Walcott

Charles Doolittle Walcott (1850 – 1927) befasste sich intensiv mit den Fossilien des Kambriums. Er entdeckte 1909 das Phyllopod-Bed im Burgess-Schiefer, eine der wichtigsten Fundestellen für Fossilien des Kambriums. Angeblich geschah das, als sein Pferd an dieser Stelle -je nach Legendenstatus- stolperte, fiel oder ein Hufeisen verlor. Von 1910 bis 1924 sammelte er hier mehr als 65.000 Fossilien.

Charles Walcott und Familie bei der Ausgrabung
Charles Walcott mit Familienmitgliedern bei der Ausgrabung in den kanadischen Rocky Mountains

Seine Entdeckung zeigte, dass schon sehr früh extrem artenreiches Leben auf der Erde existierte und begründet die Lehre der „Kambrischen Explosion“ (die sich später als falsch erwies).




Wels

Als Wels werden bezeichnet:

  • Umgangssprachlich: Vertreter der weltweit verbreiteten Ordnung der Welsartigen (Siluriformes). In ihr gibt es zahlreiche Familien, bekannt sind unter anderem die echten Welse, Panzerwelse, Harnischwelse oder Haiwelse. Welse können zwischen 1,5 cm und über 2 m Gesamtlänge erreichen. Die meisten der über 3400 Arten leben im Süßwasser.
  • Im engeren Sinne: Den Fisch Silurus glanis, auch als Europäischer Wels, Flusswels, Schaid, Waller und im Englischen oft als Wels-Catfish bezeichnet.

Silurus glanis, der europäische Flusswels

ein gestreckter, gefleckter Fisch in einem Aquarium
Europäischer Wels Siluris glanis, Foto von Akos Harka.

Er ist der größte reine Süßwasserfisch Europas. Die stämmigen Tiere erreichen unter optimalen Bedingungen Gewichte von 100 kg und mehr bei Längen um die 2,5 m. Der Kopf ist abgeflacht und trägt 2 lange Barteln auf der Oberlippe und vier Kurze unter der Unterlippe.

Der Körper ist kräftig und verjüngt sich nach hinten deutlich. Die Rückenflosse ist sehr kurz, wie die meisten Welsartigen hat er auch eine Fettflosse. Die Schwanzflosse ist fast mit der sehr langen Afterflosse verschmolzen.

Der Wels ist sehr variabel gefärbt, meist trägt er ein kleinfleckiges Grau-Beige Farbmuster, oben dunkler als unten.

Die Größe

Um die Größe von Welsen ranken sich zahlreiche Erzählungen und Mythen. Üblicherweise erreichen die Tiere selten eine Größe über 1,5 m, obwohl sie deutlich größer werden können:

  • der größte, zuverlässig dokumentierte Fang mit der Angel war ein Tier von 2,78 m Länge und 144 kg Gewicht.
  • In der Literatur wird häufig von 3 m Länge und 150 kg Gewicht berichtet, ohne echte Quellen zu nennen.
  • Im 18. und 19. Jahrhundert sollen im Dnepr in der Ukraine Tiere von 5 m Länge und 300 kg Gewicht gefangen worden sein. Dies scheint schon von den Proportionen nicht gut zu stimmen.

Lebensweise

Welse sind wärmeliebende Fische und bevorzugen große, stehende oder sehr langsam fließende Gewässer. Sie vertragen einen Salzgehalt von 1,5%, bevorzugen aber Süßwasser. Normalerweise besiedeln sie Flachwasserbereiche bis etwa 30 m Tiefe.
Sie können mit geringen Sauerstoffkonzentrationen bis etwa 3 mg/l auskommen.

Ausgewachsene Welse sind standorttreu und verteidigen vermutlich zumindest in der warmen Jahreszeit ein Revier. Sie sind überwiegend nachtaktiv, fallender Luftdruck scheint sie besonders zu animieren, sie beginnen dann auch tagsüber, herumzuschwimmen.

Welse sind opportunistische Raubfische. Sie haben ein sehr großes Beutespektrum, vom Regenwurm bis zum Wasservogel. Meist fressen sie Fische, oft die Arten, die in den Gewässern sowieso dominieren, oft Schleien, Rotaugen oder Rotfedern. Sie fressen auch Amphibien, Krebse, Mollusken, Insekten, gelegentlich kleine Säugetiere und Vögel. Eine Population in Frankreich hat gelernt, Tauben zu jagen.

 

Kryptozoologisches

Als großer Raubfisch ist der Wels natürlich immer auch im Blick der Öffentlichkeit. Kaum ein Jahr vergeht, in dem nicht eine Lokalzeitung meldet, dass ein „riesiger Wels“ im Stadtweiher, Parksee, Baggerloch oder einem ähnlichen Gewässer Entenküken oder wahlweise Oma Dosenkohls Zwergdackel verspeist hat.

 

Dauerhafte Legenden von riesigen Welsen gibt es im deutschsprachigen Raum unter anderem am Steinhuder Meer und am Walchensee. Einzelfänge von großen Welsen erscheinen immer mal wieder in den Medien.

In slavischen Ländern, in denen der Wels als Speisefisch eine größere Rolle spielt, sind auch Wels-Legenden weiter verbreitet.

 

Auch als Seemonster, insbesondere Monster von Loch Ness kommen Welse immer mal wieder ins Gespräch. In Großbritannien kommen Welse natürlicherweise nicht vor, sie wurden ausgesetzt und haben sich nur im Süden der Inseln halten können. Loch Ness liegt über 500 km nördlich der nördlichsten bekannten Verbreitung des Welses in Großbritannien.




Wilder Mann

Der „Wilde Mann“ ist eine Sagenfigur, die im Volksglauben spätestens seit dem frühen Mittelalter, verstärkt in der beginnenden Neuzeit nachzuweisen ist. Er kommt vor allem im germanischen und slavischen Sprachraum vor.

Typische Darstellung

Wilder Mann
In der alemannischen Fasenacht werden uralte Bräuche gepflegt, der Wilde Mann ist eine häufige Figur

Der Wilde Mann sieht oberflächlich wie ein Mensch aus. Er trägt lange Haare und einen langen Bart, ist jedoch nackt oder mit Laub und Moos bekleidet. Er trägt keine Waffen, jedoch häufig einen Knüppel oder ausgerissenen kleinen Baum.
Üblicherweise wird er als sehr stark, jedoch primitiv dargestellt. Gelegentlich gibt es auch wilde Frauen, die mit den wilden Männern zusammenleben.

Interpretation

Im Allgemeinen wird der Wilde Mann als Personifizierung der ungezähmten, bedrohlichen Natur dargestellt. In Mittelalter und früher Neuzeit lebten in Mitteleuropa noch Bären, Wölfe, Auerochsen und Wisente. Sie waren eine regelmäßige Bedrohung für Menschen, die sich in unbewohnten Waldgebieten aufhalten mussten.
Die Kombination aus Attributen der Wildniss (Nacktheit, Bekleidung mit Blättern, Knüppel) und der Herrschaft (lange Haare und langer Bart waren höchsten Adeligen vorbehalten, je wichtiger, desto längere Haare) lässt ihn als Herrscher der Wildniss oder herrschende Wildniss erscheinen.

Kryptozoologisches

Die Meinung der Kryptozoologie zum Wilden Mann ist nicht einheitlich. Eine starke Minderheit glaubt, in ihm einen Vertreter einer Restpopulation von Hominiden zu sehen, die sehr viel später ausstarben, als bisher bekannt.
Kleiner ist der Anteil der Kryptozoologen, die in den Sagen um den Wilden Mann Rest von Erzählungen aus der Zeit sehen, in der moderner Mensch und Neanderthaler in Mitteleuropa gemeinsam vorkamen. Diese Geschichten müssen dann mehr als 30.000 Jahre alt sein. Dass Geschichten ohne schriftliche Fixierung nur durch mündliche Überlieferung lange überleben können, beweisen die australischen Aborigines immer wieder. Aber 30.000 Jahre sind auch sehr lang!

Die Mehrheit der Kryptozoologen hält die „einfache Personifizierung“ der wilden Umwelt für wahrscheinlich. Legenden und Berichte von Einsiedlern oder Ausgestoßenen, die sich an unbewohnten Orten angesiedelt haben, mögen das noch verstärkt haben.

Bergbau?

Die Bezeichnung „Wilder Mann“ trifft ungewöhnlich oft Orte oder Flurstücke, die mit Erzbergbau zu tun haben. Auch Bergstädte, die nur zur kurzfristigen Ansiedlung und Versorgung von Bergwerken angelegt wurden. Ein bestimmter Stollentyp heißt ebenfalls als „Wilder Mann“.

Wenig bekannt, aber gut belegt sind „Walen“ oder „Venediger“, die heimlich ohne die Zustimmung des Landesfürsten im Mittelalter und der frühen Neuzeit in den Mittelgebirgen Mitteleuropas nach Erzen schürften. Sie bemühten sich, unentdeckt zu bleiben. Klappte das nicht, versuchten sie, ihre Entdecker mit Funden, Silber oder Gold zum Schweigen zu bringen, wurden diese zu gierig, wurden sie umgebracht. Das führte ebenfalls zu Sagenbildung.
Die Funde der Venediger wurden in Venedig zur Herstellung bunten Murano-Glases verwendet. Da man geheim halten wollte, womit man Glas färbt oder entfärbt, konnten die Erze nicht auf dem freien Markt gekauft oder offen gefördert werden.
Möglicherweise nahmen die Venediger-Bergleute am Anfang einzelne besonders großgewachsene Männer als Wache mit, die das normale Volk als Wilder Mann interpretierte.

Heutige Verbreitung

Heute ist der Wilde Mann vor allem ein Motiv in Wappen und als Flurbezeichnung. Rustikale Gasthäuser tragen öfter seinen Namen, ebenso Stadtteile (Dresden). In der alemannischen Fasenacht spielt er eine zentrale Rolle.




Wirbeltiere

siehe: Vertebraten