Presseschau Kalenderwoche 44/2019

Auch diese Woche nerven wir euch wieder mit einer Presseschau, die mal wieder ein wenig wallastig geworden ist. Viel Spaß beim Lesen!

Redaktion offline

Die Welt ist derzeit von der Redaktion der Netzwerk-Website abgeschnitten. Unser Internet-Provider hatte am Mittwoch ein bisher unbekanntes, technisches Problem. Wegen des Feiertages kann der Techniker erst Montagnachmittag vorbei kommen. Wir recherchieren und posten aus jedem offenen W-Lan, das wir finden können. Leider ist dem der Artikel für letzten Donnerstag zum Opfer gefallen. Sorry.


Die Genetik belegt: Pazifische Finnwale sind eine eigene Unterart

Finnwal bläst
Finnwal der atlantischen Population vor Grönland. (CC 2.0 by Aqqa Rosing-Asvid)

 

Finnwale sind die zweitlängsten Wale nach dem Blauwal. Sie sind sehr schlank und torpedoförmig, sind Hochseebewohner und gelten als die schnellsten Großwale. Daher waren sie für die Walfänger immer schwer zu jagen, aber auch schwer zu erforschen.

Eric Archer vom NOAA Fisheries‘ Southwest Fisheries Science Center (SWFSC) in La Jolla, Kalifornien meint hierzu: “Die verstärkte genetische Untersuchung der Wale zeigt eine größere Diversität bei Walen und Delfinen, als bekannt war.“ – „Es gibt definitiv mehr Diversität, als in den Büchern steht. Es hat einen gewaltigen Fortschritt bei der Wal-Taxonomie gegeben.“

Die neu beschriebene Unterart heißt Balaenoptera physalus velifera*, also „segeltragend“. „Wir haben nicht viele (genetische) Proben von ihnen“, sagt Archer. Kein Wunder, bei einem über 20 m langen Tier nehmen auch schon wenige Exemplare viel Platz ein. Daher werden Gewebeproben von der Größe eines Bleistiftkopfes im Meer gesammelt. „Es ist der einzig realistische Weg. Es gibt einfach nicht genug Museumsexemplare, um einen Unterschied durch Morphologie alleine zu belegen.“, so Archer weiter.

Etwa 14.000 bis 18.000 Finnwale im Nordpazifik gehören der neu beschriebenen Unterart an. NOAA Fisheries stellt fest, dass ihre Bestände wachsen.

„Es gibt andere unbeschriebene Arten und Unterarten, die wir dank der neuen Technologie kennenlernen“ stellt Archer in Aussicht. Spannend für die Kryptozoologie.

Link zum Journal of Mammalogy


Frau entdeckt kopflose Würgeschlange in Garageneinfahrt

Albino-Python im Gras
Portrait eines Albino-Pythons

Ein echtes Horrorszenario hat sich ein paar Tage vor Halloween in Niedersachsen abgespielt. Eine 32-Jährige wollte nur eben in die Garage, da fällt sie beinahe über einen Albino-Python. Doch das etwa 1,10 m lange Tier war tot, es hatte keinen Kopf mehr.

Die Polizei vermutet, dass irgendein anderes Tier den Kopf abgebissen hat. Der Besitzer der Schlange konnte nicht ausfindig gemacht werden.

Ein typischer Fall von n-tv-Qualitätsjournalismus: nicht nur der genaue Ort wird nicht genannt, in einer Bildunterschrift liest man: „Die Albino-Python gehört zu den fünf größten Schlangenarten der Welt.“

Quelle: n-tv


Fressen Buckelwale auch Vögel?

Fressender Buckelwal und Möwen
Bei dem Chaos, das um einen fressenden Wal entstehen kann, ist es kein Wunder, wenn er gelegentlich eine Möwe verschluckt

Buckelwale sind für ihre zahlreichen Fresstechniken bekannt. Sie jagen meist Schwärme kleiner Fische wie Sandaale und Hering, Beute, an denen auch andere Tiere interessiert sind. Stoßen sie in einen zusammengetriebenen Schwarm („Baitball“) vor, kommt es immer wieder dazu, dass auch andere, kleinere Räuber im riesigen Maul der Wale landen. Doch größere Tiere können sie nicht herunterschlucken:

Forscher des MERS (Marine Education & Research Society) haben beobachtet, dass Buckelwale ihr Maul so lange offen halten, bis Lummen oder Möwen entkommen sind. In einem besonderen Fall beobachteten sie den Buckelwal „Backsplash“, der bei einem „lunge feeding“-Vorgang zunächst einen Großteil eines Heringsschwarms verschluckt hatte. Drei Minuten später hatte er die Reste des Schwarms eingekreist und machte einen erneuten Vorstoß. Sekunden später öffnete er sein Maul und schüttelte den Unterkiefer energisch. Elf Möwen kamen zum Vorschein, ihr Gefieder war völlig durchnässt. 9 schienen bereits tot zu sein, zwei rangen ums Überleben. Die Wissenschaftler retteten zwei Heringsmöwen und entdeckten, dass eine der totgeglaubten Möwen noch am Leben war, auch diese wurde aus dem Wasser gefischt und getrocknet.

Die Beobachtung fand am 11. Oktober vor der Küste British Columbias statt.

Bei anderen Vorfällen sind auch schon Seelöwen, Seehunde und Taucher kurzfristig im Maul von Bartenwalen verschwunden.

Link: MERS – ein gut lesbarer Blog übrigens.


“Neue” Flohkrebsart im Maul von Walhaien entdeckt

Japanische Wissenschaftler um Ko Tomikawa haben im Maul von Walhaien eine bisher unbekannte Flohkrebsart entdeckt. Sie wurde unter dem Namen Podocerus jinbe beschrieben und gehört zur Ordnung der Gammaridae. Sie erreichen üblicherweise 3 bis 5 cm und tragen zahlreiche Anhänge (Setae) an ihren Gliedmaßen. Tomikawa ergänzt „Ihre Kiefer sind schwach entwickelt, was darauf hindeutet, dass diese Art keine Walhaie frisst.“

Entdeckt wurde die Art im Aquarium von Okinawa.

Link zur Erstbeschreibung in Species Diversity


Mysteriöser Strandfund in Aberdeen

Das Aberdeen-Monster (Foto: Fubar News/Facebook)

Buchstäblich mit Redaktionsschluss erreichte uns die Meldung eines seltsamen Strandfundes in Aberdeen. Eine stark verweste, teilweise skelettierte Leiche eines kleinen Tieres wurde da angeschwemmt. Es gibt ein Foto, aber weder einen Größenmaßstab noch sonst eine Möglichkeit der Orientierung.

Der Schädel ist eindeutig nicht der eines Säugetieres, die Rippen scheinen mehrfach gebrochen zu sein, möglicherweise liegen noch Reste von inneren Organen vor. Vorder- und Hinterextremitäten erscheinen etwa gleich lang, das rechte Vorderbein ist aus der Position herausgedreht. Die Form der Vorderpfoten ist auf den Fotos nicht erkennbar. Die Form der Hinterpfoten ist merkwürdig und erscheint wie eine Greifhand.

Ein Teil des Skelettes ist mit Haut bedeckt, so dass die Wirbelsäule nicht erkennbar ist. Die Haut erscheint wenigstens teilweise beschuppt. Der Schwanz ist kurz und scheint einen flachen Grat zu tragen.

Die Redaktion hat eine Ahnung, um was es sich bei dem Aberdeen-Monster handeln könnte, aber so lange wir nur auf eine hilfsweise Internetverbindung angewiesen sind, können wir sie nicht bestätigen.

Link zur Daily Record


Feld-Ornithologisches

Viele der letzte Woche gemeldeten, verirrten Zugvögel sind noch vor Ort. So werden Taigazilpzalp, Goldhähnchen-Laubsänger und Dunkellaubsänger auf Helgoland zur kleinen Attraktion, allerdings stiehlt ihnen ein Gleitaar (Elanus caeruleus*) als Erstnachweis für diese Insel die Show.

Bei Isny im Allgäu ist ein Schelladler aufgetaucht, während der besenderte Schelladler „Thönn am Mittwoch in Bissingen genächtigt hatte und Donnerstag Sulz am Neckar überflog.

Der Rosapelikan im Melldorfer Speicherkoog ist noch vor Ort. Kann mir bitte mal jemand ein Foto von dem Tier schicken?

Am Schluss gibt es Neuigkeiten von Brinzola, dem spanischen Mönchsgeier-Weibchen, das im Frühjahr entschied, nach Norwegen zu fliegen. Die schwarze Schönheit zieht große Kreise im Südwesten Norwegens. Vermutlich versucht das Tier, wie der nach Süden zu kommen, aber der direkte Weg nach Spanien ist durch die Nordsee verbaut. Zwischen Stavanger und Kristiansand trifft sie immer wieder auf die Küste. Ein Aufwindflieger wie ein Geier kann sie nicht überwinden, auf dem Hinflug waren schon die wenigen Kilometer des Fehmarnsundes an der Grenze. Doch im Moment hat sie die Vogelfluglinie noch nicht gefunden.


Zu guter Letzt:

Wenn wir schon bei Buckelwalen waren, dann gehört auch ein Bubble-Net-Feeding dazu. Die Wale tauchen ab und produzieren einen spiralförmigen, immer enger werdenden Vorhang aus Blasen, vor dem die Futterfische fliehen. Sie konzentrieren sich in der Mitte, durch die ein oder mehrere Wale mit geöffnetem Maul auftauchen. Hier eine Kombination aus Critter-Cam und Drohne:


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.

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