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Die Kongo-Hominiden des Charles Cordier 2/4: Der Kikomba

Auswertung des cordierschen Berichts nach Gregory Forth

Cordier ist einer der wenigen Europäer, die halbwegs detaillierte Berichte über Kikomba bzw. Kakundakari überlieferten. Ein weiterer ist der belgische Herpetologe Paul Leloup, der seine Erkenntnisse zu diesem Thema allerdings nie selbst veröffentlichte, sondern sie lediglich Kollegen und Wissenschaftlern als Quelle überließ.

 

Es dürfte auch insgesamt sehr schwer fallen, von Europa aus weitere Berichte über die Kryptide herauszufinden: Schließlich existiert noch nicht einmal ein einheitlicher Name, unter dem man nach ihnen suchen könnte. Sie schlicht als „wildmen“ zu bezeichnen, wäre ebenfalls nicht zielführend. So betitelten die europäischen Kolonialherren nämlich teils auch die einheimische Bevölkerung.

 

Daher sollten die durch Cordier überlieferten Informationen desto genauer betrachtet und interpretiert werden. Der Anthropologe Gregory Forth hat hierzu einen Versuch unternommen:

 

Prof Gregory Forth, Fachmann für Menschenaffen
Professor Gregory Forth, Fachmann für Anthropologie (Foto: University of Alberta)

 

Wie Forth den Bericht interpretiert

Im Wesentlichen fasst auch Forth zunächst den Bericht Cordiers zusammen. Er fügt dem allerdings noch ein Detail hinzu, das der Tierfänger nicht explizit erwähnt: Nicht nur das Fell, sondern auch die Haut des Kikomba sind demnach ganz schwarz.

 

Haut und Haar schwarz, der Kikomba?
Berggorilla-Männchen im Kongo, schwarzes Fell, schwarze Haut

 

Forth ist sich sicher, dass es sich beim Kikomba entweder um einen fehlidentifizierten Schimpansen, Bonobo oder einen Gorilla handeln muss. Diesen konservativen Ansatz begründet er stichhaltig:

Das Aussehen des Kikomba ist stark affenartig. Es gibt der Beschreibung nach keinen Grund, anzunehmen, dass dieses Kryptid ein menschliches Wesen darstellen soll.

 

Auch die Verhaltensweisen dieses Wesens bezeichnet er als weitgehend konsistent mit denen der bekannten Menschenaffen: So stellt der Gebrauch von Stöcken als Werkzeug keine Seltenheit dar. Der zweibeinige Gang ist laut Forth vor allem dann stellenweise zu beobachten, wenn die Affen einen Gegenstand in den Händen halten. Auch kann die Angriffslust des Kikomba als Territorialverhalten gewertet werden.

 

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Expedition nach Westafrika

 

Pierre Savorgnan de Brazza (1852-1905) reiste bereits im Alter von 20 Jahren zum ersten Mal nach Afrika. Dort führte er mehrere Expeditionen ins Gebiet der heutigen Staaten Gabun und Republik Kongo durch, gründete die Militärposten Franceville und Brazzaville und war von 1886 bis 1898 Generalkommissar von Französisch-Kongo.

 

Expedition nach Westafrika: Vom Ogowé zum Kongo. übersetzt das erste Mal die Vorträge und Briefe Brazzas ins Deutsche. Das gebundene Buch ist bei edition erdmann erschienen und hat 296 Seiten.

 

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Als wahrscheinlichster Kandidat unter Schimpanse, Bonobo und Gorilla erscheint dem Anthropologen der letztere: Sein Verbreitungsgebiet überschneidet sich demnach am stärksten mit dem Sichtungsgebiet des Kikomba. Auch ist das Gesicht des Gorillas schwarz und er ist dem Kikomba im Körperbau ähnlich.

 

Alternativ kann man den Kikomba Forth zufolge auch mit dem Bili-Affen identifizieren: Dessen Erscheinungsbild würde schließlich auch dem Kikomba entsprechen. Darüber hinaus liegt der Bili-Wald in relativer Nähe zu den Sichtungsorten des Kikomba.

 

Gorilla, ist er der Kikomba?
Gorillas sind im Kongogebiet weit verbreitet, jedoch nie häufig.

 

Eine kritische Auseinandersetzung mit den Argumenten Forths

Die Aussagen Forths sind zunächst einmal plausibel: Der Bonobo scheidet aufgrund seiner geringen Körpergröße von vorne herein aus. Es bleiben also noch Gorilla und Schimpanse. Unter den ostafrikanischen Schimpansen stellen wiederum die Biliaffen aufgrund ihrer kräftigeren Statur den wahrscheinlichsten Kandidaten dar.

 

Auch, dass das Tragen von Gegenständen bei Menschenaffen einen kurzfristig zweibeinigen Gang begünstigt, klingt realistisch. Dem ist jedoch hinzuzufügen, dass dies nicht zwangsweise der einzige Grund dafür sein muss, warum der Kikomba niemals auf allen Vieren beobachtet wurde: Fast alle Zeugen berichteten davon, dass sie von diesem Affen angriffen wurden. Das Aufrichten auf die Hinterbeine stellt ein typisches Drohverhalten dar, welches vor einem Angriff zur Schau gestellt wird.

 

Regen über dem Kongo, lebt hier der Kikomba?
Regen über dem Regenwald im Kongo

 

Warum aber Forth den Gorilla gegenüber dem Schimpansen favorisiert, ist nicht unbedingt nachvollziehbar. Es weichen nämlich etliche Verhaltensweisen des Kikomba von denen des Gorillas ab. So besteigt der Kikomba etwa häufig Bäume, wozu zumindest männliche Gorillas eher nicht in der Lage sind.

 

Es ist davon auszugehen, dass Forth sein Urteil primär an der angeblich beeindruckenden Größe des Kikomba, seinem schwarzen Gesicht und seiner vegetarischen Ernährungsweise festmacht.

 

Kleinere Ungereimtheiten in Forths Argumentation

Nur ist schon Forths Ansatz, dass Bonobos und Gorillas über schwarze, Schimpansen aber über helle Gesichter verfügen, nicht grundsätzlich richtig: Dass die Gesichter von Bonobos und Gorillas schwarz sind, stimmt. Dass dagegen das Gesicht des Schimpansen immer weiß ist, ist falsch – das kommt auf die Art an:

 

Die Haut des westafrikanischen Schimpansen ist tatsächlich hell. Nur liegt die Demokratische Republik Kongo außerhalb seines Verbreitungsgebietes. Dort ist dagegen der ostafrikanische Schimpanse beheimatet, dessen Haut dunkel ist. Eine seiner Unterarten stellt wiederum der Biliaffe dar.

 

Schimpansen sind die kleinsten Menschenaffen
Je ein Schimpanse mit hellem und dunklem Gesicht.

Auch, was die Ernährung desjenigen Tieres betrifft, vertraut Forth seltsamerweise stärker auf die anekdotischen Berichte der Einheimischen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen, die er selbst zitiert, misst er in seiner Einschätzung keine so große Bedeutung bei:

 

So wird immer wieder berichtet, dass der Schrei des Kikomba dem eines Hirschferkels ähnlich ist. Zugleich berichteten die Augenzeugen laut Forth selbst, dass man immer wieder Spuren des Kryptiden in der Nähe von Spuren des Hirschferkels finde. Zuletzt zitiert er noch wissenschaftliche Beobachtungen aus Tansania, laut denen Schimpansen Hirschferkel jagen.

 

Folglich erscheint es doch sehr wahrscheinlich, dass der Schimpanse, nicht der Gorilla mit dem Kikomba gleichzusetzen ist. Demnach wäre die Annahme, dass der Kikomba (vom Verzehr von Insektenlarven abgesehen) vegetarisch lebe, falsch. Möglicherweise konnten die Augenzeugen das Jagdverhalten des Kikomba-Schimpansen nur noch nicht beobachten.

 

 

Eine Frage der Verbreitung

Ob der (Bili-)Schimpanse der wahrscheinlichere Kandidat als der Gorilla ist, ist natürlich auch von deren jeweiligen Verbreitungsgebieten abhängig: je stärker sich diese überschneiden, desto wahrscheinlicher kann man den Kikomba mit der jeweiligen Art gleichsetzen.

 

mögliche Kikomba-Aktivitäten
Die Kikomba-Aktivitäten sind im zentralen Osten des Kongo mit Tendenz nach Norden lokalisiert

 

Für das Sichtungsgebiet des Kikomba existieren durch die Skizze Cordiers recht präzise Angaben: So liegt es klar weit im Osten der DR Kongo. Was die Nord-Süd-Orientierung betrifft, fällt eine Beschreibung etwas schwerer: Das Verbreitungsgebiet liegt etwa inmitten des Landes mit leichter Tendenz in den Norden.

 

Menschenaffen: Verbreitung der vier Gorilla-Unterarten
Verbreitungsgebiete der zwei Gorilla-Arten mit je zwei Unterarten

 

Wenn Gregory Forth behauptet, dass sich das Sichtungsgebiet klar mit dem Verbreitungsgebiet des (östlichen) Gorillas überschneide, hat er recht. Vergleicht man die entsprechenden Landkarten, liegt das Verbreitungsgebiet der Unterart Gorilla beringi graueri fast schon im Epizentrum der Kikomba-Aktivitäten.

 

Dasselbe gilt aber auch für das Verbreitungsgebiet des ostafrikanischen Schimpansen (das auch insgesamt deutlich größer ist.) Nun handelt es sich bei diesem aber um die kleinere der beiden Schimpansenarten. Der Kikomba wird dagegen immer wieder als groß und extrem kräftig beschrieben.

 

Verbreitung der Schimpansen-Unterarten
Verbreitungsgebiete der vier Unterarten des Großen Schimpansen und des Bonobos

 

Wie nah ist der Bili-Wald?

Größenangaben aus Augenzeugenberichten sind stets mit Vorsicht zu genießen. Auch sollte man nie vergessen, dass selbst ein ganz durchschnittlicher Schimpanse nach menschlichen Maßstäben über unglaubliche Körperkräfte verfügt.

 

Trotzdem soll an dieser Stelle noch einmal überprüft werden, wie nahe der Bili-Wald denn tatsächlich dem Sichtungsgebiet des Kikomba liegt. Schließlich stellt der Bili-Schimpanse eine Unterart dar, die selbst Primatologen nicht auf Anhieb eindeutig identifizieren konnten. Seine besonders ungewohnte Erscheinung könnte Anlass zu Berichten über den Kikomba geboten haben.

 

Sucht man in Google Maps nach Bili, folgt bald die Ernüchterung: Die Regien liegt deutlich zu weit nördlich, um Überschneidungen mit dem von Cordier notierten Gebiet zu haben. Dass einzelne Exemplare des Bili-Schimpansen weit aus ihrem eigentlichen Verbreitungsgebiet wandern, kann man nicht völlig ausschließen. Dass diese versprengten Exemplare aber für sämtliche Kikomba-Sichtungen verantwortlich sein sollen, erscheint dagegen eher unwahrscheinlich.

 

Kikomba und Bili
Epizentrum der Kikomba-Aktivitäten (grün) und die ungefähre Lage des Bili-Waldes am gleichnamigen Fluss (rot).

 

Folglich muss die These angepasst werden: Dass der Kikomba ein Schimpanse ist, bleibt weiterhin wahrscheinlich. Ein Bili-Affe ist er aber höchstwahrscheinlich nicht.

 

Überlegungen zum Kikomba-Fußabdruck

Neben den Berichten der Einheimischen kann eventuell noch der durch Cordier beschriebene Fußabdruck für die Artzuordnung herangezogen werden.

 

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Die Erforschung des Flusses Kasai

Im Innern Afrikas: Die Erforschung des Flusses Kasai ist der Reisebericht der zweiten Afrikareise des Herrmann von Wissmann. Er reiste keineswegs zum Selbstzweck, sondern im Auftrag König Leopold II. von Belgien, um Verkehrswege im Kongo zu erforschen. Das Buch lebt von seiner atmosphärischen Dichte der Beschreibung Westafrikas in den frühkolonialen Jahren. Es ist mit einigen, aber sehr hochwertigen Tuschezeichnungen illustriert.

 

Der Reisebericht ist als gebundenes Buch mit 536 Seiten und für den Kindle bei edition erdmann erschienen.

 

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Eine detailarme Schilderung

Leider widmet Cordier der Beschreibung des Abdrucks nur zwei Sätze. Auch eine Fotografie konnte er aufgrund des zufällig hereinbrechenden Starkregens nicht anfertigen. Möglichst wortgenau ins Deutsch übersetzt lautet seine Beschreibung:

 

 

„Oberflächlich ähnelte [der Abdruck] dem eines Menschen, aber er war nicht länger als 20 cm und sehr breit. Er hatte auch die Besonderheit, dass der zweite Zeh den großen Zeh an Länge übertraf“

Cordier (1963)

 

Der „übertroffene“ Zeh

Die Formulierung im zweiten Satz ist äußerst schwer zu deuten: Das französische Verb „dépasser“ hat je nach Satzkonstruktion mehrere Bedeutungen. Grammatikalisch betrachtet kommt nur „dépasser qn/qc de qc“ („jemanden/etwas an etwas übertreffen“).

 

So viel zur Sprachanalyse – nun stellt sich aber die Frage, wie der derartig beschriebene Fußabdruck nur in natura ausgesehen haben mag:

 

Der erste Gedanke wäre, dass der zweite (normalerweise kleinere Zeh) als Gliedmaße größer war, als der Große Zeh. Aber welches Tier mit annähernd menschlichen Fußabdrücken sollte anatomisch so seltsam gebaut sein?

 

So erscheint es weitaus wahrscheinlicher, dass nicht die Länge der Zehenglieder selbst gemeint ist, sondern ihre Positionierung am Fuß: Geht man von einem (nicht-menschlichen) Menschenaffen als Urheber des Fußabdruckes, verfügt dieser über einen daumenartigen Greif-Zeh anstelle des weit weniger nützlichen großen Zehs des Menschen. Dieser ist leicht seitlich am Fuß zurückversetzt, sodass die übrigen Zehen „vor“ ihm enden.

 

Davon soll im Folgenden ausgegangen werden:

 

 

Die Artfrage

Nun gilt es nur noch festzustellen, welche Menschenaffenart wahrscheinlichster Urheber des Fußabdrucks war.

 

Der Bonobo scheidet als Urheber aus, da sein Verbreitungsgebiet deutlich außerhalb der durch Cordier beschriebenen Region liegt.

 

Die einzige weitere Information zur Identifikation des Abdrucks besteht in der Länge des Abdrucks, welche 20 cm betrug.

Zum Vergleich wurden die Websites zweier Fachgeschäfte für Naturkunde herangezogen. Dort gibt es Abgüsse von Gorilla- bzw. Schimpansen-Füßen zu kaufen und auch Längenangaben zu den jeweiligen Artikeln machen die Händler.

So hat der vorliegende Schimpansen-Fuß eine Länge von 26 cm, die Länge des Gorilla-Fußes beträgt 12 ½ Zoll (ca. 31,75 cm). Beide Abgüsse stammen von männlichen Tieren, einem Flachlandgorilla und einem Gemeinen Schimpansen unbekannter Unterart. Die Zehen sind jeweils nicht sehr stark angewinkelt, aber auch nicht völlig durchgestreckt.

Man muss natürlich berücksichtigen, dass der Urheber des cordierschen Fußabdrucks nicht zwingend männlichen Geschlechts gewesen sein muss. Die Weibchen von Gorilla wie auch Schimpanse sind durchschnittlich kleiner, als ihre männlichen Artgenossen. Auch gibt es Größenunterschiede zwischen den verschiedenen Populationen.

 

Füße eines Schimpansen, auch die Füße des Kikomba?
Füße eines Schimpansen im Zoo

 

Dennoch erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass der Abdruck von einem Gorilla stammte. Cordier hatte Gelegenheit, sich direkt neben den Abdruck zu stellen und gibt die Größe dennoch nur mit etwa 20cm an. Wieso er ihn um ca. die Hälfte unterschätzt haben sollte, ist nicht nachvollziehbar.

 

Auch dieses Detail deutet also tendenziell darauf hin, dass der Kikomba mit dem ostafrikanischen Schimpansen gleichzusetzen ist.

 

Gorilla-Fuß
Fuß eines Gorillas zum Vergleich


 

Der erste Teil ist vergangenen Donnerstag hier erschienen.

 

Der dritte Teil wird erst in 14 Tagen, am Donnerstag, den 23.9. an dieser Stelle erscheinen.

 

Nächsten Donnerstag kommt hier ein semi-aktueller Beitrag.




Die Kongo-Hominiden des Charles Cordier 1/4

„‘New‘ giant ape found in DR Kongo”, so titelten die BBC News im Oktober 2004. Die Primatologin Shelly Williams glaubte, das Unmögliche vollbracht zu haben: Im 21. Jahrhundert, einem Zeitalter, in dem die Erde (von den Ozeanen abgesehen) fast vollständig erforscht schien.

 

Seltsam sahen diese Bili-Affen, wie man sie bald nannte, aus – und sie verhielten sich auch so. Die Riesen von einer Körpergröße bis zu zwei Metern wiesen eine seltsame Mischung von Merkmalen der Gorillas einerseits und der Schimpansen andererseits auf.

 

Screenshot BBC
So titulierte die BBC die Entdeckung am 10. Oktober 2004

 

Auf die Euphorie folgte aber bald darauf ein Stück weit die Ernüchterung: Der Bili-Affe war weder eine eigene Art, noch – aus genetischer Sicht eigentlich per se absurd – eine Kreuzung aus Schimpanse und Gorilla. Durch DNA-Analysen in den Jahren 2005 und 2006 stellte sich schließlich heraus, dass der Bili-Affe all seiner Seltsamkeiten zum Trotz lediglich eine Unterart des Ostafrikanischen Schimpansen darstelle. Damit war die Entdeckung Williams‘ zwar zoologisch immer noch hochrelevant, für die Weltöffentlichkeit aber ungleich unspektakulärer.

 

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Vom Kongo zum Niger und Nil

Dies ist die Reproduktion des populären Reiseberichtes von Adolf Friedrich Herzog von Mecklenburg-Schwerin, der die zweite deutsche Zentral-Afrika-Expedition 1910 – 11 leitete.
Bei diesem Buch handelt es sich um gebundene Scans der Originalausgabe mit zahlreichen, auch heute noch interessanten Abbildungen. Es ist (natürlich) in deutscher Sprache geschrieben.

 

Vom Kongo Zum Niger Und Nil hat 540 Seiten und ist fast genau 100 Jahre nach dem Original, 2012 bei Nabu Press erschienen. Es ist als Taschenbuch antiquarisch erhältlich, jedoch nur in begrenzter Zahl.

 

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Der Bili-Affe ist also eine wissenschaftlich beschriebene und systematisch eingeordnete Unterart. Somit ist er kein Kryptid mehr und sein Geheimnis wurde eben bereits in der Einleitung dieses Artikels gelüftet. Trotzdem könnte er auf der Suche nach menschenähnlichen Kryptiden im Kongo noch relevant werden – doch davon später mehr.

 

Die Ausgangsquelle dieses Artikels liefert ohnehin ein anderer. Charles Cordier hieß dieser Mann, der Mitte des 20. Jahrhunderts als Tierfänger vornehmlich in Afrika tätig war. Schimpansen und Gorillas kannte er also zweifelsohne aus nächster Nähe. Trotzdem berichtet er nicht von einer, sondern gleich zwei unbekannten, menschen- bzw. affenähnlichen Arten. Zwar bekam er sie nie zu Gesicht, er konnte aber etliche Augenzeugen ausfindig machen und soll selbst Fußabdrücke der Kryptide gesehen haben.

 

Die Expedition zur Entdeckung beider Arten fand im Verlauf des Jahres 1960 statt.

 

Ortsfragen

 

Bevor man sich mit den beiden Kryptiden im Einzelnen befasst, sollte zunächst geklärt werden, wo denn überhaupt ihr Lebensraum liegen soll. Dieser kann später mit den Populationsgebieten bekannter Arten abgeglichen werden. Überschneiden sie sich nicht, ist die bekannte Art wahrscheinlich nicht mit dem Kryptid identisch.

 

Kongo - Becken
Das Kongobecken ist das zweitgrößte zusammenhängende tropische Urwaldgebiet der Erde (Karte: Kmusser CC-BY-SA-4.0)

 

Ein grober Überblick

In Cordiers Bericht ist eine Zeichnung enthalten. Diese zeigt alle in einer grob schematischen Darstellung alle Örtlichkeiten, die er m Rahmen seiner Recherchen zu den Kryptiden besuchte. Sie liegen in einem klar umgrenzten Gebiet:

Die nördliche Grenze stellt der „nulllte“ Breitengrad – sprich: der Äquator – dar, die südliche der 4 Breitengrad. Die westliche Grenze macht der 26. Längengrad aus, die östliche der 30. Längengrad. Demnach kommt also nur ein Bruchteil der heutigen Demokratischen Republik Kongo als angebliches Verbreitungsgebiet des Kryptide in Frage.

 

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Herz der Finsternis – Roman

In seinem berühmten Roman ›Herz der Finsternis‹ verarbeitet Joseph Conrad seine abenteuerliche letzte Reise nach Afrika, die er nur mit viel Glück überlebte und die ihm für den Rest seines Lebens eine zerrüttete Gesundheit und alptraumhafte Erinnerungen bescherte.

Kapitän Marlow berichtet von seiner Fahrt ins Innere eines unbekannten Kontinents. Die Reise in den Dschungel öffnet ihm nicht nur die Augen über die dunklen Abwege europäischer Eroberungen; sie wird zur Entdeckungsreise: ins Ungewisse der eigenen Existenz, in die Untiefen des Halb- und Unterbewusstseins, ins finstere Labyrinth von Lüge und Schuld.

 

Herz der Finsternis: Roman ist eine Neu-Übersetzung, die bei Kritikern wie Publikum viel Anklang fand. Diese Version ist 2005 bei dtv erschienen und hat 144 Seiten im Taschenbuchformat. Es ist auch als gebundenes Buch antiquarisch sowie als Hörbuch und für den Kindle erhältlich.

 

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Etwas detailliertere Beschreibungen

Weiterhin gibt Cordier an, dass er (beinahe) ausschließlich in der Provinz Kivu – bzw. denjenigen Teilen der Provinz, die innerhalb der zuvor grob angegebenen Region liegen –  recherchiert habe.

Innerhalb der Provinz erwähnt der Tierfänger die Region Walikale. Er orientierte sich an den Flüssen Osso, Lowa und Uku. So entsteht ein relativ dichtes Bild davon, in welchen Gebieten er sich auf der Suche nach den Kryptiden angehalten hatte.

Das „Epizentrum“ beider Kryptidenpopulationen soll in der Nähe der Ortschaft Kasese liegen. Diese zeichnet sich ansonsten durch den Bergbau aus, der dort intensiv betrieben wird.

 


Lage von Walikale im Kongo, nahe der Grenze zu Ruanda und Uganda
 

Kikomba – der haarige Riese

 

Das erste der beiden Kryptiden wird im Folgenden als Kikomba bezeichnet werden. Diese Wahl ist völlig willkürlich getroffen und dient lediglich zum erleichterten Leseverständnis. Der Name des stets ähnlich beschriebenen Kryptids variiert nämlich von Ortschaft zu Ortschaft stark.

Cordier schlug als Alternativbezeichnung noch den selbst geprägten Begriff „Paranthropus congensis“ vor. Damit gab er einer Art, deren Existenz noch gar nicht erwiesen war, einen pseudowissenschaftlichen Namen. Worin der Vorteil bestehen soll, diesen gegenüber einem der volkstümlichen Namen zu verwenden, sei dahingestellt.

 

Kongo
Die Region um Walikale zeichnet sich durch mehrere spektakuläre Katarakte aus.

 

Beschreibung des Kikomba

Wie eingangs erwähnt, bekam Cordier keines der Kryptiden persönlich zu Gesicht. Er musste sich daher auf Berichte der einheimischen Bevölkerung stützen. Darauf basieren demnach auch alle Annahmen zum Kryptid in diesem Artikel.

 

Ein aufrecht gehender Affe

Zum Äußeren des Kikomba macht Cordier keine allzu detaillierten Angaben. Er bezeichnet das Wesen als „noir velu“,  also als „stark schwarz behaart“. Dies dürfte einerseits auf die Fellfarbe anspielen, andererseits aber auch auf die Länge der Haare. Diese sind laut den Einheimischen nämlich zumindest auf dem Kopf so lang, dass sie das Gesicht des Kryptids bedecken. Auch die Dichte seines Fells spielte wohl eine Rolle in dieser Beschreibung.

Das sonst affenartige Wesen verfügt über ein höchst menschliches Merkmal: Es geht angeblich die ganze Zeit über aufrecht. Dadurch wird auch seine enorme Größe leicht erkennbar. Der Kikomba ist mindestens ebenso groß, wie der durchschnittliche Einheimische, teils noch größer.

 

Gorilla
Gorillas sind im Kongogebiet weit verbreitet, jedoch nie häufig.

 

Allerdings hält sich der Kikomba nicht exklusiv am Boden auf. Er besteigt auch Bäume, unter anderem, um dabei Honig zu ernten.

Seine Ernährung ist fast ausschließlich vegetarischer Art. Cordier zählt verschiedene Pflanzen und Früchte auf, die dem Kryptid als übliche Nahrung dienen. Lediglich Insektenlarven verzehrt der Kikomba darüber hinaus gelegentlich, indem er Stämme von Totholz aufbricht. Ob er einfache Werkzeuge gebraucht, wird nicht eindeutig beschrieben – es steht allerdings zu vermuten. Er führt nämlich beinahe immer einen Ast mit sich.

Trotz der vegetarischen Lebensweise ist der Kikomba keineswegs ein friedliches Wesen. Den zuvor erwähnten Stock nutzt er nämlich als Schlagwaffe, sobald er einem Menschen begegnet. Dabei ist der Kikomba diesem an Körperkraft bei weitem überlegen. Um den Angriff zu überleben, muss sich der Angegriffene totstellen. Dann lässt das Kryptid sofort von ihm ab.

 

 

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Afrika-Durchquerung

Saharasand und Schlammschlacht am Kongo

Kennengelernt haben sich Ilona Hupe und Manfred Vachal 1989 in Kenia, als beide unabhängig voneinander mit dem eigenen VW-Bus den afrikanischen Kontinent durchquerten. Dieses spannende Zeitdokument beschreibt die nahezu parallel verlaufenden Reisen, deren größte Herausforderungen die Durchquerung der Sahara und des kongolesischen Urwalds waren. Die beiden Autoren erzählen abwechselnd dramatisch, witzig, offen und selbstkritisch aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Situationen. Rückblickend bezeichnen beide diese in vielerlei Hinsicht extreme Erfahrung als den „Trip ihres Lebens“. Gleichzeitig war dies der Beginn einer großen Liebe und ebnete den Weg für eine gemeinsame berufliche Laufbahn, die bis heute sehr eng mit Afrika verknüpft ist. Seit 25 Jahren veröffentlichen sie Reiseführer für Indiviudalreisen in mittlerweile sieben afrikanische Länder. Dies ist das große Abenteuer, mit dem alles begann.

 

Sahara-Sand und die Schlammschlacht am Kongo ist 2021 im Selbstverlag erschienen und hat 224 Seiten.

 

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Der verwaschene Fußabdruck

Wenn er auch nicht das Kryptid selbst fand, glaubte Cordier doch, zumindest einen Blick auf einen Fußabdruck erhascht zu haben.

Ein Mann, der einige Zeit zuvor angeblich von einem Kikomba angegriffen worden war, wies ihm den Weg. Die Örtlichkeit befand sich etwa 14 km von der Goldmine von Umate entfernt.

Die Vegetation neben der Straße wies menschenähnliche Spuren auf. Insbesondere sie abgeknickte Vegetation fiel den beiden Männern auf. Sie konnten den Spuren nicht bis zu ihrem Urheber folgen – wohl weil der Bodengrund nach einiger Distanz dafür ungeeignet war.

 

Dafür hatte Cordier aber die Gelegenheit, die Fußabdrücke näher zu untersuchen. Er beschreibt sie als menschenähnlich, aber deutlich kürzer, als man es bei einem menschengroßen Wesen erwarten dürfte. Die Länge betrug nur etwa 20 cm. Dafür waren sie sehr breit.

Gorilla-Fuß
Fuß eines Gorillas zum Vergleich

Eine weitere Besonderheit stellten die Zehen dar: Der zweite Zeh – d.h. derjenige, der auf den großen Zeh folgt – erschien ihm länger, als der letztgenannte.

 

Der Tierfänger hatte angeblich sogar daran gedacht, einen Fotoapparat mitzubringen. Gerade wollte er fotografieren, als plötzlich ein heftiges Gewitter losbrach. Dadurch verschwamm der Fußabdruck bis zur Unkenntlichkeit. Nun sind Gewitter im tropischen Regenwald an der Tagesordnung, doch das perfekte Timing macht schon stutzig…


Teil 2 des Beitrages ist nächsten Donnerstag, 9.9. an dieser Stelle zu finden




Medienmittwoch: Images of the Wildman in Southeast Asia

Gregory Forth: Images of the Wildman in Southeast Asia. An anthropological perspective

 

Der Titel ist sperrig und das Cover kommt ausgesprochen schlicht daher. Auf den ersten Blick wirkt Gregory Forths „Images oft he Wildman in Southeast Asia“ wie eine Arbeit, die Anthropologie-Studenten lesen, weil sie eben müssen.

Doch der Eindruck täuscht: Dieses Sach- bzw. Fachbuch bietet nicht nur für Anthropologen wertvolle Informationen, sondern auch für Jeden, der sich für Hominologie interessiert. Denn die wilden Männer, von denen Forth berichtet, haben mehrheitlich mehr mit Yeti und Bigfoot, als der europäischen Sagengestalt zu tun

 

Orang Pendek?

 

Umfangreiche Informationen – teils aus erster Hand

In fünf Kapiteln, die sich verschiedenen Regionen Südostasiens widmen, wird eine Vielzahl von Hominiden vorgestellt. Der besondere Fokus liegt dabei auf dem Orang Pendek von Sumatra und dem Ebu Gogo von Flores.

Diese beiden sind sicherlich die berühmtesten der vorgestellten Hominiden – was nicht viel heißen will, da sie außerhalb der Kryptozoologie nur in ihren Heimatregionen einigermaßen bekannt sind. Zu ihnen liegen auch die meisten Berichte vor, was die umfangreicheren Erläuterungen erklärt.

Forth hat dabei aber einen Luxus, den sich der durchschnittliche Kryptozoologe nicht leisten kann: Er betreibt Feldforschung. So gibt er nicht einfach vielfach weitererzählte und damit möglicherweise verfälschte Berichte weiter. Stattdessen bezieht er durch gute Kontakte mit den Einheimischen seine Informationen häufig aus erster Hand.

Neben den bekannteren Kryptiden werden auch noch weitgehend obskure wilde Männer wie der „Mili Mongga“ vorgestellt. Solche Abschnitte sind deutlich kürzer, aber nicht weniger interessant.

 

 

Hominiden außerhalb Südostasiens als Bonus

Trotz des Titels beschränkt Forth sich nicht auf die Hominiden Südostasiens. Die letzten beiden Kapitel befassen sich mit wilden Männern im restlichen Asien sowie auch weltweit.

Die letzteren Profile sind deutlich kürzer gehalten. Auch fehlen eigene Feldrecherchen Forths, der sich auf den Forschungsschwerpunkt Südostasien spezialisiert hat.

Das kann aber nicht als Makel bewertet werden: Forth liefert schließlich mehr, als er versprochen hat. Dazu kommt, dass er die Hominiden außerhalb Südostasiens mit denen innerhalb Südostasiens abgleicht. So treten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zutage, aus denen der Anthropologe dann wieder Rückschlüsse auf die jeweiligen Kulturen der menschlichen Einwohner zieht.

 

Siamang
Wird der größte der Gibbons, der Siamang für einen Hominiden gehalten?

 

Fachwissen in angenehmer Darstellung

Dabei achtet Forth stets darauf, wissenschaftlich sauber zu schreiben. Es finden sich zumindest auf den ersten Blick keine Informationen aus zweiter Hand, für die er nicht eine Quelle angegeben hätte. In den etablierten Wissenschaften ist das Standard – manch ein kryptozoologischer Autor könnte sich aber ruhig ein Beispiel daran nehmen.

Auch über Forths Stil kann man sich nicht beschweren: In Anbetracht des Covers würde man einen mit anthropologischen Fachbegriffen überladenen, hochwissenschaftlichen Stil erwarten. Dem ist nicht so: Forth ist niemals unsachlich in seinen Schilderungen, die aber auch für Laien völlig problemlos verständlich sind.

Einziger Wermuttropfen sind die Bebilderungen: Sie sind in schwarz-weiß gehalten. Bei den meisten Darstellungen ist das zwar nicht ganz so schön wie ein Farbfoto, aber auch nicht schlimm. Wenn dann aber die ohnehin schon kleine Fotografie eines Dolchs nur in Graustufen abgedruckt wird, kann man das darauf dargestellte Relief kaum mehr erkennen.

 

Orang-Utan sitzt auf einer steilen Flußböschung auf Borneo
Orang Utan in der Wildniss

 

Ein Geheimtipp der Hominologie

Ein echter Geheimtipp bleibt das Buch nichtsdestotrotz. Wer allgemein nach kryptozoologischen Werken sucht, wird nicht fündig. Hierfür muss man schon speziell nach einem der im Buch behandelten Hominiden suchen.

Trotzdem „Images oft he Wildman in Southeast Asia“ nicht als kryptozoologisches Werk vermarktet wird, verhält sich Forth in keiner Weise herablassend gegen die Parawissenschaft: Im Gegenteil zitiert er durchaus auch Kryptozoologen wie Bernard Heuvelmans, ohne dabei völlig unkritisch mit deren Äußerungen umzugehen.

Wer sich also für eine aufgeschlossen-skeptische Perspektive zu den Hominiden Südostasiens (und weltweit) interessiert, ist bei Forth gut aufgehoben.

Mir persönlich hat das Buch bereits als wichtige Quelle zu gleich drei Artikelreihen (zu Orang Pendek, Orang Mawas und den Kongo-Hominiden des Charles Cordier) gedient. Daher kann ich es nur uneingeschränkt empfehlen.

 

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Images of the Wildman in Southeast Asia

Images of the Wildman in Southeast Asia: An Anthropological Perspective (English Edition) ist 2009 auf englischer Sprache erschienen. Es ist als gebundenes Buch, Taschenbuch und für den Kindle erhältlich. Das Taschenbuch ist mit etwa € 50,- bereits teuer, für das gebundene Buch werden Fanasiepreise aufgerufen.

 

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Die Identität des Thunderbird – beiläufig enthüllt?

„[T]he Indians say that it is thes [sic!] birds that make the thunder”

 

Paul Kane hat das Geheimnis des Thunderbird enthüllt
Paul Kane, Selbstportrait, ca. 1845

Hatte der Maler Paul Kane damit das Geheimnis um den legendären Thunderbird bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts gelüftet?

 

Er befand sich zwischen 1846 und 1848 auf einer Reise quer durch den Norden Amerikas, um Flora, Fauna und Ureinwohner des Kontinents zu zeichnen. Dabei besuchte er auch diverse kanadische Seen. Seine angeblichen Tunderbirds erblickte Kane am Playgreen Lake (den er als „Play Geene Lake“ schrieb).

 

Für den geneigten Kryptozoologen besteht aber kein Grund, selbst nach Kanada zu reisen, um den sagenhaften Vogel zu identifizieren. Diese Aufgabe hatte Kane ebenfalls bereits übernommen. Die Thunderbirds waren demnach nichts anderes als eine Gruppe Pelikane!

 

Auf den ersten Blick wirkt es natürlich enttäuschend, wenn wirklich ein so unspektakulärer Vogel hinter der fast schon mystischen Kreatur stehen sollte. Und trotzdem: dieser Ansatz muss weiterverfolgt werden. Durch ihn ist es potenziell möglich, ein Kryptid einer wissenschaftlich beschriebenen Tierart zuzuordnen,

 

Daher soll im folgenden Artikel überprüft werden, inwiefern die These, dass Thunderbird und Pelikan gleichgesetzt werden können, haltbar ist.

 

 

Kane Lake Huron
Ölgemälde von Paul Kane eines Indianercamps am Huronsee

 

Sichtungsberichte zum Thunderbird

 

Zunächst einmal gilt es, möglichst viele Informationen zum Thunderbird herauszufinden. Hierfür sollten Sichtungsberichte herangezogen werden. Schließlich behaupten bis in die heutige Zeit Menschen, den legendären Vogel gesehen zu haben.

 

 

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Thunderbird: Legends and Reality

Thunderbirds sind Riesenvögel, die den nordamerikanischen Indianern seit jeher bekannt sind. Diese Vögel sind Teil der Kultur, Totempfähle und mehr der indischen Geschichte und Mythologie. Die Riesenvögel wurden auch in der Neuzeit gesehen.

Einige Beobachter sagen, dass sie nur riesige reguläre Vögel sind, während andere sagen, dass sie das Aussehen von Pterodactylussen haben. Die Autoren überprüfen auch die vielen Berichte nicht nur in Nordamerika, sondern auf der ganzen Welt von Riesenvögeln und/oder fliegenden Reptilien. Ähnliche Sichtungen gibt es auch auf der ganzen Welt und die Autoren decken auch diese ab. Schließlich bemüht sich dieses Buch. herauszufinden, was diese Sichtungen sind es wirklich und ob sie auch ein Argument für lebende Flugsaurier in unserer Welt sein könnten.

 

Thunderbirds: Legends and Reality (The Legendary Animals and Creatures) ist am 16. April 2021 auf englischer Sprache erschienen. Es hat 65 Seiten und kostet als Taschenbuch € 11,62. Die Preise für Kindle und Hörbuch weichen ab.

 

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Strenggenommen geben die meisten Zeugen lediglich an, übermäßig große, fliegende Tiere gesehen zu haben. Diese werden – wenn sie auf dem nordamerikanischen Kontinent auftreten – in Anlehnung an die indianischen Legenden in der Kryptozoologie häufig als Thunderbird bezeichnet.

 

Thunderbird?
Große Vögel sind beeindruckend und Teil vieler Mythen indigener Völker

 

Daher ist es wenig verwunderlich, dass durchaus nicht alle Beschreibungen eines Thunderbirds auf einen Pelikan schließen lassen. Die Frage lautet daher nicht, ob jeder vermeintliche Thunderbird ein Pelikan ist, sondern ob in manchen Situationen ein Pelikan als Thunderbird (fehl)identifiziert wurde.

 

Sichtungsberichte werden unabhängig von ihrer Glaubwürdigkeit so weit wie möglich im Indikativ wiedergegeben. Dies dient lediglich ihrer besseren Lesbarkeit.

 

Fliegender Braunpelikan
Ein fliegender Braunpelikan

 

Tombstones fliegender Alligator – Arizona (1890)

Im 19. Jahrhundert beschränkte man sich offensichtlich nicht nur darauf ungewöhnliche Tiere zu beobachten. Stattdessen erschoss man sie kurzerhand – leider aber, ohne sie für die Nachwelt zu konservieren. Dies geht jedenfalls aus einem alten Bericht des Tombstone Epitaph hervor:

 

 

 

Am 20.04.1890 beobachteten zwei Männer ein außergewöhnliches Wesen in der Wüste von Arizona. Es erschien ihnen wie eine Art unglaublich großer, geflügelter Alligator. Ob nun aus Angst, oder um es näher betrachten zu können: Die beiden Männer entschlossen sich, das Tier mit ihren Winchester-Gewehren zu erschießen. Das gelang ihnen auch.

 

Daraufhin näherten sie sich der Kreatur und vermaßen sie so gut, wie es eben möglich war. Die Länge des Tieres schätzten sie auf unglaubliche 90 Feet (ca. 27 Meter). Die Flügelspannweite soll sogar 160 Feet (ca. 49 Meter) betragen haben!

 

Auch, dass der „extrem lange Schädel“ mit Zähnen besetzt war, spricht eher gegen die These, dass die Männer im wahrsten Sinne des Wortes den Vogel abgeschossen hatten. Ebenso war das Wesen federlos und seine Flügel waren stattdessen mit einer dünnen Membran bespannt.

 

Laut dem Epitaph sollte das Tier später gehäutet werden. Falls dies gelang, scheint die Haut aber heutzutage verschollen zu sein.

 

Insgesamt lohnt es sich auch nicht, diese Geschichte im Rahmen der aktuellen Fragestellung weiterzuverfolgen. Bei der Kreatur handelte es sich höchstwahrscheinlich um eine Erfindung oder im unwahrscheinlichsten Falle um einen Flugsaurier. Es wäre nicht die einzige Beschreibung dieser Art. Um einen Pelikan konnte es sich aber nicht gehandelt haben. Deswegen wird dieser Artikel auch ähnlichen Sichtungen keine weitere Beachtung schenken.

 

Fake Pterodactylus als Thunderbird
Dieses Fake-Foto eines Pterodactylus-Modells geht auch in die Richtung: am besten ignorieren.

 

Der Thunderbird über der Straße – Alaska (2018)

Der Thunderbird wird häufig als riesig beschrieben. Ein beeindruckendes Beispiel stellen die Schilderungen der Augenzeugin Tabitha Bauer dar.

 

Sie befand sich gerade auf der Mendenhall Loop Road innerhalb des Mendenhall Valley. Plötzlich flog ein unglaublich großer Vogel (wohl relativ nahe an der Straße) vorbei. Die Zeugin schätzte seine Flügelspannweite auf etwa 20 Feet (etwa 6 Meter). Keine heute existierende Vogelart weist eine so enorme Flügelspannweite auf. Zugleich dürfte es aber auch schwierig für die Zeugin gewesen sein, so schnell und trotz ihres Schreckens eine genaue (und damit nicht übertriebene) Schätzung anzustellen.

 

Ist der Riesenseeadler der Thunderbird
Bei der Alaska-Sichtung könnte es sich um einen verirrten Riesenseeadler gehandelt haben

 

Bauer macht keine größeren Detailangaben. Das Wesen sei gefiedert gewesen. Die Federn beschreibt sie als schwarz, wobei unter Umständen auch die Lichtverhältnisse eine Rolle spielen könnten. Interessanter ist schon ihre Angabe, laut der der Vogel nicht über einen (klar sichtbaren) Schnabel verfügte. Der Pelikan mit seinem markanten Schnabel dürfte hier also nicht als  Urheber in Frage kommen.

 

Die Pennsylvania-Sichtungen (2001)

Im Sommer des Jahres 2001 wurden im Juni und Juli sogar mehrere Sichtungen eines riesigen Vogels berichtet.

 

Die Zeugen hielten den Vogel zunächst für ein Ultraleichtflugzeug. Sie wurden aber eines besseren belehrt, da ihr „Flugzeug“ offensichtlich gefiedert war und sich in einem Fall sogar zeitweise auf einem Baum niederließ. Trotzdem der Vogel dort etwa 15 Minuten verblieb, existieren keinerlei Fotos – in der Kryptozoologie leider der Normalzustand.

 

Die Flügelspannweite wird auch hier als außergewöhnlich groß beschrieben: Demnach betrug sie zwischen 12 und 17 Feet (ca. 3,7 – 5,2 Meter). Die unterste der Schätzungen entspricht noch am ehesten der Flügelspannweite eines real existierenden Vogels – dem Kalifornischen Kondor. Die höheren Schätzungen sind entweder falsch oder sie beschreiben eine unbekannte Art. Der letzteren Hypothese nachzugehen, ist aber nicht Zweck dieses Artikels.

 

Das Gefieder war laut den Zeugen dunkelgrau bis schwarz. Das Gefieder des Braunpelikans ist recht dunkel, das des ebenfalls in Nordamerika beheimateten Nashornpelikans dagegen schon deutlich heller. Ob die Zeugen tatsächlich ein Exemplar einer der beiden Arten gesichtet haben könnten, wird an späterer Stelle im Artikel deutlich werden.

 

Braunpelikane könnten der Ursprung des Thunderbird-Mythos sein
Hat man keinen Vergleich, können reglos dahin gleitende Braunpelikane auch als Ultraleichtflieger durchgehen.

 

Interessant ist jedenfalls auch ein weiteres Detail, welches die Zeugen erwähnen: Der Schnabel des Tieres sei außergewöhnlich lang gewesen. Diese Beschreibung würde durchaus auf einen Pelikan zutreffen.

 

 

Weggeschleppt vom Thunderbird – Illinois (1977)

Im nun folgenden Bericht ist der Mensch ausnahmsweise weder bloßer Beobachter, noch Aggressor. Vielmehr wäre dem Boston Evening Globe zufolge beinahe ein zehnjähriger Junge einem Riesenvogel zum Opfer gefallen:

 

Marlon (oder auch: Marlan) Lowe – so der Name des Opfers –  spielte mit zwei weiteren Jungen im Hinterhof seiner Eltern, als sich plötzlich ein riesiger Vogel auf sie stürzte. Lowe wurde ergriffen und etwa 20 Feet (ca. 6 Meter) weit geschleppt. Die Flughöhe des Vogels betrug in diesen Momenten nur etwa 2 Feet (ca. 0,6 Meter).

 

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Vogelriesen der Urzeit

Gefiederte Giganten stehen im Mittelpunkt des Taschenbuches „Vogelriesen in der Urzeit“. Weibliche Tiere der Gattung Dinornis („Schreckensvogel“) auf Neuseeland gelten mit einer Höhe bis zu 3,60 Metern als größte Vögel aller Zeiten. Der Donnervogel Dromornis in Australien erreichte ein Lebendgewicht von maximal 570 Kilogramm und war deswegen der schwerste Vogel der Erdgeschichte. Mit einer Flügelspannweite bis zu 8 Metern gebührt dem Greifvogel Argentavis aus Argentinien die Ehre, der größte fliegende Vogel gewesen zu sein. Nicht ganz so imposant wirkte der größte Meeresvogel Pelagornis in Nordamerika mit einer Flügelspannweite von 6,40 Metern. Die größten Eier legte der weibliche Elefantenvogel Aepyornis auf Madagaskar: Sie waren bis zu 35 Zentimeter lang und ihr Inhalt entsprach demjenigen von 200 heutigen Hühnereiern. Hesperornis, der „Vogel des Westens“ in Nordamerika, trug noch Zähne. Angst und Schrecken verbreitete der Terrorvogel Phorusrhacos in Südamerika. Der lange Zeit als Räuber verkannte Laufvogel Gastornis existierte auch in Deutschland.

 

Verfasser des Taschenbuches „Vogelriesen in der Urzeit“ ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der zahlreiche Werke über urzeitliche Tiere geschrieben hat.

 

Vogelriesen in der Urzeit: Rekorde gefiederter Giganten ist 2014 im GRIN Verlag erschienen und hat 300 Seiten. Es ist für den Kindle und als Taschenbuch erhältlich.

 

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Neben den beiden anderen Jungen war auch Marlons Mutter Augenzeugin des Angriffs. Schließlich schlug der Junge seinen Entführer, worauf er seine Beute fallen ließ. Die Krallen des Tieres hinterließen tiefe Kratzer in den Schultern des Jungen.

Wieder einmal: keine Belege

Leider ist wieder einmal kein Fotobeweis vorhanden. Auch Marlons Verletzungen wurden nicht fotografisch festgehalten, sodass man nicht beurteilen kann, wie groß der Angreifer denn tatsächlich war.

 

Königsadler entführt Marie Delex sicher kein Thunderbird
Stich zur Entführung von Marie Delex, die sich 1839 im Wallis ereignet haben soll. Sie ist nicht glaubhafter als die Entführung von Marlon Lowe.

 

Schon damals wurden diese Schilderungen in Zweifel gezogen. Der Junge wog zum fraglichen Zeitpunkt 70 Pound (ca. 32 kg) und wehrte sich heftig. Es war nicht nachvollziehbar, welcher heute noch lebende Vogel zu einem solchen Kraftakt in der Lage sein sollte.

 

Ein Pelikan dürfte es jedenfalls nicht gewesen sein – wenn die Geschichte nicht ganz oder teilweise erfunden ist.

 

 

Der Thunderbird in der indianischen Sagenwelt

 

Die zuvor wiedergegebenen Sichtungsberichte sind untereinander stark inkonsistent. Außer bei den Pennsylvania-Sichtungen ist es äußerst unwahrscheinlich, dass hier ein Pelikan für einen unbekannten Vogel gehalten wurde. Noch vor der Überprüfung weiterer Faktoren kommt er in den übrigen Berichten schon seines Aussehens wegen nicht in Betracht.

 

Im Folgenden werden zusätzlich zu diesen wesentlichen Sichtungsberichten noch indianische Beschreibungen bzw. Sagen zum Thunderbird erläutert werden:

 

Die „Nationalität“ von Kanes Führern

Als Paul Kanes Führer den Pelikan als Thunderbird identifizierten, befand er sich am Playgreen Lake. Dieser wiederum ist in der kanadischen Provinz Manitoba gelegen, also im Südosten Kanadas. Es ist davon auszugehen, dass Kanes Führer aus der Gegend stammten. Leider erwähnt er ihren Stamm nicht, sondern bezeichnet sie pauschal als „Indians“.

 

Durchsucht man die Datenbank der „Indigenous and Northern Affairs Canada“-Website, scheinen die Norway House Cree die wahrscheinlichste First Nation zu sein. Ihr Stammesgebiet liegt dem Playgreen Lake am nächsten.

 

Große Ähnlichkeiten in der (schlichten) Darstellung (eines Adlers)

Thunderbird Totem
Replika des Chief Skulka-Totems. Sie zeigt einen Thunderbird im Bildausschnitt. Foto: Joe Mabel CC BY-SA 3.0

Diese Unterscheidung erweist sich aber vor allem für Detailfragen als relevant. Die Darstellungen des Thunderbirds in der indianischen Kunst Nordwest-Amerikas sind sich nämlich erstaunlich ähnlich.

 

Das mag auch daran liegen, dass sie eher schlicht sind: Gewöhnlich werden nur die Umrisse der Sagengestalt dargestellt, sodass kaum Details erkennbar sind. Tatsächlich kostet es den Laien oft einige Mühe, Thunderbird-Bilder als Darstellungen einer vogelartigen Kreatur zu identifizieren. Sie wirken eher menschenartig.

 

Das ist unter anderem auf die gespaltenen Schwanzfedern des Thunderbirds zurückzuführen, die alle Darstellungen zeigen. Durch die sonstige Detailarmut könnte man sie für die Beine einer humanoiden Kreatur halten. Der Eindruck wird weiter verstärkt, wenn kein erkennbarer Schnabel vorhanden ist. Ob dieser Schnabel vorhanden ist, bzw. wie lang oder kurz er ausgeprägt ist, ist oft selbst innerhalb derselben Kunstwerke inkonsistent. Die dort gezeigten Individuen haben mal keinen, mal einen mehr oder weniger langen Schnabel.

 

Auch sonst sind die indianischen Beschreibungen des Thunderbird eher karg: Man stellt ihn sich als eine Art großen Adler vor. Weitere Ausschmückungen finden sich nicht.

 

 

 

Sind die Norway House Cree die Ausnahme?

Diese Beschreibung widerspricht aber den Aussagen von Kanes Führern: Selbst ein Großstädter ohne jedwede zoologische Kenntnisse könnte problemlos einen Adler von einem Pelikan unterscheiden. So müssen auch die wildniserfahrenen Cree dazu in der Lage gewesen sein.

 

Sind ihre Vorstellungen vom Thunderbird also völlig anders, als die der benachbarten Völker? Könnte es vielleicht an ihrer relativen räumlichen Nähe zum Playgreen Lake und zum sehr viel größeren Winnipeg Lake liegen?

 

Dazu macht der Archäologe Edward J. Lenik ins seinem Fachartikel „THE THUNDERBIRD MOTIV IN NORTHEASTERN INDIAN ART“ keinerlei Angaben. Eigentlich soll dieser Artikel die Thunderbird-Darstellungen in der Kunst des Nordostens Nordamerikas abdecken. Allerdings beschreibt Lenik nicht, dass die Vorstellungen vom Thunderbird innerhalb dieser – etwas lose definierten – Region wesentlich voneinander abweichen. Im Gegenteil, auch wenn er dies nicht ausdrücklich betont: Was die einzelnen Stämme zum Thunderbird berichten, ist beinahe identisch.

 

Der Thunderbird als Symbolfigur

Thunderbird Totem der Tlingit
Deutlich, auch von einander abweichende Darstellungen des Thunderbirds auf einem Totempfahl der Tlingit

Möglicherweise ist der Versuch, den Thunderbird in einen einheitlichen Körper zu pressen, allzu sehr in der europäischen Gedankenwelt verwurzelt. Wir wollen wissen, welches Tier der Thunderbird sein könnte – für die indigene Bevölkerung ist er aber gar kein Tier.

 

Vielmehr beschreiben die Indianer übereinstimmend, dass es sich um ein magisches Wesen handele, das unter anderem auch eine menschliche Gestalt annehmen könne. Lenik spekuliert, dass das auch der Grund für dafür sein könnte, dass der Thunderbird menschenähnlich dargestellt wird.

 

Auch davon abgesehen ist die Gestalt des Wesens nicht weiter wichtig für die First Nations. Was dagegen für sie relevant ist: Der Thunderbird bringt mit dem Donner, den er ins Land trägt, Regen – und er schützt sie Menschen vor Monstern. Man sollte ihn also mehr als eine wohlwollende Naturgewalt, denn als Lebewesen sehen.

 

Vielleicht – und das ist reine Spekulation des Verfassers – ist das wichtigste an einem Vogel, dass er fliegt, nicht seine Art. Denn so kann man ihn als Boten des Luftraums sehen. Aus dem Luftraum „kommen“ wiederum auch Regen und Donner. So liegt es für eine animistische Kultur nahe, (große) Vögel als Bringer des Wetters zu betrachten.

 

In diesem Fall könnte auch der Pelikan diese Rolle einnehmen.

 

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Die 7. Auflage des führenden Vogelführers für Nordamerika ist von 2017. Sie zeigt auf 592 Seiten 1023 Arten, die anhand der hervorragenden Aquarell-Zeichnungen bestimmt werden können.

Die neue Auflage enthält 37 Arten, die in den alten Auflagen noch nicht vorhanden waren, 250 neue Illustrationen. Dazu wurden 350 Verbreitungskarten überarbeitet. Auch die Taxonomie entspricht nun dem aktuellen Stand.

Wenn man zufällig mal nicht in Nordamerika ist und Vögel beobachtet, ist dieses Buch ein schönes Lesebuch für zuhause. Und für den nächsten Urlaub jenseits des Atlantiks ist man dann schon vorbereitet.

 

Der National Geographic Field Guide to the Birds of North America, 7th Edition kostet etwa € 23,- und ist ein toller Reisebegleiter.

 

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Verbreitungsgebiete des Pelikans und die Frage, ob er Donner „machen“ kann

 

Bei näherer Betrachtung der Thematik stellt sich allerdings zusätzlich noch eine Frage: Meinte Paul Kane denn tatsächlich Pelikane als er von „pelicans“ sprach? Dieser Einfall ist nicht ganz so absurd, wie er auf den ersten Blick erscheint:

 

Paul Kanes Ausdrucksweise war, um es gelinde auszudrücken, exzentrisch. Abgesehen von einer völligen orthographischen Inkonsistenz seines Tagebuchs erfand er auch ganz gerne Wörter oder gab ihnen eine neue Bedeutung. Der vorliegenden Wiederveröffentlichung des Tagebuchs war daher ein Glossar beigefügt, der einige „seiner“ Begriffe erklärte.

 

In Bezug auf den Pelikan hilft dies aber nicht weiter.

 

Vom Thunderbird in Meeren und Binnengewässern

Grundsätzlich leben auf dem nordamerikanischen Kontinent zwei Arten von Pelikanen: Der Braunpelikan und der Nashornpelikan.

 

Optisch würde der Braunpelikan durch sein dunkleres Gefieder eher mit den Sichtungsberichten vom Thunderbird übereinstimmen. Paul Kane konnte solche Tiere aber nicht gesehen haben, als er sich am Playgreen Lake aufhielt. Dasselbe gilt auch für US-Amerikaner, die sich im Binnenland aufhalten.

Braunpelikane als Vorbild für den Thunderbird?
Braunpelikane auf einem Steg in Florida

Der Braunpelikan ist ein reiner Küstenbewohner. Betrachtet man eine Karte zu seinem Verbreitungsgebiet, stellt man außerdem fest, dass er vor allem im Süden Nordamerikas anzutreffen. Allenfalls in der kanadisch-US-amerikanischen Grenzregion könnte es an den Küsten noch Populationen geben.

Verbreitungskarte des Braunpelikans
Verbreitung des Braunpelikans – nur an der Küste

Ein vielversprechenderer Kandidat ist dagegen der Nashornpelikan. Er lebt im Süden der USA eher an Küsten, ist aber zumindest im Norden auch weit bis in das Binnenland verbreitet. Dieses Verbreitungsgebiet schließt Lake Winnipeg laut entsprechender Karte eindeutig mit ein.

der Nashornpelikan ist das wahrscheinlichste Vorbild für den Thunderbird
Portrait eines Nashornpelikans

Vom Playgreen Lake ist auf der Karte nichts zu sehen. Allerdings geht dieser unmittelbar in Lake Winnipeg über. Insofern ist davon auszugehen, dass auch im Playgreen Lake eine Pelikanpopulation lebt.

Verbreitungsgebiet Nashornpelikan
Verbreitung des Nashornpelikans. Grün markiert: Lage des Lake Winnipeg mit dem Nebensee Lake Playgreen

Mehr noch: Laut der vorliegenden Karte zum Verbreitungsgebiet handelt es sich sogar um eine Region, die die Pelikane aufzusuchen, um zu brüten.

 

Liebestolle Donnerbringer?

Könnte das vielleicht auch der Grund sein, warum die Pelikane beim Playgreen Lake den Donner „machen“?

 

Auffliegender Pelikan
Wenn so ein großer Vogel, wie der Nashornpelikan auffliegt, geht das nicht völlig still – und aus dem Wasser spritzt es oft gewaltig.

 

Die Abführungsstriche im letzten Satz sollen den geneigten Leser davon abhalten, den Verfasser für verrückt zu erklären: Natürlich erzeugen Pelikane durch ihren Flügelschlag keinen Donner und noch weniger Regen. Allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass ihr Auftauchen mit dem Auftreten von Unwettern korreliert.

 

Die Nashornpelikane brüten nämlich im Frühjahr bis Sommer. Zu diesem Zweck verlassen sie ihre – meist küstennahen – Wintergebiete und ziehen sich in die Binnengewässer zurück. Zu diesen zählen wiederum Lake Winnipeg und Playgreen Lake.

 

Wenig überraschender Weise steigen mit den Temperaturen im Frühjahr und Sommer die Niederschlagsraten bis auf ca. 100 mm im Juli. Auch Gewitter dürften dementsprechend häufig sein.

 

Nun muss man sich lediglich noch in das animistische Weltbild der First Nations hineinversetzen: Die großen Vögel kommen und plötzlich gibt es mehr Regen. Dann fliegen sie wieder ab und nun regnet es auch wieder weniger. Es wäre kaum verwunderlich, wenn die Ureinwohner aus dieser Korrelation fälschlicherweise auf einen kausalen Zusammenhang geschlossen hätten.

 

Allerdings sei angemerkt, dass diese These keinesfalls bewiesen ist. Es handelt sich lediglich um eine gut begründbare Spekulation.

 

Ist der Thunderbird "nur" ein Pelikan?

 

Mein Fazit zum Thunderbird

 

Dass Paul Kane auf seiner Reise Pelikane sah, die die Einheimischen als Thunderbirds bezeichneten, erscheint in diesem Licht nicht unrealistisch. Somit ist davon auszugehen, dass dieses Kryptid zumindest teilweise mit bekannten Arten identifizierbar ist.

 

Unwahrscheinlich ist dagegen, dass ausnahmslos jede Thunderbird-Sichtung auf einen fehlidentifizierten Pelikan zurückzuführen ist. Selbst wenn man die abenteuerlichsten Geschichten von angeblichen Flugsauriern außen vor lässt und sich nicht um die teils unglaublichen Größen der gesichteten Vögel schert: Diese meisten davon ähneln ihrer Beschreibung nach nicht einmal ansatzweise dem Nashornpelikan.

 

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Über 30 Jahre lang reiste der Fotograf Edward Sheriff Curtis (1868–1952) durch Nordamerika, um festzuhalten, was der Vernichtungskrieg der europäischen Einwanderer, Verelendung und Assimilation von der Kultur der indigenen Völker Nordamerikas zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch übrig gelassen hatten. Seine Reisen waren ein Wettlauf gegen die Zeit und führten ihn von der Grenze zu Mexiko bis hoch in den Norden an die Küsten der Beringsee.

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Die Indianer Nordamerikas. Die kompletten Portfolios: Die vollständigen Werke von Edward S. Curtis „ist in jeder Hinsicht ein Lebenswerk. Curtis hinterließ uns eine Sammlung von enormer historischer Bedeutung, die von außerordentlicher künstlerischer Integrität zeugt.“ Source: Photo Art International, London

 

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Eine out-of-place-Sichtung in Pennsylvania?

Von den vorgestellten Sichtungen könnten am ehesten noch diejenigen zurückzuführen sein, die in Pennsylvania stattfanden. Allerdings würde die Federfarbe laut Angaben der Zeugen eher zu einem Braunpelikan passen, der nur in Küstennähe lebt. Doch selbst ein Nashornpelikan dürfte es eigentlich nicht gewesen sein, der die Zeugen erschreckte: Pennsylvania liegt deutlich außerhalb seines Verbreitungsgebietes. Es müsste sich also schon um ein verirrtes Exemplar gehandelt haben.

 

Von solchen eher unwahrscheinlichen Ausnahmen abgesehen müssen die Zeugen etwas Anderes gesehen haben. Natürlich kann man ihnen pauschal vorwerfen, zu lügen – doch zu welchem Zweck sollten sie das tun? Sie können keinerlei Gewinn aus ihren teils anonymen Berichten ziehen. Insofern lohnt es sich weiterhin, solchen Schilderungen mit einer gesunden Portion aufgeschlossener Skepsis nachzugehen.

 


Quellenverzeichnis

 

Anaho Island National Wildlife Refuge (2013): Anaho Island National Wildlife Refuge: American White Pelican.

 

Barrette, Simon Pierre (2018): File:Pelecanus erythrorhynchos map.svg, Wikimedia Commons, [online] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pelecanus_erythrorhynchos_map.svg [abgerufen am 16.07.2021].

 

Government of Canada (o. D.): First Nation Profiles, Indigenous ad Northern Affairs Canada, [online] https://fnp-ppn.aadnc-aandc.gc.ca/fnp/Main/Search/FNReserves.aspx?BAND_NUMBER=278&lang=eng [abgerufen am 16.07.2021].

 

Grand Rapids (o. D.): CLIMATE-DATA.ORG, [online] https://de.climate-data.org/nordamerika/kanada/manitoba/grand-rapids-770613/ [abgerufen am 16.07.2021].

 

Gullufsen, Kevin (2018): Impossibly large bird spotted in Mendenhall…, in: Juneau Empire, 02.02.2018, [online] https://www.juneauempire.com/life/impossibly-large-bird-spotted-in-mendenhall-valley/ [abgerufen am 15.07.2021].

 

Harris, Karen (2018): Did Giant Birds Roam the American Plains?, History Daily, [online] https://historydaily.org/did-giant-birds-roam-the-american-plains [abgerufen am 15.07.2021].

 

Lenik, Edward J. (2012): THE THUNDERBIRD MOTIV IN NORTHEASTERN INDIAN ART, in: Eastern States Archeological Federation (Hrsg.), Archaeology of Eastern North America Vol. 40, S. 163–185.

 

Schulenberg, Frank (2015): File:Distribution Map Brown Pelican (Pelecanus occidentalis).png, Wikimedia Commons, [online] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Distribution_Map_Brown_Pelican_(Pelecanus_occidentalis).png [abgerufen am 16.07.2021].

 

Tombstone Epitaph (1890): Tombstone epitaph. (Tombstone, Ariz.) 1887-current, April 26, 1890, Image 3, in: Tombstone Epithaph, 26.04.1890, [online] https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn95060905/1890-04-26/ed-1/seq-3/ [abgerufen am 15.07.2021].

 

Yumpu.com/Paul Kane (o. D.): Paul Kane’s Journal of his Western Travels, 1846–1848 – History and …, yumpu.com, [online] https://www.yumpu.com/en/document/read/28261541/paul-kanes-journal-of-his-western-travels-1846-1848-history-and- [abgerufen am 15.07.2021].




Orang Mawas 7/7 – Eine Frage (nach) der Menschlichkeit

Die Frage nach der Menschlichkeit

Hominiden gehen aufrecht. Diese Beobachtung melden Zeugen in allen Teilen der Welt. Auch der Orang Mawas ist hier keine Ausnahme. Es kann aber keine rezente Affenart diesem Anspruch gerecht werden. Es stellt sich daher die Frage, ob der Orang Mawas nicht doch ein Angehöriger der Gattung Homo sein könnte.

Laetoli-Spuren
Der älteste Beleg für zweibeiniges Laufen bei Vormenschen: Die Laetoli-Fußspuren (Foto: Momotarou2012 nach einer Replik)

Das Kryptid wird immer wieder als menschenähnlich, aber nicht menschlich beschrieben. „Menschlich“ ist ein dehnbarer Begriff. Umgangssprachlich bedeutet er eher weniger „den Eigenschaften der Gattung Homo entsprechend“. Stattdessen legt man ihn enger aus und beschreibt die Eigenschaften des modernen Menschen.

 

Dass der Orang Mawas – sollte er existieren – kein moderner Mensch sein kann, ist unzweifelhaft. Es wäre schon ein aufwändiger Prozess notwendig, um einen Homo sapiens zum stark behaarten Affenmenschen umzukleiden. Folglich kommen nur solche Menschenarten in Frage, welche offiziell als ausgestorben gelten.

 

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Überschrift

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Human Journey – Wie der Mensch die Welt eroberte [2 DVDs] kommt in insgesamt 5 Episoden auf 2 DVDs daher. Die Scheiben sind in der bekannten BBC-Qualität (Walking with Dinosaurs) produziert und ausgestattet.

 

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Der aufrecht gehende Werkzeugmacher

Diese Menschenart sollte wiederum möglichst archaisch wirken, sodass die Beschreibung als Affenmensch nachvollziehbar werden würde. Vor- und Frühmenschen, die einer solchen Beschreibung entsprechen würden, gibt es einige – allerdings nicht in Asien.

Verbreitung von Homo erectus in Asien
Verbreitung von Homo erectus in Asien nach Andrea Jagher

Hier kommt nur der Homo erectus in Frage. Er ist die wohl älteste Menschenart, die sich bis nach Südostasien ausbreitete. Fossilien vom Homo erectus wurden etwa in Südchina gefunden, oder auch auf Java. Diese Informationen verleihen der Vorstellung, dass er ebenfalls nach Malaysia vorgedrungen sein könnte, einen gewissen Realismus.

 

Trotzdem es sich beim Homo erectus um einen sehr frühen Vertreter seiner Gattung handelte, kann man ihn nicht als tierisch beschreiben. Von seinem aufrechten Gang abgesehen verfügte er weiterhin auch über verschiedene Kulturtechniken. So gilt der Homo erectus als erste Menschenart, die Steinwerkzeuge herstellte. Auch das Feuer machte er sich zunutze, was sicherlich seinem hohen Nährstoffbedarf zugutekam.

 

Den Körperbau war dem modernen Menschen im Wesentlichen ähnlich. Der Homo erectus erreichte eine Größe zwischen 1,45 m und 1,85 m. Nach europäischen Standards war er damit durchschnittlich etwas kleiner, als die heutigen Menschen, nach asiatischen wohl eher gleich groß.

 

Der Schädel weist wiederum eine kleinere Hirnschale auf, als beim heutigen Menschen üblich. Diese hatte ein Fassungsvermögen von 650-1250 cm3. Die Hirnschale des modernen Menschen ist dagegen mit 1100-1800 cm3 im Mittel deutlich größer.

 

Homo erectus
Schädel von Homo erectus aus dem Smithsonian Institut

Von archaischen Merkmalen und steigenden Größen

Diese deutlich kleinere Hirnschale lässt den Homo erectus auf den modernen Betrachter zwangsläufig archaisch wirken. Was archaisch und damit fremd wirkt, wird wiederum häufig als „affenartig“ wahrgenommen.

Diesen Eindruck würde wohl die bereite, wenn auch flach Nase des Homo erectus weiter verstärken. Die fliehende Stirn, die nicht nur an Nachbildungen, sondern auch an den fossilen Schädeln klar ersichtlich ist, mildert diese Wahrnehmung ebenfalls nicht ab.

 

Dazu muss allerdings angemerkt werden, dass nicht alle Angehörigen der Art Homo erectus gleichermaßen archaisch wirk(t)en. Dies ist stark abhängig von Fundort bzw. vom Alter des Fundes. Tatsächlich führt diese große Varianz gelegentlich zu Kontroversen zwischen zwei verschiedenen Lagern von Wissenschaftlern. Das eine Lager ist der Ansicht, dass solche physiologische Abweichungen ausreichen, um einige Fossilien in eine eigene Art einzugliedern. Das andere Lager hält dagegen, dass Abweichungen einzelner fossiler Exemplare nicht zwingend auf die Existenz einer ganzen Art mit solchen Merkmalen hindeuten.

Über ein anderes Detail herrscht auch Unklarheit: Wie behaart war der Homo erectus? Die künstlerische Rekonstruktionen sind vielfältig: Auf einigen Darstellungen wirkt der Homo erectus aufgrund einer massiven Behaarung auf den ersten Blick beinahe wie ein aufrecht gehender Schimpanse. Dann existieren aber auch wieder Rekonstruktionen, bei denen er kaum von einem Neandertaler zu unterscheiden ist, der dem modernen Menschen verhältnismäßig ähnlich sah.

 

Haut und Haare
Haare auf der Haut eines modernen (kaukasischen) Menschen

 

Ebenfalls interessant ist, dass die Körpergröße des Homo erectus im Laufe der Zeit zunahm. Laut dem „Smithsonian National Museum of Natural History“ waren die ersten Vertreter der Art noch verhältnismäßig klein. Diese lebten in Afrika. Ungefähr zur selben Zeit, als sich die Art nach Asien auszubreiten begann, nahm die Körpergröße nach und nach zu.

 

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„Der“ Reiseführer für Malaysia

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Lonely Planet Reiseführer Malaysia, Singapur & BruneiZusammenfassung

 

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Orang Mawas = Homo erectus: Was dafür spricht

Man darf also davon ausgehen, dass die Körpergröße von Individuen des Homo erectus eher im oberen Bereich der Größenspanne anzusiedeln war. Riesen waren diese Menschen natürlich auch nicht. Man kann aber nicht oft genug betonen, wie häufig Größen überschätzt werden. Da mag ein Wesen, dass ähnlich groß ist, wie der Beobachter, in dessen Fantasie schon noch einmal „wachsen“. Das Ergebnis wäre wohl trotzdem kein Drei-Meter-Riese – wobei auch nicht alle Zeugen den Orang Mawas als so groß beschreiben.

 

Orang Utan mit Kind
Orang Utan-Weibchen sind meist mit ihren Kindern unterwegs, die Männchen leben solitär.

 

Sehr passend zum Homo erectus wäre jedenfalls das Sozialverhalten des Kryptids. Mehrere Zeugen berichteten unabhängig voneinander, dass sie mindestens zwei, in einem Fall sogar drei Orang Mawas begegneten. Damit steht dieses Kryptid im starken Kontrast zu den meisten anderen Hominiden – denn diese werden in der Regel alleine gesichtet. Dass der Homo erectus dagegen ein soziales Wesen war, ist wissenschaftlicher Konsens. Wieso sollte ein Mensch auch nicht einen Verwandten oder Freund mit zum Jagen und Sammeln nehmen? Sei es als Hilfe oder einfach nur zur Unterhaltung, der Mensch hat gerne die Gesellschaft seinesgleichen. Auf den Orang Mawas scheint dasselbe zuzutreffen.

Was heißt „menschenähnlich“?

Auch die Menschenähnlichkeit des Orang Mawas wird immer wieder betont. Wie eingangs erwähnt, sagt die Bezeichnung „Orang“ (also: Mensch) nicht unbedingt etwas darüber aus, ob das beobachtete Wesen ein Homo sapiens ist. Auffällig ist allerdings, dass keiner der Zeugen das Gesicht allzu genau beschreibt. Das Ausmaß an Gesichtsbehaarung und auch die Zähne (sowie in einem Fall die hervorstehenden Augenbrauen) werden hervorgehoben, aber sonst scheint sich niemand an irgendwelche Besonderheiten zu erinnern. Könnte das vielleicht daran liegen, dass es keine Besonderheiten gab – also, dass der Orang Mawas sonst völlig menschlich wirkte?

 

Der aufrechte Gang des Kryptids verstärkt den Eindruck der Menschenähnlichkeit noch weiter. Dieser ist ganz streng genommen kein Alleinstellungsmerkmal der Gattung Homo. Da der moderne Mensch aber der letzte auf zwei Beinen gehende Affe ist, wird das Mensch-Sein stets mit dem aufrechten Gang assoziiert. Tatsächlich ist dieser auch Voraussetzung für eine wichtige Fähigkeit des Menschen: Er hat die Hände frei, um komplexe Werkzeuge herzustellen und zu transportieren.

 

Ungewissheiten und  Zweifel

Von dieser Möglichkeit machte der Homo erectus reichlich Gebrauch. Ob es sich beim Orang Mawas ähnlich verhält, ist fraglich: Lediglich die Zeugen von 1953 meinen, Werkzeuge bei den Kryptiden entdeckt zu haben. Die übrigen Zeugen erwähnen Derartiges nicht. Eine sichere Tendenz lässt sich dadurch aber nicht ableiten: Es könnte sein, dass der Orang Mawas nur gelegentlich Werkzeuge bei sich trägt. Es könnte sein, dass die Orang Mawas von 1953 doch keine Orang Mawas waren und das eigentliche Kryptid gar keine Werkzeuge herstellt. Es könnte auch sein, dass die Orang Mawas von 1953 die einzigen „echten“ waren… Man weiß ja noch nicht einmal sicher, ob der Orang Mawas mit einer einzigen Tier- oder Menschenart zu identifizieren ist.

 

Die Körperbehaarung stellt ebenfalls eine Unsicherheit dar. In Berichten vom Orang Mawas wird immer wieder sein äußerst dichtes Fell betont, das ihn vom modernen Menschen deutlich abhebt. Inwieweit der Homo erectus dagegen behaart war, ist wie besprochen, ungewiss. Das Ausmaß der Behaarung ist also kein geeignetes Vergleichskriterium. Das ist insofern sehr schade, als dass die meisten Beschreibungen vom Orang Mawas sonst nicht übermäßig ergiebig sind.

Siamang
Außer den Menschen sind alle rezenten Affen mehr oder weniger stark behaart

Ein Merkmal, dass aber doch erwähnt wurde, ist das Gebiss des Orang Mawas. Die Eckzähne werden als spitz und lang bzw. „beeindruckend“ beschrieben. Das trifft eher auf Affen, als auf Menschen zu. Nicht nur der moderne Mensch weist geschlossene Zahnreihen mit eher kleinen Eckzähnen auf. Das Gebiss des Homo erectus wirkt den Fossilien nach sehr ähnlich wie das des Homo sapiens. Diese Beobachtung spricht gegen eine Identifizierung des Orang Mawas als Homo erectus.

 

Wie auch schon beim Orang-Utan und beim Gigantopithecus stimmen auch beim Homo erectus schlicht nicht alle Merkmale eindeutig mit denen des Orang Mawas überein.

 

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Die Geschichte des Lebens

Über Milliarden Jahre entwickelten sich Fische zu Landbewohnern, Reptilien zu Vögeln, Primaten zu Menschen. Dies ist die größte Geschichte der Welt und sie ist oft erzählt worden. Angefangen von den Mythen der Ägypter über die Schriften der Erlöserreligionen bis zu den modernen Geo- und Biowissenschaften, alle versuchen sie, die Welt und ihre Geschichte zu erfassen und zu erklären. Paläontologie und Geologie haben im 19. und 20. Jahrhundert neue Instrumente ins Orchester gebracht, so dass sich die Erzählung stark wandelte.

Doch die moderne Paläontologie steht derzeit an einem entscheidenden Wendepunkt: Die Entdeckung von DNA und die fortschreitende Technisierung eröffnen dem Wissenschaftszweig neue Möglichkeiten. Die Untersuchung von Fossilien mithilfe von DNA hilft der Forschung dabei, die zentralen Fragen unserer Existenz zu beantworten: Wie kommt es zu den großen evolutionären Veränderungen? Ist unser Dasein auf der Erde das Produkt reinen Zufalls? Oder hätte es gar nicht anders kommen können?

 

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Fazit

Existiert nun der Orang Mawas? Gewiss! Die Frage sollte eigentlich eher lauten: In welcher Form existiert der Orang Mawas?

 

Die spektakulärste Variante bestünde natürlich darin, dass es sich bei diesem Kryptid um eine unentdeckte oder zumindest jüngst ausgestorbene Tierart bzw. Menschenart handelt. Die Beweislage für letztere Theorie ist allerdings mehr als dünn. Völlig davon abgesehen, wie lange die meistdiskutierten Kandidaten (Gigantopithecus und Homo erectus) eigentlich schon lange ausgestorben sind: Keiner von beiden stimmt in seinen Merkmalen eindeutig mit dem Orang Mawas überein.

 

Darüber, ob der Orang Mawas eine noch unentdeckte Tierart sein könnte, lässt sich natürlich spekulieren. Nachdem aber logischerweise eine unbekannte Tierart noch nicht (wissenschaftlich) beschrieben sein kann, kann man ihre Eigenschaften auch schlecht mit denen des Orang Mawas abgleichen.

 

Auch mit einer bekannten und rezenten Art stimmt er nicht überein. Es mangelt auf dem asiatischen Festland schlicht an Affen, die die Rolle des Urwald-Riesen einnehmen könnten. Überhaupt ist es sehr schwer an eine einzige Affenart oder allgemein Tierart zu denken, wenn etwa die Größe des Kryptids zwischen 1,5 m und 3 m schwankt.

Und wenn es mehrere Tierarten sind?

Daher drängt sich der Eindruck auf, dass der Orang Mawas vielleicht gar keine Tierart ist – sondern mehrere. So ließe sich erklären, warum die Größe des Kryptids schwankt, oder auch warum es völlig unterschiedliche Fußabdrücke hinterlässt. Könnten die Äste an den Bäumen nicht doch von Elefanten abgebrochen werden und das Wesen mit schwarzem Fell, das kurz darauf gesichtet wird, ein aufgerichteter Malaienbär sein?

 

Damit kann man das Rätsel erklären und sich beruhigt schlafen legen. Ganz so einfach ist die Realität aber nicht: Wieso beschreiben so viele Zeugen den Orang Mawas ausdrücklich als „Menschen“, wo ein Bär doch nicht menschlich aussieht? Wieso gibt es so viele volkstümliche Bezeichnungen für dieselbe Kreatur, wenn der Name eigentlich nichts Anderes ist, als ein Sammelbegriff für fehlinterpretierte Sichtungen?

 

Man sollte die Zeugen nicht für dumm, verrückt oder betrügerisch erklären, nur weil sich die Frage um die Existenz des Orang Mawas nicht ohne Weiteres zu vollen Zufriedenheit erklären lässt. Irgendwer oder irgendetwas wird immer wieder im malaysischen Dschungel gesichtet.

Das Rätsel bleibt

Nun gilt es nur noch, herauszufinden, wer oder was dieses Kryptid genau ist. Eigentlich ist also alles wie immer in der Kryptozoologie. Ob beim Bigfoot oder Orang Mawas – man muss abwarten. Ihre Existenz ist noch nicht bewiesen. Vielleicht wird man sie auch nie beweisen, weil die Kryptiden nicht existieren. Sicher ist nur: Ihre Nichtexistenz lässt sich sicher nicht beweisen.




Orang Mawas 6/7 – Ein gigantischer Kandidat

Der Orang Mawas wird also immer wieder als Riese beschrieben. Ein affen- oder menschenähnliches Wesen mit knapp drei Metern Körperlänge lässt sich aber partout nicht auftreiben. Der größte Zweibeiner in Südostasien ist immer noch der (moderne) Mensch, der größte Vierbeiner der asiatische Elefant. Beide Kandidaten (insbesondere der letztere) weisen – abgesehen vom aufrechten Gang beim Menschen – keine übermäßige Ähnlichkeit zum Orang Mawas auf.

 

Da an rezenten Arten also wahrscheinlich kein Tier oder Mensch mit dem Orang Mawas identisch ist, muss man wohl die ausgestorbenen Arten in Betracht ziehen.

Eine Gattung, die im Gegensatz zum Orang-Utan nach aktuellem Stand der Wissenschaft vollständig ausgestorben ist, ist der Gigantopithecus.

 

 

Der „Riesen-Orang-Utan“

Die Arten dieser Gattung zeichneten sich durch ein Merkmal besonders aus: Wie der Name schon impliziert, handelte es sich dabei um mehrere Arten äußerst großer Menschenaffen. Die größte davon – Gigantopithecus blacki – erreichte nach einigen Schätzungen gar eine Größe von bis zu drei Metern.

 

 

Auf Schätzungen beruhen insgesamt sehr viele Informationen zu dieser Affenart. Mehr als paar Unterkiefer sowie etliche Zähne wurden an Fossilien nämlich bis jetzt noch nicht entdeckt. Durch die Proteinstrukturen in diesen Zähnen ließ sich zumindest nachweisen, dass die Gattung wohl eng mit den heutigen Orang-Utans verwandt war.

Seit 2019 ist diese Information bekannt und seitdem hat sich auch die Darstellung dieser Gattung stark geändert. Wurden sie zuvor noch als Riesen-Gorillas dargestellt – da Gorillas die größten Menschenaffen der Gegenwart sind – ähneln Rekonstruktionen jetzt eher riesigen Orang-Utans.

Gigantopithecus
Moderne Rekonstruktion von Gigantopithecus by Concavenator

 

Ein Ende durch mangelnde Anpassung?

Auch die Lebensweise entsprach im Grunde der eines Orang-Utan: Die Gigantopitheci waren massige Pflanzenfresser, die sich ihre Nahrung im Wald suchten. Diese Annahme wird wiederum durch Analysen des Zahnschmelzes der Tiere und anschließenden Abgleich mit dem Zahnschmelz lebender Arten gestützt.

Nach den Forschungen des Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment (HEP) wurde dieser Gattung ihre enorme Masse vermutlich zum Verhängnis: Ihr Energiebedarf war sehr hoch, weswegen sie Unmengen an Nahrung zu sich nehmen mussten.

Diese Nahrung wurde im Verlauf des Pleistozäns allerdings immer rarer. Wo ehemals Wälder wuchsen, entstanden Savannen. Es gilt daher als wahrscheinlich, dass die Population aufgrund dieses Mangels nach und nach zusammenbrach. Nach konservativen Schätzungen starb der Gigantopithecus daher vor etwa 300.000 Jahren aus.

 

Wer weiß, wer sich noch in den Bambuswäldern Südchinas versteckt?

 

Zweibeiner oder Vierbeiner?

Das (angebliche) Aussterben einer Tierart verhindert aber keine Spekulationen über ihr mögliches Überleben. So ist es nicht verwunderlich, dass Sichtungen großer Hominiden wie Yeti, Bigfoot oder eben auch Orang Mawas immer wieder Spekulationen anheizt, dass der Gigantopithecus vielleicht doch überlebt haben könnte.

 

Ein Detail wäre aber von entscheidender Bedeutung, um einschätzen zu können, wie realistisch diese Spekulation ist. Es stellt sich die Frage, ob der Gigantopithecus aufrecht oder eher auch allen Vieren ging. Eine ganz eindeutige Lösung für diese Frage gibt es mangels ansatzweise vollständig erhaltener Skelette aber nicht.

Unterkiefer des Gigantopithecus
Unterkieferfossil eines Gigantopithecus, das größte bekannte Stück des größten bekannten Affen. (Foto: Durova)

Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Gigantopithecus sich im Knöchelgang fortbewegte. Grund für diese Annahme ist natürlich, dass vom Menschen abgesehen kein Affe dauerhaft auf zwei Beinen läuft. Dass die ausgestorbene Gattung nahe mit den heutigen Orang-Utans verwandt war, stützt diese Annahme weiter.

 

Gegenrede leistete der amerikanische Anthropologe Grover Krantz, der dem kryptozoologisch interessierten Leser vermutlich im Zusammenhang mit seinen Forschungen zum Bigfoot ein Begriff ist. Er war der Meinung, dass der breite Unterkiefer der Tiere auf eine aufrechte Art der Fortbewegung hinwies. Die Luftröhre hätte so nämlich auch dann Platz gefunden, wenn der Kopf direkt oberhalb der Schultern platziert war. Dies sei bei Menschen der Fall, wohingegen Menschenaffen den Kopf leicht nach vorne versetzt tragen. Daher sei bewiesen, dass der Gigantopithecus sich wie ein Mensch – also auf zwei Beinen – fortbewegte.

 

Gigantopithcus im Habitat
Moderne Rekonstruktion eines Gigantopithecus im Habitat.

 

Für die Mehrheit der Wissenschaftler war diese Argumentation allerdings nicht stichhaltig genug. Dass Grover Krantz hartnäckig nach Beweisen für die Existenz des Bigfoot suchte und dabei nicht immer strategisch klug vorging, besserte die Situation wahrscheinlich auch nicht.

Zugleich stellt sich aber die Frage: Selbst wenn der Gigantopithecus ein Vierbeiner war – warum sollte man ihn nicht trotzdem mit dem Orang Mawas identifizieren können? Dass das Kryptid wirklich weite Strecken auf zwei Beinen zurücklegte, berichtet ja keiner der Zeugen. Dass der Giganthopitecus – wie die heutigen Menschenaffen – vermutlich kurze Strecken auf zwei Beinen zurücklegen konnte, verneinen auch Skeptiker nicht.

 

Wie realistisch ist die Gigantopithecus-Hypothese?

Die enorme Größe der ausgestorbenen Menschenaffen ist natürlich der Hauptgrund dafür, Sichtungen des Orang Mawas mit dem Überleben des Gigantopithecus gleichzusetzen. Im aufgerichteten Zustand dürften auch die kleineren Arten der Gattung sehr beeindruckend gewirkt haben.

 

Dazu kommt, dass die Überreste der Riesenaffen nicht an irgendeinem von Malaysia weit entfernten Ort gefunden wurden. Stattdessen wurden Fossilien im Süden Chinas, aber auch in Vietnam und Thailand gesichert. Eine Landverbindung zwischen den Fundorten und Malaysia bestand früher und besteht noch immer. Damit könnte man die Frage, wie der Gigantopithecus nach Malaysia gekommen sein soll, getrost beiseite wischen.

Zahn eines Gigantopithecus
Zähne sind die häufigsten Fossilien von Gigantopithecus

Zum sonstigen Aussehen des Gigantopithecus lassen sich wenige Angaben machen, da die Fossillien zu unvollständig sind. Insofern ist auch ein Vergleich mit Sichtungsberichten zum Orang Mawas schwierig. Ein Detail stich aber doch ins Auge: Der Gigantopithecus verfügte – auch wenn das kein Alleinstellungsmerkmal ist – über die langen und spitzen Eckzähne, von denen etliche Zeugen sprachen.

 

Gegen die Gleichsetzung des Orang Mawas und der ausgestorbenen Art spricht… nun, dass die ausgestorbene Art ausgestorben ist. Die jüngsten Fossilien sind 300.000 Jahre alt. Der Zeitsprung wäre also enorm. Ganz abgesehen davon wird die Entwaldung seit Jahrzehnten vom Menschen künstlich vorangetrieben. Wenn also Nahrungsmangel die Populationen des Gigantopithecus zurückgehen ließ, hätte er heute noch schlechtere Chancen, als früher.

 

Dieses letzte Detail lässt jedenfalls starke Zweifel an der Hypothese aufkommen.