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Freitagnacht-Kryptos: König Arthus und eine Alien Big Cat

Um 1260 berichtet Etienne de Bourbon die Geschichte, wie ein savoyischer Holzfäller am Mont du Chat einer Jagdgesellschaft begegnete. Es handelte sich um König Arthus mit seinem prachtvollen Gefolge. Aber wie in Sagen üblich, schlief der Holzfäller auf einem Diwan ein und erwachte auf einem Reisigbündel.

 

König Arthus
König Arthus, noch ohne Katze.

 

Eine andere Variante der Sagen um den britischen König Arthus rund um den Genfer See und Savoyen erzählt davon, wie Artus mit „einer riesigen Katze“ kämpft. Nach ihr bekam der Berg dann seinen Namen (Ashe gibt keine Quelle).

 

 

La Chapelle du Mont-du-Chat
Mont-du-Chat in Savoyen (Foto: Torsade de Pointes, CC0)

 

Ashe fügt aber an, dass diese Erzählung eine aus Wales übernommene Sage ist, hier lebt auf der Insel Anglesey die Riesenkatze „Palugs“, in Savoyen heißt sie dann „Chapalu“ (=Katze Palugs).

 

Es handelt sich also leider nicht um eine frühe „Alien Big Cat“ in der Schweiz …

 

Angelsey
Der Herkunftsort der Katze: Blick auf die walisische Insel Anglesey (Foto: Tim Felce, CC SA-BY 2.0)

 


Quelle:

Geoffrey Ashe: König Arthur. Die Entdeckung von Avalon. Düsseldorf: Econ1986, S.167f.




85 Jahre ohne Beutelwolf? – oder – Im Westen Tasmaniens nichts Neues.

Eine der größten zoologischen Tragödien des 20. Jahrhunderts

In der Nacht vom 7.9.1936 auf den 8.9.1936 verstarb im Beaumaris Zoo in Hobart der letzte Beutelwolf, dem die Menschheit habhaft werden konnte. Die heutige Nacht bestreitet also das 85-jährige Jubiläum eines Ereignisses, das mit Recht als eines der größten Tragödien des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden kann, was die menschengemachte Dezimierung der natürlichen Artenvielfalt betrifft.

Beutelwölfe
Beutelwölfe, von Stephen J. Gould gemalt

Noch heute sind längst nicht alle Umstände vom Leben und Tod von „Benjamin“, dem letzten eindeutig dokumentierten Vertreter seiner Art, geklärt – das liegt auch daran, dass sein Tod seinerzeit keineswegs so ein großes Anliegen war wie heute.

Beutelwolf „Benjamin“ – ein unwiederbringlicher Zeitgenosse?

Nie wieder sollte der Mensch dem Beutelwolf so nahe kommen wie in diesem Jahre 1936. Zwar wurde man sich zunehmend des „wissenschaftlichen Werts“ dieses Tieres bewusst – und in den folgenden Jahren 1937 und 1938 gab es gleich drei Expeditionen (April 1937, sowie November 1937 und 1938) von Regierungsbehörden in den Westen- und Nordwesten Tasmaniens. (Thylacine Museum). Es waren die ersten von vielen Versuchen, den finalen Akt der menschengemachten Tragödie umzuschreiben. Das ist bis heute nicht gelungen. Ein lebender „Tiger“ wurde nie wieder gefangen – man könnte sagen, vor 85 Jahren ist der Beutelwolf von der der zoologischen Realität in das Schattenreich der kryptozoologischen Untoten übergetreten. Bis heute verharrt die Debatte in ihrer konfliktiven Ausgangslage von 1936. Laien wie Akademiker streiten darüber, wann bzw. ob der Beutelwolf tatsächlich mit „Benjamins“ Tod vor 85 Jahren ausgestorben ist.

 

Beutelwolf
Ein berühmtes Foto von ‚Benjamin‘, im Mai 1936 von Ben Sheppard im Beaumaris Zoo aufgenommen.

2021 – (k)ein Jahr des Beutelwolfs

Die „Waters-Bilder“ – keine wirkliche Sensation

Auch die Neuigkeiten zum Beutelwolf aus dem Jahre 2021 standen ganz im Zeichen dieses alten Konflikts. Doch dabei sah es anfangs so aus, als käme nach längerer Zeit endlich mal wieder Bewegung in die Debatte. Zuerst will im Februar der Präsident der tasmanischen Sektion der Thylacine Awareness Group of Australia (TAGA), Neil Waters, den Nachweis für den Beutelwolf mit Hilfe seiner Wildkameras erbracht haben. Fünf Fotos von dem ersehnten Subjekt sollen die Aufnahmen zeigen – doch wie so oft handelt es sich um Bilder, die der subjektiven Interpretation gegenüber sehr offen sind. Und so geht auch der Gehalt ihrer Aussagekraft für das Überleben des Beutelwolfs gegen Null – die aufgeregte Debatte über die angebliche Sensation entpuppte sich schlussendlich als viel Wind um nichts.

 

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Der Beutelwolf – die umfangreichste deutsche Monographie

Seit 30 Jahren sammelt der Verfasser Daten über den Beutelwolf. In rund 30 Museen Europas, Australiens und der USA fotografierte und vermaß er Präparate, Schädel und Skelette und trug in mehreren Publikationen zum Wissen über die Art bei. In den Archiven von Launceston und Hobart/Tasmanien sichtete er das z. T. unveröffentlichte Bild- und Textmaterial und befragte letzte Augenzeugen; Wissenschaftlern und Hobbyzoologen verdankt er manche wertvollen Hinweise.

 

Ein Filmdokument aus Hobart wurde in Zusammenarbeit mit dem Göttinger Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) zu einem Unterrichtsfilm gestaltet. Wesentlicher Raum wird dem Beutelwolf als Zootier gewidmet sowie den Fragen, inwieweit er als „typischer Läufer“ gelten kann und welches Ausmaß die Konvergenzen in der Schädelgestalt von Beutelwolf und Wolf erreicht haben. Basierend auf dem zusammengetragenen Daten-, Bild- und Filmmaterial sowie auf mehr als 300 Publikationen entstand die vorliegende Monographie.

 

Der Beutelwolf: Thylacinus cynocephalus ist trotz des Erscheiungsdatums 1997 die umfangreichste Monographie zum Beutelwolf, die es im deutschsprachigen Bereich gibt. Sie hat 197 Seiten und ist neu sowie antiquarisch verfügbar.

 

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Der Adamsfield-Kadaver reloadad – zu viele Fragen bleiben offen

Nur kurz darauf lenkte der Beutelwolf-Experte Cameron Campbell vom virtuellen Thylacine-Museum die Aufmerksamkeit auf einen 30 Jahre alten Vorfall. In einer Dokureihe (X-Creatures, Staffel 1, Folge 6) wurden 1998 erstmals zwei Farbfotos von der vermeintlichen Pfote eines Beutelwolfs gezeigt, der 1990/1991 ilegal (und versehentlich) an einer verlassenen Minen-Siedlung am Adams River geschossen worden sein soll. Eines von diesen Fotos durfte der Beutelwolf-Enthusiast Col Bailey in seinem 2013 erschienenen Buch („Shadow of the Thylacine“) in Schwarz-Weiss duplizieren – man habe ihm dabei erzählt, die Pfote stammte von diesem Adamsfield-Kadaver.

 

Thylacine Pfote
Beutelwolf-Pfote. Repro des Bildes A aus Baileys Buch. Foto: unbekannt

Welches Foto zeigt den Beutelwolf von Adamsfield?

Nun hat Experte Campbell diese Geschichte wieder aufgegriffen, um auf eine Verwirrung hinzuweisen: die Pfoten zeigen nicht den Adamsfield-Kadaver, sondern die Museumspräprate, die zum Vergleich von Irgendwem herangezogen worden waren. Auf einem der zwei Fotos sei aber ein drittes Foto zu sehen – und dieses zeige tatsächlich die Pfote vom Adamsfield-Kadaver. Der unbekannte Fotograf hat also die Museumspräparate mit dem Foto vom geschossenen Beutelwolf verglichen. Die Fotos wurden vom Betreiber der Seite „Where Light meets Dark“ eingehender untersucht. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass das qualitativ schlechte Foto im Foto dennoch unweigerlich einen Beutelwolf zeige, das 1990 oder 1991 in der Nähe von Adamsfield aufgenommen worden war („Where Light meets Dark“). So weit so gut. Doch mal wieder werfen die Umstände zum Fund des Kadavers und Zustandekommen der Fotos zu viele Fragen auf, als dass man den Fall in dieser Form wissenschaftlich ernsthaft in Betracht ziehen könnte (wir berichteten).

Eine neue Studie zum Überleben des Beutelwolfs – nicht so schnell!

So bleibt am Ende für das Jahr 2021 nur noch die Studie, die aus einer neuen Datenbank von Sichtungen Schlussfolgerungen über die Entwicklung der Beutelwolf-Population auf Tasmanien seit 1910 ableitet. An besagter Studie waren unter anderem wieder Cameron Campbell, sowie Stephen Sleightholme von der International Thylacine Specimen Database beteiligt. Das Abstract verlockt mit einer optimistischen Stellungnahme:

 

 

„das Fenster für das finale Datum des Aussterbens ist sehr weit, und geht von 1980 bis zum heutigen Tag, wobei das Aussterben in den späten 1990er oder frühen 2000er Jahren wohl am wahrscheinlichsten ist. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, so lassen diese Datensammlung und Modell sogar die Chance für ein Überleben in der abgelegenen Wildnis der Insel zu“  (Brook et. al., 2021. Übersetzung aus dem Englischen von Peter Ehret)

 

 

Mögliche Aussterbensereignisse des Beutelwolfes nach Jahren
Die Abbildung zeigt das berechnete räumliche Aussterbemuster für den Beutelwolf in Tasmanien. Die Farben der Karte zeigen das abgeleitete Jahre der lokalen Ausrottung. Die Gegend um den Lake Gordon ist ein Hotspot

So spannend diese aus der Datenbank gewonnenen Erkenntnisse auch sind – die Studie hat nach wie vor noch nicht den Peer-Review-Prozess durchlaufen und gilt daher auch nicht als wissenschaftliche Stellungnahme. Deswegen heißt es erst einmal abwarten – auf einen weiteren Kommentar wird hier demzufolge auch verzichtet. Denn über ungelegte Eier hat das Netz dieses Jahr in punkto Beutelwolf schon genug diskutiert.

kein Ende in Sicht

Die Debatte hat sich also trotz der vielen “Breaking News” zum Thema Beutelwolf also nicht wirklich von der Stelle bewegt. Man hat es auch nach 85 Jahren nicht geschafft, der Insel Tasmanien mehr Einsicht in ihr größtes zoologisches Geheimnis abzuringen. Viele Fragen zum Beutelwolf, vor allem was den Zeitpunkt seines tatsächlichen (oder gar vermeintlichen) Verschwindens betrifft, bleiben nach wie vor offen.

Die Suche nach dem Beutelwolf – nicht nur Misserfolge

Dabei ist es falsch, anzunehmen, dass die zahlreichen Expeditionen, die sich nach 1936 auf den Weg machten, um einen lebenden „Tiger“ dingfest zu machen, ausschließlich leer ausgingen.

 

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Beutelwolf und Wandertaube

Beutelwolf und Wandertaube,
Riesenalk und Kaiserspecht,
Wegen euch ist’s, dass ich glaube,
dass der Mensch im Inner’n schlecht
und aus purer Dummheit handelt,
wenn er Lebensraum zerstört.
Ihn in totes Land verwandelt
und den Todesschrei nicht hört… 

 

Beutelwolf und Wandertaube ist im Juli 2021 erschienen und hat 76 Seiten.

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November 1937 – erste Erfolge

Schon die zweite Expedition vom November 1937, nur ein Jahr nach Benjamins Tod, stieß auf Spuren von Beutelwölfen. So teilte es der Expeditionsleiter Arthur Leonard Fleming dem Vorsitzenden des verantwortlichen Animals and Birds Protection Board auch in einem Brief mit:

 

 

„Beginnend am südlichen Ende der Raglan Range und uns in südlicher Richtung in einem Radius von 10 Meilen bewegend, fanden wir Spuren von Tigern an 11 Stellen. Möglicherweise gehen mehr als eine Spur auf dasselbe Tier zurück, aber ich würde definitiv sagen, dass mindestens 4 verschiedene Tiere die Abdrücke hinterlassen haben“ (Fleming zitiert nach: Thylacine Museum, Übersetzung von Peter Ehret)

 

November 1938 – noch mehr Fußabdrücke vom Beutelwolf

Auch die darauffolgende Expedition vom November 1938 konnte mit Spurenfunden aufwarten. M.S.R. Sharland, Mitglied der Royal Zoological Society of New South Wales, der die Expedition als Gast begleitete, stellte zufrieden fest:

 

 

“Beweise, die auf der Reise gefunden worden waren, verweisen auf die Existenz des Tieres an verschiedenen Stellen des Territoriums und darauf, dass es noch Grund für überfällige Schutzmassnahmen gibt. Wir sind zufrieden, definitive Beweise für die Existenz des Beutelwolfs gefunden zu haben“ (M.S.R. Sharland zitiert nach: Thylacine Museum, Übersetzung von Peter Ehret)

 

 

Sogar Gipsabdrücke konnten angefertigt werden. Sie sind heute im Tasmanien Museum & Art Gallery zu bestaunen – zu sehen sind Fotos von ihnen auch online auf der Seite des virtuellen Thylacine-Museums:

http://www.naturalworlds.org/thylacine/history/expeditions/expeditions_and_searches_5.htm

Überlebende Beutelwölfe nach 1936?

Es ist im Anbetracht dieser Ergebnisse nicht weiter verwunderlich, dass auch ein Teil der akademischen Gemeinschaft das Jahr 1936 als Todesdatum des Beutelwolfs anzweifelt. Cameron Campbell und Stephen Sleightholme stellten in einem 2016 veröffentlichen Paper im Australian Zoologist fest:

 

 

„der Beutelwolf hat fast mit Sicherheit den Tod des letzten gefangenen Exemplars im Jahre 1936 überlebt und die Spezies war in den 1940er Jahren noch existent, und möglicherweise sogar noch darüber hinaus“ (Campbell & Sleightholme, 2016: 120).

 

1900 – 1930: Rückzug nach Westen

Sleightholme und Campbell basieren ihre Schlussfolgerungen auf einer eigenen Datenbank, die sich aus historischen Belegen, Prämiengesuchen für geschossene Tiere, Zeitungsartikeln und Zeugenberichten aus erster Hand speist. In ihrer kurzen Bezeichnung CKS genannt (Capture, Kill and Sighting = Fang, Tötung und Sichtung). Der Zeitraum dieser Datenerfassung erstreckt sich von 1900 – 1940. Ziel der Studie war es, Rückschlüsse auf die mögliche Entwicklung der Beutelwolf-Populationen auf Tasmanien für diesen Zeitraum zu ziehen:

 

 

„Die Daten belegen, dass der Beutelwolf in der östlichen Hälfte des Staates in den frühen 1920er Jahren ausstarb und in seinen ehemaligen Hochburgen in den Midlands und Central Highlands in den früheren 1930er Jahren. Die übrig bleibende Population wurde in den 1930er Jahren stark fragmentiert, mit einer Arthur-Pieman Population im Nordwesten, einer Franklin-Gordon-Population im Westen, einer Florentine-Population im Süden und einer Cape Sorrell-Port Davey-Population an der Südwestküste. Die Studie unterstützt die Annahme von Bailey, dass es einen Korridor zwischen den drei Haupt-Populationen gegeben hat“ (Campbell & Sleightholme, 2016: 120; Übersetzung von Peter Ehret)

 

 

Zwei Beutelwölfe
Zwei Beutelwölfe in einem Zoo

1930 – 1960: Sichtungen als Indikator für Beutelwolf-Reliktpopulationen?

Und hier war dann natürlich die Frage, ob die die Sichtungsberichte nach 1930 in diesem Zusammenhang Sinn machen könnten. Und das taten sie.

 

 

„Es gab in den 1940er und 1950er Jahren eine große Anzahl von Sichtungen, wo dasselbe Tier von vielen Personen gesehen wurde, oder auch von Buschmännern und Bauern mit Kenntnis aus erster Hand vom Beutelwolf. Doch diesen Berichten wird innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft wenig Glauben geschenkt. Es ist aber aussagekräftig, dass der Großteil dieser Sichtungen in den Territorien der Verbreitung von 1930 – 1939 stattgefunden hat.“  (Campbell & Sleightholme, 2016: 118; Übersetzung von Peter Ehret)

 

Die Beutelwolf-Expedition David Fleay (1945)

Und noch fragwürdiger erscheint das Jahr 1936 als finales Jahr der Existenz des Beutelwolfs, wenn in den 1940er Jahren auch noch ein Zoologe mit frischen Beweisen für sein Fortbestehen aufwartet. Im Herbst 1945 brach Dr. David Fleay samt Familie zum Erebus River im tasmanischen Westen auf, um einen Beutelwolf dingfest zu machen. Er hatte vom Fauna Board die Erlaubnis erhalten, zwei Exemplare des Beutelwolfs für die Zucht am Sir Colin MacKenzie Sanctuary in Healesville (Victoria) zu fangen. Finanziert wurde die Mission vom Field Naturalists Club of Victoria and Melbourne University. Seine Tochter, die die Expedition von ihrem Vater begleitete, erinnert sich:

 

 

„Vater arbeitete unermüdlich gegen Ende unserer viermonatigen Bemühungen und Unannehmlichkeiten und seine Beständigkeit zahlte sich fast aus, als ihm nur eine kleine Fehlkalkulation davon abhielt, triumphierend mit einem lebenden Beutelwolf nach Victoria zurückzukehren.

 

Vielversprechende Ausgangslage

 

Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme hatte Vater massiv ausgepolsterte Hundefallen vor den Käfigfallen positioniert. Er war sich sicher, dass die Spuren, die er in einer wilden Gegend namens Poverty Plain gefunden hatte jene von einem Beutelwolf waren; der Gipsabdruck von einem Fussabdruck passte perfekt zu ihnen. Auch hatte er, als er in der Gegend übernachtete, zuvor einen Beutelwolf bei seinem nächtlichen Schreien gehört. Diese seltsamen Schreie, die er mit dem Öffnen einer knarrenden Tür verglich, waren von den Buschmännern, die ihm in einer früheren Phase der Mission beim Campen begleitet haben, [als Schreie eines Beutelwolfs…] verifiziert worden.

 

Tasmanien
Waldweg in Tasmanien, im Lebensraum der Beutelwölfe

„Der Teufel steckt im Detail“ – und der Wolf in der falschen Falle

 

Es war also ein Versuch nach dem Motto Tu es oder stirb. Vater war besorgt, dass die große Anzahl der Hundefallen dem Beutelwolf schaden könnten und so reduzierte er ihre Anzahl. Das stellte sich als ein unglücklicher Fehler heraus, der ihm wahrscheinlich den Erfolg kostete. Denn an diesem besagten Abend nach starkem Regenfall und nur zehn Tage bevor wir Tasmanien verlassen wollten, näherte sich der Poverty Plain-Beutelwolf der Palisade, die ein Bennett’s Wallaby enthielt. Während es sich dem Eingang der Käfigfalle näherte, muss sich das Tier in einer gebückten Position nach vorne bewegt haben, so dass es am Ellenbogen anstatt der Pfote in der Falle hängenblieb. In energischer Panik muss es der Beutelwolf geschafft haben, sich aus der Falle zu befreien und zu entkommen.

 

Desolate „Katerstimmung“ am Tatort

 

Als wir am nächsten Morgen das Szenario betraten, eröffnete sich unseren Augen eine desolate Szene; es gab Markierungen eines Kampfes sowie zahlreiche Spuren von Fußabdrücken in dem weichen nassen Boden. Haare, die an den Fallen klebten, wurden von Vater sorgfältig aufgesammelt. […]

 

Tasmanien
Tasmanien ohne seinen Beutelwolf – das ist nicht das selbe!

„Non-Plus-Ultra einer frustrierenden Erfahrung“

 

Wenn er alle diese ergänzenden Fallen an ihren Ort belassen hätte, dann würde er möglicherweise einen Beutelwolf in der Tasche haben. Es war eine Tragödie für ihn, wirklich die Geschichte der großen Chance, die ihm entgangen war. Seit den 1930er Jahren hatte Vater hart daran gearbeitet, den Beutelwolf zu verstehen: das muss einer der schlimmsten Momente seines Lebens gewesen sein. All diese engagierte, ermüdende Arbeit in so rauem Terrain und alles für nichts; mit Sicherheit war es das Non-plus-ultra einer frustrierenden Erfahrung“ (Rosemary Fleay-Thomson, zitiert nach Thylacine-Museum; Übersetzung von Peter Ehret)

 

Alles umsonst?

Doch ganz mit leeren Händen kamen Fleay und Familie nicht zurück:

 

 

„Die Haare und später gefundenen Exkremente wurden zu Dr. Pearson vom Tasmanischen Museum geschickt. Dieser verifizierte, dass sie ohne Zweifel von einem Beutelwolf stammten.“ (Rosemary Fleay-Thomson, zitiert nach Thylacine-Museum; Übersetzung von Peter Ehret)

 

Die Expeditionen des Eric Guiler (1959, 1960, 1961, 1963, 1980 – 1981)

Eine Größe für sich in der Beutelwolf-Forschung

David Fleay war nicht der einzige Beutelwolf-Forscher, dem sein ersehntes Zielsubjekt in den ersten zwei Jahrzehnten nach Benjamins Tod in der Tasmanischen Wildnis nur knapp entronnen sein soll. Dr. Eric Guiler von der Tasmanian University ist in der Fachwelt zum Thema Beutelwolf eine, wenn nicht sogar die etablierte Expertengröße auf diesem Themenfeld. Er unternahm zahlreiche Expeditionen (siehe Teilüberschrift) in den Nordwesten Tasmaniens und ist auch ein Pionier im Nutzen der Fotofallen bei der Jagd nach dem Beutelwolf.

 

Wie verwunschen wirkt der Wald im zentralen Westen der Insel. Definitiv Beutelwolf-Land.

Studland Bay 1959 – gleich so nah dran wie … niemals wieder

Doch am nächsten kam Guiler seinem Ziel wohl gleich bei seiner ersten Expedition im Jahre 1959. Am frühen Morgen des 7. November 1959 setzte sie von Hobart zur Studland Bay an der nordwestlichen Küste Tasmaniens über. Gleich am nächsten Morgen konnten am nördlichen Ende der Bay Spuren eines Beutelwolfs gefunden werden. Man stellte Fallen auf. Doch dann, in einer mondhellen Nacht, nahmen die Expeditionsmitglieder beim Wild ein seltsames Verhalten  wahr – es bewegte sich nicht mehr als wenige Meter aus seinem Versteck und suchte bei geringstem Aufsehen sofort Zuflucht. Nie wieder hatten die Expeditionsmitglieder derartiges Verhalten beobachtet – sie glauben daher, einem Beutelwolf bei dieser Mission näher gekommen zu sein als je zuvor. Es regnete zwar die ganze Nacht. Doch tatsächlich: am nächsten Tag fanden sie um 10 Uhr morgens den klaren und frischen Fußabdruck eines „Tigers“ in einem matschigen Feld. (Thylacine Museum)

Zwei Beutelwölfe im Zoo

Es bleibt: eine interessante Forschungsfrage

Natürlich reichen auch diese Sichtungsberichte und die gesicherten positiven Indikatoren der Experten nicht aus, um den Status Quo des Beutelwolfs als ausgestorbenes Tier wissenschaftlich zu revidieren. Das kann nur ein Kadaver, der auf die Zeit nach 1936 datiert oder der Fang eines lebenden Tieres. Und anekdotischem Material, selbst wenn es von Experten kommt, ist immer mit Skepsis zu begegnen. Doch bei allem berechtigten Grund zur Skepsis ist Sleightholme und Campbell beizupflichten, wenn sie betonen, dass die Zurückweisung aller nach 1936 gemachten Sichtungen als Fehlidentifikation oder Einbildung durch Teile der akademischen Gemeinschaft die Frage nach dem Ob oder Wann des genauen Zeitpunkts des Aussterbens des Beutelwolfs verdeckt. (Campbell & Sleightholme, 2016: 120) Und damit wird eine wichtige Forschungsfrage ausgeblendet.

 

Die zentrale Frage ist nämlich die, ob zumindest in den ersten 20 Jahren nach 1936 noch Beutelwölfe in der Tasmanischen Wildnis zugegen waren. Hier gäbe es noch viel zu tun und es wäre schade, wenn die etablierte Zoologie sich aus diesem Arbeitsfeld zurückziehen – und die Suche ausschließlich den Laien überlassen würde. Doch danach sieht es – das beweisen die Studien von Dr. Stephen Sleightholme, Cameron Campbell u.a. – gegenwärtig glücklicherweise nicht aus.

 

 

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Ein absoluter Klassiker zum Beutelwolf

Der Jäger

M. ist ein Meister der Tarnung. Er muss das sein. Schließlich hat der routinierte Jäger von einer biotechnischen Firma den Auftrag erhalten, für Genversuche das letzte Exemplar des als ausgestorben geltenden tasmanischen Tigers zu erlegen.  Lucy Armstrongs hat in der Hochebene Tasmaniens eine Farm. Hier hat sie auf rätselhafte Weise ihren Mann verloren. Dort macht sich M. — in der Verkleidung als Naturforscher Martin David — auf die Jagd nach dem nahezu mythischen Wesen. Er legt seine Fallen aus — und kommt nicht zuletzt seinen eigenen Trieben auf die Spur.

Im Verlauf der Fabel wird M. immer mehr selbst zum einsamen Tiger. Mit geschärften Sinnen, die riechen, hören, sehen können, was seinen Mitmenschen im Dschungel der Zivilisation für gewöhnlich verwehrt bleiben muss. Er wird eins mit der Natur, bis zum von Leigh in lauernder Präzision inszenierten Finale. Jenseits aller Instinkte aber werden auch Gefühle wach, die so etwas wie Sozialverhalten — und Liebe zu Lucy — erahnen lassen.

 

Der Jäger: Roman ist die 2002 erschienene deutsche Übersetzung eines legendären englischsprachigen Romans. Das Buch ist nur antiquarisch verfügbar, dann jedoch zu sehr günstigen Preisen.

 

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Noch viel zu tun beim Thema Beutelwolf

Dieser Nachruf ist daher als Aufforderung zum Weitermachen zu Verstehen – selbst wenn man das unwahrscheinliche Überleben des Beutelwolfs in unsere heutigen Tage nicht mehr akzeptieren will. Es sind noch längst nicht alle Fragen geklärt- und eine davon ist das vermeintliche Überleben nach 1936. Und wie die engagierten Forschungsprojekte zeigen (zu erwähnen seien hier auch noch kurz die Studien von Professor Mike Archer zu den genetischen Ausprägungen konvergenten Evolution, für die der Beutelwolf als Spezies und seine konservierten Einzelexemplare einen einzigartigen Forschungsgegenstand darstellen), eröffnen sich beim Beutelwolf noch viele spannende Fragen vin wissenschaftlicher Relevanz. Auch der kryptozoologische interessierte Laie kann hier seine Nische finden. Einen Einstieg in die Materie können die Links unter diesem Beitrag bieten.

Die Naarding-Begegnung – Überlebende Beutelwölfe nach 1960?

Auch wenn es unwahrscheinlich ist: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Zum Abschluss dieses Jubiläumstages soll daher noch kurz an die Sichtungen aus einer Zeit weit nach 1936 erinnert werden. Die bekannteste von ihnen und als am glaubhaftesten Eingestufte ist ohne Zweifel die des Hans Naarding. Denn Naarding war ein erfahrener Parkranger. Er will dem Beutelwolf im Jahre 1982 bei Togari begenet sein:

 

 

„Es regnete stark. Um 2 Uhr morgens wachte ich auf und aus Gewohnheit kontrollierte ich mein Umfeld mit einer Taschenlampe. Als ich die Gegend absuchte, blieb mein Licht bei einem großen Beutelwolf stehen, der nur sechs oder sieben Meter von mir entfernt stand. Meine Kameratasche befand sich außer Reichweite und so beschloss ich, dass Tier vorsichtig zu untersuchen anstatt eine Bewegung zu riskieren. Es war ein adultes Männchen im exzellenten Zustand mit 12 schwarzen Streifen auf einem sandfarbenen Fell. Die Augen reflektierten blass-gelb. Es bewegte sich nur einmal, öffnete seinen Kiefer und zeigte seine Zähne.

 

Nach ein paar Minuten Beobachtung versuchte ich, nach meiner Kameratasche zu greifen, aber dadurch störte ich das Tier und es bewegte sich weg in das Gestrüpp. Als ich das Fahrzeug verließ und zu der Stelle ging, an der das Tier verschwunden war, bemerkte ich einen starken Geruch. Trotz intensiver Suche im Anschluss konnte keine weitere Spur des Tieres gefunden werden.“ (Hans Naarding zitiert nach: Campbell & Sleightholme, 2016: 120; Übersetzung von Peter Ehret)

 

85 Jahre ohne Beutelwolf? – kein abschließendes Fazit möglich

Tatsächlich fand Naardings Sichtung in dem Gebiet statt, dass Sleightholme und Cameron der Arthur-Pieman-Subpopulation der 1930er Jahre zuordeneten, also eines der vermutlichen letzten Rückzugsgebiete der Tiere. Die Sichtung, so die Autoren, mache es möglich, dass eine Population von Beutelwölfen in dieser Region sogar noch bis in die 1980er überlebt hat. Dem steht jedoch gegenüber, dass eine intensive Suche in dem 250 km weiten Gebiet im Anschluss der Sichtung des Parkrangers keine nennenswerten Ergebnisse brachte (Campbell & Sleightholme, 2016: 120).

Beutelwolf in Wien
Die wenigen Museumexemplare der Beutelwölfe. Sie helfen bei der Suche nach lebenden Beutelwölfen auch nicht weiter.

Es scheint, als könne man sich bei diesem „nacht- und dämmerungsaktiven Tier, das auch in den frühen Tagen der Siedlerzeit nur selten gesehen wurde“ (Campbell & Sleightholme, 2016: 110) auch 85 nach seinem „offiziellen“ Aussterben nicht eindeutig festlegen, ob wir wirklich schon 85 Jahre ohne Beutelwolf zu „feiern“ haben oder nicht. Weder in die eine noch in die andere Richtung.


Bibliografische Angaben

Fachaufsätze

Barry W. Brook, Stephen R. Sleightholme, Cameron R. Campbell, Ivan Jarić, Jessie C. Buettel (2021); Extinction of the Thylacine.doi:https://doi.org/10.1101/2021.01.18.427214 (Pre-Print-Version!)

https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.01.18.427214v1 (eingesehen am: 31.08.2021)

 

Stephen R. Sleightholme, Cameron R. Campbell (2016): “A retrospective assessment of 20th century thylacine populations.” Australian Zoologist 38 (1): 102–129. doi: https://doi.org/10.7882/AZ.2015.023 (eingesehen am: 31.08.2021)

https://meridian.allenpress.com/australian-zoologist/article/38/1/102/134752/A-retrospective-assessment-of-20th-century (eingesehen am: 31.08.2021)

 

Internetquellen

„Where the light meets dark“ – Analysen zum Adamsfield-Kadaver

http://www.wherelightmeetsdark.com.au/examining-the-evidence/tasmanian-tiger-(thylacine)/adamsfield-thylacines/adamsfield-thylacine-identified/ (eingesehen am: 31.08.2021)

 

http://www.wherelightmeetsdark.com.au/examining-the-evidence/tasmanian-tiger-(thylacine)/adamsfield-thylacines/ (eingesehen am: 31.08.2021)

 

Thylacine Museum

http://www.naturalworlds.org/thylacine/history/expeditions/expeditions_and_searches_1.htm (eingesehen am: 31.08.2021)




Einladung: „Auf der Suche nach mysteriösen Wesen in Afrika“ für 2022

Vorabinformation zur Veranstaltung:

„Auf der Suche nach mysteriösen Wesen in Afrika“

und „Neues von Mokélé Mbembé 2022“,

am 7. und 8. Oktober 2022 in Berlin

 

 

Diese Veranstaltung ist der zweite Teil der Veranstaltung: „Auf der Suche nach Mokélé Mbembé – Sind die Dinosaurier wirklich ausgestorben?“, die am 12. Oktober 2019 im Galileo-Park stattfand.

Ankündigung einer Veranstaltung am 12. Oktober 2019
Der erste Teil dieser Veranstaltung fand 2019 im Galileo-Park statt

Es blieben noch viele Fragen offen und auch die folgende Frage blieb noch offen:

„Welche anderen Kryptiden gibt es in Afrika noch?“

In diesem zweiten Teil wollen wir versuchen, auf einige der Fragen näher einzugehen. Auch der Forscher und Kryptozoologe Michel Ballot, wird wieder über die aktuellen Forschungsergebnisse seiner Expeditionen im Zeitraum 2019 bis 2022 berichten.

 

Im Mittelpunkt stehen aber diesmal andere afrikanische Kryptide, die Suche nach ihnen und mögliche Erklärungen über ihre Existenz oder Nichtexistenz.

 

Ein Zweitages-Event am 7. und 8. Oktober 2022 in Berlin

Diesmal haben wir zwei Tage für die Durchführung der Veranstaltung geplant. Am 7. Oktober wird es in der Zeit von 16 Uhr bis 19 Uhr eine kurze Einführung zum Event geben, es wird der Film: „The Explorer“ von Alexandre Brecher gezeigt, in dem der Forscher Michel Ballot vorgestellt wird. Anschließend Gespräche und Diskussionen.

 

Michel Balot
Michel Ballot auf der Expedition, die der Film „The Explorer“ begleitet

 

Der zweite Tag, der 8. Oktober, beinhaltet in der Zeit von 10 Uhr bis 19 Uhr fünf Vorträge, persönliche Gespräche und eine Podiumsdiskussion.

 

Die konkreten Vortragsthemen und die dazugehörigen Referenten werden rechtzeitig bekannt gegeben.

 

Der Veranstaltungsort ist eine kleine Eventlocation mit dem Namen „Petit Palais“, innerhalb der Schlossanlage Schönhausen. Hier kann man sich schon einmal mit der Örtlichkeit vertraut machen: https://www.petit-palais.de/, und Schloss Schönhausen: https://www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schloss-schoenhausen/.

 

Schloss schönhausen
Schloss Schönhausen, Gartenseite (Foto: A. Savin, freigegeben)

 

Die Vorbereitungen laufen und Nachfragen können über folgende Emailadresse gestellt werden: event2022dkr@gmx.de .

Aufgrund der notwendigen langfristigen Planungen sind Änderungen im Ablauf der Veranstaltung  nicht auszuschließen. Wir werden aber rechtzeitig informieren, sollten Änderungen eintreten!

 

Bei Interesse an einer Teilnahme können Sie sich schon jetzt über die oben genannte Emailadresse anmelden. Nach Absprache mit der Eventlocation stehen uns aufgrund der noch immer geltenden Coronavorschriften nur 50 Plätze zur Verfügung. Wir hoffen sehr, dass sich das perspektivisch zahlenmäßig noch erhöht.

 

Soviel also als Vorabinformation zu diesem Event.

Über alle aktuellen Informationen berichten wir hier auf der Website des Netzwerks für Kryptozoologie und auf der Website des Kryptozoologie Report digital (https://www.der-kryptozoologie-report.de/).


Kompakt-Info:

„Auf der Suche nach mysteriösen Wesen in Afrika“

und

„Neues von Mokélé Mbembé 2022“

Datum: 7. und 8. Oktober 2022

 

Ort: Das Petit Palais im Schlosspark Niederschönhausen, Berlin

 

Tagungsgebühr:
– beide Tage: € 70,-
– nur Freitag: € 20,-
– nur Samstag: € 50,-
incl. alkoholfreie Getränke und Imbiss




Der Phantomhund jenseits der Sage – Eine Annäherung 2/2

Teil 1 zum Phantomhund ist letzte Woche an dieser Stelle erschienen

 

Häufiger war die Vorstellung verbreitet, dass ein schwarzer Hund nichts anderes als der Geist eines verdammten Menschen sei. Die Seele eines verstorbenen und zu Lebzeiten unredlichen Menschen kehrt demnach aus der Hölle oder dem Fegefeuer als schwarzer Hund zurück (Abb. 4).

 

Ein Blasphemiker wird zum Phantomhund
Abb. 4: Ein Blasphemiker verwandelt sich in einen schwarzen Hund

 

Dieses Schicksal soll dem kaiserlichen Rittmeister Lambert Sprengepiel (um 1640) von Gut Falkenrott widerfahren sein. Wegen seiner Untaten streift dieser nun als schwarzer Hund mit glühenden Augen und rasselnder Kette durch die Straßen von Vechta (Abb. 5).

 

Phantomhund als Plastik
Abb. 5: Der Rittmeister Lambert Sprengepiel als schwarzer Hund; Bronzeplastik von Bernard Kleinhans aus dem Jahr 1981 in Vechta (Foto: N.G. Cincinnati)

 

Aus Swistal-Essig (Rhein-Sieg-Kreis, NRW) liegt eine Erzählung des Amtsoberinspektors Arnold Bollig aus den 1930er Jahren vor, wonach der Geist einer irren Nonne in Gestalt eines großen Hundes mit goldener Kette um einen Birnbaum spukt.

 

Hin und wieder treten schwarze Hunde auch als Vertraute und Hilfsgeister von Hexen auf, wie etwa in einer Lithographie aus dem Werk La Vie Exécrable de Guillemette Babin, Sorcière 1926, welche eine Hexe zeigt, die auf einem schwarzen Hund reitet (Abb. 6).

 

Hexe auf Phantomhund
Abb. 6: Die Hexe auf dem schwarzen Hund; Lithographie aus La Vie Exécrable de Guillemette Babin (Sorcière 1926)

 

Selten sind schwarze Hunde, hinter denen sich personifizierte Naturgeister verbergen sollen (wie zum Beispiel der Old Shock, der in einigen Darstellungen nichts anderes als ein boshafter Kobold sein soll) oder schwarze Hunde, die als Wer-Tier auftreten.

 

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Die schwarze Dogge Emma

Emma ist für eine Deutsche Dogge erstaunliche elf Jahre, acht Monate und zwei Tage alt geworden. Vielleicht waren es ihre unersättliche Neugier, ihr Lebenshunger, die große Zuneigung und Fürsorge, die ihre Besitzer ihr angedeihen ließen, oder die endlosen Streifzüge durch die Wälder, die sie fit und gesund hielten. Genau kennt niemand das Geheimnis ihrer Langlebigkeit. Wer das Buch liest, merkt jedoch, dass der Autor viel dafür getan hat, seiner Hündin dieses lange und hundewürdige Leben zu ermöglichen.

 

Die schwarze Dogge Emma ist 2011 als Taschenbuch mit 240 Seiten erschienen und nur noch antiquarisch erhältlich. Für gute Exemplare zahlt man um € 10,-

 

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Deutungsansätze

Eine Erklärung des Phänomens der Phantomhunde steht noch aus. Relevante Elemente, welche mit einiger Sicherheit eine Rolle bei einer Erklärung spielen werden, können jedoch schon jetzt aufgezeigt werden. So ist es zweifellos als bedeutender Faktor anzusehen, dass es sich bei dem hier behandelten Phänomen um Entitäten in Hundegestalt handelt, welche jedoch keine offensichtlichen Ähnlichkeiten mit einer bekannten Hunderasse aufweisen. Eine Erscheinung als Hund bedeutet aber auch immer den Bezug auf einen zuvor erfolgten Prozess der Domestikation. Der Hund ist kein naturgegebenes Wesen, sondern geht auf Zähmung und Züchtung durch den Menschen zurück. Das Vorbild für das Phänomen der Phantomhunde ist somit ein zwar biologisches, jedoch auch künstliches Produkt menschlichen Schaffens. Hier bereits verrät sich die enge Verbindung des Phänomens zur menschlichen Kultur.

 

Ebenfalls in diese Richtung deutet das mit dem Hund verbundene Problem des Besitzes. Ein Hund gehört oder gehörte jemandem. Unterstrichen wird dies durch die Beschreibung von Ketten (auch am Phantomhund), welche als deutliches Zeichen der Zugehörigkeit zum Menschen angesehen werden können (Abb. 7).

 

Phantomhund mit Kette
Abb. 7: Der schwarze Hund mit Kette

 

Neben der engen Verbindung der Hundegestalt zum Menschen kennzeichnet das lokal gebundene Auftreten die Phantomhunde als Kulturwesen. Es ist nicht der dichte, einsame Wald, in dem der Phantomhund begegnet. Es ist die Landstraße, der Kirchhof, das Gartentor, die Hecke und viele weitere Elemente der Kulturlandschaft, welche den Ort des Erscheinens bilden. Der Phantomhund geht also nicht nur von einem vom Menschen geschaffenen Wesen aus, er ist auch an die vom Menschen gestaltete Landschaft gebunden.

 

Phantomhunde sind selten fassbar

Dennoch hält der Phantomhund Abstand. Die Nicht-Zuordenbarkeit zu einer bekannten Hunderasse, die wilde, verwahrloste, furchteinflößende Erscheinung, das Auftreten in der Nacht … all dies sind Elemente eines Phänomens, das einen unkontrollierbaren und nicht fassbaren Charakter bewahrt. Wie für den Hund im Allgemeinen, kann auch für den Phantomhund gelten, dass sich seine Natur der Kultur des Menschen annähert, aber nicht in ihr aufgeht. Der Phantomhund ist damit der perfekte Kulturgeist.

 

Ein ebenfalls sehr starkes Element, welchem eine Bedeutung beigemessen werden kann, ist die Ambivalenz des Hundes. Wie kaum ein anderes für die Kultur des Menschen bedeutsames Tier, zeichnet sich der Hund durch eine tiefe Zwiespältigkeit aus. Schon in der Antike zeigt sich dieses Verhältnis, das sich im Orient bis heute erhalten hat. Der Hund ist gefährlich, bissig, schlimmstenfalls sogar tollwütig. Die Redewendung „fauler Hund“ anthropomorphisiert den Hund und macht deutlich, wie sein Einsatz für Haus und Hof zuweilen gesehen wird. Der Hund gilt als gefräßig und gierig, als neidisch und schamlos, als unehrenhaft und schandbar. Letzteres kam in Franken und Schwaben im Mittelalter zum Ausdruck, als bei Landfriedensbruch das strafweise Herumtragen eines Hundes, die Cynophorie, angeordnet werden konnte. Zuletzt gilt der Hund auch als unsauber, er kehrt zu seinem Auswurf zurück heißt es im biblischen Buch der Sprüche, und einige Fabeln kennen ihn sogar als unsoziales Wesen.

 

Der Hund als bester Freund des Menschen

Auf der anderen Seite tritt der Hund als der beste Freund des Menschen auf, der hilft und rettet, wie etwa in Gestalt des berühmten Bernhardiners Barry (*1800 auf dem Großen Sankt Bernhard; †1814 in Bern), der zu Beginn des 19. Jahrhunderts 40 Menschen aus Schneenot gerettet haben soll. Der Hund heilt, mal nur durch bloßes Belecken einer Wunde, mal, überhöht, wundersam am Grab des heiligen Guinefort – Ein in der Dombes (Ostfrankreich) ab dem 13. Jahrhundert bis nach dem Ersten Weltkrieg verehrter Windhund, welcher ein Kind vor einer Schlange gerettet haben und irrtümlicherweise getötet worden sein soll. Hunde können ferner hilfreiche Boten sein, jagen und kämpfen an der Seite des Menschen, sind klug, liebevoll, manchmal sogar altruistisch, und haben bewundernswerte Sinne. Ihre Begabung und Lernfähigkeit haben sie zu engen Vertrauten des Menschen gemacht. Vor allem aber sind sie treu und wachsam.

 

Nicht alle Phantomhunde sind schwarz
Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen, gilt das auch für Phantomhunde?

 

All diese dem Hund zugeschriebenen Verhaltensweisen und Charakterzüge weisen den Hund in der menschlichen Wahrnehmung als ein zutiefst ambivalentes Wesen aus, das sich zwischen treuer Freundschaft und tödlicher Gefahr bewegt. Die Wahrnehmung des Phantomhundes fällt ebenso ambivalent aus, wenn auch die bedrohliche Empfindung überwiegt.

 

Die große Bedeutung und große Ambivalenz des Hundes macht ihn zu einem archetypischen Kandidaten. In allen Kulturkreisen, in denen der Hund eine Rolle spielt, ist davon auszugehen, dass er tief im kollektiven Bewusstsein verhaftet ist. Das Fundament für ein Phantomhund-Phänomen ist damit gelegt. Die Überführung in ein visuell wahrnehmbares Phänomen bleibt aber ungeklärt und spekulativ.

 

 

Sind Phantomhunde nicht Teil der Naturwissenschaften?

Sicher ist, dass das Phänomen als Scheintier auftritt. Eine Entität, die vorgibt, ein Tier zu sein, jedoch keines ist, keines sein kann. Als ein solches ist das Phänomen der Phantomhunde wesentlich heterogener zusammengesetzt, als aufgrund erster sagenhafter Erzählungen angenommen. Die vielen Erscheinungs- und Verhaltensweisen in Raum und Zeit zeigen die hohe Flexibilität des Phänomens auf. Der Phantomhund entwickelt sich mit der menschlichen Kultur mit, bleibt aber als Spontanerlebnis evasiv. Beobachter, Lokation, äußere Umstände und eventuell auch die Zeit scheinen für den interagierenden Phantomhund die konfigurierenden Komponenten zu sein:

 

 

Als untergeordnet kann die in der Literatur diskutierte Funktion des Phantomhundes als Grenzwächter angesehen werden, lassen sich doch in der neuzeitlichen Kulturlandschaft beliebig viele Grenzen zwischen wilder und kultivierter Landschaft definieren.

 

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100 physikalische Kopfnüsse – oder:

Physik, die auch Physiklehrer verblüfft

Wenn Fliegen fahrende Lastwagen zum Stillstand bringen, Sanduhren sich störrisch zeigen und die Zeit gewogen wird, dann sind wir mittendrin in der wunderbaren Welt der Physik. 100 knifflige Kuriositäten hat Heinrich Hemme für dieses Buch zusammengestellt. Und um all diesen Rätseln auf den Grund zu gehen, braucht man weder Taschenrechner noch Formelsammlung, man muss nur sorgfältig über die Physik und die Welt nachdenken.

 

100 physikalische Kopfnüsse sind 2019 im Anaconda-Verlag erschienen und füllen 192 Seiten mit verblüffenden und doch streng physikalischen Phänomenen – auf unterschiedlichstem Niveau.

Das Buch ist zum Mitknobeln ebenso geeignet wie als Geschenk oder um den Physiklehrer – egal ob den eigenen oder den der Kinder – ans Tüfteln zu bekommen.

 

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Ein Fallbeispiel

Begegnungen mit phantomhaften Hunden scheinen in den letzten Jahrzehnten seltener geworden zu sein. Eventuell wird aber auch nur seltener davon berichtet bzw. dringen Erlebniserzählungen seltener an die Öffentlichkeit.

 

Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre begegnete der Friseurmeister Rudolf K. (*05. August 1934) auf dem Fußweg zur Arbeit mehrmals einem großen Hund, welcher offenbar kein gewöhnlicher Hund war. Die drei bis vier Begegnungen trugen sich auf einem kleinen Waldweg zu, welcher über den Goldberg bei Muffendorf (Bad Godesberg, Bonn) führt.

 

Rudolf K. beschreibt den Hund als ein „Riesenvieh“, ähnlich einer Dogge, von brauner Farbe und ohne Halsband. Alle Begegnungen fanden im Morgengrauen statt, einmal auch in Anwesenheit der Ehefrau des Zeugen. Bei der ersten Begegnung näherte sich der Hund lautlos von hinten dem Zeugen und trottete dann passiv vorbei. Rudolf K. beschreibt ein großes Angstgefühl, das er in diesem Moment verspürte („Meine Nackenhaare stellten sich auf“). Bei einer Begegnung ereignete sich dann etwas sehr außergewöhnliches, was Rudolf K. zur Überzeugung kommen ließ, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Hund handeln konnte: Nachdem sich der Hund wieder von hinten angenähert hatte und an dem Zeugen vorbeigetrottet war, verschwand er in wenigen Metern Entfernung in der Mitte des Weges. Er löste sich förmlich in ein Nichts auf.

 

Auch unabhängig von diesem anomalen Moment wurde der Hund als seltsam empfunden. So stellt die Ehefrau des Zeugen fest, dass dieser ein für einen Hund komisches Verhalten zeigte: kommt angetrottet, bleibt stehen, sieht die Zeugen an, geht weiter, kein Schnuppern, keine anderen Verhaltensweisen, die ein Hund bei einer Begegnung mit Menschen zeigt.

 

Schwarzer Hund

 

Ein Fremder erlebt eine lokale Sage

Rudolf K., ein Kriegsflüchtling, war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht mit dem lokalen Sagengut des Bonner Raumes vertraut. Insofern ist es von Interesse, dass aus Muffendorf, unweit des Ortes der Begegnungen, Erzählungen über einen gespensterhaften Hund bekannt sind und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert wurden. So zeichnete Josef Dietz in den 1930er Jahren die Erzählung des 70jährigen Landwirts Severin Hüllen aus Wachtberg-Ließem auf, welcher über den gespenstischen Dörpmöbbel (Dorfhund) von Muffendorf erzählt:

 

 

Ich well e Stöckelche von Muffendorf erzälle … No senn die Lannesdorber Jonge noh Muffendorf Obs stritze gewas. No hatte die Jonge gesaht: ‚Wat jitt dat nur, wenn en de holl Jaß de Dörpmöbbel kütt!‘ – ‚Oh‘, hät eene gesaht, ‚dat es net schlömm.‘ Dat wor äwe en richtige Rauhbüesch, der ene haleve Rohm bei sich hatt. – Richtig! En de holl Jaß es de Dörpmöbbel komme, der jitt dämm ene Schlag – et jitt ene Schrei on – de Dörpmöbbel es fott. Donoh hann se der, der noh dämm Dörpmöbbel geschlage hätt, am Lyngsberg gefunge; der woa halev dut. Se hann eh metgenomme. – Von der Zitt wuët de Dörpmöbbel net mieh gesehn.“

 

Die Übersetzung

(„Ich will eine Geschichte von Muffendorf erzählen … Da sind die Lannesdorfer Jungen nach Muffendorf Obst stehlen gewesen. Da hatten die Jungen gesagt: ‚Was gibt das nur, wenn in der hohlen Gasse der Dorfhund kommt?‘ – ‚Oh‘, hat einer gesagt, ‚das ist nicht schlimm.‘ Das war aber ein richtig rauher Bursche, der einen halben Pfahl bei sich hatte. – Richtig! In der hohlen Gasse ist der Dorfhund gekommen, der gibt dem einen Schlag – es gibt einen Schrei und – der Dorfhund ist weg. Danach haben sie den, der nach dem Dorfhund geschlagen hat, am Lyngsberg gefunden; der war halb tot. Sie haben ihn mitgenommen. – Von der Zeit wurde der Dorfhund nicht mehr gesehen.“)

 

 

Dokumentiertes Erlebnis aus jüngerer Zeit und tradierter Volksglauben, objektiviert im lokalen Erzählgut, finden in diesem Fallbeispiel zusammen und unterstreichen die forscherische Zugänglichkeit zum Phänomen.

 

 

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Eine schwarze Krimikomödie

Den letzten beißen die Hunde

Mimi, die scharfsinnige, ältere Dame, lebt in ihrer Villa am Rande der Stadt. Eigentlich ist es kaum vorstellbar, dass ihr jemand mit einem herabfallenden Flügel den Garaus machen will. Daher stellt sie gemeinsam mit ihrer Enkeltochter Helen eigene Ermittlungen an – ganz wie ihre Vorbilder in den Büchern.

 

Mimi lädt fünf „Verdächtige“ in ihre Villa ein, darunter den Bürgermeister, denn dieser hat ein Motiv: Er will Mimis Grundstück aufkaufen, um darauf ein Einkaufszentrum zu errichten. Doch ist er nicht der einzige, der der alten Dame an den Kragen will. Zusammen mit ihrer Enkelin, ihrem Butler und einem Bügeleisen weiß Mimi sich aber durchaus zur Wehr zu setzen.
Ein mörderisches Vergnügen nimmt seinen Lauf.

 

Der Letzte beißt die Hunde ist 2014 im Abacus-Verlag erschienen und hat 240 Seiten. Völlig zu Unrecht ist dieses Buch in der Versenkung verschwunden, meint die Redaktion. Das Buch nimmt nicht nur die üblichen Krimi-Klischees auf, sondern spielt sie mit schwarzem Humor gegen einander aus, Trotz vieler klassischer Charaktere kommt es zu erstaunlichen Wendungen, wenn die alte Dame nicht nur Spürsinn, sondern auch Kampfbereitschaft an den Tag legt: „Wer gegen mich in die Schlacht zieht, muss damit rechnen, dass ich in aller Härte zurückschlage.“

 

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Was bleibt zu tun?

Das Auftreten des Phantomhundes als Scheintier verlangt nach einer Einbindung des Phänomens in den weiten Kreis der sogenannten forteanischen Zoologie, welche eher sogenannte zooforme Phänomene aufzunehmen vermag als die klassische, biologisch orientierte Kryptozoologie. Zugleich nötigen die Vielgestaltigkeit des Phantomhundes sowie die fließenden Übergänge und zahlreichen Gemeinsamkeiten mit anderen Phänomenen zu einer Verabschiedung vom Kategoriendenken. Jeder Fall ist für sich zu nehmen, ohne die verbindenden Elemente aus den Augen zu verlieren. Wiederkehrende Muster gilt es zu erkennen und können noch am ehesten zu einer Kategorie hinführen.

 

Unverzichtbar ist die Verbesserung der Datenbasis. Sie ist die Voraussetzung für eine Lösungsfindung! Ausführlich dokumentierte Erlebniserzählungen aus erster Hand sind zwingend, um die Phänomenologie und vielleicht auch eines Tages die Bedeutung des Phänomens zu ergründen.

 

realer Phantomhund
Die meisten Kontakte mit schwarzen Hunden sind völlig harmlos und absolut von dieser Welt.

 


 

Quellenverzeichnis

Bord, Janet / Bord, Colin: Alien Animals. Harrisburg 1981

 

Dietz, Josef: Aus der Sagenwelt des Bonner Landes. Bonn 1965

 

Güntert, Hermann: Hund. In: Hanns Bächtold-Stäubli / Eduard Hoffmann-Krayer (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 10 Bände. Band 4, Berlin/New York 1932, Sp. 470-490

 

Harte, Jeremy: Black Dog Studies. In: Bob Trubshaw (Hrsg.): Explore Phantom Black Dogs, Wymeswold, Loughborough 2005, S. 5-20

 

Meyers Konversations-Lexikon. Band 8, vierte Auflage, Leipzig/Wien 1885-1892

 

Schenda, Rudolf: Hund. In: Rolf Wilhelm Brednich (Hrsg.): Enzyklopädie des Märchens: Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Band 6, Berlin/New York 1990, Sp. 1317-1340

 

Schubarth, Karl Ernst: Ueber Goethe’s Faust Vorlesungen von Dr. K. E. Schubarth. Berlin 1830

 

Trubshaw, Bob: Phantom Black Dogs: an introduction. In: ders. (Hrsg.): Explore Phantom Black Dogs, Wymeswold, Loughborough 2005, S. 1-4

 

Wikipedia: Melampus. Auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Melampus_(Hund) (eingesehen am 18.01.2014)

 




Freitagnacht-Kryptos: Noch ein gefleckter Tiger

Berge Kasachstans
Berge im Tien Shan-Gebirge in Kasachstan

Ein in den 1960er Jahren entdecktes mongolisches Manuskript beschreibt die Abenteuer des Nationalhelden Geser Khan. Walter Heissig, der es in der Königlichen Bibliothek von Kopenhagen aufspürte, nimmt an, dass es aus dem Tsachargebiet stammt. Geser Khan zieht mit einer Schar Helden los, um Abenteuer zu erleben.

 

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Die Wächter-Romane

sind eine phantastische Romanreihe des russischen Autors Sergei Lukjanenkos. Hauptakteure des Romans sind die Angehörigen der verfeindeten Tagwache und Nachtwache, die ursprünglich die Einhaltung der Waffenruhe überwachten.

Unter der normalen Menschheit leben unerkannt die Anderen, übernatürlich begabte Männer und Frauen, Magier, Gestaltenwandler und Vampire. Die Anderen unterteilen sich in Lichte und Dunkle, die sich in ihrer Lebensweise unterscheiden.

 

Lange Zeit vor dem Beginn der Handlung kam es zu einer großen Schlacht zwischen beiden Seiten. Da jedoch beide Heere gleich stark waren und der Kampf sowohl das Licht als auch das Dunkel zu vernichten drohte, vereinbarte man einen Waffenstillstand: Fortan sollte jeder Mensch, der das Potential eines Anderen hat, seine Seite frei wählen dürfen.

 

Im ersten Buch, „Wächter der Nacht“ tritt der Gescher Khan als Anführer der Nachtwache und Sprecher der Kräfte des Lichtes auf.

 

Wächter der Nacht ist der erste Teil des ersten, sechsteiligen Zyklusses von Sergei Lukjanenkos Wächterromanen. Diese Reihe ist in Deutschland eher unbekannt, die einzigartige Mischung aus Fantasy und Horror ließ sie weltweit aber erfolgreicher als „Der Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ werden.

 

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Auf der Jagd nach dem wilden, schwarzgefleckten Tiger

„Mit Dschasa schikir, Gesers Bruder, an der Spitze brechen sie auf, um den wilden, gefährlichen, schwarzgefleckten Tiger aufzuspüren und die Welt von dieser Bedrohung zu befreien. Geser selbst verwandelt sich durch seine ihm innewohnende Zauberkraft ebenfalls in einen Tiger. Er zeigt sich in dieser Gestalt seinen Helden, warnt sie vor der Gewalt des richtigen Tigers und seiner Riesengröße, und beschreibt die Untaten dieses Ungeheuers, das Tausende von Kreaturen schon gefressen hat. Nachdem die Helden ihrem Herrn gedankt haben, setzten sie die Suche nach dem Tiger fort.

 

Amurtiger
Amurtiger sind wie alle Tiger gestreift und nicht gefleckt.

 

 

Als Dschasa schikir in der Ferne den Tiger erspäht, meldet er dies Geser Khan.“ Der Tiger aber brüllt so laut, dass sich der Himmel verdunkelt und Geser kann ihn nur durch Zauberkräfte töten. Er reitet nämlich in sein Maul hinein, ruft die Drachenkönige zu Hilfe. Als das Tier getötet worden ist, beauftragt Geser den Dschasa schikir, „nicht das Fell des Riesentigers zu vernichten, da daraus Rüstungen und Zeltbedeckungen für viele tausend Krieger gefertigt werden können.“

 

Das ist – neben dem Tiger aus Sibirien – das zweite gefleckten Exemplar.


Quelle:

Walter Heissig: Ein Volk sucht seine Geschichte. Düsseldorf. Econ 1964, S. 164




Phantomhunde jenseits der Sage – Eine Annäherung 1/2

Große, gespenstische, meist schwarze Phantomhunde gehören zu den weit verbreiteten Spuk- und Sagengestalten des Abendlandes. Als Motiv hielten sie mehrfach Einzug in die Literatur. So erscheint bereits Mephistopheles im Faust I in Gestalt eines schwarzen Pudels, der sich Faust und Wagner bei ihrem Osterspaziergang „in weitem Schneckenkreise“ nähert und später in Fausts Studierzimmer, raumfüllend anschwillt, bevor er sich in Menschengestalt zeigt (Abb. 1).

Mephisto und der schwarze Pudel
Abb. 1: Mephistopheles, als schwarzer Pudel, begegnet Faust und Wagner; (Lithographie von Eugène Delacriox, 1824)

 

 

Berühmt ist der Dämonenhund in Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes Roman The Hound of the Baskervilles, welcher einige Züge der aus den Sagen bekannten Phantomhunden aufweist (Abb. 2).

Hund von Baskerville
Sidney Pagets Illustration des Hundes von Baskerville aus dem Strand Magazine vom April 1902

 

Und im Harry Potter Roman Der Gefangene von Askaban tritt ein schwarzer zottiger Hund, sowohl als Animagus-Gestalt von Harry Potters Patenonkel Sirius Black, als auch als Todesomen in Gestalt des Grim auf.

 

Wenn auch das Motiv des schwarzen Hundes immer wieder in der Literatur aufgegriffen wird, so ist doch die eigentliche Heimat dieser Gestalt die Sage. Als Spiegel des älteren Volksglaubens stoßen wir hier auf den schwarzen Hund in seiner Minimalform als unheimlicher Begleiter des nächtlichen Wanderers. Ein typisches Beispiel findet sich in Josef Dietz‘ Sagenwelt des Bonner Landes. Dort erzählt der 80jährige Dachdecker Schink aus Urfeld (Stadt Wesseling / Rhein-Erft-Kreis) in den 1930er Jahren kurz und knapp:

 

 

 

Wenn ein Wanderer nachts von Urfeld nach Widdig ging, dann gesellte sich zu ihm ein großer, schwarzer Hund. Das war das Jriemesdier. Dieses Untier begleitete den Wanderer bis zu seiner Wohnung.“

 

 

In dieser kurzen Erzählung finden sich bereits wesentliche Elemente des Phantomhundes. So seine große Erscheinung, sein schwarzes Fell, sein nächtliches Auftreten und seine unheimliche Wirkung, eigentlich jedoch auch sein harmloses Verhalten.

 

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Ein verlassenes Haus. Das vergessene Böse. Trautes Heim…

Shane Ryan kehrt nach Nashua zurück – zu den Kindheitserinnerungen, die ihn überhaupt erst dazu bewegten, den Marines beizutreten. Nach einem langen Rechtsstreit mit seiner Tante und seinem Onkel besitzt Shane nun das Familienhaus, in dem seine Eltern vor über 20 Jahren verschwanden. Das Haus – ein monströses Schloss voller Geister und Geheimnisse – ist lebendiger als seine Bewohner.

 

Aber etwas lauert hinter den Wänden und unter der Oberfläche. Etwas Unheilvolles, das ihn verfolgt, seit er sein Gesicht im Teich hinter dem Haus gesehen hat. Und es ist nicht erfreut darüber, dass Shane zurückgekehrt ist.

Es ist ganz und gar nicht erfreut.

 

Berkley Street ist der erste Teil einer sorgfältig ins Deutsche überarbeiteten Serie von Romanen, die übernatürlichen Horror mit Krimi-Elementen verknüpfen. Die atmosphärische Krimis spielen in Neu-England, sie glänzen durch schwarzen und unterschwelligen Humor.
Das Buch ist als Taschenbuch und für den Kindle verfügbar.

 

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Phantomhunde sind ein uraltes Motiv

Die Verwandtschaft des schwarzen Hundes lässt sich mit einiger Sicherheit bis in die antiken und frühgeschichtlichen Mythologien zurückverfolgen. Zu den Bekanntesten zählt der meist dreiköpfig dargestellte Hund der altgriechischen Unterwelt, der Cerberus, welcher von Herakles in die Oberwelt verschleppt wurde. In der nordischen Mythologie bewacht Garm, der vieräugige Totenhund der Totengöttin Hel, den Eingang zur Unterwelt. In der walisischen Unter- oder besser Anderswelt sind die Cŵn Annwn die Hunde des Königreichs Annwn. Ihre gespenstig weißen Körper erhalten nur durch ihre roten Ohren etwas Farbe.

 

Wie auch viele geisterhafte Hunde späterer Zeiten sind die Cŵn Annwn Begleiter der Wilden Jagd, die ein in weiten Teilen Europas verbreitetes Sagenmotiv ist. Die Wilde Jagd oder der Wilde Jäger ist schon allein aus etymologischen Gründen untrennbar mit dem Hund verbunden, leitet sich das englische hunter doch vom altgriechischen kynēgetēs (→ Hundeführer) und die Jagd als die Kunst, Hunde zu führen, von kynegetiké téchne ab (Abb. 3).

 

Wilde Jagd mit Phantomhunden
Abb. 3: Der wilde Jäger, begleitet von seinen Jagdhunden

 

Auch Englands berühmtestes Gespenst Herne the Hunter wird zuweilen von Hunden begleitet. Andere Gespenster treten ebenfalls in Hundegestalt auf, wie zum Beispiel der Galleytrot, und leiten damit zur eigentlichen Gestalt des schwarzen Phantomhundes über.

Zwar sind die schwarzen Phantomhunde untrennbar mit der Sagenwelt der britischen Inseln verbunden, dennoch handelt es sich nicht um ein nur britisches Phänomen. Im gesamten Kulturkreis des Abendlandes, einschließlich des nordamerikanischen Kontinents, sind die schwarzen Phantomhunde bekannt. Darüber hinaus wird angenommen, dass sie in allen Kulturen bekannt sind, in denen dem Hund eine Bedeutung zukommt.

 

Erscheinung und Verhalten des phantomhaften Hundes

Bei dem Versuch, die Phänomenologie des Phantomhundes einzufassen, stößt man auf ein Problem, welches umso größer wird, je mehr Erzählungen, Augenzeugenberichte, Sagen und Geschichten berücksichtigt werden. Denn den Phantomhund gibt es nicht. Stattdessen gibt es etliche Varianten, Spielarten und Erscheinungsformen. Auch sind die Übergänge zu zahlreichen anderen Phänomenen – wie so oft – fließend[1]. Dies zeigt sich bereits in der Beschreibung des Habitus, der körperlichen Statur des Phantomhundes. Diese wird oft unterschiedlich und selten als mit einer bekannten Hunderasse vergleichbar beschrieben. Die Größe ist auffallend. „Kalbshoch“, „hüfthoch“ oder „tischhoch“, auf jeden Fall aber „größer als ein normaler Hund“ sind häufige Umschreibungen.

 

Auch die Fell-Farbe, die meist als tiefschwarz, „kohlenschwarz“ oder „schwärzer als die Nacht“ beschrieben wird, kann gänzlich anders sein. Neben grau, braun und gelb werden auch weiß und sogar grün beschrieben. Letztere Farbe weist der Feen-Hund cu sith in Schottland auf.

 

Die Beschaffenheit des Fells ist meist struppig, zottig und manchmal auch borstig, auf jeden Fall aber nicht gepflegt, wie man es bei einem Haushund erwarten würde.

 

Die Augen wurden sehr oft als übergroß „wie Untertassen“ beschrieben, dabei rötlich oder orange glühend, leuchtend, lodernd (wie selbstleuchtend). Jüngere Beschreibungen sprechen jedoch eher von „normalen“ und unauffälligen Augen.

 

Phantomhund und schwarze Katze mit leuchtenden Augen
Schwarzer Phantomhund mit stereotyp leuchtenden Augen, zusammen mit entsprechender Katze

 

Meist sind schwarze Hunde still

In seltenen Fällen wird von kopflosen oder auch einäugigen Hunden berichtet. Während der Begegnung mit einem Phantomhund bewegt sich dieser zumeist auffallend geräuschlos, selbst auf Untergründen, auf denen man Geräusche erwarten würde. Trotz der eher geisterhaften Natur der Phantomhunde kommt es manchmal aber auch zu Geräuschentwicklungen beim Laufen. Diese können dann recht unterschiedlich ausfallen. Beschreibungen wie „klappernd wie Pferdehufe“, „raschelnde Schritte durch Laub“ oder „wie schwere Schuhe auf einer schlammigen Straße“ machen diese unterschiedlichen Eindrücke deutlich. Gelegentlich kommt es nur zu rein akustischen Phänomenen, die aber der unsichtbaren Anwesenheit eines Phantomhundes zugeschrieben werden. Sehr selten werden Lautäußerungen wie Knurren oder Bellen beschrieben. In tradierten Sagen begegnet man sogar sprechenden Phantomhunden. Wenn ein Geruch wahrgenommen wird, so ist dieser stets unangenehm und wird oft mit Schwefel verglichen.

 

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Herr und Hund, ein Idyll

von Thomas Mann

 

In dem „Idyll“ aus dem Jahr 1919 erzählt Thomas Mann von den täglichen Spaziergängen mit seinem Lieblingshund Bauschan in der Umgebung des Münchner Wohnhauses und in den Isar-Auen. Mit unnachahmlicher Ironie zeichnet er das anrührende Porträt einer Hundeseele, deren Schwächen und Schrullen allzu menschlich scheinen. Doch bei aller Vertrautheit und Sympathie – stets bleibt dem Erzähler bewusst, wie fremd der Hund am Ende bleibt: ein treuer Freund und unheimlicher Gast zugleich.

 

Mit Herr und Hund: Ein Idyll hat Thomas Mann nicht nur einen Klassiker geschaffen, sondern ein Buch, das sich über 100 Jahre nach seinem Erscheinen so liest, als hätte es der Autor letzte Woche erst zu Papier gebracht. Der feine, manchmal schneidende Humor des Literaten trifft auch auf heutige Beobachtungen sehr wohl zu. Wenn sich auch das Bild des Menschen im vergangenen Jahrhundert geändert hat, das Bild des Hundes…
Das „Idyll“ ist als gebundenes Buch oder Taschenbuch in zahlreichen Auflagen erhältlich. Diese hier hat 144 Seiten und ist 2005 bei S. Fischer erschienen.

 

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Zu den selteneren Begleiterscheinungen des Phantomhundes zählt ein Glühen, das den ganzen Hund umgibt. Im deutschsprachigen Raum ist diese Eigenschaft etwas häufiger anzutreffen, so dass zum Beispiel im Rheinland der glöhnige Honck (glühende Hund) eine bekannte Gestalt des mündlichen Erzählguts ist.

 

Ebenfalls nicht häufig, jedoch immer wieder auftretend, ist die Erwähnung einer Kette, die der Hund mit sich trägt und die in Sagen nicht selten als aus Gold bestehend beschrieben wird. Als Anomalien in dem an sich bereits anomalen Phänomen der Phantomhunde können so seltene Erwähnungen wie zweiköpfige, feuerspeiende oder menschengesichtige Hunde genannt werden.

 

Schwarzer Hund oder doch ein Phantomhund

 

Seltene Wechselwirkungen mit der Umwelt

Besondere Beachtung müssen jene Fälle erfahren, in denen Phantomhunde in Wechselwirkung mit der Umwelt traten und zum Beispiel Trittspuren oder versengte Stellen auf dem Untergrund hinterlassen haben sollen. Bekannt sind in diesem Zusammenhang die Kratz- bzw. Brandspuren am Tor der Kirche von Blythburgh, Suffolk, welche ein schwarzer Hund am 4. August 1577 hinterlassen haben soll. Fälle wie dieser stehen in scheinbarem Kontrast zu der viel beschriebenen Immaterialität der Phantomhunde. Begegnungen, bei denen ein erschrockener nächtlicher Wanderer nach einem Phantomhund schlug und, statt diesen zu treffen, durch ihn hindurch schlug, wurden mehrfach berichtet.

 

Das Verhalten der Phantomhunde ist ebenfalls derart vielschichtig, dass eine ausführliche Darstellung aller beschriebenen Regungen hier nicht möglich ist. Festzuhalten ist jedoch, dass trotz der meist bedrohlichen Erscheinung ein meist neutrales Verhalten, ein bloßes Auftauchen des Hundes beschrieben wird. Selten sind hingegen gefährlich anmutende und bedrohliche Regungen oder gar Angriffe. Ebenso selten, da aber unerwartet besonders erwähnenswert, ist eine Verhaltensweise, die als beschützend empfunden wird. Viele andere Verhaltensäußerungen scheinen dem begegnenden Menschen eher entgegenzustehen oder sind zumindest irritierend, wie das Versperren des Weges, das fast ausschließliche Auftreten in der Dunkelheit, die Ortstreue oder das scheinbare Angrinsen des Beobachters.

Phantomhunde sind meist Einzelgänger

Auch treten Phantomhunde fast ausschließlich als Einzelgänger auf, wenn auch die Sage Beispiele von gespenstischen Hundemeuten kennt, die Teil der Jagdmeute des Teufels sein sollen und deren Erscheinen oder Geheul als Todesomen betrachtet wird. Bekannt sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Kopflosen Hunde von Dartmoor oder die gefährlichen Devil’s Dandy Dogs (des Teufels liebste Hunde) in Cornwall.

 

Dartmoor
Eine Landschaft wie im Dartmoore kommt nicht ohne Mysterien aus.

 

Sehr irritierend sind die zahlreichen und teils spektakulären Arten des Verschwindens der Phantomhunde. Freilich kommt es oft zu Begegnungen, in denen der Hund einfach außer Sicht gerät oder im Dunkel der Nacht verschwindet, aber auch ein Auflösen in einen Nebel oder einem Blitz, ein Explodieren, ein Schrumpfen zu einem Nichts, ein Versinken im Erdboden oder ein in die Luft fahren kennt nicht nur die Sage, sondern manchmal auch der Erlebnisbericht aus erster Hand.

Phantomhunde sind oft landschaftsgebunden

Auffällig sind zuletzt die Lokalitäten in der Landschaft, an denen Phantomhunde auftreten. Es handelt sich stets um ganz bestimmte Orte wie etwa einsame Landstraßen, Hecken und Grenzwälle, Kirch- und Friedhöfe, Brücken, Stadttore und -mauern, Dämme und Deiche, sowie prähistorische Stätten. Äußerst selten ist ein Auftreten in Gebäuden. Einige Phantomhunde zeigen zu ihrem Ort eine Gebundenheit über einen sehr langen Zeitraum, so dass sie der lokalen Bevölkerung eine bekannte Erscheinung geworden sind und oftmals sogar einen Namen erhalten haben. Am bekanntesten ist wohl Old Shuck oder Black Shuck in Norfolk, der Mauth Dog vom Peel Castle auf der Isle of Man oder der Trash oder Striker in Lancashire.

 

Offene Landschaft ohne schwarzer Hund
Auch offene Landschaften, wie in Lancashire sind Heim für Schwarzer-Hund-Mythen

 

Deutung im Volksglauben und im Erzählgut

So vielfältig die Erscheinung des Phantomhundes sein kann, so vielfältig sind die Deutungen, die dieses Phänomen im Volksglauben und im Erzählgut erfahren hat.

 

Besonders in der deutschen Sage tritt der Phantomhund häufig als Wächter eines vergrabenen Schatzes auf. Der Versuch, diesen Schatz zu heben, scheitert dann häufig mit dem Erscheinen des Hundes, welcher die Schätzgräber vertreibt. Das Alter dieses Erzählmotivs ist wahrscheinlich hoch. Schon Anubis wurde im alten Ägypten in Gestalt eines schwarzen Hundes oder Schakals als Gott der Totenriten und als Grab- (und damit auch Schatz-) Wächter verehrt. Die Beziehung des Hundes zum Tod und zu Leichen resultiert zum einen aus ihrem Fressverhalten. Als Aasfresser waren Hunde nicht selten für die Vertilgung von in der Wildnis gestorbenen Menschen verantwortlich. Zum anderen sagte man dem Hund nach, dass er mit seinem feinen Geruchsinn den sich ankündigenden Tod riechen könne.

 

Kein gutes Omen

Die Begegnung mit einem schwarzen Hund galt vielerorts als Todesomen, und sein Erscheinen kündigte im Volksglauben Wetterkatastrophen und andere Unglücke an.

 

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Hundekot-Beutel

Zugegeben, wir wissen nicht, ob schwarze Phantomhunde sie benötigen würden. Für alle anderen Hunde und noch mehr ihre Besitzer gehören die kleinen schwarzen Beutelchen zum „guten Ton“ beim Gassi-Gehen.

 

Die Beutel sind etwa 23 cm breit und 33 cm lang. Der wasserdichte Tüten garantieren eine sichere und hygienische Handhabung. Im Paket sind 20 Rollen mit je 15 Beuteln. Jeweils eine Rolle passt in den praktischen Beutelspender.

 

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Häufig wird ein schwarzer Hund in der Sage als eine Personifikation des Teufels gesehen, etwa in der bekannten Sage vom Dombaumeister zu Köln. Als dieser erfährt, dass er die Wette mit dem Teufel verloren hat, stürzt er sich vom Baugerüst des Domes, um seine Seele vor den Händen des Teufels zu retten. Dieser aber springt dem Dombaumeister in Gestalt eines schwarzen Hundes hinterher. Es ist die christliche Tradition, die den mythischen Wächter der Unterwelt in Gestalt eines Hundes mit dem Teufel gleichsetzt. Dabei trägt der Teufel nicht nur die Maske des Hundes, sondern umgibt sich auch mit ihnen.

 

Femme fatale mit schwarzen Hunden
Auch eine Femme fatale schmückt sich gelegentlich mit schwarzen Hunden… ist sie der Teufel in Person?

Ist ein Phantomhund der Geist eines verstorbenen Hundes?

Seltener tritt die Vorstellung auf, dass sich hinter einem schwarzen Hund der Geist eines verstorbenen Hundes verbirgt. Ein Beispiel ist der Hund Melampus von Burg Starkenburg bei Heppenheim. Dieser war zu Lebzeiten der Begleiter eines Müllers, der im Dienst der Burg Starkenburg stand. Melampus wurde im Laufe der Jahre zu einem bekannten Hund auf der Burg und wurde wegen seiner Zuverlässigkeit zur Nachrichtenübermittlung eingesetzt. Zu diesem Zweck soll er angeblich oft den Geheimgang zur Burg benutzt haben, der wohl von der Starkenburg bis zum Kloster Lorsch ging und in dem sich auch der Burgschatz befinden soll.

Eines Tages wurde die Burg angegriffen und Melampus kämpfte bis zu seinem Ende, schleppte sich zum Geheimgang und verstarb dort. Melampus wurde, laut Beschluss der Bewohner, dort begraben. Als der Bergfried der Burg Starkenburg gesprengt wurde, fand man dort Hundeknochen. Melampus‘ Geist soll die Burg und den Geheimgang der Sage nach immer noch bewachen.


Der zweite Teil des Artikels erscheint nächste Woche Donnerstag an dieser Stelle.