Mein Wort zum Sonntag – 16. August 2020

Das Wort zum Sonntag muss heute leider ausfallen.

 

Unser Autor Markus Kretschmer hat diese Woche nur wenige Meldungen erhalten. Er möchte das Sommerloch dazu nutzen, ein paar Tage Urlaub zu machen.

Er verspricht, die Meldungen in sein Wort zum Sonntag am 23.8. einzubinden, so dass keine Information verloren geht. In der Presseschau morgen werden wir auch wieder kurz aus der Paläontologie berichten.

 

Wir wünschen Markus einen schönen Urlaub und gute Erholung.


 

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Die weißen Steine, ein Paläo-Jugendroman

Ein greller Lichtblitz setzt der Klassenfahrt der 10b ein jähes Ende. Aus voller Fahrt rast ihr Bus gegen einen Baum. Der Busfahrer stirbt bei dem Aufprall, die beiden Lehrer werden schwer verletzt. Doch das Merkwürdigste: Die Landschaft hat sich verändert. Tropische Pflanzen, exotische Vögel und die sommerliche Wärme lassen keinen Zweifel, dass sich die Klasse nicht mehr in Deutschland befindet.
Leon, Heinrich und Wasi ergreifen die Initiative und machen sich auf die Suche nach Hilfe. Doch als sie zum Bus zurückkehren, bietet sich ihnen ein Bild des Schreckens: Riesige Fußabdrücke bedecken den Boden, der Bus ist völlig verwüstet und von ihren Mitschülern fehlt jede Spur. Einzig ihre Klassenlehrerin liegt im Schlamm unter dem Buswrack. Lebendig zwar, aber sichtlich unter Schock bleibt sie den Jungs eine Antwort auf die wichtigste Frage schuldig: Was ist aus dem Rest ihrer Klasse geworden?

Die weißen Steine: Neue Alte Welt ist im Paul Ehrlich Verlag erschienen und hat als Paperback 504 Seiten. Als Jugendroman ist er für junge Leser ab 12 Jahren empfohlen.

 

 

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Wir wünschen ruhige und frohe Festtage

Die Redaktion und alle Autorinnen und Autoren wünschen euch, liebe Leserinnen und Leser, frohe Weihnachten und ruhige Feiertage.

Wir melden uns am 2. Feiertag, Donnerstag, den 26.12. wieder.

 

 

Weihnachtskarte: schlecht gelaunter Osterhase zieht einen Schlitten mit Nessie durch den Schnee
Etwas merkwürdige Out-of-Place-Sichtung in den Schweizer Alpen.




Presseschau Kalenderwoche 50/2019

Auch diese Woche gibt es wieder einiges zu berichten. Die meisten Meldungen kommen aus dem Bereich Vögel, aber auch die Bären kommen diese Woche nicht zu kurz. Nein, über den torkelnden Waschbär aus Braunschweig berichten wir nicht, dazu ist uns die Lage (auch juristisch) zu unklar. Statt dessen haben wir andere, interessante Dinge ausgegraben, sogar einen Klassiker:


Hat Regen der Dinosaurier-Evolution einen Schub gegeben?

Nasses Farn
Hat der Regen die Dinosaurier-Evolution bevorteilt?

Wie die Wettervorhersage von vorgestern aussieht, interessiert niemanden mehr. Wie sie vor 232 Millionen Jahren ausgesehen hätte, wird gerade heiß diskutiert.

In den Ablagerungen der späten Trias in Summerset (England) ist schon seit langem eine „Anomalie“ bekannt. Zwischen zwei Schichten roter Gesteine liegt eine dünne Schicht grauer Sandstein. Rote Gesteine sind in aller Regel Produkte von Wüsten, während graue Ablagerungen auf sumpfiges Gelände hindeuten. Der Geologe Alastair Ruffell entdeckte diese Abweichung in den 1980ern und verfolgte sie über 30 Jahre weiter. So konnte er nachweisen, dass die feuchte Periode vor 232 Millionen Jahren nicht nur in Summerset stattgefunden hat: es regnete nahezu überall.

Das Bemerkenswerte daran ist nicht alleine die Tatsache, dass es eine relativ kurze Klimaveränderung gab (zumindest für geologische Zeiten), sondern dass ausgerechnet in dieser Zeit eine kleine Aussterbewelle stattfand. Seelilienarten starben in großer Zahl aus, aber auch Amphibien und Landpflanzen. Diese Zeit nannte Ruffell Karnisches Pluvial (Karn ist die zeitliche Stufe, Pluvial kommt von lat. pluvialis = regenbringend).

Die entstehenden Nischen im Ökosystem konnten die Reptilien mit schneller Radiation am besten ausfüllen. Die ersten, zahlenmäßig unbedeutenden, Dinosaurier begannen eine schnelle Artbildung. Auch die ersten Säugetiere oder zumindest säugetierähnliche Reptilien entstanden.

Quelle:

Marshall: nature news feature: Did a million years of rain jump-start dinosaur evolution?


Feuersalamander-Unterart in Marokko entdeckt

Feuersalamander
Feuersalamander sind im Mittelmeerraum weiter verbreitet, als man so glaubt

Marokko kennen wir als Wüstenland, heiß, trocken und mit schöner Urlaubssonne. Kein Lebensraum für feuchte- und kälteliebende Amphibien. Doch in den Tälern des mittleren Atlasgebirges haben sich Feuersalamander halten können. Sogar so erfolgreich, dass sie eine eigene Unterart gebildet haben. Salamandra algira atlantica ist jetzt neu beschrieben worden:

Quelle:

Hernandez & Escoriza: A new subspecies of African fire salamander Salamandra algira (Urodela, Salamandridae) from the Middle Atlas Mountains, Morocco


Schutz von Füchsen: In Luxemburg funktioniert die Natur ohne Fuchsjagd

Rotfuchs
Luxemburg regelt die Fuchspopulation völlig anders als Deutschland

Die Jagd auf unser größtes, flächendeckend vorkommendes Raubtier, den Rotfuchs ist umstritten. Die Jagdbefürworter argumentieren mit dem Schutz diverser bodenlebender Kleintiere und der Angst vor der Ausbreitung von Krankheiten. Sie wollen seine Population durch „Regulierung“, damit meinen sie Abschuss kurz halten. Jagdgegner berufen sich auf eine natürliche Regulierung einer gesunden Population und dass Füchse selbst starke Bejagung durch mehr Nachwuchs ausgleichen können. Dies unterstützen auch wissenschaftliche Untersuchungen.

Luxemburg hat daher vor fünf Jahren die Jagd auf Füchse verboten. Der örtliche Jagdverband prophezeite daraufhin ausufernde Fuchsbestände, seuchenartige Erkrankungen, die auch andere Tierarten betreffen und einen Anstieg der Füchse im benachbarten Rheinland-Pfalz. Nichts davon ist eingetreten.

Die Fuchspopulation ist seit 2014 nicht gestiegen, die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm sank von knapp 40% auf knapp 25%. Das Luxemburgische Verwaltungsgericht hat die Klage des Jagdverbandes FSHCL, das Jagdverbot zu kippen, abgewiesen.

Quelle:

Wildtierschutz Deutschland e.V.


Zweigeschlechtlicher Vogel in Texas gefangen

Männchen des Rotkardinals

Der Rotkardinal Cardinalis cardinalis ist ein hübscher, kräftig rot gefärbter Finkenvogel, der im Osten der USA und Mexikos weit verbreitet ist. Als Kulturfolger hat er sein Areal in den letzten 200 Jahren bedeutend nach Westen ausgedehnt.

In Texas wurde jetzt ein Tier gefangen, das zweigeteilt erscheint. Die rechte Körperhälfte des Vogels trägt alle Merkmale eines Weibchens: Bis auf einzelne Flügelfedern graues Gefieder, keinen Augenstreif und eine kurze Haube. Die linke Körperseite sieht wie ein typisches Kardinal-Männchen aus: kräftig rot, schwarzer Augenstreif, hohe, rote Haube und etwas dunklere Flügel.

Tiere, die hiervon betroffen sind, werden Gynander genannt. Diese Anomalie entsteht, wenn in der frühesten Embryonalphase ein Fehler in der Zellteilung für eine ungleiche Verteilung der Geschlechtschromosomen sorgt (Näheres bei wikipedia). Gynander sind selten, aber von verschiedenen Vogelarten bekannt, so Hühnern und Enten.

Die Website „LADbible“ behauptet, der Vogel würde sowohl Hoden wie Eierstöcke besitzen. Dies ist fraglich, da bei Vögeln in der Regel nur der linke Eierstock ausgebildet wird – diese Seite des Tieres ist aber männlich. Hoden werden paarig ausgebildet, die rechte Seite des Vogels könnte auch funktionell männlich sein.

Vogelliebhaber haben das Tier seit 2014 am Futterhaus entdeckt, er kommt jedes Jahr zu ihnen zurück.


Bären machen Winterschlaf im Krankenhaus

Der Kragenbär kommt auch auf der japanischen Hauptinsel vor

Das muss eine unangenehme Überraschung für die Mitarbeiter eines Krankenhauses in der japanischen Provinz Niigata gewesen sein. In einem Lagerraum hatte sich eine Bärenmutter mit zwei Kindern zur Winterruhe eingerichtet.

Die Mitarbeiter haben die Polizei gerufen, die zunächst versuchte, die Bärenfamilie mit Feuerwerkskörpern zu wecken. Das blieb erfolglos, so dass die Tiere dann im Schlaf betäubt und eingefangen wurden. Was im Frühjahr mit ihnen passieren soll, ist unklar.

In Japan gibt es, trotz der dichten Bevölkerung und der intensiven Landwirtschaft halbwegs gesunde Populationen von zwei Bärenarten: dem Braunbär und dem Kragenbär, durch die Insellage jeweils mit einer eigenen Unterart. Braunbären kommen nur auf der Nordinsel Hokkaido vor, Kragenbären sind weiter verbreitet, so auch auf Honshu, wo die Provinz Niigata liegt. Auch wenn es aus der Pressemeldung nicht hervorgeht, wird es sich also um Kragenbären handeln.

Quelle: n-tv


Die Weihnachtsinsel-Krabbenbrücke

Krötentunnel und -fangzäune sind aus Deutschland bekannt. Aber auf der Weihnachtsinsel wandern nicht die Kröten, sondern die roten Weihnachtsinsel-Landkrabben. Die etwa 50 Millionen Tiere wandern so dicht, dass der Boden teilweise rot wimmelt. Sie wandern aus ihren Landbiotopen zum Meer, um dort abzulaichen. Auf vielen Bildern der Wanderung ist zu sehen, wie Autos zahllose Krabben platt fahren.

Die Swell Lodge, ein öko-Luxus-Ressort will den Bodycount bei der jährlichen Krabbenwanderung reduzieren. Hierfür haben sie Fangzäune aufgebaut, die die Krabben von der Straße fernhalten. Um sie auf die andere Seite zu bekommen, haben die Mitarbeiter des Ressorts eine 5,5 m hohe Brücke aufgebaut, die von den Krabben hervorragend angenommen wird.

Die Christmas-Islander bezeichnen die Brücke als großartiger als die Tower-Bridge oder die Sydney Harbour Bridge, das trifft sicher zu, zumindest aus vom Standpunkt der Krabben.

Wer sich das näher ansehen möchte: SwellLodge.com scheint ein tolles Ressort zu sein!

Krabbenbrücke
Die Christmas-Island Krabbenbrücke, großartiger als die Tower-Bridge oder die Sydney Harbour Bridge?

Krabben auf der Brücke
Krabben auf der Brücke

Berline Panda-Zwillinge sind zwei Jungs

Zwei Pandababies
Die beiden Panda-Jungen Meng Yuan und Meng Xiang

100 Tage nach der Geburt der ersten beiden Großen Pandas in Deutschland (wir berichteten), lüftete der Berliner Zoo nun auch das Geheimnis um das Geschlecht der Tiere: beide schwarz-weißen Flauschkugeln sind Jungs. Sie wurden auf die Namen Meng Xiang und Meng Yuan – zu Deutsch „Ersehnter Traum“ und „Erfüllter Traum“ getauft.

Nach chinesischer Tradition erhalten Kinder am 100. Lebenstag ihren Namen. Dies wurde in Berlin am 9. Dezember groß gefeiert: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Chinas Botschafter Wu Ken hielten die Namen auf Schildern in die Kameras der geladenen Presse.

Für das Publikum werden die beiden Jungtiere erst im nächsten Jahr zu sehen sein. Wann genau ist noch nicht klar.

Quelle: Berliner Zoo


Hahnenkrähen muss hingenommen werden

Stolzierender Hahn
Hähne sind hübsch und nützlich, ohne sie funktioniert kein Hühnervolk und sie waren jahrhunderte lang der natürliche Wecker.

Ist Hahnenkrähen Lärmbelästigung? Nicht, wenn man auf dem Dorf wohnt. Im vorliegenden Fall war eine neue Bewohnerin in ein Dorf in Rheinland-Pfalz mit 250 Einwohnern gezogen. Sie fühlte sich durch die etwa 25 Hühner und den Hahn des Nachbarn gestört, genauer durch den früh krähenden Hahn und den Gestank der Vögel.

Das Landgericht Koblenz entschied am 19. November, dass das Dorf ländlich geprägt und die Geräusche eines Hühnerhofes ortsüblich seien. Dies müsse die Nachbarin dulden.

Für die, die es brauchen könnten das Aktenzeichen: 6 S 21/19

In Frankreich gelten die Geräusche von Nutz- und Haustieren auf dem Land als Kulturerbe.


Wales: 300 Stare fallen tot vom Himmel

Tote Stare in Wales
Über 300 tote Stare auf der Straße

Anglesey ist eine große Insel im Norden von Wales. Holyhead ist ein wichtiger Hafen mit einer Fährverbindung nach Irland. Etwa 9 km östlich davon liegt der Weiler Bodedern. Hier hat sich am 10. Dezember, gegen 15:40 Uhr Ortszeit etwas ereignet, das noch nicht erklärt werden kann:

Hannah Edwards bemerkte einen Schwarm Stare am Himmel, als sie zum Arzt fuhr. Sie landeten auf der Straße und fraßen etwas, das sie nicht identifizieren konnte. Eine Stunde später, auf dem Rückweg entdeckte sie etwa 300 tote Stare auf einem etwa 100 m langen Stück der Straße zwischen Bodedern und Llyn Llywenan. Sie rief ihren Mann Dafydd an, der die toten Tiere filmte.

Um die Sache näher untersuchen zu lassen, riefen sie das North Wales Rural Crime Team und die Animal and Plant Health Agency. Bisher gibt es aber noch keine Erklärung für den Fall. Die toten Stare liegen ausschließlich auf der Straße und in den direkt daneben stehenden Büschen. Auf den Feldern an beiden Seiten scheint nichts zu sein. Die Behörden haben einige Vögel zu Autopsien und zur Toxikologie gesandt und glaubt nun, zu wissen, was die Tiere getötet hat.

Rob Taylor, Teamleiter des North Wales Rural Crime Team sagte dem Nachrichtenportal North Wales Live: „Uns hat jemand erzählt, dass vor vielen Jahren an genau dem selben Platz so etwas schon einmal passiert ist. Wir versuchen nun, das zu bestätigen.“

Quelle:

North Wales live


Auch Dinosaurier hatten Läuse

In einem Bernstein aus der Provinz Kachin im Norden Myanmars haben Wissenschaftler eine Dinosaurierfeder gefunden. An sich ist das bereits eine Sensation, aber die Feder wurde von einer Laus bewohnt. Der Mesophthirus engeli genannte Parasit ist etwa 0,23 mm lang und sieht modernen Läusen schon sehr ähnlich. Die Feder gehörte vermutlich einem nicht näher identifizierbaren Nichtvogel-Coelurosaurier und stammt aus der Mitte der Kreidezeit vor 100 Millionen Jahren.

Quelle:

Nature communications


Rote Liste gefährdeter Tierarten 2019 publiziert

Mauritius-Sittich, Aquarell von 1779

„Der Klimawandel verschärft die vielfältigen Bedrohungen für Arten und wir müssen dringend und entschlossen handeln, um die Krise einzudämmen“, begleitet Grethel Aguilar, stellvertretende Generaldirektorin der IUCN die Publikation der Roten Liste 2019.

1840 Arten wurden neu in die Liste aufgenommen, die nun mehr als 30.000 vom Aussterben bedrohte Arten zählt. Bei 73 Arten hat sich die Situation dramatisch verschlechtert, positiv ist die Entwicklung nur bei wenigen Arten gewesen. Die Guamralle Gallirallus owstoni, die in der Natur ausgestorben war, konnte erfolgreich auf Cocos Island bei Guam ausgewildert werden. Der vom Aussterben bedrohte Muritiussittich Psittacula eques gilt nur noch als gefährdet, weil es mittlerweile wieder 750 Paare gibt.

Anders sieht es bei den Süßwasserfischen Australiens aus, hier sind 37% aller Arten vom Aussterben bedroht. Insgesamt gefährdet der Mensch mehr als eine Million Arten durch Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung und Klimawandel.


Der Klassiker: Exotische Spinne zwischen Bananen

Bananenspinne?
Da ist sie: eine fair gehandelte Spinne zwischen Bananen

Diesmal hat es München erwischt. Am Dienstag, 10.12. entdeckte ein Mitarbeiter eines Supermarktes in München-Allach eine große Spinne in der Verpackungsfolie von Bananen. Er rief die Feuerwehr.

Die Experten der Feuerwehr konnten nicht ausschließen, dass es sich um die aggressive und giftige Bananenspinne handelt und packten kurzerhand die ganze Bananenkiste sicher ein. Auf der Wache wurde die etwa 8 cm in der Spannweite messende Spinne lebend gefangen.

Fachleute der Auffangstation für Reptilien München bestimmten das Tier als Riesenkrabbenspinne.

Quelle:

Presseportal


Früher Wal repräsentiert entscheidenden Übergang

Die frühesten bekannten Wale waren Landtiere und liefen auf vier Beinen. Die ersten amphibischen Walverwandten nutzten ebenso ihre Beine zur Fortbewegung, vergleichbar den heutigen Fisch- oder Seeottern. Mit dem 35 Millionen Jahre alten Aegicetus gehennae aus der ägyptischen Wüste schafften die Wale den Übergang vom Beinschwimmen zur heutigen, wellenartigen Fortbewegung. Das Fossil markiert damit den Übergang von der semi-aquatischen Lebensweise des bekannten Ambulocetus zur ozeanischen Lebensweise heutiger Wale. „Frühe Protowale vor 47 bis 41 Millionen Jahren schwammen mit den Füßen. Später, ab etwa 37 Millionen Jahre begannen sie, sich mit dem Schwanz anzutreiben.“, sagt Philip Gingerich, Professor emeritus am Museum für Paläontologie in München. Die neuentdeckte Art liegt nicht nur zeitlich zwischen den beiden Ausbildungen, sie konnte auch zwischen beiden Bewegungsmodi wechseln, denn sie hatte bereits die größere und stärkere Wirbelsäule eines Flukenschwimmers.

In ihrem Paper beschreiben Gingerich und Kollegen die Fossilien als Aegicetus gehennae. Er war ähnlich gebaut, wie der berühmte Basilosaurus und stammt wie dieser aus dem Wadi al Hitan. Das erste Skelett ist erstaunlich vollständig, etwa zwei Drittel sind erhalten, sowie Teile eines zweiten. A. gehennae wurde im Leben etwa 4 m lang und wog an die 850 kg. Verglichen mit älteren Vorfahren war A. gehennae gestreckter, hatte kleinere Hinterbeine, eine feste Verbindung zwischen den Beinen und der Wirbelsäule fehlte bereits. Diese Anpassungen zeigen, dass das Tier bereits voll aquatisch war.

Orignalarbeit: Gingerich, P. et al: Aegicetus gehennae, a new late Eocene protocetid (Cetacea, Archaeoceti) from Wadi Al Hitan, Egypt, and the transition to tail-powered swimming in whales,


Zehntausende „Penis-Fische“ in Kalifornien angespült

Der Drakes Beach, ein Strand in einem Naturschutzgebiet, ein paar Kilometer nördlich von San Francisco, sieht aus, als wäre ganz in der Nähe ein Frachter mit tausenden von Bratwürsten gesunken. Hier wurden zehntausende „Penis Fische“ angeschwemmt. Bei den etwa 10 bis 30 cm langen, schmutziggrau aussehenden Tieren handelt es sich nicht um Fische, sondern um Würmer. Sie leben wie die in Deutschland bekannten Wattwürmer in U-förmigen Röhren im Boden ein unauffälliges Leben. Ein Sturm vor dem Golden Gate hatte vor einigen Tagen den Boden tief aufgewirbelt und die Würmer fortgetragen. Viele von ihnen verenden nun am Strand – sehr zur Freude zahlreicher Wasservögel.

Wissenschaftlich heißen die Tiere etwas prosaischer Urechis caupo, sie gehören zur Klasse der Igelwürmer (Echiura), die im Stamm der Ringelwürmer (Annelida) steht. Es gibt diese Art fast nur vor der Küste Kaliforniens, da aber praktisch überall. So verwundert es nicht, dass in diesem Jahr kleinere Strandungen unter anderem bei Pajaro Dunes, Moss Landing, Bodega Bay und Princeton Harbor aufgetreten sind.

Anmerkung: Die dpa hat in ihrer Meldung verbreitet, es handele sich um den Priapswurm (Priapulus caudatus). Dieser ist anders gebaut und bevorzugt kältere Gewässer.

Der Strand von Drakes Bay ist voll mit den Urechis caupo Würmern. Foto: David Ford

Urechis caupo
Irgendwie kann man verstehen, wie der Wurm an den Namen Penis-Fish gekommen ist. (Foto: Kate Montana, iNaturalist Creative Commons)

Quelle: Bay Nature und zahlreiche Meldungen in der Weltpresse


Indien: Zweiköpfige Schlange entdeckt

Zweiköpfige Wirbeltiere sind seltene Fehlbildungen. Nur bei Reptilien scheint die Überlebenschance ein wenig größer zu sein, deswegen findet man gelegentlich Meldungen über zweiköpfige Schildkröten oder Schlangen in den Medien. So auch in diesem Fall: Im Wald des Dorfes Ekarukhi, West Bengalen, Indien haben die Bewohner eine zweiköpfige Monokelkobra (Naja kaouthia) gefunden. Der Herpetologe der lokalen Forstverwaltung, Kaustav Chakraborty, sagte der Presse, dass die Bewohner des Dorfes in der zweiköpfigen Schlange ein mythisches Tier sehen und es deswegen nicht herausgaben.

Leider haben wir keine freien Pressefotos bekommen.


Sauerland: Wisente mal wieder vor Gericht

Zwei Wisente auf einer abschüssigen Wiese mit einem entrindeten Baumstamm
Wisente, im eiszeitlichen Wildgehege Neandertal

Am Rothaarsteig im Sauerland lebt eine freilebende Wisentherde. Das ist außerhalb der Region fast nur Fachleuten bekannt, aber ein großer Fortschritt für den Schutz dieser Tierart. Doch die Herde hat das ihr zugewiesene Areal selbstständig ausgedehnt und begeht auch anliegende Wirtschaftswälder. Dort schälen sie unter anderem die Rinde von Rotbuchen, die von den Waldbauern als Nutzholz angebaut werden.

Die Verluste soll der Trägerverein des Auswilderungsprojektes übernehmen. Dieser ist jedoch, ähnlich wie die Versicherung, der Ansicht, dass ausgewilderte Wisente herrenlos seien, wie Wildschweine oder Hirsche es auch sind. Daher mussten sich Gerichte mit dem Fall befassen. Das Oberlandesgericht Hamm hatte 2017 die Umsiedlung der Wisente in den Bialowieza-Nationalpark in Polen und Weißrussland ins Spiel gebracht. Dies ging dem Bundesgerichtshof aber zu weit. Dieser hielt im Juli 2019 für denkbar, dass die Waldbauern zur Duldung der Wildrinder verpflichtet seien, die Voraussetzungen müsse jedoch das Oberlandesgericht Hamm klären. Sie müssen sie aber nur dulden, „soweit dadurch die Nutzung des Grundstücks nicht unzumutbar beeinträchtigt wird.“

Das OKG wird zur Begutachtung vermutlich einen Sachverständigen einschalten, der das Ausmaß der Schäden detailliert beurteilen wird. Bis dahin werden die Wisente weiterhin am Rothaarsteig frei laufen können.

Quelle: WDR


Jurassic Mars?

Jurassic Mars?
Jurassic Mars? Die Macher von Paranormal Crucible haben das Foto sogar genau beschriftet.

Fotos der Nasa-Sonde Curiosity zeigen einen Stein, den die Mitglieder von „Pranormal Crucible“ als Fossil eines Dinosaurierschädels interpretieren. Das entsprechende Video ist in interessierten Kreisen viral gegangen und hat große Zugriffszahlen erreicht.

Schaut man sich den vermeintlichen Schädel ein wenig genauer an, wird man eine Menge Unterschiede zu einem echten Fossil und erst Recht zu einem Dinosaurierschädel feststellen. Die NASA erklärt die Interpretation des -zugegeben- seltsam geformten Steins als Effekt der Pareidolie, einem „Programm“ im menschlichen Gehirn, das in Dingen und Mustern vermeintliche Gesichter und vertraute Wesen oder Gegenstände erkennen lässt.

Fazit: Viel Lärm um nichts. Wer die ganze Story nachlesen möchte, kann das bei Paläontology World tun.


Und da ist er wieder: Bigfoot!

Kaum kam der Discovery Channel mit einer neuen Bigfoot-Serie heraus (wir berichteten), bei deren Dreharbeiten angeblich etwas sensationelles entdeckt wurde, zieht NV TV nach. Am Dienstag, 10.12. meldeten sie eine „Massive Bigfoot“-Sichtung mit einem Video auf „Bigfoot Evidence“. Das etwa 12 Minuten lange Video zeigt zwei getrennte Sichtungen.

Die erste erfolgte in der Nähe eines kleinen „Hofes“ mit einem sehr einfachen Wohngebäude und einem Holzhaus-auf-Trailer. Die Gebäude liegen in einem Wald unterhalb einer Straße am Hang. Ein Mann geht von der Kameraposition auf das Haus zu, im Hintergrund fährt ein Auto durchs Bild, dann sieht man im Wald oberhalb der Straße eine dunkle Gestalt. Die Gestalt erscheint wieder, dichter am Haus, als der Mann das Haus betritt.

Die zweite Sichtung erfolgt in einem ebenfalls gebirgigen Wald mit lockerem Unterholz, genauso in der Nähe einer Straße und eines maroden Hauses. Der Kameramann scheint die vorherige Sichtung zu erklären, schwenkt vom Auto in den Wald. Promt erscheint mitten im Bild eine schwarze Gestalt, die sich ungeschickt hinter einem Baum verbirgt und dann im langsamen Gang den Berg herauf verschwindet.

Wenn sich das wohl am meisten verfolgte Kryptid so verhalten würde, wäre seine Existenz wohl schon lange bewiesen… und die Bewegungen sahen doch sehr menschenähnlich aus.

Link: Bigfoot Evicence: Massive Bigfoot Sighthing on Video


Feld-Ornithologisches

Der langsam einziehende Winter macht auch vor der Vogelwelt nicht Halt. Neuigkeiten gibt es wenige, die schon vorher hier eingetroffenen Irrgäste bleiben größtenteils, hier. So lange das Wetter keine größeren Fröste oder Schnee bringt, wird sich bei den Landvögeln vermutlich nicht viel ändern. Die Seevögel sind in der Hinsicht sogar noch widerstandsfähiger, aber eine absolute Seltenheit ist der Schildrabe in Sachsen:

Neu ist diese Woche:

  • Eine Eismöwe (Larus hyperboreus) hat sich vor Helgoland eingerichtet. Mehrere Beobachter haben sie im Nordosten der Insel und vor Düne gesehen.
  • In der Brandungszone vor Sylt haben die Beobachter von Westerland-Birdwatching eine fliegende Polarmöwe (Larus glaucoides) beobachtet.
  • unbestätigt ist die Meldung von einer Gruppe von mehr als 20 Italiensperlingen in Zülpich, südwestlich von Köln.
  • In Olbernhau im tiefsten Erzgebirge wurde ein Schildrabe beobachtet. Als Erst-Beobachterin wird Frau S. Einhorn gemeldet. Was zunächst wie ein Fake klang, ist von mehreren Beobachtern fotodokumentiert. Die Identität ist eindeutig, der Vogel ist unberingt. Wo er herkommt, ist völlig unklar.

Zu den „immernoch da“-Meldungen gehört:

  • Die Tienschan-Laubsänger (Phylloscopus humei) auf Wangerooge ist noch da. Das Tier aus Koblenz hat wohl die Rheinseite gewechselt und singt jetzt einige Kilometer weiter rheinaufwärts bei Walluf.
  • Das Sichelenten-Männchen ist immer noch im Forggensee unterwegs. Die Beobachter bestätigen das Fehlen von Ringen und normale Scheu eines Wildvogels.
  • Der Gleitaar aus Bröckel im Landkreis Celle bleibt vor Ort und wird beim Fressen beobachtet.
  • Weiterhin offshore bei Kappeln schwimmt eine Prachteiderente herum.
  • Eine Pazifiktrauerente ist immernoch offshore bei Gelting in der Flensburger Förde unterwegs. Eine Pazifiktrauerente ist am selben Tag bei Wendtorf, 40 km südöstlich an der Kieler Förde beobachtet worden. Handelt es sich um das selbe Tier?
  • Der von Rügen regelmäßig gemeldete Mönchsgeier ist bei Dalkvitz in Zirkow auf der Insel wieder aufgetaucht.

Zu guter Letzt:

Was passiert, wenn ein Seeadler versucht, einen Oktopus zu fangen:





Presseschau Kalenderwoche 49/2019

Wie immer montags gibt es auch heute die Presseschau. Wir dachten zuerst „Diese Woche wirds echt wenig“, aber dann kamen die Meldungen mit Macht: immer wieder Fische, aber auch Wölfe, ein Seeelefant, eine Würfelnatter und ein russischer Bigfoot waren diese Woche in den Medien. Wir haben es für euch aufbereitet.

Viel Spaß beim Lesen.


Der verrückteste Hai der Weltgeschichte

Zahnspirale eines Helicoprion
Zahnspirale eines Helicoprion bessonovi

Haie haben in ihrer mindestens 350 Millionen Jahre langen Evolution viele ungewöhnliche Formen und Anpassungen hervorgebracht. Die modernen Hammerhaie sind nur ein Beispiel dafür. Unter den Ungewöhnlichen sticht die 275 Millionen Jahre alte Haigattung Helicoprion heraus. Anders als bei modernen Haien mit Revolvergebiss fielen ihr gebrauchte Zähne nicht aus, sie wurden nach vorne gedrückt und formten eine Spirale. Wie das Blatt einer Kreissäge stand diese Spirale im bzw. vor dem Unterkiefer. Lange wusste man diese fossil gefundene Spirale nicht richtig einzuordnen. Heute wird allgemein angenommen, dass sie in eine Rille im Oberkiefer griff, ein Beutetier so einklemmte und es durch vor- und zurückbewegen zerschnitt.

Die National Geographic hat zu dem skurrilen Hai einen skurrilen Kurzfilm entwickelt, den wir euch nicht vorenthalten wollen: Link zur National Geographic

Helicoprion war mit drei Arten in den Weltmeeren des Perms weit verbreitet. Etwa 150 Fossilfunde konnten der Gattung zugeordnet werden, unter anderem aus Nordamerika, Russland, Kasachstan, Japan und Australien. Mit vermutlich mehr als 12 m kamen große Exemplare dem Megalodon nahe. Er steht jedoch eher im Verwandtschaftsbereich der Chimären oder Seekatzen, nicht der modernen Haie.

 

Dieser Beitrag ist Teil des Dossier Megalodon


Neues vom Battersea-Wal

Der Battersea-Whale
Der an der Battersea-Brücke gestrandete Zwergwal wurde untersucht.

Das „Cetacean Stranding Investigation Programme“, also das Walstrandungs-Untersuchungsprogramm im Vereinigten Königreich hat am Freitag letzter Woche an der Battersea-Bridge in London gestrandeten Zwergwal (wir berichteten) näher untersucht. Die Untersuchungen korrigieren und ergänzen die bisherigen Angaben:

Das 5,8 m lange, junge Männchen war gut ernährt, die Muskeldicke und Fettschichten entsprachen den Erwartungen an einen gesunden Wal. Er hat in der letzten Zeit nicht gefressen, Magen und Darm waren weitgehend leer, es gab nur einen geringen Parasitenbefall.

Die Verletzungen am Rücken belegen eine Kollision mit einem Schiff und anschließender Propellerverletzung. Der Wal ist daraufhin lebend gestrandet und wurde Freitagabend in diesem Zustand gefunden. Weitere Untersuchungsergebnisse werden folgen.

Dies ist der dritte Wal, der innerhalb von etwa zwei Monaten in der Themse gestrandet ist. Die Mitarbeiter des Programmes untersuchen auch, wie es zu dieser ungewöhnlichen Häufung kommen konnte.

Die Meldung wurde bisher nur auf Facebook veröffentlicht.


Zahl der Wölfe in Deutschland nimmt zu

Europäischer Wold
Die Zahl der Wölfe hat in Deutschland erfreulich zugenommen.

Das Bundesamt für Naturschutz und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) melden, dass in Deutschland derzeit 105 Wolfsrudel leben. Weiterhin gab es 25 Wolfspaare und 13 sesshafte Einzelwölfe im Monitoring-Jahr 2018/19. Im Jahr zuvor waren 77 Rudel, 40 Paare und drei Einzelwölfe nachgewiesen worden. Das Monitoring-Jahr dauert vom 1. Mai bis 20. April. Das BfN und das DBBW führen darin die von den Bundesländern erhobenen Daten zusammen. „Der Wolfsbestand in Deutschland nimmt zu“ erklärte BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Dies führt auch dazu, dass mehr Wölfe, meist Welpen, im Straßenverkehr ums Leben kommen. 83 Tiere waren es im vergangen Monitoring-Jahr, insgesamt wurden 99 Wölfe tot gefunden, das sind 60% mehr als im Vorjahr. Illegal wurden 8 Wölfe getötet, im Vorjahr waren es 6.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) rechnet anders: er zählt die Jungtiere mit, so dass er auf etwa 1300 Wölfe in Deutschland kommt. Das BfN weist darauf hin, dass diese Zählung nicht seriös ist, denn gerade unter den Jungtieren gibt es im ersten Jahr eine sehr hohe Sterblichkeit.

„Die Entwicklung der Wolfsbestände ist ein gutes Zeichen“, erklärte Magnus Wessel, Leiter der Naturschutzpolitik des BUND. Der BUND sieht ein Erhaltungsziel von mindestens 1000 erwachsenen Wölfen in Deutschland noch nicht erreicht. Er fordert die Politik auf, endlich konstruktive Lösungsansätze für Weidetierhalter zu liefern.

Quellen: Tagesschau, n-tv


Meerforelle wieder in der Alster nachgewiesen

Die Wiedereinführung von großen Wanderfischen in Deutschland zeigt weiter Erfolge. Erstmals nach 100 Jahren wurde eine laichreife Meerforelle in der Alster nachgewiesen. Seit zehn Jahren haben Angelvereine jährlich 25.000 Jungtiere in den Nebenflüssen und -bächen der Alster ausgesetzt. Diese Tiere bleiben etwa ein Jahr in den Bächen und wachsen auf etwa 10 cm heran. Danach bleiben sie noch ein Jahr im Unterlauf der Alster, von wo sie mit etwa 20 bis 25 cm in die Nordsee wandern. In der Nordsee bleiben sie üblicherweise drei Jahre und erreichen ihre Geschlechtsreife mit 60 cm Länge.

Normalerweise kehrt einer von tausend Fischen an den Ort seiner Geburt zurück. Dieser erste ist am 29. November in Duvenstedt gefangen worden. Um hier hin zu kommen, hat der Fisch die Fischtreppen am Mühlenwehr und Rathaus genommen, und zwei weitere Schleusen überwunden. „Die Meerforelle ist eine Flagschiff-Art für das Ökosystem der Alster“, erklärte Fischereibiologe Robin Giesler.

Ob die Meerforelle tatsächlich den vollständigen Zyklus durchlaufen hat oder unerwarteterweise ihr Leben in der Alster verbrachte, wird die Untersuchung der Gehörknöchelchen zeigen.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft lebendige Alster

Nachtrag am 16.12.2019:

Angler fangen weitere 10 Meerforellen in der Alster, mit weiteren Tieren im Unterlauf wird gerechnet: t-online


Und nochmal Wölfe

Wolf beim Riss
So sehen andere den Wolf: als reißendes Raubtier

Kaum kam die Erfolgsmeldung, die Zahl der Wölfe habe zugenommen, meldeten sich auch schon die Wolfsgegner. Die Zahl der Angriffe auf Nutztiere habe im vergangenen Jahr ebenfalls deutlich zugenommen. Die (neutrale) Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) meldet 639 Übergriffe von Wölfen mit insgesamt 2067 getöteten, verletzten oder vermissten Nutztieren. Darunter waren 1656 Schafe (= 80%).

Im Vorjahr gab es 472 Übergriffe auf insgesamt 1667 Nutztiere. Die Zahl der Übergriffe stieg also um 43%, die der betroffenen Tiere um 25%. Die Anzahl der Wolfsrudel nahm um 36% zu.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, forderte „ein aktives und konsequentes Management des Wolfsbestandes“ und meint damit die Bejagung. Teile der Union, allen voran die umstrittene CDU-Agrarministerin Klöckner fordern „wolffreie Zonen“, in denen Wölfe vorbeugend abgeschossen werden können. Das Bundesumweltministerium sieht den Wolf allerdings noch weit von einem guten Erhaltungszustand entfernt, der eine Bejagung rechtfertigen könnte.

Quelle: n-tv


See-Elefant auf Tropeninsel „gestrandet“

zwei südliche Seeelefanten
Südliche See-Elefanten sind die größten lebenden Robben

Südliche See-Elefanten sind die größten Robben der Welt. Sie kommen üblicherweise nur auf sub-antarktischen Inseln wie den Kerguelen oder Südgeorgien an Land und verbringen einen Großteil ihres Lebens auf See.

Einer dieser Kolosse hat sich dabei offenbar verschwommen. Am 20. November tauchte er am Dalawella Beach bei Unawatuna an der Südküste von Sri Lanka auf. Meeresbiologin Asha de Vos berichtete am 23. November, dass das Tier ruhte, aber auch verletzt sei. Danach ist die Robbe verschwunden.

Südliche See-Elefanten kommen gelegentlich weit rum. Laut einer Veröffentlichung im Fachjournal Marine Mammal Science berichtet von Beobachtungen vor Oman, Mauritius und den Seychellen.

Quelle: iflscience, Marine Mammal Science


Buntbarsch-Radiation durch Hybridisierung

So krude kann es sich anhören, wenn‘s um dieses Thema geht. In Science Daily haben es die Autoren etwas anders ausgedrückt:

„Weibliche Fische können neue Arten züchten, falls sie nicht zu wählerisch sind, wenn‘s um Mr. Right geht. Fische werden sich mit einem Männchen anderer Arten paaren, wenn seine Färbung nur attraktiv genug ist oder das Weibchen ihn nicht richtig sehen kann. Solche ‚Fehltritte‘ bei der Partnersuche können zur Entstehung neuer Arten führen. Ein internationales Team von Wissenschaftlern entdeckte dies, als sie die DNA von mehr als 400 Buntbarscharten untersuchten.“

Die Gruppe untersuchte mehr als 2000 Fische aus 400 Arten aus zwei Süßwasserseen in Ostafrika. Dabei entdeckten sie mehr als 40 unbekannte Arten im Lake Mweru, der erst vor etwa einer Million Jahren entstand.

Buntbarsch wird präsentiert
Eine der neu entdeckten Arten: Ein Großzahn-Serranochromis, Foto: Ole Seehausen

Dr. Joana Meier, Erstautorin der Studie von der Uni Cambridge sagte dazu „Wir haben eine unüberschaubare Vielfalt von ökologisch unterschiedlichen, unbekannten Arten gefunden. Das nennt man Radiation.“

„Die unbekannten Buntbarscharten sind an alle Nahrungsquellen des Sees angepasst. Einige fressen Insektenlarven, andere Zooplankton oder Algen. Einige sind Raubfische mit großen Zähnen, die wir „Großzahn-Serranchromine“ nennen.

Wie bei den meisten Tierarten suchen auch bei den Buntbarschen oder Cichliden die Weibchen ihren Partner aus. Weibchen suchen sich unter bestimmten Umständen Männchen anderer Arten aus, die den Männchen der eigenen Art ähnlich sehen. Bei schlechtem Licht können die Tiere die Männchen der eigenen Art nicht von denen anderer Arten unterscheiden, da sie die Farben nicht richtig sehen können. Die Wissenschaftler haben das im Labor nachgeprüft und bestätigt. Sie gehen auch davon aus, dass genau das vor etwa einer Million Jahre im neu entstanden Lake Mweru passierte, als sich die Fische der Zuflüsse begegneten – und die Evolution von 40 neuen Arten begann.

Quelle: Science Daily

Originalarbeit: nature


Ein Insekt, gefangen in Bernstein, klebt an einem Dinosaurierkiefer und fossiliert

Ein Dinosaurierkiefer ist für einen Paläontologen ein seltener Fund. Ein Insekt in Bernstein ebenso. Diesen „Lottogewinn“ erzielten Paläontologen als sie 2010 im Dinosaur Provincial Park (Alberta, Kanada) den 75 Millionen Jahre alten Kieferknochen eines Hadrosauriers ausgruben. Er war mit einem 7 Zentimeter breiten Bernsteinklecks „verschmutzt“, in dem sie Spuren von Bäumen und Blattläusen fanden.

Die Forscher um Ryan C. McKellar glauben, dass der Prosaurolophus starb und zerfiel. Ein Harztropfen eines Redwoods oder einer Araukarie, der eine unglückliche Blattlaus enthielt, fiel auf den Kieferknochen. Danach wurde der Kiefer in einen Fluss, in dem das Harz zu Bernstein verhärtete und von Sediment bedeckt wurde.

Leider gab es keine attraktiven Fotos des Fossils zur Verwendung in der Presse.

Quelle: nature


Neues Video eines „Bigfoot“, aus Russland

Auf Youtube ist ein neues Video eines … ja was denn nun? aufgetaucht. Das Video ist aus einem Auto gedreht worden, das einen Feldweg in offener Landschaft entlang fährt. Der Feldweg ist an einer Seite von Telegrafenmasten gesäumt. In dem Auto sitzen offenbar drei Personen, eine Person auf dem Rücksitz filmt. Sie filmt, wie ein menschenähnliches Wesen im hohen Gras auftaucht und das Auto verfolgt. Die Figur ist dunkel und taucht höchstens bis zur Hüfte aus dem Gelände auf. Sie wirkt kräftig und breitschultrig, die Gestik kann mit „bedrohliches bis unkoordiniertes Armeschwenken“ beschrieben werden.

Das Verhalten der Menschen im Auto ist ungewöhnlich. Ich verstehe kein Russisch, aber sie scheinen Angst zu haben, bis hin zur Panik. Dennoch halten sie an und „kontrollieren“, ob sie noch weiter verfolgt werden.

Im Kommentarteil des Videos wird unter anderem Krypto-Hominiden-Experte Igor Burtsev zitiert, der das Gespräch im Auto übersetzt. Er schreibt, dass die Autoinsassen davon sprechen, auf die Gestalt geschossen zu haben und sie daraufhin auch zu Boden gegangen ist. Macht euch selbst ein Bild:


Würfelnatter am Niederrhein aufgetaucht

Würfelnatter
Die Würfelnatter wurde mit einem Kescher gesichert

Anwohner haben in der Gemeinde Goch bei Kleve am Niederrhein eine Würfelnatter entdeckt und kurzzeitig eingefangen. Die Freiwillige Feuerwehr Goch wurde am 29.11. alarmiert, übernahm das Tier und brachte es zum TerraZoo Rheinberg, wo es identifiziert und weiter versorgt wurde.

Würfelnattern sind für den Menschen ungefährlich und kommen vor allem in Südosteuropa und im nahen Osten vor. Deutschland gehört zum Nordostrand des Vorkommens, wo sich die flächendeckende Verbreitung in einige wenige Fleckenvorkommen auflöst. Natürliche Vorkommen existieren an den Ufern von Mosel, Nahe und Lahn in Rheinland-Pfalz. Wie die Würfelnatter nach an den Niederrhein gekommen ist, steht nicht fest.

Quelle: Pressemeldung der Freiwilligen Feuerwehr Goch


Feld-Ornithologisches

Diese Woche gibt es wieder einige Neumeldungen:

  • Auf Wangerooge und in Koblenz ließen sich je ein Tienschan-Laubsänger (Phylloscopus humei) beobachten.
  • Bei den Baggerseen Rißtissen in Ehingen an der Donau ist seit mehreren Tagen ein adulter Sichler unterwegs.
  • Im Rheinau-Park in Bonn soll eine Moschusente unterwegs sein. Die Beobachtung ist noch unbestätigt.
  • Bei Bad Hindelang im Allgäu konnten Vogelfreunde am Mittwoch kurzzeitig zwei immature Bartgeier beobachten.

Unter „immer noch da“ kann man vieles schreiben, unter anderem:

  • Die Sichelente ist immer noch im Forggensee unterwegs, sie sucht die Gesellschaft von Graugänsen. Das Fehlen von Ringen wird bestätigt.
  • Der Gleitaar aus Bröckel im Landkreis Celle zieht weiterhin die Fotografen an. Kein Wunder!
  • Weiterhin offshore sind eine Prachteiderente (bei Kappeln) und eine Pazifiktrauerente (bei Gelting) unterwegs.

Zu guter Letzt:

Die Tyrannosaurus-Nachzucht aus dem Naturkundemuseum in Basel hatte am 6.12. anlässlich der Mineralientage seinen ersten Ausritt in die Innenstadt:


Eine Meldung in eigener Sache:

Aus gesundheitlichen Gründen mussten wir diese Woche den Redaktionsschluß auf Samstag, den 7.12. vorverlegen. Die meisten Artikel für die nächsten Tage sind bereits vorbereitet, so dass wir unseren Plan für die kommende Woche vermutlich einhalten können. Es kann jedoch sein, dass die Kommunikation mit der Redaktion etwas schleppender verläuft, als üblich.





Presseschau Kalenderwoche 48/2019

Wie immer montags gibt es auch heute die Presseschau mit Meldungen aus Zoologie, Kryptozoologie und Tierischem zum Schmunzeln aus der vergangenen Woche. Bemerkenswert ist die Häufung von Wal-Meldungen aus London, und natürlich ein Wilder Mann in einer Kirche.

Viel Spaß beim Lesen.


Der Narwal im Kampf gegen den Terror

Zwei Narwalschädel, einer trägt den linken, einer trägt zwei Stoßzähne
Vergleich zweier Narwalschädel, der obere ist normal ausgebildet, der untere trägt zwei Stoßzähne. Solche Schädel sind sehr selten. Fotos: Tobias Möser, aufgenommen im Museum of Natural History, London

Was wie eine politische Schlagzeile klingt, ist nicht so strategisch, wie es sich anhört. Bei dem Terroranschlag am vergangenen Freitag (29.11.) auf der London Bridge kamen zwei Opfer ums Leben. Mögliche weitere Opfer konnten unter anderem durch den Einsatz eines Narwal-Zahnes verhindert werden:

Der Terroranschlag begann um ca. 14 Uhr in der Fishmonger’s Hall, der alten Gildenhalle der Fischhändler. Ein polnischer Koch namens Luckasz, der dort arbeitet, griff zu einem dort ausgestellten Narwalzahn und stach damit wie mit einer Lanze auf den Angreifer an. Zusammen mit zwei weiteren couragierten Zivilisten mit Feuerlöschern trieb er den Terroristen in die Enge. In der Folge konnten die Sicherheitskräfte eingreifen und den Terroristen erschießen.

Quelle: unter anderem n-tv mit Kurzvideo


Zahlreiche Mumien von Löwenbabys in Ägypten entdeckt

Stele fon Kadesch
Löwendarstellung auf der Stele von Kadesch, 19. Dynastie

Archäologen haben in Sakkara in Ägypten eine Grabkammer mit mehr als 75 Katzenstatuen und mindestens 17 mumifizierten Tieren ausgegraben. Unter den Tiermumien fanden sie Krokodile, Schlangen, Käfer und das erste Mal auch Löwenbabys. Die fünf Jungtiere stammten aus dem siebten Jahrhundert vor Christus. Zwei der Mumien wurden bereits untersucht, die Löwen starben im Alter von etwa acht Monaten.

Tiermumien sind über sehr lange Zeit aus der altägyptischen Kultur überliefert, Alleine in Sakkara wurden hunderttausende Tiere geopfert, teilweise mumifiziert und in Gräbern bestattet. Hierbei kam es auch zu bemerkenswerten Artefakten.

Löwen und andere Raubkatzen waren zwar in der altägyptischen Kultur stets präsent, aber in der Realität sicher weit an den Rand der Zivilisation abgedrängt. Die „Gewinnung“ von Löwenbabys als Opfer muss also entweder zufällig oder mit großem Aufwand geschehen sein.


Schildkröte vor Bus
Früher oder später musste so ein Unfall passieren

Unfall mit Elefantenschildkröte: Hohe Geldstrafe

Der Fahrer eines Touristenbusses hat auf den Galapagos-Inseln eine dort endemische Elefantenschildkröte angefahren. Laut Behördenangaben hat der Fahrer ein Weibchen der Art Chelonoidis porteri* mit seinem Bus berührt, den Panzer beschädigt und anschließend Fahrerflucht begangen.

Der Fahrer muss jetzt eine Geldstrafe von 11.347,20 US$ (etwa 10.300 €) bezahlen.


„Wilder Mann“ in Kirche entdeckt

Der „Wilde Mann“ ist in Mitteleuropa ein wiederkehrendes Motiv mit unterschiedlichen Bedeutungen. Im Gegensatz zu angrenzenden Ländern, tritt er in Deutschland relativ selten auf. Um so erstaunlicher war die Entdeckung, die Arbeiter in der Kirche in Kenz im Landkreis Vorpommern-Rügen entdeckten: Drei Motive zeigen einen „wilden Mann“ mit Fell am Körper in einem Wald.

Die Interpretation des Motives ist vielfältig. Es wird als Personifizierung der Natur betrachtet, teilweise auch als außerhalb der Gesellschaft stehender Waldläufer aber gelegentlich auch als mitteleuropäischer Relikthominide.


Taubenvergrämung: Kölner Dombauhütte setzt auf Greifvögel

Taubekot auf dem Dach des Kölner Domes
Taubenkot ist für alte Gebäude häufig ein Problem

Seit etwa einem halben Jahr kooperiert die Kölner Dombauhütte mit einem Falkner, der die Tauben am Kölner Dom vergrämen soll. „Es läuft wirklich super“, berichtet am Mittwoch (27.11.2019) Jörg Sperner dem WDR. Sperner betreut als Architekt und Assistent des Dombaumeisters den Falkner.

Bisher waren die Greifvögel immer von der ersten Plattform der Türme, in gut 100 m Höhe gestartet. „Wir möchten den Fokus im kommenden Jahr mehr auf den unteren Bereich des Doms legen“, sagt Sperner. Dort lassen sich die Tauben nieder. So wird Falkner Marco Wahl seinen Lannerfalken und drei Wüstenbussarde direkt von der Domplatte einsetzen. Das gibt dann auch für die Passanten etwas zu beobachten.

Aus demselben Grund wurde vor einigen Jahren gezielt ein Pärchen Wanderfalken am Dom angesiedelt. Doch gegen die Taubenmassen die den Dom und die nahe gelegenen Gebäude besiedeln, können die heimischen Greife durchaus Hilfe gebrauchen.

Mehr dazu beim WDR


Haftstrafe für Hundetöter

Bereits im Herbst 2018 hatte der Fall die Öffentlichkeit alarmiert: In Mülheim an der Ruhr hatte ein zunächst Unbekannter eine Hündin von der Schlossbrücke in die Ruhr geworfen. Zeugen hatten beobachtet, wie der Hund in den Fluss fiel und konnten das Tier danach nur noch tot bergen. Die Hündin starb an einem Leberriss.

Hinweise aus der Bevölkerung führten schließlich zu dem 58-Jährigen. Er gab vor Gericht an, volltrunken gewesen zu sein und den krebskranken Hund erlösen zu wollen. Untersuchungen zeigten aber, dass der Hund gar nicht so krank war.

Der Täter wurde zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt, da er bereits zahlreiche Vorstrafen hat.

Quelle: WDR


Schon wieder ein Wal an der Themse gestrandet

Unterhalb der Battersea Bridge, mitten in London ist am Freitag, dem 29. November, ein etwa 2,5 m langer, toter Zwergwal angespült worden. Bisher ist unbekannt, wie der Wal durch die halbe britische Hauptstadt geschwommen ist und wie er starb.

Bei dem Wal handelt es sich um den dritten Wal, der innerhalb von zwei Monaten am Unterlauf der Themse angespült wurde und der 27. Zwergwal, der dieses Jahr im Vereinigten Königreich gestrandet ist.

Rob Deaville von der Zoological Society of London (ZSL) leitet die Untersuchung, um den Tod des Tieres herauszufinden. Nach seiner Aussage ist es aber zu früh, um zu spekulieren.

Auf google Maps hat ein geschmackloser Witzbold an der Fundstelle eine „Whale Watching“-Station eingetragen:

Walkadaver in der Fundsituation
Der Walkadaver in der Fundsituation bei Ebbe. Foto: Guardian, Gareth Mottram

Quelle: The Guardian; Foto: Gareth Mottram


Feld-Ornithologisches

Am Forggensee im Oberallgäu ist eine Sichelente unbekannter Herkunft aufgetaucht. Das Tier trägt keine Ringe und die Flügel- und Federn sind einwandfrei. Es könnte sich also um einen Wildvogel handeln.

Ansonsten gibt es, wie letzte Woche, nur „ist noch da“-Meldungen. Sie betreffen den Gleitaar in Bröckel, den Gerfalken in Espenhain, die Ringschnabelente im NSG Meißendorfer Teiche, Prachteiderenten und die Pazifiktrauerente sind immernoch im offshore-Bereich der Ostsee.


Zu guter Letzt ein rosa Elefant:





Presseschau Kalenderwoche 47/2019

Herzlich willkommen zur Presseschau der KW 47,

diese Woche wird es wirklich skurril. Mutter Natur schlägt zurück, ausgerechnet da, wo der Mensch seine Kulturschätze sammelt. Ein seltsamer Hirsch und ein noch seltsamerer Parasit, der sich am Ende als Fehlbehandlung herausstellt, außerirdischer Zucker, aber nicht in Space-Cookies, eine Menge Funde und am Ende sind die Wölfe schuld, obwohl sie gar nicht da waren.

Aber lest selbst:


Venedig: Aqua alta unterbricht Stadtratssitzung

Da sag noch einer, Mutter Natur habe keinen Humor. Der Stadtrat von Venedig musste seine Sitzung unterbrechen, weil das aufkommende Hochwasser (Aqua alta) knapp kniehoch in den Ratssaal eindrang. Das Ganze geschah nur Minuten nachdem der Stadtrat Gelder für Maßnahmen zum Klimaschutz mit den Stimmen der rechtspopulistischen Parteien abgelehnt hatte.


Hirsch mit drei Geweihstangen
Der Weißwedelhirsch mit drei Geweihstangen (Foto: Steve Lindberg)

Hirsch mit drei Geweihstangen

Steve Lindberg aus Michigan hatte so etwas noch nie erlebt. Der 75jährige Fotoamateur war Wochenende um den 9. und 10.11.2019 in den verschneiten Wäldern unterwegs und konnte einen sehr ungewöhnlichen Hirsch fotografieren. Der Weißwedelhirsch war mit drei Geweihstangen gekrönt.

Lindberg erzählte der Detroit Free Press, er habe den Hirsch zusammen mit einer kleinen Hirschkuh mehrere Stunden beobachtet, aber am nächsten Tag nicht mehr gefunden.

Fünf Tage nach der Beobachtung begann in Michigan die Jagdsaison für Weißwedelhirsche. Es ist zweifelhaft, dass das Tier sie überleben wird.

Weißwedelhirsche sind in Bezug auf ihre Geweihe sehr variabel. Es gibt Populationen, in denen auch Weibchen Geweihe tragen, es gibt einen fortpflanzungsfähigen Phänotyp, bei dem die Männchen keine Geweihe tragen und einen vermutlich nicht fortpflanzungsfähigen Phänotyp, bei dem die Männchen zwar Geweihe ausbilden, aber die Basthaut nicht verlieren. Drei Geweihstangen sind jedoch sehr ungewöhnlich.

Quelle: Detroit Free Press


Querschnittslähmung durch Parasiten, die in den Penis krabbeln?

REM-Aufnahme eines Pärchenegels Schistosoma
Raster-Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Schistosoma-Pärchens. Das Männchen bildet mit seinem flachen Körper eine Tasche, in der das schlanke Weibchen liegt. So sind sie fast unzertrennlich: Pärchenegel. (Foto: Jana Bulantová, Bearbeitung Redaktion, CC 4.0)

Das Internetportal LAD-Bible berichtet von James Michael, 32, aus Kensington in London. Michael verbrachte vor zwei Jahren seinen Urlaub am Malawisee in Afrika. Dort hat sich, so die LAD-Bible einen Wurm in seine Harnröhre gegraben und Eier gelegt. Hierauf hat sein Immunsystem überreagiert und sein Rückenmark angegriffen, was zu einer zeitweiligen Querschnittslähmung führte. Die Behauptung, der Parasit sei seinen Penis „heraufgeklettert“ hat den Fall zu einem Selbstläufer in den Sozialen Medien gemacht.

Das Bemerkenswerte an der Sache: Aus Afrika ist kein Parasit bekannt, der die Harnröhre als Körpereingang wählt. Das Web-Portal IFLscience hat das Ganze einem Realitätscheck unterzogen. Hier wird das erste Mal der Parasit namentlich genannt: Schistosoma haematobium. Dieser Pärchenegel ist der Erreger der Bilharziose, einer weit verbreiteten und gut bekannten parasitischen Erkrankung. Larven dieser Würmer leben in Wasserschnecken, in denen sie sich auch ungeschlechtlich vermehren und als Zerkarien ins Freiwasser abgegeben werden. Diese suchen sich einen Endwirt, das kann auch der Mensch sein. Sie dringen über die Haut ein und wandern durch das Blut in die Leber, wo sie sich in Männchen und Weibchen differenzieren, paarweise verwachsen und in die Harnblase wandern. Diese Pärchen geben Eier ab, die über den Urin ins Freie gelangen und von Wasserschnecken aufgenommen werden.

Unverständlich ist, wieso James Michael nicht gegen Bilharziose behandelt wurde, sondern einen mehrmonatigen Krankenhausaufenthalt mit temporärer Querschnittslähmung, Katheter und vielen anderen Leiden hatte. Bilharziose ist aus dem Malawisee bekannt, sie ist dort eine beinahe übliche Krankheit und einfach zu behandeln.

Quellen: LAD-Bible, IFLscience


Umwelt-DNA zeigt auch seltene Tiere

Gouldamadine
Die hübsche Gouldamadine gehört zu den gefährdeten Vögeln Australiens.

Umwelt-DNA war ja bereits in Verbindung mit Loch Ness ein Thema hier. Die dort aufgezeigten Möglichkeiten haben jetzt unterschiedliche Arbeitsgruppen aus aller Welt genutzt. Eine britische Arbeitsgruppe konnte vor 15 Jahren damit so gut verborgene Wassertiere wie Kammmolche Triturus cristatus finden. Jetzt zeigen andere Arbeitsgruppen die Möglichkeit, damit Landtiere nachzuweisen. In der wissenschaftlichen Zeitschrift Endagered Species Research berichtete letzte Woche ein Team aus Australien, wie sie genetisches Material von Gouldamadinen an Wasserlöchern finden konnten, die diese Tiere in den vergangenen 48 h besucht hatten.

In den USA wird die Methode unter anderem genutzt, um den gefährdeten Kanadaluchs (Lynx canadensis) und zahlreiche andere Tiere nachzuweisen. Hierbei kommt es teilweise zu überraschenden Funden, wie dem Vielfraß in Montana.

Mittlerweile ist die Methode valide genug, um Felduntersuchungen nicht nur zu unterstützen, sondern zu ersetzen. Michael Schwartz, Leiter des US Forest Service’s National Genomics Center for Wildlife and Fish Conservation in Missoula, Montana und sein Team nutzten die eDNA-Analyse für eine Überwachung der Stierkopf-Forelle (Salvelinus confluentus). Sie analysierten 124 Wasserproben aus Wasserläufen in Montana. Das entspricht einer Datenmenge, die in 15 Jahren vorher mit Elektrofischen gesammelt wurde. Dabei ist diese Methode ungefährlicher für Mensch und Tier. „Wir konnten das an acht Tagen schaffen“, sagt Schwartz. „Wir waren etwa zwei- bis zehnmal schneller und zwei- bis fünfmal kosteneffektiver als mit Elektrobefischung.“ – „Wir müssen in diesen Zeiten mit den Geldern für Umweltschutz sehr effektiv umgehen.“ ergänzt er, sicher mit Blick nach Washington.

Die Etablierung der Methode war der renommiertesten Fachzeitschrift, nature, ein ausführliches Briefing wert. Hier kann man es nachlesen.


Tödliche Hundekrankheit aus Norwegen jetzt auch in Deutschland

Vor mehreren Monaten erkrankten in Norwegen die ersten Hunde und starben, ohne dass etwas für sie getan werden konnte (wir berichteten). Mittlerweile hat die Krankheit mehr als 40 Hunde dahingerafft. In Deutschland sind seit dem 8. September bisher vier Erkrankungen bekannt, alle endeten mit dem Tod des Tieres.

Der Erreger ist nicht bekannt, obwohl die Forschung mittlerweile zwei wahrscheinliche Kandidaten hierfür isoliert hat. Die gemeinsamen Symptome sind blutiger Durchfall, Erbrechen und eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Manche Hunde sterben innerhalb von 24 Stunden nach dem Ausbruch der Krankheit. Bei der Obduktion zeigen alle Hunde eine kräftige, blutige Darmentzündung.

Um den eigenen Hund zu schützen raten die Veterinärämter, den Hund beim Gassigehen möglichst an die Leine zu nehmen und Kontakt mit anderen Hunden und Hundekot zu vermeiden. Treten Symptome auf, sollte ein Tierarzt sofort eingeschaltet werden.


Zucker in Meteoriten

Murchison-Meteorit
Der Murchison Meteorit ist ein „kohliger Chondrit“ und wog ursprünglich über 100 kg.

In einem 1969 in Australien eingeschlagenen Meteoriten konnten Forscher das Zuckermolekül Ribose nachweisen. Das Team um Yoshihiro Furukawa von der Tohoku-Universität in Sendai (Japan) untersuchte den Murchison-Meteoriten, der am 28. September 1969 in Victoria, Australien gefallen ist. Von dem kohligen Chondriten wurden etwa 100 kg geborgen. Bereits in den 1960er Jahren konnten Forscher in diesen kohlenstoffhaltigen Boliden Zucker wie Glukose und Arabinose gefunden. Eine Verunreinigung mit diesen Alltagssubstanzen war aber nicht auszuschließen. Anfang der 2000er kamen mit neuen Forschungen und verbesserten Methoden auch außerirdische Zuckersäuren und Zuckeralkohole hinzu. Bis auf Glukose hatten die gefundenen Verbindungen keine besondere biologische Bedeutung, so die Arbeitsgruppe um Furukawa.

Der Nachweis von Ribose verändert die Sicht. Ribose ist der zentrale Zucker der RNA, einer Nukleinsäure, die bei der Proteinbiosynthese unterschiedliche, zentrale Rollen spielt. Ohne sie kann eine Zelle nicht funktionieren. Die außerirdische Ribose ist aber definitiv unter nichtbiologischen Bedingungen entstanden.

Ob, wie Furukawas Publikation besagt, dieser außerirdische Zucker zur Bildung von Biomolekülen auf der frühen Erde beigetragen hat, erscheint der Redaktion zweifelhaft.

Die Originalarbeit in der PNAS


Fossile Schlange mit Beinen gefunden

Die Vorfahren der Schlangen hatten Beine. Schlangen haben keine. Es ist also zu erwarten, dass es irgendwann einmal Tiere gegeben hat, die schon sehr schlangenähnlich waren, aber noch Beine oder Beinreste trugen, wie es einige Skinks heute tun. Und tatsächlich, ein 95 Millionen Jahre altes Fossil aus der Provinz Rio Negro in Argentinien zeigt genau diese Kombination. Die Paläontologe Sebastian Apesteguia und Hussam Zaher aus Argentinien publizierten das Skelett jetzt im Fachmagazin nature. Es besteht aus Teilen des Schädels und des Körpers und zeigt robuste Hintergliedmaßen.

Funde der Najash rionegrina. Beide Abb: Creative Commons, Flinders University

Najash rionegrina
Vorstellung von Raul O. Gomez (Uni Buenos Aires) von Najash.

Najash rionegrina, so der wissenschaftliche Name des Tieres, ist bereits die zweite bekannte, fossile Schlangenart mit kräftigen Hinterbeinen. 1997 wurde aus der Kreide des Nahen Ostens Pachyrhachis problematicus als frühe Schlange erkannt. Das Tier war vorher bereits bekannt, wurde aber als Waran ähnliche Echse angesehen. P. problematicus war marin und stellt die Schwestergruppe zu allen anderen Schlangen dar. Najash rionegrina hingegen lebte in einer wüstenartigen Umgebung.

nature zu Pachyrhachis problematicus

nature zu Najash rionegrina


Unfall mit einem Wolfsrudel – oder auch nicht

Die B 156 zwischen Boxberg und Uhyst, das ist am Rande des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide und Teichlandschaft im Landkreis Görlitz, wurde am Mittwochabend zum Brennpunkt eines denkwürdigen Unfalls. Ein Autofahrer rief bei der Polizei an, er sei mit einem Wolfsrudel zusammengestoßen.

Die Beamten eilten zur Hilfe und fanden einen zerbeulten Mazda, einen durchgeschüttelten Autofahrer und vier tote Wildschweine im Straßengraben.


Nach Fund eines toten Delfins: in Südengland geht die Angst vor Weißen Haien um

Toter Delfin am Stran
Verstümmelter Delfinkadaver am Strand von Harlyn Bay. Opfer eines Hais? (Foto: Beach Guardian / SWNS)

Am Strand von Harlyn Bay in der Nähe von Pladstow in Cornwall ist der Kadaver eines Delfins angeschwemmt worden. Er weist zahlreiche Verletzungen auf, die auf den ersten Blick als Bissmarken eines großen Haies identifiziert werden können. Selbst das Boulevardblatt Mirror gibt jedoch als Zweitmeinung an, dass der Delfin an einer natürlichen Ursache gestorben und in eine Schiffsschraube geraten sei.

An der englischen Südküste haben im Frühjahr zwei Fischer unabhängig von einander die Sichtung eines weißen Haies gemeldet.

Mirror: Fears of great white shark stalking British beach after mutilated dolphin found


Feld-Ornithologisches

Diese Woche werden die typischen Irrgäste aus dem Vogelzug weniger. Die Meldungen sind voll vom Gleitaar aus Bröckel (nordöstlich von Hannover). Kein Wunder, er ist in Mitteleuropa nicht nur sehr selten, der weißgraue Greifvogel ist auch ein wunderschönes Tier.

Fahrt hin und fotografiert ihn, so lange er noch da ist!

Ansonsten berichten wir weiterhin von Irrgästen, die „bis auf Weiteres“ bleiben.

  • Die letzte Woche beobachtete Pazifik-Trauerente bleibt in der Geltinger Bucht
  • Die Prachteiderenten bleiben vor der Schlei-Mündung.
  • Seit mindestens einer Woche werden Ringschnabel-Enten auf den Meißendorfer Teichen bei Winsen an der Aller beobachtet.
  • Neu ist die bisher unbestätigte Beobachtung eines jungen Gerfalken in Eixen (Vorpommern).

Samstagnachmittag konnte am Redaktionsstandort in Leverkusen eine einzelne große Kranichformation auf dem Weg nach Südwest beobachtet werden.


Zu guter Letzt:

Ohne Kommentar 🙂