Freitagnacht-Kryptos: Das Stronsay-Beast

 

 

Eine der ältesten, gut dokumentierten Seeschlangensichtungen stammt von Stronsay, einer der Orkney-Inseln, im Nordosten Schottlands in der Nordsee. Der unter dem Namen „Stronsay Beast“ bekannt gewordene Kadaver wurde 25. September 1808 auf dem Rothiesholm Head im Südosten der Insel angeschwemmt und von örtlichen Fischern entdeckt.

Verstörte Fischer

Die erstaunten Fischer beschrieben, dass etwas außergewöhnliches im Wasser treibt, aber sie waren nicht die einzigen, die mit dem Fund nichts anfangen konnten. Augenzeugen berichteten von einem Biest unbeschreiblicher Länge, mit langem, schlanken Hals, drei Beinpaaren, einem Schwanz und einer haarigen Mähne.

 

Typische Landschaft der Orkneys
Typische Landschaft der Orkneys mit relativ flachem Zugang zum Strand

 

Eine zeitgenössische Beschreibung liest sich so:

Der Körper maß fünfundfünfzig Fuß in der Länge (ca. 16,76 m), aber ein Stück des Schwanzes fehlt. Vermutlich war das Tier länger. Der Umfang des dicksten Abschnittes scheint dem Umfang eines Orkney-Ponys zu entsprechen. Der Kopf war nicht größer als der einer Robbe und trug zwei Blaslöcher. Vom Rücken hing eine Zahl von Filamenten wie eine Mähne herab (sie ähnelten in ihrer Textur dem Netzgeschirr, das man Seidenraupendarm nennt). An jeder Seite des Köpers gab es drei große Flossen, geformt wie Tatzen, aber zusammengewachsen.“

Andere Zeugen, ein Schreiner und zwei Farmer haben das „Biest“ genauer vermessen. Sie melden einen Durchmesser von 4 Fuß und einen Umfang von 10 Fuß. Die Haut fühle sich sehr glatt an, wenn man vom Kopf zum Schwanz streicht, und sehr rau, wenn man vom Schwanz zum Kopf streicht. Seine Flossen seien an der Spitze in Fransen aufgelöst, es habe eine fransige Mähne am Rücken. Die Fransen leuchteten in der Nacht, wenn es feucht war. Der Mageninhalt war rot.

Natürlich gab es sofort treffende Vergleiche mit dem Loch Ness Monster.

Zeitgenössische Darstellung der Seeschlange von Stronsay
Zeitgenössische Darstellung der Seeschlange von Stronsay

Zeitgenössische Darstellung der Seeschlange von Stronsay
Drei zeitgenössische Darstellungen der Seeschlange von Stronsay. Offenbar war der Fund eine Sensation

Halsydrus Pontoppidani

Als dann endlich Experten eintrafen, waren die Überreste des Monsters soweit zerfallen, dass kaum festzustellen war, um was es sich handelte. Zum Glück konnten sie Teile des Kadavers bergen, unter anderem Wirbelkörper und Teile der „Haare“. Sie wurden nach Edinburgh gebracht, einem der wichtigsten Wissenschaftszentren in der westlichen Welt. Die Mitglieder der auch als „Wernerian Society“ bekannten „Natural History Society of Edinburgh“ untersuchten sie und entschieden, es handele sich um eine bisher unbekannte Art, eine Seeschlange. Der schottische Anatom John Barclay gab ihr den wissenschaftlichen Namen „Halsydrus Pontoppidani“, nach dem norwegischen Bischof Erik Pontoppidan, der im 18. Jahrhundert Seeungeheuer beschrieb.

Schließt sich nun der Kreis um das Stronsay-Beast?

Sir Everard Home, ein angesehener Arzt und Anatom „korrigierte“ die Messung und gab „nur“ 36 Fuß (ca. 11 m) als Länge an. Er nahm den Schädel und einige Halswirbel mit nach London. Dort ließ er die Blase platzen. Nach näherer Untersuchung der Wirbelkörper schloss Sir Everard, dass er die Überreste eines gewöhnlichen Riesenhais vor sich liegen hatte. 1849 bestätigte der schottische Professor John Goodsir zu dem selben Schluss.

In den 1980ern untersuchte Dr. Geoff Swinney von den National Museums of Scottland in Edinburgh die konservierten Überreste des Kadavers erneut. Er kam zum gleichen Ergebnis wie Sir Everards Analyse: Es handelt sich bei dem Stronsay Beast um einen Riesenhai.

Doch wirklich geschlossen hat sich der Kreis fast exakt 200 Jahre nach dem Fund: Dr. Yvonne Simpson, die von den Orkney-Inseln stammt, befasste sich seit 2001 mit dem ikonischen Biest. Die Archaeo-Genetikerin bekam 2008 eine Probe des Originalfundes von einem privaten Sammler. Simpson’s Probe hat eine spannende Vergangenheit. Einst gehörte sie Lord Byron, vorher war sie Teil der John Murray Collection der National Library of Scotland. Somit konnte der Fund nicht nur inhaltlich, sondern auch historisch dem Stronsay-Beast zugeordnet werden.

Zusammen mit einem auf Hai-DNA spezialisierten Labor in Florida möchte die Genetikerin die DNA-Sequenz aus dem 200 Jahre alten Stück extrahieren und sequenzieren. „55 Fuß ist ungewöhnlich groß für einen Riesenhai, daher ist es wahrscheinlicher, es handelt sich um eine andere Haiart.“, sagte Simpson dem Telegraph Anfang September 2008, bevor die Ergebnisse aus Florida vorlagen.

Über ihren Vortrag auf dem Orkney International Science Festival am 12. September 2008 habe ich nichts gefunden. Die angekündigte Website ist nicht erreichbar, man landet auf einem Yahoo!-Weiterleiter, der zu einer online Lotterie verlinkt. Das versprochene Buch über das Biest ist nie erschienen. Der geneigte Lesende möge eigene Schlüsse ziehen…

Der Riesenhai ist die zweitgrößte Haiart
Riesenhaie kommen regelmäßig in schottische Gewässer

 


Literatur:

Englischsprachige Wikipedia zum Stronsay-Monster

Cramp, A.: DNA could help identify 200-year-old Stronsay Beast. The Telegraph, 03.10.2008

BBC News: New clues to mystery sea monster; 03.10.2008

BBC: Update on the ‚Stronsay Beast‚; 03.09.2009

 




Feuer im Affentropenhaus – mein sehr persönlicher Rückblick

von: Esther Jansen

 

Ich erwache am ersten Januar 2020 ungewöhnlich früh für einen Neujahrstag. Mein Handy-Display zeigt 6:21 Uhr. Als ich den Flugmodus abschalte, werden mehrere neue WhatsApp-Nachrichten angezeigt. Ihr Inhalt ist der gleiche: Schock. Das Affenhaus, das die meisten von uns schon als Kleinkinder besucht haben, ist vor wenigen Stunden abgebrannt. Die meisten der dort lebenden Tiere haben das Feuer nicht überlebt.

Erst halte ich die Nachricht für einen makabren Scherz. Als ich dann von einem befreundeten Zoomitarbeiter bestätigt bekomme, dass die Eilmeldungen der lokalen Zeitungen stimmen, ergreift auch mich die Bestürzung. Ich habe diese Tiere oft besucht, fasziniert viele Momente vor ihrem Gehege verweilt. Dabei habe ich mich immer respektvoll und ruhig verhalten, denn es war beinahe so, als würde ich jemandem ins private Wohnzimmer schauen. Ich habe eine Mutter dabei beobachtet, wie sie ihr Baby wiegte, einen Vater, wie er sein Frühstück vertilgte, verspielte Kinder, wie sie herumtobten und an dicken Tauen umherschwingend ihre Grenzen austesteten. Intime Momente in einem Verband von Lebewesen, denen man sich unmittelbar nahe fühlt.

Gorillamännchen Massa
Zu den Toten gehörten: Silberrücken Massa

Gorilladame Boma
Gorilladame Boma

Trauer im Zoo und Post aus aller Welt

Als ich in den darauffolgenden Tagen bei der Pressearbeit im Zoo mithalf, habe ich miterlebt, wie groß die Trauer des Teams ist und wie heftig die Reaktionen der Bevölkerung ausfallen. Neben großer Anteilnahme galt es erwartungsgemäß viele Fragen zu beantworten und harscher Kritik standzuhalten. In kürzester Zeit wurden nicht nur die lokalen Zeitungen, sondern Nachrichtendienste und Privatpersonen aus aller Welt aktiv. Es ist schade, dass das Team des Zoos, das sich stets warmherzig und hingebungsvoll um die Tiere im Affentropenhaus gekümmert hat, gerade jetzt eine so große internationale Aufmerksamkeit mit derart bitterem Beigeschmack zuteilwird. Doch leider funktionieren schlimme Nachrichten besser als gute. Und leider treffen üble Anschuldigungen mehr ins Herz als ehrliches Mitgefühl.

Trotzdem hoffe ich, dass der Zoo Krefeld bald auch wieder freudige Neuigkeiten mitzuteilen hat, genauso wie in den vergangenen Jahren. Nicht zuletzt die munter heranwachsenden Jungtiere unterschiedlicher Tierarten wie Trampeltiere, Esel und Capybaras sowie die erfolgreiche Auswilderung stark bedrohter Goldener Löwenäffchen aus dem Affentropenhaus zum Erhalt der Population in Brasilien zeigen, dass man seine Arbeit in Krefeld gut macht.

Schimpanse Charly
Schimpanse Charly

Orangutan Lea-Suria
Die ganze Orang-Utan-Gruppe um Lea-Suria (Alle Fotos: Zoo Krefeld)

Die interne Trauerfeier der Mitarbeiter vor wenigen Tagen hat mir einmal mehr gezeigt, wie respekt- und liebevoll mit den Tieren umgegangen wurde, dass man sie als Persönlichkeiten wahrnahm und behandelte. Ich wünsche dem Zoo-Team weiterhin viel Kraft – denn die mediale Aufmerksamkeit hat noch lange nicht ihr Ende erreicht.


Die Autorin

Esther Jansen schreibt über sich und die Kryptozoologie: „Ich gebe es zu: Absurditäten, Märchen und Mysterien haben mich schon immer fasziniert. Zwar bin ich kein aber- oder leichtgläubiger Mensch, jedoch möchte ich mich auch nicht vor Theorien verschließen, solange ihnen eine gewisse Plausibilität zugrunde liegt. (…) Besonders, was das Tier- und Pflanzenreich angeht, bin ich persönlich offen für Unglaubliches. Man schaue sich nur mal an, was bereits an außergewöhnlichen Phänomenen auf unserer Erde dokumentiert wurde: Da sind Fische, die wie Laternen leuchten können, Meereswürmer, die Korallen mit ihren überdimensionalen Schnappkiefern vor Seeigeln beschützen oder Vögel, die jahrelang niemals den Boden berühren – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Unserer Natur ist also offenbar einiges zuzutrauen.“
Frau Jansen ist studierte Theater- und Medienwissenschaftlerin und arbeitet als selbstständige Texterin und Sprecherin in Krefeld. Sie unterstützt sie den Krefelder Zoo in der Pressearbeit.

Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.




Der Brand im Affentropenhaus im Zoo Krefeld

 

Knapp einen Monat nach dem Feuer im Affentropenhaus hat sich der Rauch sowohl physisch wie auch in der Informationsverbreitung verzogen. Emotionen sind ein wenig abgeklungen, Fakten kommen zu Tage, eine Diskussion kann offener geführt werden. Hier kommt von Seiten der Redaktion eine möglichst sachliche Zusammenfassung des Vorfalls und seiner Folgen:

Die Nacht zum 1. Januar 2020

kurz nach Mitternacht wird die Feuerwehr Krefeld alarmiert: Das Affentropenhaus im Zoo steht in Flammen. Wie sich später herausstellt, sind eine oder mehrere „Himmelslaternen“ auf dem Haus oder direkt danben heruntergegangen und haben es entweder direkt oder durch trockenes Laub in Brand gesetzt. Eine Brandmeldeanlage oder ein Sprinklersystem gibt es in dem über 40 Jahre alten Haus nicht.

Trotz vollem Feuerwehreinsatzes brennt das Haus bis auf wenige Reste nieder. Mehr als 30 Tiere sterben, darunter fünf Borneo-Orang-Utans, ein Schimpanse, die beiden Gorillas Boma und Massa, drei Goldene Löwenäffchen, zwei Silberäffchen und sechs Zwergseidenäffchen. Auch einige Vögel und Flughunde konnten nicht gerettet werden. Nur zwei Schimpansen überlebten den Brand mehr oder weniger unverletzt.

Erst später wurde bekannt, dass zwei Orang-Utans eingeschläfert werden mussten. Gorilla-Silberrücken Massa litt unter schweren Brandverletzungen mit großflächigen Hautschäden. Bei ihm konnte das verwendete Narkotikum nicht seine volle Wirkung erzielen, um ihm weitere Leiden zu ersparen, musste ihm ein Polizist den Gnadenschuss geben.

Der Zoo beziffert den Sachschaden auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Er bleibt einige Tage geschlossen.

Die direkten Folgen

Orang-Utan Bunjo
Auch der Borneo-Orang-Utan Bunjo kam bei dem Feuer ums Leben.

Bereits kurz nach dem Unglück brachte die Bevölkerung ihr Mitgefühl mit den Tieren, aber auch mit den Pflegern zum Ausdruck. Neben überwältigender Empathie und Trauer gab es leider auch andere Töne, die den Vorfall nutzten, um Interessen wie Verbot von Silvesterfeuerwerk oder Tier- bzw. Menschenaffenhaltung in Zoos in die Diskussion einzubringen. Sie hatten nur geringen Anteil. Dennoch trafen einige hasserfüllte Briefe und E-Mails die Mitarbeiter des Zoos schwer. Esther Jansen berichtet davon.

Kurz nach dem Feuer meldeten sich die mutmaßlichen Verursacher des Brandes, eine Mutter mit zwei erwachsenen Töchtern, die diese Himmelslaternen zu Silvester aufsteigen ließen. Wie weit sie juristisch Schuld auf sich geladen haben und welche Vermögensschäden eine Versicherung übernehmen kann, muss erst ein Prozess zeigen. Wann dieser stattfindet, ist noch völlig offen.

Unabhängig hiervon hat sich eine Diskussion um die Feuersicherheit von Zoogebäuden entwickelt. Brandschutzexperten meinen, viele Zoogebäude seien gefährdet, vor allem ältere Gebäude, die nicht in Brandschutzabschnitte aufgeteilt worden sind. Rauch- und Feuermelder sind oft aufgrund der feuchtigkeitsgesättigten Atmosphäre und des Staubes sehr wartungsintensiv, oft gar nicht einsetzbar. Viele Zootiere lassen sich im Fall eines Feuers nicht einfach aus dem Gebäude retten und alte Anlagen haben oft keine Fluchttüren in die Außengehege.

Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen gab dem WDR ein Interview, in dem er kurz die Vorgänge zusammenfasste. Die Mitarbeiter und er sind schwer geschockt, aber auch von der Anteilnahme der Zoofreunde berührt. Für die Erhaltungszucht, insbesondere der Borneo-Orang-Utans ist das Feuer ein herber Rückschlag. Bevor er Zukunftspläne schmieden kann, muss er erst einmal Trauerarbeit geleistet werden, viele Mitarbeiter müssen erst einmal das Trauma verarbeiten.

Was geschah nach den ersten Tagen

Auf einer großen Kundgebung konnten sich die Trauernden treffen und gemeinsam den Tieren gedenken. Erste Spendenaktionen laufen an, der Zoo hat zwei Konten eröffnet, auf denen Spenden eingezahlt werden können. Zahlreiche Prominente nutzen die Gelegenheit, um Spenden einzuwerben. Eine Brauerei verschenkt Bier gegen eine Spende an den Zoo.

Bereits zwei Tage nach dem Feuer gibt Zoodirektor Dreßen bekannt, dass der Zoo weiterhin Menschenaffen pflegen möchte. Zwei Schimpansen und die beiden Gorillagruppen aus dem Gorillagarten haben das Feuer überlebt. Dreßen erklärt auch, dass es keine Möglichkeit gegeben habe, die Tiere im Affentropenhaus beispielsweise durch Umsperren zu retten. Das wäre nur bei einem kleineren, lokalen Brand möglich gewesen.

Die Spendenaufrufe gehen unvermittelt weiter, aber die Polizei warnt auch vor falschen Spendensammlern. Indess öffnet der Zoo am 3.1. wieder.

Die Brandermittler der Polizei ermitteln, wie das Affentropenhaus genau Feuer gefangen haben kann. Brandexperten überprüfen, ob eine Himmelslaterne die Plexiglasverkleidung entzünden kann, die Kriminalpolizei ermittelt, ob nach einer Reparatur die Verkleidung auch korrekt verbaut wurden. Die geretteten Schimpansen haben wieder Futter und Wasser von ihren vertrauten Pflegern angenommen. Ein echter Lichtblick.

Keine Beisetzung der Menschenaffen

Bereits kurz nach dem Feuer wurden Stimmen laut, die eine Bestattung der umgekommenen Menschenaffen wünschten. Am 6.1. gab der Zoo bekannt, dass dies aus juristischen Gründen nicht möglich sei. Die Mitarbeiter des Zoos haben sich auch gegen eine Urnenstätte auf dem Zoogelände ausgesprochen. Langfristig soll eine Gedenkstätte im Zoo gebaut werden.

Leider gab es einen weiteren Shitstorm, als bekannt wurde, dass Gorillamännchen Massa von einem Polizisten erschossen werden musste. Es ist leicht vorstellbar, in welchem emotionalen Durcheinander ein solcher Gnadenschuss erfolgt. Da liegt ein schwerst verletzter, vermutlich blutender Menschenaffe, dessen Schmerzen so schwer sind, dass das Narkotikum nicht anschlägt. Er gibt nur noch schwache Lebenszeichen von sich, stöhnt vielleicht, windet sich, es stinkt nach Rauch, Blut und verbrannter Haut. Der Polizist ist in keinster Weise auf so eine Situation vorbereitet, es gibt nur ein kurzes Gespräch mit dem Pfleger und der Tierärztin…  Ich kann nur hoffen, dass der Mann oder die Frau sehr gut psychologisch betreut wird.

Doch von den überlebenden Schimpansen gibt es gute Neuigkeiten. Das Männchen Limbo zeigt seit Freitag (17.1.) wieder Imponierverhalten. Er macht Krach, stäubt sein Fell und schlägt mit Ästen. Diese angsteinflößenden Gesten gehören zum Leben von Schimpansenmännchen, Weibchen Wally nimmt die Sache gelassen hin. Die Pfleger freuen sich, denn es ist ein Schritt zur Normalität. Mittelfristig sollen Limbo und Wally in einen anderen Zoo umziehen, um dort in einer größeren Schimpansengruppe zu leben.

Der Spendenmarathon

Am vergangenen Freitag gab es vor dem Krefelder Rathaus eine Gedenkveranstaltung für den Zoo, die auch prominent besucht war. Im Rahmen dieser Veranstaltung gab der Zoo bekannt, dass die Zoo Krefeld gGmbH und der Verein Zoofreunde Krefeld bereits 1,43 Millionen Euro gesammelt hätten. Inzwischen ist auch klar, dass der Zoo Krefeld weiterhin Menschenaffen pflegen wird. Der Aufsichtsrat hatte am Mittwoch, 22.1.2020 den Bau eines „Artenschutzzentrums Affenpark“ beschlossen. Wie dieser genau aussehen soll und was er kosten wird, ist noch unklar. Bis hier die ersten Tiere einziehen können, werden noch einige Jahre vergehen.

Am vergangenen Wochenende gab es zwei Benefiz-Konzerte in der Krefelder Kulturfabrik. Musiker, Techniker und Helfer verzichten auf ihre Gagen und Aufwandsentschädigungen, die kompletten Eintrittseinnahmen und Teile des Merchandise kommen dem Krefelder Zoo zugute. 1400 Karten wurden verkauft.


Spendenkonten

Zoo Krefeld gGmbH

Sparkasse Krefeld
IBAN: DE 10 3205 0000 0000 4271 53
BIC: SPKRDE33
Verwendungszweck: Spende Affenhaus

Zoofreunde Krefeld e.V.

Sparkasse Krefeld
IBAN: DE 42 3205 0000 0000 3177 43
BIC: SPKRDE33
Verwendungszweck: Spende Affenhaus

Website des Zoo Krefeld: www.zookrefeld.de





Panther-Alarm in San Severo

 

 

Große Raubkatzen, die an Orten gesichtet werden, an denen sie natürlich nicht vorkommen, sind ein weltweites Phänomen. Selten handelt es sich bei diesen Tieren den Beschreibungen nach um (männliche) Löwen, Tiger oder gefleckte Leoparden.

Am häufigsten werden Tiere beschrieben, bei denen es sich um Pumas oder schwarze Panther zu handeln scheint. Nachdem es im vergangenen Jahr in Kontinentaleuropa mehrfach zu Sichtungen von pumaähnlichen Tieren kann, macht aktuell, im noch jungen Jahr 2020, ein Phantom-Panther Italien unsicher und füllt die italienische Berichterstattung.

Der erste Kontakt

Am 15. Januar fand die erste Sichtung in der Umgebung von San Severo statt. Der Besitzer einer Fabrik für Feuerwerkskörper, etwa 1,5 Kilometer von der Stadt entfernt, berichtete, dass er auf dem Weg zur Arbeit, als er auf dem Platz einen großen, sitzenden Schatten wahrnahm. Das Tier lief zum Eingang, als er sich diesem näherte und als das Tier sich zu ihm umdrehte, erkannte er, dass es sich entgegen seiner ersten Vermutung, nicht um einen großen, schwarzen Hund handelte, sondern um ein katzenartiges Tier mit sehr scharfen Zähnen. Es sprang auf die Motorhaube seines Fahrzeugs und flüchtete weiter in die Felder [Südtirolnews (3)]. Vor Ort wurden auch Spuren des geflüchteten Tieres gefunden, die online zu finden sind [News 1 (4)].

Die Polizei organisierte in Folge der Sichtung Suchtkampagnen, obgleich es zunächst keine weiteren Sichtungen gab [News 1 (1+2)].


San Severo liegt in Süditalien, an der Basis des „Sporns“. Die Gegend ist vor allem fruchtbares Ackerland, Weidewirtschaft spielt kaum eine Rolle.

Leopard
Leoparden sind die anpassungsfähigsten Großkatzen. Dennoch wird selten von gefleckten Tieren berichtet, wenn es um ABC geht.

Weitere Sichtungen

Inzwischen  folgten weitere Sichtungen des Tieres in der Region rund um San Severo und bei Youtube tauchten auch erste Filmaufnahmen des Tieres auf, die, typisch für alien big cats, aber einen breiten Interpretationsrahmen zulassen:

Die Suche nach dem Panther hält unterdess an und wird auch mittels Wärmebildkameras und Drohnen unternommen.

Eine gerissene Ziege wird diesem Tier inzwischen angelastet und es wird spekuliert, der Panther könnte aus der illegalen Haltung eines örtlichen Mafia-Bosses entlaufen sein. [News 1 (5)]
Die These, es handle sich bei derartigen großen Katzen um Gefangenschaftsflüchtlinge, erscheint sehr wahrscheinlich, gleichzeitig ist auffallend, dass du selten überhaupt ein Tier wirklich entdeckt wird. Gleichzeitig ist eine derartige Annahme natürlich ähnlich spekulativ, wie andere Erklärungsversuche, da eine illegale Haltung großer Katzen in Privathaushalten oft lediglich eine Annahme ist.

 

Schearzer Jaguar
Ein schwarzer Jaguar im Zoo. Wenn es um ABC geht, sind schwarze Katzen stark vertreten.

Schwarzer Panther vor dem Fenster einer Dachwohnung
Im letzten Jahr entkam ein schwarzer Leopard aus einer Dachwohnung im Norden Frankreichs.

Wo kommt der Panther her?

Eine der größten Herausforderungen ist, die Herkunft der Tiere zu klären. Egal ob entflohene Einzeltiere oder eine unerkannte Population von großen Raubkatzen hinter den immer wieder aufkommenden Sichtungswelle stecken, unklar ist, wohin sie verschwinden. Streifen große Beutegreifer wie Pumas und Leoparden unerkannt in Europa, ohne ein festes Revier zu besetzen? Werden sie nur in Zeiten von Futtermangel gesíchtet, wenn sie der menschlichen Besiedlung näher kommen?

Am Ende könnten wir es natürlich auch mit einem interessanten volkskundlichen Phänomen zu tun haben, in dem die exotische Raubkatze ein Narrativ für den Wunsch nach einer Rückkehr der Wildnis ist. Die Kontroverse um den Wolf und die zunehmende Forderung nach seiner Bejagung macht eine solche „Sehnsucht“ unwahrscheinlich.

Nicht der erste Panther in Italien

Interessant ist es aber auch, dass es nicht das erste Mal ist, dass in Italien der Panther los ist. Bereits 2011 gab es in der einige hundert Kilometer von San Severo entfernten Toskana eine Sichtungswelle (unter anderem durch einen Forstbeamten), die zu einer ergebnislosen Suchaktion führte [Holsteinischer Kurier (6)].

Ob sich in dem aktuellen Fall tatsächlich ein Tier nachweisen lässt, das werden vermutlich die nächsten Tage und Wochen zeigen und selbstverständlich werden wir davon berichten, sollte es aktuelle Entwicklungen in diesem Fall geben.

Nicht nur in Italien

Auch in anderen Teilen Europas gibt es immer wieder Berichte von großen Raubkatzen. In Großbritannien haben sie eine lange Geschichte. Zuletzt berichteten wir von mehreren Sichtungen im tschechischen Isergebirge. Auch in Dänemark haben Puma-Sichtungen Tradition. Ein sehr skurriler Fall aus Frankreich im letzten Jahr könnte einen Hinweis auf die Herkunft zumindest einiger Katzen geben.

 


Literatur:

  • News 1 (1): Panther Alarm in San Severo – vom 16.01.2020
  • News 1 (2): San Severo Panther Alarm – vom 16.01.2020
  • Südtirolnews (3): Nicht nur Wölfe, In Apulien Panther gesichtet – vom 19.01.2020
  • News 1 (4): „She jumped on the hoof of my car“ – vom 17.01.2020
  • News 1 (5) Panther sighted in San Severo, searches continue – vom 22.01.2020
  • Holsteinischer Kurier (6): Jagd auf schwarzen Panther in der Toskana – vom 09.08.2011

(Anmerkung der Redaktion: Das Nachrichtenportal News 1 hat zum Februar 2020 seine Struktur geändert, die vorher gesetzten Links laufen nun ins Leere)





Presseschau Kalenderwoche 04/2020

Wie immer montags gibt es auch heute die Presseschau mit Pressemitteilungen aus Zoologie und Kryptozoologie. Die Kryptide nehmen diese Woche einen großen Raum ein, und auch ein seit einigen Wochen bestehendes Rätsel konnte gelöst werden. Bemerkenswert ist auch der Wetterbericht aus Florida: es wird vor besonderen Niederschägen gewarnt.

Neu ist die Rubrik „Kurz notiert“, Ihr könnt uns gerne schreiben, was ihr davon haltet. Nachdem die Fernseh-Vorschau letzte Woche viel Resonanz brachte, hoffe ich, weitere Sendehinweise für die Zukunft zu bekommen.

Viel Spaß beim Lesen.

 

2019 war das Jahr mit den meisten Nessie-Sichtungen seit fast 40 Jahren

Loch Ness mit einer Nessie-Stoffpuppe
Loch Ness mit Monster, wenn auch winzig klein und freundlich

Im vergangenen Jahr haben die Kryptozoologen am Loch Ness eine gewaltige Zahl von 18 glaubhaften Sichtungen des Loch Ness-Monsters verzeichnet. Das ist die größte Zahl seit 1983, als es 20 unterschiedliche Begegnungen gab.

Eigentlich ist die hohe Zahl der Sichtungen kein Wunder. 2019 lenkte der neuseeländische Umweltgenetiker Neil Gemmell die Aufmerksamkeit auf den großen See in Schottland. Nach Probennahmen für die Untersuchung von Umwelt-DNA behauptete er medienwirksam, „etwas ungewöhnliches“ im See gefunden zu haben. Wir berichteten mehrmals ausführlich über den PR-Gag und dessen Folgen.

Die gesteigerte Aufmerksamkeit führt in der Regel dann auch zu einer höheren Zahl von Sichtungen.


Tyrannosaurus-Arme doch nützlich?

Tinker, der junge Tyrannosaurus
Die Arme des Tyrannosaurus rex sind tatsächlich sehr kurz.

Das möglicherweise ungewöhnlichste am Aussehen von Tyrannosaurus rex* sind seine grotesk kurzen Arme. Sie geben immer wieder zu Witzen Anlass. Doch Wissenschaftler der Stockton University in New Jersey haben herausgefunden, dass die Ärmchen doch zu etwas nutze waren: Sie entdeckten, dass die Arme vermutlich beweglicher waren, als früher angenommen. Die Tiere hielten ihre Arme vermutlich so, dass die Handflächen gegeneinander standen, etwa so, als ob sie klatschten – oder ein Smartphone hielten. Möglicherweise dient diese Haltung dazu, kleinere Tiere festzuhalten und in den Bereich des Maules zu führen.

Die Autoren, Christopher Langel und Matthew Bonnan planen Vergleichsexperimente mit Truthühnern und Alligatoren, bevor sie die Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlichen.


Wetterbericht warnt vor Leguan-Niederschlag

 

Grüner Leguan
Grüne Leguane vermehren sich in Florida gut – bis es zu kalt wird.

In Florida ist es derzeit ungewöhnlich kalt. Die einheimischen Arten können mit gelegentlichen Kälteeinbrüchen im Winter gut leben. Aber zahlreiche tropische Heimtiere haben sich im „Sunshine State“ etabliert und bilden dort überlebensfähige Populationen, von Aquarienfischen bis zu Grünen Leguanen. Doch genau diese halten das kalte Wetter im Moment schlecht aus: Die wechselwarmen Tiere fallen bei den derzeitigen -1 bis +4° C in eine Kältestarre. Sie können sich dann auf den Bäumen, auf denen sie sonst leben, nicht mehr festhalten und fallen herunter.

Da männliche Grüne Leguane bis zu 9 Kilo auf die Waage bringen, warnt nun der Wetterbericht von herunterfallenden Tieren. Sie können Schäden bis zum Schädel- oder Genickbruch verursachen.

Grüne Leguane gelten in Florida als unerwünschte, invasive Art, die durch ihre langen Tunnel in Dämmen und Deichen schwere Schäden anrichten können. Daher werden sie intensiv bejagt. Die kurze Kaltwetterperiode ist jedoch eine große Chance für die Jäger, die Tiere zu fangen.


„Neue“ Springaffenart aus Brasilien beschrieben

Ein internationales Forscherteam hat eine bisher unbekannte Springaffenart aus Brasilien beschrieben. Plecturocebus parecis* heißt die Art nun wissenschaftlich. Dr. Almério Câmara Gusmão von der Universidade do Estado de Mato Grosso sagt: „Sie unterscheiden sich von allen anderen Springaffen durch ihre graues und am Rücken rotbraunes Fell.“ Die neu beschriebenen Affen kommen an mehreren Orten in den brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso und Rondonia vor.

Die Art ist bisher noch nicht direkt bedroht, nur die Regenwaldrodung gefährdet ihre Lebensräume.


Hyderabad: Leoparden im Doppelpack

Leopard
Leoparden sind die anpassungsfähigsten Großkatzen und kommen oft in der Nähe des Menschen vor

Als Bewohner des Armenviertels Pragati Nagar am Donnerstagfrüh einen Leoparden bemerkten, brach beinahe so etwas wie Panik aus. Viele Menschen verließen ihre Häuser, während Mitarbeiter der Wildschutzbehörde den Leoparden in die Enge trieben, narkotisierten und in einen Zoo brachten.

Die Offiziellen vermuten, der Leopard käme aus dem nahe gelegenen Wald und habe sich verlaufen, so berichtet die Tageszeitung The Hans India.

Beinahe zeitgleich berichtet die Times of India von einem anderen Leoparden, der in der Nähe von Hyderabad in einer illegalen Schlingenfalle zum Fang von Wildschweinen gefangen wurde. Das Tier konnte narkotisiert werden, kam ebenfalls in einen Zoo und wurde dort tierärztlich behandelt. Das fünfjährige Tier ist in einem stabilen Zustand, jedoch noch verängstigt. Angesichts seiner Situation kein Wunder.


Vier „laufende“ Haie aus Neu Guinea

Hemiscylliom halmahera
Einer der „laufenden Haie“, der Bambushai Hemiscylliom halmahera. (Foto: Mark Erdmann)

Ein Team von Wissenschaftlern um Dr. Christine Dudgeon von der University of Queensland hat in den Gewässern von Nordaustralien und Neu Guinea vier bisher unbekannte Haie beschrieben. Die Haie gehören zur Verwandtschaft der Bambushaie. Hemiscyllium ocellatum* ist bereits als „laufender Hai“ bekannt. Die „neu“ beschriebenen Verwandten H. michaeli, H. halmahera, H. henryi und H. galei können es auch: Unter Wasser liegen die aalartigen Tiere auf dem Boden und bewegen sich mit schlängelnden Bewegungen fort. Dabei drücken sie sich mit Brust- und Afterflossen ab: Sie laufen.

Diese Fähigkeit ermöglicht es ihnen, sich in sehr flachem Wasser, auf Felsen oder Korallenblöcken fortzubewegen. Durch verschlossene Kiemenspalten können sie mehrere Minuten „an Land“ verbringen, bis wie wieder frisches Wasser aus einer Pfütze aufnehmen müssen.

Die „Neuentdeckungen“ haben in den sozialen Medien für großen Wirbel gesorgt. Die Arten wurden bereits 2008, 2010 und 2013 beschrieben.

Literatur: Dudgeon et al.: Walking, swimming or hitching a ride? Phylogenetics and biogeography of the walking shark genus Hemiscyllium; Marine and Freshwater Researc


Erhöhte Sasquatch/ Bigfoot-Aktivität

Kaum haben die US-Amerikaner einen Feiertag, steigt die Zahl der (vermeintlichen) Bigfoot-Sichtungen und sonstigen Spuren. Am 20.1. war der Martin-Luther-King-Tag, es ging vor die Tür und: die Zahl der Meldungen ging hoch:

Bigfoot?
Screenshot einer „typischen Bigfootsichtung“, ein Fake

  • Die umstrittene Primatologin Mireya Mayor will im Rahmen der Serie „Expedition Bigfoot“ in Oregon den heulenden Ruf eines Sasquatch aufgezeichnet haben. Link zu youtube
  • Bigfoot-Evidence zeigt Bilder einer offiziellen Verkehrs- und Wetterkamera am Sherman-Pass (US Bundesstaat Washington), die etwas zeigen, was dort als möglicher Sasquatch interpretiert wird. Kritiker sehen hier eine ausgeschnittene Pappdarstellung, denn das Wesen bewegt sich nicht, während im Hintergrund ein Auto vorbei fährt. Link zu bigfootevidence
  • Auf einem Foto, das bei Warm Lake im Valley County, Idaho aufgenommen worden sein soll, soll ein Bigfoot zu sehen sein, der einen toten Hirsch trägt. Das Foto ist erst jetzt publiziert worden, stammt aber von September 2019.

Weichtier-Chaos aufgeräumt (?)

Mollusken
Unterschiedliche Mollkuskenschalen aus einem alten Buch

Die Systematik ist der Zweig der Biologie, der versucht, die Verwandtschaftsverhältnisse von Lebewesen anhand ihrer Merkmale zu ermitteln. Mit Aufkommen der Genetik hat sich hier in den letzten 20 Jahren viel getan, aber einige Gruppen widersetzten sich ihrer Einordnung.

Bei dem Tierstamm der Mollusken (Weichtiere) war „eigentlich“ immer schon klar, dass sie alle zusammen gehören, von der Jakobsmuschel über die Nacktschnecke bis zum Oktopus. Doch wie, wer und mit wem wie eng verwandt ist war unklar. Auch weil die teilweise unbeschalten Weichtiere nicht immer gute Fossilien lieferten- die Systematiker sprachen vom Mollusken-Chaos.

Problematisch wird es durch das hohe Alter der Mollusken. Die genetische Uhr datiert sie zurück in eine Zeit der planetaren Vereisung, der „Schneeball-Erde“, vor 555 Millionen Jahren. Die meisten anderen Tierstämme sind erst seit dem Kambrium, vor etwa 520 bis 500 Millionen Jahren bekannt.

Doch nun hat die Genetik und einige Fossilien der Gattung Kimberella für erste Klarheit gesorgt: Schnecken und Kahnfüßer bilden zusammen mit Muscheln und Kopffüßern eine Evolutionslinie, als Schwestergruppe gelten die ursprünglichen Einschaler (Monoplacophora). Sie bilden gemeinsam die Gruppe der Schalenträger (Conchifera), denen die „Stachelweichtiere“ (Aculifera) gegenüberstehen. Sie setzen sich aus den Käferschnecken und den Wurmmollusken zusammen, zwei artenarmen, rein marinen Gruppen.
„Die Zoologischen Lehrbücher werden wohl umgeschrieben werden“, meint Prof. Dr. Michael Schrödl (Zoologische Staatssammlung München), der Initiator des internationalen, u.a. von der DFG unterstützten Forschungsprojektes.

Originalarbeit: Kocot, K.M., Poustka, A.J., Stöger, I. et al. New data from Monoplacophora and a carefully-curated dataset resolve molluscan relationships. Sci Rep 10, 101 (2020).

Pressemeldung der Zoologischen Staatssammlung


Schotten testen walfreundliche Reusen

Reusen
Hummerreusen in einem schottischen Hafen

Eine der größten Bedrohungen für Wale geht heute von der Fischerei aus. Sie verfangen sich häufig in Leinen, mit denen am Boden liegende Reusen miteinander und mit einer Boje verbunden sind. Das Fischereiboot fährt zur Markierungsboje und zieht mit einer Winde zunächst die Boje und dann die damit verbundenen Reusen an Bord. Verfangen sich Wale in der Leine, schleppen sie mehrere Tonnen an Geschirr und Reusen mit sich herum. Sie daraus zu befreien ist schwierig.

Ein wichtiger Teil der schottischen Fischerei hat Krebse und Hummer als Zielarten, also werden in schottischen Gewässern viele Reusen genutzt. Um die Wale zu schonen, werden jetzt „leinenlose Reusen“ eingesetzt. Sie tragen eine Leine mit Boje in einem Container, wenn sie versenkt werden. Sobald der Container ein elektronisches Signal empfängt, lässt er die Boje und damit die Leine aufsteigen. So wird die Reuse vom Fischereiboot gefunden und kann geborgen werden.

Bally Philip, ein Fischer aus Kyle of Lochalsh arbeitet im Projektteam und hat noch ein paar Verbesserungsvorschläge. Er sagt: „Wir benutzen die Bojen, um zu sehen, wo das Geschirr ist. Daher brauchen wir ein Trackingsystem, um uns dahin zu bringen und einen Weg anderen Fischern zu sagen, wo unsere Reusen sind. Das muss noch entwickelt werden.“ Die Wissenschaftlerin Ellie MacLennan sagt, dass im letzten Jahr 12 Wale bekannt wurden, die sich in Reusengeschirr verfangen hätten, 2 davon mit schweren Verletzungen. „Die Fischer wollen helfen“, beschreibt sie die Situation: „Sie arbeiten neben diesen riesigen Tieren und es ist niederschmetternd, wenn sich so ein Tier verfängt.“

Quelle: BBC


Kokosnüsse gefährlicher als Haie?

grüne Kokosnüsse
Ist dieser Blick lebensgefährlich?

„Durch herabfallende Kokosnüsse sterben viel mehr Menschen, als durch Haie“, dieses Gerücht wird gerne durch Aquarien einer kommerziellen Kette in Deutschland verbreitet. Autoren der Wikipedia haben diese Aussage jetzt einmal überprüft:

Das International Shark Attack File ist eine seriöse Organisation, die weltweit Daten zu Haiangriffen sammelt. Diese Zahlen sind belastbar. George H. Burgess, Direktor der Organisation zählt etwa 10 tödliche Haiangriffe im Jahr und verglich sie 2002 mit 150 Toten durch fallende Kokosnüsse. Als Quelle für die Zahl 150 nannte er eine Pressemitteilung des „Club Direct“.

Letztlich scheint die Zahl sehr willkürlich, denn es gibt keine Organisation wie ein „Coconut Attack File“, das Unfälle durch Kokosnüsse zentral sammelt. Dennoch wird die Zahl von 150 Toten gerne und häufig zitiert.

Mehr auf Wikipedia


Rätsel der toten Stare von Wales gelöst

Tote Stare in Wales
Über 300 tote Stare auf der Straße

Am 10. Dezember fanden Einheimische in der Nähe von Bodedern auf der Insel Anglesey (Wales, Großbritannien) etwa 200 tote Stare auf der Straße. Zunächst konnte niemand den Vorfall erklären, zumal die Vögel auch ausschließlich auf und direkt neben der Straße und nicht in den Weiden, Wiesen und Büschen im nahen Umfeld gefunden wurden. (Wir berichteten)

35 Vögel hat das “North Wales rural crime department” untersucht und bei allen „schwere Aufprallverletzungen“ festgestellt.

Starenschwärme vermeiden den Kontakt mit Greifvögeln, in dem sie Ausweichmanöver fliegen, was filmisch gut dokumentiert ist. Bei solchen Manövern kam es schon früher zu einem „kontrollierten Flug in den Boden (Controlled Flight into or toward Terrain)“, wie es im Luftfahrtjargon heißt. Die toxikologische Untersuchung ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Rob Taylor vom North Wales rural crime department ist sich aber ziemlich sicher, dass diese Hypothese zutrifft. 2018 ist in Okanagan, Kanada nahezu die gleiche Situation beobachtet worden.

Links:

The Guardian

Globalnews Kanada


Armin Maiwald wird 80

Herzlichen Glückwunsch, lieber Armin!

Nicht direkt zoologisch, aber wer erklären kann, wie die Löcher in den Käse kommen, wie Aquaponik funktioniert, zeigt, wie ein Ei gelegt wird, wie ein Kamel trinkt oder warum Wanzen übers Wasser laufen können, der ist mindestens Zoologe ehrenhalber.

Maus, Elefant und Ente gratulieren natürlich: Armin Maiwald, Mit-Erfinder der „Sendung mit der Maus“, ist am 23. Januar 80 Jahre alt geworden.

Die Redaktion wünscht Armin alles Gute und viele weitere gesunde Jahre. Mögen ihm weder Zeit noch Ideen ausgehen – wobei wir letzteres für unwahrscheinlich halten.


Farvel Tristan-Otto

Schädel des Tyrannosaurus „Tristan Otto“ aus Berlin

Tyrannosaurus rex zum 2.: Tristan-Otto, das einzige originale Skelett eines Tyrannosaurus rex verlässt Deutschland. Gestern am 26.1.2020 hat er in seinem Saal im Naturkundemuseum Berlin das letzte Mal Gäste empfangen. Ab heute wird das schwarze Skelett abgebaut und nach Kopenhagen verschifft, wo Tristan die nächsten Jahre verbringen wird.

Tristan-Otto konnte seit Dezember 2015 über drei Millionen Besucher begeistern, obwohl seine Präsentation auch kritisch gesehen wurde. Völlig losgelöst von sämtlicher Umwelt stand das Skelett in einem kahlen Raum, den Blick durch eine Säule zwar nicht verdeckt, aber doch getrübt. Die Umwelt wurde hier vor allem durch schriftliche Informationen auf Postern, Projektionen und Monitoren dargestellt. Dies hätte man eher vom Begleitbuch erwartet, das wiederum versuchte, mit erfundenen Impressionen aus dem Dinosaurier ein Kunstwerk zu schaffen.

Neben Tristan-Otto gibt es in Europa nur noch ein originales Tyrannosaurus-Skelett: Trix, etwa so groß wie Tristan-Otto und auch aus der Hell-Creek-Formation, jedoch mit 30 Jahren deutlich älter. Trix steht seit Herbst 2019 im Naturalis Biodiversity Center in Leiden, Niederlande.

Abgüsse von Tyrannosaurus rex-Skeletten gibt es in Deutschland unter anderem in Münster, Frankfurt und bis Sommer 2020 noch in Bonn.

Tristan-Otto wird in Zukunft auf dem entstehenden Wissenschaftscampus in Berlin seinen endgültigen Platz finden. Obwohl: wer 67 Millionen Jahre im Gestein saß, hat von „endgültig“ wohl eine andere Vorstellung, als wir Menschen.

 


Kurz notiert:

  • In der demokratischen Republik Kongo haben Wissenschaftler 715 Millionen Jahre alte Mikrofossilien von Pilzen entdeckt
  • Biber schaffen es sogar auf google Maps: am Hilsbach bei Sinsheim haben Biber einen See aufgestaut, der so groß ist, dass er beim Kartendienst google Maps zu finden sein soll. Die Redaktion konnte das nach kurzer Suche nicht bestätigen.
  • In Schottland verhindern Anwohner den Bau einer Fischfarm, weil sie befürchten, dass die Feen, die an diesem Ort leben sollen, gestört würden.
  • Malaysia weist 150 Container mit über 3700 t illegal importierten Plastikmüll ab und schickt sie zurück in die Herkunftsländer Frankreich, Großbritannien, die USA, Kanada, Spanien, Hongkong, Singapur und Japan. „Wir wollen nicht die Mülltonne der Welt sein!“, sagte Yeo Bee Yin, Umwelt- und Wissenschaftsministerin des Landes.
  • Das Landgericht Münster hat einem Schweinezüchter aus dem Kreis Steinfurt endgültig die Haltung von Tieren untersagt, nachdem in seinen Ställen wiederholt zu schweren Tierschutzverstößen kam. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
  • Die kurzzeitige Haltung von Hummern in Aquarien mit Meerwasser vor dem Verkauf ist zulässig, auch wenn die Scheren zusammengebunden sind, hat das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschieden.

Keine News vom Krefelder Zoo?

Nach dem Feuer im Affentropenhaus im Krefelder Zoo hat sich einiges getan. Wir werden in den nächsten Tagen noch ausführlich aus dem Rheinland berichten und möchten dem in diesem Medium nicht vorgreifen. Die Redaktion bittet daher um ein wenig Geduld.


Im Fernsehen: Die TV-Vorschau

gesammelt von: Ulrich Magin

Spielfilme

28. Januar: Die kleine Meerjungfrau

Märchenklassiker um einen in Vergessenheit geratenen Kryptiden von 2018

Disney-Channel, 20:15 Uhr

 

Dokumentationen

27. Januar: Rückkehr der Biber

Der Biber kehrt zurück in die europäischen Flüsse – eine Reportage von Klaus Weißmann.

Arte, 17.50 Uhr

29. Januar: Terra mater

Drogenboss Pablo Escobar ließ Flusspferde aus Afrika nach Kolumbien importieren, Mittlerweile sind sie ausgewildert und gedeihen prächtig in den südamerikanischen Sümpfen. Und bedrohen jetzt einheimische Arten und auch die Menschen, die dort wohnen.

Servus TV, 20.15 Uhr

 

Reisefilme

Manche Reisefilme zeigen Monsterseen, werden voraussichtlich zu diesem Thema aber nichts zu sagen haben. Trotzdem: Es gibt kaum einen Ungeheuersee, der nicht an sich bereits malerisch wäre. Andererseits: Bei den meisten Reiseformaten wird nur „traditionell, aber modern interpretieret“ gekocht und Sport getrieben.
Besonders am Herz liegt mir Oberitalien mit den Monsterseen Lago Maggiore, Comer See und Gardasee:

 

28. Januar: Wildnis am Lago Maggiore

Maggie wird kaum unter den gezeigten Tieren sein, aber schön ist es auch ohne Monstersichtung.

Arte, 17.50 Uhr

 

31. Januar: Patagonien

In der Entdeckerzeit war das Land berühmt für seine Bewohner, Riesen mit großen Füßen (Patagon heißt Bigfoot!). In den 1920er Jahren suchte man dort nach überlebenden Plesiosauriern, und nach wie vor haben manche Hoffnungen, dort noch lebende Riesenfaultiere anzutreffen. Ob es in der Doku auch darum gehen wird, kann ich nicht sagen: Der Schwerpunkt scheint auf Bergsteigen zu liegen.

Arte, 18.30 Uhr

 

Anmerkung: Eine TV-Vorschau bringen wir nur, wenn der Redaktion Sendetermine zugesandt werden. Wer eine interessante Sendung gefunden hat, kann sie gerne der Redaktion (E-Mail-Link) mitteilen. Natürlich hat die TV-Vorschau keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn wir einen Termin melden, weisen wir auf die Sendung hin, es ist keine Aussage zur Qualität des Beitrages.


Feld-Ornithologisches

Neu in der vergangenen Woche

  • In Sauerlach bei München ist ein Sichler aufgetaucht.
  • Bei Obersulm bei Heilbronn haben mehrere Vogelfreunde zwei oder mehr Fichtenammern (Emberiza leucocephalos*) beobachtet und eindeutig von mitreisenden Goldammern unterscheiden können.

Die „immer noch da“-Meldungen:

  • Der Gelbschnabeltaucher vom Müggelsee ist nach wie vor präsent. Wir warten immernoch auf Fotos!
  • Der Schildrabe im Erzgebirge ist wieder aufgetaucht. Gestern und vorgestern wurde er in Freiberg in der Bahnhofsvorstadt gesichtet und fotografiert.
  • Die Kanada-Pfeifente schwimmt noch auf der Luppe in Leipzig.
  • Die Zwergammer macht immernoch den Drachenfels unsicher.
  • Die Ringschnabelmöwe hält am Hitdorfer Hafen in Leverkusen und auf der gegenüberliegenden Rheinseite weiterhin die Stellung.
  • Ebenfalls mit Ringschnabel, aber eine Ente ist weiterhin auf dem Lech beim Lechstau 02 bis 03 zu beobachten.
  • Eine andere Ringschnabelente fühlt sich bei Rastatt im Bärensee sehr wohl – und bleibt erst einmal.
  • Auch die dritte Ringschnabelente ist diese Woche noch da: Auf dem Hiltruper See in Münster.
  • Noch eine Ente, diesmal eine Pazifiktrauerente paddelt immernoch vor dem Bülker Leuchtturm in Schleswig-Holstein herum.
  • Die Zwergscharbe bleibt auf dem Ismaninger Speichersee.

Nicht mehr gemeldet:

  • Die Prachteiderente auf der Schleimündung wurde nicht mehr beobachtet.

Zu guter Letzt: Der Elefant in der Hotellobby

Nicht ganz der sprichwörtliche Porzellanladen, aber in einer Hotellobby kann genug zu Bruch gehen. Doch der Elefantenbulle ist im Jetwing Hotel in Yala bereits bekannt, er lebt in der Nähe des Hotels und kommt gelegentlich auf einen kleinen Snack vorbei – sehr zur Freude zahlreicher Touristen.


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.




Freitagnacht-Kryptos: Loch-Ness-Rätsel gelöst?

 

Was hat man nicht schon alles als zoologische Lösung des Rätsels von Loch Ness präsentiert? Im „Niederrheinischen Tageblatt“ vom 3. Februar 1934 musste es eine seltene Walart sein – nichts spricht dafür, außer, dass sie eben kaum bekannt war und deshalb, ähnlich wie Nessie, irgendwie geheimnisvoll… Zum besseren Verständnis muss man wissen, dass man anfänglich der Ansicht war, eine Seeschlange sei im Loch Ness gestrandet, die Vorstellung, Nessie sei ein unbekanntes, den Loch Ness schon seit langer Zeit bewohnendes Tier, entstand erst Mitte der 1950er Jahre.

„Das Rätsel der ‚Seeschlange‘ von Loch Neß gelöst?

Schnabelwal schaut zu 1/3 aus dem Wasser
Sowersby’s Schnabelwal (Foto Pj.vanderlinde CC 3.0)

Durch die Entdeckung eines Wiener Professors scheint nunmehr das Geheimnis um die Seeschlange gelüftet zu werden. Dieser hat im Breslauer Zoologischen Museum das Skelett einer ‚Seeschlange‘ entdeckt, die in Gestalt und Größe der vom Loch Neß gleichkommt. Es handelt sich bei dem Museumsstück um eine ganz seltene Walart, um den Sowersby-Wal, der vor 133 Jahren entdeckt wurde. Das einzige guterhaltene Skelett befindet sich in dem Breslauer Museum. Vor 20 Jahren ist der Wal bei der Greifswalder Oie erlegt und vom Breslauer Museum erworben worden.

Das Tier hat eine Länge von 3,80 Metern, 2 Meter Umfang und neun Zentner Gewicht. Der Wal befand sich damals 14 Tage lang in der Umgebung der Greifswalder Oie mit einem zweiten Tier und wurde während dieser Zeit von vielen Küstenfischern beobachtet. Der Körper ist schlank, der Kopf geht von der Stirn aus in einen etwa 30 bis 40 Zentimeter langen Schnabel über. Diese Walart ist nie wieder in der Ostsee beobachtet worden.“

Und nie wohl auch im Loch Ness… Hier wird das Geheimnisvolle mit dem wenig Bekannten verbunden, damit die logische Lösung glaubhafter wirkt. Die Deutung hat sich auch nicht durchgesetzt.

Niederrheinisches Tageblatt vom 3. Februar 1934


Literatur:

Niederrheinisches Tageblatt vom 3.2.1934