Ist der Ostsee-Buckelwal „Timmy“ tatsächlich auf Anholt gestrandet?
Es ist noch gar nicht so lange her, dass Deutschland im „Walfieber“ war. Mal wieder war ein Buckelwal in die deutsche Ostsee gelangt, jedoch mit unschönem Ausgang. Das Tier hatte sich am 3. März 2026 im Hafen von Wismar in Stellnetzen verfangen und war von Wasserschutzpolizei und Feuerwehr notdürftig befreit worden. Dabei stellte man fest, dass der Wal großflächige Hautläsionen hatte.

Am 23. März strandete das Tier vor Timmendorfer Strand, wo man mit Baggern eine Rinne aushob, über die der Wal selbstständig am 27. März in tieferes Wasser schwamm.
Offenbar suchte der Wal danach gezielt Flachwasserbereiche auf. So setzt er nur wenige Tage später in der Wismarer Bucht erneut auf, schwamm sich aber wieder frei, nur um in etwas tieferem Wasser eine Ruheposition einzunehmen. Spätestens, als er dann am 30. Mai erneut strandete, diesmal in der Kirchsee bei der Insel Poel, wurde er zum Politikum. Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns lehnte eine Rettung ab. Auch Eilanträge von Privatpersonen wurden vom Verwaltungsgericht Schwerin aus formalen Gründen abgewiesen. Erst eine private und v.a. privat bezahlte Initiative zur Rettung des Wales wurde zugelassen.
Am 28. April wurde das Tier mittels Gurten und einer Seilwinde in eine mit Wasser gefüllte Barge gebracht. Eine Barge ist ein nicht angetriebenes Schiff, das mit Hilfe eines Schleppers oder eines Schubschiffes bewegt wird. Während des Verladens wurde ein Tracker an dem Tier angebracht, von dem jedoch kaum Daten veröffentlicht wurden, möglicherweise funktionierte er nicht richtig.
Am 1. oder 2. Mai soll der Wal de Barge (mehr oder weniger) freiwillig verlassen haben, ausgerechnet hierzu fehlen die sonst weit umfassenden Video-Aufzeichnungen. Danach verschwand das Tier für die Öffentlichkeit, da keine Trackerdaten publiziert wurden.
Am 14. Mai wurde ein Kadaver eines Buckelwals im Watt der Insel Anholt im Kattegatt entdeckt. Zwei Tage später bestätigten dänische Behörden, dass es sich tatsächlich um den Wal aus der Ostsee handelt. Die Identifikation gelang anhand des Trackers (mutmaßlich des Typs und der Seriennummer). Nach dem Freisetzen hat der Wal lauf Trackerdaten 215 km zurückgelegt. Ob er dies lebend oder tot tat, ist unklar.
Die Obduktion ergab, dass der Wal ein Weibchen war, eine genaue Todesursache konnte dabei zunächst nicht festgestellt werden, zumal sich das Tier auch in fortgeschrittener Verwesung befand.
Ist der Anholt-Wal überhaupt „Timmy“?
Bereits früh nach dem Fund des Walkadavers vor Anholt gab es Zweifel daran, dass beide Tiere identisch sind. In Deutschland wurde der Wal als Männchen identifiziert, der Wal in Dänemark stellte sich bei der Obduktion als Weibchen heraus. Allerdings ist die Geschlechtsdiagnose bei Walen, insbesondere noch nicht geschlechtsreifen Tieren eigentlich nur über die primären Geschlechtsorgane möglich. Der Penis wird jedoch in der Regel in einer Tasche verborgen, so dass er selbst im Wasser nur selten sichtbar ist – bei gestrandeten Tieren quasi gar nicht.
Weitere Informationen zur Identität des Anholt-Wals sind zumindest teilweise in den Bereich der Verschwörungstheorien einzuordnen. So wurde der Tracker am Anholt-Kadaver erst im 2. Anlauf gefunden. Auch dies ist gut mit der Lage des Wals zu erklären. Damit ein Wal-Tracker senden kann, muss er sich gelegentlich oberhalb der Wasseroberfläche befinden, da elektromagnetische Wellen (wie Funk) im Wasser schnell absorbiert werden. Daher werden Wale in der Regel in der Nähe der Finne mit einem Tracker versehen. Jedesmal, wenn der Wal bei Atmen einen Buckel macht, kann der Tracker senden.
Bei Timmy wurde der Tracker quasi mit einem Piercing durch die Finne befestigt.
Der bei Anholt gestrandete Kadaver lag aber auf dem Rücken und damit auf dem Tracker. Das Tier wog geschätzt etwa 12 t und war bereits in Verwesung. Alleine der Gestank sollte davon abhalten, mal eben „unter den Wal“ zu gucken, um den Tracker zu finden. Erst ein Taucher fand einen Tracker, dessen Seriennummer mit dem Tracker der „Rettungsaktion“ übereinstimmte.
Heute (22. Juli 2026) wurde bekannt, dass die DNA der Gewebeproben des bei Anholt gefundenen Wals nicht mit den Proben übereinstimmen, die bei der Rettungsaktion genommen wurden. Die Bild-Zeitung hat Vorab-Infos eines Hamburger Spezial-Labors erhalten, dass beide Proben abweichen. Eine Pressekonferenz soll heute um 14 Uhr stattfinden, leider habe ich keine Möglichkeit, zeitnah die Ergebnisse hier einzuspielen. Link zum Tagesspiegel mit Informationen vor der PK.
Die für die Identifikation von Buckelwalen wichtige Fluke soll bei dem Tier von Timmendorf und von Anholt jedoch übereinstimmen.
Gibt es wieder einen Bären in Deutschland?
Nachdem vor drei Jahren mal wieder ein Bär in Deutschland aufgetreten ist (wir berichteten), besteht nun erneut der Verdacht. Das Bayerische Landesamt für Umwelt sei über den Fund von Exkrementen im südlichen Oberallgäu informiert worden. Sie sollen möglicherweise von einem Bären stammen, teilte die Behörde mit, so n-tv heute.
Eine Kotprobe werde genetisch untersucht, ebenso suche man nach weiteren Spuren, die auf einen Bären hindeuten.
Die Behörden raten zu den üblichen Vorsichtsmaßnahmen, nicht alleine und nicht mit Hund wandern, Weidetiere in der Nacht sichern, keinen Müll liegen lassen usw.
Quelle: n-tv am 22.07.2026