Presseschau Kalenderwoche 28/2019

Wie immer montags gibt es auch heute die Presseschau mit Meldungen aus Zoologie, Kryptozoologie und Tierischem zum Schmunzeln aus der vergangenen Woche. Viel Spaß beim Lesen.


Nachdem die letzte Woche ziemlich viele „nasse“ Themen hatte, haben diese Woche die Vögel die meisten Beiträge, aber lest selbst:

Japan nimmt den Walfang wieder auf

Altes Walfangschiff auf dem Trockenen
Die beste Verwendung für Walfangschiffe: Ein Museum

In der vorletzten Presseschau konnten wir vermelden, dass isländische Fischer dieses Jahr keine Wale fangen wollen. Jetzt müssen wir leider das Gegenteil aus Japan berichten. Japan ist Mitte des Jahres aus der IWC, der internationalen Walfang-Kommission ausgestiegen und somit nicht mehr an das Walfang-Moratorium von 1986 gebunden. Kurz nach dem Austritt sind die ersten Fangboote in See gestochen.

Seit Jahren verfolgt Japan eine Art Salamitaktik beim Walfang. Zunächst will man aus „wissenschaftlichen Gründen“ ein paar wenige Zwergwale fangen, dann werden es jedes Jahr mehr, später kommt dann ein einzelner Seiwal dazu. Als Japan 2007 auch Buckelwale „erforschen“ wollte, gab es größere Proteste, so dass man dieses Vorhaben „erst einmal“ zurückzog. Jetzt will Japan nur in den eigenen Hoheitsgewässern jagen, das Fischereiministerium hat eine Quote von 52 Zwergwalen, 150 Brydewalen und 25 Seiwalen festgelegt.
DNA-Untersuchungen der letzten Jahre zeigten, dass Japanische Walfänger trotz der Beschränkung auf Zwergwale de facto alle verfügbaren Arten von Furchenwalen gejagt haben.


Microraptoren fraßen Eidechsen

Chinesische Paläontologen haben ein nahezu vollständig erhaltenes und zusammenhängendes Skelett des Microraptor zhaoianus* ausgegraben. Der kleine, vierflügelige Dinosaurier lebte vor etwa 120 Millionen Jahren. So ein vollständig artikuliertes Skelett liefert an sich bereits eine Menge Erkenntnisse. Ein -wenn auch unfreiwilliger- Untermieter liefert noch mehr: die bisher unbekannte Eidechse war die letzte Mahlzeit des vogelähnlichen Gleitfliegers.

Links: Current Biology: Microraptor with Ingested Lizard Suggests Non-specialized Digestive Function


Der erste Homo sapiens Europas kommt aus Griechenland

Schädel vor schwarzem Hintergrund
Ein Homo sapiens-Schädel, nicht der aus Griechenland

Es ging sogar durch die Tagespresse: in den 1970ern wurden zwei menschliche Schädel in der Apidima-Höhle in Südgriechenland entdeckt. Jetzt haben Forscher aus Athen und Thübingen sie genauer untersucht. Der Schädel Apidima 2 hat ein Alter von 170.000 Jahren. „Den Schädel konnten wir Neandertalern zuordnen – überraschenderweise ist Apidima 1 noch älter, etwa 210.000 Jahre, weist aber keine Neandertaler-Merkmale auf“, beschreibt die Tübinger Professorin Katerina Harvati die Ergebnisse. Harvati zufolge zeigt der Schädel ein Mosaik aus Merkmalen des Homo sapiens und älterer Vorfahren. Die Homo sapiens seien zunächst nach Europa eingewandert und wurden später vom Neandertaler verdrängt. Wesentlich später, vor etwa 40.000 Jahren verdrängten wiederum anatomisch moderne Menschen den Neandertaler. Diese Abfolge deckt sich mit archäologischen Funden, z.B. Steinwerkzeugen.

Vorbehalte gibt es dennoch: die Schädel sind nur bruchstückhaft vorhanden und könnten sich während der Lagerung verformt haben. Die radiometrische Methode zur Altersbestimmung, die auch in Apidima eingesetzt wurde, hat in der Vergangenheit öfter falsche Ergebnisse geliefert.

Quelle: Katerina Harvati et al. Apidima Cave fossils provide earliest evidence of Homo sapiens in Eurasia. Nature, published online July 10, 2019;

doi: 10.1038/s41586-019-1376-z


Turmfalke in Mausefalle gefangen

Da staunten die Beamten des Poizeipräsidiums in Gießen nicht schlecht: Ein bei der sommerlichen Witterung offenstehendes Fenster der Leitstelle der Polizei Mittelhessen hatte sich der Greifvogel als Einflugschneise gewählt und war dann bei den Ordnungshütern gelandet. Nicht ohne Grund: Am linken Fang hing eine „zugeschnappte“ Mausefalle.

Bei der folgenden Notoperation in der Vogelklinik der Uni Gießen wurde ein Teil des Fußes entfernt. Trotzdem, so die Pressemeldung der Polizei, steht dem Vogel ein erfülltes Leben, möglicherweise im „betreuten Wohnen“ eines Vogelparks, bevor.

Offenbar hatte sich die Tierliebe der Gießener Polizei beim gefiederten Volk herumgesprochen. Kurze Zeit später verirrte sich ein – unverletzter – Grünfink in die Leitstelle und zwitscherte den Beamten eins. Mit Hilfe der Feuerwehr wurde der Vogel vorübergehend festgenommen. Da gegen ihn nichts vorlag, wurde er im Innenhof des Präsidiums wieder in die Freiheit entlassen.

Quelle: Pressemeldung der Polizei Gießen


Geologen finden 56 neue Seen – unter dem ewigen Eis Grönlands

Seen unter Gletschern haben etwas geheimnisvolles. Bisher konnten nur wenige von ihnen erforscht werden, die meisten von ihnen nur mit Radar und in der Antarktis. Sie sind teilweise seit Millionen von Jahren vom Rest der Welt abgeschnitten und könnten ungewöhnliche Mikrobenfaunen beherbergen. Daher gelten sie als Versuchslabors der Evolution.
Sie könnten aber auch Versuchslabors für die Weltraumforschung werden, denn subglaziale Seen kennt man auch auf dem Jupitermond Europa und dem Saturnmond Enceladus.

Jetzt haben Wissenschaftler der NASA unter dem grönländischen Eisschild insgesamt 56 dieser Seen entdeckt. Wer weiß, was da alles rumschwimmt?

Quelle: J.S. Bowling et al. 2019. Distribution and dynamics of Greenland subglacial lakes. Nature Communications 10, article number: 2810; doi: 10.1038/s41467-019-10821-w


Snowball, der tanzende Kakadu – wieder da!

Auf Youtube war Snowball, ein männlicher Gelbhaubenkakadu bereits 2007 ein Hit. Er tanzte zu Musik, mit Haubenwedeln und Tanzschritten. Warum beschäftigt sich die Wissenschaft 2019 damit, 12 Jahre nach seinem ersten Medienerfolg? Doch was auf den ersten Blick wie ein alter Hut klingt, ist bemerkenswert. In diesen 12 Jahren hat Snowball ein Repertoire von 14 Tanzmoves und zwei Kombinationen entwickelt.

„Am meisten interessiert uns die schiere Vielfalt seiner Tanzmoves“, beschreibt Dr. Aniruddh Patel, Psychologe an der Tufts University und Harvard University. „Snowball hat diese Moves selbst entwickelt, viel abwechslungsreicher als das Kopfnicken und Füße-heben, das wir in der vorhergehenden Studie beobachtet hatten – eigenständig, ohne Training.“

In der früheren Studie hatte das Team festgestellt, dass sich Snowball passend zum Beat bewegen konnte. Das ist bemerkenswert, denn Tanzen gilt als Alleinstellungsmerkmal der Menschen unter den Primaten.

Die neue Studie: Spontaneity and diversity of movement to music are not uniquely human https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(19)30604-9

Dieser Vogel hier hat sogar Michael Jackson‘s Moonwalk drauf, muss aber selber singen: https://www.youtube.com/watch?v=lJvLQ6JLrxw


Groß, größer, ausgestorben

Die National Geographic hat eine sehr gute Seite mit verschiedenen Haiarten veröffentlicht. Hier werden die Tiere tatsächlich im originalen Größenverhältnis untereinander und zu einem Taucher abgebildet. Diese teilanimierte Illustration wäre natürlich ohne den legendären Megalodon nicht komplett. Wirklich neue Erkenntnisse gibt es allerdings nicht.

Link: National Geographic


Zwei “neue”, kryptische Vogelarten aus Westafrika beschrieben

Der belgische Ornithologe Peter Boesman und Prof. Nigel Collar vom Natural History Museum in London und von BirdLife untersuchten zwei Vogelarten, die als lange und gut bekannt galten. Den Schweifkuckuck (Cercococcyx mechowi) und den Gelbfleck-Bartvogel (Cercococcyx mechowi). „Westliche und östliche Populationen beider Arten haben unterschiedliche Stimmen”, so die Wissenschaftler.

Nach diesem Hinweis untersuchten die Forscher Museumsexemplare beider Arten in Museen rund um die Welt. Sie stellten neben subtilen Unterschieden in den Körperproportionen und Befiederung einen anderen Aufbau des Gesanges fest. Bei beiden Arten gab es eindeutige, auch geographische Trennlinien zwischen Vögeln mit dem einen Körperbau / Gefieder / Gesang und denen mit der Alternative. Es handelt sich also um diskret getrennte Spezies und nicht um einen kontinuierlichen Übergang innerhalb einer Art.

http://www.sci-news.com/biology/new-species-long-tailed-cuckoo-barbet-west-africa-07368.html


Spinne nach Karl Lagerfeld benannt

Jotus karllagerfeldi, die Lagerfeld-Spinne. Fotos by Mark Newton.

Zahlreiche Tiere sind nach mehr oder weniger bekannten Menschen benannt worden. Meist handelt es sich hierbei um verdiente Zoologen, Sammler des Materials oder Entdecker der Tiere. Gelegentlich werden auch andere Menschen mit einem Tiernamen geehrt. Meist geschieht das, weil dieser Mensch Sponsor einer Artbeschreibung oder Expedition war, oft sind es auch bestimmte Eigenschaften. Im Falle dieser Springspinne ist es die Vorliebe des Modedesigners Karl Lagerfeld für schwarz und weiß. Jotus karllagerfeldi wirkt durch seine großen schwarzen Primäraugen, als trüge sie, wie der Modeschöpfer, eine Sonnenbrille. Auch der Rest des Körpers ist vor allem schwarz, trägt jedoch zahlreiche weiße Elemente, die teilweise wie die Handschuhe des Designers wirken.
Im Gegensatz zu J. karllagerfeldi sind die bekannten anderen acht Arten der Gattung sehr farbig.

Quelle: n-tv

Die Spinne kommt in der Nähe von Dalby in Queensland (Australien) vor. Sie wird etwa 5 mm lang. Bisher sind nur Männchen bekannt.


Ornithologisches:

Im Meldorfer Speicherkoog bei Büsum (Schleswig-Holsteinische Nordseeküste) ist mindestens seit Dienstag, 9. Juli 2019 ein juveniler Rosapelikan unterwegs. Mehrere Ornithologie-Portale melden das übereinstimmend. Das Tier ist nicht beringt und somit vermutlich ein Irrgast aus einer der verbliebenen Kolonien in Südost-Europa oder Vorderasien.
Einwanderungen von Rosapelikanen nach Mitteleuropa kommen regelmäßig vor, meist in Jahren mit Nahrungsmangel oder schlechten Brutbedingungen in den Herkunftsgebieten.

Eine kleine feldornithologische Sensation stellt der Nachweis eines Zistensängers Cisticola juncidis in der Wetterau dar. Dieser Vogel stammt aus dem Mittelmeerraum und den Subtropen Asiens und ist für Deutschland ein Irrgast.

 


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Uns ist selbstverständlich bekannt, dass wissenschaftliche Namen in Texten kursiv geschrieben werden. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


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