Beutelwolf

Der Beutelwolf, wiss. Thylacinus cynocephalus, auch tasmanischer Tiger oder Tylacine genannt, ist der größte, in jüngster Zeit vorkommende Raubbeutler.

Ursprünglich in ganz Australien und Neuguinea heimisch, starb er mit dem Auftreten der Aboriginals und ihrer Dingos aus. Er hat nur auf der im Südosten vorgelagerten Insel Tasmanien überlebt. Beutelwölfe waren lehmbeige gefärbt und hatten dunkle Querstreifen am Rücken, sie erreichten eine Schulterhöhe von etwa 60 cm und eine Kopfrumpflänge von 85 bis 130 cm. Sie wogen etwa 15 bis 30 kg, waren also so groß wie ein mittelgroßer bis größerer Hund.

Beutelwolf in Wien
Beutelwolf-Dermoplastik im Naturhistorischen Museum Wien

Zwei Beutelwölfe
Zwei Beutelwölfe in einem Zoo

Obwohl er nicht mit dem Wolf verwandt war (die Entwicklungslinien beider Tiere trennen sich spätestens in der Kreidezeit), wirken beide Tiere sehr ähnlich. Die Körperproportionen und das Gebiss, sogar die Schädel ähneln einander sehr.

Beutelwölfe waren in der Regel nachtaktiv, sie jagten kleinere Tiere wie Wallabys, Nasenbeutler, Possums und Kaninchen. Vermutlich lebten sie alleine oder in kleinen Gruppen. Anders als die verwandten Beutelteufel waren sie wenig aggressiv und benahmen sich dem Menschen gegenüber sehr zahm.

Nach der Einführung von Schafen galten die Beutelwölfe als „blutrünstige Jäger“ und wurden von den Schafzüchtern unerbittlich verfolgt. 1860 galt die Art als selten und lebte nur noch in den Bergregionen im Südwesten, 1910 wurden die Zoos auf den Beutelwolf aufmerksam. Trotz zahlreicher Haltungen in Zoos kam es nur zu einem einzigen Wurf 1899 in Melbourne. Der letzte bekannte Beutelwolf starb in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1936 im Beaumaris Zoo in Hobart.

Möglicherweise hat eine Krankheit das Aussterben des Beutelwolfes gefördert. Um 1906 kam es zu einem plötzlichen Rückgang der geschossenen Tiere. Augenzeugen sprechen von Symptomen, die der Hundestaupe ähneln.


Der Beutelwolf ist aus mehreren Gründen in der Kryptozoologie populär:

  • Es gibt immer wieder angebliche Sichtungen von lebenden Tieren in Tasmanien, aber auch auf dem australischen Festland. In der Regel stellen sich diese Tiere als räudige Füchse dar, aber nicht alle Fälle können so belegt werden.
  • Einzelne Funde deuten auf Sterbedaten deutlich nach 1936 hin.
  • Zahlreiche Präparate existieren, aus denen möglicherweise DNA oder ganze Zellkerne entnommen werden könnten. Einige Wissenschaftler hoffen, damit lebende Tiere züchten zu können. Mehrfach sind diese Versuche gescheitert. Sie würden auch nur zu „fancy Animals“ führen.
  • Einige statistische Untersuchungen scheinen zu belegen, dass der Beutelwolf bis in die 1960er in unzugänglichen Gebieten Tasmaniens überlebt haben könnte.

Literaturempfehlung

Der Beutelwolf: Thylacinus cynocephalus ist ein reines Sachbuch. Prof. Heinz Möller war jahrelang Leiter der Abteilung für Wirbeltiermorphologie und des Zoologischen Museums der Universität Heidelberg mit dem Arbeitsschwerpunkt Australische Beuteltiere. Er hat dem Beutelwolf eine genauso liebevolle wie wissenschaftlich exakte Monographie gewidmet. Im Korsett einer Fachveröffentlichung bringt das Buch Kapitel zu Gestalt und Anatomie, Biologie und Verhalten, Verdrängung und Ausrottung durch Dingo und Mensch.
Ein eigenes ausführliches Kapitel ist dem Beutelwolf in zoologischen Gärten gewidmet woher auch die meisten der Schwarz/Weiß Aufnahmen stammen.Für alle Beutelwolffreunde, Tasmanienreisende und die, die es werden wollen: Sehr lesenswert!
Völlig anders hingegen ist The Hunter, ein Roman, bei dem es um die Suche des letzten Beutelwolfes geht. Leider nicht aus Gründen des Tier- und Artenschutzes.

 

Leigh’s Tasmanien ist ein Ort der sehr lebendigen Wildniss, einer eng vernetzten Bevölkerung mit eigenen Interessen und nicht zuletzt dem Land selber, das nie so ganz das ist, was es scheint. Julia Leigh schafft in den Köpfen ihrer Leser unvergessliche Bilder eines Mannes, der von einem beinahe mythischen Tier besessen ist – in einer Natur, ebenso schön wie grausam.