koloss-Kalmar aus dem Südpolarmeer, der eine Mantellänge von 4,2 m und ein Gewicht von 495 kg hatte. Die Augen haben einen Durchmesser von 27 cm und sind die größten je untersuchten Augen.

    Riesenkalmare bleiben wesentlich schlanker und erreichen selten mehr als 100 kg. In Museen sind einige Modelle oder Abgüsse ausgestellt. In Deutschland stellen das Ozeaneum Stralsund und das Zoologische Museum in Kiel originale Riesenkalmare aus.

    Die Forschung der Florida International University

    Diese Biolumineszenz und die Reaktion des Kalmars haben sich Forscher und Studenten der Florida International University (FIU) zu Nutze gemacht. Etwa 180 km südwestlich von New Orleans im Golf von Mexiko ließen sie eine ferngesteuerte Kamera ins Wasser. Als Köder hatten sie eine Reihe von Leuchtdioden installiert, die einen Ring bildeten und einzeln ansteuerbar waren. Dieser Köder sollte eine Leuchtqualle immitieren – offenbar recht gut, der Riesenkalmar war interessiert, untersuchte die vermeintliche Qualle – und zog wieder ab:

    Die Exkursion begann am 7. Juni 2019, sie sollte 17 Tage dauern. Wie es bei solchen Aktivitäten immer so ist: Der Erfolg stellt sich erst spät ein. „Als der Kalmar erschien, konnte ich kaum glauben, was ich sah“ sagte Lori Schweikert, die als Post-Doc eigentlich an einem anderen Projekt arbeitet. Bei fünf Kontakten kamen insgesamt mehr als 120 Stunden Filmmaterial zusammen. Der Kalmar war noch recht jung, er maß etwa 3,3 bis 4 m in der Länge.

    „Es war magisch und surreal zu sehen, wie sich das Tier in der Natur verhält“, kommentierte Prof. Heather Bracken-Grissom. „Zu wissen, dass ich Zeuge von etwas war, das ich in der Natur nur einmal gesehen hatte, erfüllte mich mit einem überwältigenden Gefühl der Dankbarkeit und des Respekts für das, was noch entdeckt werden muss.“


    Quelle:

    FIU News: Scientists capture first-ever video of giant squid in U.S. waters

    Cousteau, J.Y. (1972): The Whale: Mighty Monarch of the Sea

     


  • Ein bizarrer Hybride aus Narwal und Beluga – Teil 1

    Wie ich den merkwürdigsten Wal der Welt rekonstruierte

    von: Markus Bühler

    Kürzliche erregten neue Forschungsergebnisse um einen bizarren Hybriden aus Narwal (Monodon monoceros*) und Beluga (Delphinapterus leucas) weltweite Aufmerksamkeit (Wir berichteten bereits kurz). Er wurde nach Angaben eines grönländischen Inuit namens Jens Larsen 1986 oder 1987 in der Disko-Bucht im Westen Grönlands geschossen. Das Tier wies unter anderem einige äußerst ungewöhnliche Besonderheiten der Zähne auf. Der Wal soll grau gefärbt gewesen sein, und seine Brustflossen denen eines Belugas, die Schwanzflosse dagegen eher der eines Narwals geähnelt haben. Larsen beschloss aufgrund des ungewöhnlichen Aussehens des Wals dessen Schädel aufzuheben. Etwa zur gleichen Zeit sollen in der Gegend noch zwei ähnliche Exemplare geschossen worden sein, von denen jedoch eines versank und nicht geborgen werden konnte. Der Kopf des dritten Exemplars wurde zum Skelettieren an der Küste ausgelegt, allerdings niemals wiedergefunden, so dass als einziges physisches Relikt der von Larsen aufbewahrte Schädel verblieb.

    Bucht mit Eisbergen und Festland am Horizont unter orangefarbenem Himmel
    Die Disko-Bucht im Zwielicht. Hier wurden die Narlugas gefangen

    Zwei Männer in einem Kunststoffboot mit Außenborder
    Zwei moderne Inuit-Jäger in einem heute verwendeten Boot.

    Ein ungewöhnlicher Schädel

    Als 1990 der dänische Zoologe und Walexperte Mads Peter Heide-Jørgensen den Schädel auf dem Dach eines Werkzeugschuppens im grönländischen Kitsissuarsuit entdeckte, erkannte er direkt, dass es sich dabei um etwas wirklich Außergewöhnliches handelte. Larsen stiftete den Schädel für weitere Untersuchungen, woraufhin dieser nach Kopenhagen gebracht wurde. Seine Anatomie zeigte Ähnlichkeiten zu jener von Narwalen und Belugas, wies aber auch eine Reihe von Merkmalen auf, die völlig einzigartig waren, und sich von allen anderen bekannten Walen unterschieden. Anhand der teilweise verwachsenen Suturen (Knochennähte) von Oberkiefer und Zwischenkiefer ließ sich erkennen, dass es sich um ein erwachsenes und bereits älteres Tier gehandelt hatte. Beim Vergleich mit den Schädeln von Belugas und Narwalen lagen die Proportion dieses Schädels etwa zwischen beiden Arten, in seinen Größendimensionen allerdings etwas über deren durchschnittlicher Größen. Bereits vor einigen Jahren wurde für den Hybriden der Begriff „Narluga“ geprägt, welchen ich hier auch verwenden möchte.

    Besonders ungewöhnlich waren allerdings die Zähne, welche sich sowohl in Anzahl, Form als auch Größe von jenen von Belugas und Narwalen unterschieden. Belugas besitzen im Ober- und Unterkiefer je 8-11 Zähne auf jeder Seite.

    Die Zähne von Belugas sind zapfenförmig, und nutzen sich vor allem im Oberkiefer oft auf typische Weise löffelförmig ab.

    Bizarr geformter Walschädel vor hellem Hintergrund
    Belugaschädel im Zoologischen Museum Kiel. Foto Markus Bühler

    Spitze eines Beluga-Schädels
    Nahansicht der Beluga-Zähne mit den unterschiedlichen Abrasionsformen in Ober-und Unterkiefer. Foto Markus Bühler

    Narwal-Schädel sind etwas Besonderes

    Beim Narwal dagegen besitzen üblicherweise nur die Männchen einen einzigen funktionellen Zahn, bei welchem es sich um einen massiv modifizierten linken oberen Eckzahn handelt. Er entstammt dem Oberkiefer und nicht dem Zwischenkieferknochen, ist also kein Schneidezahn. Der Zahn wächst außerhalb des Mauls durch die Haut der Oberlippe. Normalerweise ist er nur auf einer Seite ausgeprägt. Der deutlich kleinere und auch nicht gedrehte rechte Eckzahn verbleibt üblicherweise im Kieferknochen. Bei weiblichen Narwalen finden sich derartige im Kiefer verbleibenden Eckzähne sowohl rechts als auch links.

    Narwalschädel, ohne Kieferzähne, nur der linke Eckzahn ist zum Stoßzahn ausgebildet
    Narwalschädel im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart. Foto Markus Bühler

    Natwalschädel mit Öffnung, um den zweiten Stoßzahn zu zeigen
    Dieser Schädel eines Narwals wurde geöffnet, um den zweiten, nicht herausgewachsenen Eckzahn zu zeigen. Foto: Tobias Möser, aufgenommen im NHM, London

    Kegelförmiges Objekt in einer Vitrine
    Nicht durchgebrochener rechter Eckzahn eines Narwals, Kunstkammer im Landesmuseum Württemberg im Alten Schloss Stuttgart. Foto Markus Bühler

    aufgeschnittener Narwalschädel mit Rudiment des zweiten Stoßzahns
    Detail des Zahnfaches des zweiten, nicht herausgewachsenen Eckzahns. Foto: Tobias Möser, aufgenommen im NHM, London

    Eine derartig extrem ausgeprägte dentale Asymmetrie wie bei Narwalen ist einzigartig unter den lebenden Säugetieren. Gelegentlich finden sich allerdings auch Exemplare mit einem auch rechts teilweise oder sogar voll ausgebildeten Stoßzahn. Selten kommen auch Weibchen mit einem oder sogar zwei Stoßzähnen vor. Das eigentliche Maulinnere ist dagegen völlig zahnlos. Gelegentlich finden sich auch kleine verkümmerte Zähne an der Basis des Stoßzahns im Knochen des Oberkiefers, welche allerdings nicht durchbrechen.

    Zwei Narwalschädel, einer trägt den linken, einer trägt zwei Stoßzähne
    Vergleich zweier Narwalschädel, der obere ist normal ausgebildet, der untere trägt zwei Stoßzähne. Solche Schädel sind sehr selten. Fotos: Tobias Möser, aufgenommen im Natural History Museum (NHM), London

    Sehr merkwürdige Zähne

    Der Schädel des Wals aus der Diskobucht hatte dagegen ursprünglich im Oberkiefer auf jeder Seite je 5 und im Unterkiefer je 4 Zähne, von denen allerdings ein oberer und ein unterer postmortal verloren gingen. Aufgrund von Abrasionen und ihrer Position im Knochen kann man davon ausgehen, dass sechs oder sieben der zehn Oberkieferzähne zu Lebzeiten in die Mundhöhle ragten.

    Die drei oder vier vordersten Zähne lagen horizontal im Knochen und sind nie in die Mundhöhle durchgebrochen. Ihre sehr langgestreckte gerade Form erinnert etwas an die nicht durchbrechenden Stoßzähne von Narwalen. Die für diese typische Verdickung an der Wurzelspitze fehlt allerdings. Die vorderen Zähne ließen sich nicht ohne Beschädigung des umliegenden Knochens entfernen. Anhand von Röntgenaufnahmen ließ sich ihre Form und Länge aber ermitteln. Dies ergab eine stattliche Länge von 25,6 cm für den linken ersten Oberkieferzahn und 24,8 cm für den rechten ersten Oberkieferzahn. Die zweiten hatten immerhin noch eine Länge von 19,6 cm und 21,5 cm. Die weiter hinten liegenden nahmen immer weiter an Länge ab. Dafür wiesen sie aber auch eine mehr oder weniger starke Krümmung auf. Nach Angaben von Jens Larsen hatte der Narluga, welcher im Wasser verloren gegangen war, auch sichtbare vordere Zähne im Oberkiefer.

     

    Gaumen des Narluga mit größtenteils leeren Zahntaschen
    Ansicht des Oberkiefers von der Gaumenseite mit erkennbaren Bereichen der im Knochen verliebenen vordersten Zähne. Foto Markus Bühler

    Einige Narluga-Zähne
    Einige der aus dem Kiefer entfernten Zähne. Foto Eline Lorenzen, Zoologisches Museum Kopenhagen

    Kieferstück mit drei Zähnen
    Nahansicht der Zähne im rechten Unterkiefer. Foto Markus Bühler

    Linke Unterkieferhälfte
    Ansicht der linken Unterkieferhälfte. Man erkennt das leere Zahnfach des deutlich kleineren und weiter hinten liegenden letzten Zahns. Weiter unten liegt der Austritt des Nervus mentalis aus dem Foramen mentale. Foto Markus Bühler

    Auch im Unterkiefer

    Die Zähne im Unterkiefer zeigten ebenfalls eine Reihe von Besonderheiten. Zunächst waren sie ausgesprochen groß und massiv gebaut, deutlich größer als die Zähne von Belugas. Auch der gesamte vordere Bereich des Unterkiefers war äußerst breit und massiv. Aufgrund ihrer Form und Größe müssen die unteren Zähne sogar noch bei geschlossenem Maul teilweise sichtbar gewesen sein. Einige waren merkwürdig verdreht und zeigten vage Andeutungen von Längsrillen, vergleichbar den Stoßzähnen von Narwalen. Die ungleichmäßigen Abrasionsmuster ließen ebenfalls erkennen, dass sie sich während des Wachstums leicht um die eigene Achse gedreht haben müssen.

    Die vier rechten und ersten drei linken Unterkieferzähne standen alle recht dicht beieinander. Sie waren von ähnlicher Größe und deutlich noch vorne geneigt. Der leider nicht mehr vorhandene vierte linke Zahn saß dabei aber deutlich weiter hinten im Kiefer als sein Pendant auf der rechten Seite. Zudem konnte man anhand des leeren Zahnfachs erkennen, dass er nicht nur deutlich kleiner gewesen sein muss, sondern auch sichtlich nach hinten geneigt war.

    Mein erster Kontakt mit dem Schädel

    Unterseite eines Walschädels mit Teilen des Unterkiefers in einer Kiste
    Schädel des Narluga im Archiv des Zoologischen Museums Kopenhagen. (Foto Markus Bühler)

    Als der Schädel erstmals untersucht wurde, war seine genaue Identität noch nicht abschließend geklärt. Ursprünglich hielt man auch einen Narwal mit starken dentalen Anomalien für möglich, zog die Möglichkeit eines Hybriden allerdings auch schon in Betracht. Kürzlich vorgenommene Untersuchungen seines Erbgutes durch eine Forschergruppe um Eline Lorenzen vom Zoologischen Museum Kopenhagen konnten nun tatsächlich die Vermutung um seine hybride Herkunft bestätigten. Zudem konnte ermittelt werden, dass es sich bei diesem wirklich ungewöhnlichen Exemplar um eine Kreuzung aus einem weiblichen Narwal und einem männlichen Beluga handelte. Die Beschreibung der beiden anderen mutmaßlichen Hybriden durch Jens Larsen ist auch insofern bemerkenswert, weil sich hierbei die Frage stellt, ob diese alle unabhängig voneinander gezeugt wurden, oder ob sie möglicherweise alle die selbe Mutter oder den selben Vater hatten. Ohne verbliebene körperliche Relikte dieser beiden Exemplare wird sich diese Frage allerdings nie beantworten lassen.

    In der Diskobucht kommen sowohl Narwale als auch Belugas vor. Sie ist auch eine der wenigen Gegenden in welcher beide Arten auch zu ihrer jeweils unterschiedlichen Paarungszeit anzutreffen sind. Gelegentlich schließen sich einzelne Belugas auch Gruppen von Narwalen an, aber auch einzelne Narwale in Belugaschulen kommen gelegentlich vor. So hat sich ein junges und möglicherweise verirrtes Narwalmännchen sich im kanadischen Sankt-Lorenz-Strom den dort lebenden Belugas angeschlossen.

    Zwischen verschiedenen Walspezies gibt eine ganze Reihe von dokumentierten Hybriden. Sie treten sowohl unter Zahnwalen wie Delfinen oder Schweinswalen, als auch bei Bartenwalen auf.

    Ungewöhnliche Auswirkung der Genkombination

    Die Interaktion der unterschiedlichen Erbanlagen ist wirklich erstaunlich. Besonders dahingehend, dass jene Gene welche beim Narwal das Größenwachstum und die Torsion des Stoßzahns steuern, sich im stärkeren Maße auf die Zähne des Unterkiefers ausgewirkt haben, als auf jene im Oberkiefer. Es wäre sehr interessant zu wissen ob sich bei der umgekehrten Kreuzung zwischen einem Narwalmännchen und einem Belugaweibchen die Genkombinationen anders ausgewirkt hätten.

    Eine weitere erstaunliche Erkenntnis ergab die Untersuchung der Kohlenstoff- und Stickstoffisotpe im Kollagen des Knochens. Demnach ernährte sich der Narluga nicht von den gleichen Beutetieren wie Belugas oder Narwale. Er erbeutete vor allem Fische in tieferen Wasserschichten. Möglicherweise bevorzugte er aufgrund seiner ungewöhnlichen Bezahnung bestimmte Beute, die er nur in tieferen Wasserschichten finden konnte.

     

    Der 2. Teil des Artikels wird in einer Woche, am 7. Juli 2019 hier erscheinen


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

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    Dieser Beitrag ist zunächst in Markus Bühler’s Blog „Bestiarium“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des oben genannten Autors. Vielen Dank für die Erlaubnis, ihn hier verwenden zu dürfen.

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