Presseschau Kalenderwoche 46/2019

Herzlich willkommen zur Presseschau der KW 46. Diese Woche sind eine Menge Dinge passiert, so dass wir gar nicht alles in die Presseschau übernehmen können, was kryptozoologisch interessant ist. Ein Schwerpunkt liegt diesmal bei den Säugetieren, auch wenn da noch die „Penguin Affairs“ im Raum schweben.

Lest selbst:

Proteine im Zahnschmelz beweisen: Gigantopithecus war ein früher Pongine

Orang-Utan sitzt auf einer steilen Flußböschung auf Borneo
Wer weiß, welche Menschenaffen und Menschenartige früher noch in Indonesien lebten. Er?

Vom Riesenaffen Gigantopithecus* ist nicht viel bekannt. Außer ein paar Kieferknochen kennt man nur Zähne, die für einen Primaten gewaltig sind.

Da man nur die Zähne hat, kann man nur die Zähne untersuchen. Doch Zähne sind die härteste Struktur, die ein Körper liefert. So kann in den Zähnen auch Weiches wie Protein oder sogar DNA vergleichsweise gut erhalten bleiben. Diese Tatsache haben sich Forscher um Frido Welker vom Globe Institut der Uni Kopenhagen zunutze gemacht. Sie haben aus fossilen Zähnen Eiweiße extrahiert und anhand dieser auf die Verwandtschaftsverhältnisse des Riesenaffen geschlossen.

Nach der Untersuchung, die in nature veröffentlicht wurde, stellt Gigantopithecus die Schwestergruppe zu den modernen Orang-Utans der Gattung Pongo dar. Der letzte gemeinsame Vorfahre lebte vor etwa 10 bis 12 Millionen Jahren.

Gigantopithecus wird immer wieder als Erklärung für Sasquatch-Sichtungen herangezogen. Außer der Größe hat er aber wohl mit dem nordamerikanischen Kryptid wenig Gemeinsamkeiten.

Quelle:

Welker et al.: Enamel proteome shows that Gigantopithecus was an early diverging pongine, 2019, nature.


Vietnam: ausgestorben geglaubtes Kantschil wiederentdeckt

Vietnam-Kantschil im Wald
Das Vietnam-Kantschil in der Fotofalle (Foto: Global Wildlife Conservation)

Das Vietnam-Kantschil Tragulus versicolor* ist eines der kleinsten Huftiere überhaupt. Es erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 40 cm und wiegt maximal 1,7 kg. Die Art wurde 1910 wissenschaftlich beschrieben, ein weiteres Exemplar wurde 1990 gesammelt, insgesamt sind nur etwa 6 Tiere bekannt. Die Art gilt als heimlich und selten, man dachte, sie sei ausgestorben.

Bis einem Team um An Nguyen, Wissenschaftler bei der Global Wildlife Conservation (GWC) und Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung sensationelle Bilder mit einer Wildkamera gelungen sind. 2018 installierten Nguyen und sein Team drei Wildkameras im Annamitengebirge im südlichen Zentralvietnam. Sie wählten diese Gegend aus, weil Einheimische berichteten, die Tiere hier gesehen zu haben. Mit Erfolg: zunächst gelangen den Forschern 275 Bilder des Vietnam-Kantschils. Als dann weitere 26 Kameras angebracht wurden, erhöhte sich die Zahl on fünf Monaten auf 1881 Fotos. Bisher ist noch nicht bekannt, wie viele Individuen fotografiert wurden.

Kantschile gehören zu den Huftieren und stellen die basale Gruppe der Stirnwaffenträger, obwohl sie keine Geweihe oder Hörner tragen. Dafür sind bei beiden Geschlechtern die Eckzähne vergrößert, bei Männchen treten sie als Hauer hervor.

Quelle:

Nguyen, A. et al.:  Camera-trap evidence that the silver-backed chevrotain Tragulus versicolor remains in the wild in Vietnam


Federn halten warm, auch Dinosaurier

fossile Feder
Feder aus der Ausgrabung (Foto: sciencedirect)

Die Polarregionen sind extreme Lebensräume, selbst vor 118 Millionen Jahren, als das Klima der Erde deutlich wärmer war. Zu dieser Zeit lag Australien in der Südpolarregion. Neben dem harten antarktischen Klima herrschte dort zwischen einem und zwei Monaten Polarnacht.

Trotz alledem siedelten Dinosaurier in der Gegend. Jetzt haben Paläontologen im Landschaftsschutzgebiet Koonwarra südöstlich von Melbourne bei einer großen Ausgrabung Neues gefunden. Neben den Funden früher Vögel konnten sie auch Knochen von Theropoden entdecken. Es sind die ersten Funde von Dinos aus urzeitlichen Polarregionen, neben den Knochen konnten auch 10 fossile Federn geborgen werden. Die Vogelfedern glichen bereits erstaunlich den Schwingen moderner Vögel. Die Dinosaurier trugen primitivere Federn, die Haaren und Daunen glichen. In vielen der Federn fanden die Forscher Melanosomen. Einige der Federn zeigen ein Muster, die meisten waren einheitlich dunkel, möglicherweise, um sich in der Sonne schneller aufwärmen zu können.

„Zwar wurden in hohen Breitengraden bereits Dino-Skelette und sogar die fragilen Knochen von Vögeln entdeckt. Bis dato gab es jedoch keine Funde, die belegen, dass Dinosaurier Federn nutzten, um in extremen polaren Habitaten zu überleben“, erklärt Mitautor Benjamin Kear von der Universität Uppsala. „Diese Fossilien sind hoch signifikant, weil sie von Dinosauriern und Vögeln stammen, die in einer teils sehr kalten und dunklen Umgebung lebten.“

Quelle:

Kundrát, M. et al.: A polar dinosaur feather assemblage from Australia


Hund mit Schwanzrest auf der Stirn geht viral

Narwhale, der Hund mit dem Schwanz auf der Stirn
„Er ist falsch zusammengebaut“: Narwhale (Foto: Mac’s Mission)

Das private Tierheim „Mac’s Mission“ in Cape Girardeau, Missouri, USA hat einen Welpen aufgenommen, aus dessen Stirn ein Schwanzrest wächst. Passend zum Erscheinungsbild haben die Mitarbeiter den Junghund „Narwhale“ genannt.

Eine Röntgenuntersuchung zeigte, dass der „Extra-Schwanz“ von Narwhale nicht mit anderen Strukturen verbunden ist. Offenbar kann Narwhale auch nicht damit wedeln. Dr. Heuring, Tierarzt von Mac’s Mission sagt hierzu „Einige Leute schrieben uns „Ihr habt den Hund falsch zusammengebaut“. Bisher haben wir keine Funktion des Extra-Schwanzes festgestellt, außer Narwhale zum coolsten Welpen der Welt zu machen“.

Website von Mac’s Mission


Ruhender Gelbaugen-Pinguin
Der Gelbaugenpinguin ist der seltenste Pinguin (Foto: Ville Miettinnen, Ausschnitt: Redaktion, CC 2.0)

„Asozialer“ Pinguin ist Neuseelands „Vogel des Jahres“

Neuseeland hat den „Vogel des Jahres“ gewählt. Wie in Deutschland wird hier eine Vogelart, oft als Vertreter eines Lebensraumes gewählt. Dieses Jahr wählten die Kiwis den Hoiho-Pinguin, der auch als Gelbaugenpinguin Megadyptes antipodes* bekannt ist. Die Tierart gilt als „sehr asozial“, da sie die Gesellschaft anderer Pinguine meidet und nur für sich brütet. Auf den neuseeländischen Hauptinseln gibt es nur noch 225 Brutpaare des Hoiho-Pinguins. Insgesamt zählte man 3200 Tiere in der Wildnis. Im Jahr 2000 lagen die Bestände noch bei 7000 Tieren.

 

Neuseelands „Vogel des Jahres“ – hat Russland die Abstimmung manipuliert?

Kurz nachdem die obere Meldung durch die Presse ging, veröffentlichte der Wissenschaftsblogs IFLScience eine Analyse, nach der Russland die Wahl möglicherweise manipuliert haben könnte. Bei der Wahl gab es laut Dragonfly Data Source hunderte Stimmen aus Russland. Wieso Russen für die Wahl eines „Vogel des Jahres“ in Neuseeland stimmen sollen, ist unklar. „Die Leute kommen mit allen möglichen Theorien über die russische Einmischung in neuseeländische Wahlen“ sagt Megan Huber, Sprecherin der „Forest and Bird“, welche die Wahl organisiert.

„Russland teilt eine ganze Menge Vogelarten mit Neuseeland, so die östliche Pfuhlschnepfe, die jedes Jahr zwischen den Ländern zieht. Bevor man also Putin beschuldigt, gibt es vielleicht eine viel einfachere Erklärung: Russen mögen auch Vögel.“


Ein Riesenhai, der den Atlantik überquert

Riesenhai, Basking Shark
Riesenhaie sind -zumindest teilweise- Langstreckenzieher

Riesenhaie gehören zu den ungewöhnlichsten Großtieren. Die über 7 m lang werdenden Fische sind Planktonfresser. Im Sommer tauchen sie in schöner Regelmäßigkeit in den Küstengewässern der kaltgemäßigten Zonen auf, so in der Irischen See und vor Neufundland. Wird es Herbst und das Plankton wird dünner, verschwinden sie. Niemand weiß sicher, wohin.

Früher dachte man, sie legen sich in irgendwelchen Tiefseegräben auf den Boden, halten eine Art Winterruhe und erneuern ihre Kiemenrechen. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Mindestens einige Tiere wandern große Strecken. 2008 wurde ein Riesenhai in der Irischen See mit einem Tracker markiert. Das Tier wandere bis auf den Kontinentalschelf vor Neufundland.

Dieses Mal konnte ein weiblicher Riesenhai auf Unterwasserfotos identifiziert werden. Die ersten Fotos wurden vor Cape Cod in Neuengland geschossen. 993 Tage vorher bekam der Hai einen Satellitensender vor Malin Head, dem nördlichsten Punkt Irlands.

Wer mehr dazu lesen möchte, kann sich bei Media Relations umsehen.


Zwei Europäische Wildschweine
Wildschweine als Polizeihelfer? Hat es bereits gegeben

Italien: Wildschweine zerschlagen Drogenring

Das Nachrichtenportal n-tv berichtet unter Berufung auf lokale Medien, dassin der Nähe des Ortes Montepulciano in der Toskana Wildschweine ein in der Erde vergrabenes Paket aus gruben. Das Paket enthielt Kokain im Wert von 20.000 €, die danach auf dem Waldboden landeten.

Indirekt sorgten die Wühler sogar für die Verhaftung der Dealer: Sie beklagten sich über die „Schweinebande“, zu einer Zeit, als die Polizei sie abhörte.

Polizei-Wildschweine sind nichts Neues. Das Spürwildschwein Luise hat es in den 1980ern in der niedersächsischen Polizei zu weltweiter Bekanntheit gebracht.


Eine Bigfoot-Begegnung der unangenehmen Art

Diese Meldung stammt vom Nachrichtenportal anomalien.com: Nachdem er sicher war, dass ein Bigfoot versucht, in sein Haus einzubrechen, rief der 60jährige den Polizeinotruf. Bevor die Polizei eintraf, feuerte der Mann einen Warnschuss in den rückwärtigen Garten ab.

Der Zeuge beschrieb den Eindringling als sieben Fuß (etwa 2,15 m) groß, er sei zweimal gekommen und hätte ihn zu einem zweiten Warnschuss genötigt, weil der Bewohner Angst um seinen Hund hatte.

Ein Polizist fragte ihn später, ob er sicher sei, es sei kein Bär gewesen. „Es war kein Bär, er rüttelte an meinem Türgriff“. Später erzählte der Zeuge der Polizei, dass Bigfoots regelmäßig von seinem Nachbarn mit Bananen gefüttert würden. Ebenso gab er an, dass die Wesen ein Mädchen aus der Gegend entführt hätten, das immer noch vermisst werde.


Feld-Ornithologisches

Diese Woche werden die typischen Irrgäste aus dem Vogelzug weniger.

  • In der Ostsee, in der Geltinger Bucht ist eine Pazifiktrauerente aufgetaucht
  • Die Prachteiderenten bleiben vor der Schleimündung
  • Der Gleitaar bei Bröckel wird immer noch beobachtet
  • Vom Pelikan im Speicherkoog wird nicht mehr gemeldet.

Zu guter Letzt:

Schon wieder ein Wal, diesmal ein Grauwal, der sich einfach so zu den Surfern in Südkalifornien gesellt:


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.

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