Presseschau Kalenderwoche 45/2019

Wie immer montags gibt es auch heute die Presseschau mit Meldungen aus Zoologie, Kryptozoologie und Tierischem zum Schmunzeln aus der vergangenen Woche. Viel Spaß beim Lesen.


Herzlich willkommen zur Presseschau der Kalenderwoche 45. Ja, tatsächlich, es ist schon die 45. Woche dieses Jahres. Haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke? Wenn nicht, wird es so langsam Zeit, sich zu überlegen, was es sein soll.

Wenn Ihre Lieben noch eine Idee suchen, was sie einem kryptozoologisch Interessierten unter den Baum legen können: unser Jahrbuch der Kryptozoologie erscheint dieses Jahr das erste Mal und kann bald bestellt werden.

Doch nun zu den Meldungen der vergangenen Woche, diesmal steht Deutschland erstaunlich oft im Mittelpunkt:

Erster aufrecht gehender Affe in Bayern gefunden

Fossile Knochen und eine Hand im weißen Handschuh
Tübingen: Knochen der Hand eines männlichen Danuvius guggenmosi werden untersucht. Foto: Christoph Jäckle/Nature

Der aufrechte Gang zählt zu den wesentlichen Elementen der Menschwerdung. Bisher kannten Paläoanthropologen nur Menschenaffen, die auf allen Vieren gingen und Menschenartige, die bereits perfekt aufrecht gehen konnten. Afrikanische Funde reichen bis nicht ganz 7 Millionen Jahre zurück, die Gabelung zwischen vier- und zweibeiniger Fortbewegung muss also bereits zu diesem Zeitpunkt erfolgt sein.

Ein neuer Fund aus der Tongrube „Hammerschmiede“ in Pforzen im Landkreis Ostallgäu in Bayern bringt neues Licht in die Forschung. Forscher um die Tübinger Paläontologin Madelaine Böhme fanden hier Fossilien einer 11,6 Millionen Jahre alten Primatenart. In den Jahren 2015 bis 2017 gruben die Forscher insgesamt 37 Einzelfunde aus. Sie stellen rund 15% des Skelettes dar, darunter sind vollständig erhaltene Arm- und Beinknochen. Der für das Alter sehr gute Erhaltungszustand erlaubt die Analyse der für die Fortbewegung wichtigen Elemente: Die Menschenaffenart konnte sich zweibeinig und kletternd fortbewegen. „Die Funde aus Süddeutschland sind ein Meilenstein der Paläoanthropologie, denn sie stellen unsere bisherige Sichtweise auf die Evolution der großen Menschenaffen und des Menschen grundlegend in Frage“, erklärte Böhme.

Die Wissenschaftler haben die bisher unbekannte Primatenart in der Zeitschrift „nature“ als Danuvius guggenmosi beschrieben. Die Zähne des Danuvius ähneln dem bekannten Dryopithecus. Anders als dieser hatte er bereits einen breiten Brustkorb und eine S-förmig geschwungene Wirbelsäule. Der Bau der Hüfte und Beine deutet auf zweibeiniges Laufen hin, die verlängerten Arme sind die eines Kletterers. Der Gattungsname Danuvius verweist auf den Fluss Donau. Der Artname guggenmosi ehrt den Allgäuer Amateurarchäologen Sigulf Guggenmos, Entdecker des Fundortes, der im vergangenen Jahr verstorben ist.

Link zur Erstbeschreibung: https://www.nature.com/articles/s41586-019-1731-0


Queen verzichtet auf Echtpelz

Nicht ganz so alt, aber ähnlich veränderlich, wie ein Fossil gelten britische Traditionen. Da braucht es schon mal eine Königin, um sie zu verändern. Queen Elisabeth II. verzichtet seit diesem Jahr auf Echtpelz bei neuen Kleidungsstücken. Das berichtet die Hofschneiderin in ihrem Buch.


Seekuh-Fossilien in Ratingen gefunden

Die gefundenen Seekuhknochen
Die Stadt Ratingen hat die Seekuhknochen ausgestellt. Foto: Geologischer Dienst

Bei geologischen Untersuchungen in einer Ratinger Baugrube entdeckten Mitarbeiter des Geologischen Dienstes NRW Anfang des Jahres fossile Knochen einer Seekuh. Das 28 Millionen Jahre alte Tier lebte in einem warmen Flachmeer, vermutlich vergleichbar der Gewässer westlich von Florida.

Mitarbeiter des geologischen Dienstes bargen Rippen, Wirbelfragmente und andere Knochenbruchstücke. Das Umfeld des Fundes wird vom geologischen Dienst intensiv untersucht: die Ausbeute an kleinen Fossilien wie Muscheln, Schnecken, Seepocken und Korallen, die beim aktuellen Fund in Ratingen isoliert wurden, war außerordentlich reich. Auch Haizähne und Gehörsteine von Knochenfischen wurden gefunden.

Das Besondere an dem Fundort im Neubaugebiet „Schwarzbach-Quartier“ ist aber, dass er ziemlich genau am Übergang zwischen der Rheinebene und  dem Bergischen Land und somit dem Rheinischen Schiefergebirge liegt – also vor 28 Millionen Jahren im Küstenbereich des damaligen Meeres, wo die Seekühe, ähnlich wie ihre heutigen, wenigen Nachfahren in den Tropen, die Seegraswiesen abweideten.


Ausgestorben geglaubter Fisch wiederentdeckt

Mogurnda_adspersa by User: Haplochromis, CC2,5, verändert
Mogurnda adspersa galt als ausgestorben

Die violettgepunktete Schläfergrundel ist ein 13 cm langer Süßwasserfisch aus dem Einzugsbereich der beiden größten Flüsse Australiens, dem Murray und dem Darling – und ausgestorben. Jedenfalls wurde sie bei Gewässeruntersuchungen im 21. Jahrhundert noch nicht gefunden. Bis jetzt: Zwei dieser bunten Fische sind im Nordwesten des Bundesstaats Victoria in einem Renaturierungsprojekt eines Sees wiederentdeckt. DNA-Proben bestätigen die Identität der Art.

Die Arbeiten am See wurden zunächst gestoppt, um zu untersuchen, wie man die seltene Art weiterhin schützen kann.


Kölner Zoodirektor ist jetzt auch „Weltzoodirektor“

Theo Pagel, Direktor des Kölner Zoos darf sich seit Donnerstag (07.11.2019) offiziell „Weltzoodirektor“ nennen. Für zwei Jahre führt er den Weltverband für Zoos und Aquarien (WAZA). Damit vertritt er alle wissenschaftlich geführten Zoos der Welt, das sind immerhin 400 Einrichtungen in etwa 50 Ländern.

Zu den wichtigsten Aufgaben gehört neben der Repräsentation vor allem die Koordination von Artenschutzprogrammen und weltweite Zucht- und Auswilderungsprogramme.

Theo Pagel ist seit 1991 im Kölner Zoo beschäftigt, seit 2007 ist er dort Direktor und hat einem der größten Zoos Deutschlands zu neuem Schwung verholfen. Er ist bereits der dritte Kölner, der „Weltzoodirektor“ wurde.


Drei Grindwale an der deutschen Nordseeküste gefunden

Grindwal im Meer
Grindwale sind Tiere der Hochsee und kommen selten in flache Gewässer

Am Dienstag, 5.11. sind insgesamt drei Grindwale an der deutschen Nordseeküste gestrandet. Je ein Tier wurde auf der Insel Juist und in der Leybucht angeschwemmt, beide liegen im Kernbereich des Naturschutzgebietes, der nicht betreten werden darf. Ein dritter Wal wurde westlich von Borkum im Fahrwasser der Außen-Ems gesichtet und konnte vom Tonnenleger „Gustav Meyer“ des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Emden geborgen werden. Veterinäre prüfen, ob von den Kadavern eine Seuchengefahr ausgeht.

Am 7. Dezember 2017 strandete ganz in der Nähe, bei Norden Norddeich ebenfalls ein Grindwal. Auch er war zu dem Zeitpunkt bereits tot.


Schwarzer Panther bei Doncaster (England) gesichtet

Schwarzer Jaguar
Ein schwarzer Jaguar, könnte so ein Tier des Rätsels Lösung sein?

Die Zeugin, Jessica Clark hatte die Katze letztes Wochenende auf einem Feld in der Nähe des Keepmoath Stadium beobachtet. Sie sagte der Tageszeitung „The Star“: „Als er näherkam, realisierte ich, was genau er war und bekam Angst. Er war groß, sehr muskulös und definitiv eine Großkatze.“

Mrs Clark fuhr auf dem White Rose Way kommend von der M18 in Richtung Doncaster. Sie sah die Katze etwa um 16:30 Uhr am Sonntag, ganz in der Nähe der Potteric Carr Nature Reserve, die beim Doncaster Rovers’ Keepmoat Stadium liegt.

„Sie war etwa 5 Fuß hoch, ich konnte sie über das Gras ragen sehen. Man sah ihren Schwanz, ihr Gesicht und die muskulösen Beine. Sie bewegte sich langsam, so als verfolge sie ein Kaninchen oder etwas in der Art.“

Bei Doncaster hat es schon öfter Beobachtungen von schwarzen Großkatzen gegeben, zuletzt im Januar 2017. Die Beobachtungen gehen zurück in die 1960er oder 1970er.

Quelle: The Star https://www.thestar.co.uk/news/huge-5ft-black-panther-spotted-prowling-fields-near-doncasters-keepmoat-stadium-853791


Fischer fangen Hirsch

An der US-Ostküste haben Fischer etwa 5 Meilen (8 km) vom Land entfernt einen jungen, männlichen Maultierhirsch beobachtet und an Board gebracht. Obwohl die Tiere als gute Schwimmer gelten, war er völlig erschöpft. Kurz vor der Küste haben ihn die Fischer wieder ins Wasser gelassen, er ist von selbst an Land geschwommen.


Feld-Ornithologisches

Der Vogelzug ist im vollen Gange. Die Singschwäne sind in den letzten beiden Wochen in ihren Winterquartieren vor allem im Osten und Norden Deutschlands eingetroffen. Meldungen gibt es vor allem im Bereich der Ostseeküste, den Seen Norddeutschlands und der Teichlausitz.

Eine einzelne Prachteiderente hat es in die Region der Schleimünde verdriftet, sie ist bereits seit einigen Wochen dort und wird immer mal wieder beobachtet. Bei Wangerooge hat sich ein Fahlsegler (Apus pallidus*) sehen lassen.

An der Küste von Nord- und Ostsee sind einzelne Seidenschwänze aufgetaucht. Ein Sichtungsschwerpunkt ist wie immer Helgoland, aber auch das Umfeld von Rügen und Rostock gab es mehrere Meldungen. Mal sehen, ob die Ahnung eines Ornithologen stimmt, es könnte dieses Jahr wieder eine Invasion der Vögel nach Mitteleuropa geben.

Der vor einigen Wochen aus Elsfleth gemeldete, diesjährige Sichler ist wieder dort aufgetaucht.


Zu guter Letzt:

Zwischen Himmel und Meer: fliegende Fische und ihre Verfolger:


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.

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