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Breaking News: „Neue“ Menschenart aus Asien beschrieben

Während der letzten Eiszeit existierten auf der Erde noch viele verschiedene Menschenspezies, die damals Afrika, Asien und Europa bewohnten. Die lange Zeit ihrer Entwicklungsgeschichte und die schiere Größe ihres Verbreitungsgebiets führte zu einer Aufspaltung in mehrere, teils mehr, teils weniger eng miteinander verwandte Abstammungslinien.

 

Homo longi
Homo longi, der Schädel des Holotypen und eine mögliche Rekonstruktion. Abb. aus der Erstbeschreibung.

 

Auf Basis eines beeindruckenden Schädelfossils, das nahe der Stadt Harbin im Nordosten Chinas entdeckt wurde, haben Xijun Ni von der GEO University in Hebei und seine Kollegen nun eine neue Menschenart beschrieben, die vor ca. 146.000 Jahren Ostasien bevölkerte. Das sehr große Schädelvolumen von 1.420 ccm ist vergleichbar mit dem des modernen Menschen, mit dem das Fossil auch viele andere Merkmale teilt. Von anderen Homo-Arten unterscheidet sich der Schädel u.a. durch ein langes und niedriges Schädelgewölbe, ein breites und niedriges Gesicht, große und fast quadratische Augenhöhlen, flache und niedrige Wangenknochen und einen flachen Gaumen mit dickem Alveolarknochen, der sehr große Backenzähne trägt.

 

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Denisovaner: Der rätselhafte Urmensch bekommt ein Gesicht

Hätte mir jemand vor 20 Jahren im Archäologiestudium erzählt, die Genetik würde bald viele Rätsel der Geschichte lösen, ich hätte es für ziemlich abwegig gehalten. Und heute? Lässt sich die Genetik nicht mehr aus der Archäologie wegdenken. Heute wissen wir, wie die Pestwellen einst über die Kontinente schwappten, wann der Mensch Schwein, Pferd und Hund zähmte oder wie das Erbgut ausgestorbener Arten aussah. Und wir wissen sehr viel mehr über uns, den Homo sapiens. Nicht nur, dass der moderne Mensch einst von Afrika aus die Welt eroberte, sondern auch, dass er auf seinem Weg andere Menschen traf, die ihm ähnelten und dennoch anders waren. Viel mehr noch: Diese anderen, ausgestorbenen Menschenformen haben Spuren in unserem Genom hinterlassen.

 

Spektrum Geschichte – Denisovaner: Der rätselhafte Urmensch bekommt ein Gesicht (Spektrum Geschichte / Von der Menschwerdung bis in die Neuzeit)ist 2020 im Spektrum-Verlag erschienen und hat 84 Seiten. Es ist als Taschenbuch oder für den Kindel erhältlich.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

 

Die neubeschriebene Art trägt den Namen Homo longi, ein lateinisch-chinesisches Mischwort, das soviel wie „Drachenmensch“ bedeutet. Genanalysen sollen nun klären, wie eng die Drachenmenschen mit uns verwandt waren, und ob möglicherweise auch engere Verbindungen zu anderen Frühmenschen, wie Neandertalern oder Denisovanern bestehen. Möglicherweise handelt es sich gar um den ersten fossilen Nachweis eines Denisovaners: dann wäre „Homo longi“ nun der offizielle Artname dieser geheimnisvollen Urzeitbewohner Asiens, die bislang noch nicht formell beschrieben wurden.

 

Link zur Studie:
Massive cranium from Harbin in northeastern China establishes a new Middle Pleistocene human lineage; DOI:https://doi.org/10.1016/j.xinn.2021.100130
Ergänzend und erklärend:
Late Middle Pleistocene Harbin cranium represents a new Homo species; DOI:https://doi.org/10.1016/j.xinn.2021.100132


Am 30.6. haben wir die Erstbeschreibung und die begleitenden Studien genauer untersucht und besprochen.

Es lohnt sich, den Beitrag zu lesen.