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  • Der “Affenmensch” aus den Pyrenäen

    von: Peter Ehret

     

    Am 16. Mai 1979, so berichteten die spanische Zeitung ABC und El Vanguardia im gleichen Wortlaut, war ein “komisches Wesen, das ein Affenmensch sein könnte, von einer Gruppe Holzfällern in einer Gegend um Huesca in den Pyrenäen gesehen worden”. Weiter heißt es:

    “Die Arbeiter sahen dieses seltsame Wesen von 1,70 Höhe, nackt, auf einem Baum, komische Schreie ausstoßend, mehr einem Tier denn einem Menschen ähnlich. Später stieg es mit Gewandtheit den Baum herunter, Füße und Hände einsetzend, warf einen Baumstumpf zu den Arbeitern, nur um nur kurz darauf im Dickicht des Waldes zu verschwinden.” (ABC/La Vanguardia vom 16. Mai 1979; Übersetzung von Peter Ehret).

    Ort der Sichtung war die Ostseite eines Bergs namens Peña Montañesa (so etwas wie “Bergfelsen”) bei Laspuna, Huesca. Die Holzfäller waren auf dieses Wesen aufgrund seiner seltsamen Schreie aufmerksam geworden. Beide Zeitungen berichten ferner davon, dass sich die Stelle in einem sehr dichtem Waldgebiet befindet und nur in der Zeit der Wildschweinjagd von Personen durchzogen wird. Einige Tage zuvor waren die Holzschleppmaschinen der Arbeiter beschädigt worden. Auf einer von ihnen lag ein ca. 20 Kilogramm schwerer Stein. Auch wenn man nicht sicher sein konnte, ob ein Zusammenhang mit der Sichtung bestand, so wurde nicht ausgeschlossen, dass diese Sabotage mit dem Vorfall irgendwie zu tun hatte (ABC/La Vanguardia vom 16. Mai 1979; Übersetzung von Peter Ehret).

    Baskenland an der Biskaya
    Das Baskenland liegt am Golf von Biskaya, in vielerlei Hinsicht eine besondere Landschaft

    Pyrenäenwälder: Raum für den spanischen Yeti?
    Verbirgt sich der „Herr des Waldes“ in diesen Schluchten?

    Mehr Begegnungen

    2011 erzählte einer Holzfäller, Manuel Cazcarra, die Ereignis vom Frühling 1979 noch einmal in der spanischen “Mysterysendung “El Cuarto Milenio (El Cuarto Milenio, 1: 24:08 – 1:24:56) Doch es blieb nicht bei dieser einen Begegnung in diesem Jahr. Nur wenig später kam es zu noch mehr Begegnungen. Die denkwürdigste Sichtung war sicherlich jene einer Schulklasse:

    Als der Bürgermeister von Laspuna, Antonio Belzuz, noch Lehrer war, machte er mit seinen Schülern einen Ausflug in die nahen Wälder zu einer Quelle, die etwas entfernt vom ersten Sichtungsort lag. Auch sie hörten seltsame Schreie. Als die Schulklasse auf einem Forstweg stand, erschien dort eine in 100 Meter Distanz eine Person mit nacktem Oberkörper und bemalten Gesicht. Später sahen sie das „Wesen“ noch einmal, im Wald oberhalb des Weges. Von diesem Erscheinen waren die Kinder verständlicherweise sehr erschrocken. (El Cuarto Milenio 1:25:35 – 1:26:38) Nach diesem Vorfall benachrichtigte der Lehrer den Bürgermeister – und die Guardía Civil stieg noch einmal zu dem Ort hinauf – doch fand keine Spur des Wesens. (El Cuarto Milenio 1:37:40 – 1:38:20).

    Landesweite Aufregung in der Presse

    In der Presse war der Aufschrei groß. Auch das Boulevardblatt El Caso bekam von dem Fall Wind. Die Reporter konnten einen Zeugen interviewen, der ein Foto von dem Wesen gemacht haben will. Auf dem sehr verschwommenen Bild ist eine völlig nackte Person mit langen Haaren zu sehen (El Cuarto Milenio 1:27:04).

    Eine Person – und kein Affenmensch.

    Wie auch seinerzeit das Boulevardblatt El Caso, so ist auch die Mysterysendung El Cuarto Milenio dafür bekannt, dass sie eine Geschichte unnötig aufbläht und die Beiträge mit einer mystischen Aura zu überziehen sucht. Dennoch kommen in dieser Sendung die Zeugen Cazcarra und Belzuz persönlich zu Wort. Cazcarra sagt zum Beispiel ausdrücklich, dass es sich bei dem Wesen um eine Person gehandelt hat. Er habe ganz deutlich die sauberen Arme sehen können (El Cuarto Milenio 1:28:15 – 1:28:22).

    Typisches Dorf im Baskenland

    Der Affenmensch aus den Pyrenäen?
    Statute des Basajaun von Rober Garay

    So auch Antonio Belzuz: “Der Torso war nackt. Er hatte einen braunen Torso. Man konnte sehen, dass er viel Zeit draußen verbrachte” (1:28:30 – 1:28:44) Belzuz fügte außerdem noch hinzu, dass die Person schamanenhafte Gesten machte und zu drohen versuchte, „so wie ähnlich wie ein Apache“ (El Cuarto Milenio 1:33:05 – 1:33:25). Dennoch – es war eine ganz normale Person (El Cuarto Milenio 1:39:40 – 1:39:55).

    Für Antonio Bulzoz war „das Wesen“ ein verkleideter Mann (El Cuarto Milenio 1:34:50 – 1:34:57).

    Also kein Affenmensch!

    Affenmensch oder Bärenmensch?

    Unweit vom Dorf gibt es eine Höhle mit vielen Funden von Höhlenbären. In der Nähe der Höhle gibt es ein Museum, in dem der Besucher mehr über diese Tiere erfahren kann – und neben diesem Museum ein anderes über den vorzeitlichen Menschen. Daher kommt der in der Gegend geläufige Begriff „hombre oso“ “Bärenmensch”. Interessanterweise verwendet Manuel Cacarro diesen Begriff „hombre oso“ in seinem Interview auch zuerst, als er von seiner Begegnung mit dem “Hombre mono” (“Affenmensch”) berichtet (El Cuarto Milenio 1:35:30 – 1:36:40).

    Schafherde
    Der Basajaun ist auch der traditionelle Beschützer der Hirten und Herden

    Montiertes Skelett eines Höhlenbären
    Höhlenbär-Skelett im Naturkundemuseum Braunschweig

    Wilde Männer in der lokalen Erzähltradition

    Der Zeuge Antonio Belzuz und der beteiligte Journalist des El Cuarto Milenio halten es für möglich, dass es sich bei der Erscheinung um einen bösen Streich (vielleicht auch mit politischer Intention, z.B. Umweltaktivismus gegen Holzschlag) gehandelt haben könnte. Da in der Region eine Erzähltradition von “Wilden Menschen” existiert, habe der „Affenmensch“ gewusst, wie er sich die unbewussten Ängste der Bevölkerung zunutze zu machen konnte. Außerdem gibt es – gerade aufgrund der vielen Höhlen – in vielen Dörfern die Tradition, sich beim Karneval mit Fellen zu verkleiden. Zu diesem Zeitpunkt warnt man die Kinder sogar von dem “Bärenmenschen, der von den Bergen in die Täler steigt.” (El Cuarto Milenio 1:40:16 – 1:40:18) (Magin: 1995: 4). Die Menschen der Region hatten also die passende Kleidung und die Sage im Kopf – jetzt musste sie nur noch aktiviert werden.

    Der Journalist des Senders ist sogar davon überzeugt, dass die Leute in der Region wüssten, wer der mysteriöse Affenmensch war. Schließlich wurde ihm in den Bars mehrmals angeboten, “ihn zum Affenmenschen zu führen” (1:42: 50 – 1:43).

    Unterschiedliches Verhalten bei unterschiedlichen Personen

    Interessant ist auch, dass die Sichtungeswelle genau ab dem Moment abflaute, als sich die respekteinflößende Guardia Civil in den Fall einmischte (El Cuarto Milenio 1:41:00 -1:41:22). Es gab nur zwei oder drei (allerdings sehr flüchtige) Begegnungen mehr (El Cuarto Milenio 1:43:46 -1:43:56). Dabei verhielt sich das Wesen offenbar von Zeuge zu Zeuge anders: Zu den bewaffneten Holzfällern war er viel distanzierter und zeigte sich viel flüchtiger (und warf eventuell sogar zur Abschreckung einen Baumstamm). Bei der wehrlosen Schulklasse ließ es sich in aller Deutlichkeit sehen (El Cuarto Milenio 1:45:25 -1:45:47).

    Bewertung

    Man kann von El Cuarto Milenio halten, was man will – hier sprechen die Zeugen aus erster Hand von ihrem Erlebnis. Einer von ihnen konnte das Wesen sogar sehr deutlich sehen und hat eine distanzierte Art, die Ereignisse zu erzählen. Es wird dabei klar, dass es sich

    1. definitiv um eine Person gehandelt hat und
    2. eine Erzähltradition von Wilden Männern in der Region existiert und
    3. es sogar eine örtliche Tradition gibt, sich an Karneval mit Fellen zu verkleiden!

    So ist wohl davon auszugehen, dass es sich bei dem mysteriösen Affenmenschen von Peña Montañesa um einen Streich gehandelt hat.

    Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende.

    Wann waren die Sichtungen? – 1979 oder 1993?

    Im spanischen Kryptoversum ist der Fall bestens bekannt – und wird in die Liste der Sichtungen von wilden Männern in Spanien eingereiht. Ein Beispiel ist die Wiedergabe des Falls im INFO Journal durch De la Rubio-Muñoz. Allerdings wird hier als Datum der 4. Mai 1993 genannt (De la Rubia-Muñoz, 1995: 23) und als Quelle ein Artikel des ABC vom 8. Mai 1993 angegeben.

    Wie Ulrich Magin schon 1995 in einer Reaktion auf den Artikel bemerkte, müsste die Zeitung ABC eine alte Geschichte wieder herausgekramt haben, denn schon 1979 berichtete die Zeitung über den Fall (Magin: 1995: 4). Tatsächlich fanden wir bei einer neueren Recherche im Zeitungsarchiv der ABC jedoch nur diesen einen Artikel aus dem Jahre 1979, jedoch nichts für den 8. Mai 1993, weder unter dem Namen des einen Zeugen “Manuel Cazcarra” oder “Peña Montañesa” – nicht einmal, als die Suche für den ganzen Mai 1993 unter den Begriffen „mono“ (Affe), “raro” (komisch), „extraño“ (seltsam) “animal”, “Huesca” ausgedehnt wurde. Der Artikel aus dem Jahre 1979 findet sich mit derselben Methode hingegen problemlos ohne großes Suchen – so ist es bei einem anderen Fall eines vermeintlichen Affenmenschen aus dem Jahr 1972 in Alicante.

    Berge und Weiden
    Baskische Landschaft mit Pferd. Ist das das Biotop für einen Affenmenschen?

    Baskische Fahne mit Yeti-Schattenriss
    Die Frage nach dem baskischen Yeti bleibt doch unbeantwortet

    Der einzige Fund, der für den Mai 1993 aus dem ABC auftaucht, ist ein Artikel über einen “Hombre Dinosaurio” (Dinosauriermensch) vom 30. Mai 1993.

    Jedenfalls sprechen alle konsultierten Zeitungen sowie alle Zeugen ganz klar vom Jahre 1979 – und betonen außerdem, dass es danach zu keinen weiteren Sichtungen gekommen ist. Antonio Bulzoz, der mittlerweile Bürgermeister von Laspuna ist, hätte davon im späteren Jahre 2011 sicher erzählt, wenn sich 1993 noch einmal etwas ereignet hätte.

    Falsches Sichtungsdatum im Netz

    Ob Sergio de la Rubio-Muñoz da Artikel durcheinander gebracht hat? Er beruft sich später bei dem Fall auf eine Zeitschrift namens Mundo Oculto, auch aus dem Jahre 1993. Hat er sich in der Zeitung geirrt?

    Wie dem auch sei, solche Fehler können passieren und sind (leider) in der Recherche Alltag.

    Was allerdings schwerer zu verdauen ist, ist die Tatsache, dass dieses falsche Datum 1993 in ein paar Blogs und Podcasts zu dem Thema wiederkehrt. Javier Resines berichtet zum Beispiel von einem Vorfall in Peña Montañesa vom 4. Mai 1993: (Link) (Für unsere Leserinnen und Leser, die der spanischen Sprache nicht mächtig sind: einfach in der Suchfunktion „Peña Montañesa“ eingeben).

    Auch einem sehr schwärmerischen Interviewpartner im Mystery-Podcast El ultimo Peldaño unterläuft derselbe Fehler – er beruft sich allerdings auf einen französischen Autor als Quelle (Podcast. El Último Peldaño vom 28. September 2019. Minuten 37:40 – 37:15).

    Dubiose Zusatzinformationen

    Darüber hinaus gibt der Interviewpartner des Podcasts den Fall völlig anders wieder, als die Zeugen ihn in der Sendung in Cuarto Milenio schildern: im Podcast ist die Rede davon, dass die Gruppe Holzfäller noch weitere Begegnungen mit diesem Wesen hatten – und sich die Lage so sehr zuspitzte, dass die Guardia Civil sich gezwungen sah, den Felsen zu bewachen und die Menschen vor möglichen Attacken zu schützen.

    Auch Sergio de la Rubio-Muñoz berichtet noch davon, dass die Guardía Civil auf einer Patroille in dieser Region später seltsame Spuren gefunden hat. Um jedoch eine größere Panik zu vermeiden, kommunizierte sie, dass sie von einem Bären stammten, der aus einem nahen Naturschutzgebiet eingewandert sei (De la Rubia-Muñoz, 1995: 23-24).

    Keines dieser Ereignisse wird von den Original-Zeugen bei Cuarto Milenio mit auch nur einer Silbe erwähnt!

    Zweifelhafte spanische Affenmenschen

    In Anbetracht der Falschwiedergabe des Sichtungsdatums, sowie einiger dubioser Zusatzinformationen, die von den Zeugen bei ihrem Interview in El Cuarto Milenio keine Erwähnung finden (aber hätten erwähnt werden müssen!), liegt der Verdacht nahe, dass hier ungeprüft voneinander abgeschrieben wurde. Möglich, dass andere Presseartikel wie der des El Caso Licht ins Dunkel um die widersprüchliche Angabe der Ereignisse bringen könnten – das falsche Datum bleibt dennoch bestehen.

    Berichte über Sichtungen von wilden Männern und Affenmenschen in Spanien, so wie sie in einigen Fachzeitschriften und vor allem im Web kursieren, sind daher von höchst zweifelhaftem Gehalt!


    Zum Weiterlesen

    Zeitungsartikel

    ABC vom 16. Mai 1979

    ABC vom 30. Mai 1993

    La Vanguardia vom 16. Mai 1979 (pdf-Download)

    Fachzeitschriften

    De la Rubio-Muñoz, S. (1995), “Wild Men in Spain”, INFO Journal. 72. Winter 1995, S. 22 – 25.

    Magin, U. (1995), “Wild Men Corrections”, INFO Journal. 73. Summer 1995, S.4.

    Fernsehprogramme und Podcasts

    El Cuarto Milenio, Staffel 6, Folge 228, Stunde 1:22:45 – 1:47

    El último Peldaño vom 28. September 2019: Descripción de El Basajaun: el Yeti de los Pirineos. La abducción del matrimonio Hill. Asalto al Área 51.


    Wir berichteten über den Basajaun:

    Das mögliche Unmögliche – Yetis in Spanien, Peter Ehret am 12.12.2019

    Der Basajaun – Ein westeuropäischer Yeti?, Dominic Schindler am 10.12.2019


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  • Kryptozoologie 2019 – unser Jahresrückblick

    von: Redaktion

     

    Um Weihnachten herum ist die Zeit der Jahresrückblicke. Wir möchten uns dieser Tradition anschließen und uns noch einmal mit den Themen befassen, die dieses Jahr in der Kryptozoologie für Wirbel gesorgt haben.

    Bekannte und weniger bekannte Kryptide

    Die indische Armee twittert „Fußspuren des Yetis entdeckt“, die Netzgemeinde jubelte: „Yeti bewiesen“. Dummerweise unterlief einigen Soldaten ein Fehler, sie hätten lieber auf ihre einheimischen Scouts gehört: Die wussten, dass es sich um die Spuren eines Bären handelte.

    Ein Kadaver, der dem Montauk-Monster ähnelt, ist in Staten Island, New York aufgetaucht. Genau wie der Montauk-Kadaver handelt es sich um die Wasserleiche eines Waschbären.

    Auch der Bigfoot war mal wieder in den Medien, zunächst mit einem Video, dann mit einem Portrait, das eine Wildkamera geschossen haben soll. Auch einige alte Bigfoot-Geschichten werden wieder aufgewärmt, einschließlich 40 Jahre alter FBI-Akten: Wie immer nichts substanziell Neues.

    Unbekannter Kadaver liegt am Strand
    Nahaufnahme des Staten Island Kadavers (Foto: John Graziano)

    Portrait eines toten Berardius minimus
    Kopf von B. minimus. Aufällig ist die steile Stirn und das kurze Rostrum. Bild aus der Erstbeschreibung.

    Ein kryptozoologisch lange bekannter Schnabelwal wird wissenschaftlich beschrieben. Damit „wechselt“ er vom Objekt der Kryptozoologie zum Objekt der Zoologie. Berardius minimus* ist mit etwa 7 m Gesamtlänge vermutlich das oder eines der größten, noch unbeschriebenen Tiere der Welt gewesen. Er lebt in der Hochsee des Nordpazifiks und ernährt sich, wie fast alle Schnabelwale vor allem von Tintenfischen, die er in der Tiefsee fängt.

    Das australische Department of Primary Industries, Parks, Water and Environment veröffentlicht acht Berichte von Beutelwolf-Beobachtungen zwischen September 2016 und September 2019.

     

    Sensation an Loch Ness?

    Der neuseeländische Professor Neil Gemmell hat in Loch Ness Umwelt-DNA-Proben genommen. Im Sommer veröffentlichte er, dass er dabei „etwas ungewöhnliches“ entdeckt habe. Die Pressekonferenz am 5. September ließ die größte kryptozoologische Meldung seit vielen Jahren vermuten.

    Die mit viel Vorschusslorbeeren ausgefütterte Veranstaltung brachte aber „nur“ eine eher alltägliche Erklärung: Als „etwas ungewöhnliches“ bezeichnet er, dass in jeder seiner Umwelt-DNA-Proben die DNA von Aalen enthalten war.

    Loch Ness mit einer Nessie-Stoffpuppe
    Loch Ness mit Monster, wenn auch winzig klein und freundlich

    Tafel, die Plesiosaurier, Haie und Welse als Nessie ausschließt und einen Riesenaal vorschlägt
    Der Stein bzw. der Aal des Anstoßes. Gemmell et al. fanden riesige Mengen Aal-DNA, aber keine Menge Riesenaal-DNA. Image Credit: University of Otago

    Leider kam Gemmell auf die Idee, den Kryptozoologen einen hypothetischen Aal zu liefern, der doppelt so lang sein soll, wie die größten bisher bekannten Aale. So wurde eine Spekulation durch eine andere ersetzt.

    Von den Ausgestorbenen zurückgekehrt:

    Keine Frage, durch Umweltzerstörung, Jagd und Fischerei und den menschengemachten Klimawandel rotten wir jedes Jahr tausende von Arten aus, viele ohne sie kennenzulernen. Doch manchmal tauchen Arten, die man ausgestorben glaubt, wieder auf.

    Die Wallace-Riesenbiene, die seit 1981 als ausgestorben galt, wurde auf einer der kleinen Sundainseln wiederentdeckt und gefilmt.

    "AFP PHOTO / GLOBAL WILDLIFE CONSERVATION / CLAY BOLT"
    Dieses Foto wurde von der Global Wildlife Conservation am 21. Februar 2019 angeboten. Es zeigt den Entomologen und Bienenexperten Ely Wyman mit dem ersten entdeckten Exemplar der Wallace Riesenbiene (Megachile pluto) auf einer indonesischen Insel der Nordmolukken.
    „AFP PHOTO / GLOBAL WILDLIFE CONSERVATION / CLAY BOLT“

    Nebelparder-Portrait
    Portrait eines Festland-Nebelparders aus dem Duisburger Zoo

    Der Taiwan-Nebelparder, der zum letzten Mal 1983 beobachtet wurde, ist wieder aufgetaucht. Die Taiwan News meldete Anfang des Jahres einige Sichtungen im Zentralgebirge an der Südspitze der Insel.

    Obwohl sie nicht wieder auferstanden sind, hat Israel Mammuts zur bedrohten Art erklärt. Somit kann der Handel mit Mammutelfenbein kontrolliert und eingeschränkt werden. Häufig wird Elfenbein rezenter Elefanten als Mammutelfenbein deklariert und so gehandelt. Israel will das unterbinden.

     

    Bemerkenswerte Fossilienfunde

    Auf den Philippinen wurde eine zweite, stark verzwergte Menschenart entdeckt. Analog zum Flores-Hobbit scheint es sich bei Homo luzonensis* um eine Inselverzwergung. Diese Menschen wurden nur etwa 1,2 m groß und lebten vor nur 67.000 Jahren dort. Über den Ursprung der geschickten Jäger ist noch nichts bekannt.

    Ein riesiges Raubtier aus dem Miozän Afrikas – doch nicht so riesig, wie es die Presse gerne hätte. „Nur“ 400 bis 500 kg schwer war Simbakubwa kutokaafrika* und nicht etwa 1300 bis 1500 kg, wie es einige Medien behaupteten und die Sozialen Medien es liebend gern aufnahmen.

    Größenvergleich zwischen Simbakubwa und einem mittelgroßen Königstiger mit einer Schulterhöhe von 0,95 m. Der Mensch ist 1,8 m groß, alle Tiere sind im gleichen Maßstab gezeichnet.

    Der kaum erkennbare Kopf eines Wolfes aus dem Permafrost
    Dieser Kopf war im Frühjahr in den Schlagzeilen
    Albert Protopopov / Siberian Times

    Aus dem sibirischen Permafrost wird ein Wolfskopf geborgen- Fehlinformationen lassen auch ihn zu einem Monster werden.

    Wirklich riesig hingegen ist „Scotty“, der größte bisher gefundene Tyrannosaurus rex. Seit dem Frühjahr ist sein Skelett in einer Sonderausstellung des Royal Saskatchewan Museum in Regina, Kanada zu sehen. Er ist mit über 13 m der größte terrestrische Theropode, der je gefunden wurde.

     

    Out of place

    Auch dieses Jahr gab es wieder eine ganze Reihe von Out-of-Place-Sichtungen. Es begann bei einem Stinktier im Westfälischen Hagen, ging über mehrere Supermarktspinnen, Känguru und Luchs im Ruhrgebiet. Etwas besonderes war dann doch die Lederschildkröte, die sich in Kanada verschwommen hatte und vermutlich im letzten Herbst erfroren ist.

    Eine Schildkröte liegt in einem Loch im Eis
    Die tote Schildkröte musste vom dicken Eis befreit werden, bevor sie an Land gezogen werden konnte. (Foto: Sue MacLean)

    Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn. Image: Proyecto Monachus, google earth
    Auszug aus der Reise des Mönchsgeiers Brinzola von Frankreich über Belgien, die Niederlande und Deutschland bis nach Fehmarn.

    Doch einen Großteil unserer Aufmerksamkeit hat eine Mönchsgeierdame namens Brínzola auf sich gezogen. Dieser Vogel ist spontan aus ihrer Heimat in Nordspanien aufgebrochen. Nach einer Schleife durch die Wälder der französischen Gascogne ist sie auf mehr oder weniger direktem Weg zur Vogelfluglinie nach Skandinavien aufgebrochen. Dort hat sie in einer wildreichen Gegend in Zentralnorwegen ihren Sommer und einen Teil des Herbstes verbracht. Da die Geierdame einen Sender trägt, so konnte das „Proyceto Monachus“ ihren Flug fast metergenau aufgezeichnen veröffentlichen. Wo sich die schwarze Schönheit zur Zeit aufhält, ist unbekannt.

    Nicht nur Vögel sind entflogen

    In Düsseldorf und mitten in Essen wurde ein Wolf beobachtet. Anwohner konnten in Essen filmen, wie das Tier über den breiten, begrünten Mittelstreifen einer Allee in einem der besten Viertel der Stadt lief. Ob es sich tatsächlich um einen Wolf, einen wolfsähnlichen Hund (ohne Halsband) oder einen Mischling handelt, wollten die Behörden klären. Bisher haben wir nichts hierzu gehört.

    Schwarzer Panther vor dem Fenster einer Dachwohnung
    Ein Fenster einer typisch französischen Dachwohnung – nur der schwarze Panther passt nicht dazu.

    Bär in der Fotofalle
    Bär in der Fotofalle. Foto: Bayerische Staatsforsten

    Eine Räuberpistole ganz anderer Art barg die unschuldige Meldung, dass im nordfranzösischen Armentiéres ein schwarzer Leopard, auf der Regenrinne eines Häuserblockes spazieren geht. Diese völlig unglaubwürdige Meldung wird binnen Sekunden zum Faktum, denn mehrere Fotografen und ein Filmteam haben die Raubkatze im Bild festgehalten. Nachdem das Tier eingefangen werden konnte, kam es in den Zoo im nahegelegenen Maubeuge, wo man sich praktischerweise mit der Haltung von Leoparden auskennt. Dennoch wird das Tier nur ein paar Tage später dort gestohlen und bleibt verschwunden.

    Zwölf Jahre nach Bär Bruno „JJ1“ hat sich wieder ein Bär nach Bayern verirrt. Außer einem Kothaufen und einem Foto auf einer Wildkamera hinterlässt er nichts: keine Spuren, keine Schäden, ein paar Fotos und einige Fans. So mag man bei Füssen seine Touristen.

     

    Der Sasquatch und das Infrarotlicht

    Angebliches Bigfoot-Foto
    Das angebliche Sasquatch-Foto. Urheber unbekannt

    Sasquatches oder Bigfoots sind als Wesen bekannt, die sehr auf ihr Privatleben achten. Sie schätzen es nicht, einfach so beobachtet zu werden und lassen sich deswegen auch nicht mit Wildkameras fotografieren. Ein angeblich aus dem US-Bundesstaat Georgia stammendes Bild einer solchen Wildkamera zeigt angeblich einen Teil des Gesichtes eines Bigfoots.

    Die tiefergehende Recherche des NfK zeigte bereits ganz am Anfang Unstimmigkeiten, denn auch der Ort Manyberries im Süden Kanadas wird als Ursprungsort genannt. Natürlich wollten wir die Echtheit oder Unechtheit des Bildes zu belegen. Dazu mussten wir zunächst herausfinden, wie menschliche und tierische Augen auf Blitze reagieren, die deutlich außerhalb des sichtbaren Strahlungsspektrums liegen: Siehe da: Das Auge eines Menschen und noch stärker das eines waldbewohnenden Tieres hätte in der dargestellten Situation den Blitz reflektiert, wie auf einem „rote Augen“-Foto der 2000er Jahre.

    Wir wissen nicht, was die Kamera fotografiert hat, aber ein Lebewesen war es nicht.

    Der Discovery-Channel-Ableger „Travel Channel” hat passend zu Weihnachten ein Team für eine sechsteilige Miniserie zusammengestellt und sie in Zentral-Oregon auf die Suche nach Bigfoot geschickt. Sie kamen auch mit einem Infrarotbild zurück. Diesmal handelt es sich um eine passive Infrarotaufnahme oder Wärmebild. Die Experten des Senders werten es als Beweis für den Bigfoot, wir bleiben skeptisch.

    Ausgebüxte Tiere

    Wie immer gibt es eine ganze Reihe von ausgebüxten Haus- und Zootieren, die in den Meldungen erscheinen.
    Für einen Luchs, der im vergangenen Dezember aus einem Wildpark in Haltern am See entkam, nahm die Sache ein außerordentlich gutes Ende. Er streunte mehrere Monate durchs zentrale Ruhrgebiet, bis er im Mai in eine Falle ging – in bestem Gesundheitszustand. Eine Rückführung des Luchses in seine Gruppe war nicht möglich, auch andere Wildparks und Zoos hatten kein Interesse an dem Tier. Im Oktober wurde er nach Polen gebracht, wo er im folgenden Jahr ausgewildert werden soll.

    Weniger erfolgreich verlief der Freigang eines Stinktieres, das in schlechtem Ernährungszustand in Hagen eingefangen wurde. Ein weißes Känguru entkam dieses Jahr seinem Halter im Essener Süden mindestens zweimal.

    Passend zum Sommerloch hielt eine Monokelkobra den Ruhrgebietsort Herne in Atem. Ein Wohnhauskomplex wurde evakuiert und musste mehrere Tage gesperrt bleiben, bis die Schlange im Kellerabgang des Hauses aufgeschreckt und eingefangen wurde.

     

    Kongress zum Thema „Mokele-Mbembe: Sind die Dinosaurier wirklich ausgestorben?“

    Am 12. Oktober trafen sich zahlreiche Kryptozoologen und interessierte Laien zum Fachkongress um das Kryptid Mokele Mbembe. Die Gastgeber von den Sauerland-Pyramiden in Lennestadt hatten auch diese Veranstaltung wieder mit professioneller Routine hervorragend organisiert.

    Die Referenten: (von links): Hans-Jörg Vogel, Tobias Möser, Michel Ballot, Wolfgang Schmidt, Thomas Piotrowski und Francois de Sarre

    Vortrag und Übersetzung
    Michel Ballot (re) kommentiert seine Bilder, Francois de Sarre (li) übersetzt

    In vier Vorträgen berichteten die Referenten von unterschiedlichen Methoden, sich dem Phänomen „Mokele Mbembe“ zu nähern. Jeder der Vorträge lieferte völlig neue Sicht- und Herangehensweisen: Hans-Jörg Vogel forschte in den Archiven Berlins nach den Aufzeichnungen zweier der bekannten deutschen Afrikaforschern. Michel Ballot hingegen nahm den direkten Weg und besucht seit vielen Jahren regelmäßig die Grenzregion zwischen Kamerun und Kongo. Thomas Piotrowsky kann dies nicht so einfach und fing an, Satellitenbilder zu analysieren, bis er etwas bemerkenswertes fand. Wolfgang Schmidt säte die für Wissenschaftler so wichtigen Zweifel einmal neu.

     

    Fazit, Dank und Ausblick:

    2019 war ein sehr interessantes Jahr in der Kryptozoologie. Nicht nur die großen Themen wie Sasquatch, Loch Ness und sogar der Beutelwolf standen im Focus. Auch viele weniger bedeutenden Kryptiden schenkten wir Aufmerksamkeit. In einigen Fällen wurden sie erst ins mediale Gedächtnis geschoben, wie der Basajaun, der bei uns in der letzten Woche zum ersten Mal auftauchte. Zahlreiche interessante, aber nicht-kryptozoologische Tiere rundeten die Meldungen ab. Wir freuen uns, euch, liebe Leserinnen und Leser, durch das Jahr begleitet zu haben und in regelmäßigen Abständen etwas Neues geboten zu haben.

    Genauso geht der Dank an unsere Autoren Ulrich Magin, Markus Bühler, Peter Ehret, André Kramer, Hans-Jörg Vogel, Reena Pöschel, Dominic Schindler und an meine Redaktionskollegin Suzan Reinert. Ebenso danke ich denjenigen, die mich direkt oder über die Mailingliste auf neue Themen hingewiesen haben.

    Ausblick

    2019 war als Jahr der Erprobung geplant, nach einigen Versuchen haben wir ab August ein recht stabiles Modell gefunden, das Ihr – den Besucherzahlen zufolge – gerne angenommen habt. Für 2020 planen wir, die zeitintensiven technischen Probleme im Hintergrund anzugehen. Die Zeit können wir dann für Neuerungen nutzen.

    Eine Bitte haben wir an euch, liebe Leserinnen und Leser: Die Website machen wir für euch. Gebt uns Rückmeldung, wenn euch etwas nicht gefällt oder auch, wenn‘s euch gefällt. Sagt weiter, wenn etwas gut ist, postet es in den sozialen Medien. Wenn Ihr Interesse an einem Thema habt, fragt nach, ob wir es behandeln können. Oder forscht selber nach und schreibt uns den Artikel: Autoren können wir immer brauchen!


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Dinosaurier auf Neubritannien? Teil 2

    von: Tobias Möser

    Link zu „Dinosaurier auf Neubritannien, Teil 1

     

    Dinosaurier in der heutigen Welt, das ist seit vielen Jahren ein Thema, mit dem sich Romanautoren gerne abgeben. Mit der Erforschung der Welt wanderten die Orte, zu denen die Reisenden fahren mussten, um Dinosaurier zu sehen, immer weiter von den bekannten Gebieten weg.

    Was bietet sich da besser an, als Neuguinea? Es liegt am Ende der Welt, südlich liegt nur noch Australien und westlich Indonesien. Östlich und nördlich liegt der endlose Pazifik…

    Doch der Pazifik ist ein Ozean voller Inseln, die Melanesischen Inseln grenzen direkt an Neuguineas Norden. Zu ihnen gehören bekannte und weniger bekannte Inseln wie Bougainville oder Neubritannien. Noch nie gehört? Keine Sorge, Sie sind nicht der oder die erste, der oder die diese Weltregion ignoriert. Doch nicht die großen Inseln sind Ort der Beobachtung. Nein, eine Insel, die so klein ist, dass google Maps sie auf seiner Karte nicht einmal abbildet: Ambungi Island ist tropfenförmig und etwa 1000 x 600 m groß. Es liegt etwa 3 bis 4 km vor der Südküste Neubritanniens und wird von etwa 90 Menschen bewohnt. Die meisten von ihnen leben in einer Siedlung im Westen der Insel und leben von Landwirtschaft und Fischerei im „inoffiziellen Sektor“, sie bieten ihre Produkte nur auf lokalen Märkten an. Tropisches Klima und fruchtbarer Vulkanboden werden aber auch Kleinfarmern eine auskömmliche Arbeit ermöglichen.


    Die Insel ist so klein, dass google Maps sie nicht einzeichnet!

    Im Satellitenbild gleichen Maßstabs ist sie aber zu sehen.

    Der zweite Bericht, von 1999

    Vermutlich zu diesen Kleinfarmern gehört auch Alice, die 1999 eine interessante Beobachtung machte. Sie arbeitete in ihrem Garten, als sie ein zweibeiniges Reptil sah, das etwa drei Meter lang war und einem Tyrannosaurus rex* ähnelte. Der Australier Brian Irwin, der einige Jahre mit dem Studium von Dinosaurier-Berichten aus Papua-Neuguinea verbracht hat, interviewte die Zeugin. Er berichtete später von dem Tier:

    Das Tier war rotbraun, im Brustbereich weiß. Die Haut wirkte weich, Hautkämme gab es nur auf dem Schwanz. Es bewegte sich langsam, hielt den Hals nahezu vertikal. Alice sah es an einer hartblättrigen Pflanze fressen. Sie konnte ihm folgen und beobachten, wie es kehrt machte und von einer kleinen Klippe ins Meer sprang. Das Tier bemerkte Alice dabei nicht. Nachdem der Besucher verschwunden war, entdeckte Alice fünfzehige Fußabdrücke auf dem Boden und zeigte diese auch anderen Bewohnern von Ambungi. Das Tier könnte ihren Garten in der Nacht vom Strand an der Westseite der Insel erreicht haben.

    Der dritte Bericht, von 2004

    Er stammt von der etwa 55 km östlich gelegenen, unbewohnten Insel Dililo. Diese Insel formt einen Teil der seeseitigen Begrenzung einer großen, von Mangroven und zahlreichen Inselchen durchsetzten Lagune.  Eine Gruppe aus drei Erwachsenen und mehreren Kindern tauchte nach Fischen, als sie das Gefühl hatten, am Rande ihres Sichtfeldes von etwas verfolgt und beobachtet zu werden. Als erfahrene Taucher nahmen sie diese Gefühle ernst und verließen das Wasser. Als sie herauszufinden versuchten, was da vor sich ging, entdeckten sie ein etwa 20 m lange, langhalsiges Reptil, das durchs Wasser schwamm. Es hatte einen ovalen Kopf wie eine Eidechse, große Augen und eine Reihe von Hautkämmen, die „wie eine Säge“ auf dem Rücken wirkten. Es schwamm angeblich in einer gemächlichen Geschwindigkeit weiter, bis es unter die Wasseroberfläche sank und verschwand.

    Der vierte Bericht, von 2005

    Nur ein Jahr später, 2005 erreichte Irwin ein weiterer Bericht eines Zeugen. Auch dieser will einen Dinosaurier gesehen haben. Das Tier, das er beobachtet haben will, schätzt er auf 10 bis 15 m Länge. Er beschreibt es „Wie ein sehr großes Wallaby (ein kleines Känguru, Anm. d. Red.) mit dem Kopf einer Schildkröte“. Es hatte angeblich glänzende, braune Haut und war „so hoch, wie ein Haus“. Auch dieses Tier wurde dabei beobachtet, wie es einige Zeit friedlich an Pflanzen fraß, bevor es sich auf den Weg zum Wasser machte und davon schwamm.

    Etwa zur selben Zeit beobachteten zwei Frauen aus dem Dorf eine ähnliche Kreatur. Die beiden sahen das Tier, als es auf einem Felsen am Fuß eines abgelegenen Kliffs stand. Auch auf dem nahe gelegenen Alage Island (1,6 km südwestlich von Ambungi) soll das Tier gesehen worden sein.

    Der fünfte Bericht, von 2007

    2007 kam es bereits zur nächsten Sichtung. Diesmal war auch Ambungi Island Ort des Geschehens. Die Bewohnerin Jasinta Pitim gibt an, sie habe ein langhalsiges Tier mit schuppiger und unebener Haut, die aussah, wie die eines Krokodils gesehen. Sie lief nach Hause und holte ihren Mann, der das Tier auch sehen konnte.


    Die Analyse

    Leider erreichten diese Berichte die Redaktion nur auf sehr indirektem Wege. Brent Spencer berichtet auf Mysterious Universe von Brian Irwin, der wiederum Augenzeugen oft Jahre nach der Beobachtung befragt. Hinzu kommt, dass das Ganze zweimal übersetzt wurde. Man kann sich vorstellen, wo da die Details geblieben sind.

    Die im ersten Teil berichtete Begegnung (4 m lang, langer Schwanz, kurze Vorderbeine, kräftige Hinterbeine mit Füßen mit Schwimmhäuten) lässt sich noch recht zwanglos als Kontakt zu einem Leistenkrokodil (Crocodylus porosus*) interpretieren. Andererseits sollte ein Speerfischer, der regelmäßig im Wasser unterwegs ist, die dort relativ regelmäßig vorkommenden Leistenkrokodile kennen, insbesondere weil von ihnen eine direkte Gefahr für Leib und Leben ausgeht.

    Krokodil unter Wasser
    Unter Wasser sieht man deutlich die kräftigen Hinterbeine und die Schwimmhäute der Krokodile

    Das Wallaby als Vorbild für Dinosaurier
    Ist dieses Whiptail Wallaby ein Vorbild für Dinosaurier?

    Diese Einfachheit ist bei den weiteren Beobachtungen nicht mehr gegeben. Oder anders ausgedrückt: es gibt kein bekanntes Tier, das dem entspricht, was die Augenzeugen gesehen haben wollen.

    Bemerkenswert ist, dass nicht ein Dinosaurier“typ“ beobachtet wurde, sondern mindestens zwei: ein zweibeiniger Typus und ein langhalsiger. Alle diese Tiere scheinen eine besondere Assoziation zum Wasser zu haben, wenn sie auf Inseln beobachtet werden, die nicht einmal einen halben Quadratkilometer Fläche haben.

    Weiterhin bemerkenswert ist, dass bei keiner der Beobachtungen auf dem Land eine Gefahr von den Tieren auszugehen schien. Die zweite Beobachterin verfolgte das ruhig laufende Tier bis ans Wasser, die Zeugin des fünften Berichtes lief sogar nach Hause und holte ihren Mann, damit er es sich ansehe. Wenn die Tiere beim Fressen beobachtet werden, fressen sie Pflanzen. Nur im Wasser sind die Tiere bedrohlich, die Menschen verlassen das Wasser, sobald ein solches Tier auftaucht. Bei Speerfischern, die bei ihrem Job regelmäßig mit Haien und großen Zackenbarschen, möglicherweise auch mit Salzwasserkrokodilen zu tun haben, ist das bemerkenswert.

    Jurassic Park?

    Die „Sichtungswelle“, sofern man davon sprechen kann, begann 1995, zwei Jahre nachdem Jurassic Park ins Kino kam und die Vorstellung von Dinosauriern revolutionierte. Wie gut die Versorgung mit Kinofilmen in Neubritannien ist, ist mir unbekannt. Ich rechne nicht damit, dass der Zeuge Alphones Likky 1995 den Film bereits gesehen hat. Aber Devotionalien nehmen durchaus ihren Weg, hinzukommt, dass die Inseln nicht so primitiv sind, dass es dort kein Fernsehen gibt. 1995 gab es mindestens zwei terrestrische Fernsehsender. Selbst wenn Jurassic Park nicht gelaufen ist: moderne CGI-Animationen von Dinosauriern wird es nach 1993 sicher dort zu sehen gegeben haben. Um so bemerkenswerter, dass die Dinos in den Filmen und den Beobachtungen deutlich voneinander abweichen: braune Haut (vielleicht mit Schlamm bedeckt?), fünf Zehen am Hinterfuß, gehen ins Wasser…

     


    Literatur:

    Spencer, Brent, 2019: Mysterious Dinosaur Monsters in Papua New Guinea

    Wikipedia: zu Papua-Neuguinea, Neubritannien, Melanesien, Leistenkrokodil


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  • Seltsame Kreaturen im Río Genil?

    von: Peter Ehret

     

    Im Herbst 1955 sahen die Bewohner der andalusischen Stadt Écija ein seltsames Tier an den Ufern des Flusses Genil, das sie keiner bekannten Art zuordnen konnten. Mitunter berichtete auch die spanische Zeitung „ABC“ im November 1955 über den Vorfall:

    „Seltsames Tier in den Feldern von Écija. Écija (Sevilla). In der stadtnahen Biegung des Flusses Genil, neben einer Mehlfabrik und bei den Gärten der Talebene, haben die Anrainer Manuel Vargas Baena, Concepción Montenegro Alvarez und einer ihrer Neffen namens Adolfo Avalos Montenegro ein seltsames Tier gesehen. Es hatte Größe und Form eines Wolfshundes, jedoch mit längerem Körper, einen dunkelblonden Rücken und einer weißen Brust, sowie einem dünnen Kopf, der in einem spitzen Rüssel endete. Von der Stirn standen zwei dunkle Hörner von rund 20 cm Länge ab, es hatte einen langen und behaarten Schwanz und verursacht Panik unter den Bewohnern.

    Man schoss mehrmals auf das Tier, konnte es aber nicht fangen, weil es immer sofort untertauchte und sich so lange verbarg, bis die Gefahr vorbei war. Diesen Moment wusste es mit feinem Instinkt zu bestimmen. Das Tier ist in der Gegend völlig unbekannt. Man vermutet, dass es zu der Gattung der Manatis gehört. Cifra.“ (Übersetzung von Ulrich Magin und Peter Ehret)

    ungefährer Beobachtungsort bei Ecija

    Trockene Schlucht mit aufgestautem Fluss
    Der Rio Gentil bei Güejar-Sierra

    Das Tier wurde sogar gefangen

    Drei Jahre später, im Juni 1958, berichtete dieselbe Zeitung über den Fang einer seltsamen Kreatur in Puente Genil, weiter flussaufwärts von Écija:

    „Fang eines seltsamen Tieres. Puente Genil. Herr Nicolás Chaparro Rejano fing im Genil ein seltsames Tier, das einem kleinen Büffel ähnelt. Es hat keine Augen und ist mit sechs Beinen und einem langen Rüssel vorne ausgestattet. Sein Körper wird durch einen starken Panzer von schwarzer Farbe geschützt.“ (Übersetzung von Ulrich Magin und Peter Ehret)

     

    Ulrich Magin veröffentlichte erstmals beide Fälle im Jahr 2010 in einem Artikel für die „Fortean Times“. Die relative Zeitnähe beider Ereignisse und einige physische Ähnlichkeiten (vor allem der “Rüssel”) legten die Existenz einer unbekannten Kreatur in den Wassern des spanischen Genil (der in der Zeit des „Posguerra“ durchaus noch als eine abgelegene Region gelten kann) nahe. So Ulrich Magin im besagten Artikel der „Fortean Times“:

    „Whatever it was, it was bizarre. More bizarre, I’d say, than a stranded manatee, seal, or turtle. If this was not a hoax, or series of hoaxes, some creat­ure – possibly exotic – lived in the river Genil, at least from late 1955 to mid-1958.

    Any suggestions?“

     

    2017 nahm Ulrich Magin die Recherche zuammen mit Peter Ehret wieder auf. Peter Ehret lebt in Granada, das ebenfalls am Genil liegt. Das ermöglichte eine intensivere Recherche vor Ort. Im Zuge der erneuten Ermittlungen wurden wichtige Kontakte geknüpft, die Licht ins Dunkel um die mysteriösen Ereignisse aus den Jahren 1955 und 1958 brachten. In Puente Genil konnte beispielsweise der passionierte Referent für Lokalgeschichte, Luis Velasco Fernández Nieto, mit dem Neffen jenes Mannes sprechen, der 1958 das “seltsame Tier” aus dem Genil gezogen hatte. Auch in Écija kamen Kontakte zustande, die mit Personen gesprochen hatten, welche direkt in die Ereignisse im Jahre 1955 involviert waren.

    Manatee
    Ist ein Manatee die Erklärung? Wo soll es herkommen?

    zwei Zeitungsblätter
    Die lokale Zeitung ABC berichtete in zwei Fällen, aber ohne Erklärung

    So wurde es Ulrich Magin und Peter Ehret möglich, erstmals Schlussfolgerungen zu den Ereignissen von 1955 und 1958 zu formulieren. Die Ergebnisse der Recherche wurden im Dezember 2018 in der „Zeitschrift für Anomalistik“ (Band 18, Nr.3) veröffentlicht. Auch wenn diese nicht auf eine unbekannte Art hindeuten, sind die Ereignisse aus diesen Jahren am Geníl für die Kryptozoologie nicht irrelevant, denn es waren dabei seltenere Arten im Spiel, die zu jener Zeit in der Region schon kurz vor dem Verschwinden waren.

     


    Quellen und weiterführende Literatur:

    Magin, U. (2010), Strange Animals in the Rio Genil. Fortean Times 261, S. 30

    Magin, U. (2011), Investigating the Impossible: Sea-Serpents in the Air, Volcanoes that Aren’t, and Other Out-of-Place Mysteries, San Antonio: Anomalist Books.

    Magin, U./Ehret, P. (2018), Ungewöhnliche Tierbeobachtungen im Río Genil, Zeitschrift für Anomalistik, Band 18, Nr. 3, Edingen-Neckarhausen: Gesellschaft für Anomalistik, 277 – 304


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  • Freitagnacht-Kryptos: Das Geheimnis des blauen Honigs

    in den Archiven kramte: Tobias Möser

    Bienen sammeln blauen Honig

    Im Juni 2014 meldete der WDR: Seit einigen Tagen stehen vier Hobbyimker in Hamm (NRW) vor einem Rätsel: Ihre Bienen sammelten blauen Honig.

    Bienen machen Honig, indem sie zuckerhaltigen Nektar sammeln, aber wo kommt die blaue Farbe her?

    So seltsam diese Tracht auch wirkt, man musste leider von einer Verunreinigung ausgehen, was auch die Landwirtschaftskammer in Münster gestern bestätigte: Die Verfärbung wird durch eine gesundheitlich unbedenkliche Lebensmittelfarbe verursacht. Leider war nach kurzer Websuche nicht herauszufinden, um welchen Farbstoff es sich handelt.

    Laut WDR vermuten Imker und Kreisveterinäramt, dass die Bienen Reste aus der Süßwarenproduktion aufgenommen haben. Das benachbarte Unternehmen habe Fässer mit Produktionsresten wohl nicht richtig verschlossen.

    Die Landwirtschaftskammer Münster bestätigte, dass der Honig gesundheitlich unbedenklich sei, aber dennoch nicht verkauft werden dürfe. Honig unterliegt einem Reinheitsgebot und darf keine künstlichen Farbstoffe enthalten, auch wenn die Bienen sie gesammelt haben.

    Da der jetzt, nach der Hauptblütezeit gesammelte Honig den Bienen als Wintervorrat dient, müssen die Imker die Waben erneut abschleudern. Unklar ist nämlich, ob der blaue Honig im Winter kristallisiert und damit für die Bienen nicht nutzbar ist. Dann müssten die Bienen verhungern. Um die Bienen dennoch durch den Winter zu bekommen, stellen die Imker Schalen mit Zuckerwasser auf, sobald die Waben wieder befüllt werden können.

    Farbiger Honig ist nicht das erste Mal aufgetreten. Im Herbst 2012 brachten Bienen im französischen Ribeauvillé nicht nur blauen, sondern auch grünen und roten Sirup in den Stock. Sie hatten sich bei einem Biogashersteller versorgt, der Reste aus der Produktion der bekannten M&Ms verwertet.

     

    Blauer Honig aus Carolina, einmalig in der Welt

    Blauer Honig aus Fayetteville
    Blauer Carolina-Honig

    In der Gegend von Fayetteville, North Carolina, USA produzieren Bienen immer wieder blauen Honig.Jedoch scheint das nicht reproduzierbar zu sein. „It comes on its own. You really can’t say well, we’re gonna get blue honey here this year. Next year we may get it. Next year we may not,“ said Jim Norfleet, Barkeeper und Hobby-Imker im Scotland-County in North Carolina. Trägt ein Bienenvolk blauen Honig ein, ist das ein besonderer Glücksfall, denn die Imker können ihn teuer verkaufen.

    Reproduzierbar ist es nicht. Niemand weiß sicher, welche Pflanzen Nektar produzieren, der sich bei der Honigreife blau verfärbt. Die einen Imker glauben, es handle sich um den Nektar noch nicht identifizierter Pflanzen, die nur in der Gegend um Fayetteville vorkommen. Andere wiederum stellen ihre Bienenstöcke an Stellen auf, wo wilde Blaubeeren wachsen – In der Hoffnung, dass die Bienen den Saft geplatzter Blaubeeren sammeln und so den Honig blau machen.

    Am Ende ist es der Zufall, der einem Imker blauen Honig beschert. Wer weiß schon genau, wo seine Bienen überall herumfliegen?

     

    Literatur:

    „Blue Honey“ – NC Mysterious Treat for 100 Years

    The Mystery of Blue Honey


    Dieser Beitrag ist in der Reihe „Freitagnacht-Kryptos“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

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