Halloween-Special: Peter Stump – der Werwolf von Bedburg

Lesedauer: etwa 5 Minuten
Hinrichtung des Peter Stump
Die Hinrichtung des Peter Stump. Kolorierter Kupferstich, der als Flugblatt weite Verbreitung fand.

 

Halloween hat sich in Deutschland ja zu einer Art Grusel-Karneval entwickelt. Auch die Kryptozoologie hat viel mit gruseligen Gestalten zu tun. Eine der Gruseligsten ist sicher der Werwolf, ein Mann (nur selten gibt es Werwölfinnen), der sich unter gewissen Umständen in einen Wolf verwandeln kann. Nicht nur in einen normalen Wolf, sondern in einen, der sich schlimmer benimmt, als ein tollwütiges Tier. Vor allem scheint er daran interessiert zu sein, möglichst viele Menschen umzubringen.

 

Das Rheinland zwischen Bonn und Duisburg ist eine der Zentren der Werwolf-Mythen. Hier gibt es nicht nur den klassischen Wolf-Mann, sondern auch andere Formen, wie den „Aufsitzer“, der Reisenden Kraft raubt, oder den Stüpp.

Eine mehr oder weniger bekannte Überlieferung ist die Geschichte von Peter Stump. Er wurde tatsächlich einem Prozess unterzogen und grausam hingerichtet. Bevor wir hier die ganze Geschichte wiederholen, zapfen wir einfach den Podcast von „Mord im Pott“ an. Hört selbst:

 

 

 

 

 

Ein berühmter Prozess

Peter Stump wurde 1525 geboren und am 31. Oktober 1589 in Bedburg hingerichtet. Sein Prozess wurde wegen der unglaublich erscheinenden Vorwürfe berühmt. Er soll in 25 Jahren in Gestalt eines Werwolfes mindestens 16 Menschen umgebracht haben. Weiter hat man ihm Vergewaltigung, Kannibalismus, Inzest, Zauberei und Zusammenleben mit einer Teufelin vorgeworfen.

 

 

Am 28. Oktober 1589 hat man den 64-jährigen Peter Stump grausam hingerichtet. Er wurde zunächst „aufs Rad geflochten“. Dabei wurde der Delinquent auf ein Wagenrad gefesselt. Ein Henker brach ihm mit einer Eisenstange alle Gliedmaßen, oft mehrmals. Diese wurden dann durch die Speichen gezogen, was extrem schmerzhaft war. In der Regel tötete der Henker den Delinquenten dabei kurz nach Beginn der unwürdigen Prozedur mit einem gezielten Schlag auf das Herz, so dass er die Schmerzen nicht ertragen musste. Peter Stump blieb diese Gnade verwehrt. Er sollte im Anschluss noch bei lebendigem Leib enthauptet und seine Überreste dann auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden.

 

 

Doch warum diese grausame Strafe? Die Vorwürfe, 16 Morde, Vergewaltigung und Kannibalismus sind schwer. Ob der Vorwurf, sich in einen Wolf verwandeln zu können, noch schwerer wog? Wölfe waren damals eine ständige Bedrohung der Viehhaltung, auch Menschen hatten Angst vor ihnen, fielen ihnen aber selten zum Opfer (vgl. Bestie des Gevaudan). Da man so etwas wie Ökologie nicht verstand, galten sie einfach nur als gnadenlose Räuberbande, mit der man nicht verhandeln konnte.

 

Aber wieso warf man das ausgerechnet Peter Stump vor? Am Ende bleibt es unbekannt. Ein überschießendes Geständnis unter der Folter ließ dann auch keine Fragen unbeantwortet. Zu den möglichen Hintergründen, hört einfach in den Podcast hinein, es wird hochpolitisch. Immerhin war der Prozess so bekannt, dass man Flugblätter hierzu druckte und sie weit verbreitete.

 

Die Folgen des Werwolfprozesses gegen Peter Stump

Der ganze Prozess und die in der Folge verbreiteten Flugblätter war auf Abschreckung ausgerichtet. Wieso das Ganze passierte, ist heute nicht mehr abschließend zu klären. Die Folgen sind jedoch bemerkenswert. In der Gegend um Köln wird heute eine der Werwolf-Erscheinungen als Stüpp bezeichnet. Er lauert Reisenden an einem Kreuzweg, einer Friedhofsmauer oder einer Furt auf, springt sie von hinten an und lässt sich von ihnen ein Stück tragen. Dabei scheint er immer schwerer zu werden.
Der Name „Stüpp“ ist eine Abwandlung von Stump, der damals auch als Stubbe-Peter (rheinisch: „Stübbe-Pitter“) bezeichnet wurde. In unterschiedlichen Varianten ist er immer noch in dieser Gegend regelmäßig vertreten.

 

Insgesamt etwa 250 Werwolf-Prozesse sind zwischen 1423 und 1720 belegt. Der Die Kunde des Falls von Peter Stump gelangte sogar in die benachbarten Niederlande, mit denen reichlicher Austausch bestand. Aber auch in Dänemark und England fand er Beachtung, vermutlich weil hierhin Drucke der Flugblätter gelangten.

 

Er ist heute noch in der lokalen Mythologie präsent. Die Stadt Bedburg hat einen Werwolf-Wanderweg geschaffen, auf dem sie auf 7 Stationen entlang der Erft vom Leben Peter Stumps berichtet.

Der Stüpp wiederum hat seinen Einzug in die rheinischen Spukgestalten gefunden. Er wurde teilweise mit dem Aachener Bahkauv (Bachkalb) gleichgesetzt, das sich ebenfalls von Reisenden herumtragen lässt.

 

Der Stüpp scheint jedenfalls mit der Zeit immer kleiner und weniger mächtig zu werden. Bald wurde er von einem Werwolf zu einem großen, schwarzen Hund mit glühenden Augen. Im 19. Jahrhundert verlor er sich aus der Welt der realen Wesen und wurde zu einem gespenstischen, harmlosen, gleichwohl lästigen Quälgeist.
Im 21. Jahrhundert schließlich tritt er als „Hackestüpp“ in der TV-Serie „Mord mit Aussicht“ der ARD auf.

 

Es scheint, dass sich Peter Stumps Zorn über seinen Prozess und seine sehr ausführliche Hinrichtung verflogen ist …

 

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