• Tag Archives Menschenartiger
  • Freitagnacht-Kryptos: Der Wilde Mann von Amerika

    In den Archiven kramte: Ulrich Magin

     

    Einer der ältesten Berichte über einen amerikanischen Bigfoot, er stammt von 1785, bezieht sich nicht auf die USA, sondern auf das Orinocogebiet. Er enthält bereits zahlreiche Elemente, die man auch bei späteren Sasquatch- und Yetimeldungen findet: rückwärts gerichtete Zehen, die Entführung von Frauen, sowie das Zeugen von Kindern mit ihnen. Neu ist jedoch, dass der Bigfoot wie Tarzan in einem Baumhaus wohnte:

    Ein merkwürdiges Thier.

    Dieses Thier, das eine Affenart zu seyn scheint, fand Gilii (s. Nachrichten vom Lande Gujana, dem Oronokoflusse und den dortigen Wilden. Aus dem Italien. übersetzt 1785) bisweilen in den großen Waldungen des Oronoko. Es ist, einige kleine Umstände abgerechnet, vollkommen einem Menschen ähnlich; Gilii nennt es daher einen wilden Menschen. Der vornehmste [= hauptsächliche] Unterschied ist in den Füßen, die so beschaffen sind, daß die Spitzen derselben rückwärts gehen, so daß es scheint, das Thier entferne sich, wenn es den Reisenden entgegenkommt. Der wilde Mann ist vom Kopf bis zu den Zehen mit Haaren bewachsen, äußerst geil, und auf die Weiber erpicht, die er auch entführt, wenn er ihrer habhaft werden kann.

    Die Erzählung Gilii’s

    Hiervon erzählte Gilii einmal Don Ignatius Sancho, ein sehr würdiger Mann, und einer von den vornehmsten Güterbesitzern in den Ebenen von Carracas, ein merkwürdiges [= bemerkenswertes] Beyspiel. Es hatte nämlich einmal ein solcher wilder Mann eine gewisse Frauensperson entführt, und nach den Wäldern gebracht. Hier blieb sie lange gezwungener Weise bey ihm, bis einmal ein Jäger dort vorby kam, der sich von seinen Begleitern verloren hatte. Diesen erblickte das arme Weib von dem Gipfel eines hohen Baums, als ihr Feind eben abwesend war, und sie rief ihm aus allen Kräften zu.

    Fußsohle eines Gorillas
    Fuß eines Gorillas mit abgespreizter Großzehe

    Aquarell des schwarzen Saki
    So stellte Humboldt den Schwarze Saki (Chiropotes satanas) dar.

    Als er nahe genug war, erzählte sie ihm ihr unglückliches Schicksal. Sie hatte sich viele Jahre in dieser Lage befunden, und von dem wilden Mann nie die Erlaubniß erhalten können, von der Hütte, die er auf dem Baume erbaut hatte, herunter zu kommen. Sie habe zwey Kinder von ihm, und es mangele ihr zwar nie an den gehörigen Speisen zu ihrem Unterhalt, indem ihr Wilder ihr beständig Hühner, junge Kälber und dergleichen zubrächte. Demungeachtet wäre die Lebensart, von allen Geschöpfen ihres Gleichen entfernt, ihr unausstehlich, und sie bäte ihn, um eine gewisse Stunde, wenn der wilde Mann auf die Jagd gienge, mit bewaffneten Leuten wieder zu kommen, und sie zu befreyen. Zugleich warnte sie ihn, sich jetzt zu entfernen, aus Furcht, der Wilde möchte zurückkehren und ihn aus Eifersucht zerreißen.

    Als aber die Spanier die Mündungen ihrer Gewehre nach ihm richteten…

    Der Jäger hatte natürlich Mitleiden mit ihr, und benachrichtigte ihre Anverwandten, die sich um die bestimmte Zeit mit ihm hinbegaben, die Frau von dem Baume holten, und mit großen Freudensbezeugungen in ihrer Aeltern Haus führten. Dieses hatten sie beynahe schon erreicht, als der wilde Mann mit seinen beyden Kindern im Arme erschien, mit einem kläglichen Gewimmer (denn sie haben keine articulirten Töne) seine Geliebte rief, und, um sie zur Rückkehr zu bewegen, ihr die Früchte ihres Aufenthalts bey ihm zeigte. Als aber die Spanier die Mündungen ihrer Gewehre nach ihm richteten, um ihn zu tödten, zerriß er seine beyden Kleinen in Stücke, und eilte schnell nach den Wäldern zurück.

    Bewaldete Hügel im Nebel
    In diese Nebelberge ist er verschwunden?

    Amazonas-Indianer
    Amazonas-Indianer heute

    Kein Indianer, der diese Geschöpfe mit eignen Augen gesehen hätte

    Dieser wilde Mann wohnt auf den höchsten Bergen. In den Ländern der Mappois, nahe am Flusse Parnasi, ist ein sehr hoher Berg, auf dem sich Einige aufhalten sollen. Dieser führt deshalb den Namen Acci Tipuiri, welches so viel als den Berg der wilden Menschen bedeutet. Demungeachtet hat Gili keinen Indianer gekannt, der diese Geschöpfe mit eignen Augen gesehen hätte. Doch ist dieses kein hinlänglicher Beweis, um das Zeugniß aller Nationen am Oronoko in Zweifel zu ziehen. Jedermann fürchtet den wilden Mann, und da er sich in unzugänglichen Orten aufhält, so wagt es Keiner, dort sein Leben aufs Spiel zu setzen. Alle stimmen übrigens in ihren Nachrichten überein, und erzählen Vorfälle mit ihnen, die ihre Vorfahren erlebt haben.“

    So jedenfalls das „Intelligenzblatt von Salzburg“ am 18. Juni 1808, Sp. 425–426.

    Sonnenuntergang über dem Wasser
    Sonnenuntergang über einer Lagune im Tiefland Venezuelas

    Literatur:

    Intelligenzblatt von Salzburg, 18. Juni 1808, Sp. 425-426


    Dieser Beitrag ist in der Reihe „Freitagnacht-Kryptos“ erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Der Ruby Creek-Vorfall

    von: Tobias Möser

     

    Bigfoot, oder Sasquatch, wie er in den westlichen Bundesstaaten der USA und in Kanada bevorzugt genannt wird, war bereits öfter Thema auf der Webseite. Diese Berichte waren sehr beliebt, so dass wir uns entschlossen haben, in lockerer Folge über mehr oder weniger bekannte Begegnungen zu berichten, sie zu hinterfragen und ihnen auf den Grund zu gehen. Der Fred-Beck-Vorfall war bereits Thema im Artikel über Bigfoots am Mount St. Helens. Hier folgt ein weiterer, ungewöhnlicher Vorfall:

    Am ruhigen Ruby Creek

    Der Ruby Creek ist eine kleine Ortschaft am Fraser River, etwa 130 km flussaufwärts von Vancouver. Sie liegt heute am Trans Canadian Highway und am Highway No. 7. Die Gegend um Ruby Creek ist traditionell von mehreren First Nations bewohnt, so die Musqueam, Sto:lo, St’at’imc, Secwepemc und Nlaka’pamux. Nachhaltig von den Weißen besiedelt wurde die Gegend in der Zeit um den Fraser-Canyon Goldrausch von 1858.  Der Goldrausch war jedoch genauso schnell vorbei, wie er gekommen war, 1860 waren die Sandbänke des Flusses ausgebeutet, viele Goldgräber zogen weiter und Ruhe kehrte ein. Damals wie heute musste jeder, der von Vancouver ins Inland wollte, an Ruby Creek vorbei. Händlern war das nur Recht.

    Lage von Ruby Creek am Fraser River in Kanada

    Reiche Fischgründe

    Die meisten der ansässigen First Nations leben zumindest teilweise vom Fischfang. Der Fraser-River ist Heimstatt für alle fünf Arten pazifischer Wildlachse, Stahlkopf-Forellen und weiße Störe Acipenser transmontanus*. Der Fischreichtum ist so hoch, dass die Fischerei immer schon die wirtschaftliche Macht hatte, jeglichen Dammbau im und am Hauptstrom zu verhindern. Traditionell werden Fische, die nicht frisch vermarktet werden, filetiert und unter Druck eingesalzen. Hierdurch verlieren sie Wasser und sind lange haltbar. So machte es auch die Familie Chapman, die in Ruby Creek lebte. Beobachter betonen, dass die Familie zu den First Nations gehörte (In Amerika ist es politisch unkorrekt, von Indianern zu sprechen. Hier hat das Wort aber einen anderen Klang, dennoch verwende ich die selbst gewählte Bezeichnung „indigen“ oder „first nations“).

    Bär mit einem Coho-Lachs: Bären sind auf den Salmon-Run angewiesen

    Lachswehr aus Ästen
    Wehr eines indigenen Volkes in British Columbia: Die Menschen sind genauso auf die Lachse angewiesen

    Der Vorfall 1941

    Die Sache begann im September 1941 (eine andere Quelle nennt den 21. Oktober), an einem klaren Tag, gegen 15 Uhr am Nachmittag. Der älteste Sohn der Familie, 9 Jahre alt, rannte zu seiner Mutter, Jeannie Chapman. Sichtlich verstört meldete er, eine Kuh käme die Berge heruntergerannt. Die beiden anderen Kinder, ein siebenjähriger Junge und ein fünfjähriges Mädchen spielten ungestört hinter dem Haus in der Nähe der Eisenbahntrasse. Die Mutter ging heraus um nachzusehen, denn der Junge war doch sichtlich verstört. Sie sah etwas, das sie zunächst für einen besonders großen Bären hielt.

    Sie rief die beiden Kinder zu sich und bat den größeren, ein Betttuch zu holen. Die Kinder kamen sofort, in der Zwischenzeit bemerkte sie, dass es sich nicht um einen Bären, sondern um einen gigantisches, menschenähnliches Wesen handelte, das mit langen Haaren bedeckt war. Es war ockerfarben und zeigte dunkle Haut an den Händen und ein dunkles Gesicht. Während der älteste Junge das Betttuch geholt hatte, konnte sich die Kreatur dem Haus auf 30 m nähern. Mrs. Chapman spannte sofort das Betttuch mit den Armen auf und baute so eine Sichtbarriere zwischen den Kindern und der Kreatur. So floh sie mit den Kindern flussabwärts ins Dorf.

    Die Kreatur drang ins Haus ein und durchwühlte das Nebengebäude gründlich. Dabei zerbrach sie eine 55-Gallonen-Tonne (fast 210 Liter) voll eingesalzenem Lachs und verteilte den Inhalt im Außenbereich. Ob die Tonne geworfen wurde oder mit einem Schlag zerbrochen wurde, ist unklar.

    Der Vater kommt nach Hause

    Gegen 6 Uhr abends kam George Chapman, Ehemann von Jeannie von seiner Arbeit als Bahnarbeiter nach Hause und fand riesige Fußspuren, den Außenbereich seines Hauses und den Schuppen verwüstet vor. Die Spuren seiner Frau und Kinder führten in Richtung des Dorfes, die riesigen Fußspuren folgten ihnen nicht. Halbwegs beruhigt durch diese Tatsache fasste George Chapman Mut und untersuchte sein Haus und den Schuppen. Im Haus fand er unter anderem braune Haare im Holz der Türstürze.

    Er fand weitere Fußspuren des Wesens stromaufwärts auf einer Sandbank, das Wesen kam aus einem alten Kartoffelfeld, war ohne besondere Richtung auf der Sandbank umhergelaufen und entfernte sich durch das Kartoffelfeld, seine Spuren verloren sich am Fuß der Hügel in dichter Vegetation. Nachdem er sicher war, dass das Wesen weg war, sammelte George Chapman seine Familie ein und bat seine Schwiegervater sowie zwei weitere Männer ein, auf sie aufzupassen, während er bei der Arbeit sei.

    Der Besucher kehrt nachts zurück

    Die Fußspuren bzw. ihre Verursacher erschien etwa eine Woche lang jede Nacht erneut, zweimal machten die Hunde, die die Chapmans mitgenommen hatten, um „exakt 2 Uhr Nachts“ einen Riesenlärm. Das oder die Wesen behelligten sie aber sonst nicht weiter und ließen Haus und Nebengebäude in Ruhe. Dennoch hielten die Chapmans es nicht aus und zogen weg, blieben aber in der Gegend.

    Der Salmon Run in British Columbia: Der Fluß ist voll mit Lachsen

    traditionell werden Lachse eingesalzen oder getrocknet

    Jeannie Chapman berichtete später, dass das Wesen etwa 7 ½ Fuß (knapp 2,30 m) groß war, einen vergleichsweise kleinen Kopf und kurzen Hals hatte. Der Körper erschien ihr sehr menschlich, außer dass die Brust gewaltig nd die Arme sehr lang waren. Die Schultern waren sehr breit und es hatte keine Brüste, so dass Mrs. Chapman es als Männchen ansah, obwohl die Genitalien im dichten Haarkleid verborgen waren. Die nackten Teile des Gesichtes und der Hände waren sehr viel dunkler als das Haar und erschienen fast schwarz.
    Außerdem berichtete Mrs. Chapman von einem gurgelnden Pfeifen, das das Wesen von sich gegeben habe.

    Vom Ruby-Creek-Zwischenfall gibt es abgepauste Fußspuren, außerdem hat es eine Untersuchung durch den US Deputy Sheriff Joe Dunn, der sich privat in dieser Gegend aufhielt.

    Bewertung

    Bei diesem Bericht gibt es eine große Menge Koinzidenten mit anderen Sasquatch-Sichtungen: Größe, Fußspuren, die Geräusche, die Jeannie Chapman beschreibt sowie die Beschreibung der schwarzen Hautfarbe.

    Das Verhalten des Sasquatch ist extrem ungewöhnlich. Die Wesen sind als sehr scheue Waldbewohner bekannt, die selbst im Falle einer Bedrohung eher mit Zeichen und Geräuschen auf sich aufmerksam machen, als sich sehen zu lassen. Doch dieser Sasquatch kommt am Tag nicht nur in offenes Gelände, das er vorher noch nicht untersucht hat. Er sucht offenbar die Nähe des Menschen bzw. zeigt offensives Interesse an Haus und Hof der Familie Chapman. Die Gründe hierfür sind unklar. Diese Wesen gelten als neugierig, aber vorsichtig. Hunger wäre sicher eine Möglichkeit, die einen Sasquatch dazu bringt, sich Menschen zu nähern, die Vorräte besitzen. Aber September bzw. Oktober (siehe oben) sollten Mastmonate für Sasquatches sein. Viele Pilze und Früchte sind reif, insbesondere Beeren und Nüsse, die letzten Lachse kommen den Fraser River hinauf. Es ist die Zeit, in der man erwarten sollte, dass Sasquatches die maximal gute Kondition erreicht haben.

    Revierverhalten ist auszuschließen. So reagiert kein Sasquatch, zumal die Siedlung am Ruby Creek, die Landwirtschaft und der Fischfang, der Bahnbau und sogar der Highway schon eine Weile existierten. In abgeschiedenen Gegenden wäre ein Angriff gegen die Hütte, wie bei Fred Beck am Ape Canyon, möglich. So etwas ist auch aus Nordkanada bekannt, aber in Ruby Creek? Zwischen Kartoffelfeldern, Weiden, der Eisenbahn und dem Highway? Das ist kein Sasquatch-Territorium mehr.

    Was tut der Sasquatch im Haus?

    Auch das Verhalten des Besuchers im Haus ist merkwürdig. Alleine die Tatsache, dass er in ein bis vor sehr kurzer Zeit von Menschen bewohntes Haus eindringt, ist ungewöhnlich. Zerstörungswut liegt Sasquatches fern. Bisher wird überall, wo sie auftreten, vorsichtiger Umgang mit menschlichen Gegenständen berichtet. Durch ihre Kraft und vermutlich eine gewisse Ungeschicklichkeit, aber auch Neugierde geht schon mal etwas zu Bruch. Aber dass sie ein Fass mit Vorräten in den Garten schmeißen und dabei zerbrechen, passt nicht recht zu dem, was sonst berichtet wird.
    Ebensowenig passt, dass George Chapman an jedem Türsturz Haare gefunden haben will. Sasquatches sind Waldbewohner. Die von ihnen offenbar bevorzugten gemäßigten Regenwälder der Westküste sind  gerade im US-Bundesstaat Washington und im Süden British Columbias extrem dicht. Ein Bewohner müsste also instinktiv immer darauf bedacht sein, sich nicht den Kopf an einem Ast zu stoßen. Da soll er sich in der Hütte an jedem Türsturz so gestoßen haben, dass er Haare dort lässt?

    Die Reaktion von Jeannie Chapman

    Nochmal zur Rekapitulation: Jeannie Chapman, mindestens dreifache Mutter, offenbar Hausfrau, erfährt von ihrem neunjährigen Sohn, dass eine Kuh den Berg herunter rennt. Der Sohn ist verstört. Wie kommt es, dass der Neunjährige ein zweibeiniges Wesen für eine Kuh hält, obwohl er zweifelsfrei Kühe kennen müsste? Welche Mutter versucht nicht zuerst, das Kind ins -vor Kühen- sichere Haus zu holen und zu beruhigen, als sich um die vermeintliche Kuh zu kümmern? Doch Jeannie Chapman den Angreifer als Bedrohung für sich und ihre Kinder, wähnt sich im Hause als nicht sicher und lässt eines ihrer Kinder ein Betttuch holen. Das ist eine geniale Idee, so kann sie gleichzeitig die Kinder vor einem Bären oder Puma verbergen und größer und bedrohlicher wirken. Hatte sie diesen Geistesblitz in diesem Moment oder gehört dieser Trick zum Repertoire ländlich lebender First Nations?

    Der Fraser River etwa auf der Hähe von Ruby Creek

    Ivan T. Sanderson in seinem Büro, 1965

    Was tut der Sasquatch, nachdem er die Hütte der Chapmans verwüstet hat? Er folgt der Familie nicht, was noch verständlich ist. Jeannie Chapman und die Kinder werden jeden Lärm geschlagen haben, zu dem sie fähig waren. Sasquatches meiden die menschliche Nähe, also auch den Lärm und es dürfte ihnen auch klar sein, dass Lärm weitere Menschen anlocken könnte. Statt ihr zu folgen, verzieht er sich durch ein -der Jahreszeit entsprechend- abgeerntetes Kartoffelfeld auf eine Sandbank im Fluss. Dort irrt er (scheinbar ziellos?) umher, um dann wieder über das Kartoffelfeld in den Wald zu verschwinden. Was macht er auf der Sandbank? Mir fällt hierzu nur eine Erklärung ein: Er hatte vom eingesalzenen Lachs gefressen und Durst bekommen. Das Umherirren könnte einfach nur bedeuten, dass er mehrere Stellen eines ihm unbekannten Geländes untersucht, ob er da ans Flusswasser kommt, ohne in den Fluß zu fallen. Danach hat er das getan, was Sasquatches tun: er ist im Wald verschwunden.

    Widersprüche

    Offenbar gibt es aber mehrere Erzählvarianten dieses Vorfalls. Die Quellen widersprechen sich im Datum des Vorfalls sowie im Verhalten der Menschen und des Sasquatch nach dem Vorfall.

    Die Location ist heute noch vorhanden und kann besucht werden. Das Haus und der Schuppen sind jedoch abgerissen worden und durch ein größeres Haus an einer benachbarten Stelle ersetzt worden. In der Nähe von Ruby Creek gibt es einen Sasquatch Provincial Park, einen ruhigen Park für Camping und Bootsfahrten.

     

    Korrekturen:

    Ich bin beim Verfassen des Artikels zwei Irrtümern aufgesessen. Ich habe George Allen Agogino als Ivan T. Sanderson abgebildet. Das Bild habe ich zwischenzeitlich ausgetauscht.
    Ivan T. Sanderson hat die Familie Chapman zweifelsfrei interviewt. Die Verwechslung mit Ivan Marx lag am Vornamen. Über die „Arbeit“ von Marx als Kryptozoologe schweigt des Autors Höflichkeit.

    Danke an Ulrich Magin für den Hinweis.

     


    Literatur:

    Wikipedia über Ivan T. Sanderson

    Wikipedia über den Fraser River Goldrausch

    Sanderson, I. T. (1960): True Magazine, March


    Dieser Beitrag und die mit seinem Namen oder Kürzel gekennzeichneten Bilder unterliegen dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Bigfoots am Mount St. Helens

    Von: Tobias Möser

    Der Mount St. Helens ist ein aktiver Vulkan im Süden des US-Bundesstaates Washington. Er ist Teil der Kaskadenkette und damit des pazifischen Feuerrings. Mit heute etwa 2540 m Höhe überragt er die umliegenden, etwa 1400 m hohen Bergrücken der Kaskadenkette deutlich. Durch seine Höhe und Form spielt er in der Mythologie der umliegenden First Nations der Klickitat und Binnen-Salish eine große Rolle.

    Durch einen verheerenden Ausbruch bekannt

    In der westlichen Kultur wurde der Mount St. Helens vor allem durch einen verheerenden Ausbruch am 18. Mai 1980 bekannt. Er galt als „ruhender Vulkan“, brach aber nach einer Serie von Erdbeben wieder aus. Der gesamte nördliche Berggipfel rutschte den Hang herab. Asche und Gaswolken wurden bis in eine Höhe von 18 km befördert. Pyroklastische Ströme, in denen Temperaturen von über 640° C gemessen wurden, rasten mit Geschwindigkeiten von über 400 km/h die Bergflanken herab.

    Ein Lahar, der mit hoher Geschwindigkeit die Bergflanke herabsauste, sorgte für weitere Verwüstung. Lahare sind Lawinen, die entstehen, wenn sich pyroklastische Ströme mit Eis und Schnee mischen und diese aufschmelzen. So stieg der Wasserstand am Fuß des Berges binnen kürzester Zeit um 9 m über die normalen Hochwassermarken.

    Insgesamt starben mindestens 57 Menschen, 1500 Wapitis und 5000 weitere Hirsche. Der Ausbruch wird mit einem Vulkanexplositiätsindex von 5 bewertet, etwa vergleichbar mit dem Pompeji-Ausbruch des Vesuvs, 79 n.Chr.

    ein spitzer, oben schneebedeckter Bergkegel vor einem blauen See
    Der Mount St. Helens vor seiner Aktivität 1980, Blick über den Spirit Lake. Foto: US Geological Service

    Ein schneebedeckter Berg mit einem deutlichen Krater vor einem blauen See
    Der Mount St. Helens am 19. Mai 1982, zwei Jahre nach der verheerenden Explosion. Foto: US Geological Service

    Der Mount und der Sasquatch

    Gemälde mit einem ausbrechenden Vulkan und einem Kanu, dessen Insassen das Licht einfangen
    Der aktive Mount St. Helens bei Nacht, Gemälde von Paul Kane

    Nicht nur für die First Nations, sondern auch für die ersten Pioniere und Naturbeobachter schätzten den Mount als charakteristische Wegmarke. So kamen sie relativ früh auch mit der Mythologie der First Nations in Kontakt. Einer der ersten war der kanadische Ethnologe und Maler Paul Kane, der auf seiner zweiten Reise den Westen der USA erforschte. Hierbei lebte er im Jahr 1847 eine Woche unter den indigenen Völkern im direkten Umkreis des Mount St. Helens. Hierbei erfuhr er von menschenfressenden Kreaturen namens Skookum.

    Anmerkung: Das Wort Skookum ist in verschiedenen Versionen bei den waldbewohnenden First Nations der US-Westküste bekannt. Es beinhaltet eine Warnung vor etwas physisch Überlegenem (Skookum Wasser = starke Stromschnellen), oft bezieht sich das Wort auf Orte, aber auch auf Lebewesen. Oft wird der Begriff in Verbindung mit Sasquatch-Beobachtungen verwendet. Durch die nicht immer klare Trennung von physischen und Geistwesen in ihrer Mythologie ist es schwierig, auszumachen, was Skookum in einem konkreten Fall bedeuten soll.

    Der Fred Beck-Vorfall am Mount St. Helens

    Wesentlich jünger ist ein Vorfall aus dem Sommer 1924. Ein Goldsucher namens Fred Beck und vier andere Schürfer bezogen ihren Claim namens „Vander White“. Er lag bzw. liegt 2 Meilen ost-südöstlich der Kraterregion des Mt. St. Helens. Hier bauten sie eine „Cabin“ nahe eines tiefen Canyons. Meist handelt es sich bei diesen „Cabins“ um sehr einfach zusammengezimmerte Blockhütten, die aus kaum oder unbearbeiteten Stämmen bestehen, deren Zwischenräume manchmal mit Lehm verschmiert wurden. Beck’s Hütte hingegen bestand zumindest teilweise aus Brettern. In der Regel sind Cabins eher einfache Hütten, meist nur mit einer Tür, ohne Fenster. Sie dienen meist gleichzeitig als Schlafplatz, Lager und Wetterschutz. Das Holz arbeitet beim Trocknen und bei wechselnden Temperaturen, so dass immer wieder Löcher im Lehmverputz entstehen. Oft, aber nicht immer haben sie eine gemauerte Feuerstelle.

    Große Fußspuren – und die Verursacher

    Die Goldgräber entdeckten schon kurz nach ihrem Eintreffen große Fußspuren, die sie keinem bekannten Tier zuordnen konnten. Die größten maßen in der Länge 19 Inches (48 cm). Eines Abends hörten sie charakteristisches Pfeifen und hämmernde Geräusche, die etwa eine Woche lang jede Nacht zu hören waren. Später, als Beck mit einem anderen Mann an einer nahen Quelle frisches Wasser holte, sahen sie aus einer Entfernung von knapp 100 m eine seltsame Kreatur. Becks Begleiter schoss dreimal auf die Kreatur, die verschwand. Kurze Zeit später erschien sie in ungefähr 180 m Entfernung erneut, diesmal schoss Beck dreimal, worauf die Kreatur wieder verschwand.

    Karte der Region um den Mount St. Helens
    Karte der Region um den Mount St. Helens, NACH dem Ausbruch. Der Krater öffnet sich nach Norden. Der besagte Ape Canyon liegt ost-südöstlich davon und ist blau markiert

    Vergilbte Fotoaufnahme von vier Männern, die an einer Bretterhütte stehen
    Zeitungsfoto, das die Untersucher bei der belagerten Hütte zeigt. Von links nach rechts: Burt Hammerstrom, freier Journalist; Bill Welch, Waldaufseher an der Spirit Lake Ranger Station; Frank (Slim) Lynch, Reporter aus Seattle; and Jim Huffman, Waldaufseher für den Spirit Lake district. Sie haben auch Fußabdrücke festgestellt, aber wenn Fotos gemacht wurden, sind sie bisher nicht veröffentlicht worden.

    Nächtlicher Besuch

    Als Beck am Abend seinen Kollegen davon erzählte, war man sich einig, die Hütte am nächsten Morgen zu verlassen. In der Nacht wurde die Hütte aber bereits von mehreren dieser Kreaturen angegriffen: Sie begannen mit Steinen zu werfen. Da es keine Fenster gab, konnten die Männer die Angreifer nicht richtig sehen. Später kamen die Kreaturen aufs Dach und versuchten, die Türe der Hütte einzureißen, eine der Kreaturen griff durch eine kleine Öffnung („chinking space“) nach einer Axt und konnte nur mit einem Schuss vertrieben werden. Während des gesamten Angriffes, der die ganze Nacht dauerte, feuerten die Männer ihre Waffen durch die Wände und das Dach.

    Als das Licht am nächsten Morgen ausreichte, verließen die Männer fluchtartig die Hütte, ohne ihre Ausrüstung mitzunehmen. Beck entdeckte an einer Schlucht eine der Kreaturen und schoss aus etwa 70 Metern auf sie. Das Wesen stürzte etwa 120 m tief in die Schlucht.

    Später stellte Fred Beck mit einem seiner Begleiter einige Szenen für eine Zeitung nach. Die Schlucht wurde später Ape-Canyon genannt.

    Die Location ist nach der Explosion des Mt. St. Helens 1980 zwar teilweise überformt, aber nicht weggesprengt oder unter Lava oder Schlamm begraben worden.  Die Hütte war bis in die 1960er Jahre noch zu finden, danach ist sie abgebrannt. Die Umgebung ist nach dem Ausbruch nicht wieder zu erkennen.

    Erste Gerüchte

    Wenn die lokalen First Nations eine Kreatur namens Skookum kennen und Fred Beck mit seinen Leuten die Wahrheit sagt, dann könnte es im Umkreis des Mount St. Helens eine Population von Sasquatches geben. Wenn es sich hierbei um physische Wesen handelt, sind auch sie zwangsläufig durch den Ausbruch des Vulkanes in Mitleidenschaft gezogen worden.

    Bei den Erkundungen des durch den Ausbruch verwüsteten Gebietes hätte man also eine gute Chance gehabt, einen oder mehrere Sasquatch-Kadaver bergen zu können. Genau davon geht der US-Autor Nick Redfern aus…

    „Jemand“ hat gehört…

    Bei Mysterious Universe schreibt er, dass das United States Army Corps of Engineers einige große, haarige, affenartige Körper aus dem Gebiet geflogen haben soll. Der Rest der Story wirkt wie ein ziemlich stereotyper Verschwörungsroman, bei dem es um Vertuschungen einer „bösen“ Regierung geht.

    Redfern bezieht sich zunächst auf eine Meldung bei bigfootencounters: Auf dem Ray Crowe’s Western Bigfoot Meeting brachte „someone“ das Gespräch auf die Folgen des Mt. St. Helens-Ausbruch. Der Zeuge will gehört haben, dass das Army Corps of Engineers etwa zwei Monate nach dem Ausbruch zwei Körper toter Bigfoots aus Ausbruchsgebiet herausgeschafft habe. Ein anderer Zeuge bestätigt die Bergung zweier Körper, legt diesen Zeitraum jedoch deutlich früher, zwei Wochen nach dem Ausbruch. In beiden Fällen sollen sie in einem Netz von einem Helikopter weggetragen worden sein.

    Ein dritter Zeuge bestätigt, dass ein Kran oder Bagger ein Loch ausgehoben habe, in dem man die Kadaver verbrannter Hirsche, weiterer Tiere und auch Sasquatches vergraben habe. Er nennt den Betreiber des Krans: die „Manatowaka Company“.

    Der Soldat im Ruhestand

    Auch der zweite Teil der Story passt in die Stereotype. Lange nach dem Eintritt in den Ruhestand fühlt sich ein ehemaliges Mitglied der Nationalgarde nicht mehr an seine Geheimhaltungspflichten gebunden. Er erzählte 2012, dass nicht alle der geborgenen Bigfoots tot waren. Einige waren ernsthaft verbrannt oder verletzt. Angeblich hätten sogar ein oder zwei unverletzte Bigfoots das Militär an eine Stelle gelotst, an der mehrere verletzte, haarige Riesen lagen. Sanitäter der US Army hätten ihre Wunden wie bei Menschen behandelt.

    Redferns Bewertung

    Nick Redfern bewertet die Gerüchte als faszinierend. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass die Glaubwürdigkeit der Zeugen massiv darunter leidet, dass sie weder Namen noch ihren damaligen Rang oder ihre Funktion beim Militär nennen. Er hält die Geschichten für unklar und kontrovers, aber potenziell bahnbrechend.

    Realitätscheck

    Heute ist es unmöglich, den Wahrheitsgehalt der Skookum-Erzählungen der First Nations vor 1847 nachzuvollziehen. Wie oft bei solchen Mythen trennen die Mitglieder der First Nations nicht klar zwischen physischer und spiritueller Welt, so dass hinter dem Skookum-Phänomen alles Mögliche stecken könnte. Ein mehr oder weniger aktiver Vulkan ist definitiv ein gefährlicher Ort, selbst wenn gerade kein großer Ausbruch stattfindet. Von warmen Quellen, die unvermittelt kochend und damit tödlich heiß werden über ätzende oder betäubende vulkanische Gase bis zu kleinen Lawinen, aufbrechende Spalten und Erdbeben: Er ist unberechenbar, lebensgefährlich und kann Körper einfach verschwinden lassen: Skookum.

    Auch die Story von Fred Beck und seinen Leuten ist heute nicht mehr nachvollziehbar, obwohl sie vor nicht einmal 100 Jahren in vielen Zeitungen erschien. Die Goldsucher hatten in ihrer Panik alles andere zu tun, als physische Beweise zu sichern. Die Hütte ist abgebrannt, die Umgebung des Ape Canyon durch den Ausbruch völlig überformt.

    „Grau, mein Freund, ist alle … „

    Mir ist bei den Recherchen zum Mt. St. Helens Ausbruch aufgefallen, dass immer die sehr hartnäckige vulkanische Asche als Hauptproblem genannt wird. Hierbei handelt es sich um feinen Staub aus mineralischen Bestandteilen. Menschen sind daran gestorben, als sie sie einatmen mussten. Der Highway 90 von Seattle nach Spokane wurde für eine Woche stillgelegt: Die Asche verstopfte Luftfilter, kontaminierte Ölsysteme, verklumpte in Vergasern und zerkratzte bewegliche Oberflächen. Tausende Autofahrer sind so gestrandet. Der Flugverkehr um den Mount St. Helens stand 14 Tage still. Sogar für Stromausfälle sorgte die Asche, wenn sie Isolatoren überbrückte und Kurzschlüsse verursachte.

    Zwei Männer mit Pferden in hüfttiefem Schlamm und Staub
    Bob Brown (li.) und sein Bruder John versuchen, drei Pferde aus dem Weyerhaeuser „19 Mile Camp“ in Kid Valley, Washington zu bringen. Die Weide wurde durch den Toutle River in Folge der Eruption des Mount St. Helens überflutet. Foto: US Geological Service

    Luftbild eines Hubschraubers, der neben einem Kleinlaster gelandet ist. Es gibt tiefe Spuren im Staub und einen abgedeckten Leichnam
    Ein Mitglied der Nationalgarde identifiziert eines der Opfer der Eruption. Dieses Bild zeigt die Auswirkungen der vulkanischen Asche. Sie wurde stark vom landenden Heli verblasen und trotzdem hinterlässt der Nationalgardist tiefe Fußspuren im lockeren Staub. Foto: US Geological Service

    In einer solchen Situation soll das US Army Corps of Engineers eine groß angelegte Bergungsaktion gestartet haben? Helikopterflüge waren offenbar begrenzt möglich, denn ein Filmteam wurde schon am 23. Mai am Mount St. Helens abgesetzt und einige Tage später wieder aufgenommen. Aber haben die Behörden das Risiko auf sich genommen, zahlreiche Hubschrauber loszuschicken, um Wildtierkadaver zu bergen?

    Ist die Bergung von Wildtierkadavern realistisch?

    Oben wird von 1500 Wapitis und 5000 weiteren Hirschen berichtet. Ein Wapiti-Bulle wiegt zwischen 300 und 450 kg, eine Kuh zwischen 200 und 250 kg, ein neugeborenes Kalb um die 15 kg. Bei den „weiteren Hirschen“ handelt es sich in erster Linie um Weißwedel- und Maultierhirsche, die wesentlich kleiner sind. Hier kann man 70 bis 150 kg für einen Hirschbullen und 50 bis 100 kg für eine Hirschkuh einsetzen, 10 kg für ein Neugeborenes.

    Der Ausbruch des Mount St. Helens hat am 18. Mai stattgefunden, also mitten im Hochfrühling. Die Hirsche sind noch ausgezehrt vom Winter, haben aber bereits wieder an Gewicht zugelegt, die Jungtiere sind auf der Welt. Man kann also von Gewichten eher im unteren Bereich der Variationsbreite ausgehen. Geschlechterverhältnisse und Gewichte sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:

     

    Hirschbullen Hirschkühe Jungtiere Gesamt
    Wapiti
    5000 Tiere
    720 Tiere
    bei 325 kg => 234 t
    2850 Tiere
    bei 215 kg => 612,75 t
    1430 Tiere
    bei 20 kg => 28,6 t
    5000 Tiere
    875,35 t
    Weißwedelhirsche
    10.000 Tiere
    1250 Tiere
    bei 110 kg => 137,5 t
    5000 Tiere
    bei 75 kg => 375 t
    3750 Tiere
    bei 12 kg => 45 t
    10.000 Tiere
    557,5 t
    Maultierhirsche
    5000 Tiere
    550 Tiere
    bei 82 kg => 45,1 t
    2200 Tiere
    bei 55 kg => 121 t
    2250 Tiere
    bei 10 kg => 22,5 t
    5000 Tiere
    188,6 t

    Sehr viel zu transportieren, aber wurde es überhaupt transportiert?

    Hieraus ergibt sich ein unglaubliches Gesamtgewicht von 1621,45 t der umgekommenen Hirsche. Zieht man hier Schätz- und Rundungsfehler ab, geht davon aus, dass nur 1/3 der umgekommenen Hirsche geborgen weden könnten, weil die anderen vollständig verbrannt oder in der vulkanischen Asche verschüttet sind, so müsste man immer noch mit 500 t toten Tieren rechnen. Hinzu kommen als weitere Großtiere Schwarzbären, die im Gebiet um den Mount St. Helens vorkommen, jedoch in wesentlich geringerer Zahl.
    Ein wesentlicher Faktor in dieser Betrachtung wurde aber noch nicht beachtet: Haus- bzw. Nutztiere. Die Bewohner im betroffenen Gebiet haben ungezählte Rinder und Pferde gehalten, unter denen es mit Sicherheit Opfer gab. Sie sind schwerer als Wapiti-Bullen und leben näher an den Siedlungen. Will man die Kadaver entfernen, um Seuchen zu verhindern, hätten sie höhere Priorität.
    Grob überschlagen hätten hier also zwischen 500 und 700 t an toten Tieren sicher entsorgt werden müssen. Ob das passiert ist, ist unklar.

    Eine Bergungsaktion per Hubschrauber?

    Laut den Zeugen, die Redfern zitiert, waren eine große Zahl von Hubschraubern und mindestens ein Kran beteiligt. Da die Sasquatches angeblich die Mitarbeiter der US-Army zu verletzten Artgenossen geleitet haben, kann dies nur wenige Tage nach dem Ausbruch gewesen sein. Zu dieser Zeit war die Asche aber noch locker und wäre mit jeder Flugbewegung der Hubschrauber in gewaltigen Mengen aufgewirbelt worden.

    1980 standen der US Army und der Nationalgarde von Washington folgende Transporthubschrauber zur Verfügung:

    Modell Tragkraft max.
    Foto eines zweirotorigen Transporthubschraubers Boeing CH-47 „Chinook“ 7 bis 10,5 t
    Foto eines einrotorigen mittelgroßen Hubschraubers Bell UH-1 Iroquois, meist „Huey“ genannt 1 bis 1,5 t
    Foto eines sehr altmodisch aussehenden Hubschraubers Sikorsky H-34 ca. 2 t

    Es ist leicht vorstellbar, wie viele Flüge notwendig gewesen wären, um solche Mengen an Kadavern zu entfernen, insbesondere wenn die starken Chinooks nur in begrenzter Zahl zur Verfügung standen. Von starker, militärischer Hubschrauberaktivität ist jedoch nirgendwo zu lesen. Von daher ist davon auszugehen, dass die zuständigen Stellen (das USACE und die Nationalgarde) nur wenige Kadaver in den Quellbereichen der Flüsse entfernt haben – wenn überhaupt.

    Wesentlich wichtiger war eher die Entsorgung von Kadavern im Nahbereich der Siedlungen. Dies haben Anwohner und Behörden aufgrund der Asche nicht mit Hubschraubern, sondern mit Fahrzeugen, die über staubgeschützte Aggregate verfügten, z.B. Baustellenfahrzeugen erledigt.

    Was ist mit dem Kran?

    Ein Kran mit halboffener Hydraulik, großen, fettgeschmierten Lagern und Elektroantrieb wäre für vulkanische Asche sehr anfällig gewesen. In dem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie der Kran dorthin gekommen ist. Die Straßen waren unpassierbar. Wieso sollte man einen Kran einfliegen? Für Hebeaufgaben sind Helikopter besser geeignet. Zum Ausheben von Gruben sind Bagger das Mittel der Wahl und sie stehen dem US Army Corps of Engineers zur Verfügung. Allerdings waren die Straßen unpassierbar.

    Wenn man aber auf einen Kran der „Manatowaka Company“ zugriff, dann vermutlich, weil er zufällig vor Ort war.

    Die „Manatowaka Company“ oder doch nicht?

    rot lackierter Seilbagger
    Ein „dredge crane“ der Manitowoc Company, vielleicht eine Verwechslung? Foto: Nate Dawg, CC 4.0

    Bisher hat sich laut der Website Bigfootencounters.com niemand die Mühe gemacht, herauszufinden, ob es 1980 im Süden des Bundesstaates Washington eine Firma diesen Namens gab. Möglicherweise liegt hier auch eine Verwechslung vor. Gibt man den Namen „Manatowaka Company“ in eine Suchmaschine ein, landet man unter dem gar nicht so unähnlichen Namen „Manitowoc Company“ einige Treffer.

    Die „Manitowoc Company“ ist ein Traditionsunternehmen, das Krane und Bagger herstellt und unter dem Namen Manitowoc Raupenkrane vertreibt (andere Produktlinien haben teilweise andere Namen). Der Name ist groß an den Fahrzeugen angeschrieben. Mit einem solchen Gerät wäre man tatsächlich halbwegs mobil gewesen und hätte Kadaver bergen können. Warum auch nicht?

    War das Militär überhaupt da?

    Bisher habe ich keinen Hinweis gefunden, dass die US Army mit militärischen Einheiten vor Ort war. Das oben genannte US Army Corps of Engineers war 1980 am Mount St. Helens und hat im Rahmen einer Sofortmaßnahme den Flusslauf des Cowlitz-Rivers freigeräumt, um das Risiko von Überschwemmungen zu bannen. Allerdings besteht das USACE größtenteils aus Zivilisten, es ist eher dem deutschen THW als einer Pioniereinheit vergleichbar.

    Es gibt ebenfalls Hinweise auf den Einsatz der Nationalgarde. Diese hat bereits vor dem Ausbruch des Vulkans die Straßen der Gegend weiträumig abgesperrt. Einsätze, insbesondere Hilfsaktionen nach dem Ausbruch sind wahrscheinlich, aber für mich derzeit nicht zu belegen.

    Im Gegenteil: Einen Großteil der Aufräumarbeiten erledigten die Gemeinden selber. Viele haben lokale Aschedeponien geschaffen und direkt mit Erde abgedeckt. Andere haben die staubige Masse in alten Minen untergebracht. Auch auf den Kosten von etwa 1,1 Milliarden US$ blieben sie zunächst sitzen. Der Kongress bewilligte Beihilfen von 950 Millionen US$, die über drei verschiedene Organisationen ausgeschüttet wurden.

    Fazit

    Die Geschichte ist mehr als dünn. Redferns Beitrag liest sich wie ein schlechter Verschwörungs-Roman. Sogar der geheimnisvolle Zeuge, der alles gesehen haben will, ist dabei. Natürlich bleibt er anonym. Eigentlich fehlt hier nur der einschüchternde Anruf beim Autor oder bei Zeugen, die danach die Aussagen plötzlich ändern.

    Schaut man sich die Story etwas genauer an, stimmen auch die Fakten nachdenklich. Es gibt keine Hinweise auf eine zentral geplante und koordinierte Sammlung und Entsorgung verendeter Tiere. Sie wäre aufgrund der Vielzahl von Flügen gar nicht zu vertuschen gewesen.
    Dort, wo verbrannte Tierkadaver herumlagen, also mit den Sasquatches zu rechnen wäre, war Helikopterflug nur sehr begrenzt möglich. Jede Annäherung an den Boden hätte die leichte Asche aufgewirbelt, sie wäre zwangsläufig in den Turbinen gelandet und hätte viel Ärger bis hin zu Abstürzen verursacht. Insgesamt wurden mindestens acht Flugzeuge durch die Asche beschädigt, jedoch kein Helikopter. Bei einer großen Zahl von Hubschrauber-Flügen wäre unter diesen Bedingungen fast zwangsläufig mit Unfällen zu rechnen gewesen.
    Einheiten, die eine größere Zahl von Helikoptern hätten einsetzen können, waren gar nicht vor Ort.

    Der Kran, mit dem ein Loch ausgehoben worden sein soll, ist mit großer Sicherheit ein Produkt eines ähnlich klingenden Herstellers und nicht im Betrieb der genannten Gesellschaft. Ob die Erinnerung dem Zeugen einen Streich spielte, oder ob es doch eine Gesellschaft mit diesem Namen gab, ist unklar.

    In der Summe gibt es zu viele Fehler, wenn man nur ein wenig in die Materie eintaucht.


    Anmerkungen:

    Die Wiederbesiedlung des durch die Eruption verwüsteten Gebietes wäre einmal einen Artikel wert. Spannend ist der direkte Vergleich zwischen den Gebieten, in denen das Forstunternehmen Weyerhaeuser die Natur unterstützen wollte und den Gebieten, in denen die Natur frei arbeiten konnte. Da beide Gebiete oft dicht beieinander liegen, könnte man hier von einem natürlichen Labor sprechen. Das wäre auch einmal einen Artikel wert, völlig ohne Sasquatch.


    Literatur:

    Zur Story von Nick Redfern: Mysterious UniverseDie Bigfoot-Encounters: Cowlitz County Bodies

    Im Prinzip dieselbe Story, nur von Washington Bigfoots: Bigfoot Bodys removed after 1980 Mt St Helens eruption

    Das USACE am Mt. St. Helens.

    Die deutsche Webseite von Manitowoc-Cranes

    ICAO: Manual on Volcanic Ash, Radioactive Material and Toxic Chemical Clouds


    Dieser Beitrag und die mit seinem Namen oder Kürzel gekennzeichneten Bilder unterliegen dem Urheberrecht des oben genannten Autors.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Freitagnacht-Kryptos: Der „Minnesota-Iceman“ – Doch echt?

    in den Archiven kramte: Hans-Jörg Vogel

     

    Im Herbst des Jahres 1967 besuchte der Zoologe der University of Minnesota, Terry Cullen, die Gegend um Milwaukee. Auf einem Jahrmarkt entdeckte er ein unglaubliches Ausstellungsstück: Den gefrorenen Körper eines angeblich kürzlich getöteten bigfootähnlichen Tieres. In der Kryptozoologie wird er im Folgenden als „Minnesota-Iceman“ bezeichnet.
    In vielen Artikeln und Veröffentlichungen wird bis heute darüber gestritten, ob dieses Wesen echt oder ob es doch nur ein gut gelungener Scherz war. Handelte es sich bei dem Fund vielleicht sogar um das lange gesuchte „Missing Link“ in der menschlichen Evolution? Cullen begleitete das Ausstellungsstück und den Schausteller Frank Hansen eine ganze Weile durch Wisconsin, Illinois und Minnesota. In diesen Orten wurde es in vielen Einkaufszentren und auf vielen Jahrmärkten ausgestellt. Er versuchte während dieser Zeit örtliche Anthropologie-Professoren auf das interessante Stück aufmerksam zu machen, doch konnte der gefrorene Körper eines möglichen Missing Links deren Interesse nicht wecken.

    Die Werbung für den Minnesota-Iceman: "Sehen Sie die mysteriöse Kreatur im Eis. Ist das die Verbindung zwischen Mensch und Affe?...

    Kein Interesse der Wissenschaft, da muss die Kryptozoologie ran

    Zusammenstellung von Bildern, die den Original Minnesota-Iceman zeigen, die Sideshow-Bude und das Medieninteresse
    Frank Hansons Sideshow-Bude, ein Portrait des „Icemans“ und der Medienauflauf, wie er damals beworben wurde. Eigentlich kein Wunder, dass sich kein seriöser Wissenschaftler damit den Ruf beschädigen wollte.

    So benachrichtigte Cullen Ende des Jahres 1968 schließlich Ivan T. Sanderson, Kryptozoologe und Autor des Buches „Abonimable Snowmen – Legend come to life“. Sanderson bemühte seine Beziehungen, doch trotzdem wollte sich niemand dieses Relikt ansehen. Durch Zufall war gerade Bernard Heuvelmans bei Sanderson zu Besuch, als diese Ausstellung sich in Minnesota befand. Beide Zoologen machten sich daraufhin auf den Weg und fanden tatsächlich etwas, das wie ein Affenmensch aussah. Über mehrere Tage untersuchten sie das Wesen, so gut es ging.

    Sie notierten, dass es sich beim „Minnesota-Iceman“ um ein männliches Wesen von ca. 1,80 Meter Größe handelte, welches bis auf Handinnenflächen, Gesicht, Sohlen und Geschlechtsteil sehr behaart war. Man konnte sogar sagen, es hatte ein Fell. Weiterhin stellten sie fest, dass das Wesen eines gewaltsamen Todes gestorben sein musste, da es mehrere schwere Verletzungen aufwies. Offenkundig fehlten beide Augäpfel und eine offene Fraktur und eine klaffende Wunde am linken Arm waren zu erkennen. Heuvelmans vermutete, dass das Wesen durch eine Schussverletzung gestorben ist.

    Bei den Untersuchungen bemerkten sie auch einen starken Verwesungsgeruch der also auf ein ehemals lebendes Geschöpf hinwies. Im Gespräch mit dem Schausteller Hansen erfuhren Heuvelmans und Sanderson, dass Hansen den Eismenschen angeblich in Hong Kong gekauft hatte. Japanische Fischer hätten das Wesen in einem Eisblock aus dem Beringmeer gezogen. Er verwies im Gespräch auch darauf, dass die Leiche nicht ihm gehöre, sondern einem Mann aus der kalifornischen Filmbranche.

    Woher kommt der Minnesota-Iceman?

    Hansen änderte wohl aber öfter die Story um die Herkunft der Leiche. In anderen Quellen wird davon berichtet, dass Heuvelmans spekulierte, dass das Wesen aus Vietnam stammen könnte, da auch Hansen angeblich im Vietnamkrieg eingesetzt war und er es dort getötet habe. Nach Informationen aus der amerikanischen Presse die Heuvelmans wohl vorlagen, wurde im Jahre 1966 in der Nähe von Da Nang tatsächlich ein seltsamer Hominoid getötet. Theoretisch hätte Hansen den toten Affenmenschen mittels der Leichensäcke, die für die toten amerikanischen Soldaten verwendet wurden, in die USA schmuggeln können. Doch wie schon erwähnt, wird die wahre Herkunft vermutlich niemals ans Licht kommen, denn die Aussagen von Hansen zur Herkunft wechselten ständig.

    Heuvelmans und Sanderson waren sich jedoch einig, es mit einem echten Hominoiden zu tun zu haben. Heuvelmans beschrieb im “Bulletin of the Royal Institute of Natural Sciences of Belgium” (Vol. 45 No. 4) deshalb den Minnesota-Iceman als “Homo pongoides*”. In den verschiedensten Quellen wird berichtet, dass der originale “Eismann“ irgendwann verschwand und durch eine Fälschung ausgetauscht wurde. So tauchte im März 1997 in Bourganeuf (Frankreich) auf einer Ausstellung ein weiterer Hominoid auf, der dem „Minnesota-Iceman“ sehr ähnlich sah. Bernard Heuvelmans wurde umgehend informiert und auch hier war sein Urteil eindeutig – eine Fälschung.

    Später wurde klar: der Bourganeuf-Yeti war eine absichtliche Fälschung. Mit dieser Skulptur wollte der Künstler Emannuel Casteels Janssen seine Fähigkeiten demonstrieren, gleichzeitig wollte der belgische Verband ABEPAR, der unter anderem das Magazin Cryptozoologia herausgibt, die Arbeit Heuvelmanns ehren.

    Wo ist er hin?

    In seinem Artikel: „Urzeit-Mensch im Eisblock – Doch keine Fälschung?“ (Mysteries, Nr. 25) geht der Autor Christoph Kummer noch einmal den Spuren nach. Hier verweist er auch auf die Suche im Archiv Heuvelmans, welches sich jetzt im Museum of Zoology, Lausanne (Schweiz) befindet. In einer schwarzen Mappe befinden sich Fotos und auch Skizzen, die von Alika Lindbergh (Heuvelmans Ex-Frau) angefertigt wurden. Zahlreiche Nahaufnahmen zeigen viele Details der muskulösen Kreatur. Doch es scheint auch Bilder zu geben, die möglicherweise ein anderes Wesen zeigen. Existierte wirklich ein Duplikat?
    Im Folgenden möchte ich die 3 Punkte kurz zusammenfassen, die nach Herrn Kummer gegen die Echtheit des Eismannes und die vier Punkte, die nach Herrn Kummer, für die Echtheit sprechen.

    Skizze der Originalabbildungen des Icemans. eine haarige, menschenähnliche Figur liegt auf dem Rücken, den linken Arm im Bogen über den Kopf gehalten
    Darren Naish’s Reproduktion der Original-Abbildungen des „Minnesota-Iceman“

    Gegen:

    1. viele Maskenbildner aus Hollywood behaupteten Ende der 60er Jahre, sie hätten den Minnesota-Iceman hergestellt. Darunter befand sich auch John Chambers, der auch an der Filmproduktion „Planet der Affen“ mitgewirkt hatte.
    2. Frank Hansen selbst war ein „Showman“ und beherrschte die Kunst der Illusion. Warum sollte es ihm nicht gelungen sein, zwei Wissenschaftler hinters Licht zu führen?
    3. Hansens Aussagen über die Herkunft waren sehr widersprüchlich. Auch seine Aussage über die Authentizität des Eismannes wechselte oft.

    Dafür:

    1. Heuvelmans und Sanderson waren erfahren Zoologen. Ihre Untersuchungsergebnisse wurden zudem vom Anthropologen Carleton Coon unterstützt.
    2. Warum ließ Hansen (oder der Eigentümer?) den Eismenschen verschwinden?
    3. Wieso ließ Hansen den Körper nach seiner Festnahme an der Grenze zu Kanada nicht röntgen, obwohl es sich seiner Aussage nach nur um eine Gummipuppe gehandelt haben soll?
    4. Weshalb durften Heuvelmans und Sanderson nicht über den Eismann berichten? Das wäre doch gute Werbung für Hansen gewesen.
    5. Das Aussehen des Eismannes glich keiner damals bekannten Darstellung eines Neandertalers, Yetis oder anderen lebenden oder ausgestorbenen Wesen. Wer oder was war also die Vorlage, wenn das eine Gummipuppe war?

    Der spanische Zoologe Jordi Magraner suchte jahrelang die Spuren des geheimnisumwitterten pakistanischen „Wildmenschen“, den die Einheimischen „Barmanu“ nannten. Bei seinen Befragungen von Einheimischen legte er auch Fotos vor. Darunter auch Bilder vom „Minnesota-Eismann“. Angeblich identifizierten alle befragten Zeugen den Eismann als „Barmanu“. Ebenso unternahm der australische Anthropologe Helmut Loofs-Wissowa 1995 Expeditionen in das Grenzgebiet von Laos und Vietnam auf der Suche nach „Nguoi Rung“. Auch er zeigte den Menschen Bilder von ausgestorbenen und noch lebenden Affen und Menschen und auch die „Iceman-Skizze“ von Alika Lindbergh. Die Befragten entschieden sich für die Skizze von Alika.

    Stellt sich die Frage, ob das alles nur Zufälle sind. Ich kann Herrn Kummer nur zustimmen, wenn er in seinem Artikel abschließend bemerkt: “Um die Existenz des Homo pongoides* zu beweisen, bleibt demnach nur ein Weg übrig: Sich auf die Suche nach noch lebenden Exemplaren zu machen.“

    Hollywood – der Mann aus der kalifornischen Filmbranche

    Ein Mann in Militäruniform sitzt Modell für ein Foto
    James Stewart als General der AirForce 1968.

    Nach Hansen gehörte der „Minnesota-Iceman“ einem Mann aus Hollywood. Dieser habe das Wesen auf einer Asienreise entdeckt und in die USA gebracht. Hansen hat den Namen bis zu seinem Tode nicht preisgegeben. Mehrere Kryptozoologen und der US-Schriftsteller Mike Quast hegen die Vermutung, dass es sich bei dem großen Unbekannten um den Schauspieler James Stewart handeln könnte, der mit seinen Rollen aus verschiedenen Hitchcock-Filmen bekannt wurde. Stewart soll sehr religiös gewesen sein und sich sehr für seltsame Artefakte aus fremden Ländern interessiert haben. Nach Aussagen vom Kryptozoologen Loren Coleman schmuggelte Stewart 1959 eine mumifizierte Yetihand aus Nepal, um sie wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Als Hansen gefragt wurde, warum der eigentliche Besitzer diese Kreatur ausstellen wollte, antwortete Hansen: Er wollte sehen, wie das Publikum auf das Objekt reagierte und welche Kontroversen es auslöste.

    Der Schauspieler James Stewart starb 1997.


    Literatur:

    Kummer, Christoph (2008): Urzeit-Mensch im Eisblock – Doch keine Fälschung? The strange story of ghe Minnesota Iceman; Mysteries 25 (1/2008); S 22-27

    Krystek, Lee (1996): siehe unter http://www.unmuseum.org/iceman.htm

    http://iep.alien.de/iceman.htm, über das WebArchiv

    https://webspace.utexas.edu/cokerwr/www/slides/bigfoot/minnesota.html (Seite existiert nicht mehr, auch über das WebArchiv nicht erreichbar)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bernard_Heuvelmans


    Dieser Beitrag ist zunächst im „Der Kryptozoologie-Report“ 5-2008 erschienen und unterliegt dem Urheberrecht des Autors. Vielen Dank für die Erlaubnis, ihn hier verwenden zu dürfen.

    Beiträge, die mit einem Autorennamen gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

    Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.


    Anmerkung der Redaktion: Der Artikel ist 2008 erschienen und gibt den damaligen Wissensstand zur Echtheit des Ausstellungsstückes wieder. Er erhebt keinen Anspruch auf eine vollständige Darstellung des Ausstellungsstückes und seiner Geschichte vor 2008. Ereignisse nach 2008 bleiben vollständig unberücksichtigt.


    * Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

    Wir wissen, dass wissenschaftliche Namen in Texten kursiv geschrieben werden. Wir würden das auch hier gerne machen. Leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
    Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.


  • Neues Bigfoot-Video schlägt Wellen

    von: Tobias Möser

    London, UK; Mississippi, USA – Die britische Tageszeitung Daily Star brachte in ihrer online-Ausgabe vom 18. August 2019 ein Video, das eine angebliche Bigfoot-Sichtung zeigt. Klar, relativ unverdeckt und scharf gefilmt. Kein Wunder, dass sich die „Armchair-Cryptozoologists“ in den Sozialen Medien die Köpfe heiß reden: Daily Star: Bizarre footage of black figure in forest…

    Das Video ist eher diffus und weich, aber hell beleuchtet. Es zeigt einen offenkronigen, daher recht hellen Sumpfwald mit einer mehr oder weniger großen, mit Bäumen bestandenen Wasserfläche. Vor der Wasserfläche steht ziemlich offenes, verholztes, aber nicht sehr hohes Unterholz mit einzelnen Blättern, keine Gräser.

    Etwa in der Bildmitte befindet sich, etwas verdeckt durch ein paar knapp armdicke Bäume, ein schwarzer Bereich, der sich bewegt. Er ist dunkler als der Rest des Bildes. Es bewegt sich während des Videos schwach und hält öfter still. Offenbar ist es ein Lebewesen, das sich mit dem hohlen Stamm eines der Bäume befasst. Während des Großteils des Videos wirkt es, als würde es sitzen, knien oder hocken. Als es aufsteht, beginnt der Kameramann davon zu laufen und man sieht zunächst nur die typischen Bilder, die eine Kamera in so einer Situation zeigt. Am Schluss sind Blätter von jungen Fächerpalmen zu erkennen.

    Das „Wesen“

    Das Wesen, weswegen der Film so stark diskutiert wird, ist dunkel, annähernd schwarz. Es wirkt auf den ersten Blick ziemlich menschenähnlich, soweit das erkennbar ist. Da es der Kamera den Rücken zugedreht hat, ist nicht viel von ihm erkennbar. Die untere Körperhälfte ist zunächst von Unterholz verdeckt, es wirkt, als „steht“ es in einer Wasserfläche. Während der etwa 2 Minuten, die es auf dem Video zu sehen ist, bewegt es sich nicht vom Fleck, sondern befasst sich ausgiebig mit einem hohlen Baumstumpf. Offenbar bricht es immer wieder, auch mit sichtbarem körperlichen Aufwand morsche Holzstücke aus dem Baum, hierzu verwendet es beide Hände, wobei die rechte Hand führt.

    Etwa bei 1:32 ist ziemlich gut zu sehen, dass das Wesen nicht im Wasser steht, sondern auf einem Stück der Baumwurzel hockt (mit gebeugten Knien), aber nicht kniet oder sitzt. Es ist also im Trockenen. Eine Zeichnung des Felles ist nicht sicher erkennbar, es wirkt mehr oder weniger einheitlich schwarz. Die Hände lassen kurz einen helleren Schimmer erkennen, ebenso ein Gesicht. Als das Wesen bei 1:57 aufsteht, rennt der Kameramann davon.

    Die seltsame Kreatur gräbt in einem Baumstumpf. Als sie aufsteht, haut der Kameramann ab. Image: John Highcliff

    Die Angaben des Daily Star

    Der Daily Star schreibt in seinem Beitrag, dass das Video von einem gewissen Josh Highcliff stamme. Er habe die Kreatur auf einem Jagdausflug gefilmt, bevor sie ihn bemerkt haben kann. Josh wird mit den Worten zitiert: „Etwa 50 Meter von einer toten Zypresse entfernt hockte dieses riesige schwarze Ding. Ich hielt es für ein Schwein, sah aber diese großen Schultern und einen Kopf mit aufrechten Händen.“ – „Es sah so aus, als würde im Baumstumpf graben.“ – „Als es aufstand, konnte ich mich nicht beherrschen und rannte los. Dieser Stumpf war riesig und ich würde vermuten, dass das Biest 7 Fuß groß war.“

    Der Film

    Der Film ist so klar und brauchbar, wie es bei modernem, mäßig hochwertigem Kameramaterial zu erwarten ist. Diesmal spielen Wetter und Kameramann mit: Durch eine lichte Wolkendecke ist das Licht wunderbar weich und diffus. Es gibt keine harten Schatten, die irritieren, nichts verschwindet schwarz in schwarz. Das erleichtert es deutlich, das Wesen bei seiner Arbeit am Baumstamm zu identifizieren.
    Auch der Kameramann hat offenbar von zahlreichen schlechten Internetvideos gelernt. Er hält die Kamera ruhig und gerade. Dabei rennt er nicht viel herum, sondern verhält sich still.

    Die Angaben

    Der Kameramann Josh Highcliff erklärt der Daily Star, das Video in er Nähe von Tunica im Staat Mississippi in den USA aufgenommen zu haben. Die Landschaft und Vegetation scheinen in die Gegend zu passen, die Bäume sehen aus, wie die von Highcliff genannten Sumpfzypressen. Bei genauerer Suche mittels google Street View kommen jedoch zunächst Zweifel auf. Die Gegend, die Highcliff beschreibt, ist extrem stark landwirtschaftlich genutzt und entsprechend „aufgeräumt“. Wälder gibt es nur noch am Ufer des Mississippi und in dessen feuchten Altarmen. Durch die führt kaum eine Straße, Street View kann hier also nur bedingt weiterhelfen. Bemerkenswert: Dort, wo es man Bilder von Gewässern findet, sind sie mit Zypressen bewachsen und wirken ähnlich, wie auf dem Video.
    Einzig mit Highcliffs Angabe „Die Kreatur war etwa 50 Yards entfernt“ komme ich nicht klar. Ein Yard misst offiziell 91,44 cm, 50 Yards sind also knapp 46 m. Auf dem Video erscheint die Kreatur deutlich näher. Kann es sein, dass hier Yards mit Feet oder 15 mit 50 verwechselt wurden? Das entspräche dem Anschein deutlich mehr.

    Die Kreatur

    Die Fellfarbe der Kreatur erscheint auf dem Video schwarz, richtig knallig schwarz. Um das zu verifizieren, nutze ich das Plugin „Color Zilla“, das mir für jeden Bildschirmpunkt, den ich mit der Maus ansteuere, die Farbe als Hexcode herausgibt. Ich habe an fünf verschiedenen Zeiten des Videos je fünf verschiedene Punkte der Kreatur herausgegriffen und dort die Farbe des Fells festgestellt. Zu Zeitpunkt 0:57 zeigten sich auch hellere Elemente (Hand oder Gesicht):

    Einwurf Hexcode: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Farben digital auszudrücken. Der Hexcode ist eine Version, die unter anderem in html verwendet wird. Üblich ist die hexadezimale Farbdefinition in sechsstelliger Form, das heißt als eine Aneinanderreihung von drei jeweils zweistellig geschriebenen Hexadezimalzahlen. Die ersten beiden Stellen stehen für den Rotanteil, die zweiten für den Grünanteil und die letzten beiden Stellen für den Blauanteil. Die Farben werden additiv gemischt (wie farbiges Licht, nicht wie Malfarbe). Weiter zum Thema in der Wikipedia
    Zeit Position 1 Position 2 Position 3 Position 4 Position 5
    0:10 251b28 231d2f 1b1828 2c2635 251f2e
    0:26 3b2d44 3d3148 372b44 2c2135 31233c
    0:57 483d55 2e1c32 3f334e ac9a93 726873
    1:23 382a43 362843 493b54 3c2a42 3d313a
    1:58 40324d 3c2f52 3f3352 372742 3b293d

    Genauer wäre es gewesen, ich hätte noch möglichst identische Punkte des Körpers für die einzelnen Positionen herausgegriffen. Das erscheint mir aber wegen der teilweisen Überdeckung mit Unterholz, der Bewegung der Kreatur und des Kameramanns nicht möglich.
    Selbst bei einem schwarz erscheinenden Tier hätte ich eine Fellfarbe erwartet, in der Dunkelbraun dominiert. Hier erscheint es anders, die Blautöne sind in den meisten Fällen stärker als die Rottöne, die wiederum stärker als die Grüntöne sind. So kommen violette Fellfarben zustande. Ob das ein Indiz ist, dem man folgen sollte, wird die folgende Tabelle zeigen:

    Bild Position 1 Position 2 Position 3
    Panda 121318 1e1e28 0f1015
    Gorilla 636469 5d5958 5f5e54
    Beutelteufel 292e41 24242e 24242e

    Pandabärjunges auf einem Baum
    Bild 1: Schwarzweiß eignet sich auch als Kontrolle: ein Panda in Schönbrunn (Wien)

    schlecht gelaunte Grorilla-Dame
    Bild 2: Die potenzielle Verwandtschaft hat keine Lust, sich zu beteiligen. Gorilla-Dame, Zoo Nürnberg

    Tasmanischer Teufel
    Bild 3: Zum Teufel, dann muss er eben als Vergleich herhalten. Schwarz genug ist der Beutelteufel jedenfalls. Zoo Duisburg

    Die meisten „schwarzen“ Fellfarben“ erscheinen mehr oder weniger violett stichig, selbst wenn man Säugetiere aus den unterschiedlichsten Linien miteinander vergleicht. Es ist also kein Indiz dafür, dass es sich ggf. um ein künstliches Fell, ergo ein Fake handelt.

    Einwurf: Mir ist bewusst, dass sich bei dieser Untersuchung nur um ein ungenaues Instrument handelt. Der Himmel, die Bewölkung, die Tageszeit, der Weißabgleich der Kamera und die Kamera selber spielen eine große Rolle. Daher kann das Ergebnis auch nur als Indiz genommen werden und ist keinesfalls ein „Beweis“ für oder gegen die Echtheit des Videos.
    Auch für die Abschätzung der Entfernung würde eigentlich die Kamera benötigt, denn über Zoomfaktor und Fokussierung kann mit etwas Glück die Entfernung des Schärfebereiches festgestellt werden. Über die Entfernung und Zoomfaktor kann dann anhand der Pixelmaße auch die Größe des Objektes ziemlich gut vermessen werden. Leider liegen mir die Daten für diese Kamera nicht vor.

    Das Verhalten der Kreatur

    Die Kreatur auf dem Video verhält sich ausgesprochen ruhig. Sie befasst sich mit der morschen Zypresse, bricht alte Holz heraus und wirft es weg. Dabei scheint sie völlig konzentriert und scheint auch den nur wenige Meter entfernten Menschen nicht wahrzunehmen.

    „Was macht das Vieh da?“ Offenbar räumt es einen hohlen Baum aus. Aber wozu? Als Schlafplatz ist der Fuß einer Sumpfzypresse sicherlich ungeeignet, selbst wenn er im Moment trockengefallen ist. Die Wasserstände in den Wäldern am Mississippi-Hauptstrom werden sich vermutlich ständig ändern – und morgens mit nassem Hintern aufzuwachen dürfte auch einem Swamp Ape nicht gefallen. Ich impliziere als Alternative, dass die Kreatur nach Insektenlarven sucht, die faulendes Holz fressen. Es gibt da einige recht dicke Käferlarven, die auch für einen Bigfoot einen respektablen Snack bilden. Leider zeigt die Kreatur die ganze Zeit ihren wunderschönen, schwarzen Rücken, so ist nicht zu sehen, ob sie etwas aus dem Totholz heraussammelt und frisst. Die Tatsache, dass sie am Anfang größere Holzstücke, später nichts mehr wegwirft, deutet in die Richtung.

    „Wie kommt es, dass das Vieh so konzentriert arbeiten kann, ohne den Jäger/ Kameramann zu bemerken?“ Hierzu gibt es drei Möglichkeiten: Es hat den Kameramann bemerkt, fasst ihn aber nicht als Bedrohung auf. Das Verhalten des Wesens lässt keinen Schluss auf ein Bemerken zu. Es ist aber im Film auch nicht ständig zu sehen. Andererseits gelten alle Bigfoot-artigen Kreaturen Nordamerikas als scheu, sie fliehen vor Menschen. Damit kann man diese Hypothese getrost streichen.
    Die zweite Hypothese: Es hat den Kameramann nicht bemerkt, halte ich für wahrscheinlicher. Der Kameramann ist im Rücken der Kreatur, die völlig mit dem Totholz im Baum beschäftigt ist. Das wäre für ein Wildtier merkwürdig. Kaum ein Tier kann sich ausschließlich mit seiner Nahrungsquelle befassen, ohne Gefahr zu laufen, selbst zu einer solchen zu werden. Ist der Bigfoot nun ein solcher Apex-Predator, kennt er in Mississippi weder Bären noch Pumas oder Alligatoren? Klingt auch seltsam, ich werde später darauf zurückkommen: Bitte im Kopf behalten!

    YouTube

    Ja, YouTube spielt hier auch eine Rolle. Das angeblich so neue Video ist dort nämlich seit dem 28. Oktober 2013 veröffentlicht. Josh Highcliff hat hier auch einige weitere Angaben dazu gemacht, wie er das Video gedreht hat:

    Das Video ist am 24. Oktober 2013 entstanden, abends um 18 Uhr. Highcliff war unterwegs, um „Wildschweine“ (verwilderte, primitive Hausschweine, echte Wildschweine gibt es in Amerika nicht) zu jagen, trug Jagd-Tarnkleidung und saß still herum, um auf die Dämmerung zu warten, in der er jagen wollte. Dann hörte er ein Geräusch an einem Baum, erwartete ein Wildschwein und traute seinen Augen nicht.

    Außer der Angabe, dass das „Ding“ groß und schwarz war und er eine Entfernung von 50 Yards schätzte, vermutete er, dass es etwa 7 Fuß, also gut 2,10 m groß war.

    Ich ziehe hier eine wesentliche neue Aussage heraus: Highcliff saß da, mittelmäßig getarnt und wartete. Er nennt „Hunting camo“, also vermutlich Fleckentarn mit neonroten Abzeichen, die das Wild nicht sehen kann. Teile der Kleidung sind am Ende des Videos kurz zu sehen. Von einem konturauflösenden Ghillie-Suit schreibt er nichts.

    Die Interaktionen

    Die Frage nach der Interaktion beginnt nach dem Henne-Ei-Prinzip. War die Kreatur zuerst vor Ort und kam Highcliff dazu, würde das seiner Aussage „just sitting dead still waiting for it to get dark“ nicht passen. Folglich muss Highcliff also vor der Kreatur am Ort gewesen sein. Deswegen schreibt er auch: „I hear a noise behind the tree i was sitting on“.

    Die erste Frage, die ich mir stelle: Die Kreatur ist bereits am Baum, auf trockenem Boden, aber sie muss durch den Sumpf und offenes Wasser dorthin gelangt sein. Wer beim Baum ausräumen seine Umwelt völlig vergessen kann, wird nicht leise durchs Wasser gleiten, sondern irgendwelche Geräusche produzieren. Hat Highcliff sie überhört, z.B. weil er geschlafen hat, hat er sie für Geräusche von Schweinen gehalten oder aus anderen Gründen nicht wahrgenommen?
    Andersherum würde ich auch gerne wissen, ob die Kreatur Highcliff nicht wahrgenommen hat. Die Möglichkeiten, die sich hieraus ergeben, habe ich oben bereits beschrieben.

    Die zweite Unklarheit, die ich finde, betrifft die Beobachtung selber. Highcliff bewegt sich während des Filmens im Unterholz und möglicherweise auf einem Weg. Das erzeugt Geräusche, die sich von anderen Waldgeräuschen unterscheiden. Wieso beschäftigt sich die Kreatur weiter seelenruhig mit dem Baum? Fühlt sie sich im Wasser so sicher?

    Die dritte Unklarheit, die ich finde, betrifft die Flucht von Highcliff. Während des gesamten Filmens befand sich die Kreatur links von ihm. Egal wie dicht er heran geht und wo er steht, stehts macht es den Eindruck, er würde sich den Weg nach rechts freihalten. Ich hätte also damit gerechnet, dass er bei einer Reaktion der Kreatur nach rechts flüchtet. Das tut er nicht. Er flüchtet zunächst wenige Schritte nach links (zählt man die Bewegungsgeräusche auf dem Video, sind es sechs oder sieben Schritte), dann bleibt er stehen und dreht sich um etwa 90 Grad nach links, um weiter zu laufen, bis das Video abbricht.
    Auf mich macht es den Eindruck, dass ihn seine Flucht zunächst auf die Kreatur hin führt. Er bleibt an der Stelle stehen, die der Kreatur am nächsten ist, sieht sich um und entfernt sich erst dann. So verhält sich niemand, der vor etwas Angst hat.

    Fazit:

    Das Video ist sehr gut, es zeigt eine Kreatur, die in einem hohlen Baumstamm nach etwas sucht, dann aufsteht und den Kameramann dadurch zur Flucht animiert.
    Die Qualität des Videos lässt einen elektronischen Fake soweit ausschließen, wie man das heute noch kann. Anzeichen hierfür habe ich jedenfalls keine gefunden. Die analysierten Fellfarben wirken natürlich und scheinen nicht von einem billigen Kostüm zu stammen, wobei kein direkter Vergleich mit einem Kunstfell gemacht werden konnte. Das gefilmte Verhalten der Kreatur ist in sich stimmig und passt zur Situation.

    Die unklare Auffindungssituation und dann die Flucht in die unerwartete Richtung lassen an der Authentizität des Videos zweifeln.

    Leider ist der Dreh schon 6 Jahre her, am Ort werden sich keinerlei Spuren mehr finden lassen. Der Baum ist vermutlich längst umgekippt und weitgehend verrottet, möglicherweise ist der Sumpf trocken oder überschwemmt.