Medienmittwoch: In Search of Lake Monsters

Peter Costellos Buch „IN SEARCH OF LAKE MONSTERS“ ist ein absoluter Klassiker, deshalb ist es umso begrüßenswerter, das Anomalist Books nach der Originalausgabe von 1974 und der Taschenbuchausgabe von 1975 nun eine neue Paperback-Ausgabe aufgelegt hat. Der Inhalt ist – bis auf wenige Ergänzungen – identisch mit dem Original. Das bedeutet, dass über 40 Jahre Ungeheuer-Geschichte fehlen, aber selbst dann noch gehört dieser Band zu den besten kryptozoologischen Büchern, auch wenn ich seine Schlussfolgerungen bekanntlich nicht teile.

 

Fake-Nessie im Gardasee
Seeschlangen und -ungeheuer soll es nicht nur im Meer, sondern auch in vielen Binnenseen geben.

 

Seeschlangen in Seen

Dennoch: Eine solche Masse an Material sortiert, aufbereitet und lesbar gemacht zu haben – das ist schon ein Riesenverdienst. Der Ire Peter Costello (der sich sonst mit historischen Themen und früher SF, etwa Conan Doyle und Jules Verne, aber auch mit James Joyce befasst hat) löste mit seinem Buch ein, was Bernard Heuvelmans in „In The Wake of the Sea-Serpents“ angekündigt hatte: ein weiteres Buch, aber nicht über Seeschlangen im Meer, sondern in Seen. Heuvelmans war denn auch vom Werk des damals jungen Costello so angetan, dass er auf sein eigenes Buch verzichtete und das Vorwort zu Costello schrieb.

 

Nach einer Einleitung befasst sich Costello zuerst mit dem Seeungeheuer aller Seeungeheuer, mit Nessie. In drei ausführlichen Kapiteln wird die Geschichte des Monsters mit den Augenzeugen, Indizien und Forschungsexpeditionen dargestellt, die Thesen umrissen, kommen Befürworter wie Skeptiker zu Wort.

Der Klassiker: Loch Ness

Vom Loch Ness ausgehend handeln die nächsten Kapitel von weiteren Seemonstern in den schottischen Highlands, dann von ihren irischen Entsprechungen – den Piast (irisch für Bestie). Hier mischen sich, schon stärker als im Kapitel über das Ungeheuer von Loch Ness, Sagen und mythische Vorstellungen in das Material.

Der Turm von Urquhart Castle, hier soll sich Nessie am häufigsten rumtreiben
Der Turm von Urquhart Castle, hier soll sich Nessie am häufigsten rumtreiben

Der Bogen geht geografisch weiter nach Skandinavien, der Region, der die Seeschlange entstammt und woher somit auch der älteste Bericht über ein Binnenseemonster kommt, das Ungeheuer vom See Mjösa, 1522. Von den meisten skandinavischen Seen gibt es nur wenige und episodische Vorfälle, der Skrimsl, das isländische Ungeheuer, ist aber oft beschrieben, einmal gezeichnet und einmal sogar als Skelett aufgefunden worden!

 

Weiter geht es mit dem Ungeheuer vom Storsjö in Schweden, dass eine Art Prototyp von Nessie war und im 19. Jahrhundert regelmäßig gesichtet und präzise beschrieben wurde. Inspiriert von Anton Oudemans machte sich der Zoologe Dr. Olsson auf die Suche nach dem Tier, das er nach Zeugenberichten als langhalsigen Riesenseehund a la Oudemans interpretierte. Bemerkenswert am Storsjö-Wurm sind allerdings zwei lange, an der Kopfseite herabbaumelnde Schlappohren.

Amerikanische Seemonster

Die nächsten Kapitel über Monster in den USA (Slimey Slim and Others) und Kanada (Ogopogo and Others) sind wohl die schwächsten des Buchs, nicht, weil sie nicht ähnlich gut erzählt und argumentiert wären wie der Rest, sondern, weil dieses Thema mittlerweile praktisch unüberschaubar geworden ist und mehrere Dutzend Bücher über Monster dort erschienen sind – etwa ein halbes Dutzend allein über Champ vom Lake Champlain, den Costello nur aus dritter Hand kennt und nur kurz erwähnt. Ogopogo ist ausführlicher dargestellt, aber in dem halben Dutzend Bücher über ihn findet man natürlich bessere und ausführlichere Darstellungen (natürlich ist dabei Moon den Büchern von Gaal vorzuziehen).

 

Ein langhalsiges Wesen mit zwei flachen Flippern und Walschwanz, und zwei kurzen Hörnchen
Nessie, wie sie sich die Macher der „Monster“-Sonderausstellung des Naturkundemuseum Kassel vorstellen

 

In Südamerika kennt man heute vor allem Nahuelito vom Nahuel Huapi, aber Anfang des 20. Jahrhunderts, als diese Meldungen nach Europa drangen, vermuteten namhafte Zoologen, dort könnte noch ein überlebender Plesiosaurier stecken und rüsteten Expeditionen nach ihm aus. Diese alten Berichte hat Costello geborgen und spannend aufbereitet.

 

Spekulatives Asien und Ozeanien

Weiter geht es mit Westasien (wo die Spekulationen wegen mangelnder Sichtungsmeldungen etwas überhand nehmen) und Ostasien, dem Land der Drachen. Auch hier sind nur wenige und zerstreute Berichte aufgeführt – Japan etwa, wo es mittlerweile eine Tradition bei mehreren Seen gibt oder Korea und Tibet fehlen ganz, dafür sind die in den 1960er-Jahre gemachten sibirischen Meldungen breit erörtert.

Salzwasserkrokodil
Das Leistenkrokodil ist im Norden Australiens weit verbreitet und als Menschenfresser sicher ein hervorragendes Vorbild für Seemonster.

Auch Australien hat Seeungeheuer – den Bunyip, ein Name, der viele verschiedene große Monster bezeichnet, von denen einige evtl. dem europäischen Langhals-Vorbild ähneln. In Neuseeland hingegen gibt es das einzige Binnenmonster, dass der Mikrokryptozoologie zugeordnet werden kann, das Waitoreke, ein otter- oder seehundartiges Wesen, das es vielleicht tatsächlich gab.

Und die ganz mysteriösen

Damit ist die Geografie erschöpft, nicht aber die Zeit. In einem faszinierenden Kapitel geht Costello auf „More Mysterious Monsters“ ein, Hinweise aus Mythos und Kulturgeschichte, so etwa auf mögliche Darstellungen von Langhälsen in der Höhlenmalerei, im jüdischen Brauchtum, bei Drachensagen.

Eine umstrittene Lösung

 

 

Dieser Kulturgeschichte von Binnenseeungeheuern folgt Costellos Identifikation: Er schlägt wie sein Mentor Heuvelmans eine biologische Lösung vor – Nessie und Konsorten sind Heuvelmans Langhals und Meerpferd, allerdings als eine einzige Spezies (das Meerpferd als Männchen, der Langhals als Weibchen), die auch in Süßwasser vorkommt. Costello schert dabei nicht alle Monster über einen Kamm, die sibirischen Ungeheuer hält er für mögliche Binnenwale etwa in der Art der Flussdelphine. Die Langhals-Identifikation stützt er im folgenden Kapitel mit Seeschlangenmeldungen aus dem Meer in Nähe der Monsterseen, bei denen das Ungeheuer ganz wie der Binnenseekompanion beschrieben wird.

 

Im letzten Kapitel zeigt Costello dann, dass er über die rein zoologische Lösung hinauszudenken vermag: „The Perennial Monster“ (Das immerwährende Ungeheuer) behandelt u.a. auch psychologische Aspekte: Warum fasziniert uns das Thema so? Warum sind Ungeheuer etwas anderes als „normale“ Tiere? Probleme der Wahrnehmungspsychologie, wie eventuell ein gewöhnlicher Stimulus zu einem Monster wird, behandelt das Buch nicht – aber dafür gibt es dann wieder eigene Werke, und so vermisst man das nicht. Es ist eben ein rein kryptozoologisches Buch und versucht auch eine rein zoologische Erklärung der Meldungen.

 

Das Buch ist, wie gesagt, neu aufgelegt und unverändert, enthält aber ein neues Vorwort von Loren Coleman und eine neue Nachbemerkung vom Autor selbst, der darauf hinweist, dass selbst heute noch keine Lösung für das Problem der Ungeheuer in Binnenseen gefunden wurde. Das Buch schließt mit mehreren nützlichen Anhängen – dem offiziellen Bericht über den Dinsdale-Film von Nessie, einer Liste mit Nessie-Fotos und einer weiteren mit Berichten über Nessie an Land, eine weitere Liste mit angeblichen Funden und Fängen von toten Seemonstern, dazu ein Literaturverzeichnis. (Leider sind die einzelnen Berichte im Text nicht mit Quellen versehen.)

 

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Peter Costello: In Search of Lake Monsters

IN SEARCH OF LAKE MONSTERS ist als Remake 2015 bei Anomalist Books in englischer Sprache erschienen. Als Taschenbuch ist es noch neu zu bekommen und hat 388 Seiten. Die gebundene Version ist nur noch antiquarisch erhältlich, aber eine Version für den Kindle ist verfügbar.

 

Das neue Taschenbuch kostet etwa 25 €, gebrauchte Ausgaben sind teilweise deutlich günstiger zu bekommen.

 

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Ist das Buch ein Klassiker der Kryptozoologie?

Das Wort Klassiker wird in der Werbung gern gebraucht und auch von ideologischen Freunden, gerade bei umstrittenen Themen, dieses Buch aber ist ein echter Klassiker, nach wie vor das einzige umfassende Buch über Seemonster aus aller Welt (Radford und Nickells skeptisches Lake Monster Mysteries ist zwar auch zu empfehlen, beschreibt aber viel weniger Seen und hat einen viel engeren Blick.)

 

Kurz gesagt: Wer das Buch noch nicht hat, sollte es unbedingt haben, und da kommt die neue Ausgabe gerade recht.




Medienmittwoch: Füchse – Unsere wilden Nachbarn

Der Rotfuchs (Vulpes vulpes), ein kleiner Canide, der sich fast alle Lebensräume an Land erschlossen hat und sich als Generalist als sehr erfolgreiche Tierart erwiesen  hat, muss mit einem schlechten Image leben. Diebisch sei er, würde Krankheiten verbreiten, die Städte unsicher machen und obendrein auch ökologische Schäden anrichten, indem er die am Boden brütenden Vögel bedrohen würde.

Das Resultat dieses schlechten Images ist eine starke Bejagung des kleinen Rotschopfs, die, glaubt man obigen Vorwürfen, durchaus gerechtfertigt erscheint.

Ein faszinierendes Bild von Reinecke

In ihrem Buch „Füchse“ hat sich die britische Ökologin Adele Brand nun dem erfolgreichen Räuber angenommen und zeichnet ein faszinierendes Bild von Reinecke.

 

 

Herkunft, Verbreitung, Morphologie und Verhalten der Füchse werden hier anhand der wissenschaftlichen Erkenntnisse dargestellt und immer wieder aufgelockert durch eigene Beobachtungen (sowohl im Rahmen wissenschaftlicher Studien, als auch durch rein private Begegnungen).

Der Rotfuchs wird demnach sowohl seinem schlechten Ruf, als auch vielen anderen Mythen um ihn gar nicht gerecht.

 

Wussten sie, dass Füchse gar keine ausgesprochenen Einzelgänger sind? Oft leben sie in kleinen Verbänden mit ranghöheren und rangniederen Tieren, die sich zwar nicht fortpflanzen, aber bei der Aufzucht der Welpen helfen.

Auch hält sich hartnäckig das Gerücht, Füchse seien Nacht- und Dämmerungsaktiv. Tatsächlich ist auch das nicht ganz richtig. Im Wesentlichen richten sie ihre Aktivität nach zwei Kriterien aus: ihrer Beute und möglicher Gefahren. Da sich Füchse in unseren Breitengrade zu einem überwiegenden Teil von Mäusen (und saisonal von Beeren) ernähren, sind sie von Haus aus eher tagaktiv. Durch die starke Bejagung in vielen Regionen, weichen die dortigen Tiere aber lieber auf ein Leben in der Dunkelheit aus.

Stadtfüchse sind nicht eingewandert, sondern geblieben

Füchse bei Tag konnte ich selbst auch immer wieder beobachten. Sei es in einem kleinen Ort in Brandenburg, wo der Fuchs ein bisschen als Dorfmitglied gesehen wird, oder etwa im ägyptischen Nationalpark el-Maʿādī, wo sie Hasen jagen und sich lediglich über die brütenden Mittagsstunden in Höhlen verkriechen.

 

Selbst in der kargen Landschaft des Nationalpark el-Maʿādī bei Kairo lassen sich Füchse beobachten (Foto: André Kramer)

 

 

Insgesamt ist die Anpassungsfähigkeit dieser Tiere durchaus erstaunlich. Längst haben sie sich die Stadt als Lebensraum erschlossen (oder besser: an diesen angepasst). Schließlich, das betont Adele Brand, sind die Stadtfüchse nicht eingewandert, sondern waren schon immer da. Nur ihr Lebensraum wurde ausgewechselt. Wälder wurden gerodet und Häuser und Straßen an ihrer Stelle errichtet. Der Fuchs ist geblieben). Hier konnte er sich wunderbar einrichten und kann selbst im großstädtischen Milieu gedeihen.

Schließlich gibt es Menschen, die glauben, dass Füchse gefährlich seien und etwa Kinder attackieren würden. Adele Brand zeigt hier nüchtern auf, dass dies bei einem gesunden (nicht an Tollwut erkrankten) Tier sicherlich nicht der Fall sein wird. Selbst große Füchse erreichen selten ein Gewicht, das auch nur 7 Kilogramm erreicht und jagen nur Beute, die kleiner ist als sie selbst. Die Gefahr, von einem Fuchs attackiert zu werden, ist also denkbar gering.

Fuchsjagd hat keinen ökologischen Sinn

Als Kritiker der Jagd, hat das Buch meine Annahme, dass die Fuchsjagd keinen ökologischen Sinn hat, auch immer wieder bestätigt. Einen regulativen Effekt hat die Jagd zumindest kein, wie sie ausführt. Auf großen Populationsdruck durch gesteigerte Bejagung, reagieren Fähen mit kürzeren Tragzeiten. Außerdem werden frei gewordene Reviere sofort nachbesetzt. Werden das dominante Männchen oder Weibchen einer Gruppe geschossen, steigen rangniedere Tiere auf. Auch die Gefahr einer „Überpopulation“ von Füchsen besteht nicht. Die Zahl der Beutetiere bestimmt schlicht die Populationsgröße der Beutegreifer und so regulieren sich die Bestände selbst hoch und runter.

 

Junger Fuchs in Brandenburg (Foto: André Kramer)
Junger Fuchs in Brandenburg (Foto: André Kramer)

 

Füchse haben sogar einen regulativen Effekt auf die Rehpopulation. Aus einer schwedischen Langzeitstudie geht hervor, dass Füchse bis zu 81% der jährlich geborenen Kitze erbeuten.

 

Hierzu ließen sich weitere Argumente anführen (bezogen auf Tollwut, Fuchsbandwurm, Bodenbrüter usw.), doch würde dies vom Inhalt dieses Buches zu weit wegführen. Zumal Adele Brand durchaus betont, dass Sorgen und Konflikte zwischen Mensch und Wildtier durchaus ernst zu nehmen sind.

 

Auch wird betont, dass gerade Fuchswelpen einen äußerst ausgeprägten Spieltrieb haben und sich hierfür gerne Spielzeuge erbeuten. Dazu gehören auch Schuhe, und so werden einige Beispiele von besonders emsigen Schuhsammlern unter den Füchsen aufgezählt (dieser Skurrilität habe einen Beitrag im Jahrbuch für Kryptozoologie Nr. 1 gewidmet).

 

Rotfuchs

 

Fazit

Insgesamt ist „Füchse. Unsere wilden Nachbarn“ auf seinen gut 200 Seiten ein schönes Porträt des kleinen Caniden, das leicht verständlich geschrieben ist, aber trotzdem über eine genügend große Menge echter fachlicher Informationen und Diskussionen verfügt.

 

Einige wenige, dafür aber sehr schöne Fotos in Schwarz-Weiß lockern den Text immer wieder auf.

 

Ich habe das Lesen dieses Buches nicht bereut und kann es interessierten LeserInnen nur weiterempfehlen.

 

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Unsere wilden Nachbarn – die Füchse

Seit Urzeiten begleitet der Fuchs den Menschen, und schon immer war er für seine Intelligenz und Schlauheit berühmt. Heute ist er das am weitesten verbreitete Raubtier und sein leuchtendes Fell selbst in den Städten ein häufiger Anblick. Doch wer ist dieser wilde Nachbar des Menschen in Wirklichkeit? Adele Brand erschließt uns in ihrem klugen und warmherzigen Buch den mysteriösen Kosmos der Füchse mit ihren erstaunlichen Überlebenskünsten.

 

Füchse: Unsere wilden Nachbarn ist 2020 bei C.H. Beck erschienen und hat 208 Seiten. Es kostet als gebundenes Buch € 22,-

 

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Medienmittwoch: All the Birds of the World

Das hier besprochene Buch ist mit immerhin noch 968 Seiten(!) die eigentlich nicht mehr verkürzbare und auf ein Mindestmaß von Informationen reduzierte Fassung des Handbook of the Birds of the World. Nichtsdestotrotz aber eine überaus beeindruckende Dokumentation der (noch!) Artenfülle und -vielfalt sowie der Schönheit der Vögel der Welt. Man muss es sich einmal vor Augen halten: dieses Buch enthält eine vollständige Übersicht über eine komplette Klasse des Tierreiches!

Das Buch enthält jeweils mindestens eine Farbzeichnung aller auf der Erde vorkommenden über 11.500 Vogelarten im Prachtkleid! Bei unterschiedlichem Federkleid von Männchen und Weibchen werden beide bzw. die sich unterscheidenden Partien der Federkleider abgebildet. Darstellungen der Schlichtkleider fehlen ebenso, wie Jugend- sowie Übergangskleider. Dafür sind Unterarten und Morphen abgebildet. So enthält das Buch weit über 20.000 Abbildungen!!

Aktuelle Systematik und hochwertige Zeichnungen

Die Reihenfolge der Artenvorstellungen entspricht der geltenden Systematik. In der Kopfzeile werden die Namen der Ordnungen und darunter der Familien aufgeführt, jeweils mit Angabe der Anzahl der zugehörigen Gattungen. Einer Textbox neben den entsprechenden Zeichnungen sind der Gattungsname und die Anzahl der zugehörigen Arten zu entnehmen. Die zu einer Gattung gehörigen Arten sind grafisch mittels einer feinen Linie von den anderen Gattungen abgesetzt. Das ist sehr übersichtlich gemacht.

Die Zeichnungen der Vögel sind von ausgesprochen hoher Qualität. Sie sind enorm präzise und detailliert; fast möchte man sagen, dass quasi jede einzelne Feder zu erkennen ist. Die Zeichnungen stammen von unterschiedlichen, bestens bekannten KünstlerInnen ihres Faches; hier seien stellvertretend I. LEWINGTON, H. BURN oder N. ARLOTT genannt. Jeder Zeichnerin und jedem Zeichner gebühren höchster Respekt und Anerkennung! Neben den Abbildungen ist die Größe der Vögel vermerkt. Englische und wissenschaftliche Namen werden jeweils aufgeführt.

 

11.558 Verbreitungskarten!

Lebensräume und Vorkommen in den geografischen Regionen der Erde werden kurz und knapp aufgeführt. Die Verbreitung der Arten wird mittels sehr guter Karten – laut Verlagsangaben 11.558 Verbreitungskarten! – dargestellt. Die Größe der Karten ist naturgemäß manchmal grenzwertig, dennoch werden sogar die Sommer-, Winter- oder Ganzjahreslebensräume farblich unterschiedlich dargestellt. Wenn Arten endemisch sind, wird das auf den Karten angegeben. Details zur Verbreitung stehen an der Karte und die Höhenverbreitung wird genannt, ebenso wird der Gefährdungsgrad der Arten, entsprechend IUCN/BirdLife, aufgeführt.

Die Einstufung der Vögel als Art oder Unterart wird entsprechend den derzeit vier gängigen Artkonzepten in einem Tortendiagramm dargestellt. Diese Artkonzepte werden unterdessen wohl nicht mehr ganz so verbissen diskutiert wie in der Vergangenheit, wie der Autor in der Einleitung schreibt. Hervorhebenswert ist jedenfalls die Tatsache, dass die schon in der 2014/2016 herausgegebenen „Illustrated Checklist“ aktualisierten taxonomischen Angaben nochmals auf den aktuellen Stand gebracht und um neueste Forschungsergebnisse erweitert wurden.

Online-Zusatzmaterial

Ein QR-Code bietet jeweils Zugriff auf verschiedene Videos, Fotos, Karten und Aufnahmen von Rufen und Gesängen zu jeder Art. Ich gestehe, ich habe noch nicht alle QR-Codes aufgerufen… Aber es ist auch dies eine absolut beachtliche Leistung, zu über 11.500 Arten Video- und Foto-Dokumente zusammenzustellen und für die LeserInnen des Buchs digital nutzbar zu machen.

Die Anhänge – mindestens genauso interessant

Dem speziellen Teil schließen sich mehrere Anhänge an. Ein Anhang enthält die seit ca. 1500 n. Chr. ausgestorbenen bzw. ausgerotteten Vogelarten. 108 Arten werden verbal beschrieben und jeweils mit einer Zeichnung dargestellt, während weitere 54 Arten nur textlich erwähnt werden. Mangels eindeutigen Datenmaterials gibt es hier keine Zeichnungen.

Ein weiterer Anhang enthält einen 35-seitigen Weltatlas mit großformatigen farbigen, physischen Karten, welche die betrachteten, ornithologisch relevanten Länder mit ihren politischen Grenzen und Angaben zu den im Artenteil verwendeten Länderkürzeln zum Gegenstand haben. Ein Anhang enthält eine Liste der Länder mit endemischen Arten.

(Aus der Amazon-Bewertung von „Buchfink“, leicht verändert)

 

Fazit:

Die unglaubliche Leistung, eine ganze Wirbeltierklasse in allen bekannten Arten in einem einzigen Buch darzustellen, ist schon eine unglaubliche Leistung. Das Ganze dann auch noch mit qualitativ hochwertigen Bildern zu illustrieren und nahezu zu jeder Art eine Verbreitungskarte anzubieten, klingt nach einer Jahrhundertaufgabe.
Dies hat der Lynx-Verlag mit dem „Handbook of the Birds of the World“ (17 Bände, herausgegeben 1992 – 2013) hervorragend geleistet. Die „Birds of the World“ sind die maximal gekürzte Ausgabe hiervon. Damit ist das großformatige und immerhin fast 5 kg schwere Werk ist eine Referenz für vergleichbare Werke zu anderen Wirbeltierklassen. Gleichzeitig kann der Verlag jetzt „aus dem Vollen“ schöpfen und regionale Vogelführer herausbringen.

 

Kurz: Für weltweit agierende oder wenigstens weltweit denkende Vogelfreunde ein tolles Buch!

 

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Alle Vögel des Himmels

sind in diesem Buch tatsächlich zusammengefasst. 11.500 Arten, dazu einige nach 1500 ausgestorbenen Tiere in Text, Zeichnung und Verbreitungskarten, mit QR-Code zu tiefergehenden Informationen. Das ist kaum vorstellbar und doch in diesem Buch realisiert.

All the Birds of the World ist 2020 bei Lynx Edicion erschienen und hat sagenhafte 968 großformatige Seiten. Der Text ist englisch. Mit nicht einmal 70 € ist das Werk auch noch erstaunlich günstig!

 

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Medien-Mittwoch: Der Kosmos Vogelführer

Vogelfreunden ist „Pareys Vogelbuch“ oder kurz „der Parey“ bekannt. Dieses mittlerweile 40 Jahre alte Werk wird wohl nicht noch einmal aufgelegt. Es ist nur noch antiquarisch zu bekommen – ein veraltetes Buch zu horrenden Preisen.

 

Einen Vergleich mit seinem Vorbild muss der Kosmos Vogelführer nicht scheuen. Übrigens: Rechts sind Abbildungen aus dem Parey zu sehen.

 

Der Kosmos Vogelführer tritt in die sehr großen Fußstapfen des Parey. Wie sein Vorbild zeigt auch er Zeichnungen nahezu jeder Vogelart Europas. Dabei ist Europa weit geschnitten und umfasst auch den Kaukasus sowie die gesamte Türkei, den nahen Osten und Nordafrika bis in die Sahara hinein. Dem entsprechend zahlreich sind die vorgestellten Vogelarten. Auf dem Umschlag wirbt der Herausgeber mit „über 900 Arten“ und „über 4000 Farbzeichnungen“.

Zeichnungen machen das Buch aus

Anders als viele sonstige Vogelbücher machten gerade die Zeichnungen den Charakter des Parey aus. Der Kosmos Vogelführer hat dieses Prinzip übernommen und weiter perfektioniert. Anhand von Zeichnungen kann der jeweilige Grafiker die Eigenheiten der Art besonders hervorheben. Sei es eine spezielle Färbung, Länge der Federn oder Körperhaltung, so speziell kann man Fotos von Wildtieren gar nicht machen.

 

Hinzu kommt für nahezu jede Vogelart eine eigene Verbreitungskarte mit Differenzierung zwischen Brut- und Überwinterungsgebiet, Zugrouten, gehäuften Vorkommen etc.

 

 

Die Texte vervollständigen das Bild

Zu den Texten wird jede Vogelart in einem kurzen Text vorgestellt. Er beginnt mit dem am häufigsten genutzten deutschen Namen, eventuellen Alternativnamen, dem meistgenutzten englischen Namen und dem wissenschaftlichen Namen. Damit hat der Leser die Chance in einer immer weiter internationalisierten Welt schnell den englischen Namen griffbereit zu haben, ohne den Umweg über die wissenschaftliche Bezeichnung gehen zu müssen.

 

Es folgt eine allgemeine Beschreibung mit Größe und vielen für den Beobachter wichtigen Merkmalen. Den Hauptteil des Textes nehmen meist die äußeren Kennzeichen des Vogels ein, dann folgt eine Beschreibung der Stimme. Die in Buchstaben gebrachten Rufe der Vögel lesen sich zum Teil recht lustig, so das „Tschulsch“ als Bettelruf junger Uhus. Hier steht ein gewisser Code hinter der Beschreibung, den man erst durch Übung wirklich entziffern kann.

 

Ergänzend zu den über 900 Artenportraits ist bereits im Innencover eine tolle Tafel abgebildet. Sie bezeichnet die Körperpartien des Vogels, wie Gefiederpartien und die Kopfzeichnung benannt werden und welche Feder wo liegt. Sie ist bei den Beschreibungen immer wieder hilfreich. Deswegen ist sie auch im vorderen und hinteren Einband abgebildet.

 

Es folgt ein einleitender Text, in dem die Autoren durch Systematik und Namensgebung führen. Dann erklären sie einige Fachbegriffe, Grundzüge und Stolperfallen bei der Bestimmung, z.B. Gegenlicht. Nahezu ohne Absatz geht es direkt in den Artenteil.

 

Die Arten selber sind nach einer neueren, jedoch nicht der aktuellen Systematik sortiert. So stehen die Enten- und Hühnervögel am Beginn des Buches, die Falken jedoch noch bei den Greifvögeln. Hierbei sollte man beachten, dass die Autoren ein zweidimensionales Bild in eine eindimensionale Abfolge bringen mussten. Das heißt, dass aufeinander folgende Gruppen nicht zwingend eng verwandt sind.

 

Mein Fazit

Ich besitze und nutze den Kosmos-Vogelführer seit etwas mehr als zwei Jahren und kann bisher keinen Nachteil zum vorher genutzten Parey feststellen. Im Gegenteil, die englischen Namen sind eine echte Erleichterung in der Kommunikation mit weltweit verteilten Vogelfreunden. Die Zeichnungen sind ähnlich lebensecht und ansprechend, wie im großen Vorbild.

 

In die neue Systematik arbeitet man sich schnell ein, die Beschreibungen sind durchweg hervorragend, die Bilder stehen außerhalb jeder Diskussion, besser geht es einfach nicht. Nur an den Farben der Verbreitungskarten knabbert man eine Weile, wenn man die Karten aus dem Parey gewohnt ist.

 

Klare Kaufempfehlung für jeden, der im Gelände oder anhand von Fotos Vögel bestimmen möchte – ob zuhause oder im Urlaub am Mittelmeer oder im hohen Norden. Ein Buch für alle.

 

 

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Das neue Standardwerk zur Vogelbestimmung

Der Kosmos Vogelführe ist in seiner zweiten Auflage 2017 erschienen und mit über 900 Vogelarten auf 400 Seiten ein kompaktes, aber umfangreiches Handbuch geworden. Er besticht sowohl durch Aufmachung wie durch Information.
Der Kosmos Vogelführe ist nur als gebundenes Buch erhältlich und kostet € 32,-

 

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Medienmittwoch: Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst

Passend zu Ostern befassen wir uns mal mit der christlichen Kunst. Wieso christliche Kunst, es geht doch um Kryptide? Das Einhorn ist allgemein bekannt, aber was ist mit einem vierköpfigen Engel oder den zahlreichen Wasserspeiern und welche Rolle spielt der Pelikan in der christlichen Kunst?

Paris Wasserspeier
Ein Wasserspeier über dem abendlichen Paris

Aus einer Amazon-Besprechung:

„Mit diesem aus einer VHS-Vorlesungsreihe entstandenen Buch wenden sich Heinrich und Margarethe Schmidt NICHT an ein Fachpublikum der Geschichte, Theologie oder Kunstgeschichte. Für das Fachpublikum dürfte nämlich die Bedeutung christlicher Ikonografie durchaus nicht vergessen oder geheimnisvoll sein. Es gibt also für die »Experten« nicht unbedingt viel Neues zu entdecken. Allerdings ist dem Autorenehepaar Schmidt/Schmidt eine mit einigen Abbildungen versehene gute und detailreiche Zusammenfassung gelungen, die für den ambitionierten Laien in dieser Materie nicht zu komplex, schwierig oder langweilig erscheint, den historisch-theologisch Versierten aber auch nicht unterfordert.


Das Werk ist in zwei Abteilungen aufgeteilt Tierdarstellungen und Engeldarstellungen. Vorwiegend aber nicht nur werden mittelalterliche Bauplastiken in den o.a. Abteilungen untersucht. Einzeldarstellungen zu den Abteilungen werden noch einmal detaillierter Aufgeteilt, beispielsweise finden sich zum Stichwort »Drache« einige Subthemen, wie: »Der Drache als Symbol teuflischer Mächte«, »Der besiegte Drache« sowie »Der Drache als Attribut«. Andere Stichworte werden ebenfalls noch einmal aufgeteilt.“


Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst: Ein Führer zum Verständnis der Tier-, Engel- und Mariensymbolik ist im Mai 2018 bei C.H. Beck erschienen. Es hat 336 Seiten und ist ein beredtes Zeugnis der christlich-zoologischen Mythologie.

 

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Medienmittwoch: „Rätsel und Mysterien der Eifel“

Vor einigen Jahren, als der Journalist und Autor Michael Preute unter seinem Pseudonym Jacques Berndorf die ersten Eifelkrimis veröffentlichte und dabei den Regionalkrimi quasi erfand, kam die Eifel als „kriminellste Landschaft Deutschlands“ in alle Munde. Doch das uralte Mittelgebirge zwischen Aachen und Köln, Trier und Koblenz hat so viel mehr zu bieten, als ein paar profane Verbrechen.

 

Eifelmoor im Nebel
Eine solche Landschaft kann gar nicht ohne Mythen und Legenden auskommen

 

Vulkanisch und mythisch

Wo selbst der nüchternste Urlauber Blasen aus vulkanischen Gasen bemerkt oder den welthöchsten Kaltwassergeysir beobachten kann, da tut sich auch sagenmäßig einiges. Doch nicht nur das Wasser spielt in der Eifel verrückt. Es gibt Orte, an denen die Schwerkraft aufgehoben scheint,  so dass…

 

Die Natur und ihre Geschichten

Zumal auch die Eifler seit jeher ein besonderes Völkchen darstellen. Obwohl die Landschaft wettermäßig alles andere als bevorzugt ist – so kann es ohne große Ankündigung im Mai noch schneien -, ist sie seit den Römern von zahlreichen Völkern erobert worden, immer mehr oder weniger friedlich. Jeder Eroberer hat seine Mythen, Sagen, Personifizierungen von Träumen und Ängsten in der Eifel gelassen. Die Eifler, die die Eroberer stoisch kommen und gehen sahen, übernahmen diese Erzählungen gern. Kein Land in Deutschland ist heute noch so wunder- und abergläubisch.

Hierzu gehören vorchristliche Spuren der Megalith-Kultur ebenso wie oberflächlich christianisierte Mythen um das Grabtuch Christi, Marienvisionen und zahlreiche lokale Erzählungen. Wer möchte, kann sie als übernatürlich ansehen, Poltergeister und Gespenster fühlen sich offenbar in der abwechslungsreichen Landschaft wohl. Aber auch Außerirdische haben offenbar den einen oder anderen Reiseführer gelesen und Eschweiler oder Trier besucht.

 

Obernburg bei Manderscheid in der Eifel
Auf der Burg Manderscheid soll es 1844 noch gespukt haben, bis Arbeiter bei einer Renovierung auf eine zugemauerte …

 

Das neue Buch von Ulrich Magin

Routiniert sammelt unser Autor Ulrich Magin alle diese Geschichten. Nichts geht ohne konkreten Nachweis oder zumindest alte Literaturquellen, seien es brüllende Maare, Eismeteoriten oder Katzendiebe. Überhaupt scheint die Eifel nahezu alle in Deutschland bekannten Naturphänomene zu zeigen und noch ein paar einzigartige Dinge mehr. Magin erzählt all die Geschichten und Geschichtchen, die dahinter stehen. Hier ist es beinahe schade um die nüchterne Aufmachung des Buches. Viele der Themen hätten beim Anblick der pittoresken Eifeldörfer, vielgestaltigen Wälder, nebeligen Moore und blühenden Wiesen noch gewinnen können – schließlich gehört eine anständige Sage zu einer Landschaft. Leider hätte das den Rahmen des schon sehr umfangreichen Buches vollends gesprengt.

 

Rätsel und Mysterien der Eifel
„Rätsel und Mysterien der Eifel“ von Ulrich Magin

 

Kryptozoologische Eifel

Der Kryptozoologie widmet Ulrich Magin ein ganzes Kapitel, aber eigentlich sogar noch mehr. Wo von Aalen an Land und Kröten im Stein die Rede ist, fallen auch Werwölfe nicht weiter auf. Sie sind in der Eifel so häufig, dass ein Schild mit der Beschriftung „Werwölfe – bitte nicht füttern“ kaum besondere Beachtung gefunden hätte.

 

Weitaus realeren Hintergrund haben Erzählungen zu schwarzen Hunden und auch zu den bekannten Eifelpanthern. Letztere schaffen es regelmäßig, oft im Hochsommer, in die Zeitungen. Wo früher oft „besonders große Wildkatzen“ für Sichtungen verantwortlich gemacht wurden, gibt es heute eine andere Erklärung: In den letzten Jahren wurde der Luchs im Naturpark Eifel wieder heimisch.

 

Natürlich muss in einer berg- und waldreichen Gegend auch ein Drache vorkommen. Da viele Phänomene, von Meteoren bis Kugelblitze auf Drachen zurückgeführt wurden, gibt es entsprechend zahlreiche Berichte. Die belgische Stadt Malmédy, direkt hinter der (heute kaum sichtbaren) Grenze trägt sogar einen Drachen im Wappen. Doch auch in anderen Orten sind Drachen bis heute präsent. In Kobern-Gondorf an der Mosel schmückt ein solches Untier den Tatzelwurm-Brunnen.

 

Schwarzer Hund schwarze Katze
Geheimnisvolle Hunde und Katzen sind vermutlich so alt, wie die Besiedlung der Eifel. Doch die Yetis ist relativ jung.

 

Moment… Yetis? Eifel-Yetis? Ich bringe den Namen Eifel-Yeti immer noch mit einem groß- und mit einem eindrucksvollen Bart zugewachsenen Mineraliensammler und -händler aus der Eifel in Verbindung. Der in der Szene immer noch als fachkundiger und freundlicher Mann bekannte Händler verstarb leider viel zu früh um die Jahrtausendwende.

Doch auch mehr oder weniger reale Yetis sollen in der Eifel aufgetaucht sein, in den späten 1950ern und verstärkt in den 1970ern, dann mit nur einem Auge! Filme in den 2000ern haben sich erwartungsgemäß als Fakes erwiesen.

 

Auch die zahlreichen Seen, nicht nur die Maare, sondern auch die Talsperren scheinen von Monstern – wenn nicht gerade zu wimmeln, so dann doch regelmäßig bevölkert zu sein. Krokodile stehen ebenso auf der Liste wie (möglicherweise doch nur eingebildete) Nessies  und natürlich jede Menge Seeschlangen.

 

Man liest sich fest

Wie das bei Buchrezensionen so ist: Man hat Spaß an dem Titel, freut sich auf die Inhalte und liest dennoch nur halb mit Genuss, schließlich muss man den ganzen Kram ja besprechen. Meist führt das dazu, dass man gegen den eigenen Willen doch wieder nur diagonal liest, Teile ausfallen lässt und sich hinterher auf einzelne Teile des Buches beschränkt. Auch wenn es nicht so sein sollte und es kaum ein Rezensent zugibt: Meist ist es so.

Nicht bei diesem Buch. Ich hatte eine digitale Version zur Verfügung, so dass ich am Schreibtisch lesen musste und mir der wirkliche Lesegenuss im bequemen Sessel verwehrt blieb. Trotzdem habe ich mich immer wieder festgelesen. Dies liegt in erster Linie an Ulrichs Formulierkunst, die einen unbemerkt und unversehens in den Text saugt. Die kleinen, schwarz-weißen Bilder illustrieren und untermalen das Beschriebene, so dass der Leser mehr als nur eine vage Vorstellung von den oft ungewöhnlichen Begebenheiten bekommt. .

 

Monschau in der Eifel
Die Stadt Monschau hält das Flüsschen Rur eng umarmt – kein Wunder, dass sich das Außerirdische öfter angesehen haben sollen. Es ist ja auch wirklich hübsch hier und wer weiß, wohin sie den hier hergestellten Senf mitgenommen haben?

 

Auf einer anderen Ebene fasziniert mich noch eine ganz andere Tatsache. Ulrich schafft es immer wieder, die flüssigen und wie erzählt wirkenden Texte mit Zitaten und Quellenangaben zu unterstreichen. Nichts ist zufällig oder unbegründbar, und doch liest sich der Text so flüssig wie ein Band aus Samt, das zwischen den Fingern hindurchrinnt.

 

Fazit:

Eine klare Empfehlung!

 

Nicht nur für das Buch selbst. Es istauch ein toller Grund, mal (am besten nach dem Lockdown und frisch geimpft) in die Eifel zu fahren und dort zumindest einige der zahlreichen beschriebenen Orte aufzusuchen. Die Eifel ist schließlich keineswegs abgelegen, sondern für mehr als 8 Millionen Deutsche innerhalb von 2 h mit Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

 

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Rätsel und Mysterien der Eifel von Ulrich Magin

Das Buch Rätsel und Mysterien der Eifel ist am 12. März 2021 im Eifelbildverlag erschienen und ist für ein Taschenbuch mit 308 Seiten ungewöhnlich umfangreich.

 

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Ein kleines, aber wohl notwendiges Manko ist, dass die zahlreichen Bilder nur schwarz-weiß gedruckt sind. Die meist qualitativ guten Fotos (über die Handskizzen schweigt des Rezensenten Höflichkeit) von oft beeindruckenden Landschaften und genauso hübschen Ortschaften verdienten eigentlich eine größere, farbige Darstellung. Leider würde das schnell den Rahmen des bezahl- und realisierbaren sprengen.

 

So bleibt dann doch nur die Aufforderung: erst nachlesen, dann hinfahren und ansehen! Übrigens: In der Eifel besteht immer die Chance, dass man dem Autor über den Weg läuft. Er geht dort gerne und regelmäßig wandern. Wer daraus eine Begegnung der dritten (oder schon vierten?) Art machen möchte, kann sich ein Herz fassen und ihn auf ein Kalt- oder Heißgetränk einladen. Aber Vorsicht: man kann sich wunderbar mit ihm unterhalten und so versumpfen!

 

 

 

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