Special: Der Somerton-Man identifiziert

Lesedauer: etwa 39 Minuten

Ein unbekannter Toter, der unter dem Namen „Somerton-Man“ in die Literatur eingegangen ist, gehört zu Australiens rätselhaftesten Kriminalfällen. Der auch als „Tamam Shud-Fall“ bekannte Vorgang ist weltweit in die Kriminalliteratur eingegangen und sorgte auch 70 Jahre nach dem Fund der Leiche für Furore. Das öffentliche Interesse an dem Fall war so groß, dass 2021 die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates South Australia eine Exhumierung anordnete, um DNA-Proben zu nehmen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind nun veröffentlicht, es gibt Antworten, aber wie so häufig werfen sie mehr Fragen auf, als sie beantworten.

 

Das rekonstruierte Geschehen

Am Morgen des 1. Dezember 1948 fanden ein Mann namens J. Lyons, der zu Fuß unterwegs war und zwei Reiter am Somerton Beach in Adelaide, Südaustralien einen männlichen Toten. Er lag an die Begrenzungsmauer des Strandes zur Stadt gelehnt, den Kopf an der Mauer, die Füße zum Wasser. Seine Körperhaltung wirkte, als würde er friedlich schlafen. Lyons gab an, ihn am Abend vorher gegen 19 Uhr am Strand gesehen zu haben. Lyons hatte den Eindruck, der Mann rauche.

Ein Paar gab später an, den Mann am Vorabend, also dem 30.11. zwischen 19:30 und 20:00 an der Fundstelle gesehen zu haben. Sie glaubten, er sei betrunken und schlafe seinen Rausch aus. Sie hatten sich ihm nicht genähert.

 

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In den Taschen des Toten fand die Polizei weitere Zigaretten der Marke Kensitas in einem Paket der Marke Army Club, eine Schachtel Streichhölzer der Marke Bryant and May, zwei Kämme aus Aluminium, ein benutztes Busticket vom Adelaide Central Station nach Glenelg und ein unbenutztes Bahnticket von Adelaide Central nach Henley Beach.

(Glenelg und Henley sind Stadtteile von Adelaide. Glenelg schließt sich fast direkt im Norden an den Fundort der Leiche an. Henley Beach ist etwa 9 km nördlich davon)

 

Der Fundort

Der Tote lag am Strand des Vorortes Somerton, heute Teil der Aggregation Adelaide. Der Fundort lag direkt vor dem „Somerton Park“, einem Genesungsheim, das von 1921 bis 1976 mit unterschiedlichen Zielrichtungen betrieben wurde. Seit 1946 wurde es von der Regierung als Kinderheim mit dem Namen Seaforth Home betrieben.

Der Strand selber ist sehr lang, jedoch nur wenige Dutzend Meter breit und endete 1948 mit einer Mauer befestigt. Hinter der Mauer überbrückte ein bepflanzter und teilweise mit Felsblöcken abgefangener Dünenstreifen einige Höhenmeter, darüber zog sich eine kleine Straße als Strandpromenade entlang. Eine Bebauung begann erst auf der dem Meer abgewandten Seite der Straße.

 

 
Fundort des Somerton Mans
 

 

Der Fundort lag nur wenige Meter neben einer Holztreppe die von der Straße aus zum Strand reichte.

 

Somerton Man Finding Site
Fundortdarstellung mit einem X zur Markierung des Leichenfundortes

 

Somerton Man Fundort 3
Fundortdarstellung 2, der selbe Ort zu einer anderen Zeit. Kann jemand anhand der Autos identifizieren, wann die Fotos entstanden sind?

 

Der Fundort ist sehr gut zu identifizieren, da er sich direkt gegenüber des Kinderheimes befindet. Dieses sah 1939, wenige Jahre vor dem Fund so aus und ist auf den Fotos wieder zu erkennen:

 

Somerton Crippled Children's Home
Somerton Crippled Children’s Home, ca. 1939

 

Heute ist an der Straße über dem Fundort eine kleine Aussichtsplattform errichtet. Auf ihr steht eine Bank, auf der eine eiserne Statue eines Mannes „sitzt“, dessen Äußeres vielfach durchbrochen ist.

 

 

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Serienmorde, UFOs, Kannibalismus und Beziehungsdramen unterhalten die Fans ungewöhnlicher Zeitungsmeldungen, wurden von Historikern jedoch lange vernachlässigt. Dabei verrät das Medienecho solcher Vorfälle viel über eine Epoche mit ihren Ideologien, Ängsten und Tabus.

 

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Das Opfer

Der Somerton-Man wurde bald nach seinem Fund obduziert. Dabei stellten die Obduzenten auffällige und unauffällige Merkmale fest. Der noch namenlose Tote sah europäisch, vermutlich englischstämmig aus. Er war 1,80 m groß, 42 bis 45 Jahre alt, wog 88 kg und trug Schuhgröße 8. Er war in guter körperlicher Verfassung und wie die Daten erwarten lassen, gut gebaut. Er hatte graue Augen und rotblondes Haar, das erstes Grau zeigte. Insgesamt wirkte er sehr gepflegt, sein letzter Haarschnitt war etwa 3 Wochen her. Fuß- und Fingernägel waren sorgsam geschnitten

 

Seine Hände waren eher klein und zeigten weder Schrunden noch Narben. Die Untersucher schlossen damals daraus, dass er keinen Beruf oder Hobby nachging, das mit körperlicher Arbeit verbunden war. Auch die Füße waren frei von Schwielen und Hornhaut, wiesen aber zwei Besonderheiten aus: Die Zehen waren vorne keilförmig zusammengedrückt. Dies deutet darauf hin, dass er häufig sehr schlanke, spitz zulaufende Schuhe getragen hatte, etwa Tanzschuhe, Reit- oder Uniformstiefel. Die Wadenmuskeln waren zudem stark ausgeprägt. Dies findet man bei Sportlern oder Frauen, die häufig hohe Absätze tragen.

 

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Die Leiche im Kreuzverhör

So wie in den meisten Fernsehkrimis sieht die Wirklichkeit der Kriminologen sicher nicht aus. Längst haben hochempfindliche Nachweismethoden und eine hochspezialisierte Schar von Medizinern, Physikern, Chemikern, Biologen und Geologen die Sicherung und Auswertung von Spuren am Tatort übernommen. Da kann es schon mal vorkommen, dass die Suche nach verräterischen Partikeln im Vorgarten mit einem Staubsauger vonstatten geht, und da darf dann kein Stöver, Kress oder Derrick durch den Tatort stiefeln.

Der Krimiautor Colin Evans zeigt in seinem Buch, dass eine Vielzahl von Verbrechen nur mit Hilfe ausgefeilter, wissenschaftlicher Methoden gelöst wurden. In seiner Sammlung beschreibt er berühmte Fälle wie den Tod der russischen Zarenfamilie, den Absturz des Jumbo-Jets über Lockerbie oder die Bedeutung der forensischen Anatomie bei der Aufklärung des Todes von Josef Mengele. Die wohl bekannteste Methode der Täteridentifizierung ist dabei die Analyse von Fingerabdrücken.

 

Die Leiche im Kreuzverhör ist 1998 bei Birkhäuser erschienen und hat als gebundenes Buch 382 Seiten, die sich schnell lesen. Es ist leider nur noch antiquarisch zu bekommen, dafür aktuell sehr günstig.

 

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Die Kleidung

Analog zum sehr gepflegten Körper war auch die Kleidung des Mannes gehobener Qualität. An seinem Todestag trug er eine braune Hose, braune Schuhe und braune Socken. Dazu ein weißes Hemd mit einer rot-weiß-blauen Krawatte, darüber einen braunen Strick-Pullover und einen graubraunen Zweireiher (eine heute kaum noch getragene Jackett-Form). Er trug keinen Hut, was 1948 ungewöhnlich war.

Wenn man bedenkt, dass Ende November das Wetter in Adelaide dem eines mitteleuropäischen Hochsommers entspricht, war der Mann wesentlich zu warm und zu formal gekleidet. Selbst für einen hochoffiziellen Termin wäre der Pullover nicht notwendig gewesen.

 

Das Besondere an der Kleidung war nicht nur die Art der Herstellung. Sie deutet auf einen Ursprung aus den USA hin. Nur dort fertigte man damals Nähte auf eine charakteristische Weise („featherstiching“), wie sie auch in den Kleidungsstücken des Somerton-Mans gefunden wurden. Sie entsprach der Mode der Wintersaison 1947/48 in den USA, wo ungewöhnlich viele Brauntöne getragen wurden. Bemerkenswert ist auch das Futter des Zweireihers. Es bestand aus orangebraunem Baumwoll-Satin, ein Stoff, der gerade erst entwickelt worden war und nicht überall beschafft werden konnte. Die Kleidung war in Machart und Stoffen sehr hochwertig und unterstrich den Eindruck, es mit einem wohlhabenden Mann zu tun zu haben.
Mehrere Quellen berichten übereinstimmend, dass die Kleidung nicht „nach Australien importiert“ wurde. Vermutlich ist damit gemeint, dass sie nicht über ein Importunternehmen eingeführt und verzollt wurde, um dann in Australien in den Einzelhandel zu gelangen. Vermutlich hat der Somerton-Man sie also im Ausland erstanden und selber mitgebracht oder aus einem Privatimport gekauft. Ein weiteres Detail lässt aufhorchen: Alle Hersteller-Schilder wurden entfernt.

 

Der Somerton-Man hatte keine Brieftasche mit Papieren oder Geld bei sich und trug auch kein Portmonee.

 

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Die Autopsie-Ergebnisse

Die Autopsie ergab, dass der Somerton-Man in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember 1948 starb. Üblicherweise wird 2 Uhr nachts als ungefähre Todeszeit angegeben. Dies basiert auf der Ausprägung der Leichenstarre, wie sie die Sanitäter bei der Bergung des Leichnams festgestellt haben. Dies ist an sich bereits nur sehr unscharf möglich, hinzu kommt, dass auch die Außentemperaturen Auswirkungen auf den Leichenstarre haben und nicht zuletzt einige Gifte deren Beginn und Tiefe verschieben können. Der Zeitpunkt ist also keinesfalls sicher und sollte mit großer Varianz (z.B. plusminus 3 Stunden) angegeben werden.

Auszug aus dem Autopsiebericht

Auffällige äußere Verletzungen fanden die Obduzenten nicht. Die inneren Organe sprachen aber eine andere Sprache:

 

 

Das Herz hatte eine normale Größe und war in jeder Hinsicht normal … kleine Gefäße, die im Gehirn normalerweise nicht beobachtet werden, waren durch eine Stauung leicht zu erkennen. Der Pharynx (Kehlkopf, d. Verf.) war verstopft, und die Speiseröhre war mit einer Aufhellung der oberflächlichen Schleimhautschichten mit einem ulzerierten Fleck in der Mitte bedeckt. Der Magen war stark verstopft … Es gab eine Stauung in der zweiten Hälfte des Zwölffingerdarms. Im Magen war Blut mit der Nahrung vermischt. Beide Nieren waren verstopft, und die Leber enthielt einen großen Überschuss an Blut in ihren Gefäßen. … Die Milz war auffallend groß … ungefähr dreimal so groß wie normal … Unter dem Mikroskop war eine Zerstörung der Mitte der Leberläppchen zu erkennen. … akute Gastritis-Blutung, ausgedehnte Stauung von Leber und Milz und die Stauung des Gehirns.
(Auszug aus dem Obduktionsprotokoll, Übers.: google, überarb. Verf.)

 

 

Die letzte Mahlzeit des Mannes war eine typisch australische Fleischpastete, die er etwa drei bis vier Stunden vor seinem Tod zu sich genommen hatte. Der Pathologe, Dr. John Dwyer, ein erfahrener Obduzent und Pharmakologe, konnte kein Gift direkt nachweisen. Er schloss dennoch damit, dass er überzeugt sei, der Mann sei mit einem Barbiturat oder einem löslichen Schlafmittel vergiftet worden. Die Pastete konnte er aber als Quelle ausschließen.

 

 

Erste Identifikationsversuche

Somerton Man von der Seite
Der Somerton-Man von der Seite, vor der Autopsie
Somerton-Man
Das bekannteste Foto des Somerton-Man, vor seiner ersten Obduktion.

Der Somerton-Man wurde ordentlich hergerichtet und fotografiert. Ebenso nahm man ihm eine Totenmaske ab, indem man eine Hohlform aus Gips von seinem Gesicht sowie dem Oberkörper bis etwas unterhalb der Schultern erstellte. Dies sollte später noch mehrfach von Bedeutung sein.

 

Die Pathologen sicherten seine Fingerabdrücke sowie den Zahnstatus. Die Ermittler glichen diese mit den vermissten und gesuchten Personen aus australischen Karteien ab. Dies brachte einen kurzzeitigen Erfolg: Am 2. Dezember wurde er „möglicherweise als E.C. Johnson aus Payneham“ identifiziert. Sein Wohnsitz in der Arthur Street lag etwa 20 km entfernt auf der anderen Seite von Adelaide Zentrum.

 

Doch der vermeintliche Erfolg hielt nicht lange an. Mr Johnson kam am 3. Dezember zu einer Polizeistation und identifizierte sich dort.

 

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Der mit den Toten spricht

Als Rechtsmediziner klärt Dr. Richard Shepherd, ob Todesfälle eine unnatürliche Ursache haben, vielleicht sogar ein Verbrechen zugrunde liegt. Wie ein Detektiv sucht er nach Spuren, um die Frage zu beantworten: Wie ist dieser Mensch gestorben? Anders als die Täter können Tote die Wahrheit nicht verbergen – Tote lügen nicht!

 

Shepherds Gutachten brachten Mörder hinter Gitter, befreiten Unschuldige und stellten vermeintlich klare Fälle auf den Kopf. Täglich mit Serienkillern, scheinbar perfekten Morden und seltsamen Unfällen konfrontiert, erzählt der bekannteste britische Forensiker von den spannendsten seiner 23 000 Fälle. Und er offenbart, welcher Preis zu zahlen ist, wenn man ständig mit den dunkelsten Abgründen menschlicher Existenz zu tun hat.

 

Der mit den Toten spricht“ ist 2019 im Riva Verlag in deutscher Sprache erschienen. Das gebundene Buch hat 384 Seiten.

 

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Auch Anfragen bei Scotland Yard und dem FBI, die zeitgleich mit den Australiern eine Fingerabdruck-Kartei aufbauten, führten die Ermittler nicht weiter.

 

Totenmaske des Somerton-Man
Totenmaske des Somerton-Man

 

Der Kofferfund – die Sache wird mysteriös

War der Somerton-Man bisher ein recht „normaler“, unbekannter Toter, so bekam die Sache am 14. Januar 1949 eine völlig andere Richtung. Ein Mitarbeiter des Hauptbahnhofes in Adelaide entdeckte einen braunen Koffer, der am 30. November 1948 nach 11 Uhr vormittags abgegeben worden war. Der Koffer kam zur Polizei, wo die Ermittler ihn öffneten. Auch hierbei kam es zu einer Mischung aus gewöhnlichen und ungewöhnlichen Elementen:

 

Kofferinhalt des Somerton-Mans
Die Polizei präsentiert den Inhalt des Koffers des Somerton-Man

 

Das Hersteller-Etikett des Koffers war entfernt worden. Er enthielt folgende Kleidungsstücke: Einen rot karierten Morgenmantel, ein rotes Paar Filzpantoffeln Größe 7 (man beachte: Die Schuhe, die der Somerton-man am Strand getragen hatte, hatten Größe 8), vier Unterhosen, einen Pyjama, Rasierartikel, eine hellbraune Hose mit Sand im Aufschlag. Außerdem fand die Polizei einen Elektriker-Schraubendreher, ein Tafelmesser, aus dem ein scharfes Instrument gefeilt wurde, eine Schere mit geschliffenen Spitzen, ein quadratisches Stück Zinkblech, das vermutlich als Schutzhülle für Messer und Schere diente und einen „Sencilling Brush“. Dies ist ein spezieller Pinsel, der zum Ausfüllen von Schriftschablonen dient und häufig zum Handwerkszeug des 3. Offiziers auf Handelsschiffen gehört.

 

Kofferinhalt
Ein Teil des Inhaltes des Koffers mit Garnkarte und Krawatte, die den Schriftzug T. Keane trägt.

 

Zudem fand die Polizei eine Garnrolle (eigentlich: Garn-Karte) mit orangem gewachstem Garn der Marke Barbour. Mit diesem Garn wurde das Futter in einer Tasche der Hose des Toten repariert. Dieses Garn war in Australien nicht erhältlich, die Polizei bezeichnete es als „von ungewöhnlicher Art“.

 

Werkzeuge des Somerton-Man
Wer kann die Funktion der Werkzeuge des Somerton-Man erklären?

 

Ungewöhnlich, was da ist und was fehlt

Auch hier fehlten alle Etiketten in der Kleidung. Auf einer Krawatte fand die Polizei den Namen „T. Keane“, auf einem Wäschesack stand „Keane“ und „Kean“ auf einem Unterhemd. Das Unterhemd trug drei Marken einer chemischen Reinigung mit den Nummern 1171/7, 3053/7 und 4393/7. Diese Marken konnte die Polizei keiner australischen Reinigung zuordnen.

Ein Oberhemd hingegen trug sein Hersteller-Etikett noch. Es war australischen Hersteller Pelaco angefertigt und nicht importiert.

 

Ungewöhnlich war auch das, was im Koffer fehlte: Es gab keine Ersatzsocken und im Koffer fand die Polizei keinerlei Korrespondenz, ja kein einziges beschriebenes Stück Papier, aber Bleistifte und unbenutztes Briefpapier.

 

 

Kasten: Die Bedeutung der Etiketten in der Kleidung bzw. ihr Fehlen

Das Entfernen von Etiketten aus Kleidung ist ein wiederkehrendes Motiv in Kriminal- und Spionagefilmen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Auch heute taucht es gelegentlich in Krimis auf, hat jedoch keine größere Bedeutung mehr. In den 1950er und -60er Jahren machten einige Leute dies, um ihre Herkunft zu verschleiern, da viele Kaufhausketten oder Hersteller nur in bestimmten Ländern präsent waren. Heute im Zeitalter der Globalisierung ist ein Label der großen Modemarken kein Hinweis mehr auf die Herkunft der Kleidung, da die Konzerne sie weltweit identisch verkaufen.

 

In den späten 1940ern in Australien und einigen anderen Ländern hatten die Etiketten bzw. ihre Entfernung noch ganz andere Bedeutungen. Stoff war rationiert und Kleidung nur schwer zu bekommen. Daher war es üblich, neu gekaufte Kleidung mit einem Namensetikett zu versehen, falls sie z.B. in einer Wäscherei verloren geht. Ebenso wurde in einigen Ländern eine Zollmarke in gewerblich importierte Kleidung eingenäht. Ob dies 1948 in Australien so war und ob für importierte Kleidung spezielle Regeln galten, konnte der Verf. nicht herausfinden.

 

Beim Verkauf als Second Hand-Kleidung oder auf dem Schwarzmarkt wurden dann die Etiketten entfernt. Ihr Fehlen ist also anders als in späteren Jahren kein dringender Hinweis auf illegale Aktivitäten, die über den Schwarzhandel hinausgehen.

Eine zweite Untersuchung des Somerton-Mans

Der Coroner Thomes Erskine Cleland führte eine Zweituntersuchung des rätselhafter werdenden Toten vom Somerton Beach durch. Dabei fand er einige Dinge, die vorherige Untersucher übersehen hatte. Er bemerkte die sehr sauberen, frisch polierten Schuhe des Toten. Wenn der Tote am Nachmittag und Abend in Somerton über strandnahe, sandige Straßen und über den Strand gewandert ist, hätten seine Lederschuhe staubig und stumpf sein müssen. Er wertete das als Hinweis darauf, dass Unbekannte den Mann nach seinem Tod zum Strand gebracht haben. (Der Verf. hat selbst eine entsprechende Erfahrung gemacht. Schöne Grüße an Kathy an dieser Stelle.)

Zudem fehlten am Fundort jegliche Spuren von Erbrechen oder Krämpfe, eine regelmäßige Reaktion auf Gift.

 

Auch weitere Obduktionsergebnisse lassen vermuten, dass die Leiche bewegt wurde. Im Hinterkopf des Somerton-Mans haben die Mediziner eine Ansammlung von Blut gefunden. Dieses läuft dort nur zusammen, wenn die Leiche eine Weile auf dem Rücken liegt. Am Strand lag der Somerton-Man gegen eine Mauer gelehnt. Als man ihn fand, lag eine halb gerauchte Zigarette auf seinem Kragen, als wäre sie ihm aus dem Mund gefallen. Nach anderen Angaben trug er sie hinter dem Ohr.

 

 

Parallel dazu testete der heute noch bekannte Pharmakologe Cedric Stanton Hicks eine Gruppe von Medikamenten, die in extrem geringen oralen Dosen zum Tod führen. Durch die geringe tödliche Dosis wäre 1948 ein Nachweis ausgeschlossen. Die Liste der Medikamente reichte er an Cleland weiter, der sie erst 1980 veröffentlichte, als modernere Labordiagnostik den perfekten Mord mit diesen Substanzen ausschloss. Diese Substanzen werden als Digitoxin und Ouabain in der Herz-Therapie eingesetzt.
Der einzige echte Hinweis, den Hicks fand, waren Spuren von Erbrechen.

 

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Die Zigaretten – ein Teil des Mysteriums

Hierzu liefert Abbot (2009) einen erstaunlichen Hinweis. Der Tote hatte Zigaretten der Marke Kensitas in einem Paket der Marke Army Club bei sich. In der Nachkriegszeit Australiens war es üblich, billige Zigaretten in Schachteln teurerer Marken zu stecken, um Wohlstand vorzutäuschen. Doch Kensitas war laut Abbot die teurere Marke. Warum sollte das jemand tun? Abbot sieht hier zwei Möglichkeiten: Zigaretten waren noch rationiert. Abhängige Raucher versuchten, jeder Zigarette habhaft zu werden, die sie erwischen konnten, egal in welcher Verpackung. Die andere Möglichkeit ist, dass ihm jemand die Kensitas untergeschoben hat, vielleicht mit einer Mini-Menge Gift? Nachweisbar ist das heute nicht mehr.

 

die Beerdigung des Somerton-Man
Beerdigung des Somerton Man am 14. Juni 1949. An seiner Grabstelle befindet sich der Captain der Heilsarmee, Em Webb, der die Zeremonie leitet, an der Reporter und Polizisten teilnehmen. Von links nach rechts sind: Unbekannt, Captain Em Webb, Laurie Elliot, Bob Whitington, Unbekannt, S. C. Brice, Polizeisergeant Scan Sutherland, Claude Trevelion.

 

Der Somerton-Man ruht in einem Armengrab

Nach der Autopsie wurde der Somerton-Man mit Formaldehyd einbalsamiert. Am 14. Juni 1949 wurde er auf dem West-Terrace Friedhof in Adelaide beigesetzt. Neben einem Captain der Heilsarmee namens Erm Webb, nahmen Polizisten und Reporter an der Zeremonie teil.

 

Das einfache Grab ziert ein Grabstein mit der Aufschrift „Here lies the unknown man who was found at Somerton beach 1st Dec 1948“ (Übersetzung d. Verf.: „Hier liegt der unbekannte Mann, gefunden am Somerton Beach den 1. Dez. 1948.“)

 

Grabinschrift des unbekannten Toten
Inschrift auf dem Grabstein des Somerton-Man

 

Bereits kurz nach der Beerdigung erschienen immer wieder Blumen auf dem Grab. Die Polizei befragte eine Frau, die man beim Niederlegen einer Blume beobachtet hatte, ohne Erfolg.


Das 2. Mysterium: Tamám Shud, Rubaiyat oder Omar Khayyam

Doch das war nicht das einzige, was die 2. Untersuchung des Somerton-Man zu Tage brachte. In einer versteckten Tasche innerhalb einer Tasche seiner Hose fanden die Untersucher einen kleinen, verknüllten Zettel. Auf dem Zettel standen die Worte „Tamám Shud“ gedruckt, die Rückseite war leer. Mitarbeiter einer Bücherei konnten die Worte schließlich nicht nur übersetzen, sondern auch zuordnen. Sie stammen aus der persischen Sprache und bedeuten „beendet“ oder „Das Ende“. Bedeutsam sind sie auf der letzten Seite eines Gedichtbandes des persischen Dichters Omar Khayyam mit dem Titel „Rubaiyat„.

 

„Das Rubaiyat“

Die Bezeichnung Rubaiyat stammt aus der persischen Sprache Farsi. Es ist die Mehrzahl von Ruba`i, einer in der persischen Literatur sehr beliebten Form eines vierzeiligen Gedichtes. Die Mehrzahl „Rubaiyat“ wird auch als Synonym für Gedichtband genutzt. Daher ist es eigentlich falsch, von „dem Rubaiyat“ zu sprechen, als wäre damit ein bestimmtes Buch gemeint.

Im Fall des Somerton-Man bezieht sich Rubaiyat auf eine Gedichtsammlung des bekannten Autors Omar Chayyam (1048 – 1131). Im englischsprachigen Raum wurden seine Gedichte durch die Übertragung von Edward FitzGerald (u.a. 1859) populär. Dieser übersetzte die Gedichte nicht einfach, er führte eine Art „Nachdichtung“ durch. Ähnliche Nachdichtungen gab es auch in zahlreichen anderen Sprachen, auch in deutscher Sprache.

 

FitzGeralds Nachdichtung war extrem erfolgreich. Publizierte er 1859 nur 200 Exemplare, hatten sich in den 1890ern bereits 2 Millionen Exemplare in mehr als 200 unterschiedlichen Ausgaben verkauft.

 

Bei Amazon gibt es zahlreiche Ausgaben des Rubaiyats von Omar Khayyam. Wir haben hier eine der Übersetzungen von Edward FitzGerald herausgesucht. Sie ist in allen Formen und für alle Medien erhältlich.

Tamám Shud

Die Polizei veröffentlichte ein Foto des Zettelchen in der Hoffnung, das Buch genauer identifizieren zu können. Dies gelang auch. Es entstammte der 1941er Ausgabe einer Übersetzung von Edward Fitzgerald von 1859, die vom neuseeländischen Verlag Whitcombe and Tombs herausgegeben wurde:

 

Schriftzug Tamám Shuc
Das Zettelchen mit dem Schriftzug „Tamám Shud“ aus der Tasche des Somerton-Man

 

Der Polizei gelang sogar, das individuelle Buch zu finden, in dem die Worte herausgerissen wurden. Hier werden die Aufzeichnungen etwas unklar und teilweise widersprüchlich. Ein Zeuge, dem die Polizei aus Persönlichkeitsschutzgründen das Pseudonym „Ronald Francis“ gab, hatte das Buch in seinem Auto gefunden. Das Auto stand unverschlossen in der Jetty Road in Glenelg, Adelaide, etwa 2,1 km vom Fundort des Somerton-Mans entfernt. Unklar ist, wann er das Buch fand. Die Zeitung Advertiser vom 25. Juli 1949 berichtet, er habe es eine oder zwei Wochen vor dem Tod des Somerton-Mans gefunden. Der Bericht der Polizei hingegen sagt aus, er habe das Buch gefunden „kurz nachdem der Mann am Strand von Somerton gefunden wurde“.

 

Das Buch, in dem Tamám Shud fehlt
Das Buch, in dem der Begriff „Tamám Shud“ fehlt. Unklar ist, ob es sich bei diesem Bild um ein Foto des Originals handelt oder um eine Darstellung mit einem anderen Buch. Offensichtlich passt der ausgerissene Teil mit dem Schriftzug „Tamám Shud“ nicht in das Loch, auch die Schrifttype ist anders.

 

Dies kann bedeutsam sein. Falls der Somerton-Man das Buch besessen, die beiden Worte herausgerissen und das Buch in einem Auto verschwinden lassen hat, könnte es ein Hinweis auf dessen Aktivität vor dem Auftauchen am Strand sein.

 

Weg des Somerton Man
Möglicher Weg des Somerton Man an seinem letzten Tag: 1: Bushaltestelle, an der er den Bus verlassen hat,  2: Fundort des Buches im Auto von „Ronald Francis“, 3: Haus von Jessica Thompson, 4: Fundort der Leiche. Maßstab = 1 km.

 

 

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Ein Code im Buch?

Das Exemplar des Rubaiyat enthielt am Ende eine leere Seite Abdrücke eines Textes, als hätte jemand ein Stück Papier drauf gelegt und auf diesem geschrieben. Die Polizei konnte die fünf Zeilen sichtbar machen, die ich nicht abtippe, sondern ein Foto des Textes abbilde (Klicken zum Vergrößern):

 

Somerton-Man Code

 

Auch nach über 70 Jahren ist unklar, was der Text aussagen soll. Für eine professionelle Entschlüsselung ist der Text zu kurz, alle Versuche sind bisher ins Leere gegangen.

 

Mrs. Thompson, ist sie die Schlüsselfigur?

Neben diesem Text fand die Polizei noch eine Telefonnummer in dem Buch. Sie gehörte einer Frau namens Jessica Ellen „Jo“ Thompson (1921 – 2007), die als Jessie Harkness in Marrickville, einem Vorort von Sydney geboren war. Mrs. Thompson war Krankenschwester und lebte zu der Zeit in der Mosesley Street in Glenelg. Das ist nur etwa 1,3 km Fußweg vom Fundort des Somerton-Man entfernt und auf halbem Weg zur Jetty Road, wo das Buch im Auto gefunden wurde.
Die Telefonnummer war eine Geheimnummer, also nicht in den öffentlichen Telefonbüchern aufgeführt.

 

Mrs. Thompson gab bei der Polizei an, sie kenne den Somerton-Man nicht. Sie wisse auch nicht, wieso ihre Telefonnummer in dem Buch stehe. Sie gab aber auch an, dass Ende 1948 ein Fremder versucht habe, sie zu besuchen. Er habe auch die Nachbarn nach ihr gefragt.

 

Detective Sergeant Leane zeigte ihr die Gipsbüste des Toten. Thompson gab zu Protokoll, sie könne den Mann nicht identifizieren. Leane hatte jedoch das Gefühl, sie sei „völlig überrascht, bis zu dem Punkt, an dem es den Anschein erweckte, als würde sie gleich in Ohnmacht fallen„. Paul Lawson, der die Büste erstellt hatte, war bei dieser „Gegenüberstellung“ ebenfalls anwesend. Er sagte später, dass Thompson die Büste nur einmal ansah und danach jeden Blick zu ihr vermied.

 

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Die deutsche Redaktion vom „Readers Digest“, „Das Beste“ hat auf 600 Seiten zahlreiche Autoren zu Wort kommen lassen. „Berühmte Kriminalfälle und andere mysteriöse Begebenheiten“ ist 1966 im „Das Beste“-Verlag erschienen und natürlich nur noch antiquarisch zu erhalten. Dafür ist es ein echtes Schnäppchen.

 

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Ein Liebhaber oder nur eine Schwärmerei?

Nun kommt das Rubaiyat wieder ins Spiel. Thompson erzählte, sie habe während ihrer Arbeit im Royal North Shore Hospital in Sydney im 2. Weltkrieg ein Exemplar dieses Rubaiyat besessen. Sie habe dieses Exemplar 1945 im Clifton Gardens Hotel einem Lieutenant der Royal Australian Engineers geschenkt. Er hieß Alf Boxall.
Nach Kriegsende (für Australien 31. September 1945) zog sie Melbourne. Dort habe sie einen Brief von Boxall erhalten und ihm geantwortet, dass sie geheiratet habe. Offenbar nahm sie es dabei mit der Wahrheit nicht so genau, denn ihr zukünftiger Ehemann, Prosper Thompson ließ sich 1949 erst von seiner ersten Frau scheiden, um Jessica Mitte 1950 zu heiraten.

 

Die Polizei vermutete natürlich, dass Alf Boxall der Tote sein könne. Doch Polizisten aus Sydney trafen ihn bereits kurz nach den Gesprächen mit Jessica Thompson bei seiner Arbeit im Randwick Bus Depot an. Er besaß die Ausgabe des Rubaiyat noch. Es handelte sich (angeblich?) um eine 1924 in Sydney erschienene Ausgabe. Das Exemplar war intakt, die Worte „Tamám Shud“ am Ende waren noch vorhanden. Auf dem Titel der Kopie hatte Jessica mit „JEstryn“ unterschrieben und einen Vers aus dem Buch ausgeschrieben.

 

Damit verliefen alle Spuren zum Somerton-Man ins Leere. Die Polizei von South Australia widmete sich 1958 noch einmal dem Fall, ohne dass neue Erkenntnisse auftauchten.


Vermutlicher Zeitablauf des Somerton-Man-Falls

Vorgeschichte

  • 1905: Der Somerton-Man wird geboren. Die Obduktionsergebnisse stimmen mit den statistischen Daten überein.
  • 1921: Jessie Hardness, die spätere Jessica „Jo“ Thompson kommt im zentralen Queensland, Australien auf die Welt.
  • August 1945 Jessie Hardness gibt Alf Boxall ein Exemplar des Rubaiyat, das sie mit JEstyn unterschreibt.
  • etwa Oktober 1946: Jessie wird schwanger mit Robin, wenn man von einer normalen Schwangerschaftsdauer ausgeht.
  • Ende 1946: Jessie zieht (schwanger) in den Melbourner Vorort Mentone, wo ihre Eltern leben. Hier trifft sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ihren späteren Ehemann Prosper Thompson.
  • Anfang 1947: Jessie zieht nach Glenelg / Adelaide und ändert ihren Namen in Thompson, um der Ehe mit Prosper voraus zu greifen.
  • Juli 1947: Robin kommt auf die Welt. Ihr muss klar gewesen sein, dass er nicht Prosper’s Sohn sein kann. Ob Prosper das weiß, ist unbekannt. Möglicherweise ist hier ein Motiv zu suchen.
  • Juli 1948: Prosper Thompson wird in einem Streit um den Verkauf eines Autos verklagt und muss in Adelaide vor Gericht. Dieser Fall geht auf November 1947 zurück, spätestens seit dem muss Prosper Thompson also in Adelaide gelebt haben.

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Maxima Culpa: Jedes Verbrechen beginnt im Kopf

»Von unvorstellbarem Ausmaß«, so werden Gewaltakte mit tödlichem Ausgang in der Öffentlichkeit häufig genannt. Nur wenige Menschen kennen persönlich so viele Schwerverbrecher wie der langjährige Gefängnisarzt und True-Crime-Spezialist Joe Bausch. In seinem neuen Buch geht er der Frage nach, wie Gewalttaten entstehen. Er erzählt den Fall von der »Eislady«, aus Portugal, die sich von ihren dominanten Männern nur durch Mord zu befreien wusste. Oder vom dreifachen Familienvater, der auf Jersey elf Jahre lang ein Doppelleben als Sexualstraftäter führen konnte. Immer zeigt Bausch faszinierende Täterprofile und subtile Kausalitäten auf, die auch etwas vom zerstörerischen Drive unserer Gesellschaft offenbaren.

 

Mit „Maxima Culpa“ hat der ehemalige Gefängnisarzt und Experte für das Böse, Joe Bausch neue „true crime“-Geschichten veröffentlicht. Wir empfehlen das Hörbuch, das vom Autor mit seiner markanten Stimme selbst gelesen wird. Es ist auch noch als Taschenbuch und fürs Kindle erhältlich.

 

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Der Zeitraum um den Todestag des Somerton-Man

  • Montag, 29. November 1948: Der Somerton-Mann besteigt einen Fernzug nach Adelaide. Ob er von Sydney, Melbourne oder Port Augusta kommt, ist unbekannt. Andere Nachtzüge kommen am Folgetag nicht in Adelaide an.
  • 30. November: zwischen 8:30 Uhr und 10:50 Uhr kommt der Somerton-Man im Bahnhof von Adelaide an.
  • Er kauft ein Ticket für den 10:50 Uhr-Zug nach Henley Beach, nutzt dies aber nicht. An dem Tag werden zwischen 6:15 und 14:00 Uhr nur drei Tickets von Adelaide nach Henley verkauft.
  • Was der Somerton-Man nach seiner Ankunft in Adelaide tut, ist völlig unklar. Möglicherweise nutzt er die Toilettenanlagen, um sich zu waschen und zu rasieren. Bei ihm wird keine Eintrittskarte für eine Badeanstalt außerhalb des Bahnhofes gefunden.
  • Zwischen 11 und 11:15 Uhr übergibt er den braunen Koffer an die Gepäckaufbewahrung im Bahnhof.
  • Nach 11:15 Uhr kauft der Somerton-Man eine Fahrkarte für den Bus der Linie 7 d. Dieser Bus fährt um 11:15 Uhr an der Nordseite des Bahnhofes ab. Er hat damit ein Zeitfenster von 15 Minuten, in denen er den Koffer abgeben, die Fahrkarte kaufen und etwa 60 m zur Bushaltestelle zurücklegen musste. Da der Bahnhof an einem Wochentag (Dienstag) am späten Vormittag vermutlich eher schwach besucht war, erscheint das möglich.

Ab 11:15 Uhr wird die Sache unscharf

  • Es könnte aber auch sein, dass der Somerton-Man den Bahnhof an der Südseite verlassen hat und später auf den Bus stieg. Der Verf. konnte nicht herausfinden, welchen Weg die Linie 7b genau fuhr. Glenelg liegt jedoch südlich des Bahnhofes, zahlreiche Linien starten an der Nordseite des Bahnhofes, umrunden ihn im Osten, passieren seine Südseite, um dann in Richtung Westen zu den Vororten an der Küste zu fahren. Hier bestand ebenfalls die Möglichkeit, den Bus zu nehmen.
    Es ist unklar, wo der Somerton-Man den Bus betrat. Vermutlich – auch das ist nicht sicher – verlies er ihn in Glenelg in der Nähe des St. Leonhard’s Hotel. Dann war es 11:44 Uhr. Von dort aus ging er nach Somerton. Ohne eine historische Karte von Adelaide ist dies nicht vollständig nachvollziehbar, daher bleiben Orte und Wege in diesem Beitrag nur unscharfe Vorschläge.
  • (Keine Beobachtung zwischen 11:44 Uhr und 19 Uhr)
  • etwa 19:00 bis 20:00 Uhr: Der Somerton-Man wird von mehreren Zeugen in Somerton gesehen. Vermutlich fällt er wegen seiner unpassenden, zu warmen und zu formalen Kleidung auf.
  • etwa 20:00 bis 22:00 Uhr: Keine Beobachtungen
  • etwa 22:00 bis 23:00 Uhr: Der Somerton-Man isst eine Pastete
  • 1.12., ungefähr 2 Uhr nachts: Der Somerton-Man stirbt. Die Todeszeit ist nur als sehr grobe Schätzung zu betrachten, sie kann mehrere Stunden vor oder nach 2 Uhr liegen.
  • 6:30 Uhr: J. Lyons und zwei Reiter finden den Toten und melden es der Polizei.

Zeitraum der ersten Untersuchungen

  • 14. Januar 1949: Der braune Koffer wird gefunden und dem Somerton-Man zugeordnet.
  • 6. bis 14. Juni: erneute Untersuchung der Habseligkeiten des Somerton-Man. Dabei wird der „Tamám Shud“-Zettel gefunden. Dies regt eine weitere Autopsie an.
  • 17. und 21. Juni: Erneute Untersuchung des Leichnams
  • 22. Juli: Das passende Exemplar des Rubaiyat wird gefunden. Ein Zeuge hat es am 30. November in seinem Auto gefunden. In dem Buch findet sich eine Geheim-Telefonnummer und ein mysteriöser Code.
  • 26. Juli: Die Polizei kann die Telefonnummer Jessica Thompson / Harkness zuordnen. Sie kann die Gipsbüste nicht identifizieren, zeigt aber eine sehr starke Reaktion auf die Büste.

 

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Schwimmen Tote immer oben? Die größten Irrtümer über die Rechtsmedizin

Die häufigsten Irrtümer über die Rechtsmedizin – das neue Sachbuch von Michael Tsokos, Deutschlands bekanntestem Rechtsmediziner.
Leider sind es oft Klischees, die unsere Vorstellung von der Rechtsmedizin beherrschen. Keiner weiß das besser als Michael Tsokos, der vielfache Bestseller-Autor. Er erläutert die teils groben Fehler und informiert unterhaltsam und spannend über die Mittel und Methoden der Rechtsmedizin, seine Arbeit am Seziertisch im Obduktionssaal und die neuesten Entwicklungen in der Forensik.
Die Szene aus dem Fernseh-Krimi kennt jeder: Ein Toter im Pool, auf der Wasseroberfläche auf dem Rücken treibend, mit dem Gesicht nach oben. Michael Tsokos entlarvt diese Darstellung als dramaturgischen Kniff, und erklärt, warum Ertrunkene auf den Grund sinken oder unter der Wasseroberfläche treiben, und zwar in Bauchlage, mit dem Gesicht nach unten.
Auch die anderen Irrtümer über die Rechtsmedizin, die Michael Tsokos aufklärt, sind bekannt aus Krimis aller Art. Unter anderem geht es um die Frage, wie lang es dauert, bis ein Leichnam vollständig mumifiziert ist; ob verwesende Leichen explodieren können und auf welche Weise ein Rechtsmediziner Stich- und Schnittverletzungen voneinander unterscheidet. In diesem, seinem zweiten Buch zu den Irrtümern über die Rechtsmedizin stellt Michael Tsokos auch die gängigsten Irrtümer über die Arbeit in der Rechtsmedizin richtig.

 

Schwimmen Tote immer oben“ ist 2019 bei Droemer HC erschienen und hat als Paperback 176 Seiten. Es ist auch für den Kindle oder als Hörbuchdownload verfügbar.

 

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Nachgeschichte

  • 14. Juni 1949: Der Somerton-Man wird in einem Armengrab beerdigt. Bei der Zeremonie war ein Vertreter der Heilsarmee, sowie Polizisten und Journalisten zugegen.
  • Anfang 1950: Prosper Thompson kann von seiner 1. Ehefrau geschieden werden.
  • Mai 1950: Jessica und Prosper Thompson heiraten.
  • irgendwann in den 1950ern: Das originale Rubaiyat geht verloren.
  • 1958: eine weitere Untersuchung des Falls verläuft ohne neuere Erkenntnisse.
  • 1986: Der braune Koffer und sein Inhalt werden zerstört, weil „sie nicht länger gebraucht werden“.
  • 1995: Prosper Thompson stirbt.
  • 2007: Jessica Thompson stirbt. Sie nimmt ihr Geheimnis mit ins Grab.
  • 2009: Robin Thompson stirbt.

2009 bis 2022: Die Identifikation des Somerton-Man

Professor Derek Abbot von der Adelaide University gilt als Koryphäe im Bereich der technischen Ermittlung. Sein Interesse am Somerton-Man reicht zurück bis mindestens 2009. Einen ersten kleinen Erfolg erzielte er, als er die gewachste Baumwolle der Marke Barbour, die sich im Koffer befand, analysierte.

 

Ein weiteres Mysterium fand er jedoch bei der Frage nach den Zigarettenmarken. Wie oben bereits erwähnt, besaß der Somerton-Man teure Kensitas in der Verpackung billiger Army Club-Zigaretten. Da er offenbar sehr darauf achtete, nach Außen hin wohlhabend zu wirken, erscheint dies kontraproduktiv. Abbot mutmaßt, dass ihm jemand die Kensitas untergeschoben hat, mit einer kleinen Menge eines Giftes, das auch verdampft wirkt. Das würde jedenfalls erklären, wieso keiner der Obduzenten einen Weg fand, wie das Gift in den Körper gelangte.

Anatomische Besonderheiten des Somerton-Man

Im selben Jahr untersuchte Maciej Henneberg, Professor für Anatomie an der University of Adelaide, Bilder der Ohren des Somerton-Mannes. Dabei stellte er fest, dass seine Cymba (obere Ohrhöhle) größer ist als sein Cavum (untere Ohrhöhle), ein Merkmal, das nur 1–2% der kaukasischen Bevölkerung besitzen.

 

Im Mai 2009 beriet sich Abbott mit Zahnärzten, die zu dem Schluss kamen, dass der Somerton Man unter Hypodontie litt, bei ihm fehlten die beiden oberen seitlichen Schneidezähne. Dies ist eine seltene genetische Störung, die nur bei 2 % der Allgemeinbevölkerung auftritt. Normalerweise ist diese Ausprägung für Nicht-Fachleute nicht erkennbar.

 

2010 heirateten Prof. Abbot und Rachel Egan, Tochter von Robin Thompson und Enkelin von Jessica Thompson. Die beiden hatten sich bei Abbots Forschungsarbeiten kennengelernt. Sie mischen ihre DNA ordentlich und bekommen drei Kinder.

 

Im Juni 2010 erhielt Abbott ein Foto von Jessica Thomsons ältestem Sohn Robin (Juli 1947 bis März 2009), das deutlich zeigte, dass er – wie der Somerton Man – nicht nur eine größere Cymba als Cavum, sondern auch unter Hypodontie litt. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies ein Zufall war, wurde auf 1 zu 10.000.000 bis 1 zu 20.000.000 geschätzt.

Übrigens: Robin Thompson war professioneller Balletttänzer!

 

Abbot stellte daraufhin einen Antrag, die sterblichen Überreste des Somerton Man zu exhumieren. 2011 lehnte der Generalstaatsanwalt von South Australia, John Rau, lehnte dies jedoch ab. Es müsse ein wichtigerer Grund als allgemeine Neugier vorliegen, etwa ein großes persönliches Interesse oder eine außerordentliche Chance für die Wissenschaft bestehen.

 

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Im Auftrag der Toten: Cold Cases – Ein Profiler ermittelt

Ein Mann wird wegen Mordes an seiner reichen Tante zu lebenslanger Haft verurteilt – doch die Ermittlungsunterlagen offenbaren haarsträubende Widersprüche. Der Tod einer lebensfrohen Frau wird als Selbstmord deklariert, obwohl belastende Indizien auf den gewalttätigen Ex-Freund hinweisen. Den Mord an zwei jungen Mädchen legt die Schweizer Polizei vorschnell zu den Akten, weil die nötigen Beweise fehlen …Axel Petermann zeigt anhand seiner neuesten Fälle, warum gängige Ermittlungsmethoden häufig versagen. Als Außenstehender kann er unabhängig ermitteln und trägt mit der »operativen Fallanalyse«, dem Profiling, maßgeblich dazu bei, die komplexen Verbrechen aufzuklären. Fesselnd und detailreich schildert er hier jeden einzelnen seiner Arbeitsschritte – wir sind bei der Wahrheitsfindung hautnah dabei.

 

Im Auftrag der Toten“ ist 2021 bei Heyne erschienen und hat als Paperback 384 Seiten. Es ist auch für den Kindle oder als Hörbuchdownload erhältlich.

 

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„Mr. DNA“ kommt ins Spiel

Offenbar hat Abbot jedoch mehr oder weniger geheime, gute Freunde bei der Polizei in Adelaide. Diese untersuchen die Gips-Hohlform, die zur Herstellung der Büste abgenommen wurde, erneut. Sie finden Haare des Somerton-Man, die im Gips hängen geblieben sind. Abbot erhält 50 dieser Haare, um DNA zu extrahieren. Dies kostet wegen des Alters und weil das Keratin der Haare nur sehr wenig DNA enthält, viel Zeit.

 

Im Dezember 2017 gab Abbott bekannt, er habe drei „ausgezeichnete“ Haare „im richtigen Entwicklungsstadium für die Extraktion von DNA“ auf dem Gipsabdruck des Somerton-Man gefunden. Abbot habe sie bereits dem Australian Centre for Ancient DNA an der University of Adelaide zur Analyse vorgelegt. Die Verarbeitung der Ergebnisse könne noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Im Februar 2018 erhielt das Team der University of Adelaide eine hochauflösende Analyse der mtDNA aus der Haarprobe von Somerton Man. Sie fanden heraus, dass er und seine Mutter zur Haplogruppe H4a1a1a gehörten, die nur 1 % der Europäer besitzt.

 

Im Oktober 2019 wird die Exhumierung des Somerton-Man doch genehmigt. Die seit März 2018 amtierende Generalstaatsanwältin Vickie Chapman (aktuell Deputy Prime Minister of South Australia) hat sie zur DNA-Probensammlung erlaubt, falls dem Staat hierdurch keine Kosten entstehen. Eine potenzielle Enkelin des Somerton-Man stellte ihre DNA als Vergleich zur Verfügung. Wer das wohl war (rhetorische Frage)?

 

Der Somerton-Man wird exhumiert

Die eigentliche Exhumierung fand am 19. Mai 2021 statt. Dr. Anne Coxon vom Forensic Science South Australia sagte der Presse: „Die Techniken, die uns heute zur Verfügung stehen, sind Lichtjahre von denen entfernt, die in den 1940ern existierten, als der Tote gefunden wurde.“ Bei den Tests würde jede Methode aus dem Repertoire verwendet, die sie näher an die Lösung des Geheimnisses bringe.
Tatsächlich musste aber zunächst eine sehr klassische Methode intensiver verwendet werden, als gedacht: Der Sarg des Somerton-Man war tiefer begraben, als erwartet.

 

Gemeinsam mit der US-amerikanischen Ahnenforscherin Colleen Fitzpatrick hatte Abbot einen Stammbaum von über 4000 Personen erstellt. Dabei haben sie zudem einen Cousin 1. Grades gefunden, der gerne eine DNA-Probe zur Verfügung stellte.

 

Im März 2022 hatten sie den Stammbaum anhand zahlreicher unterschiedlicher Daten auf eine Einzelperson reduzieren können. Carl „Charles“ Webb aus Melbourne war Elektroingenieur und Instrumentenbauer. Für ihn liegt kein Todesdatum vor. Bis zum 23. Juli 2022 arbeiteten die Labore daran, Webb als Sommerton-Man positiv zu identifizieren.

 

Bisher ist Abbots Ergebnis nicht von den öffentlichen Stellen bestätigt worden.

 

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Die Reise unserer Gene

Migration und Wanderungsbewegungen sind keine Phänomene der Neuzeit: Seit der Mensch den aufrechten Gang beherrschte, trieb es ihn aus seiner Heimat Afrika in die ganze Welt, auch nach Europa. Bis vor Kurzem lag diese Urgeschichte noch im Dunkeln, doch mit den neuen Methoden der Genetik hat sich das grundlegend geändert. Johannes Krause, einer der führenden Experten auf dem Gebiet, erzählt gemeinsam mit Thomas Trappe, was uns die Gene über unsere Herkunft verraten: Gibt es „Urvölker“? Wann verloren die frühen Europäer ihre dunkle Haut? Welche Rolle spielte die Balkanroute in den vergangenen 40 000 Jahren? Eine große Erzählung, die zeigt: Ohne die Einwanderer, die über Jahrtausende aus allen Richtungen nach Europa kamen und immer wieder Innovationen mitbrachten, wäre unser Kontinent gar nicht denkbar.

 

Die Reise unserer Gene ist als Paperback mit 288 Seiten, als gebundenes Buch, für den Kindle und als Hörbuch erhältlich.

 

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Wer war Carl „Charles“ Webb?

Bisher sind über Webb’s Leben nur Bruchstücke bekannt. Seit der Veröffentlichung seines Namens arbeiten zahlreiche Hobbyisten und Enthusiasten daran, mittels alter Daten sein Leben zu rekonstruieren. Dies ist der Stand vom 29.07.2022:

 

  • Carl Webb wurde am 16. November 1905 in Footscray, Melbourne geboren. Seine Eltern waren Richard August Webb (1866 – 1939) und Eliza Amalia Morris Grace (1871 – 1946). 
  • Er war der jüngste von sieben Geschwistern.
  • Carl war Elektroingenieur und Instrumentenmacher. (Hier liegt möglicherweise ein Interpretationsfehler des Verfassers vor, der hier Musikinstrumente vermutet)
  • Seine Schwester Fredda war mit einem Thomas Keane verheiratet. Dies erklärt die Aufschrift „T. Keane“ oder nur „Keane“ auf Gegenständen, die Webb zugeordnet wurden.
  • In den 1940ern hat er in der Bromby Street in Melbourne gewohnt und war einer der Kontaktleute für den Gebrauchtwagenhändler Kellows, damals bereits der größte Autohändler in South Australia.
  • Er interessierte sich für Pferderennen. Ob er gewettet hat, ist unklar.
  • Verheiratet war Carl mit Dorothy „Doff“ Webb, geborene Dorothy Jean Robertson. Die beiden hatten keine Kinder.
  • Carl verschwand im April 1947, etwa drei Monate bevor Robin Thompson auf die Welt kam.
  • Dorothy lies sich 1951 „in absentia“ scheiden und zog nach Bute, South Australia, etwa 130 km nördlich vom Fundort des Somerton Mans.
Darstellug von Carl Webb durch den Forensishen VR Spezialisten Daniel Voshart
Lebenddarstellug von Carl Webb durch den Forensischen VR Spezialisten Daniel Voshart (die Gesichtsfarbe wirkt nicht sehr gesund)

Offene Fragen:

Zum Leben von Carl „Charles“ Webb:

  • War Robin Thompson, der älteste Sohn von Jessica nun wirklich Carl Webbs Sohn? Dies wird bisher nicht eindeutig veröffentlicht, müsste aber nachweisbar sein.
  • Was hat Carl Webb in seiner Jugend gemacht? Hat er getanzt, wie von den Pathologen vermutet?
  • Was hat Carl Webb vor, im und nach dem Krieg gemacht? Als Elektroingenieur müsste er in der Frühphase des Krieges sehr gefragt gewesen sein, nach dem Krieg war er einer von vielen Elektrotechnikern, für die es nicht genug Jobs gab.
  • Wie kam Carl Webb an die aufwändige, importierte Kleidung?
  • Wozu dienten die selbst angefertigten Werkzeuge in seinem Koffer?
  • War er bei seinem Auftauchen in Adelaide tatsächlich mittellos, wie manchmal behauptet?

Zu seinem Todestag:

  • Die Zeit zwischen dem Eintreffen in Adelaide und den letzten Beobachtungen am Fundort der Leiche ist sehr lang. Was hat er an diesem Tag getan?
  • War Carl Webb der Fremde, der Jessica Thompson Ende 1948 besucht hat und auch die Nachbarn nach ihr fragte? War dies „zufällig“ am 30. November?
  • Wo war Carl Webb zwischen 12 und 19 Uhr sowie ab 20 Uhr?
  • Wo ist Carl Webbs Hut?
  • Natürlich: Wer hat ihm welches Gift verabreicht und wo starb Carl Webb?
  • Wer brachte ihn zum Strand nach Somerton? Warum ausgerechnet dort hin? (Möglicherweise haben die Täter / Transporteure vermutet, dass sie vor einem Kinderheim weniger wahrscheinlich beobachtet werden)
  • Wo ist seine Brieftasche?

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DNA-Genealogie – Ein praktischer Ratgeber; Band 1 

In diesem Buch geht es um alles, was Sie vor einem DNA-Test für die Suche nach Ihren Vorfahren wissen sollten. Es gibt einen Überblick darüber, was DNA-Genealogie ist, was man mit den Tests herausfinden kann und welche Arten von Tests und Anbietern es gibt, mit Stärken und Schwächen.

 

Es handelt sich hierbei um einen Ratgeber für alle, die mittels eines DNA-Tests ihre Abstammung erforschen möchten, auf der Suche nach Vorfahren und Verwandten sind und vor dem gewaltigen Angebot kapitulieren.

 

Der 1. Band der „DNA-Genealogie“ ist 2019 independent erschienen und hat smarte 156 Seiten.

 

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Zu seiner Familie

  • Carl Webb hatte sechs Geschwister. Hat ihn niemand vermisst, oder auf den Fotos in den Zeitungen wieder erkannt? Wenn sechs Geschwister gemeinsam beschließen, den Jüngsten der Familie komplett zu ignorieren, muss mehr vorgefallen sein, als „nur“ eine Affäre, die zur Scheidung führte, auch 1948 in Australien.
  • Wieso hat ihn seine Frau 1947 nicht als vermisst gemeldet?
  • Auffällig: Der Heilsarmee-Captain, der die Beerdigungszeremonie leitete, hieß Em Webb. War das Zufall?

Zum Leben von Jessica Thompson:

  • Ihr Vorleben in Sydney vor und während des Krieges scheint … aufregend gewesen zu sein. Gab es mehrere Flirts oder Beziehungen?
  • Sie verschenkte das Rubaiyat an mindestens zwei Verehrer, möglicherweise Liebhaber. Warum dieses Buch? Die Tatsache, dass Bibliotheksmitarbeiter das Buch innerhalb weniger Stunden anhand von 2 Wörtern identifizieren konnten, lässt eine gewisse Popularität erkennen. War es eine typische Liebesgabe, wie es heute beispielsweise „Der kleine Prinz“ ist?
  • Wieso hatte Jessica Thompson eine Geheimnummer?
  • Wieso hat sie Carl Webb bei der Betrachtung der Gipsbüste nicht identifiziert? Ihr Verhalten während der „Gegenüberstellung“ und danach bis zu ihrem Tod zeigen eindeutig, dass sie ihn erkannt hat.
  • Sie hatte 1947 den mutmaßlich gemeinsamen Sohn mit Webb geboren, offenbar war aber bereits die Ehe mit Prosper Thompson in fester Planung, denn zu dem Zeitpunkt nannte sie sich bereits Thompson. Wieso war Webb jetzt so eine Bedrohung, dass sie seine Existenz komplett verneinte?

Ungewöhnliche Koinzidenz:

Der Fundort des toten Carl Webb wurde 18 Jahre später erneut Ort eines berühmten Verbrechens. Die drei Geschwister Jane Nartare Beaumont (geboren am 10 September 1956), Arnna Kathleen Beaumont (geboren am 11. November 1958) and Grant Ellis Beaumont (geboren am 12. Juli 1961), auch bekannt als die Beaumont-Kinder verschwanden hier am 26. Januar 1966.

Sie sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. Auch dieser Fall gehört – wie der Fall des Somerton Man – zu den „großen ungeklärten Kriminalfällen Australiens“.


Literatur:

A.: „Find & Connect“-Webseite über ehemalige australische Waisenhäuser. Hier „Seaforth Home (1946 – 1975)“

A.: Tomybytwo.com vom 27.7.22 zu Carl „Charles“ Webb
abc-news vom 26.7.2022

Debelle, P.: A Body, a secret pocket and a mysterious code. Can the riddle be solved?; The Advertiser 1. August 2009

Klein, Alice. „Who was the Somerton Man? Solving Australia’s coldest case“.

Mail One vom 6. September 2021: How a dead man’s muscly calves and an adopted little girl who loved ballet could hold the key to solving one of Australia’s most baffling mysteries

Stateline South Australia, „Somerton Beach Mystery Man“, Transcript, Broadcast 15 May 2009.

Whiteman, H.: Somerton man mystery „solved“ as DNA points to man’s identity, professor claimes;

CNN australia – mit einigen moderneren Fotos, die ich nicht zeigen konnte.

Wikimedia: deutschsprachige Wikipedia zu Adelaide, Somerton-Mann, Barbiturate,

Wikimedia: englischsprachige Wikipedia zu Vickie Chapman, Tamam Shud case, Derek Abbot, Somerton Park

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